indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Samstag, 1. Dezember 2007

Allgemein

Die Mannschaft des FC Bayern ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Heiko Sprecht (FAZ) leitet aus dem 1:1 in Braga einen generellen Rückschritt Bayern Münchens ab: „Es erinnert derzeit wenig an das stürmische Ensemble vom Saisonbeginn. Die Münchner haben einen enormen finanziellen Aufwand betrieben, um wieder an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. Der Uefa-Pokal sollte eine Warmspielphase werden, doch bisher erweist sich der Wettbewerb für das millionenschwere Starensemble als Spießrutenlauf. Komische Gegner, komische Stadien komischer Modus. (…) Nach der enttäuschenden Partie lautete die einzige erfreuliche Nachricht, dass der FC Bayern weiterhin alles selbst in der Hand hat. ‚Das ist doch eine wunderbare Ausgangsposition’, redete Uli Hoeneß die Lage schön und schickte eine wunderliche Frage hinterher: ‚Wir hatten drei Spiele im Uefa-Pokal und haben keines verloren – was will man mehr?’ Es gab Zeiten, da wollten die Münchner alles gewinnen. Und sollte das Gruppenfinale nicht erfolgreich abgeschlossen werden, dürfte es an der Säbener Straße ungemütlich werden.“

Markus Schäflein (SZ) empfiehlt dem FCB, sich an der selbstkritischen Haltung Oliver Kahns ein Beispiel zu nehmen: „Der Torwart war der Einzige, der deutliche Kritik äußerte. Wer wird eigentlich beim FC Bayern für die Wahrheit zuständig sein, wenn Kahn nicht mehr da ist?“ Auf Spiegel Online lesen wir: Das rätselhafte Unentschieden macht deutlich, woran es beim FC Bayern mangelt: Die Mannschaft ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um souverän aufzutreten, der rasante Umbau des Luxuskaders sorgt für Unruhe.“

1-1 Sporting Braga vs. Bayern Munich UEFA Cup – MyVideo

FAZ: Über die unterschiedlichen Spielstile Bremens und Hamburgs
SZ: Ein sehr lesenswertes Diego-Portrait
FR-Portrait Thomas Schaaf
SZ: Rafael van der Vaart, Hamburgs Nummer 9 ½
stern.de: Jürgen Born, Vorsitzender von Werder Bremen, und Bernd Hoffmann, Vorstandschef des Hamburger SV, sprechen über ihre Klubs, die Liga und Leo Kirch

stern.de: Die NPD versucht systematisch, sich in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren, auch Fußballvereine und ihre Fans werden gezielt unterwandert; die unterklassigen Vereine fühlen sich von der Politik allein gelassen

Freitag, 30. November 2007

Champions League

Noch eine dieser bezaubernden Bremer Fußballnächte

Werder hat es nicht verlernt, die Beobachter zu begeistern / Schalke hält sich alle Chancen offen und zeigt sich ungewohnt missgelaunt

Peter Heß (FAZ) schildert das Zustandekommens des Bremer Siegs gegen Real Madrid auf rationale Weise: „Es war kein Fußball-Wunder! Den Augenzeugen mag es so vorgekommen sein in einer dieser bezaubernden europäischen Fußballnächte, die sich nirgendwo in dieser Dichte ereignen wie in Bremen. Dass Werder Real Madrid 3:2 besiegte, gilt in der Branche als Überraschung, aber nicht als ein Phänomen. Dazu sind die Leistungsunterschiede zu gering und der Zufallsfaktor in diesem Sport zu groß. Aber dass die bessere Reservemannschaft eines Klubs der gehobenen europäischen Mittelklasse das Luxusprodukt des Fußballkontinents übertrifft, damit hatte niemand ernsthaft gerechnet. Es spielte sich nichts Übernatürliches oder Unerklärliches ab, nur etwas Unwahrscheinliches. Die überlegene Mannschaft ließ sich, geblendet von der eigenen individuellen Klasse und leicht benebelt von der komfortablen Tabellensituation, zu einem unkonzentrierten Auftritt hinreißen. Und der unterlegene Außenseiter nutzte diesen Mangel, um das Spiel nach seinem Geschmack zu gestalten.“

Sven Bremer (Financial Times Deutschland) ergänzt: „Sicher, das sieht viel eleganter aus, wenn Guti oder Robinho den Ball führen, als wenn sich Frank Baumann in einen Zweikampf wuchtet. Aber was nützt es, wenn das fehlt, was Werder so stark machte: Hingabe, Leidenschaft, Mut und ein offenbar unbedingter Siegeswille. Gewonnen hat ein hochklassiges Kollektiv – aus dem dennoch einer herausragte: Daniel Jensen.“

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) zählt die vielen Gesichter Werders: „Die Bremer bewiesen, dass sie die wohl wandlungsfähigste Mannschaft der Bundesliga sind. Wer ihre Auftritte in der aktuellen Champions-League-Saison miteinander vergleicht, mag kaum glauben, dass da immer der gleiche Klub gespielt hat. Die Leistungsamplitude der Bremer ist riesig, sie garantiert Unterhaltung und Überraschungen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die eigentliche Sensation war, dass die Bremer Real nicht niederkämpften, sondern niederspielten. Sie traten nicht wie ein trotziger Außenseiter auf, sondern wie ein entschlossener Favorit. Sie bestimmten, was auf dem Feld geschah: das Tempo, den Rhythmus, die Dramaturgie.“

