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Bundesliga

Gladbach hält die Liga am Leben

Kai Butterweck | Dienstag, 8. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Gladbach hält die Liga am Leben

Die Bayern sind schlagbar. Schuberts Fohlen haben es bewiesen. Geht nun endlich ein Ruck durch die Liga? Die Presse schwankt

Im Borussia-Park ziehen die Bayern erstmals in dieser Saison den Kürzeren. Daniel Theweleit (Spiegel Online) atmet auf: „Es war tatsächlich eine denkwürdige Entzauberung, die jenseits der Menschwerdung der Münchner Halbgötter viel mit den Gladbachern zu tun hatte. In der ersten Hälfte benötigten sie zwar auch Glück, als die Bayern vier, fünf Großchancen vergeudeten. Aber dann fruchteten Schuberts Ideen. Normalerweise ist es ja Münchens Trainer Pep Guardiola, der während so eines Fußballspiels ständig neue Lösungen entwickelt, dessen Team sich immer besser an die jeweilige Gegenstrategie anpasst. An diesem Nachmittag war es umgekehrt.“

Das war hohe Kunst

Frank Hellmann (FR) verneigt sich vor dem Gladbacher Linksverteidiger Oscar Wendt: „Wie der aus Göteborg stammende Kicker, von der Borussia 2011 aus Kopenhagen verpflichtet, den Führungstreffer gegen Bayern mit einem dynamischen Vorstoß einleitete, den Ball mit der Ferse weiterleitete, um die Kugel dann mit dem schwächeren rechten Schuss ins lange Eck zu zirkeln – unhaltbar für Manuel Neuer – das war hohe Kunst. Nicht mal Philipp Lahm in seinen allerbesten Zeiten hätte das besser machen können.“

Ivo Hrstic (Sport1.de) hingegen drückt auf die Euphoriebremse: „Was für Gladbach gut ist, muss für andere Teams noch lange nicht gelten. Eine zu offensive Ausrichtung mit spielerisch fehlenden Mitteln kann gegen den Spitzenreiter ganz schnell mit einer Packung enden. Aber zumindest Mönchengladbach hat den Bayern-Schlüssel gefunden, keines der vergangenen drei Bundesligaspiele gingen gegen den Rekordmeister verloren. Diese Zahlen machen Mut.“

Die Botschaft hat viel mehr Bedeutung für die Champions League

René Hofmann (SZ) hält ebenfalls den Ball flach: „Die Erkenntnisse dürften ihre Wucht aber weniger in der Spielklasse entfalten, die die Bayern zuletzt dreimal nacheinander als Beste abschlossen: in der Bundesliga. Die Botschaft hat viel mehr Bedeutung mit Blick auf die Spielklasse, die die Auswahl im kommenden Jahr nach zwei Jahren Pause unbedingt wieder für sich entscheiden will: der Champions League. Wenn es dort ernst wird, lauern etliche Teams, die mitbringen, was es braucht, um die Bayern zu Fall zu bringen, wenn sie ins Straucheln geraten.“

Christian Kamp (FAZ) stimmt als Dritter mit ein: „Schon mit der Rückkehr von Franck Ribéry in der Schlussphase deutete sich an, was diese herbe Niederlage für den weiteren Verlauf der Saison bedeutet: vermutlich wenig bis gar nichts, zumindest nicht in der Bundesliga. Selbst wenn der Vorsprung auf Dortmund nurmehr fünf Punkte beträgt, macht der BVB – noch – nicht den gefestigten Eindruck eines ernsthaften Herausforderers; dafür wirken die Defensivstrukturen bislang zu instabil.“

Für den Moment ist vieles gut bei Hertha

Neben Gladbach mischt auch die Hertha aus Berlin die Liga auf. Nach dem Sieg gegen Leverkusen träumt man in der Hauptstadt bereits von der Champions League. Michael Rosentritt (Tagesspiegel) ist beeindruckt: „Für den Moment ist vieles gut bei Hertha. Die Mannschaft ist ausbalanciert, sie hat klare Handlungsstrategien, sie kann taktisch variieren und unterliegt keinen großen Schwankungen. Sie wirkt mental wie körperlich belastbar. Es ist ein aufwändiges Spiel, das sie betreibt, mit Wachsamkeit und Einsatzbereitschaft. Das alles hat sich die Mannschaft unter Pal Dardai erarbeitet. Und er wird auch penibel darauf achten, dass es so bleibt.“

Paul Linke (Berliner Zeitung) gratuliert dem Berliner Chefcoach: „Am Sonnabend ist Dardai, 39, zum Berliner Trainer des Jahres gewählt worden. Er hat nur elf Monate dafür gebraucht. Erst im Februar hat Herthas Rekordspieler, Fanliebling, das kantige Gesicht der Vereinsfolklore den Job übernommen. Im Dezember hat seine Beliebtheit einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach dem Heimsieg gegen Leverkusen steht Hertha auf dem vierten Tabellenplatz. Die Abstiegssorgen sind den Europapokalträumen gewichen.“

Darida kann nicht nur joggen

Sven Flohr (Welt) klopft Herthas Vladimir Darida anerkennend auf die Schultern: „Niemand in der Liga läuft auch nur annähernd so viel wie der 25-Jährige. In bislang 15 Bundesligaspielen bewältigte er 193 Kilometer Laufstrecke, 12,86 Kilometer pro Spiel. Doch Darida kann nicht nur joggen, er schließt auch Herthas größte Lücke. Im Vorjahr fehlte den Berlinern ein zentraler Mittelfeldspieler mit Verstand und Können, der Abwehr und Angriff verbindet. Diese Aufgabe erfüllt der Tscheche mit 71,3 Ballkontakten pro Spiel vorbildlich.“

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