indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Donnerstag, 25. März 2004

Nachschuss

Torsten Schilling – „Der spielt wie ´ne Parkuhr“. Mündliche Fehlpässe von Spielern, Trainern und Reportern

Das Zitat „Der spielt wie ´ne Parkuhr“ ist der Titel für die Sammlung mündlicher Fehlpässe von Spielern, Trainern und Reportern, die Torsten Schilling im Europa Verlag herausgegeben hat. „Das wird alles von den Medien hochsterilisiert.“ Selbst Fußball-Laien dürfte dieser Ausspruch von Bruno Labbadia ebenso bekannt sein wie Lothar Matthäus´ „Man darf den Sand nicht in den Kopf stecken.“ Diese und andere Fußball-Weisheiten eröffnen sich dem geneigten Leser. Das Buch verzichtet auf Vorworte und einen erklärenden Klappentext, allein durch die Überschrift der einzelnen Kapitel hat es einen roten Faden.

Zunächst wird die Sinnfrage „Was ist Fußball?“ aufgeworfen, zu der etwa Sir Peter Ustinov zu Wort kommt: „Fußball beherrscht den Teil im Hirn des Mannes, der sich weigert, erwachsen zu werden.“ Für Schilling sind damit wohl Einschränkungen der Sprachfertigkeit verbunden, jedenfalls gibt er als nächstes eine Einführung in das Fußballer-Latein. Helmut Schön: „Da gehe ich mit Ihnen ganz chloroform.“ Es geht weiter mit Zahlendribblings (John Sillet: „Es gibt Spiele, die enden 0:0 oder 0:0. Dies war ein 0:0.“) und Regelauslegungen (Uwe Seeler: „Also, ein normales Foul ist für mich nicht unfair.“). In der Halbzeit gibt es Kommentare verschiedener Fußball-Helden, unter anderem von Franz Beckenbauer („Ja gut, am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schießt einer ein Tor.“) und natürlich – wir sind es schon gar nicht mehr anders gewohnt – von Günter Netzer („Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden!“). Bis zum Abpfiff gibt es schließlich noch Fußball-Logisches (Otto Rehhagel: „Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“), Mental-Pressing (Jan-Aage Fjörtoft: „Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht – aber die Überlebenden wären topfit gewesen.“) und Spielanalysen (Udo Lattek: „Sie spielen taktisch gut, obwohl sie ohne Taktik spielen.“).

Man muss ehrlich sein: Von diesem Buch darf man nichts Großes erwarten. Man blättert es durch und wird an vielen Stellen schmunzeln – mehr aber auch nicht. Ob hierfür der Preis von immerhin 9,90 gerechtfertigt erscheint …, an dieser Stelle sei noch einmal Otto Rehhagel zitiert: „Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.“ Schillings „Sprüchesammlung“ hat rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft den Weg in die Buchläden gefunden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dennis Kraft

Torsten Schilling: „Der spielt wie ´ne Parkuhr“. Mündliche Fehlpässe von Spielern, Trainern und Reportern. 140 S. Europa Verlag, Hamburg. 2002. 9,90 .

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Peter Chladek – Abstieg

In der Saison 1999/2000 strebte Peter Chladek, Autor des Fußball-Romans Abstieg, geradewegs auf die denkwürdige 40 zu. Chladek arbeitet im Heidelberger Jugendzentrum und hat sich in der Vergangenheit insbesondere mit dem Verfassen von Musikkritiken für die verschiedensten Musikzeitschriften, bzw. Stadtzeitungen einen Namen gemacht. Das alles lässt darauf schließen, dass einiges an Chladek’scher Autobiographie sich im Titelhelden Frank Liebig widerspiegelt, ist doch auch dieser ein Enddreißiger, arbeitet auch dieser als Sozialarbeiter in einem Jugendzentrum. Im übrigen wird die Entfernung nach Mönchengladbach im Roman mit rund 300 Kilometern angegeben. Mit andern Worten: Chladek hat von dem geschieben, wovon er etwas zu verstehen meint: von Frauen (aber welcher Mann versteht schon die Frauen?!), von Musik, von Filmen. Und halt von Fußball. Aber Männer täuschen sich zuweilen: ob es sich um Frauen handelt oder ob der Reaktionen bezüglich der eigenen musikalischen Einschätzung einer sich Caspar Brötzmann Massaker nennenden Combo.

Im Prolog zitiert Chladek Nick Hornby, nach dem die Schicksalswege des eigenen Lebens und des jeweiligen Lieblingsvereins miteinander verflochten seien. Das mag wohl sein – mehr oder weniger. Wenn Chladek aber auf Hornby verweist, dann unterscheiden sich Abstieg und Fever Pitch in einem ganz grundlegend: Hornby hat ein Fußballbuch geschrieben, Chladek hat der durchaus sympathischen Schilderung seines Lebens, die Komponente Fußball hinzugefügt.

Der Titelheld Frank Liebig braucht zunächst die gesamte Hinrunde, um die Trennung von Sabine (sie hat sich von ihm getrennt) zu verkraften. Aber es gibt ja nicht nur Sabine. Frank wird bis zum Saisonende noch mit Claudia, Lissy, Gudrun oder auch Patrizia zu tun haben und mit seinem Kumpel André durch die Kneipen ziehen. Er hört bevorzugt Rickie Lee Jones und The Jesus Mary Chain, aber auch Pavement oder Neil Young, mag das filmische Schaffen eines Woody Allen, eines Jarmusch, von Buck und Kaurismäki, schwärmt von Günter Netzer, schätzt Hans Meyer und Bernd Korzynietz. Frank Liebig, der zuweilen mal einen Whiskey (mit ey !) abkippt und unter chronischen Beziehungsängsten leidet gibt hier seine Reflektionen über Frauen kund. Und diese kommen mir irgendwie bekannt vor. So schildert er seine Ängste vor einer uneingeschränkten Verbindung, beschreibt den Einheitsbrei im Radio oder dass potenzielle Freundinnen einen Fußballfan gar häufig als „spätpupertierenden Proleten“ betrachten.

Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der Zweitligasaison 99/00, vermag aber nicht wirklich eine Synthese von Fußball und Frauen herzustellen. Frank Liebig besucht während der gesamten Saison gerade mal ein Spiel (Oberhausen), auch wenn das Buch nach Spieltagen gegliedert ist, die Ergebnisse scheinen nur von nachgeordnetem Interesse zu sein, werden meist erst gar nicht erwähnt. Und wenn das Fernsehen als adäquater Ersatz für einen Stadionbesuch angesehen wird, so muss der Rezensent, der über keine Fernsehmaschine verfügt, dies strikt verneinen.

Abschließend sei noch auf zwei inhaltliche Eigenheiten hingewiesen. In Kapitel 14 führt Chladek aus: „Für uns waren die Bayern nichts anderes als selbstgefällige Geldsäcke, schuld am Niedergang des Fußballs, der Emotionen…“ Warum eigentlich „waren“ ??? Im übrigen hat sich mir nicht erschlossen, aus welchem Grunde im 21. Kapitel Sabine ausführt, sie hätte vielleicht sogar gegen Claudia ankämpfen müssen. Frank lernt Claudia erst im siebten Kapitel kennen, von Sabine hat er sich bereits im ersten getrennt.

