indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Montag, 26. Januar 2009

Bundesliga

Aufstand ausgefallen, freies Geleit für Bernd Hoffmann

direkter freistoss

Aus der Aufsichtsratswahl des HSV geht der Vorstand als großer Gewinner hervor, die Supporters werden in die Schranken verwiesen (mehr)
Aus dem Live-Twitter-Ticker vom Sonntag (mehr)

Dienstag, 20. Januar 2009

Internationaler Fußball

Keine Ahnung vom Fußball, aber den großen Zampano markieren

Ramón Calderón tritt als Real Madrids Präsident zurück, und die FAZ fragt sich, warum ein solcher Klub nur von Dilettanten regiert wird / Zweiter Prozess gegen Luciano Moggi beginnt, wird er diesmal härter bestraft? / Ist Felipe Scolari dem Alltagsgeschäft nicht mehr gewachsen?

Nach dem (erzwungenen?) Rücktritt Ramón Calderóns – Paul Ingendaay (FAZ) will es nicht in den Kopf, warum Real Madrid dauernd von Dilettanten regiert wird: „Die Fußballinstitution Real Madrid ist in den letzten dreizehn Jahren meistens von unklugen, eitlen Männern regiert worden, die auf die Statuten wenig gaben und denen ihr persönliches Image wichtiger war als der Ruf des Vereins. Wenn einem nach Galgenhumor zumute wäre, könnte man sagen: erstaunlich, welche Erfolge Raúl und Co. in dieser turbulenten Zeit eingefahren haben. (…) Niemand hat eine überzeugende Erklärung dafür, warum hier das personelle Mittelmaß den Ton angibt.“

Im Blog ergänzt Ingendaay: „Gerade für diesen Verein ist es besonders peinlich, einen eitlen, unfähigen Präsidenten zu haben. Leider bringt das Amt soviel Macht mit sich und lädt so flagrant zu Kungeleien, Begünstigungen und allerhand Dummheiten ein, dass schwächere Menschen sich von den Möglichkeiten der institutionellen Macht verführen lassen. Und so einer war Calderón. Keine Ahnung vom Fußball, aber den großen Zampano markieren.“

Verheerendes Zeugnis

Julius Müller-Meiningen (Berliner Zeitung) kommentiert den Beginn des zweiten Prozesses gegen Luciano Moggi, diesmal in Neapel: „Vom milden Urteil in Rom abzuleiten, Moggi und Konsorten wären Unschuldslämmer, ist dreist, aber genau darauf zielt die Strategie der Verteidigung: ‚Cosí fan tutte‘, so haben es doch alle gemacht. Kommt Moggi auch in Neapel glimpflich davon, wäre das einmal mehr ein verheerendes Zeugnis für den italienischen Fußball.“

Zu viel Wettkampfstress

Interessante These – Christian Eichler (FAS) vermutet, dass Chelseas Schwäche darauf zurückführe sei, dass Trainer Felipe Scolari der Vereinsalltag zu schaffen mache. Eichler stellt ihn in eine Reihe von Weltmeistertrainern, die nach ihrem Titelgewinn im Klub scheiterten: „Als Nationaltrainer von Brasilien und Portugal bekam Scolari Spieler stets in bester Verfassung. Er konnte sich auf Taktik und Abstimmung konzentrieren. Nun, da er nach Rückkehr in den Klubfußball auch für Fitness und Frische der Profis verantwortlich ist, zeigt er Defizite. Auch die tägliche Belastung und der wöchentliche Wettkampfstress zehren nach acht Jahren vergleichsweise gemütlicher Nationaltrainer-Tätigkeit erkennbar an der Spannkraft des 61-Jährigen. War es ein Irrtum, ins hektische Tagesgeschäft zurückzukehren? Die Statistik zeigt, dass noch kein Weltmeistertrainer später nachhaltigen Erfolg als Klubtrainer erzielte. Auch viel jüngere von den erfolgreichen Nationalmannschaftstrainern wie Menotti oder Beckenbauer schafften das nicht.“

Bundesliga

Heimkehr eines Märchenprinzen

Der Wechsel Lukas Podolskis von Bayern München zum 1. FC Köln lässt Romantikerherzen höher schlagen, doch auch die Schattenseiten werden von der Presse angesprochen

Lorenz Maroldt (Tagesspiegel) fühlt seine fußballromantische Ader pochen: „Podolski ist das Gegenmodell zum austauschbaren Internationalisten, der heute hier aufs Vereinswappen klopft und morgen dort. Prinz Poldi ist eine Figur aus dem Märchen, in dem Fußball auch mit dem Herz gespielt wird, mit dem Herz für die Heimat, ja: gespielt. Er ist also eigentlich von gestern, in dieser durchkommerzialisierten Fußballwelt, aber das ist wunderlicher Weise gerade so modern, dass der Prinz zugleich die größte reale PR-Nummer wird, die Köln je gesehen hat – und für die andere sonst was geben würden. Es sind aber eben nicht viele Spieler so wie Podolski und nicht viele Vereine so wie der FC. Die beiden passen zusammen. Er wird sich sauwohl fühlen. Und wo er sich wohl fühlt, da spielt er auch wohl. Also besser.“

Michael Horeni (FAZ) versteht Podolskis Heimkehr als eine Emanzipation: „Die Rückkehr ist eine nostalgische Reise in die Vergangenheit des deutschen Fußballs zu seinen alten Werten. Sportlich aber geht Podolski ein Wagnis für seine Zukunft ein. Nicht nur weil die Erwartungen in Köln so hoch wie der Dom sind. Aber es ist seine eigene Entscheidung. Das immerhin ist für Lukas Podolski schon jetzt ein Fortschritt.“

