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Bundesliga

Alexander Meier – Die Rückkehr der Tormaschine

Kai Butterweck | Montag, 14. September 2015 3 Kommentare

In Frankfurt drehen alle begeistert am Rad. Der Grund: Alexander Meier ist zurück. Außerdem: Elfer-Drama in Augsburg und Frust in Stuttgart

Nach einer halbjährigen Verletzungspause kehrt Frankfurts Torschützenkönig der vergangenen Saison wieder zurück auf den Platz. Nach 90 Minuten freut sich Alexander Meyer über drei gemachte Buden. Daniel Raecke (Spiegel Online) ist sprachlos: „Andere Spieler hätten vielleicht eine halbe Stunde gebraucht, um sich nach so einer langen Verletzungspause zu akklimatisieren. Meier benötigte gut drei Minuten, bis er sich im Kopfballduell nach einer Flanke von Aleksandar Ignjovski gegen zwei Kölner durchsetzte und das 1:0 erzielte. Andere Spieler hätten sich vielleicht für die Rückkehr mit einem Tor feiern lassen. Meier machte noch zwei weitere und erzielte damit seinen ersten Bundesligahattrick seit über zehn Jahren. In einer Zeit, in der der Fußball immer athletischer wird und das Durchschnittsalter von Profis sinkt, scheint Meier von Jahr zu Jahr besser zu werden.“

Da gab es kein Fremdeln, keine Anlaufschwierigkeiten, kein Reintasten in die Partie

Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz (FR) sind ebenfalls aus dem Häuschen: „Es war so, als sei Alexander Meier nie weggewesen. Da gab es kein Fremdeln, keine Anlaufschwierigkeiten, kein Reintasten in die Partie. Keine 200 Sekunden nach den Anpfiff geht Aleksandar Ignjovski am rechten Flügel am so hochgelobten Nationalverteidiger Jonas Hector vorbei, als sei der ein B-Jugendspieler, und dann flankt der technisch limitierte Wadenbeißer die Kugel so punktgenau auf den Kopf von Meier, als sei dies eine seiner leichteren Übungen. Und Meier, der 32-Jährige, steigt hoch und köpft den Ball schulbuchmäßig in die Ecke. Es blieb aber nicht bei diesem einen Treffer, Meier legte noch zweimal nach. Drei Tore nach fünf Monaten Pause – so was schafft nur ein Alexander Meier.“

Der Fußball ist undankbar

In Augsburg herrscht nach der Niederlage gegen den FC Bayern schlechte Stimmung. Das Schiedsrichtergespann habe dem Rekordmeister kurz vor Schluss einen Elfmeter geschenkt, so der allgemeine Frust-Tenor. Stimmt auch. Doch hätten die Münchner das Drei-Punkte-Präsent verweigern sollen? Julien Wolff (Welt) nimmt die Beschenkten in Schutz: „Zu fordern, die Bayern hätten den Elfmeter nicht annehmen sollen, ist absurd. Es ist schlicht realitätsfremd. Der Fußball ist undankbar. Der bezahlte Fußball extrem undankbar. Wer heute einen Elfmeter nicht annimmt, der kann schon in der nächsten Woche einen unberechtigten Strafstoß gegen sich bekommen – und die Mannschaft des Rivalen nimmt ihn wie selbstverständlich an. In der Diskussion um den Elfmeter vom Samstagnachmittag sollten trotz der Emotionen alle Fans argumentativ sauber bleiben. Es geht hier um den Fehler eines Schiedsrichtergespanns, den es eingesehen hat. Und nicht um eine Unsportlichkeit der Bayern.“

Oliver Knaack (BZ) nimmt allen Videobeweis-Fürsprechern den Wind aus den Segeln: „Wer jetzt nach dieser Fehlentscheidung mal wieder -  so wie Augsburg Kapitän Paul Verhaegh – den Videobeweis fordert, liegt wie Herr Kircher leider auch daneben. Ein Videobeweis macht in dieser Situation überhaupt keinen Sinn. Warum nicht? Weil ein eventuell zu ahndendes Foulspiel immer eine subjektive Einschätzung ist. Wie oft wird im Laufe eines Spiels ein Foul-Spiel diskutiert? Richtig, zig Mal. Ganz nach dem Motto: “Kann man pfeifen, muss man nicht.” Das ist so und gehört zum Fußball dazu, ob man will oder nicht. Gerempelt, touchiert, gefoult – es gibt einfach nicht immer ein klares Ja oder Nein.“