Abstieg – der Titel kann sich nur auf den Abstieg des Frank Liebig nach der Trennung von Sabine beziehen. Die Gladbacher Borussia ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgestiegen. Jeder Abstieg beinhaltet aber auch einen Neuanfang. Und wie dieser mit Vornamen heißt, wird der Leser erst am letzten Spieltag erfahren.

Andreas Stahl, Hohenstein / Taunus,

Der Rezensent ist if-Leser

Peter Chladek .Abstieg. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg: 2002 – 7,90.

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Wolfgang Schlicht Werner Lang (Hrsg.) (2000) – Über Fußball. Ein Lesebuch zur wichtigsten Nebensache der Welt

Unter dem wahnsinnig originellen Titel „Homo ludens sinensis“ präsentiert Hans Ulrich Vogel eine Studie zum Fußball im alten China. Sympathisch und geistreich sind wie immer Hermann Bausingers Ausführungen zur Bedeutung des Fußballsports („Kleine Feste im Alltag“). Dies gilt in vergleichbarer Weise für Christiane Eisenbergs Studie über die Entstehung und Entfaltung des modernen Fußballs („Von England in die Welt“). Wenn Geisteswissenschaftler über Fußball nachdenken, wird irgendwann unweigerlich die Zivilisationstheorie von Norbert Elias referiert. Diesen Part übernimmt diesmal durchaus gekonnt Michael Krüger („Fußball im Zivilisationsprozeß“). Wenig Erhellendes „über den Ball in der Erziehung“ berichtet langatmig der Pädagoge Klaus Prange, während Werner Lang die Wechselbeziehungen von Sport und Politik wie üblich am Beispiel Silvio Berlusconis diskutiert. Als echter Die-Hard-Fan von 1860 München gibt sich anschließend der Literaturwissenschaftlers Jürgen Wertheimer („Sechzig – Oder Fußball und Masochismus“) zu erkennen. Warum Menschen überhaupt als Zuschauer an Sportveranstaltungen teilnehmen erklärt anschließend der Sportpsychologe Bernd Strauß („Wer gab Philipp Ozersky für eine Lederkugel 2,7 Millionen Dollar?“). Der Jurist Martin Schimke analysiert mit Blick auf „Transferrecht, Medienrecht, Spielervermittlung“ die Vorreiterrolle des Fußballs im Sportrecht. Mit den Helden und Idolen im Sport beschäftigt sich kompetent und kurzweilig der Mitherausgeber Wolfgang Schlicht. Längst überfällig und dringend notwendig war sicherlich der abschließende Beitrag des Literaturwissenschaftlers Jürgen Schröder, der die „Lust der Intellektuellen am Fußball“ analysiert. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang Schröders Ankündigung, bald einen weiteren Vortrag zum Thema „Über den Frust der Fußballer an den Klugscheißern“ nachzureichen. Wenn das Wünschen noch hilft, sitzen ja dann vielleicht Willi Lippens, Sepp Maier, Diego Maradona und Eric Cantona in der ersten Reihe des Hörsaals.

Jürgen Schwier

Wolfgang Schlicht Werner Lang (Hrsg.) (2000), Über Fußball. Ein Lesebuch zur wichtigsten Nebensache der Welt. Schorndorf : Hofmann Verlag.

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Moritz, R. – Vorne fallen die Tore. Fußball-Geschichten von Sokrates bis Rudi Völler

Aus der ebenso vielfältigen wie beliebigen, zumeist ärgerlichen bis mitleiderregenden Fülle von Anthologien über den Fußballsport, ragen die von Rainer Moritz zusammengetragenen Geschichten um das runde Leder sicherlich überaus positiv heraus. Moritz, ein Fußballfan (kaum nachvollziehbar: 1860), der im Nebenberuf den Hoffmann Campe Verlag leitet, hat Anekdoten und Anmerkungen mehr oder weniger berühmter und ballsicherer Mitmenschen aus den letzten zweitausend Jahren Ball- und Fußgeschichte ausgewählt und ebenso kompetent wie liebevoll (um nicht zu sagen: hingebungsvoll) kommentiert.

Die Fülle der von Moritz auf 275 Seiten ausgebreiteten und chronologisch geordneten verbalen Steil-, Rück- und Fehlpässe kann hier nicht annähernd vorgestellt werden. Allerdings sei angemerkt, dass nahezu jede Seite das Lesen lohnt. Selbstverständlich kann man mit der Lektüre auf jeder beliebigen Seite beginnen, die ersten Passagen zum chinesischen Fußball gehören ohnehin nicht zu den Höhepunkten der Sammlung. Neben Ausführungen von Historikern und Sinologen zur Entstehung des Fußballs (mit China und England als üblichen Verdächtigen), Wehklagen von Schiri Wack, existentielle Fragen wie „Frauen und Fußball“, deutschen und österreichischen Erinnerungen an die „Schmach von Cordoba“, Anmerkungen zur Namensgebung im Alternativ-Fußball, Don Camillo´s Zorn über die Niederlage seines Teams gegen Peppone´s kommunistische Balltreter oder den Noten des Beckenbauer-Evergreens „Gute Freunde“, finden sich unter anderem auch zahlreiche Oden von Dichtern an herausragende Kicker. Als noch immer unübertroffen erscheint dabei neben Eckart Henscheids in Hessen unvergessener Huldigung an Bum Kun Cha (damals Eintracht Frankfurt) sicherlich Friedrich Torbergs Gedicht über den Wiener Ausnahmespieler Mathias Sindelar: „… Er spielte Fußball, und er wusste vom Leben außerdem nicht viel. Er lebte, weil er leben musste, vom Fußballspiel fürs Fußballspiel. Er spielte Fußball wie kein zweiter, er stak voll Witz und Phantasie. Er spielte lässig, leicht und heiter. Er spielte stets. Er kämpfte nie …“.

Ansonsten wächst in diesem Band zusammen, was auf den ersten Blick kaum zusammengehört: Sokrates (der Grieche, nicht der Brasilianer) und Völler, Bausenwein und Beckenbauer, Hornby und Herberger, Derwall und Sartre, Bierhoff und Grass, Rilke und Rummenigge, Hansi Müller und Christian Kracht, Uli Stein und Peter Handke, Ror Wolf und Sepp Maier. Und diese Auszählung ließe sich noch über etliche Zeilen verlängern. Was die Fußball-Geschichten zusammenhält sind ohne Zweifel die treffsicheren Kommentare von Rainer Moritz(Kostprobe: „Maier gab seinen Abschied, um seinen Lebensabend als ´Original´ zu begehen“ oder „Klassische Strophenformen scheinen ohnehin geeignet, das Ballgeschehen adäquat zu erfassen…“).

