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Bundesliga

Kay Bernstein auf dem Hertha-Thron – Mehr BSC-DNA geht nicht

Kai Butterweck | Freitag, 1. Juli 2022 ohne Kommentar

Die Mitglieder von Hertha BSC haben den ehemaligen „Ultra“ Kay Bernstein zum neuen Präsidenten gewählt. Die Presse ist gespannt

Nach der einer turbulenten Saison und der geglückten Relegation setzt die Hertha aus Berlin mit der Wahl von Kay Bernstein zum neuen Präsidenten ein weiteres dickes Ausrufezeichen. Torsten Haselbauer (zdf.de) vergleicht alt und neu: „Bernstein interpretiert seine Rolle als Hertha-Präsident völlig anders als sein Vorgänger Werner Gegenbauer. Gegenbauer, zuvor zwölf Jahre als Hertha-Präsident im Amt, wurde ein patriarchalischer Habitus nachgesagt. Entscheidungen wurden grundsätzlich im Hinterzimmer getroffen und fast immer an den Fans vorbei. Das seit Jahren nachhaltig gestörte Verhältnis der Berliner zum Hauptstadtverein aus dem Westen der Stadt möchte Bernstein wieder ins Lot bringen. Auf immerhin 40.000 Mitglieder kann Hertha BSC verweisen, die der neue Präsident emotional näher an den Klub binden möchte.“

Michael Rosentritt (Tagesspiegel) kommt mit einem Wunschzettel um die Ecke: „Hertha muss unter neuer Führung nach Jahren der Stagnation nun tatsächlich auch inhaltlich vorankommen: wirtschaftlich, sportlich und interkulturell. Zu Vieles liegt in Trümmern. Das akut vielleicht Wichtigste ist, den Verein in seiner Breite zu vereinen und auszusöhnen, die Kräfte zu bündeln und gleichzeitig im operativen Geschäft eine Leistungskultur zu etablieren. Denn die eigentliche Arbeit machen andere im Verein.“

Weg zur 180-Grad-Drehung

Philipp Hinze (sky.de) hofft auf bessere Zeiten: „Die Alte Dame hat in den zurückliegenden Chaosjahren eine Menge verloren. Nicht nur sportlich, sondern vor allem in der Außendarstellung. Das weiß auch der neue Präsident, wenn er sagt: „Lasst uns dem Berliner Sport-Club seine Seele zurückgeben.“ Das Wahlergebnis ebnet vielleicht den Weg zur 180-Grad-Drehung. Besser spät als nie.“

Jochen Tittmar (spox.com) wünscht dem neuen Präsidenten alles Gute: „Es wäre ein großer Erfolg, würde es ein demokratisch gewählter Kandidat wie Bernstein mit seiner branchenunüblichen Vita gelingen, seine Chance zu nutzen und die Verantwortlichen bei Hertha zu einer effektiven Zusammenarbeit zu bewegen. Besonders in Zeiten der schier unendlichen Kommerzialisierung des Fußballs sowie der permanenten Höher-Schneller-Weiter-Mentalität geht Bernstein für viele Fans wie Beobachter, denen diese Entwicklungen ein Dorn im Auge sind, als vereinsübergreifender Hoffnungsträger durch.“

Steffen Rohr (kicker.de) ist gespannt: „Bernstein muss eine tragfähige Beziehung zu Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic aufbauen und das unter Gegenbauer komplett zerstörte Verhältnis zu Investor Lars Windhorst reparieren. Windhorst hat nach der Wahl und dem Verlassen der Messe- und Kongresshalle dem kicker den ebenso prägnanten wie wahren Satz gesagt: „Es kann nur besser werden als früher. Anders wird es unter Bernstein ziemlich sicher. Der neue Präsident ist bereit für seinen Klub. Ob der Klub auch bereit für seinen neuen Präsidenten ist, wird sich zeigen.“

Aufgewühlter Verein

Sebastian Stier (FAZ) schließt sich aufgeregt an: „Bernstein übernimmt einen aufgewühlten Verein, der zuletzt mehr Gischt spuckte als die Ostseeküste. Trainerwechsel, sportlicher Misserfolg und Streitereien auf Führungsebene haben ein äußerst schwieriges Umfeld entstehen lassen. Inwiefern es Bernstein gelingt, dieses zu beruhigen, wird eine der spannendsten Fragen sein, die sich Hertha BSC derzeit stellt. Erfahrung auf einer solchen Führungsebene besitzt er keine, auch wenn er als Inhaber einer eigenen Werbe- und Eventagentur weiß, wie man ein Team anleitet. Geschick im Umgang mit Menschen wird er auch beweisen müssen, wenn es um Investor Windhorst geht“

Anja Rau (n-tv.de) ist guter Dinge: „Bernsteins Wahl bringt Hertha BSC viel Aufmerksamkeit. Statt mitleidiger ist es diesmal neugierige, respektvolle Aufmerksamkeit. Die vielen negativen Schlagzeilen aufgrund des Dauer-Chaos sind erstmal Vergangenheit, die desolate Mannschaft, die vielen Trainerwechsel, das Investoren-Hickhack, die Rücktritte in der Chefetage sind passé. Mit Sandro Schwarz kommt ein neuer Coach, der die Wünsche der Fans zu teilen scheint, mit Bernstein ein Präsident, auf den die aktive Fanszene in ganz Deutschland schaut.“

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