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Hertha BSC – Rien ne va plus, alte Dame?

Kai Butterweck | Dienstag, 1. März 2022 Kommentare deaktiviert für Hertha BSC – Rien ne va plus, alte Dame?

Noch kein Pflichtspielsieg im neuen Jahr: Bei Hertha BSC herrscht Untergangstimmung. Außerdem: Torflaute in Frankfurt, zwei Becker-Fäuste an der Alten Försterei und ein Matchwinner aus Leverkusen mit viel Zug zum Tor

Auch in Freiburg gibt es für Hertha BSC nichts zu holen. Am Ende stehen die Kicker von Coach Tayfun Korkut erneut mit leeren Händen da. Der Berliner Trainer sieht in der zweiten Halbzeit „ein Spiel auf Augenhöhe“. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) nimmt den Ball auf: „Ein Trainer, der mit seinem Team im Abstiegskampf steckt, der mit der besonderen nervlichen Belastung konfrontiert ist und auch die Psyche nicht außer Acht lassen darf, ein solcher Trainer neigt manchmal dazu, die Dinge besser zu reden, als sie tatsächlich sind. Gegen diese Versuchung sind sie auch bei Hertha in dieser Saison nicht völlig gefeit gewesen, und trotzdem hatte Korkut mit seiner Sicht auf das Spiel in Freiburg recht. Nur: Was nützt das, wenn am Ende ein 0:3 auf der Anzeigetafel aufleuchtet?“

Felix Kunkel (sport1.de) hat eine Prise Mitleid im Gepäck: „Unter Korkut holten die Berliner in der Bundesliga im Schnitt nur 0,82 Punkte pro Spiel. Mit Dárdai waren es in dieser Saison immerhin noch 1,08 gewesen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hertha derzeit offenbar vom Pech verfolgt wird. Eigentlich konnte das Team gegen Freiburg ordentlich mithalten – doch am Ende stand es wieder ohne Punkte da. Ein Grund dafür war sicherlich auch die vorherrschende Personal-Not der Herthaner.“

Akute Formschwäche

Roland Zorn (FAZ) beobachtet einen kämpferischen Berliner Trainer: „Wacker versuchte Tayfun Korkut, die Ruhe zu bewahren, als auch im siebten Rückrundenspiel der erste Sieg verfehlt worden war. Zwei Unentschieden und fünf Niederlagen sprechen Bände für die akute Formschwäche der im Schatten des erfolgreichen Hauptstadtklubs Union Berlin krampfhaft um die Trendwende bemühten Hertha. Korkut, der Nachfolger des nicht ganz so glücklosen Pal Dardai, wartet seit 72 Tagen auf die Trendumkehr, erweckt aber dennoch nicht den Eindruck, als wären seine Mittel und Möglichkeiten schon erschöpft.“

Inga Böddeling (Berliner Morgenpost) macht der Berliner Offensive Druck: „Die Dichte an Verletzungen und immer neuen Corona-Fällen ist groß, Match-Plan A wird meist schon unter der Woche über den Haufen geworden, Plan B folgt dann auch recht bald, am Ende muss Plan C oder sogar Plan D herhalten. In Freiburg bedeutete das: Marcel Lotka, Herthas Nummer fünf im Tor, feierte sein Bundesliga-Debüt. Am 20-Jährigen lag es nicht, dass es die 13. Saisonniederlage setzte. Das hatte die Offensive zu verantworten, die seit der Winterpause in sieben Partien nur fünf Treffer produzierte und auch in Freiburg so gehemmt wirkte, dass es Korkut manchmal verzweifeln ließ.“

Fabian Scheler (Zeit Online) wundert sich: „Beim Spiel der Hertha in Freiburg wurde ein Elfmeter gegeben, der eigentlich keiner war. Ein Moment wie gemacht für den Videoschiedsrichter. Doch er blieb stumm.“

Verheerende Rückrundenbilanz

Auch in Frankfurt zeigt die Formkurve nach unten. Ralf Weitbrecht (FAZ) macht sich Sorgen: „Seit Wochen fehlt es an Fortüne im Abschluss. Die Eintracht trifft das Tor nicht mehr. Die Rückrundenbilanz mit lediglich vier Punkten aus sieben Spielen ist verheerend. Noch profitiert die Glasner-Elf von dem Zwischenspurt im Spätherbst, der dafür verantwortlich war, dass man ambitioniert auf Tabellenplatz sechs überwintern konnte. Doch dieser Kredit ist aufgebraucht.“

Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein (FR) fordern mehr Struktur: „Es sind nicht nur die letzten Pässe, die nicht ankommen, generell ist das Eintracht-Spiel wieder zu holprig, fehlerbehaftet und ausrechenbar, da wird zu viel gebolzt und zu wenig kombiniert. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Hessen in vier der letzten fünf Spielen ohne eigenen Treffer blieben und in den letzten drei Partien jeweils nur eine Großchance für sich verbuchen (und vergeben) konnten: Gegen Wolfsburg versiebte Lindström, in Köln Sebastian Rode und nun gegen die Bayern eben Kostic. Alles andere sind allenfalls Halbchancen.“

Gegen Mainz findet der 1. FC Union Berlin zurück in die Spur. Charlotte Bruch (Tagesspiegel) feiert Matchwinner Sheraldo Becker: „Kein Zufall war die Flanke, die von Sheraldo Becker kam. Der Niederländer war mal wieder einer der Aktivsten auf dem Platz, bot sich ständig an, forderte den Ball und suchte auch selbst mal den Abschluss. Das sollte sich mit seinem Traumtor dann auch auszahlen und passte sowohl zu seinem Spiel an diesem Tag als auch dem der vergangenen Wochen. Er war stets einer der Wenigen, die mal für Gefahr sorgten im gegnerischen Strafraum. Was in den vergangenen Wochen einzig und allein gefehlt hatte, war die Effektivität vorm Tor, auch bei ihm.“

Sehr gute Statistiken

Leverkusens Franzose Moussa Diaby wächst im Spiel gegen Arminia Bielefeld über sich hinaus. Felix Haselsteiner (SZ) applaudiert: „Der Sieg gegen Bielefeld, mit dem Leverkusen den dritten Tabellenplatz absicherte, ging in großen Teilen auf Diabys zwei Tore in der zweiten Halbzeit zurück. Der hervorragend aufgelegte Leverkusener Außenstürmer trägt Bayer aktuell durch die Rückrunde: sieben Tore, eine Vorlage, das sind sehr gute Statistiken.“

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