Abschließend seien auch noch zwei meiner persönlichen Highlights des Bandes verraten: Auf den Seite 132 und 133 wird geschildert, wie Riegel-Rudi Gutendorf seine Schalker 1969 mit einem Sprach-Crashkurs an der Gelsenkirchner Volkshochschule auf ein Europokalspiel bei den Shamrock Rovers vorbereiten wollte. Und an „Stan“ Libuda scheiterte. Auf den Seiten 223 bis 226 wird ein gemeinsamer Auftritt des bajuwarischen „Trio infernale“ (Trainer Lorant, Präsident Wildmoser und „Waldi“ Hartmann) in der TV-Sendung „Blickpunkt Sport“ aus dem Jahr 1992 nachempfunden.

Bleibt nur noch die Frage, was uns so magisch zum Fußball hinzieht. Die einzig überzeugende Antwort stammt wohl vom Journalisten Christoph Biermann: „Fußball leert den Kopf. Radikal und komplett. … Für neunzig Minuten gibt es kein Grübeln und keine Gedanken, die über das Spiel hinausgehen. … Das unterscheidet Fußball von allen anderen kulturellen Veranstaltungen. In Musik, in Bildern oder Büchern versinke ich nie, eher fliegen die Gedanken davon. Nur im Fußball gehe ich verloren“ (Seite 14). Das hätte wohl Loddar Matthäus nicht prägnanter formulieren können.

Kritisch kann ich nur anmerken, dass mir in den Fußball-Geschichten ein paar Sätze von Cesar Luis Menotti über Maradona fehlen, dafür aber auch Bayern-Sympathisanten zu Wort kommen und über etliche Zeilen Gurkensalat als Lieblingsspeise von Bernd Schuster präsentiert wird. Dafür habe ich aber wenigstens keinen Beitrag von Walter Jens entdeckt.

Die überaus gelungene, ebenso ICE- wie strandtaugliche Aufmachung des kleinen Bandes unterstreicht den champions-league-tauglichen Gesamteindruck. You´ll never walk alone – if you got this book.

Jürgen Schwier

Moritz, R. (Hrsg.). (2002). Vorne fallen die Tore. Fußball-Geschichten von Sokrates bis Rudi Völler. Verlag Antje Kunstmann.

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Wir sehen das Ergebnis einer fatalen Entwicklung

„Wir sehen das Ergebnis einer fatalen Entwicklung: Wir haben doch zehn Jahre lang im taktischen Bereich vieles verschlafen. Zu lange wurde am Libero und an der Manndeckung festgehalten, und zwar an der Basis, in den Amateurvereinen.“

Rudi Völler in einem kicker-Interview (07.01.):

„Wichtig ist, dass wir Überzahl im Mittelfeld herstellen, dass wir weggekommen sind vom klassischen Libero oder gar Ausputzer.“

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Fascetti, Eugenio Scaia, Romedio – Das 5:3:2-System. Ursprünge und Wandlungen, Gedanken zum Unterricht, praktische Übungen

5:3:2: Das klingt zunächst nach defensiver Spielauffassung. Braucht man denn wirklich fünf Verteidiger? Redet man dadurch nicht Mauerfußball das Wort? Wollen wir nicht Offensivfußball forcieren? Doch diese Zweifel beruhen auf einem Missverständnis. Das 5:3:2-System kennt man hierzulande nur unter einer anderen Bezeichnung, nämlich 3:5:2. Wie man es letztlich nennt, ist reine Geschmackssache.

Daher kann sich der Fachmann vorbehaltlos Fascetti Scaia zuwenden und wird rasch die Qualität ihrer Darstellung erkennen. Herzstück des Buchs ist die didaktische Anleitung, das zugrunde liegende Spielsystem mit einer jedweden Mannschaft einzustudieren – seien es Profis oder Amateure, Senioren oder Jugendliche. Die Aufgaben der Spielpositionen werden dargelegt und die einzelnen taktischen Möglichkeiten (Pressing, Doppeldeckung, Abseitsfalle etc) anhand von Fallbeispielen anschaulich skizziert. Jeder Trainer wird hier fündig, zumal da die beiden Autoren sich an ihre Maxime halten, dogmatische Anweisungen zu vermeiden. Keineswegs klammern sie sich engstirnig an eine bestimmte Idee. 5:3:2, so ist zu lesen, lasse sich nämlich sowohl mit Raum- als auch mit Manndeckung spielen. Die Zauberworte von Fascetti Scaia lauten dabei “situationsabhängiges Variieren der einzelnen Taktikmodule” und “Chamäleonismus”. Mit anderen Worten: Nach Spielsituation, Tabellenstand, Gegner und vor allem den Fähigkeiten der eigenen Spieler hat der Trainer seine Vorgaben auszurichten. „Jede Taktik hat ihre Stärken wie ihre Schwächen“ (S 3) schreibt Giorgio Tosatti in einer Vorbemerkung. Ein angenehmer Wesenszug des Buches ist, dass es die Nachteile dieses Systems gegenüber anderen nicht verschweigt, zB eine Tendenz zur numerischen Unterzahl auf den Außenbahnen, weswegen den Außenverteidigern eine zentrale Rolle zukommt. Gleichzeitig jedoch werden entsprechende Gegenmaßnahmen herausgearbeitet. Zahlreiche Übungsbeispiele für die Praxis sowie ein historischer Abriss der Fußballtaktik – der, weil aus anderen Büchern zur Genüge bekannt, auch etwas kürzer hätte ausfallen dürfen – runden die Sache ab.

Schaut man über die gelegentlich gedrechselte Sprache hinweg, befinden sich Fascettis Scaias Betrachtungen auf der Höhe der Zeit. „Das 5:3:2-System“ ist folglich eine hervorragende Ergänzung zu anderen Taktikfibeln des bfp-Versands, in denen italienische Experten ihre Auffassungen von Fußballstil präsentieren.

Oli Fritsch

Fascetti, Eugenio Scaia, Romedio (1999). Das 5:3:2-System. Ursprünge und Wandlungen, Gedanken zum Unterricht, praktische Übungen. Leer: bfp, 160 S (17,90 €).

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Findet der Pass in der 85. Minute noch den gewünschten Weg zum Mitspieler?