Virus

Jörg Marwedel (SZ) dreht den eingebildeten Madrilenen seinen Rücken zu: „Der Landesmeister-Rekordsieger trägt derzeit wohl vor allem seinen großen Namen vor sich her. Der Wunderknabe Robinho, nicht nur wegen seines Tors noch der Beste bei Real, zeigte auch die Arroganz des Teams. Einmal versuchte er Petri Pasanen vorzuführen, indem er sechsmal den Fuß über den Ball hob und nicht spielte – ein lächerlicher Versuch, den Finnen lächerlich zu machen. Auch Christoph Metzelder ist von diesem Virus offenbar schon angesteckt. Werder sei es gut gelungen, Reals ‚hochklassiges Spiel zu unterbinden’, sagte er – ein bisschen zu viel der Gönnerhaftigkeit. (…) Die Bremer zeigen, dass sie mit Ausfällen umgehen können wie kaum eine andere Elf.“

Mein Lieblingstor: das 3:1. Ok, das 2:1 war auch gut. Und die anderen auch.

Mannschaft ohne Eigenschaften

Michael Ashelm (FAZ) sieht nach dem 0:0 in Valencia keinen Grund für die Depression der Schalker (die sich allerdings in letzter Zeit von der Presse immer anhören mussten, dass sie ihre Ergebnisse und Leistungen zu genügsam beurteilten): „Eine merkwürdige Stimmung machte sich breit: geduckte Haltung, Enttäuschung, eine Gruppe in sich gekehrter Spieler, grantige Bosse. Ein Schwall negativer Energie ergriff Besitz von Schalke 04. Dabei hatten sich die Gelsenkirchener doch auf den letzten Drücker noch die Chance erspielt, mit einem Sieg über Rosenborg Trondheim erstmals ins Achtelfinale einzuziehen. Das müsste für die nicht gerade mit sportlichen Triumphen gesegneten Schalker eigentlich fast so viel wert sein wie der ewige Traum vom Meistertitel in der Bundesliga. Aber diese schöne Aussicht zählte nicht. Die Schalker Chefs redeten, als wäre ihr Klub einer der Mitfavoriten in dieser europäischen Meisterligasaison und würde dieses Ziel nun gefährden. Dieses Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ein immer wieder auftauchendes Problem in der oft binnenorientierten Bundesliga. Nach einem Sieg gegen das Durchschnittsteam von Hannover 96 wähnten sich die Gelsenkirchener schon reif für eine Attacke in der Champions League. Doch tatsächlich schaffte es die Mannschaft des FC Valencia, trotz Formtiefs, stockenden Kombinationsflusses und Unterzahlspiels die Schalker unter Druck zu halten. Im Team des neuen Trainers Ronald Koeman steckt der in Jahren erworbene Erfahrungsschatz vieler hochkarätiger Duelle, wenn auch derzeit auf dem Platz wenig zusammenpasst.“

Ronald Reng (Berliner Zeitung) vermisst in Schalke Konturen: „Das Unentschieden eröffnet Schalke die Möglichkeit, doch noch das Achtelfinale zu erreichen, führte aber auch vor, wie fern Schalke der internationalen Spitzenklasse ist. Es ist – auf diesem, dem höchsten Niveau – die Mannschaft ohne besondere Eigenschaften.“

Drei Minuten Langeweile – bis auf die Rote Karte

Ball und Buchstabe

Autoritärer Zensor

Richard Leipold (FAZ) kritisiert Duisburgs Klubchef Walter Hellmich, der seinen Spielern bis auf weiteres verbietet, mit Journalisten zu reden: „Es stimmt etwas nicht im Staate Hellmich. Redeverbote, die von oben verordnet werden, verstoßen gegen die Meinungsfreiheit, solange kein höherrangiges Rechtsgut wie etwa die freiheitlich demokratische Grundordnung betroffen ist. Rein rechtlich brauchten die Spieler sich nicht in dieser Weise den Mund verbieten zu lassen, schon gar nicht, wenn es um all die Floskeln geht, die sie zumeist absondern. Anders als bei den Kollegen aus Gelsenkirchen und Dortmund beruht das Schweigen in Duisburg nicht auf einem Ehrenkodex im Sinne einer Selbstverpflichtung. Die vermeintlich mündigen MSV-Spieler haben sich einschüchtern lassen und den Einschränkungen ihrer Redefreiheit sogar schriftlich zugestimmt. Über mögliche Vertragsstrafen im Falle des Zuwiderhandelns schweigt sogar Hellmich. Nach neun Niederlagen in zehn Pflichtspielen haben die Duisburger Profis andere Sorgen, als einem autoritären Zensor die Stirn zu bieten.“ Trainer Baade stänkert: „Angesichts der Aktualität der Webseite des MSV fragen wir: Muss man extra ankündigen, was sowieso schon die ganze Zeit läuft?“

Sehr lesenswert (auch wenn schon einen Monat alt)! American Arena: Medienboykott deutscher Bundesligavereine – Ausweis der Unprofessionalität des Managements

