indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Mittwoch, 1. Dezember 2004

Unterhaus

Sinnbild für den bedauernswerten Zustand des Ost-Fußballs

Matthias Wolf (FAZ 1.12.) kommentiert das 0:2 von Energie Cottbus gegen Wacker Burghausen: “Es war kalt und ungemütlich zwischen dem Kabinentrakt und dem sogenannten Sozialgebäude im Cottbuser Stadion der Freundschaft. Dort stand der Manager des FC Energie, Klaus Stabach, und durch den Zaun beschimpften ihn unfreundliche Fans auf unsoziale Weise. Da schlug Stabach den Kragen seiner Daunenjacke hoch und sagte Erstaunliches: „Wir müssen uns jetzt an den Rostockern ein Beispiel nehmen. Bei Hansa gibt sich auch keiner auf.“ So weit ist es also schon gekommen, tief im Osten. Da dient die Misere des Rivalen als Mutmacher im eigenen Siechtum. Irgendwie wirkte das triste Treiben, das sich vor nur noch 7000 Zuschauern ereignete, wie ein Sinnbild für den bedauernswerten Zustand des Ost-Fußballs.“

Ascheplatz

Bedeutungsverlust des Uefa-Cups

Klaus Ott (SZ 1.12.) befasst sich mit dem Bedeutungsverlust des Uefa-Cups: „Für die Vereine gerät dieser Wettbewerb tatsächlich mehr und mehr zu einem „Cup der Verlierer“, wie Franz Beckenbauer schon vor Jahren spottete. Die Begegnungen sind in den ersten Runden oftmals wenig attraktiv; der neue Modus mit der Gruppenphase, die eine bessere Vermarktung ermöglichen sollte, erweist sich als sportlich fragwürdig; und die Sender sparen bei den TV-Honoraren. Die ARD steigt nächste Saison aus dem Uefa-Cup aus, das ZDF will die Übertragungspreise radikal senken, und von den Privatkanälen wie dem DSF oder Sat 1 ist das große Geld nicht zu erwarten. Bislang war das anders.“

Europas Tageszeitungen befassen sich heute intensiv mit dem Plan der europäischen Ligaverbände, einen Dachverband zu gründen: die European Football Professional League (EFPL). Die Kommentatoren reagieren mit Skepsis und Kritik sowie Zuversicht und Zustimmung. Über den Vorsitz werden verschiedene Spekulationen geäußert, auch deutsche Namen fallen – aufschlussreich, welch unterschiedlichen Images und Funktionszuschreibungen Verbände und Verbandsvertreter in Italien, Spanien, Schweden, Frankreich und England unterliegen. Ein Motiv für den kontinentalen Zusammenschluss hingegen scheint eindeutig; die FAZ ist sich sicher: „Worum es bei den künftig noch auf einer weiteren Bühne geführten Auseinandersetzungen immer wieder geht, ist offensichtlich: ums Geld.“

Dienstag, 30. November 2004

Allgemein

Über die Stationen Bochum und Bielefeld ist noch niemand zu ManU gelangt

Die Karriere Delron Buckleys, irgendetwas zwischen Märchen und Roman – Richard Leipold (FAS 28.11.) erzählt: “Der Fußball hat viel mehr zu bieten als spannende Spiele, kuriose Ergebnisse oder skurrile Charaktere. Er liefert auch den Stoff für menschliche Metamorphosen, von denen niemand etwas ahnt. Besonders romantisch und dramaturgisch wertvoll sind solche Geschichten, wenn der Hauptdarsteller von unten kommt und wider jede Wahrscheinlichkeit aufsteigt. Noch attraktiver ist der Stoff, wenn der Held schon einmal oben war oder wenigstens beinahe, dann abstürzt, verhöhnt und verkannt wird, schließlich die richtige Frau trifft, Vater wird und als umjubelter Star das Leben genießt. All diese Handlungsstränge laufen bei Delron Buckley zusammen, dem derzeit unwiderstehlichen Stürmer des Rekordaufsteigers DSC Arminia Bielefeld. (…) Sportlich hängt der südafrikanische Nationalspieler immer noch einer Illusion nach: Der Stürmer, dessen Onkel aus Manchester stammt, will eines Tages das Trikot von Manchester United tragen. Doch dieser Weg scheint weit, sehr weit, wahrscheinlich zu weit. Über die Stationen Bochum und Bielefeld ist noch niemand zu ManU gelangt.“

