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Bundesliga

Baustellen und Existenzkämpfe

Kai Butterweck | Dienstag, 8. März 2022 ohne Kommentar

Union kann auswärts nicht mehr gewinnen, Leverkusen verdient sich ein Unentschieden beim Rekordmeister und in Gladbach zuckt man nur noch ratlos mit den Schultern

Nach der dritten Auswärtsniederlage in Folge zieht man in Berlin-Köpenick die Augenbrauen zusammen. Julian Graeber (Tagesspiegel) tadelt die Union-Offensive: „Mit den Siegen gegen Mainz und St. Pauli hatten die Berliner eigentlich gehofft, nicht nur das leidige Thema Max Kruse endlich zu den Akten legen zu können, sondern auch die Fragen nach der mangelnden Effizienz. Doch das Spiel in Wolfsburg offenbarte sehr deutlich, dass die Offensive immer noch weit von der Kaltschnäuzigkeit bester Tage entfernt ist.“

Im Berliner Olympiastadion findet die Eintracht zu alter Stärke zurück. Thomas Kilchenstein und Daniel Schmitt (FR) atmen tief durch: „Ob nun dieser nie gefährdete Sieg am Samstag gegen ein zutiefst verunsichertes, im Grunde lebloses Berliner Ensemble im freien Fall der herbeigewünschte Brustlöser sein kann, der den (spielerischen) Knoten der Hessen zum Platzen bringt, sei einmal dahin gestellt. Selbst Glasner weiß es nicht, „das wird man sehen“, bedeutete er nur. Schon vor Wochenfrist wollte der Fußballlehrer die „Talsohle durchschritten“ gesehen haben. Der Erfolg war aber auf alle Fälle enorm wichtig für die innere Befindlichkeit, für die Atmosphäre, für die Stimmung, er könnte der Mannschaft die erforderliche Ruhe und Gelassenheit für die nächsten Wochen und Monate geben.“

Ambitionierte Großprojekte

Die Hertha wartet immer noch auf den ersten Sieg im neuen Jahr. Nico Fried (SZ) kann sich eine Prise Spott nicht verkneifen: „Es liegt nahe, den Fußballverein Hertha BSC mit dem Flughafen BER zu vergleichen, aber es ist falsch. Zwar handelt es sich um zwei ambitionierte Berliner Großprojekte, die über Jahre immer neues Personal verschlissen, immer neues Geld verschlangen und dafür Hohn und Spott über die Hauptstadt brachten. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Der Flughafen funktioniert inzwischen.“

In Leverkusen verfolgt man große Ziele. Tobias Holtkamp (sport1.de) adelt den 04-Chefcoach: „Trainer Gerardo Seoane ist kein Vize-Trainer, darüber lächelt er. Für ihn scheint das Siegen selbstverständlich, und eben auch, in Leverkusen damit weiterzumachen. Er hat sich den Klub, die Möglichkeiten dort, sehr genau angeschaut im vergangenen Frühjahr. Intensiv vergleichen, auch mit anderen Optionen. Er hat einen klaren Plan, was er dort erreichen möchte. In der Mannschaft, das erzählen Spieler, fühlen sie sich von Seoanes Arbeit und Überzeugung wahnsinnig gestärkt. Seinen Anspruch, ganz nach oben zu gelangen, vorne zu stehen, nach jedem Spiel, aber eben auch in der Tabelle, den lebt er tagtäglich vor.“

Macht Zusammenhalt am Ende den Unterschied aus?

Jan Christian Müller (FR) beschäftigt sich mit dem Thema Abstiegskampf: „Für Gladbach und die Hertha spricht: Beide befinden sich trotz ihrer anhaltenden Underperformance und dem hohen Grad der Selbstzerstörung in der noch immer relativ angenehmen Situation, dass die Spvgg. Greuther Fürth trotz ihrer Tapferkeit praktisch als Absteiger feststeht, Stuttgart ja weiter prekär gefährdet ist und zwei weitere notorische Underdogs sich keinesfalls sicher fühlen dürfen und das auch nicht tun: Arminia Bielefeld und der FC Augsburg. An beiden Standorten gilt allerdings mit nur wenigen Einschränkungen – wie geradezu vorbildlich beim bemerkenswert stabilen VfL Bochum – das, was auch Stuttgart gerade ausmacht: Zusammenhalt.“

In Wolfsburg freut man sich über Rückkehrer Xaver Schlager. Thomas Hürner (SZ) befasst sich mit dem österreichischen „Universaltalent“: „Viele haben sich in dieser Saison gefragt, wie der Vorjahres-Viertplatzierte zwischenzeitlich in den Abstiegskampf rutschen konnte, und eine Antwort darauf ist: Der Qualitätsverlust ohne Schlager war enorm, denn das Fehlen seines fleißigen Zuarbeiters schränkte auch die Einflussmöglichkeiten des VfL-Spielgestalters Arnold ein. Im Spiel gegen Union verstand sich das Zweiergespann wieder prächtig, es stärkte in einer neuen 4-4-2-Rautenformation die Wolfsburger Mittelachse und trieb bis zu Schlagers Auswechslung in der 65. Minute auch die Angriffe voran.“

Blutleere Vorstellung

Die Borussia aus Mönchengladbach fällt immer tiefer. Ingo Durstewitz (FR) ist geschockt: „Ihr Auftritt war fragwürdig, die Leistung desolat, daran ändern auch die beiden schön herausgespielten Tore nichts. Schon im ersten Abschnitt war es nur Torwart Sommer zu verdanken, dass die Elf vom Niederrhein nicht schon empfindlich zurücklag. Im zweiten Durchgang wurde sie förmlich überrollt, hatte dem Sturmwirbel der Schwaben nichts entgegenzusetzen. Bezeichnend für die blutleere Vorstellung war das Abwehrverhalten von Bocklos-Stürmer Marcus Thuram, der sich in der Schlussphase von Borna Sosa einfach überlaufen lief, als Krönung der Passivität auch noch stehenblieb und unbeteiligt zusah, wie das Unheil seinen Lauf nahm: Hereingabe Sosa, Abschluss Kalajdzic, 3:2, Knockout.“

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