Am Grünen Tisch

Aberwitzig

Joachim Jahn (FAZ) bejaht den Freispruch für den Ex-ENBW-Chef Utz Claassen im WM-Ticket-Prozess, wirft jedoch dem Angeklagten in Einklang mit den Richtern schlechten Stil vor: „Die Strafjustiz hat Augenmaß bewiesen. Auch wenn die Gesetze fortlaufend verschärft werden: Selbst in Zeiten einer weltumspannenden Schmiergeldaffäre bei Siemens darf nicht jegliche Zuwendung an Staatsbedienstete und Politiker kriminalisiert werden. Es wäre aberwitzig gewesen, den offiziellen Hauptsponsor der Fußball-Weltmeisterschaft dafür zu belangen, dass er staatliche Repräsentanten ins Stadion eingeladen hat – ohne jede Heimlichkeit und angesichts deren eigener Kartenkontingente sowieso eher symbolisch. Aber Claassen sollte trotzdem ein paar Lektionen gelernt haben. Seine Gegenattacken auf die Staatsanwaltschaft fanden sogar die ausgesprochene Missbilligung der Strafkammer. Wirtschaftsführer müssen auch selbst dazu beitragen, dass die Justiz sie wie normale Angeklagte behandelt.“

FAZ/Hintergrund: „Unbehagen“ nach Claassens Freispruch

Donnerstag, 29. November 2007

Champions League

Nächstes Jahr aber richtig

Die Presse stellt nach dem 3:2 über die Glasgow Rangers die Ehre des Deutschen Meisters VfB Stuttgart wieder her

Oliver Trust (FAZ) sieht die VfB-Familie zusammenrücken: „Manche Geste erinnerte an Bilder aus dem vergangenen Mai, als ganz Stuttgart zur Partymeile wurde und über 200.000 die Straßen füllten, um die Deutsche Fußballmeisterschaft zu feiern. Die gesamte Mannschaft lief wie zum Triumphzug versammelt eine Ehrenrunde auf der Laufbahn, die lange dauerte. Man nahm sich Zeit zu genießen und zu vergessen. Die Freude hat ihre Gründe. Nachvollziehbar sind sie gleichermaßen alle. Man kein internationales Fußballschwergewicht ins Wanken gebracht, sondern eine eher durchschnittliche Mannschaft besiegt. Aber es war eben der erste Sieg des VfB überhaupt, der als Schlusspunkt hinter einer schmerzlichen Negativserie stand und dafür sorgte, dass der deutsche Titelträger auf der großen Bühne der Champions League nicht völlig zum Gespött wurde. Es gibt Siege, und es gibt Siege wie den über Glasgow, dem eine besondere Bedeutung in der subjektiven Betrachtung der Stuttgarter zukommt. Etwa wie der Erfolg in der Bundesliga über Bayern München, der mehr als drei Punkte und das branchenübliche Selbstvertrauen brachte. (…) So ‚wirkungslos’ dieser Erfolg in der Endabrechnung der Gruppe E auch sein mag, für die Stuttgarter hatte er eine um ein Vielfaches höhere Bedeutung.“

Bernd Dörries (SZ) rehabilitiert den VfB: „Er spielt wieder so, dass man ihn als Meister bezeichnen darf, ohne dass jemand lacht. Einmal noch Barcelona, dann ist die Champions League vorbei, aber Thomas Hitzlsperger hat schon mal angekündigt, dass der VfB nächstes Jahr auf jeden Fall wieder international mitspielen wolle. Dann aber richtig.“ Elke Rutschmann (Financial Times Deutschland) resümiert die verunglückte Stuttgarter Champions-League-Saison: „Der VfB Stuttgart ist mit seinem anspruchsvollen Qualitätsfußall mehr als andere Klubs darauf angewiesen, seine beste Elf aufbieten zu können, weil nur diese die Vorgaben von Armin Veh umsetzen kann. Und dies war in den entscheidenden Momenten in der Königsklasse nicht möglich, weil zahlreiche Spieler verletzt waren, Leistungsträger in ein Loch fielen und die Zugänge keine Bindung zum verunsicherten Gefüge gefunden hatten. Ein frühes Gegentor reichte in der Bundesliga und auf internationalem Parkett, um den Willen des jungen Teams zu brechen. (…) Den Makel des schlechtesten deutschen Teilnehmers in der Champions League ist der VfB zumindest los. Der haftet noch immer dem Lieblingsrivalen aus München an: 2003 schaffte der FC Bayern gerade einmal zwei Zähler.“

bildblog: Vergebliche Rekordjagd (ein drei Wochen alter Link)

Na also, geht doch!

Alle Tore der ersten Hälfte des Spieltags Nummer 5

Tsp: Der ungewollte Erbe – lange hat sich Herthas Manager Hoeneß um die Nachfolgerfrage gedrückt; jetzt schob er selbst unfreiwillig seinen Lehrling Michael Preetz in Position
Welt: Das distanzierte Verhältnis zwischen Hoeneß und Preetz
FAZ: Studie – die Bundesliga hat die falschen Manager

SZ: ZDF-Intendant zu Besuch bei Leo Kirch – in der ARD herrscht Argwohn über das ZDF: Verdrängt samstags das Aktuelle Sportstudio im Zweiten die Sportschau?

Mittwoch, 28. November 2007

Champions League

Deutschlands Anderlecht

Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) geht mit Werder Bremen hart ins Gericht: „Auf den ersten Blick ist es tatsächlich eine faszinierend unperfekte Combo, das komplette Gegenteil von italienischem Taktik-Raffinement. Sie kann stürmen, doch nicht verteidigen. Sie kann brillant sein, doch niemals schnöde-effizient. Sie ist ein Liebling der Fußball-Romantiker. Doch im Alltag enttäuscht sie – genau dann, wenn es ums Ganze geht. So führt sie den Ruf deutscher Teams ad absurdum: schnörkellos siegen, wenn es darauf ankommt. Den Titel warfen die Bremer in der letzten Saison dem VfB Stuttgart quasi hinterher. Zahlreich sind die Beispiele einer Havarie auf europäischen Hochplateaus. Sie sind zu ständigen Teilnehmern der Champions League geworden. Gerät der Match gegen Madrid allerdings zu keinem Triumph, dann läuft Bremen Gefahr, eines jener Teams zu werden, auf die sich Gegner vom Schlage Reals lange vorher freuen – sichere Lieferanten für Vorrundenpunkte, eine Alternative zum RSC Anderlecht.“

