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Bundesliga

Borussia Dortmund – Triste Weihnacht

Kai Butterweck | Montag, 23. Dezember 2013 1 Kommentar

Nach drei Heimspielniederlagen in Folge brennt in Dortmund der Baum. Außerdem: Freudentänze in Berlin, Untergangsstimmung in Hamburg und unersättliche Münchner

Borussia Dortmund verabschiedet sich mit einer Heimschlappe in die Winterpause. Daniel Theweleit (taz) nimmt sich den Borussen-Angriff zur Brust: „Mittlerweile sind auch der Offensive, in der keine wichtigen Spieler verletzt sind, Esprit und Selbstvertrauen abhanden gekommen. Marco Reus und Robert Lewandowski agieren derzeit so harmlos wie seit vielen Monaten nicht, und Henrikh Mkhitaryan arbeitet zwar viel, aber mal spielt er zu früh ab, mal zu spät, mal entscheidet er sich für einen Schuss, wenn ein Mitspieler besser postiert war, mal spielt er ab, wenn er besser selbst hätte abschließen sollen. In der Summe ergibt das einen fatalen Mangel an Effizienz.“

Eine enttäuschende Halbzeitbilanz

Oliver Müller (Welt Online) zieht eine bittere Vorrundenbilanz: „Zwölf Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern, der zudem noch eine Partie weniger bestritten hat, fünf Zähler auf den Zweiten Bayer Leverkusen und eine Reihe von Teams, die von hinten Druck machen sind eine enttäuschende Halbzeitbilanz. Das wird auch durch das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League nicht aufgewogen.“

Matthias Dersch (ruhrnachrichten.de) blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Längst geht es für den BVB nicht mehr darum, die Bayern an der Tabellenspitze anzugreifen. Die Konkurrenz aus Leverkusen ist bereits vorbeigezogen. Von hinten macht Mönchengladbach Druck. Auch Wolfsburg, Berlin und Schalke haben zur Saison-Hälfte Tuchfühlung aufgenommen. Oberste Priorität gilt deshalb der Verteidigung des dritten Tabellenplatzes und damit der direkten Champions-League-Qualifikation. Sonst droht es in der Rückrunde richtig unangenehm zu werden.“

Verlust der Leichtigkeit

Erklärungsversuche von Matthias Schmid (SZ): „Dortmund fehlte nach bis dato nur einem Sieg aus den vergangenen fünf Ligaspielen diese Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit, die dieses laufintensive Spiel gegen den Ball so benötigt, um vor dem Tor die nötige Übersicht zu behalten. Zum ersten Mal seit Monaten hatte Trainer Klopp vor der Begegnung gegen Berlin wieder mal die Gelegenheit, mit seinen Spielern zu arbeiten, taktisch und technisch. Während der vielen englischen Wochen steht ja ansonsten vor allem die Regeneration im Vordergrund. Doch die stressfreie Zeit scheint den Dortmundern nicht gut getan zu haben, im Gegenteil.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) glaubt an bessere Zeiten: „Der Knackpunkt kam mit den Verletzungen. Es traf den BVB knüppeldick, und der Nachwuchs ist noch nicht stark genug, um die Stars ersetzen zu können. Doch diese Misere erscheint endlich. Die Verletzten werden zurückkehren, und dann sollte das System Borussia wieder funktionieren wie zum Start.“

Ein Taktikfuchs mit Schnauzbart

Beim Gegner aus Berlin herrscht hingegen Partylaune. Mit dem Sieg in Dortmund krönt die Hertha eine beeindruckende Hinrunde. Michael Jahn (Berliner Zeitung) lobt vor allem die Arbeit des Trainers: „Hertha BSC besitzt nicht nur einen Coach, der in den Übungsstunden im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger mittendrin ist, kritisiert, unterbricht, lobt und viel mit seinen Profis spricht. In Luhukay hat Manager Michael Preetz auch einen Taktikfuchs verpflichtet, der seine Maßnahmen nach außen glaubwürdig erklären und verkaufen kann. Der Holländer mit dem kleinen Schnauzbart, ist längst zu Herthas wichtigstem Öffentlichkeitsarbeiter geworden – ohne, dass er sich dabei in den Vordergrund schieben will.“

