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Internationaler Fußball

Thomas Tuchel und PSG – Rien ne vas plus!

Kai Butterweck | Dienstag, 29. Dezember 2020 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit der Entlassung von PSG-Coach Thomas Tuchel   

Thomas Tuchel entdeckt unter dem Weihnachtsbaum eine ganz besondere Überraschung: seine Entlassung. Claus Vetter (Tagesspiegel) ist entsetzt: „Tuchel hatte die Mannschaft im Sommer 2018 übernommen und in diesem Jahr erstmals in das Finale der Champions League geführt. Dort verloren die Pariser dann gegen die Bayern, trotzdem war das schon achtbar für den Klub, der seinen internationalen Ansprüchen stets hinterherlief. Und der einstige Mainzer und Dortmunder Trainer hatte in Paris einen Vertrag bis Mitte 2021. Aber jetzt ist schon ein Nachfolger in Sicht: Der Argentinier Mauricio Pochettino. So kann das also gehen, zu jeder Zeit. Der Fußball, nein in diesem Fall eher wohl PSG, kennt keine Feiertage. Das ist, ganz ehrlich gesagt – der Champions-League-Titel in der Sparte Respektlosigkeit.“

Jan Christian Müller (FR) winkt zum Abschied: „Thomas Tuchel ist ein überragender Trainer, er ist deshalb ein reicher Mann geworden, er wird auch aus dem Pariser Engagement ohne tiefe Kratzer herauskommen und wenn er will, zeitig einen Job in einer Topliga bekommen. Er dürfte nur nirgendwo jemals so verabschiedet werden wie Jürgen Klopp in Mainz, Dortmund – und eines Tages sicher auch beim FC Liverpool.“

Dieser Job war kein Geschenk

Jan Göbel (spiegel.de) hilft beim Kofferpacken: „Dieser Job war kein Geschenk, aber Tuchel geht aus der Geschichte in Paris auch nicht als Verlierer hervor. Nur wird Tuchel in der Zukunft einen Verein finden müssen, der damit klarkommt, wenn er auch mal aneckt.“

Oliver Meiler (SZ) schüttelt den Kopf: „Mit Leonardo war das Klima dermaßen schlecht geworden, dass man annehmen muss, die Trennung sei vom Sportchef schon lange geplant gewesen. Die Weihnachtspause bietet einige Tage für die Neusortierung, in Paris geht der Fußball erst am 6. Januar weiter. Der Stürmer Neymar, so hört man, soll derweil daheim in Brasilien eine große Party planen – fünf Tage aneinander, mit angeblich 500 Gästen, man gönnt sich ja sonst nichts in Corona-Zeiten.“

Was kommt nach Paris? Florian Wichert (t-online.de) wedelt mit dem DFB-Fähnchen: „Bei Tuchel dagegen ist es eine Win-Win-Situation. Er ist verfügbar, sobald er sein Aus in Paris verdaut hat. Ein international anerkannter Toptrainer, der mit Stars umgehen kann, eine klare und moderne Spielidee hat. Genau das, was die Nationalelf jetzt braucht. Und für ihn? Wäre es eine riesige Ehre, den wichtigsten Trainerjob in Deutschland antreten zu dürfen.“

Nicht die beste Ausgangslage

Der Kollege Robert Hiersemann (t-online.de) hält dagegen: „Tuchel ist ein akribischer Arbeiter und will seine Profis jeden Tag besser machen. Als Bundestrainer würde er die Spieler aber unregelmäßig sehen und sie damit nur selten trainieren können. Das passt nicht zu Tuchel. Bei PSG war es Tuchel gewohnt, sich seine Profis zusammenzukaufen. Beim DFB müsste er mit dem arbeiten, was er hat. Nicht die beste Ausgangslage für einen ehrgeizigen Trainer wie ihn. Deshalb wird sich Tuchel den Job als Bundestrainer nicht antun.“

Mauricio Pochettino wird als Tuchel-Ersatz gehandelt. Lukas von Hoyer (sport1.de) ist gespannt: „Der Argentinier hat früher selbst bei PSG gespielt und trainierte zuletzt fünf Jahre (bis 2019) Tottenham Hotspur. Bei den Spurs hat sich der 48-Jährige einen großen Namen in der Fußball-Welt gemacht. Mit seinen Spielern – zu denen auch Stars wie Harry Kane zählten – unterhielt er ein gutes Verhältnis. Probleme auf zwischenmenschlicher Ebene drangen zumindest nicht in die Öffentlichkeit. Pochettino dürfte erfahren genug sein, um ein Team um die Superstars aufzubauen. Er muss aber erst beweisen, ob er auch einen Plan B kreieren kann – und ob er es besser kann als Tuchel, Emery, Blanc und Ancelotti.“

Tom Vaagt (sportbuzzer.de) applaudiert dem „Gescheiterten“: „Lief es gut, war Tuchel in den vergangenen zweieinhalb Jahren geduldet. Wurde mal nicht gewonnen, rumorte es innerhalb der Klubführung um Sportdirektor Leonardo, der nie ein glühender Anhänger des Trainers war. Nun also der Schlussstrich. Vielleicht muss man Tuchel als Verlierer der internen Scharmützel bezeichnen. Insgesamt betrachtet verlässt er den Klub aber als großer Gewinner.“

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