Gift für eine Gemeinschaft

Ingo Durstewitz (FR) hingegen warnt, die Gefahren betonend: „Die Rückkehr birgt jede Menge Risiken. Eine Frage wird sein, wie der nicht als uneitel bekannte Christoph Daum mit einer noch mächtigeren Fußballheiligkeit an seiner Seite zurechtkommt. Intern soll Daum bereits geäußert haben, dass kein Spieler ihm den Rang ablaufen könne. Das darf bezweifelt werden. Zur Erinnerung: Uwe Rapolder war einst über Podolski gestürzt. Zudem besteht die Gefahr, dass Podolski seine Mitstreiter in den Schatten stellt – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Das birgt Neid, und Neid ist Gift für eine Gemeinschaft. Die homogene Mannschaft hatte schon jetzt vernehmlich gemurrt, weil sie ihre Leistungen durch das Podolski-Theater nicht genügend gewürdigt sah.“

J.R. Rummenigge tut uns den Gefallen und spricht vom „Karriererückschritt“.

Volk ohne Raumdeckung gibt sein Comeback mit einer Glosse: „Sobald Poldi das Schussglück wieder holdi ist, wird der Effcee mit diesem Trainer und diesem Geromel ein Kandidat für die ersten fünf Plätze sein. Bis dahin muss das sympathische Jahrhunderttalent die Zeit mit Bandscheibenvorfällen und Nebenhöhlenmalerei überbrücken.“

So denken Diktatoren wie Uli Hoeneß

Konrad Beikircher, Rheinlandexperte, erklärt der SZ, warum das schief gehen musste mit München: „Podolski kam als Provinzler in die Metropole – und wurde erst mal im Salon stehen gelassen. Sie haben ihm gesagt: ‚Wir zeigen dir, wie schön es bei uns ist, aber erst mal musst du hier warten.’ Das hat er nicht verstanden. So muss sich Heinrich Heine in den Pariser Salons gefühlt haben. Am Anfang war er dort ja auch nur der Deutsche. Die Pariser haben ihn links liegen lassen, weil sie meinten: Was will der denn hier? Schließlich hat sich Heine durchgebissen und Eleganz gelernt. Aber die Bayern sind klobiger, so viel Eleganz wie die Pariser haben sie nicht.“

Die SZ fragt: „Hoeneß kann den Fall nicht verstehen; er denkt: Der FC Bayern ist doch der Mittelpunkt des deutschen Fußballs, eigentlich der ganzen Welt …“ Beikircher antwortet: „So denken alle Diktatoren.“

Dienstag, 13. Januar 2009

Internationaler Fußball

Entfremdung schlägt wieder durch

Englands Fußballfans entdecken in schlechten Zeiten ihre Abneigung gegen den „durchglobalisierten Unterhaltungswettbewerb Premier League“ (FR) wieder, vor allem gegen Cristiano Ronaldo / Chelsea ohne Biss / David Beckham fällt überall auf, nur nicht auf dem Fußballplatz (FAZ)

Raphael Honigstein (FR) will festgestellt haben, dass die Stimmung in Englands Stadien in Zeiten der Finanzkrise umgeschlagen sei. Die Pfiffe und Gesänge gegen Cristiano Ronaldo (beim 3:0 ManUtds gegen Chelsea) seien härter und giftiger als sonst gewesen: „An der Basis überwiegt das Unbehagen, weil der Popstar dem englischen Fußball so ungeniert den Spiegel vorhält. Aus der Blut-Schweiß-und-Tränen-Liga der ehrlich kämpfenden Kollektive ist eine Cristiano-Ronaldo-Liga geworden; ein vom Eigentümer bis zum Zeugwart durchglobalisierter Unterhaltungswettbewerb, wo fremde, gerissene Trickser mit körperlosem Spiel gegen die wenigen verbliebenen Einheimischen reüssieren dürfen. Der Erfolg ließ die Fans die Entfremdung ertragen, die Rezession bringt den Schmerz zurück.“ Starke Thesen.

Chelsea-Fans sollen „You should have died in the tunnel” gesungen haben. Ronaldo fuhr zuvor seinen neuen Ferrari zu Schrott. Seinen Viertwagen oder so …

Christian Eichler (FAZ) erschrickt über die Zahnlosigkeit Chelseas: „Alle Markenzeichen von Chelsea unter Mourinho – Sicherheit bei Standards, physische Wucht, Zug zum Tor, Stärke im Endspurt – sind unter Luis Felipe Scolari derzeit verschüttet, obwohl das Personal fast identisch geblieben ist.“

Altenheim Mailand

Tom Mustroph (FR) pfeift auf David Beckham, der für Milan beim 2:2 gegen AS Rom 89 Minuten gespielt hat: „Milan wäre das geeignete Altenheim für den 33-Jährigen. Leistung wird nur noch in Maßen gefordert. Hauptsache, die Einschaltquoten stimmen und die Schlagzeilen werden beherrscht. Würde Pelé noch spielen, Berlusconi würde ihn engagieren und Ancelotti ihn aufstellen.“

Eichler (faz.net) spottet: „Das Quartier Beckhams in Rom bei seinem ersten Arbeitseinsatz: dieselbe Suite, in der sonst Leonardo di Caprio absteigt. Und bei jedem Start, jeder Landung am Flughafen: ein Gedrängel von Fans und Fotografen, gegen das jeder Winterschlussverkauf ein Waldspaziergang ist. Der einzige Ort, an dem David Beckham unauffällig bleibt, ist der Fußballplatz.“ Auch Birgit Schönau (SZ) befasst sich mit dem unspektakulären Debüt David Beckhams.

