indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Sündenbock Funkel tritt zurück

Oliver Fritsch | Freitag, 22. Mai 2009 11 Kommentare

Friedhelm Funkel löst seinen Vertrag in Frankfurt auf, wohl einer Entlassung zuvorkommend, die Presse schützt ihn vor der Pauschalkritik aus dem Verein

Friedhelm Funkels wird seinen Vertrag in Frankfurt nicht erfüllen und morgen gegen Hamburg sein letztes Spiel als Eintracht-Trainer absolvieren. Es ist Auslegungssache, wie viel Freiwilligkeit hinter seiner Entscheidung steckt. Funkel, der solide arbeitet, aber nicht glanzvoll, stand seit Jahren bei Fans und Aufsichtsräten in der Kritik.

Ingo Durstewitz (FR) billigt die Trennung, gibt aber zu bedenken: „Vielleicht kehrt ein kleines bisschen Normalität ein in Frankfurt. Es ging schon länger nicht mehr um die Frage, ob Funkel ein guter oder schlechter Trainer ist. Es ging nur noch darum, ob man mit ihm als Feindbild auf Dauer gegen seine eigenen Fans spielen kann? Wohl eher nicht. Nun wird ein Neuer kommen, einer, der die Situation befrieden wird. Er kommt unbeleckt, er hat den Kredit, den Funkel nicht mehr hatte. Das muss nicht schlecht sein. Aber wer weiß schon, ob seine Nase den Fans und Aufsichtsräten im Winter noch passt?“

Gesicht wahren

Vor pauschaler Kritik nimmt Christof Kneer (SZ) funkel in Schutz: „Funkel hat es versäumt, den in den vergangenen zwei Jahren für 13 Millionen aufgerüsteten Kader zum Blühen zu bringen; aber nein, er konnte nichts dafür, dass elementare Profis wie Amanatidis dauerverletzt fehlten. Der Sündenbock Funkel hat am Ende all das abbekommen, was den Leuten an ihrer Eintracht nicht passte.“ Ein Nachfolgergerücht gibt es bereits: „Als Favorit gilt ein Mann, der auch nicht funkelt: Michael Skibbe.“

Gut umgehört hat sich Jürgen Heide (Tagesspiegel): „Schon seit mehr als einem Jahr war Friedhelm Funkel das Feindbild vieler Eintracht-Fans, die ihm eine unattraktive Spielweise der Mannschaft vorwarfen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Heribert Bruchhagen den Trainer sogar schon vor dem Spiel gegen den HSV beurlauben wollte, um damit einer geforderten Ablösung des Trainers bei der Aufsichtsratssitzung am Montag zuvorzukommen. Aufsichtsratschef Herbert Becker, der als Gegner Funkels gilt und mit einigen Kollegen dessen letzter Vertragsverlängerung nur widerwillig zugestimmt hatte, wollte Bruchhagen offenbar nicht den Vortritt lassen. Erst am Donnerstag, nachdem Funkel schon seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte, setzten Mitglieder des Aufsichtsrates durch, dass Funkel auch gegen den HSV noch auf der Bank sitzt und man sich auf die elegante Variante der Vertragsauflösung einigte. Mit dieser können bei der Eintracht alle ihr Gesicht wahren.“

Wo Kaiser gemacht werden

Auf den Leserbriefspalten der FR meldet sich Joachim Becker, offenbar ein Funkel-Kritiker, zu Wort: „Ist es denn schon Größenwahn, wenn in einer Stadt, in der über Jahrhunderte die deutschen Kaiser gemacht wurden, nach den Erwartungen des gut zahlenden Publikums wenigstens einmal ein Deutscher Meister gemacht werden soll?“ Er will wohl ein Nein hören.

