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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Freiburg im Jubi-Rausch, ein nahender Abschied mit Folgen und Chaos auf dem Transfermarkt

Kai Butterweck | Freitag, 31. Dezember 2021 ohne Kommentar

Zwischen den Jahren beschäftigt sich die Presse mit SCF-Coach Christian Streich, Union-Goalgetter Taiwo Awoniyi und BVB-Urgestein Michael Zorc

In dieser Woche feiert Christian Streich sein zehnjähriges Dienstjubiläum beim SC Freiburg. Charlotte Bruch (Tagesspiegel) verneigt sich: „Bescheidenheit und Authentizität sind Streichs Markenzeichen und während viele Trainer fast nur in Floskeln sprechen, sind Interviews und Pressekonferenzen von Streich nie langweilig. Der Coach des SC Freiburg schaut über den Tellerrand, hat etwas zu sagen – und äußert sich regelmäßig zu Themen, die mit Fußball allenfalls am Rande zu tun haben. Das vermisst man zunehmend in der Bundesliga, wo die wenigsten sich trauen, ihre Meinung deutlich kundzutun.“

Wenn Christian Streich zur Pressekonferenz lädt, spitzt Daniel Theweleit (FAZ) die Ohren: „Ein kleiner Kreis von Berichterstattern stellt Fragen über Taktiken, Systeme, nächste Gegner, vergangene Spiele, manchmal auch zur Lage der Bundesliga oder des Weltfußballs. Der 56 Jahre alte Trainer hört gut zu. Wo Kollegen vorgefertigte Satzbausteine zusammensetzen, denkt er ernsthaft nach, um ebenso ehrliche wie gehaltvolle Antworten geben zu können.“

Keiner für den großen Auftritt

In Frankfurt beschäftigt sich Daniel Schmitt (FR) mit dem neuen „Direktor Profifußball“: „Ben Manga, der in früheren Jahren eine Automechaniker-Ausbildung abschloss, ist keiner für den großen Auftritt, niemand, der gerne im Fokus steht, der Reden schwingt und erklärt, warum was wie läuft. Das gehört nicht zu seinen Stärken. Langfristige Strategien zu entwickeln, überlässt er gerne anderen, wenngleich dies für einen Direktor Profifußball durchaus auch zum Jobprofil gehört.“

Unions Top-Torjäger Taiwo Awoniyi düst im Januar nach Kamerun zum Afrika-Cup. Kit Holden (Tagesspiegel) klärt darüber auf, was auf die Berliner Verantwortlichen zukommen könnte: „Im schlimmsten Fall könnte Kamerun vor dem Ende des Turniers in der Liste des Robert-Koch-Instituts hochgestuft werden. Aktuell gilt das afrikanische Land genau wie der Großteil Europas nur als Hochrisikogebiet. Der vollständig geimpfte Awoniyi müsste damit nach seiner Rückreise nicht in Quarantäne. Bei einer Hochstufung auf ’Virusvariantengebiet’ würde er sich aber für 14 Tage isolieren müssen, und womöglich noch länger ausfallen. In dem Fall müsste Union sogar zu einer dramatischen Rückholaktion greifen.“

Westfälischer Schlawiner

Philipp Selldorf (SZ) ist sich sicher, dass der Abschied von Michael Zorc im kommenden Sommer ein großes Loch in der BVB-Führungsetage reißen wird: „Manche Klubs sind damit beschäftigt, den Verlust von personeller Strahlkraft im eigenen Haus zu verkraften. Auch Watzkes BVB gehört dazu, im Sommer verlässt Sportchef Michael Zorc den Verein, dem er in einer Zeit beigetreten ist, als noch Willi „Ente“ Lippens und Lothar Huber das Westfalenstadion unterhielten. Die historischen Wurzeln könnten einen glauben lassen, dass Zorc bestimmt schon mindestens 100 Jahre alt ist, in Wahrheit ist er aber erst 59 und könnte dem Verein mit seinem Fußballwissen, seinen Kontakten und seiner sowohl westfälischen wie schlawinerhaften Art noch eine ganze Weile weitere große Dienste leisten – will er aber nicht.“

Vom Gipfelgeschehen mal abgesehen, ist und bleibt die Bundesliga spannend. Stefan Döring (rp-online.de) reibt sich die Hände: „Innerhalb von zwölf Punkten tummeln sich derzeit 15 Mannschaften. Vermutlich rechnen sich insgeheim auch noch die Krisenklubs Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg oder Hertha BSC ernsthafte Chancen auf eine Europapokal-Teilnahme aus, wenn sie doch endlich ihr vermeintliches Potenzial abrufen würden. Gänzlich ausgeschlossen ist das freilich nicht, sind doch noch 51 Punkte in der Rückrunde zu vergeben – und Schwächephasen kommen schneller, als sich das der eine oder andere vorstellen mag.“

Erodiertes Vertrauen

Bei der Jahresbilanz von Jan Christian Müller (FR) geht es auch um die Veränderungen an der DFL-Spitze: „Geschäftsführer Christian Seifert ging per Trommelwirbel mit Fundamentalkritik an Politik, Fanvertretungen und DFB. Diplomatische Floskeln ließ er dabei aus. Fanorganisationen reagierten verstimmt, nachdem Seifert deren Wirkmacht für viel zu hoch befunden hatte. Sie kontern, Seifert habe seiner Nachfolgerin Donata Hopfen ein schweres Erbe hinterlassen. Mühsam aufgebautes Vertrauen zur DFL sei erodiert. Perspektiven: Am 1. Januar übernimmt Hopfen die Seifert-Nachfolge. Sie gilt als toughe Managerin, muss aber Acht geben, dass die Alteingesessenen um Aufsichtsratschef Aki Watzke nicht versuchen werden, sie am Gängelband durch die Manege zu führen.“

Christof Kneer (SZ) befasst sich mit dem Transfermarkt in Corona-Zeiten: „Tatsächlich dürfte Corona so viele ablösefreie Spieler hervorbringen, wie es sie in keinem Sommer zuvor gab. Und auch in diesem Fall hat das Virus das Potenzial, eine Gesellschaft zu spalten – in (wenige) Superstars wie Mbappé, Pogba oder Dembélé, die ihre Ablösefreiheit auskosten und schamlose Handgelder herausschlagen werden; in (einige) Topspieler wie Süle, Ginter, Rüdiger oder Zakaria, die immer noch gute Vereine und gute Handgelder bekommen dürften; und in (viele) Durchschnittsprofis, für die „ablösefrei“ erst mal das neue „arbeitslos“ sein könnte.“

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