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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Union Berlin – Cool ist anders

Kai Butterweck | Dienstag, 19. Januar 2021 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit verbalen No-Gos aus Berlin-Köpenick

Beim Spiel zwischen Bayer Leverkusen und Union Berlin greifen einige Spieler aus der Hauptstadt in punkto Kommunikation extrem tief ins Klo („Wir sind in Deutschland, ey!“). Jan Rübel (yahoo.com) ist entsetzt: „Warum betreiben Spieler von Union derartige ethnische Studien? Ist Geographie ihr Lieblingsfach? Dass zum Fußball auch Beleidigungen gehören, dass einem die Nerven durchgehen – okay. Aber die deutsche Sprache kennt eine Menge Wörter zum prima Dampf ablassen – die Äußerungen darüber, wo Deutschland ist, ist nur von einem gekennzeichnet: Wir sind hier, und ihr seid dort. Wir sind Deutschland, und ihr seid es nicht. Sowas nennt man Rassismus.“

Es geht alle an

Nach dem Kick in der Bay-Arena spielt Rudi Völler die Fakten runter: „Was auf dem Platz gesagt wird, bleibt auch auf dem Platz“, so der Sportchef. Peter Ahrens (spiegel.de) hält dagegen: „Wenn jemand einen anderen Menschen beschimpft, diffamiert, bepöbelt, dann ist ohnehin gleichgültig, ob das beim Bäcker passiert, in der U-Bahn oder auf dem Fußballplatz. Es bleibt eine Beleidigung. Aber auf dem Platz ist es vermutlich noch ein bisschen verwerflicher, weil die Branche parallel so gern ihre hohen Werte als Monstranz vor sich herträgt. Nach außen rufen alle laut im Chor: Fair geht vor. Die PR-Agentur will das schließlich so. Was auf dem Platz gesagt wird, hat nicht auf dem Platz zu bleiben. Es geht alle an. Das sollte selbstverständlich sein.“

Nico Horn (Zeit Online) schüttelt den Kopf: „Was sich schon jetzt bewerten lässt, ist der Umgang mit dem Vorfall seitens der Berliner. Denn der Linke-Politiker Ruhnert brachte ein Argument, das Hübners Unschuld beweisen sollte. „Er ist ja nun bekanntlich liiert mit einer Frau, die zumindest von der Hautfarbe anders als weiß ist“, sagte Ruhnert. „Es ist schwierig, ihm da etwas anzudichten.“ Ein mit einer nicht weißen Frau Verheirateter könne folglich nichts Rassistisches sagen. Dieses Argument bewies nur eines: Bei Union verstehen sie so viel von Rassismus wie Friedrich Merz von Sexismus.“

Auch David Joram (sportbuzzer.de) nimmt sich Union-Boss Oliver Ruhnert zur Brust: „Rassistische Denkmuster sind in der Gesellschaft weit verbreitet, das zuzugeben fällt nur vielen Menschen schwer. Nicht umsonst gibt es Anti-Rassismus-Trainerinnen wie Tupoka Ogette, die rassismuskritisches Denken vermitteln. Die deutsche Fußballbranche, die von „Jungtürken“ (Doppelpass-Experte Marcel Reif) schwadroniert, hätte einen solchen Exkurs bitter nötig – das offenbaren nun leider auch die Ruhnert-Aussagen.“

Reeller Rassismus

Kit Holden (Tagesspiegel) bringt es auf den Punkt: „Wenn ein weißer Fußballspieler den Begriff „Scheiß-Afghane“ benutzt haben sollte, dann ist das reeller Rassismus. Jener Fußballer mag sonst ein überzeugter Antirassist sein, aber in diesem Moment agiert er rassistisch, aus welchem Grund auch immer. Und dieser reelle Rassismus muss nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft werden.“

Alexander Müller (morgenweb.de) fordert ein Schärfen der Sinne: „Laut Aussage von Bayer-Kollege Jonathan Tah sollen die Worte „Scheiß Afghane“ in Richtung von Amiri gefallen sein. Dessen Eltern waren in den 80er Jahren aus Afghanistan nach Ludwigshafen gekommen. Der Fall steht exemplarisch für eine Kultur des Wegschauens und Abstreitens im deutschen Fußball, wenn es um Rassismus geht: Denn obwohl sich Hübner bei Amiri für seine Beleidigungen in der Kabine entschuldigt hatte, behauptete Unions Manager Oliver Ruhnert: „Er hat sich so nicht geäußert.“

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