Internationaler Fußball

Korrektur am ungebremsten Jugendstil

Arsenal angeschlagen (SZ) – „die Internazionale und der Fluch dieser unaufhörlichen Remis-Strähne“ (NZZ) – „Korrekturen am ungebremsten Jugendstil Amsterdams“ (NZZ) – China macht Kur in Deutschland (SZ)

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Hässliche Delle auf der Haube eines der schönsten Schlitten Europas

Nach dem 1:2 in Liverpool sorgt sich Raphael Honigstein (SZ 30.11.) um Arsenal London: „Nicht wenige vermuten, dass der wunderschöne Volley-Treffer des Liverpooler Aushilfsstürmers Neil Mellor die Londoner mehr als drei Punkte kosten könnte. Angesichts von zwei Niederlagen in 55 Ligaspielen wäre es zwar lächerlich, von einer Krise zu reden, aber einer der schönsten Schlitten Europas fährt, man kann es nicht übersehen, zur Zeit mit einer hässlichen Delle auf der Haube spazieren. Seit dem kontroversen 0:2 bei Erzfeind United ist das Vertrauen in die eigene Unfehlbarkeit erschüttert. Bei dem filigranen Ensemble wirkt mangelndes Selbstbewusstsein besonders schwerwiegend, dazu ist die Stammelf in Ermangelung von Rotationsmöglichkeiten überspielt. Wenger, der sich im Gegensatz zur Konkurrenz in Europa nicht in die Weihnachtsferien verabschieden kann, weiß, dass der Ernst des Lebens in der absurd hektischen Premier League nun erst losgeht.“

Spiegel der Irrtümer

Schon wieder ein Unentschieden Inter Mailands – Peter Hartmann (NZZ 30.11.) befasst sich mit den Folgen: „Die Internazionale und der Fluch dieser unaufhörlichen Remis-Strähne: Ist die Squadra, die höchstbezahlte der Serie A und als einzige noch immer ungeschlagen, geradezu schicksalsmässig immer nur um einen Hauch von ihrem abschliessenden Glück entfernt, oder kann sie einfach nicht mehr? Denn das Unentschieden, im Calcio einst das Resultat der Gesichtswahrung, ist immer auch ein Verlust von zwei Punkten und für einen ambitionierten Mäzen wie den Erdölmagnaten Massimo Moratti, der über eine halbe Milliarde Euro in sein Hobby verplempert hat, längst kein Betriebsunfall mehr, sondern ein Spiegel seiner Irrtümer.“

Korrekturen am ungebremsten Jugendstil

Bertram Job (NZZ 30.11.) widmet sich der Entwicklung Ajax Amsterdams: “Ronald Koeman sich gegen den inzwischen entlassenen Technischen Direktor Louis van Gaal durchgesetzt hat. Der streitbare Fussballmanager und einstige Erfolgscoach wollte ganz auf den Nachwuchs bauen. Das hat neben Applaus von aussen auch manches Problem verursacht. In den Spitzenspielen wirkten zuletzt gerade Youngster wie Heitinga, de Jong und Snijder indisponiert. Weshalb Koeman sie nach den Niederlagen in Tel Aviv und gegen Heerenveen durch Routiniers von der Reservebank ersetzte. Also spielen zurzeit Zugekaufte wie der 25-jährige französische Innenverteidiger Escudé und der 23-jährige argentinische Rechtsaussen Rosales – und das auffallend gut. Das muss noch nicht das Ende der Ajax-Philosophie bedeuten, doch Korrekturen am ungebremsten Jugendstil sind angebracht. Auch gegen Roosendaal war mancher Ajacied mehr mit sich selber als mit dem Gegner beschäftigt. Hier ein fein gezirkelter, aber erfolgloser Freistoss, da ein ästhetischer, doch zu unbedarfter Pass mit dem Aussenspann, dann schnell wieder eine Haarsträhne hinter das Ohr gelegt und die Stutzen lässig heruntergelassen – man möchte cool wirken im schicken Ajax-Trikot. Von den Zuschauern setzte es dafür Pfiffe.“

