indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Dienstag, 23. August 2005

Unterhaus

Dankbarkeit und Rührung

Frank Pagelsdorf Rückkehr nach Rostock – Stefan Osterhaus (NZZ 23.8.) hält Nostalgie auf beiden Seiten für einen möglichen Grund: „Ausgerechnet Pagelsdorf, dieser in sich gekehrte Brummbär, der offenbar eine ganz eigenwillige Form des Zen-Buddhismus praktiziert. Sein Anblick legt den Sentimentalen an der Ostsee augenblicklich einen Tränenfilm über die Augen: Mit ihm hatten sie ihre beste Zeit, stiegen 1995 in die Bundesliga auf, behaupteten die Klasse. Fussball, erstklassig, schien etabliert im deutschen Nordosten, und noch heute kennt die Dankbarkeit der Anhänger gegenüber Pagelsdorf keine Grenzen. Einst schlich sich ein älterer Herr nach der Pressekonferenz an Pageldorf heran. Der war längst nicht mehr Coach der Rostocker. Der Anhänger dankte ihm mit warmen Worten, und es war nicht zu erkennen, welcher der beiden gerührter war. (…) Er wird sich wieder einfühlen müssen in die Wirklichkeit der zweiten Spielklasse. Zuletzt trainierte er Al-Nasr, einen Klub in Dubai – eine Episode, die dazu angetan war, seinen Ruf zu schädigen, der eigentlich als untadelig galt, nachdem er den Hamburger SV sportlich konsolidiert hatte.“

taz: Neonazis, Hooligans, Hells Angels oder rechte Rocker – der BFC Dynamo ist in den Händen einer berüchtigten Clique. Die Klubführung hütet sich davor, rechte Tendenzen und Gewalt anzuprangern

Montag, 22. August 2005

Internationaler Fußball

Unterbau bröckelt weg

Detlef Hacke (Spiegel 22.8.) beschreibt die Lage in Italien: „Im italienischen Profifußball sind jene Clubs, die den Anschluss an die Serie A verpassen, praktisch ohne Perspektive. Erst vorigen Monat haben die Erstligisten den Solidarpakt brüsk gekündigt, mit dem sie die unattraktive und hochverschuldete Serie B mit mehr als 100 Millionen Euro jährlich subventionierten. Ohne dieses Geld, ohne Fernsehverträge und mit wenigen tausend Zuschauern pro Spiel auf der Tribüne droht vielen der 22 Teams der finanzielle Kollaps. Wegen der „traumatischen Spaltung“ (Corriere della Sera) bröckelt Italiens Berufskickerei der Unterbau weg. Eigene Not hat die Solidarität der obersten Spielklasse mit der Serie B aufgeweicht. Steuerschulden von geschätzt zwei Milliarden Euro lasten auf den Proficlubs – ein Ergebnis von jahrelanger Prasserei, Betrug, Misswirtschaft und geschönten Bilanzen. Zudem sprudelt es aus einer der ergiebigsten Einnahmequellen immer spärlicher: Knapp die Hälfte der Erstligisten hat noch keinen Pay-TV-Vertrag für die Saison abgeschlossen. (…) Die Folgen für die Liga sind längst zu sehen: Nur noch in Mailand und Turin lassen sich Stargagen finanzieren. Die Lücke innerhalb der Serie A klafft immer weiter, zumal den drei Top-Clubs dank ihrer Dominanz der Zugang zu den prallen Geldtöpfen der Champions League in schöner Regelmäßigkeit offen steht.“

Ball und Buchstabe

Klingt wie Hohn

Matthias Wolf (BLZ 22.8.) kritisiert die Beschwerde der Vereinsführung BFC Dynamo Berlins über eine Razzia gegen BFC-Fans: „In der DDR war Dynamo der Verein der Staatssicherheit, nach der Wende ein Tummelplatz für Horden von Hooligans; dagegen anzukämpfen ist nicht leicht. Doch nun klingt es wie Hohn, dass die BFC-Führung zuletzt häufig erklärt hatte, man distanziere sich von jener Klientel, die den Fußballplatz für ihren Aggressionsabbau missbraucht. Dazu passt nicht der äußerst fragwürdige Versuch, die Oberligapartie beim 1. FC Union abzusagen, weil die Polizei einen nächtlichen Einsatz gegen eine Gruppe von Fans der Kategorie C gefahren hat. Dabei handelt es sich um Hooligans, um Rowdies, die bereits mehrfach gewalttätig geworden sind und Straftaten am Rande von Fußballspielen begangen haben. Ein Unding, dass Vereinsführung und Mannschaft sich mit solchen Feinden des Sports solidarisch erklären. (…) Niemand wird den BFC und seine überforderte Führung noch ernst nehmen, wenn es um die Bekämpfung von Gewalt im Fußball geht.“

