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Bundesliga

Hansi Flick – Abschied mit Nachwehen

Kai Butterweck | Dienstag, 20. April 2021 Kommentare deaktiviert für Hansi Flick – Abschied mit Nachwehen

Das von Hansi Flick „überraschend“ bekannt gegebene Ende seiner Bayern-Zeit schlägt in der Presse erwartungsgemäß hohe Wellen

Hansi Flick hat sich entschieden, seine Zeit bei den Bayern vorzeitig zu beenden. Gerhard Pfeil (spiegel.de) geht in die Tiefe: „Es wäre ein leichtes gewesen, den Zank zwischen Flick und Salihamidžić zu beenden. Ein Machtwort von Uli Hoeneß hätte genügt, wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten. Aber die Bayern-Bosse ließen den Konflikt zwischen den beiden Männern schwelen, weil sie nicht mehr hundertprozentig von Flick überzeugt waren. Weil ein Trainer in München grundsätzlich nicht zu viel Macht erhalten soll.“

Martin Schneider (SZ) wagt einen Blick in die Kristallkugel: „Aller Voraussicht nach steht nun eine Trainersuche an – und vom Ergebnis dieser Suche wird abhängen, mit wie vielen Dellen der Klub aus der Nummer rauskommt. Julian Nagelsmann scheint der natürliche erste Kandidat zu sein, doch der ist vertraglich an RB Leipzig gebunden, und die Verhandlungen mit dem finanziell nicht gerade schwachen Konkurrenten dürften mindestens hart werden. Aber egal, wie ein neuer Trainer heißen könnte, er würde so oder so an Flick gemessen – kein leichtes Erbe, für das der neue Trainer aber nichts kann.“

Flick wurde vergrault

Andreas Lakota (heimatsport.de) rüffelt die FCB-Vereinsführung: „Zuzuschreiben haben sich die Münchner den Abschied des Sextuple-Coaches selbst. Man könnte auch sagen: Flick wurde vergrault. Im Dauer-Zwist zwischen Trainer und Sportchef Brazzo Salihamidzic verloren die Verantwortlichen zuletzt komplett die Kontrolle. Rückendeckung für den Trainer gab es kaum, seine Forderung nach mehr Mitsprache bei Transfers und Kaderplanung wurden nicht erfüllt.“

Günter Klein (FR Online) schließt sich an: „Es ist die Tradition dieses Vereins, sich einem Trainer nicht komplett zu verschreiben, weil er in seinen Führungsgremien außerordentliche sportliche Kompetenz sitzen hat. Selten, dass man große Sonderwünsche (Heynckes: Javi Martinez, Guardiola: Thiago) erfüllt hat. Personalstrategie war mehr Vereins- als Trainersache. Das mag oft richtig gewesen sein. Im konkreten Umgang mit dem loyalen und grundvernünftigen Flick haben die handelnden Personen beim FC Bayern die Antennen nicht ausgefahren. Das war ein Fehler. Der erste große des Duos Oliver Kahn/Hasan Salihamidzic, das den FC Bayern ab dem nächsten Jahr komplett übernehmen soll.“

Ben Redelings (n-tv.de) ist fassungslos: „Die Posse um Hansi Flick und Hasan Salihamidžić hat schonungslos aufgezeigt, dass es im Innengefüge des Rekordmeisters nicht nur kräftig kracht, sondern von vorne bis hinten nicht stimmt. Wochenlang ließ man Hansi Flick quasi schutzlos im medialen Gewitter stehen. Ein für den FC Bayern München seit 1979, als Uli Hoeneß den Verein übernahm, einmaliges und entwürdigendes Schauspiel.“

Ein kluger Mann

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) zeigt zum Abschied mit beiden Daumen nach oben: „Ein einziger Titel, das heißt bei den Bayern in der Regel: Sorry, die Mindestanforderungen sind leider nicht erfüllt worden. Aber nach allem, was er als Trainer für den Verein geleistet hat, wäre das natürlich kein Grund gewesen, Flick gleich aus dem Amt zu ekeln. Trotzdem: Hansi Flick ist klug genug, um zu wissen: So schön, wie es war, wird es vermutlich nie mehr werden. Er ist klug genug, um zu wissen, dass er in der vergangenen Saison auch vom Zauber des Augenblicks profitiert hat – weil die Voraussetzungen für ihn kaum besser hätten sein können, als er im Herbst 2019 seinen bisherigen Chef Niko Kovac beerbt hat.“

Julien Wolff (welt.de) verneigt sich: „Der Klub verliert einen der erfolgreichsten Trainer seiner Geschichte. Einen empathischen Coach, dessen Entwicklung von der Lösung auf Zeit zur Toplösung einzigartig ist. In nicht einmal eineinhalb Jahren gewann Flick sechs Titel, darunter das zweite Triple der Vereinshistorie. Mit der quasi sicheren Meisterschaft in dieser Spielzeit sind es sogar sieben Titel. Alles deutet darauf hin, dass Flick nach der EM im Sommer Nachfolger Joachim Löws als Bundestrainer wird. Für den deutschen Fußball wäre das die perfekte Lösung.“

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