Ivo Hrstic (sport1.de) trägt den Begriff „Dusel-Bayern“ zu Grabe: „Wer ehrlich argumentiert, der muss dem FCB einmal mehr eine Willensleistung attestieren, die auch in der Vergangenheit immer wieder ein entscheidendes Mittel dafür war, die Weichen in mehr oder weniger letzter Sekunde doch noch auf Sieg zu stellen. Der Wille, den auch Robert Lewandowski mit seinem furiosen Antritt beim Ausgleich zeigte. Es ist eben ein Zeichen von Qualität, wenn man in der Lage ist, einen Gegner durch Dauerdruck zu zermürben. Und wenn es 90 Minuten dauert. So wie in der Schlussminute gegen Augsburg, als Costa noch einmal in den Sechzehner zog. Die Bayern wissen: Diesen Biss beizubehalten, wird am Ende belohnt. Sie haben es oft genug erlebt.“

Die Zweifel werden immer größer

Auch in Berlin ziehen die Stuttgarter den Kürzeren. Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) schlägt die Hände vors Gesicht: „Um bedingungsloses Vertrauen in sein Handeln und seine Taktik hat Zorniger während der Vorbereitung geworben. Nun muss er miterleben, wie die Zweifel immer größer werden – nicht nur in der Öffentlichkeit, nein, schlimmer, auch innerhalb der eigenen Mannschaft. Beim 1:4 gegen Frankfurt waren sie erstmals sichtbar geworden, in Berlin haben sie sich noch einmal massiv verstärkt, was sämtliche Alarmglocken schrillen lässt. Der Anfang vom Ende ist es zumeist, wenn die Mannschaft nicht mehr ihrem Trainer vertraut – in Stuttgart gehört dies seit Jahren zu den Spezialdisziplinen der VfB-Spieler.“

In der Hauptstadt hingegen scheint nach sieben Punkten aus vier Spielen die Sonne. Paul Linke (Berliner Zeitung) dämpft die Euphorie: „Dardai vermutet, dass seine Mannschaft noch ein paar Entwicklungsstufen entfernt ist davon, ein Spiel über mehr als nur zwanzig bis dreißig Minuten zu bestimmen. Er musste ja erneut erleben, wie die Abwehr plötzlich tiefer stand, die Anbindung zum Mittelfeld verlor, und so Räume entstanden, in denen Stuttgart Überzahl hatte. Erst Lustenbergers Feiertagsschuss und eine Kabinenansprache später war die Ordnung wiederhergestellt. In der zweiten Halbzeit passierte so nichts mehr, was den Fans die gute Laune verderben konnte.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Alexander Meier – Die Rückkehr der Tormaschine”

  1. #Link11: Die Fakten tanzen | Fokus Fussball
    Dienstag, 15. September 2015 um 08:48

    […] 4. Blicke zurück auf den vierten Spieltag der Bundesliga-Saison. In Form einer GIF-Party bei Reeses Sportkultur. Als Gesprächsrunde beim Rasenfunk. Als Schiedsrichter-Kolumme bei n-tv.de. Oder als Presseschau in der Presseschau (mit anderen Fokussen als hier auf 5–9) beim indirekten Freistoß. […]

  2. Pumukel
    Mittwoch, 16. September 2015 um 16:19

    Ich finde die Frage nach einer möglichen Unsportlichkeit der Bayern in Bezug auf das Elfergeschenk gut. Sieht man doch daran schön wie weit es mit unserer Unmoralität und den Sitten im Fußball schon gekommen ist. Ich erwarte, dass ein Kapitän die Größe hat, wenn er es denn genau gesehen hat, dem Schiedsrichter dies mitzuteilen. Geld hin oder her! Das darf/sollte hier einfach nicht die primäre Rolle spielen. Wer sich bereichert AUF KOSTEN ANDERER (gegen die Regel), sagt damit ja zur Unsportlichkeit und Unfairness, auch wenn er „nur“ schweigt.

  3. Seb Wolf
    Donnerstag, 17. September 2015 um 21:40

    In den vergangenen 10 Jahren haben zwei Bremer Spieler (Klose und Hunt) Elfmeter für Bremen zurückgewiesen! Einmal beim Stand von 0:0, einnal bei 2:0 Führung. Würde mich mal interessieren, wann zuletzt ein Bayernspieler einen Elfer abgelehnt hat!

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