FAZ: Ivan Klasnic falsch behandelt? Ein böser Verdacht macht Real zur Nebensache

Wie von allen guten Geistern verlassen

Paul Ingendaay (FAZ) befasst sich mit dem Borderline-Patienten Real Madrid: „Es gibt überraschende Einbrüche wie letzten Samstag beim peinlichen 1:1 gegen Real Murcia. Zehn Minuten Kombinationsfußball, ein locker herausgespieltes Kopfballtor von Robinho, ein zufriedenes Schnaufen, das durch alle Reihen zu wandern scheint, bis es bei der Verteidigung angekommen ist – und wie von allen guten Geistern verlassen gibt der Meister mit achtzig Minuten Spielzeit vor sich das Kommando aus der Hand, und das gegen eine Mannschaft aus den grauen Regionen der Primera División. Die Folgerung daraus lautet, dass jedes Team Real Madrid schlagen oder zumindest in arge Bedrängnis bringen kann, sofern es sich ein Herz fasst. Wenn dann noch die notorische Unbeherrschtheit des Mittelfeldlenkers Guti hinzukommt, der mit seinen 31 Jahren endlich das ist, was er sein wollte, nämlich Stammspieler, steht Real Madrid nur noch mit zehn Leuten und ohne Ideengeber auf dem Feld. Und dann wirken die spielerischen Mittel plötzlich sehr beschränkt.“

SZ: Auch Halbgötter sind kündbar – der FC Liverpool leidet unter einem heftigen Streit zwischen Trainer Rafael Benítez und den amerikanischen Klubeignern

Am Grünen Tisch

Liebe freistoss-Leser

Liebe freistoss-Leser,

vielleicht haben Sie es bereits der Presse entnommen: Der Württembergische Fußballverband hat hartplatzhelden.de verklagt, das Portal für Amateurfußballer, das ich mit meinen Freunden Thomas Ramge und Steffen Wenzel vor einem Jahr gegründet habe. Und zwar sollen wir es unterlassen, Videos aus Wettbewerbsspielen zu veröffentlichen, die in seiner Region stattfinden. Dabei beruft er sich auf das Wettbewerbsrecht – zu unrecht, wie wir finden. Auch stört sich der Verband daran, dass wir „zweifelhafte Rubriken wie die miesesten Grätschen“ anbieten.

Doch wir haben entschlossen, gegen Goliath zu kämpfen. Wenn Sie uns, und indirekt damit auch den indirekten freistoss, unterstützen möchten, registrieren Sie sich in der Hartplatzhelden-Community. Das geht schnell und kostet auch nichts. Es ist eine rein symbolische Handlung. Und selbstverständlich ist es, das muss ich ironiefrei hinzufügen, für Sie rechtlich risikofrei.

Liebe Grüße vom kritischen Fußballfreund

Oliver Fritsch

Ablehnung, Zustimmung, Solidaritätsgrüße? Sagen Sie uns Ihre Meinung in dieser Sache!

Hier ein paar Pressestimmen

Dienstag, 27. November 2007

Am Grünen Tisch

Alltag

Frank Räther (Berliner Zeitung) warnt von Südafrikas Gewalt und Kriminalität: „Da Johannesburg, Kapstadt, Pretoria und Durban ähnlich wie europäische Städte aussehen, dürften sich viele Gäste so verhalten, wie sie es von zu Hause gewöhnt sind. Sie werden sich recht frei und weitgehend unaufmerksam gegenüber ihrer Umgebung bewegen. Damit aber geben sie eine leichte Beute für Diebe und Gangster ab – noch dazu, wenn sie sich nach einem gewonnenen Spiel ihrer Mannschaft im Sieges- und möglicherweise auch Alkoholrausch befinden. Denn Gewalt gehört in Südafrika zum Alltag. Es gibt kaum noch jemanden, der nicht persönliche Erfahrungen damit gemacht hat. Ausländische Touristen sind mit dieser Situation nicht vertraut – und somit prädestiniert als Opfer für Überfälle und Diebstähle. Südafrika will in zweieinhalb Jahren die Fußball-WM ausrichten und belässt es in Sicherheitsfragen bisher bei leeren Versprechungen. Ein wirklich wirksames Konzept hat noch niemand vorgelegt.“

FAZ-Interview mit Franz Beckenbauer über die WM 2010 und die Sicherheitsbedenken gegenüber Südafrika

26. November 2007

Vorgeschmack

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) kommentiert den Raubmord an Peter Burgstaller, einem österreichischen Ex-Profi, in Durban sowie die beschwichtigende Reaktion Joseph Blatters: „Natürlich hat es im Mai 2004 gute Gründe gegeben, bei der WM-Vergabe neue Wege zu gehen. Erstmals wird das Turnier in Afrika stattfinden, es soll Entwicklungshilfe leisten und einen gebeutelten Kontinent in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. Von Beginn an hatte allerdings die Kriminalitätsrate Zweifel hervorgerufen, ebenso die rechtzeitige Fertigstellung der Stadien. Die Fifa versprach, die örtlichen Behörden würden beide Probleme lösen. Der Mord an Burgstaller hat der Welt nun vor Augen geführt, dass die Sicherheit das zentrale Thema ist, auch wenn Streiks im Stadienbau neue Verzögerungen auslösen. Er war ein Vorgeschmack auf das, was viele im Sommer 2010 befürchten, wenn die Welt zu Gast in Südafrika ist. Es wäre ungerecht, den Südafrikanern schon jetzt die Fähigkeit abzusprechen, die WM erfolgreich auszurichten. Allerdings wird sich vieles ändern müssen, und man darf sich schon fragen, ob dies bis dahin überhaupt möglich ist. Die Augen-zu-und-durch-Devise des Fifa-Präsidenten jedenfalls ist die denkbar schlechteste Strategie.“