Findet der Pass in der 85. Minute noch den gewünschten Weg zum Mitspieler? Kann die Mannschaft den Willen aufbringen, einen Rückstand in der Schlussphase aufzuholen und das Spiel noch drehen? Wie schnell regeneriert ein Spieler im Anschluss an eine schwere Belastung, sei es ein umkämpftes Pokalmatch oder ein langer Sprint mit anschließendem Zweikampf? Geht dem Tabellenführer am Saisonende die Puste aus? Bei den Antworten auf diese Fragen spielt die Kondition des Fußballers die entscheidende Rolle. Ihre Einflussgröße auf den sportlichen Erfolg ist in Fachkreisen bekannt. Allerdings lehrt das Gespräch mit Trainern, dass die Herangehensweise an die verzweigte Thematik in zweierlei Hinsicht zu problematisieren ist:

Erstens kursiert ein diffuses Verständnis über den Begriff, was nun den holländischen Biomechaniker Dr. Raymond Verheijen dazu veranlasste, in einer vom bfp-Versand aufgelegten Enzyklopädie Abhilfe zu leisten. Assistiert wird er dabei von einer beachtlichen Kollegenschar, deren Produkt widerlegt, dass viele Köche zwangsläufig den Brei verderben. Im Gegenteil: Beim „Handbuch Fußballkondition“ handelt es sich nicht mehr und nicht weniger um ein Standardwerk, das über Jahre hinaus wortführend sein wird. Dabei belegt die Inhaltsangabe bereits die Systematik des Vorgehens: In 14 Kapiteln findet der lesewillige Fußballlehrer alles in dieser Disziplin wissenswerte: das Anforderungsprofil eines Fußballers in Abhängigkeit seiner Spielposition, die für das Ausüben diesen Sports notwendigen physiologischen Voraussetzungen und währenddessen ablaufenden Prozesse, den Zusammenhang zwischen den einzelnen konditionellen Faktoren, entsprechende Trainingsmodule, Ernährungshinweise und -pläne, Verletzungsbehandlungen und vieles mehr.

Zweitens bietet die Frage nach der praktischen Gestaltung des Konditionstrainings Zündstoff, wobei die umstrittenen Fragen immer lauten: Mit oder ohne Ball? Am Anfang oder am Ende der Trainingseinheit? Intensiv oder extensiv? Verheijen Co. sind um keine Antwort verlegen. So erfährt der Leser unter anderem über die unterschiedliche Gewichtung des aeroben und anaeroben Ausdauertrainings beim Übungsprozess, den Nutzen von verschiedenen Konditionstests, die Periodisierung der Trainingsinhalte sowie die Vorteile eines ausgewogenen Krafttrainings. Eine Reihe von Übungsformen, Schaubildern, Grafiken und Fotos gibt dem Trainer von Jung und Alt anschauliche Werkzeuge in die Hand, die Erfolgsaussichten seiner Lerngruppe und somit seine eigenen einschneidend zu erhöhen.

Das Fachbuch beinhaltet eine ungeheure und hier nur anreißbare Informationsfülle; niemals auf Kosten der Übersichtlichkeit. Die Autoren verschmelzen komplexe Theorie und Praxis des Konditionstrainings zu einer Einheit; zu keiner Zeit zu Lasten der Verständlichkeit. Eine Fibel, bei dem selbst der gründliche Sportwissenschaftler nichts zu meckern haben wird. Ärgerlich ist es nämlich durchaus, wenn – wie in diesem Genre üblich – Kondition mit Ausdauer gleichgesetzt wird. Dabei ist letztere (wie Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit) nur eine Unterkategorie. Dieser Ungenauigkeitsvorwurf, den man den Verheijens Vorgängern meist machen muss, ist keine Wortklauberei, denn das begriffliche Durcheinander setzt sich sodann fort, wenn falsche Schlussfolgerungen für die Trainingspraxis gezogen werden. Was passiert nämlich, wenn Fußballer immer und immer wieder 200-Meter-Sprints in maximalem Tempo trainieren, wie das oft auf Sportplätzen zu beobachten ist und in schlecht redigierten „Fachwerken“ anempfohlen wird? Die Folgen dieser Schwerpunktsetzung auf das im Fußball wenig relevante Stehvermögen sind nämlich Verlust an Grundschnelligkeit und Ausdauer. Kein Sportler der Welt – das sollte sich mancher Schleifer hinter die Ohren schreiben lassen – kann gleichzeitig maximal sowohl in Sachen Ausdauer als auch in Sachen Schnelligkeit austrainiert sein, schon gar nicht, wenn er wie in diesem Fall auf Schnelligkeitsausdauer getrimmt wird. Eine sensible Wechselwirkung zwischen diesen einzelnen Kategorien, wird in der Fußballliteratur und auf dem Trainingsgelände bedauerlicherweise oft übersehen.

Anders dagegen Verheijen: Sein großes Verdienst ist es in der Sportwissenschaft zwar existentes, aber verstreutes Wissen zu diesem Thema zu sammeln, gutes von schlechtem zu trennen und auf etwa 330 Seiten zu bündeln. Eine besondere Würze erhält das Buch durch die zahlreichen Interviews mit holländischen Profitrainern wie Leo Beenhakker, Dick Advocaat,, Jan Wouters, die jeweils am Kapitelende durch ihre Sichtweisen das zuvor Dargestellte aus der Perspektive des erfahrenen Praktikers ergänzen. Ebenso lobenswert und hilfreich ist die Vorgehensweise der Autoren, jedes Kapitel für sich komprimiert zu resümieren. Diese Abstracts sichern die Erkenntnisse der Lektüre. Fazit: Wer sich umfassend über die Thematik Fußballkondition informieren will, wer – liebe Trainer – sein Team optimal auf die Ansprüche und Belastungen vorbereiten will, die während der 90 Minuten plus x sowie einer langen Saison auf es lauern, dem sei der Griff zu Verheijens großen Wurf ans Herz gelegt.

Verheijen, Raymond. Handbuch Fußballkondition. Leer (bfp): 27,90 .

Oliver Fritsch

weitere Bücher zur Trainingspraxis

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

ein Amerikaner der den Fußball liebt

In diesem Buch versucht ein Amerikaner, der den Fußball liebt, zu erklären, warum die Amerikaner den Fußball nicht lieben. Die Herzen des Autors, Andrei S. Markovits, und seines Ko-Autors sind geräumig genug, um auch American Football, Baseball, Basketball und Eishockey einzuschließen. Das Buch ist also, wie Markovits’ leidenschaftliches, um Toleranz werbendes Vorwort unterstreicht, ein Buch von Sportliebhabern für Sportliebhaber. Es ist aber auch ein Buch von Soziologen für soziologisch Interessierte. Es vergräbt sich in der Frage, warum der Fußball in der Sportkultur der USA nur eine marginale Rolle spielt, trägt dazu eine Fülle historischer und empirischer Informationen zusammen und schreckt auch vor mutigen Erklärungen nicht zurück. Eine gerechte Bewertung setzt wohl voraus, es als zwei Bücher zu lesen: Als ein historisches, das die Entwicklung der amerikanischen Sportkultur in den letzten zwei Jahrhunderten nachzeichnet. Und als ein theoretisches, das diese Entwicklung zu erklären und in Zukunftsspekulationen zu verlängern sucht.

