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Deutsche Elf

Hansi Flick – Ganz oben

Kai Butterweck | Mittwoch, 26. Mai 2021 1 Kommentar

Hansi Flick beerbt Joachim Löw. Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem kommenden Bundestrainer

Nach der kommenden Europameisterschaft übernimmt Hansi Flick das Amt von Bundestrainer Joachim Löw. Gerhard Pfeil (spiegel.de) applaudiert: „Beim DFB sind alle glücklich, mit Flick einen derart hochdekorierten Nachfolger für Löw gefunden zu haben. Der neue Mann für »Die Mannschaft« ist beliebt bei den Fans, weil er als stiller, fleißiger Arbeiter gilt. Ein Gegenentwurf zum Nivea-Model Löw, der zur Selbstinszenierung neigte und zuletzt oft seine eigentlichen Aufgaben schleifen ließ.“

Christian Spiller und Oliver Fritsch (Zeit Online) sind guter Dinge: „Aufgabe ist es, mit Blick auf die Erfahrungen von 2018, Spieler zu finden, die Lust haben, für ihr Land zu spielen. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingt. Wenn es läuft, kommen viele gern. Es gab aber auch Zeiten, da sah der ein oder andere Auftritte im DFB-Dress als lästige Pflicht denn als Ehre. Spielern diese Verantwortung klarzumachen, das ist Flick zuzutrauen.“

Auch Jan Christian Müller (FR) gratuliert: „Der künftige Job kommt Flick insoweit entgegen, als er nicht zweimal wöchentlich vor Mikrofonen stehen und Fragen beantworten muss. Auch Querelen mit dem Manager sind nicht zu erwarten. Flick und Oliver Bierhoff pflegen ein ungleich vertrauensvolleren Umgang miteinander als Flick und Hasan Salihamidzic das jemals getan haben. Zumal Bierhoff ja auch keine Spieler kaufen kann, die Flick nicht haben will, und keine wegschicken darf, die Flick dabeibehalten möchte. So fügt sich zusammen, was zusammengehört.“

Tobias Nordmann (n-tv.de) schließt sich an und rollt den roten Teppich aus: „Beim DFB bekommt Flick als Nationaltrainer all die Macht, die ihm beim FC Bayern untersagt blieb. Die alleinige Hoheit über alle sportlichen Angelegenheiten der Mannschaft. Bei der Kaderzusammenstellung mischt niemand mit. Auch nicht der mächtige Bierhoff, den Flick aus seiner Assistenzzeit von Löw zwischen 2006 und 2014 eben lange genug kennt, um zu wissen, ob es womöglich ebenfalls unüberbrückbare Differenzen geben könnte. Flick ist bei der Auswahl seiner Spieler nicht an finanzielle Zwänge gebunden, sondern nur an die Spielberechtigung und muss dann auch nicht hinnehmen, dass Verträge mit Leistungsträgern gegen seinen ausdrücklichen Willen auslaufen.“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) klopft Oliver Bierhoff auf die Schultern: „Rechtzeitig vor dem Start der EM-Vorbereitung ist die (sportlich) wichtigste Personalie also geklärt – und dafür holt sich Oliver Bierhoff die Lorbeeren ab. Der DFB-Direktor hat die – mit Verlaub – nicht allzu schwierige Aufgabe zur Zufriedenheit aller ziemlich fix gelöst und ist mal wieder der große Gewinner im Verband.“

Karlheinz Wild (kicker.de) ist gespannt: „Den Fußballstil, den er mit München pflegte, kann er direkt mit der Nationalmannschaft praktizieren. Die Darsteller sind großenteils identisch. Einen Robert Lewandowski kann aber auch er nicht für die DFB-Auswahl aus dem deutschen Nichts für die Sturmmitte herbeizaubern. Deshalb ist es nur vorausblickend und richtig, dass fortan alle DFB-Auswahlteams plus die Trainerausbildung plus die Akademie in die Zuständigkeit dieses Bundestrainers gehören. Flick wird ein präsenterer DFB-Chefcoach sein, als es Löw über weite Phasen war. Und er muss umfassende Reformen durchsetzen.“

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) atmet tief durch: „In den vergangenen Wochen und Monaten hat der DFB ein Bild des Jammers und des Schreckens angegeben, insofern ist es sehr beruhigend, dass zumindest die Besetzung der wichtigsten sportlichen Position im Verband rasch geklärt werden konnte. Denn so wie sich der DFB aktuell präsentiert, wäre es zumindest nicht ausgeschlossen gewesen, dass ein verdienter Mitarbeiter der Haustechnik interimsmäßig als Bundestrainer hätte einspringen müssen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Hansi Flick – Ganz oben”

  1. Charly
    Dienstag, 1. Juni 2021 um 22:13

    Jetzt ist Thomas Tuchel ganz oben.

    Und keine Sau redet über Hansi, Pep und Klopp.

    Schade, dass Sportjournalismus und Fantum nur in der Rückschau (hindsight bias) funktionieren 😉

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