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Bundesliga

Deadline Day – Chaos mit Ansage

Kai Butterweck | Mittwoch, 7. Oktober 2020 ohne Kommentar

Auf den letzten Transfermetern schlägt so manch Bundesligist nochmal kräftig zu. Anderen hingegen sind die Hände gebunden

Der vermeintlich brimborische „Deadline Day“ hat es in diesem Jahr wirklich mal in sich. Peter Ahrens (spiegel.de) hat hohen Puls: „Das Transfergeschäft ist kompliziert genug, durch die Umstände dieses Jahres sind sie noch komplizierter geworden. So kompliziert, dass selbst der FC Bayern am Schlusstag noch vier Personalien verkündet, drei Zugänge, einen Abgang. In München, wo sie so großen Wert darauf legen, ihre Personalplanung so seriös wie möglich abzuwickeln, ist das eine Maßnahme, die wahrscheinlich einmalig bleibt.“

Florian Kinast (spiegel.de) beschäftigt sich mit Bayern-Rückkehrer Douglas Costa: „Douglas Costa mag zwar mit steigendem Alter seine größte Stärke einbüßen, das extrem hohe Tempo mit dem Ball am Fuß. Bei Juventus war er zuletzt kein Stammspieler. Als Alternative zu Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman aber dürfte er funktionieren, zumal er keine Eingewöhnungszeit braucht. Dass er keine langfristige Lösung auf den offensiven Außen sein wird, kann der FC Bayern gewiss verschmerzen. Von seinen drei genannten Konkurrenten ist schließlich niemand älter als 25.“

Kurzfristiges Maßnahmepaket

Christof Kneer (SZ) steht applaudierend vor der FCB-Geschäftsstelle: „Muss man den Bayern jetzt also einen Brief an die Eltern mit nach Hause geben, weil sie die Hausaufgaben nicht gemacht haben? Nein, das muss man nicht. Die ungewöhnlich späte Transferoffensive ist eine Reaktion auf eine neue konjunkturelle Lage. Die Last-Minute-Personalien sind eine Art kurzfristiges Maßnahmenpaket in einer Corona-Zeit, die keiner voraussehen konnte – keiner konnte die massiven Einnahmeverluste der Klubs ahnen, keiner konnte ahnen, dass der Spielplan so kräftezehrend getaktet sein würde. An den zentralen hierarchischen Positionen ist Bayerns Kader ja längst fertig, die Lücken klafften an den Rändern – die haben die Bayern nun, wenn auch mit Verspätung, geschlossen.“

Roman Gerth (sportbuzzer.de) gesellt sich dazu: „Zum Vergleich: Chelsea ließ sich seinen Großangriff mit Timo Werner, Kai Havertz und Co. rund 250 Millionen Euro kosten. Und der FC Barcelona, im Champions-League-Viertelfinale der Vorsaison bekanntermaßen mit 2:8 gegen die Münchner untergegangen, gab immerhin mehr als 120 Millionen Euro aus. Bayern geht aufgrund der hohen Belastungen der kommenden Monate mit seinem Kader zwar ins Risiko, am Ende sieht vieles nach einer Not-Lösung aus – aber immerhin blieb man dabei an der Säbener Straße in der Corona-Krise vernünftig.“

Verzweiflung macht sich breit

Julian Graeber (Tagesspiegel) schüttelt den Kopf: „Je länger die Transferperiode dauert, je näher dessen neuerdings gerne als „Deadline Day“ bezeichnetes Ende rückt, desto kreativer werden die Vereine. Oder auch desto verzweifelter – alles eine Frage der Auslegung. Das hat sich bei allen pandemiebedingten Umwälzungen nicht verändert. Exemplarisch sei hier der FC Bayern genannt.“

Frank Hellmann (FR) schließt sich an: „Am Bremer Airport wartete der Learjet, der Milot Rashica bei Bedarf nach England hätte fliegen können. Dann ging es jedoch mit dem Auto ins Rheinland, denn wenige Stunden vor Transferschluss witterte Bayer Leverkusen ein Schnäppchen. Der 24-jährige Dribbler, das werthaltigste Verkaufsobjekt des sportlich wie wirtschaftlich angeschlagenen Fast-Absteigers SV Werder, sollte plötzlich auf Leihbasis kommen. Doch in der Kürze der Zeit konnten sich die Klubs auf keine Kaufoption einigen. Hätte die Werkself den Kosovaren wirklich gewollt, hätten die Verantwortlichen um Rudi Völler diese Spur eher aufgenommen. Zurück blieben nur Verlierer. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie sehr das Virus die Marktgesetze infiziert hat, dann lieferten ihn dieses Drama.“

In Berlin-Westend freut man sich auf die Dienste des französischen U21-Nationalspielers Matteo Guendouzi. Wolfgang Heise (Berliner Zeitung) ist gespannt: „Die Qualitäten des französischen U21-Nationalspielers sind unbestritten. Ruhe am Ball, viel Übersicht, doch er ist eben auch ein Rebell mit Lockenmähne. Für Bruno Labbadia wird das eine echte Herausforderung. Langweilig ist dieser Transfer bestimmt nicht.“

Alles bleibt beim Alten

In Frankfurt hält man den Transferball flach. Peter Hess (FAZ) kommentiert den hessischen Sparkurs: „Gewagte Hochrechnungen, je nach dem letzten Ergebnis hyperoptimistisch oder hyperpessimistisch, mögen eine Fußball-Diskussion beleben, taugen jedoch nicht als Prognose über den Tag hinaus. Ein Blick über die letzten Resultate hinaus auf den Kader zeigt, dass die Eintracht zwar einige Spieler verpflichtet und einige verloren hat, aber der Stamm der prägenden Kräfte zumindest gleich geblieben ist, durch Younes vielleicht sogar erweitert wurde. Vor allem aber hat sich die Mentalität des Kaders nicht verändert. Deshalb ist von der neuen Eintracht nichts grundlegend anderes zu erwarten als das, was man von der alten kennt.“

In Bremen passiert noch weniger. Heiko Lütkehus (sport.de) sieht schwarz: „Sich in jüngerer Vergangenheit nur an der Resterampe bedient zu haben, rächt sich jetzt. Werder Bremen hat sich komplett verrannt und muss mit dem jetzigen Personal mehr denn je um den Klassenerhalt zittern – daran ändern auch die mit einer Menge Glück zusammengehamsterten sechs Punkte zum Saisonstart nichts.“

Björn Knips (deichstube.de) überreicht dem Abstiegsgespenst ein grünes Trikot: „Werders Mittelfeld gleicht dem eines Abstiegskandidaten. Da ist eigentlich nur noch Maximilian Eggestein als Konstante, die aber vergangene Saison auch große Probleme hatte und nun sogar als Sechser aushelfen muss. Die Hoffnungen ruhen davor auf einem Jung-Profi wie Jean-Manuel Mbom und einem Langzeitverletzten wie Kevin Möhwald. Das ist mehr als nur riskant! Bei allem Verständnis für vernünftiges Wirtschaften: So spart sich Werder Bremen direkt in die 2. Liga.“

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