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Bundesliga

FC Bayern – Sand im Getriebe

Kai Butterweck | Montag, 14. April 2014 2 Kommentare

Kurz vor den entscheidenden Champions-League-Wochen gerät der Riese von der Isar nach der zweiten Liga-Niederlage hintereinander ins Wanken. Die Presse ist in Sorge. In Dortmund hingegen herrscht Freudenstimmung

Gegen Dortmund fangen sich die Bayern die zweite Liga-Niederlage in Serie ein. Sebastian Winter (Spiegel Online) steht vor einer ratlosen Bayern-Trainerbank: „Die Bayern betonen seit Wochen, dass die Bundesliga jetzt zweitrangig sei. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist Guardiolas Angst davor, dass tatsächlich der Faden verlorengegangen ist. Dass ihn die Mannschaft nach eineinhalb Jahren voller Erfolge nun nicht mehr findet. Vergangene Saison hatte sie im Frühjahr einfach weitergewonnen nach der Meisterschaft, eine Negativserie wie jetzt gab es nicht. Und auch nicht eine solch bedrückte Stimmung wie nach dem Dortmund-Spiel. Man könnte sagen, dass Guardiolas Reifeprüfung im ersten Jahr genau jetzt beginnt. Er muss nun den Krisenmanager geben, in einer Zeit, in der er keine Krise gebrauchen kann. Eine solche Situation hatte er in München noch nicht zu meistern.“

Ein schmaler Grat

Auch Claudio Catuogno (SZ) zieht sorgenvoll die Augenbrauen zusammen: „Die Frage ist, ob es wirklich geboten war, den halbbewussten Drang der Spieler, ihre Körper zu schonen, noch so zu verstärken, wie Pep Guardiola das getan hat mit seinen täglichen Die-Liga-ist-vorbei-Ansprachen. Ein schmaler Grat ist es in jedem Fall. Uli Hoeneß hat das Problem, dass man den Schalter nicht beliebig aus und ein schalten kann, mal so formuliert: „Der Trend is your friend.“ Was den Trend betrifft: Der hat sich beim FC Bayern gerade ernsthaft verletzt.“

Christian Eichler (FAZ) applaudiert in Richtung Westen: „Jürgen Klopp hat mit seinem Fußball, mutiger Vorwärtsverteidigung und Tempo-Attacken, immer noch ein Gegengift gegen das Bayern-Spiel, egal ob sein Gegenüber nun van Gaal, Heynckes oder Guardiola heißt. In München hinterließen die Klopp-Kicker eine nicht ausgesprochene, nur vorgeführte Botschaft: In einer Saison ohne die Verletzungsmisere der aktuellen Spielzeit hätten sie wieder das Zeug zum „Bayernjäger“, wie sie das in ihrer ersten Meistersaison nannten.“

Nervtötende Gegner

Thomas Hummel (SZ) stimmt mit ein: „Vor allem die Offensiven und die Mittelfeldspieler bedrängten die Gegenspieler fast wie in alten Zeiten, als der BVB noch Titel gewann, und nervten die Wir-sind-ja-schon-Meister-Bayern erheblich. Die Münchner verloren zusehends die Lust gegen diesen nervtötenden Gegner. So folgten seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehene Unpässlichkeiten. Die Defensivtaktik plus Überfallangriff nach Ballgewinn war in München ähnlich perfekt umgesetzt wie am Dienstag gegen Madrid. Und dass über weite Strecken ohne den geschonten Robert Lewandowski und mit einigen Wechseln in der Anfangself.“

Bastian Angenendt (derwesten.de) verneigt sich vor dem BVB-Coach: „Den Löwenanteil am Dortmunder Erfolg hatte wohl der Mann, der sich nach Abpfiff so Gentlemen-like in Understatement übte: Nach der geglückten Rochade zum 4-1-4-1 gegen Madrid offenbar in Experimentierlaune, bot Jürgen Klopp auf dem Papier zwar das gewohnte 4-2-3-1 auf, gönnte Bayern das Gros des Ballbesitzes, ließ Reus und Aubameyang aber über beinahe 70 Minuten so weit vorne pressen und Ballgewinne erzwingen, dass sich Martinez sich schon nach elf Minuten Gelb abholen musste und auf Münchner Seite generell kaum ein Aufbauspiel möglich war.“

Rumpelkick der übleren Sorte

Florian Kinast (Welt Online) hat gute Nachrichten für die Konkurrenz: „Es war ein Rumpelkick der übleren Sorte. Hätte ein Berichterstatter Franz Beckenbauer im Stadion getroffen, gut möglich, dass er gesagt hätte, die Bayern hätten wie eine Schülermannschaft gespielt. Den Spruch mit der Schülermannschaft hat Beckenbauer früher gern gebracht. Er war lange nicht mehr zu hören, sehr lange nicht. Schmerzhaft ist vor allem die Erkenntnis, dass die Gegnerschaft nicht mehr in Angst, Schrecken und Ehrfurcht vor dem scheinbar übermächtigen FC Bayern erstarren muss. In Madrid werden sie das mit Aufmerksamkeit registriert haben. In Kaiserslautern sicher auch.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “FC Bayern – Sand im Getriebe”

  1. augelibero
    Montag, 14. April 2014 um 11:34

    Man kann ja richtig greifen wie begeistert wieder in die Tasten gegriffen wird: Endlich, es gibt wieder spannende Themen mit den Bayern! Und in der Tat: Es kann sein, dass Bayern am Ende mit einer schalen Meisterschaft dasteht.

  2. HansKle
    Donnerstag, 1. Mai 2014 um 15:39

    Jetzt wissen wir es alle, dass das Munkeln mit dem Sand……..in der Presse zuletzt berechtigt war! Aber vorsicht, der nette aber immer etwas aufgeregt vorkommende „Pep“ ist nicht allein an dem furchtbaren Reinfall zuhause verantwortlich. Auf der anderen Seite hat eine Mannschaft in München vorzüglich bewiesen, dass mit relativ wenigen Chancen auch ganz viel erreicht werden kann. Um ganz ehrlich zu sein, auch mir gefällt das „ticki-tacka“-Spiel schon lange nicht, weil dabei viel zu selten für jeden Zuschauer auch erkennbar ist, dass der unbedingte Drang zum gegnerischen(!) Tor mit diesem System nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Statt nur auf den übermäßig langen Ballbesitz zu pochen, was allerdings sehr schwer ist, hätte ich es lieber, wenn dafür das Streitobjekt nach Abschluss einer gelungenen Staffette knappp am gegnerischen Tor vorbeizischen würde…… Jedes Rückwärtsspielen (ausgenommen aus ergebnisorientierten taktischen Gründen) lässt die Bemühungen sofort wieder vergessen, die man durch einen erarbeiteten Raumgewinn in Richtung gegnerisches Tor gerade herausholte. Wenn allerdings dieses System weiterhin so häufig angewandt und von anderen Vereinen evtl. nachkopiert wird, könnten die Regeln – wie in anderen Sportarten – bald geändert werden..

    Endlich ist das Geschwäz vom Triple vorbei!

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