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DFB-Pokal

Hertha BSC und der HSV im DFB-Pokal – Das traditionelle Versagen

Kai Butterweck | Dienstag, 15. September 2020 ohne Kommentar

Nach dem frühzeitigen Scheitern im DFB-Pokal schrillen in Berlin und Hamburg bereits die Alarmglocken

Hertha BSC scheitert in der ersten Runde des DFB-Pokals an Zweitligaaufsteiger Eintracht Braunschweig. Stephan-Andreas Casdorff (Tagesspiegel) zeigt mit beiden Daumen nach unten: „Die so wichtige Achse über Torwart, Innenverteidigung, zentraler Mittelfeldspieler, Stürmer ist komplett verloren gegangen. Der Kapitän erst kurz vor dem Spiel bestimmt (Stark), keine Hierarchie innerhalb der Mannschaft: alles Baustellen, die nicht auf einen schnellen Erfolg hindeuten.“

Eine Saisonvorbereitung wie ein Menetekel

Thomas Hürner (SZ) macht sich ebenfalls große Sorgen: „Hertha hat eine Saisonvorbereitung wie ein Menetekel hinter sich: Trainiert werden konnte häufig nur in einer kleinen Gruppe, da zahlreiche Spieler entweder verletzt waren oder sich nach Länderspielreisen in häusliche Quarantäne begeben mussten, gegen Braunschweig fehlte deswegen etwa Mittelstürmer Krzysztof Piatek. Pandemiebedingt gibt es bei den eigentlich neureichen Berlinern nur schleppende Transfergeschäfte, zehn Weggängen stehen nur vier Zugänge gegenüber. In der Summe ergibt das eine Mannschaft, die sich fast überall im defizitären Bereich bewegt. Das Braunschweig-Spiel lieferte dafür zahlreiche Indizien.“

Sebastian Schmitt (Berliner Zeitung) hingegen bleibt ganz ruhig: „So paradox es nach einer Niederlage bei einem Zweitliga-Aufsteiger klingen mag: Der Auftritt kann den Berlinern durchaus Mut machen, den kompletten Fehlstart zu vermeiden und positiv dem ersten Spieltag am Sonnabend bei Werder Bremen entgegenzublicken. Denn neben der teils vogelwilden Defensive gab es Lichtblicke. So bewies der von Olympique Lyon verpflichtete Lucas Tousart, dass er Herthas Spiel im Mittelfeld seinen Stempel aufdrücken kann. Die Offensivkräfte Dodi Lukebakio und allen voran der spielfreudige Matheus Cunha zeigten eindrucksvoll, wie viel individuelle Qualität Hertha mittlerweile besitzt.“

Ein Warnschuss in der gelben Hölle

Mit dem HSV zieht ein weiterer „Traditionsverein“ die Erstrunden-A-Karte. Gegen bissige Kicker aus Dresden haben die Rothosen nicht viel entgegenzusetzen. Luis Vieira Heine (mopo.de) stellt Warnschilder auf: „Ein Pokal-Debakel für den HSV in der gelben Hölle. Und ein Warnschuss. Vier Tage bleiben HSV-Trainer Daniel Thioune noch, um an den nötigen Stellschrauben zu drehen. Dann steht der Zweitliga-Auftakt gegen Absteiger Fortuna Düsseldorf an. Es wartet noch eine Menge Arbeit auf die Hamburger.“

Nach dem enttäuschenden Spiel (aus HSV-Sicht) nimmt sich Hamburgs Verteidiger Toni Leistner einen Dresdner Fan zur Brust, der ihn verbal übel attackiert. Ganz Fußball-Deutschland fragt sich nun: Darf der Toni das? Carsten Arndt (sport1.de) springt dem HSV-Profi zur Seite: „Was sich am Montagabend in Dresden abspielte, mag auf viele verstörend gewirkt haben – in erster Linie war es aber einfach nur menschlich. Ich könnte kaum mehr Verständnis dafür aufbringen, dass Toni Leistner den feigen Pöbler mal kräftig durchgeschüttelt hat! Da haben Fans endlich wieder die Möglichkeit, ins Stadion zu gehen, und ein armer Idiot tritt all das mit Füßen.“

Fans umschubsen verboten!

Kollege Christian Pachwitz (sport1.de) sieht das anders: „Auf die Tribüne zu stürmen, einem Fan an die Gurgel zu gehen und diesen umzuschubsen, ist schlichtweg ein No-Go. Bei allem Verständnis für Emotionalität: Auch einem Profi, selbst bei einer Partie unter besonderem Stern wie in diesem Fall die Rückkehr zum Ex-Verein, darf so etwas einfach nicht passieren – mögen fehlgeleitete Fans ohne Manieren Leistner und seine Familie noch so beleidigt haben.“

Sebastian Wolff (kicker.de) ist gespannt: „Im März stand der Fußball still als Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zur Zielscheibe von Schmähungen wurde, Spielabbrüche erschienen im Wiederholungsfall als letzter Ausweg. Das legitimiert nicht Leistners Gang auf die Tribüne, und dennoch gilt es auch hier ein Zeichen zu setzen: Zuschauer erkaufen sich mit dem Erwerb einer Eintrittskarte nicht das Recht, andere Menschen zu beleidigen. Und für Profis bedeutet das Gehalt kein „Schmerzensgeld“, mit dem abgegolten wird, dass sie alles hinzunehmen haben. Es geht im Fall Leistner um weit mehr als um das richtige Strafmaß für dessen Aussetzer – es geht auch um ein Signal an die Gesellschaft: Grenzüberschreitungen und verbale Entgleisungen dürfen kein Normalzustand sein.“

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