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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Nationalelf – Alles wieder dicht

Kai Butterweck | Montag, 9. September 2013 2 Kommentare

Nach dem ungefährdeten Sieg gegen Österreich freut sich die Presse vor allem über gestopfte Löcher in der Defensive

Michael Rosentritt (Tagesspiegel) atmet auf: „Sauber, geht doch! Endlich mal wieder ein Spiel zu null gewonnen. Der Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft über Österreich war dann doch mehr, als es das Ergebnis hergibt. Denn die Umstände waren eben nicht gerade einfach. Eine Woche lang mussten Spieler und Trainer eine nervige, aber auch selbst verschuldete Defensivdebatte über sich ergehen lassen. Ihre Reaktion hat gezeigt, wie gut es war.“

Rafael Buschmann und Peter Ahrens (Spiegel Online) dämpfen die Euphorie: „Dass mit diesem Sieg nun tatsächlich alle DFB-Abwehrsorgen gelöst sind, ist jedoch genauso wenig stimmig wie die Annahme, dass sich die deutsche Defensive allein durch die Verbannung des Dortmunders Hummels verbessern würde. Das Abwehrsystem muss sich weiterhin bewähren. Vor allem auch gegen Gegner, die, anders als das österreichische Team, ein Spiel gewinnen wollen und sich nicht selbst bei einem 0:2-Rückstand in der eigenen Hälfte verbarrikadieren.“

Altdeutsche Grätschen und griechisch-römische Elemente

Oliver Fritsch (Zeit Online) erfreut sich an einer Zeitreise: „Philipp Lahm, einer der ersten modernen deutschen Fußballer, begann sein 100. Länderspiel mit ein paar altdeutschen Grätschen. Im Mittelfeld sprang er in Kopfballduelle gegen lange Kerls und gewann sie. Mertesacker streute zwei Tage, bevor Ringen wohl wieder olympisch wird, griechisch-römische Elemente in seine Luftkämpfe ein. Jérôme Boateng gewann in allen brenzligen Situationen den Ball. Selbst Toni Kroos fuhr seine Ellenbogen aus. Wichtigster Spieler des Abends war Khedira, der defensive 6er. Bis die Weichen auf Sieg gestellt waren, gab er dem Spiel Ordnung und Balance.“

Julien Wolff (Welt Online) blickt gespannt in die Zukunft: „Nicht nur die Viererkette spielte deutlich besser als in den Partien zuvor, die gesamte Mannschaft verteidigte besser. In der Innenverteidigung war Per Mertesacker souverän, und sein Nebenmann Jerome Boateng tritt seit Monaten deutlich stabiler und konstanter auf als in der Vergangenheit. In Topform ist Hummels einer der besten Innenverteidiger Europas; diese will er wieder erlangen. Der Konkurrenzkampf in der Abwehr dürfte in den nächsten Monaten also intensiv und spannend werden. Sofern ihn alle Spieler professionell führen und der Mannschaftgeist nicht leidet, kann er der Nationalmannschaft nur guttun.“

Das Gespür für den Augenblick

Auch weiter vorne gibt es Grund zur Freude. Miroslav Klose schießt gegen Österreich sein 68. Länderspieltor und holt damit Gerd Müller als Rekordschützen beim DFB ein. Christian Kamp (FAZ) hält den Moment fest: „Bei der Flanke von Müller besaß Klose das  Gespür für den Augenblick, und war gedanken- und antrittsschnell genug, um  einen Schritt vor dem Verteidiger am Ball zu sein. Ein echter Klose? Ja und  nein. Natürlich hat er so oder so ähnlich schon etliche Treffer  erzielt. Zugleich aber hätte auch ein vollkommen anderes Tor typisch Klose sein  können. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihn ja so besonders – und für Joachim  Löw im Vergleich zu manchem jüngeren Kollegen so wertvoll.“

Michael Rosentritt (Tagesspiegel) freut sich über die Entwicklung von Miroslav Klose: „Längst mögen die Zeiten der kleinen, wendigen und spielfreudigen Stürmer angebrochen und ein langsames Aussterben des klassischen Stoßstürmers beschlossene Sache sein. Doch Klose, dessen Markenzeichen einst sein gefürchtetes Kopfballspiel war, ist in den vergangenen Jahren eine seltene Metamorphose hin zu einem mitspielenden Kombinationsfußballer gelungen. Er hat seine Spielweise dem Wandel angepasst, ohne seinen eigentlichen Instinkt verloren zu haben.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “Nationalelf – Alles wieder dicht”

  1. #Link11: Die Degeneration der Nationalelf | Fokus Fussball
    Montag, 9. September 2013 um 10:06

    […] im defensiven Mittelfeld aufgetan. Die taktische Analyse hat Ballverliebt am Start. Kai Butterweck (Indirekter Freistoß) mit der Presseschau zum Spiel. Die U21-DFB-Elf hat sich in der EM-Qualifikation mit 3:0 gegen die […]

  2. Augelibero
    Samstag, 14. September 2013 um 12:09

    Man sollte die 0 gegen Österreich und Färöer nicht überbewerten. Die echten Probleme zeigen sich doch erst an Halbfinalspielen, wenn zähe Italiener die Überheblichkeit von Hummels oder die Defensivschwäche von Özil ausnutzen. Diese jungen Spieler müssen aus ihren Erfahrungen lernen könnten. Vielleicht brauchen sie auch einen Dämpfer. Oder, wie im Fall SRG Wunderheilung von Boatengs Sekundenschlaf, einen strengen Trainer und einen kommandierenden Abwehrchef wie Dante. Und vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und Miro Klose entscheidet mit einem Tor ein Endspiel, so wie das Gerd Müller reihenweise gemacht hat.

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