Das Allerböseste auf Erden trägt die drei unheilvollen Buchstaben BFC

Sehr lesenswert! Peter Richter (FAS/Feuilleton 21.8) blickt wütend zurück: „Gegen das Verhältnis von BFC Dynamo und Union Berlin ist dasjenige zwischen Schalke und Dortmund eine innige Fanfreundschaft. Es ist bei den vielen Ossi-Beschimpfungen der letzten Wochen ein bißchen untergegangen, daß die verrohten Ostdeutschen nicht nur dazu neigen, Wahlen zu versauen und Kinder zu ermorden, sondern daß sie in der Nordost-Staffel der Dritten Liga auch mehr Fußballkrawalle veranstalten als alle englischen, holländischen und westdeutschen Hooligans zusammen. Daß es bei dem Ostberliner Derby ganz besonders heftig knallen wird, das ist mit anderen Worten so sicher wie das Amen bei der Papstmesse in Köln. Und falls Benedikt XVI. mal die Beispiele für das Böse in der Welt ausgehen: Das absolut Allerböseste auf Erden trägt die drei unheilvollen Buchstaben BFC. Daß die in der Regel sehr schrankwandartig gebauten Fans dieses Vereins an sonnigen Wochenenden gern mehrere Hundertschaften der Polizei ins Krankenhaus schicken, daß in ihrem unseligen Stadion an der Cantianstraße schon zu DDR-Zeiten mehr Naziskins rumhingen, als es offiziell im ganzen Land geben durfte, daß der Präsident des BFC Erich Mielke hieß und daß dieser dem Klub mit allen der Stasi zur Verfügung stehenden Mitteln all die Meistertitel zuschanzte, die von Rechts wegen Dynamo Dresden zugestanden hätten.“

FR: Bullenmarkt Bundesliga – über den Verhandlungsstand in Sachen TV-Vermarktung
FR: Wird der Spieltag zerpflückt, könnte ähnlicher Fan-Protest drohen wie vor viereinhalb Jahren
FR-Interview mit ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf

Deutsche Elf

Ehrenwerter Ansatz

Will Jürgen Klinsmann nach der WM weitermachen? Christof Kneer (SZ 22.8.) befasst sich mit Theo Zwanzigers Forderung an Klinsmann, sich bis Oktober festzulegen: „Allein der Mangel an Sanktionsmöglichkeiten zeigt, dass Zwanzigers Worte von einem Ultimatum weiter entfernt sind als Klinsmann von Matthäus. Zwanziger weiß ja, dass der Radikalreformer Klinsmann der ergebnisabhängigste Trainer ist, den dieser Verband je hatte, und niemandem wäre mit einem Jawort vom Oktober 2005 gedient, falls ein Vorrunden-Aus im Juni 2006 folgt. Die Motive für Zwanzigers Vorstoß muss man woanders suchen: Er hat die Häme nicht vergessen, mit der die Öffentlichkeit nach Völlers Rücktritt den DFB und seine lustige Trainerfindungskommission überzog, und die Öffentlichkeit soll schon jetzt erfahren, dass Zwanzigers DFB weiter vorausdenkt und besser vorbereitet ist als der DFB von Mayer-Vorfelder. Nie mehr TFK, das ist ein ehrenwerter Ansatz, dennoch dürfte der DFB diesmal gut beraten sein, das Turnier abzuwarten.“

