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Mach’s gut, Uwe!

Kai Butterweck | Montag, 25. Juli 2022 ohne Kommentar

Nach dem Tod von HSV-Legende Uwe Seeler erinnern Sportjournalisten in ganz Deutschland an einen ganz besonderen Fußballer und Menschen

Mit Uwe Seeler verliert nicht nur die Stadt Hamburg eine Fußball-Legende. Matthias Steiner (ndr.de) nimmt Abschied: „Der Hamburger Sportverein hat ein großes Stück Hamburg verloren. Eine Epoche ist zu Ende. Uwe Seeler war Hamburgs einziger Ehrenbürger aus dem Sport – gemocht und respektiert von allen, weit über den Fußball hinaus, weit über Generationen hinweg. So einen wird es nicht mehr geben. Das Volksparkstadion in „Uwe-Seeler-Stadion“ umzubenennen ist das Mindeste was gemacht werden kann, um „Uns Uwe“ zu würdigen.“

Jan Feddersen (taz.de) dreht die Zeit zurück: „Mit seinem Bruder Dieter wurde er das, was damals üblich war: Straßenfußballer. Ausbildung zum Speditionskaufmann, seit 1946 beim Hamburger SV, bis zum Karriereende Anfang der Siebziger nie ein anderer Verein, Mit 16 erste Einsätze bei den Erwachsenen, immer als Stürmer, Torjäger, Knipser, Antreiber, auf dem Platz dirigierend, das heißt, anmeckernd, mal auch gröber, aber nach Aussage vieler Mannschaftskollegen nie böse oder giftig, auch auf dem Platz „ruhig, kameradschaftlich und offen“, wie eine Klassenlehrerin ihn mal beschrieb.“

Wie ein Gentleman

Alexander Heflik (wn.de) schließt sich an: „Seine große Zeit lag in den 50er und 60er Jahren, allen Verlockungen des schnöden Mammons entsagte er. Hamburg war seine Perle, Mailand oder Madrid eben nicht. Bodenständigkeit war sein Prinzip. Sportlich hat er vieles erreicht, war ein Kind der neuen Bundesliga 1963, mit ihm wurde die Eliteliga populär. Er spielte im grandiosen WM-Finale 1966 von Wembley, er war beim Jahrhundertspiel 1970 gegen Italien mit dabei – beide Partien gewann er nicht. Es schmerzte ihn, doch er nahm es sportlich wie ein Gentleman.“

Thomas Hürner (SZ) mischt sich unter die trauernden Fans: „11 Uhr, noch zweieinhalb Stunden bis zum Anpfiff. Dutzende HSV-Fans versammeln sich, na klar, vor Seelers Bronzefuß, der seit 2005 vor dem Volkspark thront. Vier Tonnen schwer, 3,50 Meter hoch, 5,15 Meter breit. Ein Meer aus Blumen, Kerzen und HSV-Schals liegt vor dem Denkmal, aber auch Trikots von anderen Klubs, des FC Schalke 04 oder des Nordrivalen Werder Bremen etwa. Die Trauer geht eben über die Stadtgrenzen hinaus, sie verbindet Generationen.“

Er traf aus allen Lagen

Stephan-Andreas Casdorff (Tagesspiegel) erinnert an einen emsigen Arbeiter: „Komme was wolle, Regen oder Wind, wenn Uwe konnte, spielte er. Und traf. Und traf. Aus allen Lagen. Und wenn er nicht konnte – nach dem Achillessehnenriss Mitte der Sechziger –, dann arbeitete er härter als hart daran, dass er sechs Monate später wieder konnte. Das Stadion war sein Zuhause, und an ihm konnte jeder sehen, wie weit man mit Arbeit und Willen kommt.“

Ein Nachruf von Günther Klein (FR): „Uwe Seeler ist im Fußball immer eine Figur geblieben. Seine „Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft“, besetzt mit Ex-Profis, tourt noch immer über die Dörfer und ist unvergänglich berühmt geworden, als Franz Beckenbauer als Präsident von Bayern München die Spieler nach einem verlorenen Match in Lyon 2001 abkanzelte: „Das war Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft.“ Seeler selbst, mit Beckenbauer jedes Jahr zum Skifahren in Obertauern verabredet, hat ihm das nicht krumm genommen. Er hat nie jemandem etwas verübelt. Er war Sportsmann – auf dem Fußballplatz und im Leben. Und bleibt das in der Erinnerung.“

Lars Albrecht (mopo.de) fordert ein ganz besonderes Andenken: „Folgendes sollten der HSV und Rechteinhaber Klaus-Michael Kühne aber nun in die Wege leiten: Das Volksparkstadion muss künftig Uwe-Seeler-Stadion heißen! Uwe war natürlich viel zu bescheiden, um das zu fordern. Doch Hamburgs größter Fußballer hat es verdient. Jedoch sollte natürlich die Finanzierung der notwendigen Renovierungen der Arena geklärt sein, deren Bau Uwe Seeler einst mit auf den Weg gebracht hat.“

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