Großer Nachbar vor Pflichtaufgabe

Einen Blick auf das Bundesliga-Finale wirft Ralf Lorenzen (taz), der sich mit den Meisterchancen Wolfsburgs befasst: „Der VfL Wolfsburg wird die Meisterschale höchstwahrscheinlich nach Niedersachsen holen und wäre damit nach Eintracht Braunschweig (1967) die zweite Mannschaft, der das gelingt. Im Weg steht allerdings noch der große Nachbar aus Bremen. Was für Wolfsburg das wichtigste Spiel der Geschichte ist, bedeutet für Werder lediglich eine lästige Pflichtaufgabe, die sie mit Anstand hinter sich bringen müssen. Die Bayern und Stuttgarter würden jeden anderen Gegner lieber in Wolfsburgs sehen als ausgerechnet die ausgelaugten Bremer, die ihre letzten Kräfte für das Pokalfinale sparen müssen. Selbst die Hoffnung, ein Triumph im Uefa-Cup könne den Grün-Weißen einen Euphorie-Schub verleihen, ist dahin. Die Bremer werden das Spiel zwar nicht bewusst verschenken, aber sie werden auch nicht über die Schmerzgrenzen hinausgehen.“

Kommentare

11 Kommentare zu “Sündenbock Funkel tritt zurück”

  1. bt
    Freitag, 22. Mai 2009 um 10:46

    Funkel geht mehr oder minder freiwillig, schön und gut. Aber was passiert mit den Co-Trainern und der medizinischen Abteilung. Die vielen muskulären Verletzten der Eintracht sind nicht alleine Funkels Schuld, da tragen andere einen Großteil der Schuld: nur darüber will keiner sprechen!

  2. Nixwisser
    Freitag, 22. Mai 2009 um 11:39

    Die Eintracht-Führung kapituliert vorm Mob und stellt sich damit selbst ein jämmerliches Zeugnis aus. Dem Kader fehlt es einfach an Klasse. Abgänge wie z. B. Skela, Jones und Streit sind für die Eintracht nicht zu verkraften. Gewiß, das sind nicht die allergrößten Leuchten der Liga, doch unter den Blinden…

    Meiner Meinung nach hat Funkel in Frankfurt sehr ordentliche Arbeit geleistet. Die Eintracht ist die beste Zweitligamannschaft des Landes. Das ist doch schon mal was.

    Bruchhagen hat sich bei der Trainerdiskussion nicht mir Ruhm bekleckert, aber unterm Strich hat er die Eintracht wieder in die Spur gebracht. Falls auch er geht, stehen uns mit etwas Glück und in bester Tradition wieder unterhaltsame Zeiten mit Zwietracht Zankfurt ins Haus. Die Fans haben ihre diesbezügliche Reifeprüfung bereits abgelegt.

  3. Deutscher Meister wird nur die SGE
    Freitag, 22. Mai 2009 um 13:31

    Was soll die Aufregung?
    Ein ordentlicher Trainer hat sich nach fünf Jahren mehr oder weniger ordentlicher Arbeit abgenutzt.
    Jetzt kommt hoffentlich mit Skibbe ein fachlich besserer Trainer, und wenn die Investitionen – 13 Millionen in den letzten zwei Jahren – auf dem Niveau bleiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein wenig mehr von den Potenzial eines Vereins ausgenutzt wird, der aufgrund seiner Möglichkeiten auf eine Stufe mit Lazio Rom, FC Valencia oder Aston Villa gehört.

  4. Nixwisser
    Freitag, 22. Mai 2009 um 14:01

    Welche Aufregung?

    Ja Skibbe ist genau der Richtige. Seine beeindruckende Erfolgsserie (EM 2004, DO – LEV – Istanbul) kann er ja bei der Eintracht ungebremst fortsetzen. Wobei: In Istanbul hat er wenigstens seine ironische Ader entdeckt (die ihm selbst bis dato unbekannt war).

    Freuen wir uns auf den charismatischen Charakterdarsteller Michi in seinem gespielten Witz „Isch bin der Träner und hab allem im Griff!“ – und einen Tabellenplatz zwischen 13 und 16.