Chinas Fußball macht Kur in Deutschland, berichtet Kai Strittmacher (SZ 30.11.): „Bad Kissingen soll China retten. Woran irgendwie auch ein uraltes Vorurteil Schuld hat, das sich in China hartnäckig hält: „Deutschland ist eine Fußball-Großmacht!“ Aus Sicht der Chinesen ist das vielleicht nicht ganz falsch: Das Blühen und Aus-allen-Nähten-Platzen des aufstrebenden China mag zwar die globale Konkurrenz in Industrie und 100-Meter-Hürdenlauf nervös machen – im Fußball dilettiert das Land bislang mit mindestens so großer Geste. „Tragödie“, „Katastrophe“ und gar „Selbstmord“ sind hier die häufigst benutzten Wörter in den Schlagzeilen der Fußballblätter. China hat mal wieder die Qualifikation zu einer WM vergurkt, die „Superliga“ zerfleischt sich in Skandalen. Die unter Dauerbeschuss längst zynisch gewordener Fans und Journalisten stehenden Funktionäre haben sich nun die Olympischen Spiele ausgeguckt als neuen Streifen der Hoffnung im pechschwarzen Fußballhimmel – und Deutschland reicht die Hand: 27 aus ganz China zusammengelesene Spieler zwischen 15 und 19 werden ab nächste Woche ins Trainingslager gesteckt. Für zwei Jahre. In Bad Kissingen.”

Ball und Buchstabe

Low Budget und B-Movies

Michael Reinsch (FAS 28.11.) kommentiert die Flaute im Osten: „Noch läuft die erste Halbzeit der Saison, doch längst ist der Osten ernüchtert. Aufstieg bedeutet nicht Aufschwung. In Rostock hat Publikumsliebling Juri Schlünz die Brocken hingeworfen. In Cottbus ist Eduard Geyer geflogen. Beide hatten sich aufgerieben im Versuch, Teams über ihre Verhältnisse spielen zu lassen. Geyer bleibt dabei der Oscar-Preisträger des Ost-Fußballs: seine Aufstiege und das Pokalfinale waren wie Filmpreise für B-Movies. Low Budget, das ist das Programm des Ostens. Dabei schauen die Fans eben doch in die Röhre. Anders als die vom Staat gestützten olympischen Sportarten hängt Fußball mit seinem hochmobilen und hochbezahlten Personal von der Wirtschaftskraft der Region ab. Im Osten fehlen Arbeitsplätze und Sponsoren. Hinter jedem Erfolg im Fußball steckt deshalb eine ungewöhnliche Geschichte: die der eigenwilligen Trainer Christoph Franke und Rene Müller in Dresden und Erfurt, die vom langen Höhenflug des „Ede“ Geyer und zwischen den Uranhalden von Aue die von Vereinsboß Uwe Leonhardt, der sein Wirtschaftswunder mit der Mannschaft in Lila koloriert. Mehr als ökonomische und soziologische Daten demonstriert Fußball die Schwierigkeiten des Ostens – und seine Hoffnung.“

Negativliste

„Eine häßliche Welle schwappt durch die Stadien und hat auch diese Woche wieder ihre Spuren hinterlassen“ – Michael Ashelm (FAS 28.11.) schreibt über Rassismus im Stadion: „Gerade Osteuropa ist in den Blickpunkt geraten. Ganz offen marschiert der Mob in den Fußballstadien auf, zeigt sich mit eindeutig faschistischer Symbolik und hetzt gegen Schwarze, Juden, Sinti und Roma. Rußland, Polen, Ungarn stehen auf der Negativliste ganz oben. Konfliktforscher Gunter A. Pilz von der Universität Hannover, ein ausgewiesener Fachmann, der auch für das deutsche WM-OK Sicherheitskonzepte erarbeitet, sieht den Grund in der wachsenden Perspektivlosigkeit und Unzufriedenheit der Menschen. (…) Besonderes Interesse gilt der Entwicklung in Deutschland mit Blick auf die WM 2006 als globales Ereignis. „Die Welt zu Gast bei Freunden“, heißt der Slogan. Nichts wäre für Deutschland schlimmer, würden rassistische Töne oder gar Gewalt den völkerverbindenden Impetus der Veranstaltung zerstören. Und so wird hinter den Kulissen einiges unternommen, um der braunen Gefahr auf und von den Rängen entgegenzuwirken.“