Sonntag, 21. August 2005

Vermischtes

Resultat der Verteilung der Fernsehgelder

Roland Zorn (FAZ 22.8.) vermisst Überraschungen in der ersten Runde und begründet diesen Mangel mit Geld: „Daß die Zeiten vorbei scheinen, in denen der eigentlich Schwächere den Aufstand gegen den normalerweise Stärkeren proben konnte, ist auch das Resultat der immer trennschärferen Verteilung der Fernsehgelder. Sie fließen üppig in der ersten, maßvoll in der zweiten und spärlich in der dritten Liga. Da es außerdem den Menschen und vielen Unternehmen wirtschaftlich nicht gold geht, stehen anders als früher auch nicht mehr so viele lokalpatriotische Mäzene bereit, materielle Klüfte mit generösen Zuwendungen aus der eigenen Tasche zu verringern. Den Dorfklub, der sich nach dem Muster der Asterix-Helden mit breiter Brust auf den Giganten aus dem Profilager stürzte, muß man heute erst einmal finden.“

FR-Bericht Kickers Offenbach-1. FC Köln (3:1)

FAS-Interview mit Christoph Metzelder

Freitag, 19. August 2005

Vermischtes

Aktuelle Links

FAZ: HSV, vom Betrogenen zum Gewinner
taz: Als faulster Neuzugang der Vereinsgeschichte gescholten, deutet Ali Karimi bei Bayern München seine überragenden Möglichkeiten an und sorgt damit für Konfliktstoff
FR: Thomas Häßler nimmt am Montag im Kreise seiner früheren Kollegen seinen endgültigen Abschied vom Profidasein
FR: Denkwürdiger Schlachtenbummlerzug fuhr am Sonntag vor 50 Jahren nach Moskau zum ersten Fußball-Länderspiel der Sowjetunion gegen Deutschland

Vermischtes

TV-Hinweis in eigener Sache

TV-Hinweis: am Montag auf Bloomberg

WM-Talk mit Oliver Fritsch über:
Die deutsche Fußballnationalmannschaft im Umbruch – Eine Presseanalyse ausgewählter Tageszeitungen und Magazine am Beispiel des Confederations Cup 2005

Zeit der Ausstrahlung: 12.35 Uhr, 14.05, 17.05, 19.05, 22.45, 00.15

Internationaler Fußball

Der Mythos lebt

Jürg Altwegg (FAZ 19.8.) kommentiert das glorreiche Comeback Zinedine Zidanes beim 3:0 gegen die Elfenbeinküste: „Offenbar waren der Rücktritt und die Rückkehr der Stars eine weitere Episode im permanenten Machtkampf zwischen den Führungsfiguren der Mannschaft und ihren wechselnden Trainern. (…) Auf den Tag genau elf Jahre nach seinem Debüt in der französischen Nationalelf war er Dreh- und Angelpunkt einer Mannschaft, die prompt so spielte, als sei der Kapitän auf die Kommandobrücke zurückgekehrt. Und es bleibt ihm vorbehalten, in der Stunde des Triumphes zur Besonnenheit aufzurufen. Der Mythos lebt, vielleicht zeigt er anhaltend Wirkung.“

Sommernachtstraum von Montpellier

Ralf Itzel (BLZ 19.8.) sieht die Vergangenheit: „Es war zu sehen, wie ein zuvor zerbrechliches Gefüge an Stabilität gewinnt. Das Team ähnelt schon wieder gefährlich demjenigen, das vergangenen Sommer in Portugal enttäuschte. Nur zwei Spieler in der Startelf waren bei der EM nicht dabei, und hätte sich Patrick Vieira beim Warmlaufen nicht verletzt, wäre es einer gewesen. Doch ob dieses Team die WM gewinnen kann, ist derzeit nicht das Thema. Zunächst ist dabei sein alles, und daran glaubt die Grande Nation wieder nach dem Sommernachtstraum von Montpellier.“

Persönliche Vergnügungssteuer

Don Berlusconi, der letzte Pate – Peter Hartmann (NZZ 19.8.): „Einst, zu Beginn der neunziger Jahre, hatten Silvio Berlusconi, Rupert Murdoch und der korrupte Glücksritter Bernard Tapie das schöne neue Fussball-Imperium entworfen, Fernsehen und Spiel in einer Hand. Murdoch ist als Raider bei Manchester United gescheitert, macht indes mit Sky fette Gewinne in der Premier League. Tapie stürzte in Marseille ab und verlor seine Anteile an TF 1. Einzig ‚Sua Emittenza’ hat die Vision verwirklicht. Seine Familienholding Fininvest meldete für das Jahr 2004 einen Reingewinn von 332 Millionen Euro. Die 28,5 Millionen Verlust seines Lieblingsspielzeugs AC Milan hat Berlusconi schweigend beglichen. Es ist seine ganz persönliche Vergnügungssteuer.“