Unterhaus

Es passte nicht zusammen

Guido Buchwald, entlassener Aachener Trainer, hatte auch bei der Presse wenig Kredit: Kritik an seinem Rauswurf bleibt aus, entzündet sich allenfalls an der Frage, warum man ihn überhaupt eingestellt hatte

Bernd Müllender (Financial Times Deutschland) resümiert eine verunglückte Beziehung: „Buchwald und Aachen war von Anfang an ein Missverständnis. Schon seine Verpflichtung kam im Juni drei Tage zu früh heraus, weil ein Fan arglos auf Alemannias Website herumwühlte und ungesichert vorbereitete Pressemeldungen vom Klub-Rechner kopierte. Dass der Weltmeister und Meistertrainer aus Japan zum Tivoli kam, hatte damals umgehend staunende Vorfreude und Stolz ausgelöst, gemischt mit einer Spur Skepsis – ob so ein Schwabe wohl ins Rheinische passt? Sportlich passte nichts zusammen. Das Team schwächelte dauerhaft, abgesehen von einem mitreißenden Pokalsieg (3:2 gegen Bochum). Daheim wurde manch grausige Vorstellung durch Glückssiege kaschiert. In der Fremde dilettierte die Alemannia in Serie. Immer wieder gab es Tore nach Standards, Buchwald gelobte trainingseifrige Besserung – bis zum nächsten Gegentor der gleichen Art. Aber es gab keinen einzigen ‚Buchwald raus’-Ruf. Insofern ist seine Entlassung so vorzeitig, wie es seine Verpflichtung war. Auffällig: Buchwald sprach über seine Spieler distanziert mit Nachnamen. Die stimmten mal (‚der Straub’) und mal nicht: Noch nach drei Monaten nannte er seinen Kapitän ‚den Regelkamp’ statt Reghecampf.“

Thomas Kilchenstein (FR) lenkt den Blick auf die sportliche Führung und zählt deren Fehler: „Wer hat eigentlich Guido Buchwald verpflichtet? Es ist jetzt nicht so, dass Manager Jörg Schmadtke mit seinen Entscheidungen immer richtig gelegen hätte. Den Fehlgriff mit Buchwald gab er jetzt, immerhin, zu. Ob die Neuzugänge einschlagen, weiß derzeit noch keiner – Pekka Lakerblom aus Köln wird schon vom eigenen Publikum beim Warmmachen ausgepfiffen. Schon die Verpflichtung des Buchwald-Vorgängers Michael Frontzek war grenzwertig, der lange beim verhassten Rivalen Borussia Mönchengladbach spielte, einem großen Teil des Publikums war die Personalie nicht vermittelbar. Und Jan Schlaudraff in der letzten Saison im heißesten Abstiegskampf zu suspendieren, kann sich nur der leisten, der adäquaten Ersatz hat. Aachen hatte ihn nicht. Jetzt übernimmt Schmadtke das Team – aus Fehlern klug geworden?“

Tsp: Ein sehr netter Trainer – Alemannia Aachen entlässt Buchwald, der Meistertrainer aus Japan war von Anfang an skeptisch beäugt worden

BLZ: In der Tiefebene des Fußballs – Fan-Kongress zum Rassismus in den unteren Ligen
taz: Anja Liebich ist 14 und hat immer Fußball mit Jungs gespielt, jetzt kickt sie zum ersten Mal bei Tennis Borussia Berlin mit ihresgleichen – und fühlt sich ganz schön benachteiligt

Bundesliga

BVB-Torso

Nach dem 0:2 in Nürnberg – Elisabeth Schlammerl (FAZ) merkt zur heiklen Situation des Borussen-Trainers an: „In Dortmund gibt es schon seit einer Weile Zweifel, ob Thomas Doll tatsächlich der richtige Mann ist, ob nicht ein Trainer besser wäre, der die Spieler mit harter Hand führt, statt nach einem Sieg gemeinsam mit ihnen zu feiern. Der schwache Auftritt in Nürnberg hat Dolls Gegnern weitere Argumente geliefert. Die Mannschaft hält dagegen nach wie vor zu ihm. Doll wirkt allerdings nicht so, als ob er in dieser brenzligen Situation eine Lösung parat hätte. Doll sieht, was schiefläuft auf dem Platz, weiß aber nicht, wie die Misere abzustellen ist. Es kann sein, dass die Vereinsführung demnächst endgültig von ihm abrückt.“

Freddie Röckenhaus (SZ) bestärkt seine Kritik an Doll und der Vereinsführung: „Vor allem die Zugänge präsentieren sich als unengagierte Mitläufer. Auch die Kritik an Dolls irrlichternden Taktiken und seiner Menschenführung wird rund um den BVB immer beißender. Borussia Dortmund, das vor rund anderthalb Jahren mit dem Einsatz von immer neuen, eigenen Nachwuchsleuten wie Kruska, Sahin oder Odonkor viele Herzen eroberte, scheint in der personellen Gestaltungswut von Sportdirektor Zorc, Geschäftsführer Watzke und des ratlos wirkenden Doll die Identität der Mannschaft empfindlich beschädigt zu haben. Was von dem emotionalen BVB-Torso im Abstiegskampf zu erwarten ist, hat man in Nürnberg vorab besichtigen können.“