Ball und Buchstabe

Alimentierte Fernsehbeamte

Die Mafia greift auf Osteuropas Fußball zu / ARD hat kein Konzept für den Bundesliga-Sonntag ( Wolfgang Niersbach offenbart seltsames Verständnis von der Verfassung

Jens Weinreich zitiert eine von der UN finanzierte Studie, die den Einfluss der Mafia auf Osteuropas Fußball bloßlegt: „They included interviews with coaches and with a former referee who outlines the pressures to call games in the home team’s favor. They address problems threats and pressure that critics of football can expect, including anonymous death threats and the criticism that comes from an unlikely source – the national team’s largest fan group.”

Hier der Original-Link: reportingproject

Seit Dezember bloggt die FAZ zu verschiedenen Themen (etwa Wissenschaft oder Fernsehen), und die „Fußballer“ Peter Körte und Jürgen Kaube nehmen Fahrt auf. Kaube ärgert sich darüber, dass die ARD die Bundesliga am Sonntag erst um 23 Uhr zeigen wird, obwohl sie bereits um 21.45 Uhr darf: „Der Gebührenzahler trägt erst seinen Obolus bei, um dann mitansehen zu müssen, wie Fernsehbeamte es vorziehen, von den teuer erworbenen Rechten keinen Gebrauch zu machen. Um die öffentlich-rechtliche Ausstrahlung zu rechtfertigen, pflegten Intendanten und Politikern seit jeher die Redeweise von der ‚Grundversorgung‘, ja vom ‚Grundnahrungsmittel Fußball‘ (Edmund Stoiber). Jetzt sieht man, wie ernst sie es im Zweifel damit meinen. Oder sollte das Desinteresse am frühen Sendetermin am Ende mit der Unterstellung zusammenhängen, dass Leute, die überhaupt noch fernsehschauen, zu jeder Zeit schauen können, da sie gar keinen Arbeitsplatz mehr haben, weil sie entweder Rentner oder Wohlfahrtsempfänger sind?“

Körte hätte gegen eine Absetzung von Anne Will wenig einzuwenden gehabt: „Würde ich zum Masochismus neigen, dann würde ich mir den Bundesligasonntag im DSF zurückwünschen. Lieber zehn Mal den Spot zum Prefa-Dach (‚stark wie ein Stier‘) als eine Fragerunde auf dem Menschensofa, lieber die biederen Scherze von Frank Buschmann als die immer leicht populistisch aufgekratzten Fragen von Anne Will. Da es nun aber nichts mehr zu wünschen gibt, bleibt einem fast nur noch Fatalismus. Und die Gewissheit, dass jeder Sender ohne Alimentierung, der solche Geschäfte machte, längst bankrott wäre.“

Seltsame Auffassung von der Verfassung

Ist die Polizei, also der Steuerzahler, dazu verpflichtet, Sicherheit für Vernstaltungen von millionenschweren Unternehmen, also Spiele der Fußball-Bundesliga, zu gewährleisten? Ein hoher Polizeifunktionär hat das nun in Frage gestellt – und zwar gekoppelt an den Fall, dass die 50+1-Regel falle. Messerscharf widerlegt Kaube die Antwort des DFB-Generalsekretärs: „Die Reaktion von Wolfgang Niersbach, der DFB und die Clubs zahlten Steuern, die Bezahlung der Polizeieinsätze käme einer ‚Doppel- und Dreifachbesteuerung‘ gleich, ist töricht. Abgesehen davon, dass man ihm eine ganze Reihe von Doppel- und Dreifach-’Besteuerungen‘ nennen könnte (oder hat Herr Niersbach noch nicht davon gehört, dass Theater, Freibäder, neuerdings Universitäten und auch Kindergärten für die Steuerzahler gebührenpflichtig sind?): Wie stellt sich Herr Niersbach denn die Demokratie vor, wenn er meint, dass diejenigen, die Steuern zahlen, davon sofort eine Sonderausschüttung zur Aufrechterhaltung ihrer Einkommensquellen verlangen dürfen? Und wie die Verfassung, wenn er ein Grundrecht auf Fußball, so wie auf Demonstrationen unterstellt? Der Polizeigewerkschafter hat durchaus einen wunden Punkt berührt. Wenn Vereine keine Vereine mehr sind, sondern Firmen, weshalb sollte der Staat sie nicht an den Umweltrisiken beteiligen, die sie eben auch verursachen?“

Bundesliga

Des Rätsels Lösung dank Biomechanik

Ralf Rangnick lässt sehr konkret Einblicke in sein Training zu (SZ) / Uli Hoeneß über seinen Nachfolger (FAS) / Franck Ribéry will Stars, Jürgen Klinsmann ein Team (FAZ)

Ralf Rangnick gibt der SZ ein langes Interview, unter anderem über die Scharmützel mit den Bayern. Liest sich anstrengend, weil er sich erklärt oder gar rechtfertigt. Die spannenden Teile des Gesprächs finden wir am Ende des Textes. Da erläutert Rangnick Aufgaben und Ergebnisse des neuen Techniktrainers Marcel Lucassen, der seinem Verteidiger Marvin Compper in Mönchengladbach das Flanken beigebracht habe (von Christian Ziege, nebenbei, hätte er es dort auch nicht lernen können): „Lucassen hat mit seinem biomechanisch geschulten Auge gemerkt, dass Marvins Bewegung nicht optimal war, weil er vor dem Flanken zu viel Boden traf. Das hatte ihm noch nie jemand gesagt. Lucassen entwickelte Übungsformen. Heute kann Marvin flanken.“

