indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Ein Samstagnachmittag für die Tonne

Kai Butterweck | Dienstag, 21. September 2021 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich mit Wochenend-Langeweile, übermächtigen Bayern und Stimmungsbildern aus Dortmund, Frankfurt und Berlin

Auf der Suche nach Spaß und Spannung schlägt Stefan Rommel (spox.com) in der Allianz-Arena die Hände vors Gesicht: „Am Ende stand ein 7:0 gegen eine Mannschaft, die ganz offiziell im selben Wettbewerb mitspielen darf wie die Bayern – obwohl beide Mannschaften Lichtjahre auseinander liegen. Das geht gar nicht gegen den VfL Bochum, die Gegner der Bayern sind ja austauschbar geworden und in der Allianz Arena werden sie alle reihenweise abgewatscht. Man stellt sich aber schon ein paar Fragen: Das soll sie jetzt sein, die ehemals stärkste Liga der Welt? Das ist der legendäre Bundesliga-Samstag: Der 1000. Bayern-Kantersieg und drumherum nur furchtbares Gerumpel, wenn nicht zufällig auch Dortmund und/oder Leipzig spielen?“

Bis auf die Bayern spielt kein „Top-Team“ am Samstagnachmittag. Noah Platschko (t-online.de) ist genervt: „Die Leidtragenden sind die Fans des Samstagnachmittags, die nicht nur weniger Spiele geboten bekommen, sondern auch weniger attraktive Optionen für das Einzelspiel haben. Ganz zu schweigen von der Sportschau in der ARD, die immer weniger Argumente hat, überhaupt geschaut zu werden. „Wer schaut sich das noch an?“ bleibt also die zentrale Frage. Noch dürfte die Antwort der Deutschen Fußball Liga (DFL) lauten: „Genug Leute.“ Doch Spieltage wie der 5. der Saison 2021/2022 könnten eine Warnung sein, dass die Leute bald keine Lust mehr haben – auf das einstige Premiumprodukt Bundesliga am Samstagnachmittag.“

Torarme Langeweile

Oskar Beck (Welt) kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Diese Samstagskonferenz wäre ohne den VfL Bochum unerträglich gewesen. Scharenweise hätten die Fußballfans ihr Abo gekündigt und würden das Geld, statt es sinnlos für torarme Langeweile wie in Mainz, Bielefeld oder Augsburg zu vergeuden, wieder sparen fürs Rauchen. Das ist zwar nur halb so gesund – aber der Genuss ist höher.“

Christof Kneer (SZ) kommentiert die Bayern-Dominanz mit Humor: „4:1 in Leipzig, 3:0 in Barcelona, 7:0 gegen Bochum: Der FC Bayern hat eine Woche hinter sich, die es sinnvoll erscheinen lässt, sich ein paar weitere Ziele zu suchen. Um den Anhängern dieses schrecklich unersättlichen Klubs ein wenig Neugier auf die restliche Saison zu erhalten, könnte man zum Beispiel darüber spekulieren, in welcher März-Woche Bayerns Meistertitel rechnerisch feststehen wird, an welchem Spieltag Robert Lewandowski die 50-Tore-Marke knackt und ob Alphonso Davies und Leroy Sané vielleicht mal die flinkeste linke Seite des Weltfußballs werden können.“

Präsent und diszipliniert

Manuel Bonke (FR) beschäftigt sich mit Formtief-Bezwinger Leroy Sané: „Gegen Bochum war Sané in den Zweikämpfen enorm präsent, arbeitete diszipliniert nach hinten – und erkämpfte sich so Bälle für anschließende Offensivaktionen. Diese Freude versprühte Sané auch bei seinem Dribbling, mit dem er das 6:0 durch Lewandowski einleitete: Nachdem er sich bis an die Grundlinie durchgesetzt hatte, legte er auf Gnabry, der Lewandowski bediente.“

Nico Horn (Zeit Online) atmet nach dem aufregenden Kick in Leipzig erst einmal kräftig durch: „Ein Spiel, in dem es hin und her ging und in dem fünf Tore fielen, von denen vier vom VAR überprüft und letztlich drei wegen Abseits zurückgenommen wurden. Zwei Treffer zählten, einer der Kölner und einer der Leipziger. Der Videoassistent Robert Hartmann könnte einen Bonus verlangen, so oft nahm der Fifa-Schiedsrichter Felix Brych seine Hilfe in Anspruch. Erst wurde ein Tor des starken Leipzigers Dominik Szoboszlai aberkannt, dann eines von Kölns Anthony Modeste, vier Minuten später zählte ein weiteres zunächst aberkanntes Modeste-Tor doch. Ein Treffer Emil Forsbergs wurde wieder zurückgenommen, das Kopfballtor seines Teamkollegen Amadou Haidara zählte dafür. Dass in diesem Spiel nur zwei reguläre Tore fielen, war ein Wunder.“

Phasen der Nachlässigkeit

In Dortmund ärgert man sich über „unnötige Gegentore“. Daniel Theweleit (FAZ) fordert mehr Konzentration: „Wieder hatte die Defensive zwei Gegentore nach Standardsituationen zugelassen – was möglicherweise ein weiteres Symptom des gleichen Grundproblems ist. Der BVB erlaubt sich zu viele Phasen und Momente der Nachlässigkeit, das hat sich auch unter dem neuen Trainer nicht geändert.“

Frankfurt kann auch in Wolfsburg nicht gewinnen. Nicht nur Ingo Durstewitz (FR) macht sich Sorgen: „Ein Remis bei den sehr stabilen und qualitativ hochwertigen Wolfsburgern, mit vier Siegen aus vier Spielen gestartet, ist grundsätzlich ein gutes Resultat, gerade für ein Ensemble, das sich inmitten eines Umwälzungsprozesses befindet. Doch generell ist der Auftakt in die Bundesligaspielzeit alles andere als gelungen, vier Punkte und Platz 15 nach fünf Begegnungen – das ist nicht das, was man sich so vorgestellt hatte im Stadtwald.“

Klarheit im Spiel

In Berlin freut man sich über Neuzugang und Matchwinner Jurgen Ekkelenkamp. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) freut sich mit: „Eine gute Stunde, bis zur Führung für die Gäste durch einen Foulelfmeter, musste der Holländer auf seinen Einsatz warten. Wenige Sekunden nach seiner Einwechslung bereitete er dann eine erste gute Ausgleichschance für seine Mannschaft vor, und nach der anschließenden Ecke wuchtete er den Ball per Kopf ins Netz. 87 Sekunden befand sich Ekkelenkamp zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz. Mit seiner Klarheit im Spiel, der sauberen Technik, seiner Fähigkeit, die Dinge zu beschleunigen, der Orientierung nach vorne und auch seinem Offensivkopfball erinnert Ekkelenkamp, zumindest von seinen Anlagen, an Michael Ballack. Zehn Pässe spielte er, alle zehn brachte er an den eigenen Mann.“

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