Bundesliga

Schalke 04-Arminia Bielefeld 2:1

Ritterliche Begegnung

Roland Zorn (FAZ 30.11.) zündet ein Lichtlein an: „61 524 Zuschauer bekamen zum ersten Advent eine schöne Bescherung zweier Teams geboten, die sich auf hohem Niveau nahezu ritterlich begegneten. Entsprechend gelöst war trotz der einseitigen Punkteverteilung die Stimmung danach. Beide Seiten sprachen mit einer im Profifußball seltenen Hochachtung übereinander und rundeten damit einen Abend ab, bei dem sich die Freude am Fußball ausleben durfte. (…) Uwe Rapolder hat es binnen Monaten geschafft, aus dem mitleidig belächelten Rekordaufsteiger ein manchmal fast ungläubig bestauntes Erfolgsensemble zu machen. Der Konzeptfußball à la Bielefeld dominierte nach dem Wechsel derart eindeutig, daß schließlich sogar die Schalker über diesen Gegner schwärmten.“

Hannover 96-VfB Stuttgart 0:0

Auf Augenhöhe

Hannover ist eine Spitzenmannschaft – Frank Heike (FAZ 30.11.): „Es ist eine neue Situation für Ewald Lienen und Hannover, nicht als Außenseiter in eine Partie gegen den VfB Stuttgart zu gehen, sondern (als besonders heimstarkes Team) zumindest auf Augenhöhe. Hannover hat sich von einer auf das Können von Alleinunterhaltern angewiesenen Mannschaft zu einem homogenen Ensemble entwickelt; es hat Klasse, wie der Ball manchmal zirkuliert und wie sich die Mannschaft aus bedrohlichen Situationen befreit.“

Unbeschwerte Tage gehören in Stuttgart der Vergangenheit an

„Im ersten Bundesliga-Spitzenspiel in Hannover seit Menschengedenken“, sieht Jörg Marwedel (SZ 30.11.) überlegene Gastgeber: „Sie waren das aktivere Team bei dieser Schachpartie auf glitschigem Rasen. Sie zogen ein gepflegtes Passspiel auf, bei dem nur die letzte, entscheidende Vorlage die Adressaten nicht erreichte. (…) Der Verdacht liegt nahe, dass der Fortschritt der 96er mit einem Rückschritt der Stuttgarter zusammenfällt. Unbeschwerte Tage gehören in Stuttgart der Vergangenheit an.“

Montag, 29. November 2004

Strafstoss

Strafstoß #19 – Reine Nervensache 5 – Kopfrechnen

von Herrn Mertens (der sich vom letzten Link distanziert) und Herrn Bieber

Mathias Mertens: Wenn Sie für Ihren Job eine Rückennummer wählen könnten, welche wäre das?

Christoph Bieber: – ? – Ich verstehe nicht recht, worauf Sie hinaus wollen, Herr Mertens.

MM: Nun, es geht um die doch immer erfolgende Rückbeziehung des Sports auf das Leben. Und wenn Erving Goffmann auch meinte, wir spielten im Leben alle Theater, so könnte man doch auch behaupten, wir spielten alle Fußball. Mit der Metaphorik hätte es Goffmann bestimmt in die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft und nicht bloß in den Psychologie-Kanon. Also: was spielen Sie im Leben? Einen antiquarischen Mittelläufer? Einen goldenzeitigen Libero? Einen modernsten Kettenaußen? Oder, nachdem die feste Zuordnung der Nummern ja schon lange aufgehoben ist und jemand wie Ronaldo d. Ä. mit der 10 spielen darf, würden Sie eher nach ästhetischen Gesichtspunkten auswählen, die 33 etwa wegen der Form oder die 23 aus verschwörungstheoretischen Gründen?

CB: Ah, nun kann ich Ihnen folgen! Spontan fiele mir selbstverständlich die 42 ein, doch die müsste ich gleich wieder verwerfen – denn „Die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ geben oder gar sein zu wollen, ist nun doch recht anmaßend. Verdient hätte sie auf dem Fußballfeld vielleicht Pélé, aber mit seinem Werbeauftritt für eine gewisse Männermedizin bin ich mir da nicht mehr so sicher.

MM: Zu Unrecht, denn von einem bestimmten (zugegeben zynischen) Standpunkt aus kann man sagen, daß Pélé damit die einzig richtige Antwort auf die große Frage gegeben hat. Antwort Nummer 1 gewissermaßen.