NZZ: Benfica und Porto bauen auf holländische Trainer

Deutsche Elf

Desaster

2:2 in Holland, ein gutes Ergebnis, oder, Stefan Osterhaus (NZZ 19.8.)? „Was passabel klingt, war über weite Strecken ein Desaster für die Deutschen. Sie wurden vorgeführt und waren dem Gegner in jeder Hinsicht unterlegen. Nicht die Steigerung in der zweiten Halbzeit, die richtigen Einwechslungen des Schalkers Gerald Asamoah und des Münchners Sebastian Deisler, der eines seiner besten Länderspiele zeigte, waren für den Aufschwung verantwortlich. Nein, es waren die Holländer selber, die sich am eigenen Spiel ergingen und es versäumten, mit drei oder vier Toren Differenz zu gewinnen.“

Zu einem Remis gemogelt

Holland scheint den Deutschen einige Schritte voraus, merkt Markus Völker (taz 19.8.): „van Basten und die Elftal arbeiten an den oberen Stockwerken, während Klinsmanns Trupp der Neuerer noch am Fundament werkelt. Der Bundestrainer meinte nichtsdestotrotz, für die Hochbauarbeiten bleibe genügend Zeit. So bleibt von diesem Spiel vor allem die Erkenntnis, dass die DFB-Elf nicht standesgemäß verlieren kann, sondern sich selbst bei teilweise krasser Unterlegenheit zu einem Remis mogelt.“

Geschichte wiederholt sich

Was soll neu an diesen Deutschen sein? Philipp Selldorf (SZ 19.8.) versetzt sich in die Holländer: „Mertesacker und Huth gehören zu den Spielern, die das neue, junge Fußball-Deutschland repräsentieren sollen, eine progressive Bewegung, die auch in Holland für Neugier gesorgt hatte. Allerdings setzte sich bei den Gastgebern nach dem tatsächlich noch 2:2 beendeten Spiel die Erkenntnis durch, dass sie einem Schwindel aufgesessen waren, nicht nur wegen der indisponierten Jungverteidiger: Die Geschichte aus früheren Begegnungen wiederholte sich. Holland spielte mit Lust und Leichtigkeit, Deutschland taumelte, nutzte aber die einzig wachen Momente.“

Spieltechnisches Ungleichgewicht

Roland Zorn (FAZ 19.8.) gibt den Kritikern zu bedenken: „Genaue Prognosen verbieten sich, so daß die allgegenwärtigen Farbenlehrmeister des Fußballs ihre Wandmalereien im Spektrum Rosarot bis Pechschwarz noch nicht beginnen sollten. Es ist Mitte August, und der Ball in den europäischen Profiligen kommt eben wieder ins Rollen. Deutschland hat vor allem Glück gehabt und schneidet deshalb bei den Hütern der reinen Fußballehre, die besonders gern besonders radikal und immer wieder vorschnell urteilen, schlecht ab. Doch die Mannschaft von Jürgen Klinsmann ist nicht als einzige unter den Großmächten des Fußballs schlecht in die WM-Saison gestartet. (…) Was bedenklich stimmte, war das spieltechnische Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Mannschaften. Die Niederländer scheinen aus einem unerschöpflichen Reservoir bestens ausgebildeter Talente zu schöpfen, die Deutschen sind auf die Lust, Laune und Tagesform ihrer wenigen Spieler von gehobener internationaler Klasse angewiesen.“

FR: Erstmals unter Klinsmann kann das DFB-Team ein Spiel nicht bestimmen, sich aber immerhin auf seine Moral verlassen

Die schwersten Fehler seiner Amtszeit

Andreas Lesch (BLZ 19.8.) kommentiert die Reaktivierung von Christian Wörns und Dietmar Hamann: „Der Bundestrainer hat die schwersten Fehler seiner Amtszeit begangen. Hamann passt nicht in das System, das Klinsmann propagiert. Er spielt Rückpässe, er setzt keine Impulse, er nimmt jegliche Überraschung aus dem Spiel – und all dies auf der zentralen Position im defensiven Mittelfeld, die im modernen Fußball viele Mannschaften so entscheidend prägt. Wörns hat bei beiden Gegentreffern mitgeholfen, und Per Mertesacker, der beim Confederations Cup eine verlässliche Stütze war, hat neben ihm auch zu wackeln begonnen.“