Auch die Schwächen Chinedu Obasis, die seiner Fußballsozialisation geschuldet sind, werde man mit Methode bearbeiten: „Er ist ein besonders interessanter Fall: Uns ist aufgefallen, dass er volley fast jeden Ball perfekt verarbeitet, aber wenn er aus 16 Metern flach schießen soll, kommt oft nur ein Kullerball heraus. Ich habe ihn gefragt, wie er früher als kleiner Bub in Nigeria gekickt hat. Er sagte: Wir hatten zuhause nie vernünftige Rasenplätze, deshalb haben wir den Ball immer in der Luft gespielt. Da hatten wir des Rätsels Lösung. Aber es reicht nicht, dass wir das jetzt wissen. Ab sofort kann Obasi mit Lucassen daran arbeiten, sauberer zu schießen. Das sind kleine Elemente, von denen wir uns große Wirkung versprechen.“

Und über das künftige Schusstraining sagt Rangnick: „Unsere 6er Luiz Gustavo und Isaac Vorsah haben beide einen Schuss wie ein Pferd, aber noch kein einziges Fernschusstor erzielt, weil ihre Bälle oft sontswohin fliegen. Normalerweise sagt ein Trainer dann dem Spieler: Du musst dich mehr über den Ball beugen! Das ist sicher auch ein Teil der Wahrheit, aber wenn sich ein Biomechaniker mit dem Bewegungsablauf befasst, kommen noch mehr Erkenntnisse heraus.“

Fußball ist eher ein Sport mit offenen Fertigkeiten, von Techniken kann im trainingswissenschaftlichen Sinne nur bedingt die Rede sein – im Gegensatz zum Speerwurf, aber auch Handball ist „standardisierter“. Alle Handlungen im Fußball vollziehen sich unter Gegner-, Zeit- und Raumdruck und sind situationsabhängig. Daher kann Techniktraining im Fußball nur kleine Erfolge erzielen, gerade bei Erwachsenen. Was nicht heißen soll, dass man es zu lassen hat. Jedenfalls sind solche Einblicke, wie sie Rangnick gewährt, selten. Zumal sie erstens eigentlich Betriebsgeheimnisse sind. Zweitens kommt bestimmt wieder jemand daher und wirft ihm „Besserwisserei“ vor.

Auch ein aufschlussreiches Detail: Rangnick sagt, dass Marvin Compper ihm von Lucassen erzählt habe. Mit den Leuten reden, heißt wohl seine Devise.

Irrer Vorteil

Uli Hoeneß spricht mit der FAZ am Sonntag und mit breitester Brust darüber, was er macht, wenn er in einem Jahr als Manager zurückgetreten sein wird: „Ich gehe nicht in Pension. Ich werde weiterhin jedes Wochenende für unseren Erfolg da sein und die Geschicke des Vereins sehr aktiv bestimmen. Ich werde eng am Team sein.“

Sein Nachfolger ist zu beneiden. Das folgende liest sich teilweise wie eine Drohung: „Ich werde jedem Nachfolger von mir, ob es ein erfahrener oder unerfahrener ist, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Derjenige, der zu den Bayern kommt, hat den irren Vorteil, dass im Hintergrund kein Uli Hoeneß auf ihn wartet, der darauf hofft, dass alles schiefgeht, damit sein Stern der vergangenen 30 Jahre kräftig weiterleuchtet.“ Ist das ein Gruß an Franz Beckenbauer?

Dass Jürgen Klinsmann Hoeneßens Posten gleich mit übernimmt, schließt Hoeneß aus: „Die Doppelbelastung als Trainer und Manager ist nicht einfach zu bewältigen. Deshalb wird dies bei Bayern sicherlich keine Lösung sein. Einen Trainer und Manager Klinsmann wird es nicht geben.“

Beulen

Volker Stumpe (FAS) schreibt eine feine Glosse über Beckenbauers Größenwahnvorwurf an Hoffenheim: „Beckenbauers Neujahrsansprache – eine Mahnung an jene höhenluftbenebelten Majestätsbeleidiger, die mit billigen, provozierenden Witzen am Lack der wahren Elite, der wahren und ewigen und einzigen Nummer eins kratzen.“

Michael Horeni (FAZ) beleuchtet Franck Ribérys Forderung nach mehr Stars und dass das Jürgen Klinsmanns Entwurf widerspreche: „Ribérys Konzept ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was seinem Trainer vorschwebt. Klinsmann setzt auf Teamgeist und individuelle Verbesserungen, Ribéry auf Individualismus und das klassische, selbstherrliche Star-Prinzip. Auch wenn die Bayern und Ribéry weiter im selben Bus unterwegs sind – auf dieser Reise können noch ein paar Beulen dazukommen.“

Gregor Derichs (FAZ) widmet sich dem schwierigen Comeback Bernd Schneiders.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Bundesliga

Kein Interesse an der sozialen Leiter

Der Co-Trainer des Tabellenletzten gibt auf: Christian Ziege verlässt Borussia Mönchengladbach – die Presse zeichnet einen raschen Macht- und Bedeutungsverlust nach

Roland Leroi (Welt) beleuchtet den Hintergrund: „Weil Meyer einen Vertrauten, Jürgen Raab, als weiteren Co-Trainer mitbrachte, war der lernwillige Ziege quasi überflüssig. Beim Training war er nur eine Randfigur. Wenn er auf der Trainerbank Emotionen zeigte, hielt ihn Meyer zurück. Alles in allem zu viele Demütigungen für den hochsensiblen Ziege, der immer einsamer wurde.“ „Sang- und klanglos durch den Hinterausgang“, heißt es in der FAZ.