CB: Herr Mertens, ich muss doch bitten. Wenn Sie so weitermachen, knüpfen ja nahtlos an ihren frauenfeindlichen Fußballweisheiten an!

MM: Nun lassen Sie mich doch mal ausreden! Ein biologischer Organismus will den Fortbestand der eigenen Art sichern. Dazu sichert er dann die eigene Existenz und verschafft sich Nahrung und Sicherheit. Alles andere folgt erst nach diesen Bedürfnissen: Auto, Boot, Plasmafernseher, neuer Bundestrainer. Während Pélé also weise von den ersten und letzten Dingen spricht, beschäftigen sich deutsche Fußballer nur mit diesem Sekundären, Tertiären und Multiplären. Vor allem Beckenbauer, bei dem man ja gar nicht mehr weiß, mit welchem Handy er denn nun eigentlich telefoniert, welches Bier er mit welcher Bank finanziert und durch wen er unter Strom steht. Der müßte ja eigentlich seine Kontonummer hinten auf dem Trikot haben.

CB: Na, so ein breites Kreuz hat selbst der Kaiser nicht. Oder aus wie vielen Ziffern besteht ein Nummernkonto? Doch wir schweifen ab, eigentlich sollte ich mich doch zu meiner „gefühlten Rückennummer“ bekennen. Aber bevor ich mich zahlentechnisch outen kann, ist noch etwas Kopfrechnen angesagt: Wieso denn eigentlich Rückennummer? Neuere Tendenzen der Trikotgestaltung verlagern die Spieler-Nummerierung auch auf den Brustkorb und dort wandern sie langsam aber sicher von der Herzgegend in Richtung Körpermitte. Größer werden die Ziffern dabei auch noch, was soll uns das sagen, Herr Mertens – zunächst über das Spiel, dann über das Leben?

MM: Interessante Frage. Warum die Nummer auf dem Rücken? Die Ritter hatten doch früher ihr Kreuz oder was immer sie trugen auch auf der Brust. Wahrscheinlich, weil man als Betrachter des Geschehens in den allermeisten Fällen einen Blickwinkel auf den davonlaufenden Spieler hat, ihn aus der Ferne also nur aufgrund seiner Hinteransicht identfizieren kann. Der Ritter dagegen mußte beim Zuschlagen von Angesicht zu Angesicht wissen, mit wem er es im Getümmel zu tun hat, deshalb vorne. Und um jetzt beide jonglierte Gedanken zusammenzubringen: Vielleicht sind Fußballspieler heutzutage immer mehr Ritter, die sich im Aufmerksamkeitsschlachtgetümmel außerhalb des Platzes behaupten müssen. Und da man Beckham, Ballack, Zidane und die anderen nicht von hinten ablichtet, man aber gleichzeitig auch noch das Zeichen für ihr Fußballerdasein benötigt, muß es eben auch vorne drauf sein, um gemeinsam mit dem Gesicht als ein Authentifizierungsensemble zu fungieren.

CB: Nette Idee, allerdings ist das primäre Erscheinungsbild des Spielers außerhalb des Platzes mitnichten eines in Arbeitsmontur. Man muss ja fast schon froh sein, wenn die Spieler überhaupt etwas anziehen… Ich denke aber auch, dass die Nummernwanderung etwas mit der gestiegenen medialen Abbildbarkeit zu tun hat – das gilt auch für das Spielfeld. Durch die vielen Kameraperspektiven und Darstellungsgeschwindigkeiten wird der Spieler auf dem Platz totalobserviert, weshalb die Nummer auf der Brust immer sichtbarer wird. Es gibt aber noch einen ganz profanen Grund: indem die Trikot-Hersteller einen funktionalen Raum definieren, versperren sie sportartfremden Sponsoren äußerst wirksam die breite Brust ihrer Werbeträger. Aber auch ihre Ritter-Analogie könnte sich in naher Zukunft überraschend bewahrheiten: zwar wird es nicht die „Helmkamera“(!) sein, aber irgendeine Art von „playercam“ wird es geben. Aber sorry – meine „Realwelt-Rückennummer“ würde ich schon aus dem Reservoir der Kreativzahlen beziehen wollen: also vielleicht eine „Sieben“, eine „Neun“ oder doch eine „Dreizehn“…?