Historisch schlägt es einen großen Bogen von den Anfängen des modernen amerikanischen Sports Mitte des 19. Jahrhunderts bis an die Schwelle zum 21. Jahrhundert. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen „hegemoniale Sportarten“. Hegemonial ist ein Sport, in dieser Lesart, nicht schon, wenn er massenhaft ausgeübt wird, sondern erst, wenn er breites und fanatisches Interesse auf sich zieht. Der Begriff zielt also auf Sport als ein sekundäres Kulturphänomen, auf die Welt der Liebhaber und Fans, nicht der Athleten. So ist Angeln kein hegemonialer Sport, obwohl 45 Mio. Amerikaner begeisterte Angler sind. Das verbindende Merkmal aller hegemonialen Sportarten ist, auch heute noch, die Dominanz eines vorwiegend männlichen Publikums. Der Begriff mag nicht sonderlich scharf sein, ist aber nützlich, schon weil er erlaubt, einen konsensfähigen Ausgangspunkt festzulegen: In den USA sind Baseball, Football, Basketball, mit Abstrichen Eishockey, hegemoniale Sportarten („Die Großen Dreieinhalb“), in Europa und Südamerika und fast überall sonst (nur) der Fußball.

Die zentrale These des Buches ist, dass die Frage, ob eine Sportart bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Hegemonialität erreichen konnte, entscheidend davon abhing, ob es ihr gelang, in der „Sattelzeit“ des modernen Sports, zwischen 1870 und 1930, eine Popularitätsbasis zu errichten, auf der ein Spitzen- und Profisportbetrieb und das massenmedial vermittelte gesellschaftliche Interesse aufbauen konnten. Die Autoren zeigen in einer Reihe von akribisch recherchierten, spannend zu lesenden Kapiteln, wie es Baseball, American Football, Basketball und Eishockey gelang, sich in der Sportsattelzeit in den Sattel zu schwingen. Für Fußballer von besonderem (und tragischem) Interesse ist die Auseinandersetzung zwischen den Ostküsten-Colleges in den Jahren 1873 bis 1875, der die Autoren richtungsweisende Bedeutung für die Entwicklung des amerikanischen Fußballs beimessen (S. 129: „Wenn es jemals einen kritischen Zeitpunkt gegeben hat: das hier war einer.“). Der sportlich-spielerische Leistungsvergleich zwischen den Hochschulen war damals gerade zu einer regelmäßigen Übung geworden. Sämtliche Colleges mit Ausnahme von Harvard praktizierten einen dem heutigen Fußball eng verwandten Football, mit dem sie den Regeln der 1863 gegründeten englischen Football Association folgten. Harvard dagegen favorisierte eine Art Rugby und weigerte sich, in den aufrichtigen Fußwettbewerb einzutreten. Nach zwei Jahren der Auseinandersetzung setzte sich schließlich Harvard mit seiner Football-Variante durch. Aus ihr wurde der heutige American Football, bei dem die Füße fast ausschließlich zum Laufen dienen. Und so stellt sich die Frage, warum der Fuß-Fußball, während er die Welt eroberte, in der neuen Welt scheiterte.

An dieser Stelle beginnt die Theorie. Die Autoren sortieren in drei Arten von Gründen: historisch-soziologische, kulturanthropologische und organisatorisch-institutionelle. Die kulturanthropologischen Gründe beziehen sich auf die Annahme, dass der Fußball als „unamerikanisch“ wahrgenommen wurde bzw. wird. Erklärt ist damit freilich noch nichts, denn die Frage ist ja gerade, warum es nicht gelungen ist, die Basis für eine andere Wahrnehmung zu schaffen. Die beiden anderen Erklärungsansätze hängen am Begriff des „Sportraumes“, den die Autoren bei Pierre Bourdieu entleihen, aber, im Unterschied zu Bourdieu, betont räumlich-metaphorisch interpretieren. Mit den „Großen Dreieinhalb“ habe sich der amerikanische Sportraum abgeschlossen und für Neuzugänge unzugänglich gemacht. Dass sich der Fußball nicht rechtzeitig Zutritt verschaffen konnte, sei, neben der fehlenden Basis im Collegebereich, primär auf die Unfähigkeit von Funktionären der amerikanischen Profiligen zurückzuführen. Vielversprechende Ansätze zu erfolgreichen Profiorganisationen („American Soccer League“) habe es durchaus gegeben, insbesondere in den 20er Jahren, sie seien aber stets am internen Zwist der Verbandsführungen und anderen organisatorischen Unzulänglichkeiten gescheitert.

Der Begriff des Sportraumes produziert mehr Fragen als Antworten. Wie wenig er trägt, führen die Autoren mit ihren spekulativen Zukunftsszenarien am Ende des Buches selbst vor. Denn dort schreiben sie dem Fußball unter einer Vielzahl von Bedingungen das Potential zu, den amerikanischen Sportraum als zusätzliches Mitglied zu betreten, also ohne einen anderen Sport zu verdrängen. Man fragt sich: Kann ein Sportraum wachsen? Und, falls ja: Nach welchen Gesetzen wachsen Sporträume? Auch die Entwicklung des Basketballs, der nach chaotischen Anfängen erst in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wirklich aufblühte, spricht gegen das Bild eines auf- und abschließbaren Raumes. Schließlich, nicht zu vergessen: In den siebziger Jahren kam es zu einem spektakulären Hoch der North American Soccer League (NASL), mit Stars wie Pelé, Best, Müller und Beckenbauer, das aber bald wieder abebbte. Kann ein Sportraum auch befristet untervermietet werden?

Der Verdacht liegt nahe, dass mit dem Begriff des Sportraumes, jedenfalls mit dem hier gepflegten metaphorischen Gebrauch, einer Abfolge historischer Ereignisse, die weitgehend von Zufällen und anderen schwer einzugrenzenden Faktoren bestimmt war, nachträglich eine Kausallogik eingeschrieben werden soll. Vielleicht hätten sich die Autoren besser ganz von solcher Logik verabschieden und statt dessen die Auseinandersetzung mit sozialstrukturellen Bedingungen des „american exceptionalism“ – des amerikanischen Sonderweges – vertiefen sollen, die sie am Anfang des Buches skizzieren. Nichts ist ja aktueller als die Frage, ob und inwiefern Amerikaner anders sind. „Donald Rumsfeld“ und „Alteuropa“ kommen in den Sinn. Theoretisch freilich ist die Frage hochkompliziert, und das Schicksal des Fußballs könnte ein Anlass sein, sie neu und anders zu stellen.

Die eher unscheinbaren Randbemerkungen des Buches könnten den Weg zu einer Reformulierung weisen. So erfährt man, dass die zweite American Soccer League 1952 früh im Fernsehgeschäft beteiligt war, der Durchbruch aber an „schwachen Besucherzahlen bei den Spielen“ und „noch geringeren Einschaltquoten“ scheiterte (S. 189). Dasselbe gilt für die NASL: Auch deren Übertragungspartner ABC verlängerte den Vertrag 1982 nicht mehr wegen der „kontinuierlich niedrigen Einschaltquoten“ (S. 252). Und auch von der heutigen Major League Soccer (MLS) werden, nach vielversprechenden Anfängen, wieder sinkende Zuschauerzahlen berichtet, obwohl, wie aus dem Statistik-Teil hervorgeht, auf Highschool- und College-Ebene längst fleißig Fußball gespielt wird.