Die FR ergänzt: „Ziege, von sich aus vom saft- und kraftvollen Sportdirektor des Aufsteigers in heftigen Herbststürmen zum Co-Trainer degradiert, vom neuen Chef Hans Meyer bald darauf dann gar zum Hütchenaufsteller, musste hinwerfen, wollte er noch in den Spiegel schauen können.“ Ziege habe als Sportdirektor Fehler gemacht, wie Meyer ihm indirekt vorhält. Zu denken sei gemäß FR an den Verkauf des Talents Eugen Polanskis nach Getafe, der dort eine wichtige Rolle spielt. Für Polanskis Position, die Nummer 6, stehe übrigens die Verpflichtung des 36-jährigen Tomas Galasek bevor.

Erst Sportdirektor, dann Übergangstrainer, dann aus freien Stücken Co-Trainer, den höhergestellten Rolle aufgebend, und nun freiwillig ganz weg. Man kann dem bei den Fans beliebten Christian Ziege nicht vorwerfen, dass er sich bloß für Posten und die soziale Leiter interessiert hätte. Wenn er jetzt Sportdirektor wäre, hätte er andere Instrumente als den Rückzug.

Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) zeigt auf den chronisch erfolglosen Präsidenten: „Die einzige Konstante der vergangenen Jahre ist Rolf Königs. Der Unternehmer gibt zu, dass er wenig von Fußball versteht, doch offenbar verfügt er zudem über ein großes Talent, sich mit den falschen Fachleuten zu umgeben. Der Klub findet einfach nicht die richtige Komposition aus Sachverstand und einer zwischenmenschlich funktionierenden Führungsriege. Vielleicht müssen langsam auch einmal andere Instanzen in Frage gestellt werden, als immer und immer wieder Trainer und Sportdirektoren.“

Nachgereicht: In der Auseinandersetzung um Markus Babbels Trainerlizenz lesen wir in der Stuttgarter Zeitung über Matthias Sammers’ Fleiß bei dem berüchtigten Kurzlehrgang für verdiente Nationalspieler: „Sammer soll bei diesem Lehrgang nicht gerade zu den engagiertesten Absolventen gehört haben, wie ein prominenter Teilnehmer von damals berichtet, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.“

Montag, 15. Dezember 2008

Bundesliga

Die Kunst ist es, mit Bayern nicht Meister zu werden

17. Spieltag: Die Bayern sind längst wieder erfolgreich, doch Jürgen Klinsmann bleibt umstritten / Ebenso die Frage, ob außer in Hoffenheim weitere gute Zeichen für die Bundesliga zu sehen sind / Uli Hoeneß fühlt sich ungerecht behandelt

Die Bayern sind inzwischen punktgleich mit dem Tabellenführer, doch Peter Ahrens (Spiegel Online) nimmt Jürgen Klinsmann die fremden Federn vom Kopf: „Über den Bayern-Trainer wissen wir ja mittlerweile, dass er immer noch Hitzfeld heißt, obwohl Klinsmann draufsteht und er wie Klinsmann aussieht. Weil Deutschlands Premiumklub mittlerweile wieder so spielt, wie er es auch im vergangenen Jahr unterm alten Coach getan hat. Zé Roberto und Franck Ribéry machen ihr Ding und Toni das wichtige Tor. Mit Bayern Meister zu werden, ist keine Kunst. Die Kunst ist es, mit Bayern nicht Meister zu werden. Klinsmann traue ich immer noch zu, dass er das schafft.“

Tobias Schächter (Berliner Zeitung) pflichtet Ahrens bei und seziert das Bayern-Spiel beim 2:2 in Stuttgart: „Die einzelnen Mannschafsteile standen zu weit auseinander und lange Bälle auf Luca Toni bedeuteten die einzige taktische Variante. Dass sie in der Liga trotzdem vorne und in der Champions League im Achtelfinale stehen, ist schlicht dem überdurchschnittlichen Kader zu verdanken. Mit Trainer Jürgen Klinsmann hat das womöglich wenig zu tun.“

Zuspruch findet Klinsmann bei Michael Horeni (FAZ), wenn auch hauptsächlich für seine Arbeit als Bundestrainer. Von 2004 bis 2006 habe Klinsmann mit seiner Reformpolitik dem deutschen Fußball den Boden zur Weiterentwicklung bereitet, die jetzt zu erkennen sei. Die Vorrunde beschließt Horeni mit einem optimistischen Fazit: „Vor drei, vier Jahren, als Jürgen Klinsmann die Nationalmannschaft vorantrieb, hörte man als Reaktion noch viel zu oft den Bundesliga-Sound der Selbstzufriedenheit: Geht nicht, gibt’s nicht, gab’s noch nie. Die Halbserie 2008 hat dagegen eine sportliche und gedankliche Vielfalt offenbart, die nicht nur dazu geeignet scheint, die Bundesliga in Zeiten der Finanzkrise zu stabilisieren, sondern sie nach vielen Jahren des Rückschritts auch mal wieder ein Stück voranzubringen. Das neue, höhere Tempo, das die Bundesliga in der Spitze eingeschlagen hat, ist das seit vielen Jahren schönste Versprechen für ein gutes neues Fußballjahr.“

