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Deutsche Elf

Löws Experiment mit Götze und Özil

Christoph Asche | Freitag, 11. November 2011 Kommentare deaktiviert für Löws Experiment mit Götze und Özil

Beim Spiel gegen die Ukraine kann Joachim Löw experimentieren. Die Presse über die neue Flexibilität der Nationalelf, die Vision vom Favoritenfußball und ein Gastgeberland zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Jörg Marwedel schreibt auf sueddeutsche.de über das gar nicht mehr allzu ferne „Fernziel“ der Nationalmannschaft: „Auch wenn Bundestrainer Löw das Thema ‚Spanien‘ inzwischen am liebsten aussparen würde: Nur darum scheint es für die Profis zu gehen. Um die Revanche gegen das derzeit weltbeste Team, das sowohl im EM-Finale 2008 als auch im WM-Halbfinale 2010 jeweils 1:0 gegen die Deutschen gewonnen hatte. Die Endspiel-Arena in Kiew darf das DFB-Team am Freitag im Test gegen die Ukraine immerhin schon einmal erleben.“ Voraussichtlich wird Joachim Löw erstmals Götze und Özil gemeinsam spielen lassen. Für Marwedel ein Experiment, das „genau zu Löws Plan passt, die Deutschen künftig vermehrt Favoritenfußball spielen zu lassen. Einen Fußball, der dominanter ist und der phantastischen Auswahl im Mittelfeld gerecht werden soll.“

Experimente ohne Substanzverlust

Allen Umstellungen und Ausfällen zum Trotz – Stefan Rommel bescheinigt dem Nationalteam auf spox.com eine ausgeprägte Flexibilität und stellt fest: „Sein (Löws, Anm. d.Red.) eingespieltes Kollektiv erlaubt ihm selbst größere Umstellungen oder kompensiert Ausfälle.“ Der Bundestrainer sei mittlerweile soweit, freiwillig oder unfreiwillig Experimente wagen zu können, ohne dass er einen zu großen Substanzverlust bei seiner Mannschaft befürchten müsste, schreibt der Autor. Da die Nationalelf noch die Testspielgegner Frankreich und die Niederlande vor der Brust hat, sei es für die deutsche Auswahl „der letzte Test, ihren dominierenden Fußball gegen einen schwächeren Gegner zu verfeinern.“

Frank Hellmann porträtiert auf taz.de Ron-Robert Zieler, der heute Abend sein Länderspieldebüt gibt: „Obwohl Zieler genau wie der mit ihm um den Platz hinter Manuel Neuer rangelnde Tim Wiese gebürtiger wie überzeugter Rheinländer ist, kommt er ganz anders rüber; er taugt nicht als Selbstdarsteller; er ist kein Obermacker. Gelassenheit und Besonnenheit sind seine prägenden Merkmale.“ Dennoch habe Hellmann „herbstliche Schwankungen“ bei dem 22-Jährigen gesehen: „Sowohl in der Europa League als auch in der Bundesliga sah das einst bei Manchester United geformte Torwarttalent nicht wirklich gut aus.“ Dennoch: Zielers Berufung stehe „symbolisch für eine für höhere Aufgaben prädestinierte Torwart-Generation, zu der auch die allesamt bei der U21 weilenden Jungspunde Marc-André ter Stegen, Oliver Baumann und Kevin Trapp zählen.“

Ukraine zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Berliner Zeitung sieht den heutigen Gegner und EM-Gastgeber irgendwo „zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ schweben: „Zuletzt gingen nacheinander Testspiele gegen Tschechien, Frankreich, Schweden und Uruguay verloren und erst ein 2:0 gegen Playoff-Teilnehmer Estland beruhigte die Gemüter der mächtigen Oligarchen und fußballverrückten Finanziers der EM, die von (Trainer, Anm. d. Red.) Blochin vor allem eines erwarten: Die Ukraine soll als gesetzter Kopf der Gruppe D mindestens Viertel- und Halbfinale erreichen – trotz Platz 60 in der Fifa-Weltrangliste, hinter Panama oder Burkina Faso.“

Logistische Probleme in der Ukraine

Lars Gartenschläger berichtet für Welt Online über die Infrastruktur in der Ukraine, die angesichts des bevorstehenden Großereignisses für Sorgenfalten auf der Stirn sorgt: „In Lwiw zum Beispiel herrscht derzeit noch jeden Dienstag Flugverbot, weil dann an einem neuen Rollfeld gearbeitet wird. Kräne, Bagger und Planierfahrzeuge säumen derzeit auch viele Straßen im Land. Wer dieser Tage vom Flughafen Kiew in die Innenstadt will, braucht teilweise mit dem Auto eine Stunde.“ Die Beschilderung in den Zentren seien bislang nur für diejenigen lesbar, die kyrillisch lesen können. Das größte Problem aber wird die Unterbringung der Gäste, befürchtet der Autor. „Mit bis zu 600.000 Besuchern wird während des Turniers in der Ukraine gerechnet. Doch selbst mit den rund 30 Hotels, die jetzt noch landesweit gebaut werden, wird es nicht reichen, alle Fußballtouristen komfortabel unterzubringen.“ Ein noch größeres Problem könnten die vielen streunenden Hunde werden: „Bis zu 15.000 dieser Tiere leben teilweise in den großen Städten wie Kiew oder Lwiw, und einige von ihnen greifen in aggressiven Rudeln immer wieder Passanten an. Nun drangen Bilder und Berichte an die Öffentlichkeit, wonach die Hunde nicht eingefangen und kastriert, sondern vergiftet und verbrannt werden. Der europäische Fußballverband Uefa distanzierte sich von dieser Maßnahme, bat aber um Lösungsvorschläge, die Situation zu verbessern. Es ist ein Kampf gegen die Zeit.“

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