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Bundesliga

Spätzünder und Streithammel

Kai Butterweck | Mittwoch, 6. Januar 2021 Kommentare deaktiviert für Spätzünder und Streithammel

In München kommt man erst spät auf Touren. In Berlin geht’s hoch und runter. Und in Stuttgart und Gelsenkirchen rappelt es hinter den Kulissen

Gegen Mainz laufen die Bayern wieder einmal einem Rückstand hinterher. Danial Montazeri (spiegel.de) blickt mit Sorgenfalten auf der Stirn in die Zukunft: „Der Spielplan ist eng getaktet. Alle paar Tage aggressives Pressing zu betreiben, wird da zur Herausforderung. Eigentlich wären die Bayern gut beraten, ihre Spiele mit möglichst wenig Aufwand zu gewinnen, um Kräfte zu sparen für die heiße Saisonphase. Solche Start-Ziel-Siege aber waren beim FC Bayern zuletzt die Ausnahme. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das rächt.“

Jonas Austermann (FR) bewundert Bayerns Mittelfeldmotor: „Joshua Kimmich breitete die Arme vorwurfsvoll aus, blickte grimmig in Richtung Schiedsrichter Markus Schmidt und schüttelte ungläubig den Kopf. Wer den nimmermüden Bayern-Antreiber in der Nachspielzeit gegen Mainz so sah, wäre sicher nicht darauf gekommen, dass der 25-Jährige seine Mannschaft zuvor wachgeküsst und zu einem spektakulären 5:2-Sieg gegen den Vorletzten geführt hatte. Aber Kimmich wollte in der Nachspielzeit eben noch einen Elfmeter haben – ein Sinnbild für die pure Willenskraft, mit der der FC Bayern derzeit seine Spiele gewinnt.“

Richtige Rahmenbedingungen

In Berlin-Köpenick träumen Träumer bereits von rauschenden Europapokalnächten. Julian Graeber (Tagesspiegel) adelt Union-Coach Urs Fischer: „Damit sich Spieler wie Marvin Friedrich, Christopher Lenz, Robert Andrich oder Sheraldo Becker so positiv entwickeln können, brauchen sie ein funktionierendes Umfeld. Und damit die Mannschaft auf diesem hohen Niveau in der Bundesliga funktioniert, müssen die Spieler individuelle Fortschritte machen. Der Fischerschen Logik kann man nicht widersprechen – und doch ist in den zweieinhalb Jahren seines Wirkens in Köpenick deutlich zu erkennen, dass der Schweizer ein Meister darin ist, die richtigen Rahmenbedingungen für sein Team zu schaffen.“

Auch ein paar Kilometer weiter nordwestlich ist die Stimmungslage wieder besser. Jörn Lange (morgenpost.de) schubst einen blau-weißen Rückkehrer ins Rampenlicht: „Wertvoll war Cordoba aber nicht nur wegen seines vierten Saisontores, sondern vor allem wegen seiner Präsenz. Der bullige Angreifer verkörperte vieles, was Hertha zuletzt abgegangen war – Robustheit und Durchsetzungskraft, Selbstvertrauen und Überzeugung.“

Boris Herrmann (SZ) outet sich als Hier-und-Jetzt-Berlin-Fan: „Es widerspricht dem Gerechtigkeitsgefühl vieler Menschen, dass der Profibetrieb weiterläuft, während das ganze Land zum Stillstand verdammt ist. Aber als emotionale Wärmestube erfüllt dieser Sport gerade jetzt keine ganz unwichtige Funktion. Vor allem als Beobachter des Berliner Fußballs bekommt man in diesem einsamen Winter ein erstaunlich gutes Unterhaltungsangebot serviert.“

Kollektiver Kampfgeist

Die Eintracht aus Frankfurt setzt mit dem Sieg gegen Leverkusen ein dickes Ausrufezeichen. Marc Heinrich (FR) ist voll des Lobes: „Den Frankfurtern gelang es so gut wie bislang niemand anderem, die Auswärtsqualitäten der Werkself zunichtezumachen; bis zum Samstag ging die Auswahl von Trainer Bosz in dieser Bundesligasaison auf fremdem Terrain nicht einmal als Verlierer vom Feld. Wobei die Eintracht ein gutes Beispiel dafür abgab, wie einer deutlich besser besetzten Elf, wie sie die Leverkusener vorzuweisen haben, beizukommen ist: Dem nur zu Beginn der ersten Halbzeit ersichtlichen Vorteil des Gegners begegneten Hütters Spieler mit kollektivem Kampfgeist, der in vielen engen Duellen um den Ball den Ausschlag gab und so Räume schuf, in die sie beherzt vorstießen.“

Thomas Hitzlsperger versus Claus Vogt: Seit geraumer Zeit kriselt es hinter den VfB-Kulissen. Vor der Partie gegen Leipzig kommt es wohl zu einer ersten Annäherung. Oliver Fritsch (Zeit Online) schaut genau hin: „Das Spiel gegen Leipzig, die Kameras fingen es ein, verfolgten sie miteinander, nebeneinander, beieinander, vielleicht auch eher hintereinander. Wer weiß, wenn die Corona-Regeln nicht alle zur Zurückhaltung verpflichten würden, hätte man Verbrüderungsgesten beobachten können. Auch twitterten beide in ähnlichen Ausmaßen von Reumütigkeit über ein gemeinsames Gespräch, das vorab stattgefunden habe, und gelobten Besserung. In Stuttgart wird aus Zweifel Vertrauen, die Faust wird zur Hand, aus Hass wird Liebe. 2021 wird alles besser.“

Clemens Tönnies will Schalke noch einmal finanziell unter die Arme greifen. Sollten Jochen Schneider und Co. zugreifen? Klaus Hoeltzenbein (SZ) stapelt Fragezeichen: „Droht der Untergang, greift der Untergehende nach jeder Hand, die sich ihm entgegenstreckt. Wem das Wasser hoch überm Hals steht, dem bleibt meist nicht die Zeit, in einem ausgewogenen Verfahren den Charakter des Helfers auf seine Seriosität zu prüfen. Der greift zu, lässt sich retten – und hofft darauf, dass fortan alles anders, alles besser wird. Aber muss man sich wirklich zu jeder Zeit von jedem retten lassen? Oder kann man nicht einfach mal mit Anstand untergehen? In der Hoffnung, unter Wasser vielleicht doch eine Luftblase zu entdecken, die es erlaubt, in einer anderen Zukunft wieder aufzutauchen.“

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