Jan Christian Müller (FR) hingegen kann außer in Hoffenheim nicht viel Blühendes entdecken: „Das Beispiel TSG Hoffenheim zeigt in dieser insgesamt mäßigen Vorrunde eindrucksvoll, dass schneller, kombinationsstarker Fußball aus dem Labor heraus planbar ist. Wobei es sicher kein Zufall ist, dass Trainer Ralf Rangnick und Sportdirektor Jan Schindelmeiser sich vorher ausgiebig im Ausland kundig gemacht haben. Derzeit sind sie längst nicht nur finanziell dem Gros der Konkurrenz einen Schritt voraus.“

Zu wenig Biss

Reinhard Sogl (FR) berichtet vom 1:1 gegen Schalke und von mäßiger Form des neuen Herbstmeisters: „Hoffenheim hat vergleichsweise schlecht gespielt, weil es seinen gefürchteten Hochgeschwindigkeitsfußball nicht aufziehen konnte. Selbst gegen nur noch neun Schalker am Ende mangelte es dem Spiel an Übersicht. Das hatte zum einen damit zu tun, dass die Schalker Taktik, die Räume eng zu machen, bis zum Schlusspfiff griff; zum anderen ließ Hoffenheim anfangs Biss und am Ende Kaltschnäuzigkeit vermissen.“

Warum sagt er das jetzt?

Uli Hoeneß präsentiert sich in letzter Zeit in aufgewühltem Zustand. Das liegt zum einen daran, dass seine Bayern wieder (fast) obenauf sind. Zum anderen spürt er, in Hoffenheim ernste Konkurrenz wachsen. In einem Interview mit der FR (und auf einigen anderen Kanälen) klagt Hoeneß, dass er vom Verband gemein und ungerecht behandelt worden sei: „Wir haben total unverdient zwei Punkte verloren. Was mich aber wirklich sehr ärgert: Die DFL behauptet immer, sie sei so fortschrittlich, setzt aber Stuttgart gegen Bayern am Samstag und Hoffenheim gegen Schalke am Sonntag an. Umgekehrt muss es sein. Das ist doch ein Witz. Ich habe nicht mitgekriegt, dass Hoffenheim oder Schalke unter der Woche irgendwo beschäftigt waren, aber der FC Bayern war in Lyon. Das finde ich total unfair.“

Medien-Sport-Politik erwidert: „Ach, Herr Hoeneß, schon mal darüber nachgedacht, dass Stuttgart am Donnerstag noch Uefa-Cup spielt? Wo ist das Problem, Mittwoch und Samstag zu spielen? Sind die Bayern nicht eine internationale Spitzenmannschaft, die den Kader und die Qualität der Spieler hat, das auf sich zu nehmen? Möchte man sich nicht mit den besten Teams Europa messen? Dann schauen Sie mal nach England oder Spanien. Da ist das fast Woche für Woche eine Regelmäßigkeit. Und insgeheim geben Sie damit zu, dass ihr Team körperlich nicht fit genug ist. Lächerlicher kann man sich nicht machen.“ Mit Argumenten braucht man Hoeneß für gewöhnlich nicht kommen.

Bemerkenswerte Sätze hat Jürgen Klinsmann in einem Interview mit der FAZ am Sonntag über Uli Hoeneß gesagt: „Ich nehme jeden Hinweis, jeden Gedanken von ihm auf. Ich kann von ihm als Trainer lernen, als Geschäftsmann, und ich kann von seiner Lebenserfahrung profitieren. Aber ich muss auch immer wieder darüber nachdenken: Warum sagt er das jetzt genau in diesem Moment? Wie meint er das?“

Tagesspiegel: „Mit der Fußball-Bundesliga am Sonntag kann die ARD punkten – gute Programmplanung sieht anders aus“

Freitag, 12. Dezember 2008

Champions League

Zum gewöhnlichen Bayern-Coach domestiziert

Bayern gewinnt in Lyon, doch von Jürgen Klinsmann ist die Presse noch nicht überzeugt / Bremen kann die Enttäuschung, ausgeschieden zu sein, durch einen Sieg gegen Inter leicht dämpfen

Bayern ist nicht erst seit dem 3:2 in Lyon längst wieder auf Kurs, doch den Anteil Jürgen Klinsmanns an den Erfolgen stellt die Presse in Frage. Zumindest seien seine angekündigten Reformen nicht umgesetzt. Christian Schreider (Financial Times Deutschland) beschreibt eine Restauration, Klinsmann beim Wort nehmend: „Wie es aussieht, sind die Bayern wieder ganz die Alten: abgezockt, kaltschnäuzig, erfolgreich. Taktische Innovationen braucht der FC Bayern nicht zu zeigen: Er hat ja Franck Ribéry. Klinsmanns Ideal vom vertikalen Tempofußball praktizierte anfangs eher Lyon. Überhaupt sind die Philosophien, Ansätze und Maßnahmen des als Fußballrevolutionär angetretenen Klinsmann seltsam geräuschlos in den Hintergrund gerückt. Er wirkt still und zum ganz gewöhnlichen Bayern-Coach domestiziert.“

Bei der Inspektion entdeckt Sebastian Krass (Stuttgarter Zeitung) einige Mängel: „Die Bayern wirken im Moment wie ein Auto, das vorne einen 400 PS starken Motor unter der Haube hat und damit unaufhaltsam nach vorn prescht. Hinten aber klappert der Kofferraum. Und bei dem Tempo, das künftig in der Champions League gefordert ist, könnte schnell auch die Hinterachse brechen.“ Die FAZ erkennt in dem Lyon-Spiel Bayerns Vorrunde gespiegelt: zunächst „attraktiver, temporeicher Offensivfußball“, nach dem Gegentor „wie ein verschreckter Hühnerhaufen“.