Abweichung vom Grundsatz

Einschränkend fügen Ralf Köttker & Lars Gartenschäger (Welt 19.8.) hinzu: „Es waren nicht allein die beiden Rückkehrer, die der allgemeinen Aufbruchstimmung uninspiriert entgegentraten. Nach den vielen Abwehrfehlern beim Konföderationen-Pokal hatte sich Klinsmann gegen den Rat von Chefscout Urs Siegenthaler, der empfohlen hatte, den Gegner bereits in dessen Hälfte unter Druck zu setzen, für eine destruktivere Taktik entschieden. Mit Torsten Frings, Fabian Ernst und Hamann stellte er gleich drei defensive Spieler [of: also sechs?] in das zuletzt so angriffslustige Mittelfeld. Damit rückte Klinsmann erstmals in seiner Amtszeit von seiner Offensivphilosophie und dem Grundsatz ab, zuerst auf die eigenen Stärken zu schauen.“

Die Gewinner saßen vor dem Fernseher

Hat Klinsmann durch die Aufstellung Hamanns und Wörns’ der Welt zeigen wollen, dass seine bisherigen und künftigen Personalentscheidungen richtig gewesen sein werden? Mike Glindmeier (SpOn 18.8.): „Klinsmann wird den desolaten Auftritt der Rückkehrer mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachtet haben. Zumindest dürfte ihn das Spiel in seiner Linie, den jungen Spielern den Vortritt vor den Routiniers zu geben, bekräftigt haben. Die Gewinner saßen vor dem Fernseher: Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski.“

FR: Das Comeback der Sicherungskräfte Wörns und Hamann misslingt gründlich

FR: Viel Lob für Arjen Robben
FAZ: Der Jungstar Arjen Robben wird nach seinen Toren als neuer Stolz Hollands gefeiert
FR: Die Lehren von Holland

Eine Art Quasimodo der Maskottchen

Auch das noch! Philipp Selldorf (SZ 19.8.) klagt über eine weitere Niederlage: „Anlässlich des stets aufschlussreichen Wettstreits zwischen Deutschland und Holland bietet sich auch ein Vergleich der nationalen Maskottchen an. Desto mehr, da beide Länder Löwen zu ihren Symbolfiguren bestimmt haben und sie im De Kuip zwecks Völkerverständigung einen gemeinsamen Auftritt absolvieren ließen. So tummelten sich Deutschlands ‚Goleo’ und Hollands ‚Duchy’ während der Pause auf dem Rasen und setzten fort, was die Teams im Spiel gezeigt hatten. Hier der agile, ballfertige Duchy, übrigens ordentlich behost, dort der bemitleidenswerte Riese Goleo mit seinen schlackernden Gliedmaßen und dem töricht wackelnden Kopf, eine Art Quasimodo der Maskottchen. Goleos Versuch, den Ball zu treten, glich einem von Sadisten erdachten Experiment.“

Donnerstag, 18. August 2005

Ball und Buchstabe

Stilistisch und optisch überzeugende Alternative zur Sportpresse

More of the same? – Thomas Thiel (FAZ/Medien 18.8.) schreibt über Champ, wieder ein neues Fußball- und Sportmagazin: „Champ bietet mehr als eine makellose Oberfläche: Eine durchgängig hohe Textqualität verbürgen die Beiträge profilierter Journalisten aus der Tagespresse von Frank Heike bis Katrin Weber-Klüver, der die fußballinteressierte Öffentlichkeit noch heute für die Wortschöpfung ‚Rumpelfüßler’ zu Dank verpflichtet ist. Das ästhetische Surplus liefert der englische Schriftsteller und Hellas-Verona-Fan Tim Parks, der über die Nähe des Fußballs zur Gewalt räsoniert. In gewählten Worten und treffenden Formulierungen wird von diesen kompetenten Leuten jedoch nichts dargelegt, was man als Tageszeitungsleser nicht schon wüsste. (…) Insofern bietet sich das Magazin nicht als Erweiterung, sondern als vor allem stilistisch und optisch überzeugende Alternative zur übrigen Sportpresse an. Es macht gemeinsame Sache mit seinen Stars, die es gerne als ‚Alphatiere’ beschreibt. In einer Zeit, in der die Laufbahnen aus den großen Stadien gerissen werden und die immer gleichen Fußballer wöchentlich erklären dürfen (oder müssen), daß sie sich auf das kommende Spiel freuen, ihr Bestes zu geben bereit seien und man natürlich gewinnen wolle, fördert es jedoch auch die Eindimensionalisierung der Sportberichterstattung. Es gibt dem, der schon hat.“