Glänzende sportliche Perspektiven

Frank Heike (FAZ) malt die Hamburger Zukunft nach dem 2:0 gegen Rostock in Rosa: „So entschlossen und selbstbewusst, wie die Hamburger derzeit auftreten, scheinen selbst die ganz großen Ziele – und damit die ganz hohen Prämien – greifbar. Der HSV fährt mit dem Gefühl nach Bremen, auch dort gewinnen zu können. Das Rennen um Huub Stevens hat Vorstandschef Bernd Hoffmann verloren. Im Poker um Rafael van der Vaart hält der HSV inzwischen wieder ein besseres Blatt in der Hand. Wieder einmal machte der kleine Holländer mit seinen Pässen und seiner Ballfertigkeit den Unterschied aus zu den biederen Rostockern. Und Europa schaut zu: Nicht nur der FC Valencia bietet mit um van der Vaart, auch Newcastle United und der FC Arsenal sollen eingestiegen sein. Wobei der HSV aussichtsreicher Kandidat bleibt, van der Vaarts Vertrag sogar zu verlängern. Vor allem, weil die sportliche Perspektive plötzlich so glänzend ist.“

Welt Online: Klasnic-Arzt wirft Werder Bremen Schlamperei vor

FR: Lars Ricken geht

Tsp: Wer ist Uli Hoeneß?

Youtube: Ton an, die Bayern spielen

NZZ: Stürmerstar Adriano bestreitet, Alkoholiker zu sein, sucht aber eine Heilungschance

NZZ: England leckt die Wunden – nach dem Katzenjammer auf der Suche nach dem Weg zurück in die Normalität

Montag, 26. November 2007

Ball und Buchstabe

Gibt es 1a- und 1b-Fans?

Peter Penders (FAZ) hält Uli Hoeneß den Wert, auch den ökonomischen, vor, den die Fußballbasis schöpft: „Aber wo kommt das Geld her? Natürlich indirekt genau von den Fans, denen Hoeneß ihre Beteiligung abspricht. Würden sie sich nicht zu Millionen vor jeden Fernseher setzen, sobald irgendwo Fußball übertragen wird, dann würden die Sender im Kampf um die Übertragungsrechte nicht alles in Bewegung setzen und sich nicht gegenseitig überbieten. Dann gäbe es keinen Abo-Sender Premiere, dann gäbe es auch nicht so viel Bereitschaft der Sponsoren, ständig noch mehr Geld in den Fußball zu stopfen und es notfalls bei kleineren Sportarten einzusparen. Mit dieser Leidenschaft für den Fußball geht alles los, ohne diese Leidenschaft ist alles nichts. Die Gäste in den Business-Logen kommen und gehen je nach Erfolg und Einladung; für die anderen, für die ungeliebten Schmuddelkinder, ist ein Bundesliga-Spiel in der Regel mehr als ein Event, sondern ein Stück Lebensqualität, das viel mit Tradition zu tun hat. Die Vereinstreue der Fans ist ein Gut, das die Klubs gar nicht hoch genug schätzen können.“

Außerdem fühlt Penders Hoeneß den Puls: „Gibt es 1a- und 1b-Fans? Laut Hoeneß schon, denn nur weil die Vereine den Edel-Anhängern ordentlich Geld aus der Tasche ziehen, können die auf den billigen Plätzen überhaupt noch die Stars spielen sehen. Stimmt das? Natürlich nicht, es ist ungefähr genauso zutreffend wie eine andere Hoeneß-Aussage: Wenn beim FC Bayern etwas passiere, wäre das wie ein kleines Erdbeben und wichtiger, als träte in Moskau Herr Putin zurück. Die Vermutung liegt nahe, dass Hoeneß dies wirklich glaubt – was vieles erklären würde.“

Prahlhans ist Meister in der deutschen Fußballküche

Oskar Beck (Welt am Sonntag) spottet über die Selbstliebe und die Selbstbezogenheit Fußballdeutschlands: „Wir müssen nur unter uns selbst sein, und gleich sieht der deutsche Fußball wieder besser aus, als er ist. Eine Verunsicherung erschüttert spätestens seit der Nullnummer gegen Wales den Glauben jedes guten Deutschen an das Gute seines Fußballs, und nach der kurzen Zwischenerholung in der Bundesliga geht nun in den nächsten Tagen schon wieder das Zittern vor der internationalen Bloßstellung los. Schalke versucht sich in Valencia, Bremen gegen Real und die Stuttgarter stochern gegen Glasgow weiter nach ihrem ersten Punkt – neulich hat sich Sat.1 schon geweigert, das Spiel unseres so genannten Meisters in voller Länge zu übertragen, und anlässlich des abschließenden Champions-League-Spiels des VfB in Barcelona würde sich keiner wundern, wenn das Fernsehen sogar vorsorglich zurückkehrt zur Schwarzweißübertragung mit Bildstörung. Zumindest sind unsere Nachbarvölker oft nur halb so beeindruckt von unserem Fußball wie wir selbst. Dieser Tage hat ein Schweizer Sportmagazin den durch das ketzerische Buch ‚Beckenbauer, ein Bayer zwischen Wahn und Wirklichkeit’ bekannt gewordenen österreichischen Literaten Harald Irnberger interviewt, und der hat mit anderen Worten dasselbe gesagt wie sein berühmter Landsmann Karl Kraus: Die Deutschen sitzen an der Tafel einer Kultur, bei der Prahlhans Küchenmeister ist. Jedenfalls ist der Grantler Irnberger von der deutschen Überheblichkeit mindestens doppelt so überzeugt wie von der deutschen Spielweise im Fußball, und gnadenlos legt er uns sogar noch Otto Rehhagel zur Last: Wenn wir ihn richtig verstehen, hält er ihn für den Karl Moik des Kickens. So weit haben wir es also inzwischen gebracht: Von einem Österreicher müssen wir uns sagen lassen, dass wir nur halb so gut sind, wie wir tun.“