Die Tore auf 101greatgoals

Rätselhaftigkeit

Werder Bremen gelingt durch einen 2:1-Sieg gegen Inter Mailand immerhin die Qualifikation in für den Uefa-Pokal. Frank Heike (FAZ) pocht darauf, dass es dennoch ein Fehlschlag bleibt, in dieser leichten Gruppe auszuscheiden: „Es waren die Schwächen gegen kleine und mittlere Konkurrenten, die Werder in der Champions League und bisher auch in der Bundesliga zum Verhängnis wurden. Doch am Ende strahlte dieser Sieg gegen den italienischen Tabellenführer heller, als es ihm gebührte. Inter spielte einfach schwach.“

In der SZ lesen wir: „Bergauf und bergab – die Rätselhaftigkeit von Werder Bremen wird durch das 2:1 gegen Inter Mailand bestätigt.“ Inter-Coach José Mourinho stützt dies: „Werder hätte in dieser Gruppe unbedingt als Erster oder Zweiter abschließen müssen. Wir haben vielleicht Famagusta unterschätzt und Panathinaikos, aber auf keinen Fall Bremen.“

Festgeldkönige

Klaus Hoeltzenbein (SZ) ahnt, dass die Finanzkrise die Karten in Europas Vereinsfußball neu mischen werde: „Favorit wird, wer Finanzen und Fußball zugleich unter Kontrolle bringt. Was folgt, ist eine Meisterprüfung. Alles auf null, die Europameisterschaft beginnt von vorne.“ Am Ende könnten die Bayern, die „Festgeldkönige“, als Sieger dastehen.

Machthaber

Javier Cáceres (SZ) teilt uns nach dem Trainerwechsel in Madrid mit, dass Raúl ein „faktischer Machthaber bei Real“ sei, der auch in der Personalpolitik mitrede. Raúl habe den gleichen Berater wie Juande Ramos, Schusters Nachfolger. Cáceres behauptet: „Ausgeschlossen wird, dass die Entlassung Schusters ohne das Plazet Raúls vonstatten ging.“

Bundesliga

Hoffenheims erster Star

Timo Hildebrand wechselt von der Tribüne Valencias zum Tabellenführer der Bundesliga / Andreas Müller schwört noch immer auf Ralf Rangnick

Der Wechsel Timo Hildebrands nach Hoffenheim erfährt viel Beachtung. Die FAZ kürt ihn zum „Glückspilz der Woche“, womit nochmals gesagt ist, wie schnell sich die Dinge geändert haben: Als Hildebrand im Sommer 2007 als Deutscher Meister und mutmaßlicher künftiger Nationaltorhüter nach Valencia ging, war Hoffenheim gerade in die Zweite Liga aufgestiegen. Anderthalb Jahre später kann er von Glück reden, dass er von Valencias Tribüne ins Hoffenheimer Rampenlicht darf. Ingo Durstewitz (FR) fasst zusammen: „Ausbootung in Valencia, Rauswurf aus der Nationalmannschaft. Der Überflieger fiel tief – aber jetzt ist er weich gelandet. Im aufregendsten Fußballdorf Deutschlands.“

Hoffenheim ist Tabellenführer mit Spielern, von denen kein einziger vorher in der Bundesliga für Furore gesorgt hat. Daher ist der Hildebrand-Transfer auch für Hoffenheim ein neuer Schritt. Die Berliner Zeitung hält fest: „Bislang haben sich die Hoffenheimer ihre Stars selbst gemacht, Hildebrand ist der erste verpflichtete Star“, die Stuttgarter Zeitung ergänzt: „Der erste prominente Fußballprofi im Kraichgau“.

Alle Zeitungen weisen auf eine erstaunliche Beobachtung hin: Hildebrand hat seinen Berater gewechselt, nun ist es nicht mehr der als zwielichtig geltende Dusan Bukovac, sondern Marcus Höfl. Diese Personalentscheidung habe ihm die Tür nach Hoffenheim erst geöffnet. Sollte sich Hoffenheim nun sogar darum verdient machen, Seriosität in der Beraterbranche zu fördern? Die Tatsache, dass er sich von Bukovac vertreten ließ, sei übrigens mitentscheidend für Hildebrands Nichtnominierung an der EM gewesen, spekulieren manche Journalisten.

Stachel sitzt tief

Andreas Müller kreidet im DSF Rudi Assauer an, vor drei Jahren Ralf Rangnick vergrault zu haben: „Dass Ralf Rangnick ein sehr, sehr guter Trainer ist, ist hinlänglich bekannt. Es war damals meine Idee, ihn nach Schalke zu holen. Er brachte die Mannschaft sehr schnell spielerisch in die richtige Richtung. Trotzdem war das Problem, dass er nie die volle Rückendeckung hatte, die er unbedingt brauchte. Wir wissen, was danach passiert ist – zum Beispiel die berühmt-berüchtigte Ehrenrunde. Es gab in der damaligen Situation keine andere Möglichkeit, als sich zu trennen. Natürlich glaube ich, dass der Stachel bei Ralf Rangnick immer noch sehr tief sitzt.“ Jörg Hanau (FR) befasst sich mit dem Parvenü Hoeneß.