Ascheplatz

Attacke auf die Exklusivrechte

Helmut Schümann (Tsp 18.8.) kommentiert das Interesse von Premiere, die Bundesliga zu sponsern: „Dass das Angebot für das Namensrecht jetzt kommt, ist kein Zufall. Es ist Boomzeit im Fußball, im Frühherbst steht auch das Paket mit den Fernsehrechten zum Verkauf. Das wurde schon auf eine Milliarde Euro taxiert. Die oder eine annähernde Summe wird die Liga nur bekommen, wenn sie einer Splittung des Spieltages zustimmt. Und so ist das kleine Paket für das Namensrecht dann zu verstehen: Ein erster Vorstoß ist dies, eine Attacke auf die Exklusivrechte. Und das ist dann ein deutliches Indiz dafür, dass wir in der laufenden Saison Abschied nehmen müssen/können/dürfen von den alten Sehgewohnheiten.“

Tsp: Wird Premiere Bundesliga-Sponsor?

Deutsche Elf

Leiser Strukturveränderer

Roland Zorn (FAZ 18.8.) nennt Ziele und Aufgabe Oliver Bierhoffs: „Mit Passion geht der professionelle Chefverkäufer des Produkts Nationalmannschaft seiner Arbeit nach. Die Rastlosigkeit des Managerdaseins hat auch ihn längst erfaßt, und insofern muß Bierhoff sich selbst manchmal dazu aufrufen, nicht immer erster Diener fremder Herren zu sein. (…) Der leise Strukturveränderer hegt feste Vorstellungen darüber, was zu verbessern, was völlig anders zu machen sei. So will er für den Fall des Falles ein Mitspracherecht bei der Auswahl eines künftigen Bundestrainers haben und dazu seine Ideen bei der beabsichtigten Installierung eines Technischen Direktors, der innerhalb des DFB-Trainerstabs Lehrmeister und eine Art Supervisor sein soll, verwirklicht sehen. Eine von allen Verbandstrainern genutzte DFB-Datenbank gehört ebenso zu seinen Projektionen wie die Forderung, ein einziges System in allen Auswahlmannschaften zu spielen sowie ständig über die Entwicklungen im Weltfußball auf dem laufenden zu sein. Der DFB als zentraler Hüter und Förderer des Markenartikels deutscher Fußball, auch diesem Ziel will der Manager der Nationalmannschaft in Zukunft näher kommen. Heute, sagt er, sei vieles, was in diesem Sechsmillionenverband getan werde, noch ‚Stückwerk’, so wie auch das Gros der Bundesliga-Vereine Bierhoff zufolge gut daran täte, sich internationaler auszurichten und weniger auf sich selbst zu schauen.“

Presseanalyse

„Oliver Bierhoff als Bindeglied zwischen der Mannschaft und den Journalisten einzustellen, war ein kluger Schachzug vom DFB. Er ist jederzeit für uns ansprechbar“, sagt Berries Boßmann, Redakteur der Sport Bild, in einem Hintergrundgespräch mit dem indirekten freistoss. Das und viele andere Gespräche mit renommierten Journalisten lesen Sie in der freistoss-Presseanalyse Die deutsche Fußballnationalmannschaft im Umbruch (PDF, ~2 MB). Hier können Sie sie kostenlos bestellen.

SZ: Das deutsche Team muss mit einem kuriosen Fahrplan zur WM reisen

FR: Heiko Herrlich trainiert fünf Jahre nach seiner Hirntumor-Erkrankung die A-Jugend von Borussia Dortmund

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