Kürspieler

Christof Kneer (SZ) merkt, dass im Fußball nach wie vor Einzelleistungen den Ausschlag geben: „Der Trend besagt, dass heute selbst kleinere Teams so sinnvoll verteidigen können, dass es schon ein paar Einzelkönner braucht, um Spiele zu entscheiden. Die Torschützen dieses 14. Spieltags heißen u.a. Ribéry, Klose, Diego, van der Vaart, Hajnal, Barbarez, Kuranyi und Hilbert – Spieler, die den Unterschied ausmachen. Der sog. Individualist hat sich sein Recht auf Anerkennung zurückerobert, dabei ist es noch nicht so lange her, dass er im Generalverdacht des sinnfreien Schönspiels stand. Man hat den Allrounder verherrlicht und den Konzeptfußball heilig gesprochen, und am Ende waren die Spielsysteme so perfekt, dass sie sich gegenseitig blockierten. Heute braucht es mehr denn je die individuelle Lösung, mehr denn je braucht es Kürspieler, die in der Lage sind, die Pflicht zu überwinden.“

Bundesliga

Zufallsmeister, das Unwort des Jahres

Pressestimmen zum 14. Spieltag: Stuttgart wie im Mai / Bremer Wunder in neuer Form / Bayerns Sieg mit Schönheitsfehlern / Schalkes bisher unbekannter Angriffsmut

Peter Heß (FAZ) erlebt in Frankfurt wiedererstarkte Stuttgarter: „Der Meister hat nicht nur aus der Krise herausgefunden, er spielt wieder so souverän und frisch wie einst im Mai. Das 4:1 bei der überforderten Eintracht trug die Merkmale der erfolgreichen Stuttgarter Titel-Kampagne im Frühling 2007. Wurde der VfB im bisherigen Saisonverlauf fast ausschließlich durch den Torjäger Mario Gomez vor dem Abrutschen in die Abstiegszone bewahrt, brachte jetzt ein nicht zu bändigendes Stuttgarter Kollektiv die Eintracht zur Verzweiflung. (…) So verhalten und ruhig die Stuttgarter mit ihrer Krise umgegangen waren, so abgeklärt reagierten sie auf die Lobeshymnen nach dem Spiel.“ Tobias Schächter (Berliner Zeitung) stellt klar: „Zufallsmeister, in Stuttgart das Unwort des Jahres, spielen anders.“

Frank Heike (FAZ) belohnt den Angriffsmut des Schalker Trainers beim 3:2 in Hannover mit Lob und rät den Verlierern, bessere Spieler zu kaufen: „Mirko Slomka durfte sich über einen gelungenen Schachzug freuen: Mesut Özil agierte meist aus dem rechten Mittelfeld heraus, in der linken Spielhälfte vergnügte sich Ivan Rakitic. Zwei Spielmacher auf den Außenbahnen, dazu zwei Stürmer in der Mitte – so offensiv und mit der besseren Spielanlage als die gewiss nicht schwachen ‚Roten’ kam Schalke sofort zu Chancen und hatte sich am Ende drei Tore erspielt, ungewohnt viel für Schalke. Tabellarisch ist der Weg für den selbsternannten Meisterschaftsanwärter nach wie vor weit, doch für den Moment wurde das 3:2 nur allzu gern als Beginn eines nervenschonenden Jahresendspurts gewertet. Auch und vor allem von Slomka. Sein Freund Dieter Hecking hingegen durfte die eigene Mannschaft nur für ihre gute Leistung loben – wieder einmal ausgerechnet dann, als der Sprung nach ziemlich weit oben hätte gelingen können. Hannover fehlt es an entscheidenden Figuren: einem wirklich starken zentral-defensiven Mittelfeldspieler und einem Stürmer. Die gute Grundordnung und sichtbare Freude am Spiel überdecken individuelle Schwächen. Das ist Heckings Verdienst. Doch um im derzeit außergewöhnlich fußballbegeisterten Niedersachsen weiter zu kommen, müsste Hannover 96 auf dem Transfermarkt mal gebündelt zuschlagen und sein Geld nicht für Mittelklasse-Spieler wie Christian Schulz oder Benjamin Lauth ausgeben.“