Vielleicht sollte man zunächst einfach ernster nehmen, dass sich die meisten Amerikaner tatsächlich langweilen, wenn sie Fußball sehen. Damit verbunden wäre, vor aller detaillierten historischen Rekonstruktion, eine geschärfte Aufmerksamkeit für die Ästhetik des Fußballs, genauer: seine Ästhetik relativ zum kulturellen Erwartungskontext, mit dem er in den USA konfrontiert ist. Dann könnte man spekulieren: Der Fußball hat etwas Anarchisches, das sich festgefügten Erwartungen an Unterhaltungswert und Aufwand-Ertrags-Verhältnisse nicht fügt. Erwartungen dieser Art, einschließlich einer betont individuellen Zurechnung von Erfolg, spielen jedoch in der amerikanischen Gesellschaft traditionell eine dominierende Rolle. In negativer Wendung könnte man von Machbarkeitsdenken und fehlendem tragischen Bewusstsein sprechen, in positiver von Optimismus und Vertrauen in persönliche Verantwortung. Die Vorliebe für Statistik in der US-Sportkultur, mit der komplexe Mannschaftsszenarien in individuell vergleichbare Zahlenkolonnen verwandelt werden, spiegelt diese Tatsache ebenso wie das beständige, publikumsorientierte Neujustieren der Regeln.

Der Fußball dagegen bleibt Fußball, praktisch unverändert seit Erfindung der Abseitsregel, eigensinnig, unberechenbar, launisch. Auch ein „Spitzenspiel“ garantiert keine Unterhaltung. Weder nominelle noch taktische Überlegenheit garantieren den Sieg. Wer 90 Minuten auf ein Tor spielt, kann in der 91. ausgekontert zu werden. Der Weltmeister von 1998 kann 2002 in der Vorrunde rausfliegen, Eigentore können das Spiel entscheiden, Fehlentscheidungen es ruinieren, Platzfehler es zur Farce machen. Der Fußball ist die populäre Verkörperung der paradoxen Erfahrung, dass Talent und Leistung entscheiden sollen, aber nur selten entscheiden. Der Fußball, könnte man auch sagen, hat eine ironisch-tragische Dimension. Und vielleicht muss man, um ein solches Spiel wirklich schätzen zu können, das historische Gepäck des Alteuropäers auf dem Rücken haben oder den südamerikanischen Sinn für Widersprüche im Blut.

Das Unverständnis der US-Sportpresse über Spielverlauf und Entscheidung im WM-Finale 1994 (0:0! Elfmeterschießen!) jedenfalls deutet ebenso auf tiefliegende Mentalitätsunterschiede wie die sich heute abzeichnende Entwicklung zu einem Frauen- und Freizeitsport, der von der männlich dominierten Hegemonialkultur weitgehend ignoriert wird (und damit an Sportarten wie Volleyball oder Tischtennis erinnert). So gesehen, überrascht es auch nicht, dass ausgerechnet der Hallenfußball – der „Budenzauber“, diese von natürlichen Unwägbarkeiten gereinigte Schrumpfform des Spiels – während der 80er und 90er-Jahre in den USA eine gewisse Popularität erreichen konnte.

Was immer man von solchen Spekulationen hält und wie immer sie theoretisch zu fassen wären, sie zeigen jedenfalls eines: Dass die Komplexität der Fragestellung unterbelichtet bleibt, wenn man den ungeordneten historischen Verlauf nachträglich in kausale Ordnung bringt. Wer weiß schon, was aus dem Fußball geworden wäre, wenn er von tüchtigen Funktionären und engagierten Collegeboys gefördert worden wäre – vielleicht eben jenes gern gespielte, aber ungern gesehene Spiel, zu dem er sich jetzt auch so entwickelt? Oder umgekehrt: Wer weiß, was aus den USA geworden wäre, wenn der alteuropäische Fußball sie Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich unterwandert hätte – vielleicht die treibende Kraft der UNO, des Kyoto-Prozesses und des internationalen Strafgerichtshofes? Man weiß es nicht. Und sollte es zugeben.

Am Ende also scheint es, als habe das leidenschaftliche Interesse den Autoren ein wenig den Blick getrübt für die Ignoranz, die sie erklären wollten. Die Leidenschaft aber ist auf jeder Seite und in jeder Zeile spürbar. Es ist, das Lob könnte größer nicht sein, ein wissenschaftliches Buch über Fußball, das die Liebe zum Fußball zum Sprechen bringt. Dass seine Erklärungen eher zum Streiten einladen, ist, unter Liebhabern, auch kein Nachteil.

Tobias Werron

Tobias Werron ist if-Leser aus Berlin, Freizeitkicker Jahn-Sportpark (ehemals Reichstagswiese), liebt und liest Fußballbücher.

Andrei S. Markovits/Steven L. Hellerman: Im Abseits. Fußball in der amerikanischen Sportkultur, Hamburg: Hamburger Edition, 2002, 35 (Bezug amazon).

Gewinnspiel für Experten

Nachschuss

Der Tod von Fritz Walter

Der Tod von Fritz Walter hat die deutsche Fußball-Welt in den letzten Tagen mehr bewegt als die Leistungen seiner Nachfahren am Ball in Fernost. Mit der Nachricht seines Ablebens wurde eine wahre Trauer- und Gedenkwelle ausgelöst, die nicht nur seine fußballerischen Weggefährten erfasste oder Sport- wie Feuilletonredaktionen zu Sonderschichten animierte. Die ohnehin schon ausufernde Fußballberichterstattung im Fernsehen wurde um ein leise-nachdenkliches Nachtprogramm erweitert und schließlich strömten mehrere Tausend Trauergäste in „sein“ Stadion auf dem Kaiserslauterer Betzenberg. Und auch nach dieser ersten Welle des Andenkens wird es noch reichlich Erinnerungslektüre um das „behagliche Bürgerwunder im pfälzischen Alsenborn“ (Harry Nutt FR 19.6.) geben. Eine Auswahl.

Die vielleicht erste Biografie des Ehrenspielführers berichtete bereits vor dem epochalen Triumph von Bern von der „Geschichte eines Sportsmannes“. Ein Jahr vor den denkwürdigen Ereignissen im Wankdorf Stadion hatte Bernhard Gnegel 1953 den Werdegang des Pfälzers aufgeschrieben und in einem kleinen Neustädter Verlag veröffentlicht. 1960 sollte daraus die Lizenzausgabe für einen aufstrebenden Lesering aus Gütersloh werden.

Mit dem WM-Jahr 1954 beginnt auch die eindrucksvolle publizistische Karriere des Fritz Walter, unter dessen Namen nunmehr beinahe jährlich im Münchner Copress Verlag ein Buchtitel veröffentlicht wurde. Noch im Weltmeisterjahr erschien das legendäre „3:2. Die Spiele zur Weltmeisterschaft“, das zur Basis für zahlreiche folgende Werke werden sollte. Ohnehin bedachte Fritz Walter die Welttitelkämpfe regelmäßig mit einem Begleitband, so die Spiele von Schweden (1958) und Chile (1962), auch das Wembley-Drama wurde publizistisch verarbeitet (1966). Angesichts einer solchen Publikationsliste nimmt sich das gewiss nicht schmale Werk eines Lothar Matthäus recht bescheiden aus.