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) zeigt sich begeistert von der Leidenschaft der Hauptstädter: „Auch in der zweiten Hälfte fand der BVB keine Mittel gegen das Bollwerk der Berliner, die sich mit einem solchen Eifer in die Zweikämpfe stürzten, wie man es sonst von den Dortmundern kennt, und die bei Balleroberung blitzschnell umschalteten. Auch deshalb konnte der BVB nie seine letzten Sicherungen aufgeben. Zuletzt waren die Dortmunder durch den verschwenderischen Umgang mit ihren Torchancen aufgefallen, gegen Hertha erspielten sie sich kaum welche.“

Sinnbild für die gesamte Hinrunde

Auch beim HSV liegen derzeit die Nerven blank. Hendrik Buchheister (Spiegel Online) zieht die Augenbrauen zusammen: „Die Partie gegen Mainz  ist ein Sinnbild für die Hinrunde der Hamburger: Die Leistung war selten gut, trotzdem gab es zwischenzeitlich Hoffnung. Und am Ende die Enttäuschung. So geht es der Mannschaft seit Saisonbeginn.“

Jan Christian Müller (FR) findet klare Worte: „Der Trainerwechsel von Thorsten Fink auf Bert van Marwijk im September schien anfangs Früchte zu tragen. So erstaunlich schnell der Neue für taktische Disziplin und Ordnung gesorgt hatte, so fix ist der Zauber schon wieder verflogen. Geblieben ist nichts. Der HSV spielt Ende Dezember genauso unorganisiert Fußball wie Anfang September. Und vor allem: Van Marwijk erweckt nach fünf Niederlagen in sieben Spielen nicht den Eindruck, dass er sonderlich viel Spaß dabei hätte, die Angelegenheit mit Hingabe zu regeln. Anzeichen von Fatalismus sind beim Niederländer unübersehbar.“

Taktisch dazugelernt

Während Dortmund, Leverkusen und Co um die letzten Liga-Punkte der Hinrunde kämpfen, verstauen die Bayern im fernen Marokko ihren fünften Titel des Jahres im Reisegepäck. Christian Kamp (FAZ) applaudiert aus der Heimat: „Unter der Oberfläche der ritualisierten Freude gab es aber doch noch etwas, was die Bayern als besonderes Gefühl mit in die Weihnachtstage nahmen. Dass sie nämlich nach der Krönung von London nicht nachgelassen haben, sondern sich sogar weiterentwickelt – und dabei ein Stück weit neu erfunden haben. Tatsächlich hat die Mannschaft unter Guardiola taktisch dazugelernt, ist flexibler geworden – ohne das bei Heynckes Bewährte völlig über Bord zu werfen. Das Resultat ist die erfreuliche Perspektive, dass es im nächsten genau so weitergehen könnte, wie es im alten aufgehört hat.“

Lars Wallrodt (Welt Online) kniet vor der Münchner Trainerbank und zieht seinen Hut: „Es war der größte Coup des FC Bayern, vielleicht der größte in der Fußballgeschichte. Kaum ein Spitzenklub, der sich nicht um Guardiola gerissen hätte. Doch er entschied sich für eine deutsche Mannschaft. Ein Ritterschlag, für die Münchner und die Bundesliga. Dass Guardiola unter der Last des Triple-Gewinns antreten musste, war bei seiner Verpflichtung nicht absehbar gewesen. Ebenso wenig, dass er nach der Hinrunde von 25 Pflichtspielen 22 gewonnen haben würde und nur das letzte Gruppenspiel in der Champions League gegen Manchester City verlor. Es war sein Jahr; das Jahr eines Mannes, der als Phantom kam und zur Lichtgestalt wurde. Ein guter Kerl, dieser Guardiola.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Borussia Dortmund – Triste Weihnacht”

  1. Charly
    Montag, 23. Dezember 2013 um 20:15

    „Ein guter Kerl, dieser Guardiola.“ Lichtgestalt“, „Ritterschlag“ … Meine Meinung: Es handelt sich um Vokabeln aus der dementen Feder einer sterbenden Zunft, einst genannt: Dt.Sportjournalismus. Heute hat man diese Haltung als unterwürfigen junk-jounalism identifiziert, den nicht nur (aber auch) Welt Online zu verantworten hat. Warum will man diese zynische BILD-Sport1-Gruselserie fortschrieben? Opportunismus? Geldnot? Ritterschlag ? D`accord. Life is a fight (Ebby Thust).

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