  5. Hesse
    Freitag, 22. Mai 2009 um 20:51

    Für wie dumm hält die Eintracht die Leute eigentlich, wenn sie uns verkaufen will, Funkel sei freiwillig zurückgetreten. Bis nach dem 0:2 in Bochum hatte Funkel einen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen und klar gemacht, dass er „niemals aufgeben werde, hundertprozentige Rückendeckung genieße“. Und Bruchhagen verkündete noch trotzig, dass er dem öffentlichen Druck um den Trainer „absolut standhalten werde.“ Dass Funkel eine stattliche Abfindung erhalten wird, die den Etat belastet, sagt auch alles.

    Das alles ist eine Posse sondergleichen. Noch vor kurzem hat man sämtliche Verträge mit Funkel und seinen die Assistenten verlängert aus „tiefer Überzeugung“.

    Man ist in Frankfurt vor dem Mob eingeknickt und sonst nichts!

    Und jetzt versucht man da nur noch den schönen Schein zu wahren und dafür zu sorgen, dass Bruchhagen („Ich bin erleichtert gewesen, dass wir diesen Weg gefunden haben“) sein Gesicht wahren kann.

  6. womeninblack
    Freitag, 22. Mai 2009 um 22:58

    Ich finde es nach wie vor Schade, dass Funkel geht.
    Meiner Meinung nach hat er das bestmögliche aus dieser Mannschaft rausgeholt.
    16 Operationen bzw. Langzeitverletzte in einer Saison, dass muss auch erst mal kompensiert werden.
    Und wir haben keinen Kader wie Bayern München.
    Hoppenheim hat schon gejammert….
    Aber lassen wir das, ich bin gespannt, wie´s weitergeht.

    Ob´s allen unsern Ansprüchen genügen wird?
    Jetzt wird ja schon gejammert, dass Heribert…
    Aber lassen wir das.

    FORZA SGE

  7. Libero
    Samstag, 23. Mai 2009 um 00:47

    Da der Mob sich seiner Macht bewusst geworden ist, geht´s beim nächsten Trainer garantiert schneller. Zwei Heimniederlagen, und ab in die Pampa.

    Gerade die Eintracht ist selbst schuld. Es sind die Geister, die sie selbst rief, die jetzt die Stimmung bestimmen: Die Eintracht-Verantwortlichen selbst und die Fanbetreuung der Eintracht haben diesem Mob der Ultras (da man in Frankfurt die leider nicht mehr von Hooligans unterscheiden kann besser: „Hooltras“) bereits vor kurzem nachgegeben, nach den Vorkommnissen in Karlsruhe und schon seit Jahren hat man diese Krakeeler und Krawallmacher immer wieder privilegiert (z.B. durch eine in die Stadiontechnik implementierte Megaphonanlage, Zaunfahnenplätze und die Genehmigung und Förderung übergroßer Schwenkfahnen, Stehplatzdauerkartenverteilung, Aufhebung von Stadionverboten uvm.).
    Da braucht man sich jetzt nicht wundern, wenn diese Gruppen sich jetzt zu wichtig nehmen und die Meinungs- und Stimmungsmache (bis hin in die Medien) bestimmen.

    Man darf gespannt sein wen es als nächstes erwischt. Warum soll es z.B. nicht Bruchhagen schon bald teffen. Der muss dem Mob nur ein überlautes Megaphon verbieten oder deren Lautsprecheranlage leiser stellen lassen und schon wird sich der Mob Bruchhagen vornehmen.

    Bruchhagens Job ist ja ohnehin erledigt. Frankfurt muss in der Liga nicht mehr gegen Meppen spielen, die Schulden sind abgebaut, man muss auch nicht mehr mit unzähligen Absagen von Trainern rechnen, die an den Main kommen sollen.

    Also beste Voraussetzungen, dass endlich wieder Selbstdarsteller, Wichtigtuer und Möchtegern-Celebrities in Frankfurt die Regie übernehmen und dem Mob große Zeiten versprechen und Millionen, die man nicht hat, ausgeben um dann wieder den Steuerzahler anzubetteln.

