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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Alles beim Alten – Hertha am Boden, Bayern obenauf

Kai Butterweck | Dienstag, 9. August 2022 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem Start der neuen Bundesliga-Saison

Nach nur einem Spieltag präsentieren sich bereits die ersten Großbaustellen. Ganz vorne mit dabei: Hertha BSC. David Bedürftig (n-tv.de) schüttelt den Kopf: „Die Stadtmeisterschaft, die den Herthanern sogar wichtiger ist als der Pokal, mutiert für die West-Berliner zur erneuten Blamage. Alles reinhauen, hatten die Ultras gefordert. Und was macht die Alte Dame? Kein Kampf, keine Körperlichkeit, keine Konzentration. Wo bleiben die Aggressivität und der Offensivfußball à la Sandro Schwarz? Selke und seine Teamkollegen sind beim 1:3 gegen die Eisernen von dem Geschenk des Derby-Sieges zu jedem Zeitpunkt so weit entfernt wie die ausverkaufte Alte Försterei vom leeren Olympiastadion.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) bringt es auf den Punkt: „Union gegen Hertha. Vor ein, zwei Jahren war es eine Überraschung, wenn Union die Hertha schlug. Längst haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Union ging als Favorit in die Partie und wurde dieser Rolle gerecht. Hinten stabil, vorne schlagfest. Jordan Siebatcheu, Sheraldo Becker und Robin Knoche schossen eine 3:0-Führung heraus, das Berliner Stadtderby war nach nicht mal einer Stunde entschieden. Das Ehrentor fiel kurz vor Schluss, als die Union-Fans längst die Stadtmeisterschaft feierten. Der Osten siegt.“

Neigung zum Abstiegskampf

Jörg Böllhoff (FR) schließt sich an: „Hertha scheint auch unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz eine Neigung zum Abstiegskampf zu entwickeln, während Union schmerzhafte Abgänge wie Mittelfeldmotor Grischa Prömel und Angreifer Taiwo Awoniyi mal wieder kompensieren kann. Janik Haberer könnte Prömel vergessen machen, Jordan Siebatcheu, gleich mal Torschütze, den eigentlich unvergesslichen Awoniyi. So sieht Stabilität und Resilienz aus, nach der sie sich bei der schwindsüchtigen Hertha so sehnen.“

Kit Holden (Tagesspiegel) feiert mit Union-Torschütze Sheraldo Becker: „Der Motor von Unions starkem Offensivauftritt war Becker, der eine überragende Leistung nicht nur mit seinem Assist zum 1:0, sondern auch mit einem Tor in der zweiten Halbzeit krönte. Rechts, links, vorne, hinten: der surinamische Nationalspieler lauerte am Samstag scheinbar überall, zeigte sich zudem auch selbstlos in seiner Arbeit gegen den Ball. Damit setzte er seine brillante Form aus dem Frühling fort.“

Wissen, Halbwissen und Unwissenheit

Geht er oder geht er nicht? Ingo Durstewitz (FR) ist genervt vom sich täglich aufbauschenden Wechseltheater um Filip Kostic: „Die Causa Kostic füllt auch diesen Sommer wieder höchst voluminös, kaum ein Tag ohne neue Meldungen, zumeist in die Welt gesetzt von sogenannten Transferexperten, die ihr Wissen, Halbwissen oder ihre Unwissenheit via Twitter ins Universum blasen. Das wäre nicht mal schlimm, doch allzu häufig wird das Gezwitscher einfach übernommen und potenziert sich über Onlineportale oder Soziale Netzwerke.“

Der FC Bayern startet mit einem Kantersieg in die neue Saison. Christof Kneer (SZ) ist verwirrt: „Der 6:1-Startsieg bei Eintracht Frankfurt war nicht nur ein gigantisches Statement, sondern auch eine Herausforderung für Zuschauer und Chronisten: Bei der Durchnummerierung der Tore geriet man ständig in Gefahr, sich zu verzählen. Wie steht’s jetzt, 4:0 oder 5:0? Und das letzte Tor, das war Gnabry, oder? Oder doch Musiala? Noch mal zum Nachlesen: Für den FC Bayern trafen Joshua Kimmich, Benjamin Pavard, Sadio Mané, Jamal Musiala, Serge Gnabry und nochmal Jamal Musiala. Und keinmal Lewandowski.“

Offensive Flexibilität

Auch Maik Mosheim (focus.de) reibt sich die Augen: „Mané vorne, Gnabry rechts, Musiala links, Müller ist Müller. Dann wieder Gnabry vorne, Mané links, Musiala rechts. Naja, und Müller bleibt Müller. Was die Bayern beim 6:1-Sieg gegen Europa-League-Sieger Frankfurt an Flexibilität im Angriff zeigten, war beeindruckend. Eine Flexibilität und rohe Torgefahr, wie sie mit Robert Lewandowski im Sturm so nicht denkbar war.“

Robert Hiersemann (t-online.de) kommt mit dem warnenden Zeigefinger um die Ecke: “ Was passiert, wenn es in der Champions League an die wirklich großen Partien geht? Viertelfinale gegen Real Madrid, Halbfinale gegen Manchester City. Das sind andere Kaliber als Leverkusen oder Frankfurt. Erst in diesen Spielen treffen die Bayern auf Abwehrreihen von Weltklasseformat. Und dann werden sie schnell zu spüren bekommen, dass man ohne echten Mittelstürmer schnell auf Granit beißt.“

Bevorstehende Lageänderung

Nach Ansicht von Benjamin Zurmühl (t-online.de) werden es die Bayern in den nächsten Wochen nicht immer so einfach haben: „Leipzig und Frankfurt verteidigten mutig und offensiv, was den schnellen Spielern der Münchner entgegenkam. Wenn aber in der Liga die Gegner Union oder Mainz heißen, es in der Champions League nach London zu Tottenham oder nach Madrid zu Atlético geht, ist die Lage eine andere. Denn bei all diesen Teams stehen die Abwehrreihen tief und zwingen den Gegner zu Flanken, die von großgewachsenen Innenverteidigern rausgeköpft werden.“

Im Spiel zwischen Köln und Schalke kommt es zu mehreren kniffligen Situationen. Im Anschluss wird die Frage diskutiert: Sollten den Fans die vom VAR überprüften Szenen live im Stadion gezeigt werden? Daniel Schmitt (FR) ist dagegen: „Das Ziel von Projektleiter Drees, durch mehr Transparenz den Druck von den Schiedsrichtern zu nehmen, ist ein hehres. Es würde in einigen Situationen gewiss auch funktionieren: Abseits ist nun mal Abseits, wird jeder verstehen. Im Graubereich des Schiedsrichterwesens aber, der nun mal recht groß ist, wird es schwierig – zu schwierig.“

Anthony Modeste wechselt von Köln nach Dortmund. Dominik Sliskovic (t-online.de) erklärt den sportlichen Auftrag des Neu-Dortmunders: „Modeste dürfte im ballbesitzorientierten Spiel der Dortmunder die Rolle des vordersten Rammbocks einnehmen. Gegenspieler binden, Halbräume schaffen, in den richtigen Momenten aus der Bewachung befreien und so hinter Abwehrkette und vor den einsamen gegnerischen Torhüter kommen.“

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