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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2020

Euro 2020 – England duselt sich ins Finale

Kai Butterweck | Donnerstag, 8. Juli 2021 ohne Kommentar

Auch Dank eines umstrittenen Elfmeters zwingen die Engländer tapfer kämpfende Dänen in die Knie. Am kommenden Sonntag kommt es nun zum großen EM-Showdown. Italien oder England? Wer holt sich den Pott?

Im Halbfinale zwischen England und Dänemark sorgt ein umstrittener Elfmeter für die Entscheidung. Torben Siemer (n-tv.de) fordert ein Umdenken: „Vielleicht sollte der Fußball sogar noch weiter gehen und sich ein Vorbild beispielsweise an der NBA nehmen. Dort gehört es dazu, dass Entscheidungen nicht nur überprüft werden, sondern anschließend auch am Mikrofon begründet. Was auch nicht jeden Streitpunkt aus der Welt schafft, aber für Nachvollziehbarkeit und Transparenz sorgt. Und gerade in Situationen wie Sterlings Fall in Wembley guttäte. Es müsste gar nicht zwingend Makkelie selbst sein, es könnte auch jemand aus dem VAR-Raum sein, der kurz und prägnant erläutert, warum die Entscheidung so ist, wie sie ist. Weil dann nämlich niemand mehr rätseln müsste, was genau der Schiedsrichter erkannt hat.“

Unnatürliches Fallmuster

Markus Sutera (spiegel.de) schüttelt den Kopf: „Schaut man sich die Zeitlupen an, ist zu sehen, dass Sterling mit der Intention in diesen Zweikampf geht, einen möglichen Elfmeter zu schinden. Zu erkennen ist das am weit nach vorn gelegten Oberkörper und am Fallmuster, das unnatürlich wirkt. Es kam zwar auch zu einem leichten Kontakt im Beinbereich. Doch nur weil ein Kontakt vorliegt, ist das noch kein Grund für einen Strafstoß.“

Three Lions-Fan Fabian Scheler (Zeit Online) versteht die ganze Aufregung nicht: „Natürlich kann man der Meinung sein, dass sei ein geschundener Strafstoß von Raheem Sterling. Ich aber habe nach langem Suchen mehrfachen dänischen Knie- und Oberschenkelkontakt feststellen können. Sterling konnte einfach unmöglich weiterlaufen, und Harry Kane traf zurecht den Elfmeter für England. Natürlich nicht direkt, aber per Nachschuss. Danach passierte nicht mehr viel, England brachte das 2:1 souverän über die Zeit.“

Jonas Rütten (spox.com) klopft dem englischen Coach anerkennend auf die Schultern: „Pragmatismus vor persönlicher Eitelkeit. Das ist es, was Southgate seinen Spielern sowohl in puncto Mentalität als auch in Sachen Spielstil bei dieser EM eingeimpft hat. Zwar spielt dieser mit Offensivtalenten- und Stars nur so gespickte Kader der Engländer nicht den ansehnlichsten, aber eben einen sehr erfolgreichen Fußball, der fast schon an die deutsche Nationalmannschaft der 1980er oder 1990er erinnert.“

Zu schwere Last

Roland Zorn (FAZ) steht vor der dänischen Bank und verteilt Energieriegel: „Die von dem aufreibenden Turnier zusehends erschöpften Dänen verloren gegen Ende der regulären Spielzeit von ihrem Punch auch deshalb eine größere Prise, weil die von Hjulmand vorgenommenen Wechsel, bei denen unter anderem Damsgaard ging und durch den Leipziger Poulsen ersetzt wurde, keine neuen Energien bei den wenigen Konterattacken des Außenseiters freisetzten. Die Last, die die Dänen zu tragen hatten, wurde in der Verlängerung bei schwindenden Kräften nach einem körperlich wie psychisch zehrenden Turnier noch größer.“

Christian Spiller (Zeit Online) verneigt sich vor den Verlierern: „Der Herzstillstand von Christian Eriksen, die beiden Niederlagen gegen Finnland und Belgien, die wilden Ritte gegen Russland und Wales, nun das Pech in Wembley. Dänemark hat in knapp vier Wochen mehr durch als andere Teams in zehn Jahren. Aber sie haben viele neue Fans gewonnen, wurden schnell zum Europameister der Herzen und zum Zweitteam der Fans von Island bis zur Türkei. Und von Spielern wie Mikkel Damsgaard wird man noch einiges hören.“

Philipp Köster (11Freunde) schließt sich an: „Am Ende war großer Jubel bei den Engländern und Trauer bei den Dänen, die ein großes Turnier gespielt und anderen, längst aus Herzogenaurach abgereisten, Mannschaften gezeigt haben, wieviel mit Geschlossenheit und schlüssigem tak­ti­schem Konzept zu erreichen ist. Vielleicht schiebt Hansi Flick bei der ersten Zusammenkunft mit seiner neuen Mannschaft mal eine VHS-Kassette in den Rekorder und zeigt der Die Mannschaft die schönsten Szenen dieses Semifinales. Die Ansicht lohnt sich.“

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