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Bundesliga

Elf, zwölf, Chaos!

Kai Butterweck | Dienstag, 5. April 2022 ohne Kommentar

Beim Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern München sorgt eine verkorkste Auswechslung für viele Fragezeichen

Der Wechselfehler der Bayern schlägt erwartungsgemäß hohe Wellen. Christian Hornung (sportschau.de) zeigt mit dem Finger in Richtung DFB-Zentrale: „Dass den Vereinen die Verantwortung zum Anprangern der Verstöße, zum „Petzen“ übertragen wird, ist unsäglich. Und führt im aktuellen Fall dazu, dass jetzt der SC Freiburg den Schwarzen Peter hat, obwohl der mit dem Verstoß gar nichts zu tun hatte, sondern in Person von Abwehrspieler Nico Schlotterbeck auch noch zu dessen vorzeitiger Beendigung beitrug.“

Stefan Petri (spox.com) schließt sich an: „Wenn halb Fußball-Deutschland zwei Tage lang darüber diskutiert, welcher Paragraph in diesem Fall denn nun angewendet werden müsste, ist ganz offensichtlich Klärungsbedarf vorhanden – ganz zu schweigen von der Frage, was passiert wäre, wenn Nico Schlotterbeck nicht prompt auf den 23. Spieler auf dem Rasen hingewiesen hätte. Der Verband hätte angesichts des begründeten öffentlichen Interesses auch vorangehen und von sich aus eine Untersuchung anstrengen können, womöglich wäre sogar eine Lücke im Regelwerk zu schließen gewesen.“

Was ist schon passiert in diesen 17 Sekunden?

Florian Bogner (eurosport.de) fordert alle Beteiligten auf, den Ball flach zu halten: „Vielleicht sollte man den Fauxpas einfach nur als das sehen, was er war: ein simpler menschlicher Fehler, der keinerlei Einfluss auf den Spielausgang hatte. Auch wenn mehr Spannung – sprich: weniger Bayern-Punkte – der Liga sicher guttäten. Aber was ist schon passiert in diesen 17 Sekunden, in denen Bayern mit elf Feldspielern spielte? Nahm es Freiburg die Chance auf eine Aufholjagd? Wohl kaum. Hatte es damit Einfluss auf den Spielausgang? Definitiv nein. Bayern entstand kein Vorteil, Freiburg kein Nachteil. So einfach ist das. Also sollte der Blackout von Freiburg auch keine Konsequenzen haben.“

Moritz Bletzinger (tz.de) lobt die Vorgehensweisen auf Schotterplätzen: „Im Amateurbereich würde es dazu nicht kommen. Das Spiel könnte neu angesetzt, normal gezählt, oder auch für die benachteiligte Mannschaft gewertet werden. Der Ausgang wäre offen, aber wenigstens der Ablauf geklärt. Kein Verein müsste protestieren. Das Sportgericht würde die Meldung des Schiedsrichters aufgreifen, die Klubs um Stellungnahme bitten und dann entscheiden. Im Profi-Bereich fehlt der Ablaufplan nach dem Wechselfehler hingegen komplett.“

Can macht Can-Sachen

Dortmund zieht daheim vor ausverkauftem Haus gegen Leipzig den Kürzeren. Christian Spiller (Zeit Online) schlägt die Hände vors Gesicht: „Obwohl der zweite Platz recht sicher ist, enttäuschte der BVB wieder mal gegen einen großen Gegner, was mindestens Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Kaders weckt. Haaland wirkt mit dem Kopf schon in Madrid (oder bei ManCity), Marco Reus verschwand wie öfter bei Topspielen irgendwo im Rasen. Und Emre Can machte Emre-Can-Sachen. Überhaupt: die Abwehr! 42 Gegentore fingen sich die Dortmunder bislang ein, man muss bis Platz zwölf in der Tabelle schauen, um ein Team zu finden, das mehr Treffer kassiert hat.“