Eine rückblickende Walter-Biografie entstand schließlich in Zusammenarbeit mit Rudi Michel, der Mitte der 90er Jahre „Die Legende des deutschen Fußballs“ aufschrieb. Dass Leben und Karriere Fritz Walters aufs Engste mit der Vaterfigur des Sepp Herberger verwoben war, ist hinlänglich bekannt. Aus diesem Grunde sind zumindest zwei wesentliche Biografien des Erfolgstrainers und Ball-Philosophen in eine Büchersammlung zu integrieren: einerseits die in Zusammenarbeit mit Jürgen Leinemann entstandene Schrift „Sepp Herberger: Ein Leben, eine Legende“, andererseits das sehr empfehlenswerte Buch „Als der Ball noch rund war. Sepp Herberger – ein deutsches Fußballeben“ von Lothar Mikos und Harry Nutt.

Einen anderen Beitrag zur Erschließung der recht umfangreichen Schriften aus der Hand des „Chef“ leistet dagegen der Beitrag von Gerhard Fischer und Jürgen Roth. In ihrem Band „Leben voller Fallrückzieher“ dokumentieren sie die „relevanten autobiographischen Fußballerschriften der letzten fünfzig Jahre“. In ihrem 350 Seiten starken Sammelwerk füllt Fritz Walter die Seiten 25 bis 42. Unter der Überschrift „Der rote Jäger. Fritz Walter und die Geburt der Republik“ beleuchten sie vor allem den umstrittenen Band „11 rote Jäger – Nationalspieler im Kriege“. Darin beschreibt Walter seine Erlebnisse der vierziger Jahre als von Herberger protegierter Soldat im Jagdgeschwader 11, das vielen Fußballern als Zwischenstation diente.

Die meisten Bücher des „Autors“ Fritz Walter sind im regulären Buchhandel längst nicht mehr erhältlich, doch in gut sortierten Antiquariaten finden sich noch reichlich Exemplare der Erinnerungsbücher. Meist zu recht moderaten Preisen, gelegentlich sogar ein signiertes Exemplar – doch vielleicht ziehen die Preise in den nächsten Wochen ein wenig an. Einen guten Einstieg liefert das „Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher“ im Internet (www.zvab.com), eine weitere Fundstelle sind auch die „zshops“ des Online-Buchladens amazon.de.

Das Internet erweist sich ohnehin als nützliche Quellensammlung, unter www.fritz-walter-stiftung.de befindet sich ein guter Einstiegspunkt sowohl in die sportfördernde Arbeit der Stiftung wie auch in die Biografie des Ausnahmefußballers. Eine umfangreiche Foto- und Videodatenbank versammelt zahlreiche Dokumente, ergänzt um die Wiederholungen der Sendungen anlässlich seines Todes vom 17. Juni. Und auch das Deutsche Historische Museum hält in seiner Online-Abteilung eine Walter-Biografie bereit – das schmucklose Dokument unter www.dhm.de/lemo/html/biografien/WalterFritz/ wäre wohl kaum der Rede wert, würde dort nicht die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann einlagern. Und obwohl Schäfer nach innen geflankt hat und Rahn schießen musste, so ist mit dieser Reportage doch immer der Name des Mannes verbunden, der den Pokal in Empfang nehmen durfte: Fritz Walter.

Christoph Bieber

Literatur:

Fischer, Gerhard/Roth, Jürgen: Leben voller Fallrückzieher. Fußballer erzählen – von Fritz Walter bis Lothar Matthäus. Leipzig: Reclam Verlag, 1998.

Gnegel, Bernhard: Fritz Walter. Die Geschichte eines Sportsmannes. Neustadt: Neustädter Druckerei und Verlagsgesellschaft, 1953.

Herberger, Sepp/Leinemann Jürgen: Sepp Herberger – Ein Leben, eine Legende. Reinbek: Rowohlt, 1998.

Mikos, Lothar/Nutt, Harry: Als der Ball noch rund war. Sepp Herberger – ein deutsches Fußballeben. München: Ullstein, 1998.

Walter, Fritz: 3:2. Die Spiele zur Weltmeisterschaft. München: Copress, 1954.

Walter, Fritz: Spiele die ich nie vergesse. München: Copress, 1955.

Walter, Fritz: So war es. Fußballweltmeisterschaft in Schweden. München: Copress, 1958.

Walter, Fritz: 11 rote Jäger – Nationalspieler im Kriege. München: Copress, 1959.

Walter, Fritz: Die Spiele in Chile. Fußball- Weltmeisterschaft 1962. München: Copress, 1962.

Walter, Fritz: So habe ich’s gemacht. Meine Fußballschule. München: Copress, 1962.

Walter, Fritz: Der Chef – Sepp Herberger. München: Copress, 1964.

Walter, Fritz: Wie ich sie sah. Die Spiele zur Weltmeisterschaft in England. München: Copress, 1966.

Walter, Fritz: Alsenborn – Aufstieg einer Dorfmannschaft. München: Copress, 1968.

Walter, Fritz/Michel, Rudi (Hg.): Fritz Walter. Die Legende des deutschen Fußballs. Stuttgart: Engelhornverlag, 1995.

siehe auch: if-Dossier zum Tode von Fritz Walter

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Nachschuss

„Samba, Coca und das runde Leder“ – drei stereotype lateinamerikanische Leidenschaften