Wunder

Ronny Blaschke (SZ) betont das Außergewöhnliche beim Spiel zwischen Cottbus und Bremen, dem Auftritt zweier ehemaliger schwerkranker Patienten: „Ein Sieg ohne Schnörkel wie der des SV Werder verschwindet in der Regel schnell im Schlund der Geschichte. Dass aber niemand die Schatulle der Floskeln öffnete, um Sprachunkraut wie ‚Bayern-Jäger’ oder ‚Arbeitssieg’ an die Luft zu lassen, deutete auf eine Besonderheit hin. Der Wettlauf um Nachrichten, die keine sind, und die Gier nach Zitaten, die schneller vergessen als gesagt sind, machte eine Pause. Die Geschichte des Tages hatten zwei Spieler geschrieben, für die vor Monaten noch unklar war, ob sie es jemals wieder in die Bundesliga schaffen würden: Ivan Klasnic und John Jairo Mosquera prägten das Spiel auf ihre Art. Sie haben sich zu Symbolfiguren einer Elf emporgeschwungen, die sich derzeit weniger durch Ideenflut in der Offensive auszeichnet, sondern durch Effizienz und Beharrlichkeit, und das, obwohl zeitweise so viele Spieler auf der Verletztenliste standen wie auf dem Spielberichtsbogen. In der Liga ist Bremen seit neun Spielen unbesiegt. Dabei wäre es noch untertrieben, Klasnic und Mosquera als Langzeitverletzte zu bezeichnen. Beide waren gesundheitlich so sehr angeschlagen, dass manche Begleiter um ihr Leben fürchteten.“

Auch Matthias Wolf (FAZ) staunt mit der Fachwelt: „In der Tat ist der Begriff Wunder an einem Tag, als der Sieg der Bremer zur Randnotiz verkam, nicht überstrapaziert. Schließlich ist Klasnic weltweit der erste Profi-Fußballspieler, der nach einer Nierentransplantation in den Wettkampfbetrieb zurückkehrt. Vor 342 Tagen hatte er sein bisher letztes Bundesligaspiel bestritten. Es folgten eine familiäre Nierenspende im Januar und eine im März. Seitdem muss er täglich Medikamente einnehmen, unter anderen Kortison, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird. Nach allem, was bekannt ist, wird dadurch das Leistungsvermögen geschwächt. Für viele Ärzte war es deshalb schon eine Überraschung, dass der anfangs sehr aufgedunsene Klasnic im September in den Trainingsbetrieb eingegliedert wurde und Ende Oktober im DFB-Pokal der Bremer Amateure gegen den FC St. Pauli mitwirken konnte.“

Siege sind nun harte Arbeit

Elisabeth Schlammerl (FAZ) beschreibt die Schönheitsfehler des Münchner Erfolgs gegen Wolfsburg: „Mit dem 2:1-Sieg, dem ersten Erfolg nach zwei Unentschieden und einer Niederlage, haben sich die Mannschaft und Ottmar Hitzfeld ein wenig Ruhe verschafft. Der kräftige Wind, der über München in den vergangenen zwei Wochen wehte, wird nun etwas nachlassen, aber die Sturmwarnung kann noch nicht ganz aufgehoben werden, vor allem, weil es immer wieder zu kleineren lokalen Gewittern kommt. Gleich nach dem Spiel hatte Willy Sagnol, zum ersten Mal seit seiner Knieverletzung vor gut einem halben Jahr wieder im Kader, einen Vereinswechsel angekündigt. (…) Die Leichtigkeit des Bayern-Spiels, mit der die Mannschaft zu Saisonbeginn sich selbst und das Publikum berauscht und damit die Ansprüche in die Höhe geschraubt hatte, fehlte auch am Samstag. Die Tore fallen nicht mehr selbstverständlich, Siege wie der gegen Wolfsburg sind nun harte Arbeit.“

Andreas Burkert (SZ) wirft ein Auge und ein Ohr auf die Münchner Fan-Kurve: „Die Arenagänger erhoben sich schon nach fünf Minuten rechtschaffen zum Klatschmarsch, sogar in der Schampusloge; eine Demonstration in eigener Sache, denn der Kritik am Münchner Operettenpublikum entsprangen ja die heftigen Debatten des Klubs mit seinen jetzt wieder halbswegs versöhnten Fans. Später ist die Stimmung zwar eher wie so oft gewesen, aber wenigstens mit dem Abpfiff dröhnte es noch einmal fulminant durchs Stadion. Denn unten auf dem Rasen hatten sich recht lange auch die Profis aufrichtig bemüht und trotz mancher Schweißattacken im hektischen Schlussakkord das 2:1 über die Zeit gebracht. Nachher indes drangen eben nach und nach Sagnols Äußerungen durch – womit sich am einstweiligen Ende aller Debatten mit Fans und auch dem eigenen Trainer gleich die nächste anschloss.“

SpOn: Bayern-Fans machen mal so richtig Stimmung

Legionäre

Beim 4:1 Leverkusens gegen Duisburg vergleicht Gregor Derichs (FAZ) die Werte der beiden Torjäger: „Beide Vereine halten die Positionen in der Tabelle auch ohne großen Beitrag ihrer bekannten Stürmer, die beide schon Zeiten mit weit größerer Anerkennung erlebt haben. Der vierunddreißig Jahre alte Ailton ist in Duisburg mittlerweile am Tiefpunkt angelangt. Selbst in einer Mannschaft, die den Eindruck hinterließ, in der nächsten Saison wieder in der Zweiten Liga anzutreten, findet der früher umjubelte Angreifer keine Verwendung mehr. Bei Bayer werden die eingeschränkten Arbeitszeiten von Theofanis Gekas immerhin noch diskutiert. Die Verantwortlichen nehmen ihm übel, dass er sich nicht bemüht, Deutsch zu lernen. Der Siebenundzwanzigjährige wirkt wie ein Fußball-Legionär, der seine Pflichten mit wenig Aufwand erledigen möchte und vor allem auf die Gehaltsüberweisung wartet.“

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