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Bundesliga

Ernüchterung, Beständigkeit und fehlender Wille

Kai Butterweck | Mittwoch, 3. November 2021 ohne Kommentar

Ist die Spielvereinigung Greuther Fürth nicht bundesligatauglich? Endet der Freiburger Höhenflug gegen wiedererstarkte Bayern? Und warum können die Kicker von Hertha BSC kein Spiel drehen?

Bei der Spielvereinigung Greuter Fürth läuft bisher noch nicht allzu viel zusammen. Philipp Selldorf (SZ) ist besorgt: „Der Schrecken, der zurzeit von den Fürthern für den nächsten Gegner ausgeht, besteht lediglich in der Angst, sich nicht mit einer Niederlage blamieren zu wollen. Ein Angstgegner sind sich die Kleeblätter somit nur noch selbst, denn nichts ist zermürbender als die Gewohnheit des Verlierens. Irgendwann werden sich die Spieler vielleicht fragen, ob sie überhaupt imstande sind, ein Erstliga-Spiel zu gewinnen.“

Wolfsburg neuer Coach Florian Kohfeldt feiert einen perfekten Einstand. Roland Zorn (FAZ) fasst die gelungene Premiere zusammen: „Was van Bommel mit seinem diffus anmutenden Versuch, mehr Ballbesitzfußball in Wolfsburg zu implementieren, nicht schaffte, will Kohfeldt nun mit der Rückkehr zu den alten Werten plus der Zufuhr neuer Stilelemente erreichen. Bei seiner Premiere sei es „am allerwichtigsten gewesen, die Intensität hoch zu halten, sodass wir irgendwann den Schuss mehr zusetzen konnten“. Das gelang den Niedersachsen dank eines defensiv konzentrierten, offensiv aber nur punktuell überzeugenden Auftritts. Bei den wichtigsten Parametern aber waren die Wolfsburger den ersatzgeschwächten Leverkusenern voraus. Ihr Energielevel war spürbar höher als das des Tabellenvierten.“

Hart und furchtlos

Die n-tv.de-Sportredaktion feiert Dortmunds Jung-Juwel Jude Bellingham: „Der 18-Jährige ist in Rekordzeit zu einem Publikumsliebling gereift, den Trainer Marco Rose zärtlich „einen kleinen Drecksack“ nennt. Hart, furchtlos, die Fans nach perfekten Tacklings mit erhobenen Armen anpeitschend: Bellingham befindet sich in einer Blitz-Metamorphose zum Leader.“

Jan Christian Müller (FR) adelt den Mainzer Jae-Sung Lee: „Coach Svensson hat Lee inzwischen zur Stammkraft befördert, Leandro Barreiro verlor seine Planstelle, und man muss sagen: Seitdem agiert Mainz 05 unvorhersehbarer als zuvor. Mit seinen kurzen Drehungen vermag Lee, dem Spiel oftmals eine überraschende Wende zu geben. Drei Siege nacheinander sind die Folge. Lee ist ein schlauer Spieler, der sich gern zwischen die Linien schleicht und so in den Defensiven der Gegner für Unordnung sorgt.“

Mannschaft der Stunde

Der SC Freiburg mischt weiterhin munter oben mit. Melanie Muschong (t-online.de) applaudiert: „Freiburg ist aktuell die deutsche Mannschaft der Stunde, steht man doch mit 19 Punkten als einzig ungeschlagenes Bundesliga-Team auf Platz drei in der Tabelle. Und nicht nur das: Seit Christian Streich Trainer ist – seit Dezember 2011 – stand der SC Freiburg nach dem 9. Spieltag noch nie so gut da wie jetzt. Der große Unterschied zu vielen Rivalen: Wo andere Teams sich Jahr für Jahr einen neuen Millionenkader zusammenstellen, setzt der SC Freiburg auf Beständigkeit. Neun Spieler im Freiburger Kader spielen bereits seit 2018 oder länger für das Team. Sie sind zusammengewachsen. Haben gemeinsam reichlich Erfahrung gesammelt.“

Kollege Florian Wichert (t-online.de) hingegen glaubt nicht an eine langfristige SC-Erfolgsgeschichte: „Die Realität wird die Breisgauer schnell einholen. Wie immer. Kleine Erinnerungsstütze: Exakt vor zwei Jahren stand der Sportclub auch auf Platz drei, arbeitete sich im Laufe der Saison dann Schritt für Schritt nach unten und wurde am Ende Achter. Verstehen Sie mich nicht falsch: Für einen kleinen Klub, der für gewöhnlich gegen den Abstieg spielt, ist das ein toller Erfolg – und der wäre Platz acht auch in dieser Saison. Ein FC Bayern, der nach dem 0:5 im Pokal gegen Gladbach noch zornig und auf Wiedergutmachung brennt – siehe das 5:2 gegen Union Berlin am Samstag –, ist allerdings eine Nummer zu groß und wird Freiburg zermalmen.“

Schwächelnde Führungsspieler

In Frankfurt nimmt sich Ingo Durstewitz (FR) die sogenannten Führungsspieler zur Brust: „Die aktuelle Krise von Eintracht Frankfurt ist auch eine ihrer Leitfiguren auf dem Platz. Gerade die Routiniers, die wissen, wie der Hase zu laufen hat, müssten in einer verfahrenen Situation vorangehen, den Jungen und Neuen Halt geben. Doch das ist nicht der Fall. Im Grunde ist es zurzeit nur Kevin Trapp im Tor, der seine Leistung nach anfänglichen Wacklern seit Wochen konstant bringt, der der Mannschaft mit seinen Taten und seiner Präsenz hilft und auch die Akzeptanz erfährt, um ein Team anzuleiten. Die anderen aktuellen Führungskräfte von Eintracht Frankfurt schwächeln, haben mit sich selbst zu tun oder sind einfach nicht die Typen, um eine Truppe auf Kurs zu bringen.“

Fehlt den Kickern von Hertha BSC der letzte Wille? Stefan Hermanns (Tagesspiegel) kommt mit beunruhigenden Fakten um die Ecke: „Nur einmal in dieser Saison hat Hertha ein Spiel nach einem Rückstand noch drehen können – zu Hause gegen den Aufsteiger Greuther Fürth, einen Gegner, der sich im Laufe der bisherigen Saison als nur bedingt satisfaktionsfähig herausgestellt hat. Auch gegen Hoffenheim löste bei Hertha der Rückstand nicht etwa Trotz und Behauptungswillen hervor. Im Gegenteil: Die defensive Kompaktheit, Basis der jüngsten Erfolge, verflüchtigte sich zusehends, die Abstände stimmten nicht mehr, Herthas Spieler kamen dadurch nicht in die Zweikämpfe.“

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