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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2020

Euro 2020 – Die Löwen brüllen wieder

Kai Butterweck | Montag, 5. Juli 2021 ohne Kommentar

Der historische Sieg gegen Deutschland war keine Eintagsfliege. Die Kicker von England-Coach Gareth Southgate lassen auch gegen die Ukraine nichts anbrennen

Nach dem Viertelfinalsieg gegen die Ukraine träumt ganz England vom ersten Titel seit 1966. Cedric Voigt (spiegel.de) ist gespannt: „Reicht es für den ersten internationalen Titel seit der WM 1966? Drei Konkurrenten sind noch übrig: Die Spanier, spielerisch bärenstark, doch vor dem Tor verschwenderisch. Die Italiener, ähnlich gut organisiert wie England, doch mit ungleich mehr Spielwitz. Und Dänemark – vielseitig, bissig, am Mittwoch der englische Halbfinalgegner. Fest steht: Jedes Team, das sich England noch in den Weg stellt, wird ein härterer Brocken als die Ukraine.“

So kühl wie der englische Sommer

Kit Holden (Tagesspiegel) reibt sich die Augen: „Auch die besten englischen Teams spielten manchmal wild, hatten Glück oder wackelten irgendwann unter dem ständig riesigen Druck. Die Spieler von Gareth Southgate wirken hingegen so kühl wie der englische Sommer. Als ob sie den Druck einfach nicht spüren, als ob sie wirklich daran glauben, Favorit zu sein. Sie wirken wie Bayern München, Real Madrid oder Juventus. Sie wirken aber auf keinen Fall wie England.“

Fabian Scheler (Zeit Online) outet sich als Fan: „Raheem Sterling hat es mit der gesamten ukrainischen Mannschaft aufgenommen – und gewonnen. Für seinen Lauf und seinen Pass vor dem 1:0 würde ihm bei der Tour de France wohl das Trikot des kämpferischsten Fahrers verliehen. Für den Pass mit der Hacke vor dem 3:0 würden ihm die Franzosen vielleicht sogar einen Platz im Louvre anbieten.“

Beamtenfußball mit wuchtigen Eskalationen

Tobias Nordmann (n-tv.de) ist beeindruckt: „Es war wirklich bemerkenswert, wie die Engländer immer wieder den Druck erhöhten, wenn es nötig war. Sie begnügten sich aber auch oft genug damit, das Spiel einfach nur unter Kontrolle zu halten, wenig bis keine Gefahr zuzulassen. Eine Art Beamtenfußball mit wuchtigen Eskalationen.“

Eugen Epp (stern.de) stolpert bei Hier-und-jetzt-Fangesang-Recherchen über den Namen Neil Diamond: „Der Einsatz von „Sweet Caroline“ hat seinen Ursprung offenbar in den USA, berichten englische Medien. Bei Spielen des Baseballteams Boston Red Sox läuft der Song bereits seit 2002 bei jedem Spiel. Der Legende nach wurde er dort erstmals 1997 gespielt, weil eine Mitarbeiterin eine Tochter namens Caroline bekommen hatte – die Fans waren so begeistert, dass sie ihn immer wieder hören wollten. In der englischen Premier League singen unter anderem die Fans von Aston Villa das Lied regelmäßig während der Spiele ihres Klubs. Jetzt ist das Stück einer der Ohrwürmer der Fußball-EM geworden – wahrscheinlich auch wegen der Zeile „Good times never seemed so good“, die die englischen Fans nach Siegen besonders leidenschaftlich herausbrüllen.“

Vielversprechende Alternativen

Toni Kroos beendet mit 31 Jahren seine Nationalmannschafts-Karriere. Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) hat schon einige Nachfolge-Kandidaten auf dem Zettel: „Unabhängig davon, ob Ilkay Gündogan seinem „Nachbarn“ im deutschen Mittelfeld folgen wird, hat der neue Bundestrainer genügend vielversprechende Alternativen. Dass er Joshua Kimmich wieder in der Zentrale sieht, ist kein Geheimnis, ebenso wenig Flicks Wertschätzung für Leon Goretzka und das 18-Jährige Juwel Jamal Musiala. Dazu kommen der etwas offensivere, Mit Musiala gleichaltrige Florian Wirtz – sowie Florian Neuhaus oder Mo Dahoud.“

Benjamin Zurmühl (t-online.de) verneigt sich: „Jeder, der mal Fußball in einem Verein gespielt hat, weiß, wie wichtig es ist, einen Teamkollegen zu haben, den man immer anspielen kann. Einen, der gerne den Ball am Fuß hat und keinen Druck verspürt. Einen, der das Spiel lesen kann und die nächste Lösung im Kopf hat. So einer ist Toni Kroos.“

Constantin Eckner (watson.de) setzt alle Kroos-Kritiker schachmatt: „Es ist einfacher, Bilder wie jenes des blutigen Schweinsteigers im WM-Finale in Erinnerung zu behalten als die 1000 perfekten Pässe von Kroos. Und genau darin lag zumindest in Deutschland immer die Krux für den heute 31-Jährigen. Er machte sehr viele Dinge richtig, aber wenige dieser Dinge waren außerordentlich spektakulär. Kroos war immer ein Schachspieler mit Sinn für die nächsten Züge. Er war aber nie einer, bei dem Trikots zerrissen oder emotionale Ausbrüche über die Kameraobjektive in heimische Wohnzimmer transportiert wurden.

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