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Bundesliga

Hertha holt Magath – Der „Schleifer“ ist zurück

Kai Butterweck | Mittwoch, 16. März 2022 ohne Kommentar

Bei der Hertha aus Berlin muss man derzeit mit allem rechnen, auch mit einer Verpflichtung von Trainerlegende Felix Magath

Felix Magath is back! In Berlin herrschen ab sofort Disziplin und Ordnung. Claudio Catuogno (SZ) kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Noch ehe in den sozialen Witzbuden das erste Staunen mithilfe von Datumsgags („Ist heute 1. April?“) überwunden war, kamen schon die unvermeidlichen Medizinbälle ins Spiel, begleitet von der Prognose, dass der „Quälix“ respektive „Schleifer“ Magath die Hertha-Spieler jetzt bestimmt täglich den Kreuzberg (66 Meter) hinaufscheuchen wird, während er ihnen das Trinken und bestimmt auch das Atmen verbietet. Wobei, welche Spieler eigentlich? Die aktuellen wird Magath ja alle rauswerfen, um nächste Woche 42 neue zu holen.“

Christian Spiller (Zeit Online) schließt sich an: „Viele Hertha-Fans glaubten an einen Scherz als ihr Verein verkündete, der Tee-, Brillen-, Medizinball- und Hügelaufschüttungsexperte würde Nachfolger des entlassenen Tayfun Korkut werden. Andererseits kann man sich in Berlin noch an Jürgen Klinsmann oder Otto Rehhagel erinnern – man ist also einiges gewohnt. Felix Magath ist aber selbst für Berliner Verhältnisse eine, nun ja, interessante Wahl. Sie ist vor allem ein ausgestreckter Mittelfinger an die eigene Mannschaft und soll heißen: Ihr schwitzt nicht genug.“

Der nächste Berliner Coup

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) stapelt Fragezeichen: „Bei allem, was dem Berliner Fußball-Bundesligisten gerade vorgeworfen wird, eines muss man ihm und seinem Sportchef Fredi Bobic wirklich lassen: Nach Tayfun Korkut im November haben sie mit Felix Magath gleich den nächsten Coup gelandet. Für Überraschungen sind sie bei Hertha also immer noch gut. Wobei man durchaus die Frage stellen kann, welche Entscheidung letztlich die seltsamere war oder ist: die Idee, die Mannschaft mit Korkut auf ein neues fußballerisches Niveau zu heben? Oder der Plan, mit dem 68 Jahre alten Magath zumindest den Absturz in die Zweite Liga noch abzuwenden?

Pit Gottschalk (sport1.de) ist gespannt: „Bei den Auftritten im Sportstudio oder Doppelpass sprach Magath, zugegeben, viel Wahres aus, wenn er die aktuelle Spielergeneration aufs Korn nahm. Tatsächlich ist die Begleitmusik lauter geworden, die ein Spieler heute hören will. Magath kommt eher von der Marschmusik: Er gibt den Takt vor, und keiner sollte bei ihm aus dem Gleichschritt kommen. Magath sieht alles. Vielleicht brauchen die Hertha-Spieler genau das.“

Stefan Rommel (spox.com) geht eine Etage tiefer und fordert ein generelles Umdenken: „In der langen Zeit, die Magath nun keine Erfolge mehr vorweisen konnte – ehe er nun aus dem totalen Nichts wieder auftaucht –, haben in der Trainerakademie des Deutschen Fußball-Bundes rund 250 Anwärter ihre FIFA-Pro-Lizenz erworben. Es mangelt nicht an deutschsprachigen, zumeist jungen, ganz sicher aber topmotivierten Trainern, die die Sprache der Spieler nicht nur sprechen, sondern allein auf Grund ihres Alters und ihrer Affinität zum Beruf ganz nah dran sind an der Bundesliga.“

Fredi Bobic am Pranger

Ist Fredi Bobic bei Hertha schon gescheitert? Robert Hiersemann (t-online.de) hat eine klare Meinung: „Natürlich ist Bobic an dem Chaos nicht allein schuld. Sein Vorgänger Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer verpulverten bereits vor seiner Zeit einen Großteil der Windhorst-Millionen. Aber Bobic machte eben nichts besser, sondern alles noch schlimmer.“

Kollege Florian Wichert (t-online.de) hält dagegen: „Bobic ist nicht gescheitert. Im Gegenteil. Hätten die Spieler seine Einstellung, würde der Klub um die Champions League spielen. Bobic ist der Einzige bei Hertha, der Ahnung und Biss hat. Er ist ehrlich, authentisch und wird nach Stuttgart und Frankfurt auch Hertha perspektivisch nach Europa führen, wenn der Klub ihm jede Unterstützung und volles Vertrauen schenkt.“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) erhöht den Druck: „Das Experiment Magath ist auch so etwas wie die Frage nach Gegenwart und Moderne, Laptop gegen Medizinbälle. Geht es gut, würde ich an Bobic´ Stelle auch in der kommenden Saison auf den 68-Jährigen setzen, der stets jünger war als sein wahres Alter. Geht es schief, ist auch Bobic gescheitert. Zwei Trainerfehlschüsse wären selbst für ihn einer zu viel.“

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