MM: Aha! Sie sind ein Kabbalist! Die mystische, heilige, göttliche Sieben, Zahl der Vollendung, die Verbindung des Geistigen (3) und der Materie (4). Die Neun als die höchste Schwingung, die es geben kann, Zeichen für Vollkommenheit und göttliches Bewußtsein. Und die Dreizehn als Störung des göttlichen Gleichgewichts (12). Da sehe ich doch einen von seiner Sache überzeugten Revolutionär
in Ihnen schlummern.

CB: Nun, dass die Kabbala gerade schwer angesagt ist, ist ja nichts so neues – und über Rückennumern diskutiert man unter Fußballfreunden wohl auch eher häufig. Ich habe es mit der Nummernlogik eher bodenständig gehalten und mich doch nur an die ursprüngliche Verteilung der Zahlen nach taktischen Maßgaben gehalten…

MM: Papperlapapp! Jede Verschwörung wird durch ihr Dementi nur noch wahrscheinlicher. Als Stürmer im Strafraum sind sie doch im Zentrum des Geschehens. Schwingend mit der Neun in der Mitte wie der Elber, störend mit der Dreizehn ins Gewicht fallend wie der Morlock und der Müller oder überlegend und technisch überlegen mit der Sieben von der Seite einfallend wie der Beckham – es geht doch immer um den Fall, wenn auch erst einmal nur des Tores. Und bevor hier mein Interview zu Fall gebracht wird, mache ich mich zur Eins und schlage weit ab.

Allgemein

Er gibt dem Berliner Spiel Richtung und Rhythmus

Michael Reinsch (FAZ 29.11.) misst die Bedeutung Marcelinhos für Hertha: „Was sie an ihrem Brasilianer haben, wurde den Berlinern schon im vergangenen Jahr mehr als deutlich. Da hatten sie ihn nämlich nicht. Im ersten Spiel der Saison brach sich Marcelinho den rechten Fuß – und für Hertha und insbesondere Trainer Huub Stevens war das Jahr gelaufen. Könnte sein, daß es Trainer Hans Meyer war, der Berlin vor dem Abstieg rettete, könnte aber auch sein, daß die langsam zurückkehrende Form von Marcelinho die Hertha in der ersten Klasse hielt. Er jedenfalls gibt dem Berliner Spiel Richtung und Rhythmus, und obendrein schießt er auch noch Tore.“

Daniel Pontzen (Tsp 29.11.) freut sich und leidet mit Mehmet Scholl: „Scholl ist 34 Jahre alt, und noch in diesem Jahrzehnt wird der Tag kommen, an dem er abtreten wird von der großen Fußballbühne. Viele Menschen werden dann Interviews von ihm haben wollen, Fernsehteams werden sich damit beschäftigen, seine Karriere in Bildern nachzuerzählen. Im Prinzip ist das eine leichte Aufgabe. Sie müssten nur einen Kurzfilm aus den Ereignissen der letzten Woche zusammenschneiden. Sie stehen exemplarisch für seine Laufbahn.“

Internationaler Fußball

Heilige Kuh

Welche Folge hat die Verurteilung im Turiner Dopingprozess, Oliver Meiler (BLZ 29.11.)? „In Italien ist die Debatte darüber entbrannt, ob man Juve die gewonnenen Titel aberkennen soll. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass die italienischen Sportbehörden, der Fussballverband und das Olympiakomitee Coni, die Spieler zur Rechenschaft ziehen werden. Nach der Milde zu urteilen, mit der Agricolas Schuldspruch aufgenommen wurde, dürfte die größte Dopingaffäre im italienischen Fußball bald einmal archiviert werden. Juve ist schließlich nicht irgendein Klub, es ist der Klub mit den meisten Fans, mit den meisten Trophäen, mit dem meisten Geld – und darum eine heilige Kuh, trotz allem.“