  8. Mike
    Sonntag, 24. Mai 2009 um 07:52

    Dass Jermaine Jones keine Chance mehr bekommt kann ich nicht nachvollziehen: Er bringt in seinem Verein konstant sehr gute Leistungen. Gerade so ein Kämpfer wie Jones würde der Nationalmannschaft richtig gut tun, zumal auf seiner Position kein Überangebot besteht. Vielleicht sollte Jones stromlinienförmiger werden oder nach Hoffenheim oder Stuttgart wechseln um leichter bei Löw nominiert zu werden. Oder irgendwohin in die baden-württembergische Heimat von Löw halt…

  9. Eschborner
    Sonntag, 24. Mai 2009 um 09:59

    Italienische Verhältnisse in Frankfurt! Die Ultras (bei Lazio sogar rechtsradikale!) bestimmen die Vereinspolitik.

    Letztendlich ist Funkel am Frankfurter Mob, also den sog. Hooltras („Funkel raus – Hools rein“ http://www.fnp.de/fnp/sport/special-eintracht/rmn01.c.5817423.de.htm ) und denen, die „Fans“ mit „S“ in Runenschrift und mit Deppen-Apostroph schreiben ( http://www.fnp.de/sixcms/media.php/807/Graffitti.JPG ), gescheitert.
    Und sogar Bruchhagen (beim ersten echten Gegenwind knickt der bereits ein!) und die Regionalpresse sind nur noch Getriebene dieses Mobs…

  10. Kritscher SGE Beobachter
    Montag, 25. Mai 2009 um 11:37

    Die Fans der Eintrach leiden doch an einer Selbstüberschätzung die seinesgleichen sucht. Hier wird ein Verein der jedes Jahr gegen den Abstieg spielt mit Vereinen wie Lazio Rom, FC Valencia oder Aston Villa verglichen. Ich habe selten so gelacht. Von was für Möglichkeiten wird denn da gesprochen, bzw, sind denn gemeint? Einen Verein der zwar wirtschaftlich lt. eigener Aussage Gesund ist, aber vom Spielerpotential eher im unteren Bereich der Tabelle anzusiedeln ist, mit dem FC Valencia zu vergleichen kann nur ein Witz sein. Valencia hat zwar enorme Schulden, aber sportlich ist die Eintracht von denen soweit entfernt wie der Pluto von der Sonne. Also lieber mal die Bälle flach halten und mal überlegen was mit so einem Kader sportlich erreichbar ist. Alles dem Hr. Funkel in die Schuhe zu schieben ist nichs weiters als Unsinn. Der nächste Coach wird genauso gegen den Abstieg spielen wie Hr. Funkel. Zumal der Eintracht auch der Wegfall von zusätzlichen Einnahmen im VIP Bereich droht. Also für einen finanziell klammen Verein ein weiterer Rückschlag. Aber der nächste Houdini wirds schon richten und zaubert die Eintracht direkt in die Champions Leauge…
    Denn da sehen die Fans der Eintracht ihre SGE ja als Stammgast

  11. Holz
    Dienstag, 26. Mai 2009 um 13:54

    Es ist immer der gleiche Ablauf. Kaum erscheint Eintracht Frankfurt einmal etwas negativ in den Medien, kommen diese Gestalten wie „Libero“,“Eschborner“ etc aus Ihren dunklen Offenbacher Höhlen, um polemisch und völlig substanzlos auf den Verein und sein Umfeld einzuprügeln. Zum Glück wurde ihnen in den letzten Jahren dazu aber nicht allzuviel Gelegenheit gegeben. Allerdings sind die Beleidigungen dementsprechend härter und unsachlicher. Bevor ich mich hier aber auf eine emotionale Ebene begebe, die mir meinen Verstand benebeln könnte, überlasse ich das Feld wieder den Eintrachthassern. Auf gehts Jungs, haut noch was raus!!!

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

121 queries. 1,281 seconds.