Jochen Tittmar (spox.com) gratuliert den Leipzigern: „Gerade die Sachsen sind zur besten Mannschaft Deutschlands geworden, seit Domenico Tedesco an der Seitenlinie steht. Mit 26 Zählern führen sie die Rückrundentabelle an, der Punkteschnitt des Coachs liegt bei 2,22. Der Sieg in Dortmund war hochverdient: Leipzig agierte souverän, effizient und deckte die BVB-Schwächen – taktische Disziplin, Konteranfälligkeit, Restverteidigung – schonungslos auf. Trotz neun Punkten weniger ist RBL der Borussia mit Stand Samstagabend um Längen voraus.“

Daniel Theweleit (FAZ) adelt Matchwinner Konrad Laimer: „Er verkörpert jene moderne Sorte defensiver Mittelfeldspieler, die eine imposante physische Präsenz mit strategischer Klugheit und außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten verbinden. Laimer ist genau der Spielertyp, der dem BVB fehlt. Axel Witsel ist körperlich zu schwach, Jude Bellingham zu offensiv, und Mahmoud Dahoud oder Emre Can sind nicht zuverlässig genug. Einen wie Laimer haben sie nicht. Auch deshalb ist es wohl kein Zufall, dass der 24 Jahre alte Österreicher gerade an diesem Abend für den entscheidenden Unterschied sorgte.“

Unbegründete Zweifel

Wohin geht die Reise von Erling Haaland? Ist der Norweger überhaupt schon bereit für einen Wechsel in die absolute Weltspitze? Florian Wichert (t-online.de) ist sich sicher, dass sich der Stürmer nicht aufhalten lässt: „Haaland hat zwar in dieser Saison bei 16 Spielen nicht im Kader stehen können, dennoch sind die Zweifel an seinem Körper vollkommen unbegründet. Lionel Messi saß in den ersten Jahren seiner Karriere einmal bei 29 Spielen überwiegend verletzungsbedingt auf der Tribüne, litt unter anderem – ähnlich wie Haaland – an Muskelproblemen. Bei ihm reichte es anschließend noch für sieben Ballon d‘Or… Genauso wird es bei Haaland sein. Zumal der körperlich viel robuster ist als Messi.“

Kollege Robert Hiersemann (t-online.de) sieht das anders: „Beim BVB mag man immer wieder darauf warten, bis Haaland fit ist. Sollte er im Sommer zu einem Topverein wechseln, sieht das ganz anders aus. Diese Geduld haben die Verantwortlichen von Klubs wie Manchester City oder Real Madrid nicht. Da kannst du der beste Fußballer der Welt sein, aber wenn du nicht regelmäßig spielen kannst, wirst du schnell fallen gelassen. Was noch hinzukommt: Haaland wird mit der Nationalmannschaft Norwegens niemals einen Titel holen. Das ist zwar kein Ausschlusskriterium, um ein Weltstar zu werden. Aber das macht es ganz sicher auch nicht einfacher.“

Sommer bald beim chinesischen Staatszirkus?

Gladbachs Keeper Yann Sommer ist im Spiel gegen Mainz fast nicht zu überwinden. Ulrich Hartmann (SZ) staunt nicht schlecht: „Weil die Paraden im Internet sogleich viral gingen, muss die Borussia nun damit rechnen, dass ihr Torwart ein Angebot vom chinesischen Nationalzirkus bekommt oder vom Cirque du Soleil, mindestens aber von einigen europäischen Topklubs. Sommers Vertrag läuft Ende nächster Saison aus. Er könnte sich schon in Kürze nach acht Jahren in Gladbach mit einer neuen Herausforderung beschäftigen.“

Auch Roland Zorn (FAZ) feiert den Schweizer Goalie: „Vielflieger Sommer, der seine fehlende Länge mit außergewöhnlicher Reaktionsschnelligkeit und ausgefeilter Torwarttechnik wettmacht, ist mit seiner Grundhaltung in der Hocke allzeit bereit abzuheben. Die Geschichte seiner Heldentaten soll, geht es nach dem stets freundlichen Torwart, noch lange nicht vorbei sein. Gegenüber dem „Kicker“ hat er, dessen Vertrag in Mönchengladbach 2023 endet oder verlängert wird, gesagt, dass er sich vorstellen könne, bis zum Alter von 40 Jahren zwischen den Pfosten zu stehen.“

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