Der britische Journalist Chris Taylor hat auf seinen „Streifzügen durch das Lateinamerika des Fußballs“, so der Untertitel des Werks, eine gelungene Mischung aus Fakten und Anekdoten zusammengetragen. Nach einer kurzen Einführung folgen einzelne Länderkapitel (Uruguay, Argentinien, Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Nicaragua und Mexiko). Das Buch beruht auf Besuchen dieser Länder in den Jahren 1995-1997, in denen der Autor offensichtlich die Möglichkeit nutzte, sich mit vielen Zeitzeugen zu unterhalten. Zu jedem Land wird ein kurzer Einblick in die Geschichte des Fußballs, zur Entstehung von Vereinen und Ligen gegeben. Dabei wird Taylor niemals müde, die britischen Ursprünge des lateinamerikanischen Vereinsfußballs zu betonen. Ausgewählte Clubs und Rivalitäten (z.B. River/Boca in Argentinien oder Flamengo/Fluminense in Brasilien) werden gesondert vorgestellt. Er lässt große Erfolge der Nationalmannschaften Revue passieren (etwa Uruguays historischer Triumph über Brasilien in Maracanã im WM-Finale 1950), porträtiert bedeutende Trainer- und Spielerpersönlichkeiten (u.a. Carlos Billardo, Zico) und geht auf länderspezifische Eigenheiten ein. Sehr erfreulich ist dabei, dass sich sein Blick nicht ausschließlich auf den Fußball richtet, sondern dass auch Verbindungen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geschlagen werden. So beleuchtet Taylor beispielsweise die umstrittene WM von 1978, die in Argentinien zur Zeit der Militärdiktatur stattfand; er zeigt welche Folgen der Einfluss des Medienkonzerns Televisa auf den mexikanischen Fußball hat und deckt die Verquickungen der kolumbianischen Drogenkartelle mit dem Fußball auf. Weiterhin geht er der Frage nach, inwiefern die (geographische) Höhe Boliviens insbesondere den Fußball der Mannschaften beeinflusst, die nicht aus dem Hochland stammen, und erklärt, warum Lateinamerikas Volkssport Nummer Eins ausgerechnet in Nicaragua so gut wie bedeutungslos ist. Abschließend wirft er einen Blick auf den Verlauf der Qualifikationsrunde zur WM 1998 in Frankreich. Dies ist leider auch die einzige Gelegenheit, bei der wenigstens ansatzweise etwas über den Fußball in Chile, Peru oder Paraguay berichtet wird. Dennoch, ein gut recherchiertes und kompetentes Buch, erfrischend und unterhaltsam geschrieben, das ab und zu auch eine Portion Humor durchscheinen lässt („Argentinier haben im Rest Lateinamerikas ein kleines Imageproblem“).

Die britische Herkunft des Autors merkt man dem Inhalt des Werks an, wird doch des öfteren auf das lateinamerikanisch-englische Fußballverhältnis eingegangen. Diese Tatsache, die allerdings kaum stört, wird versucht in der deutschen Übersetzung durch nicht wirklich sinnvolle Fußnoten à la „Carlos Babington spielte einst bei Wattenscheid 09 in der 2. Bundesliga“ wettzumachen, was allerdings auch nur halbherzig und inkonsequent ausgeführt wird. Trotzdem, ein nettes Lesebuch, an dem nicht nur hartgesottene Fußballfans Gefallen finden dürften.

Jörn Fischer

Chris Taylor: Samba, Coca und das runde Leder. Streifzüge durch das Lateinamerika des Fußballs, Schmetterling Verlag, Stuttgart 1998, 224 Seiten, 9,80. Bezug

Nachschuss

Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann.

Biermann, Christoph Fuchs, Ulrich (1999). Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann. Wie moderner Fußball funktioniert. Köln: Kiepenheuer Witsch.

Das vorliegende Buch ist eine Mischung aus historischen Essay und Fachbuch. Das bereits lässt aufhorchen. Gewöhnlich entspricht es der Regel, dass es letzterem an Weitsicht und historischem Horizont mangelt, während ein Text über Fußballgeschichte konkretes Wissen aus der Praxis vernachlässigt. Dahingegen erweisen sich Biermann Fuchs als Experten auf beiden Gebieten. Ihnen gelingt der Spagat auf hervorragende und spannende Weise. Facettenreich analysieren sie die Evolution moderner Fußballtaktik von ihren Anfängen bis in die Gegenwart: Chapmans WM-System, Schalker Kreisel, ungarisches Wunderteam, Schweizer Riegel, Catenaccio, Libero, Raumdeckung. Dabei zeichnen sie eine kontinuierliche Weiterentwicklung, welche einerseits durch öffentliche und gesellschaftliche Prozesse wie Professionalisierung und Kommerzialisierung beeinflusst worden sei. Andererseits habe fortschreitender Erkenntniszuwachs aus der Sportwissenschaft bessere athletische Leistungen ermöglicht. Insbesondere an Welt- und Europameisterschaften könne man diesen Entwicklungsgang beobachten.

Zentraler Ausgangspunkt der Autoren ist die Feststellung, dass „das Spielfeld immer kleiner“ (S 22), ergo der zu bespielende Raum verengt wurde. Taktische Veränderungen – in erster Linie geschickteres Verteidigen – haben in der Tat das Spiel und dessen Tempo entscheidend verändert. Auf den Ballführenden werde immenser Zeit- und Gegnerdruck ausgeübt. „Mehr als eine, zwei, drei Sekunden gibt es nicht mehr oft, um die richtige Entscheidung zu treffen, oder eben auch die falsche“ (S 22). Dadurch sei die Fehlerquote (Fehlpass, Ballverlust etc) zwangsläufig gestiegen, während sich die Anzahl an Toren und Torchancen verminderte. ZB hat sich von der WM 54 bis zur WM 62 die durchschnittliche Anzahl geschossener Tore fast halbiert. Stattdessen erhöhten sich Tempo und Dynamik ständig ebenso wie die technischen und taktischen Anforderungen an den Fußballer.

Doch auch das konditionelle Profil hat sich gewandelt. Messungen von im Spiel absolvierten Laufleistungen haben ergeben, dass der durchschnittliche Profi in den 70ern etwa vier bis fünf Kilometer hinter sich brachte, während es heutzutage das doppelte Pensum ist. „Heute würde einer wie Buffy Ettmayer, dessen Bierdeckelradius genauso Legende war wie seine wunderbar getimten Flugbälle auf die Spitzen, kein Land mehr sehen“ (S 29). Dieser Gewinn an Aktionsmöglichkeiten habe das Spiel zusätzlich dynamisiert und intensiviert. Folglich hätten sich Kurzpass, Pressing und Verschieben sowie ballorientierte und kollektive Verteidigung als allgemein gültige „Stilmittel der Moderne“ (S 117) etabliert. Was die Zukunft bringt, ist freilich unklar. Valeri Lobanowski, Trainer-Legende aus der Ukraine, prophezeit einerseits eine weitere Verfeinerung des Spiels. Andererseits hält er weitere entscheidende Entwicklungen für ausgeschlossen: „Es wird keine Revolutionen im Fußball mehr geben, aber es wird sich die volle Universalisierung durchsetzen, also die Intensität des Spiels dramatisch anwachsen und damit seine spektakuläre Seite“ (S 163).

Hierzulande sehe man das allerdings anders, dominiere nämlich das kulturpessimistische „früher war alles besser“, was zudem lange Zeit mit einer Weigerung insbesondere im Jugendbereich einher gegangen sei, moderne Trainingsmethoden und Spieltaktiken einzurichten. Stattdessen habe man stets die feste Manndeckung favorisiert, lautet die richtige Beobachtung von Biermann Fuchs. Doch „selbst die DFB-Trainer haben mittlerweile in ihrer Zeitschrift Fußballtraining konstatiert, dass sie [die ballorientierte Gegnerdeckung, of] ´heutzutage für alle Mannschaften als taktische Grundausrichtung verbindlich sein muss`“ (S 118). Demzufolge laufe man in Deutschland derzeit einem selbst verschuldeten taktischen Rückstand nach. Biermann Fuchs ist ein Beitrag gelungen, diesen aufzuholen.

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