Bei TeBe gegen BFC gab es Ausschreitungen (der freistoss berichtete fehlerhaft). Via Tagesspiegel bin ich auf dieses Video aufmerksam geworden, das einen Polizisten zeigt, der zwei offenbar friedliche BFC-Fans schlägt.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Am Grünen Tisch

Funktionärshybris

Pressestimmen zu Theo Zwanzigers Rücktrittserwägung

Roland Zorn (FAZ) schreibt: „Die Frage ist erlaubt, ob dieser Präsident bei all seinen Verdiensten dauerhaft für eine Aufgabe geeignet ist, in der manchmal auch die Fähigkeit gefragt ist, souverän zu bleiben, selbst wenn es persönlich weh tut.“

Jan Christian Müller (FR) fügt hinzu: „Zwanziger war vier Jahre lang ein guter Präsident für den DFB, der auch in gesellschaftlichen Fragen eine Menge vorangetrieben hat. Aber derzeit droht er dem Beispiel vieler hoher Funktionsträger im Sport zu folgen und die Bodenhaftung zu verlieren.“

Robert Ide (Tagesspiegel) ergänzt: „Unabhängig davon, dass Zwanziger alles andere als ein Demagoge ist, wirft der juristisch-öffentliche Furor, den er in dieser nebensächlichen Frage an den Tag legt, eine viel gewichtigere Frage auf: Ist Theo Zwanziger wirklich ein guter DFB-Präsident?“

Christian Zaschke (SZ) kritisiert: „Längst hat der Fall groteske Züge angenommen, das Ansehen des DFB ist bereits ramponiert, weil Zwanziger sich als Präsident in einer Privatfehde verrannt hat. Es geht um eine Bagatelle, um einen keinesfalls ehrabschneidenden Begriff. Zwanziger jedoch lähmt mit seinem Vorgehen den ganzen Verband. Im DFB sollten sie sich fragen, wie ihr Präsident reagiert, wenn es wirklich mal eine Krise gibt. Zwanziger verknüpft sein Privatinteresse mit dem Amt und gibt damit ein weiteres Beispiel für Funktionärshybris.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger spricht von „Ehrpusseligkeit“, Jürgen Kalwa spekuliert über einen möglichen Strippenzieher im Hintergrund, einen falschen Freund. Und Zwanziger selbst lässt sich in der FR zitieren: „Demnächst heißt es, ich sei ein Massenmörder, nur hat es keine Leichen gegeben.“

mehr dazu hier

Unterhaus

Nostalgie, Ostalgie

Hansa Rostock lebt in und von der Vergangenheit (BLZ) / Hans Meyer, nur ein Redner? (NZZ)

0:4 in Nürnberg – Ronny Blaschke (Berliner Zeitung) rügt die Nostalgie Hansa Rostocks hart: „Der FC Hansa ist zu einem traurigen Lehrstück geworden. Er zeigt, was passieren kann, wenn sich ein Verein mit den Erfolgen von einst zufrieden gibt, sich nicht weiter entwickelt und nun von der Gegenwart überschwemmt wird. Seit Jahren rühren die Führungskräfte im eigenen, lauwarmen Saft. (…) Dieter Eilts ist nicht zu beneiden. Er wollte in Rostock seinen Ruf polieren, nun leidet er unter der Selbstdemontage eines Vereins, der nicht mehr groß ist, sondern nur noch von der Größe seiner Vergangenheit lebt.“

Geschwür

Matthias Wolf Berliner Zeitung kommentiert die Ausschreitungen beim Oberligaspiel zwischen Tennis Borussia Berlin und dem Berliner FC Dynamo: „Der DDR-Rekordmeister hat viel Tradition. Der BFC hat auch treue, faire Fans. Aber Dynamo ist auch und vor allem ein Verein, der Angst und Schrecken verbreitet. Im modernen Sport ist er so ein Fremdkörper. Wie ein Geschwür, bei dem die Selbstbehandlung versagt hat. Es wird Zeit, dass die Verbände diese Eiterbeule endlich mit allem Nachdruck bekämpfen.“

Korrekturhinweis: Fälschlicherweise hab ich beim Zitieren den Berliner FC Dynamo mit Dynamo Dresden verwechselt. Leser haben mich dankenswerterweise auf den Fehler hingewiesen. Tut mir leid, es musste mal wieder schnell gehen. Der Text ist außerdem von Matthias Wolf und nicht von Ronny Blaschke. War wohl nicht mein Tag, nun ist es korrigiert. Zudem bin ich gebeten worden, anzufügen, dass es in der Presse verschiedene Darstellungen der Geschehnisse gegeben habe.

In Schlaglichtern erschöpft

Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) misstraut der Arbeit und dem Gerede Hans Meyers: „Seine erfolgreiche Zeit in Nürnberg samt Cup-Sieg konterkarierte Meyer, indem er diese Mannschaft, deren Qualität für den Klassenerhalt lässig ausgereicht hätte, in der folgenden Saison innert eines halben Jahres herunterwirtschaftete. Seine Entlassung konnte den Verfall nicht stoppen: Nürnberg stieg ab – und Meyer verabschiedete sich einmal mehr in den Ruhestand. Der Anruf der Mönchengladbacher dürfte für ihn vor allem bedeutet haben, die Möglichkeit zu bekommen, den angekratzten Ruf zu polieren. Stattdessen bestätigt sich, dass sich Meyers Wirkung in rhetorischen Schlaglichtern erschöpft, die bald originell, bald deplaciert erscheinen.“

mehr über Meyer in der Nürnberger Abendzeitung

« spätere Artikelfrühere Artikel »
  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

104 queries. 1,296 seconds.