Europas Fußball vom Wochenende: Ergebnisse – Tabellen – Torschützen, NZZ

11 Freundinnen

Ausbildung, Förderung, Sichtung und eine große Konkurrenz

Michael Kölmel (BLZ 29.11.) gratuliert den U19-Weltemsiterinnen: „Das Teamwork ist Silvia Neids Verdienst, die Qualität dagegen hat viele Ursachen: Ausbildung, Förderung, Sichtung und eine große Konkurrenz. Anders als andere Teams hat sich die Auswahl nicht Monate lang vorbereiten können. Ein Nachteil, in dem ein Vorteil steckt. Fast alle Fußballerinnen gehören zum Stamm in ihren Bundesligaklubs und mussten sich noch vor der Abreise im Alltag beweisen. „Das ist im Nachhinein natürlich ein Gütesiegel für unsere Bundesliga“, sagt Neid, die durch diesen Erfolg nun erst recht als mögliche Nachfolgerin von Tina Theune-Meyer gilt. Die beste Nachwuchsarbeit machen der FCR Duisburg sowie der deutsche Meister Turbine Potsdam.“

Bundesliga

Neudi und Eitelkeit, ehrlich, aber nicht klug

Die Spiele des 15. Bundesliga-Spieltags: „Die Show in München dauerte bis zur letzten Minute“ (SZ) – „Neid und Eitelkeit in Wolfsburg“ (SZ) – Bert van Marwijks harter Rüffel für seine Spieler, „ehrlich, aber nicht besonders klug“ (FAZ) – „Der Unterschied zwischen Freiburg und Kaiserslautern könnte größer nicht sein“ (FAZ) – „Simulierter Trainerwechsel“ (taz) in Bochum – Rostock, die „Tasmanier der Neuzeit“ (SZ)

………….

Bayern München-FSV Mainz 4:2

Die Show dauerte bis zur letzten Minute

Philipp Selldorf (SZ 29.11.) applaudiert: „Münchner Hochgeschwindigkeitsbetrieb herrscht auf dem ganzen Platz: Hinten, wo Lúcio aufräumt wie Bud Spencer; im Zentrum, wo Ballack die Bälle verteilt und den Aufbau des Gegners blockiert; auf den Flügeln, im Angriff, wo Pizarro und Makaay kreiseln. Das Besondere daran: Die Show dauerte bis zur letzten Minute, wie schon gegen Tel Aviv. Wie die Münchner ihr forderndes und offensives Spiel in der zweiten Hälfte fortsetzten, anstatt wie üblich die Führung zu verwalten, das hatte etwas Mitreißendes.“

Höchsten Unterhaltungswert

Elisabeth Schlammerl (FAZ 29.11.) auch: „Daß die Partie höchsten Unterhaltungswert hatte, lag nicht nur an den stürmischen Bayern, sondern auch an Mainz, das auch in München zumindest phasenweise seinen offensiven Stil pflegte, dadurch dem Gegner einerseits viel Raum zur Entfaltung ließ, andererseits am Ende zu zwei Treffern kam. Die Bayern haben ihr Manko der ersten drei Monate, die wenigsten Chancen der gesamten Bundesliga herauszuspielen, auch ohne das Mainzer Entgegenkommen längst behoben.“

VfL Wolfsburg-Hertha BSC Berlin 2:3

Geschichte

Michael Reinsch (FAZ 29.11.) vermutet, dass die Wolfsburger nicht mehr nach oben finden: „Die Zeit, als der VfL die Tabelle anführte, ist erst seit zwei Wochen beendet, aber scheint doch schon Geschichte zu sein. Wie leicht eine Mannschaft aus dem Gleichgewicht geraten kann, haben die Wolfsburger bewiesen, obwohl sie couragiert aufspielten.“

Echte Perspektive nach unten

Peter Unfried (taz 29.11.) vermutet, dass die Wolfsburger nach unten fallen: „Der VfL Wolfsburg hat zwar seit gestern mit Thomas Strunz einen neuen für Fußball verantwortlichen Geschäftsführer; aber auch zum ersten Mal seit September den Champions-League-Platz verloren. Und dafür eine echte Perspektive nach unten. Vordergründig ist die überwunden geglaubte Fehleranfälligkeit der Defensive Grund für die zweite Heimniederlage. Dahinter steht die fehlende Tiefe des Kaders. Und der starke Verdacht, dass im Gegensatz zur Hertha in Erik Gerets’ Team die Balance zwischen dem angestrebten Kollektivfußball und der Nutzung des dortigen exzeptionellen Starfußballers Andres d’Alessandro nicht stimmt.“

Neid und Eitelkeit

Javier Cáceres (SZ 29.11.) wundert sich über die Aussagen des zutiefst beleidigten Thomas Brdaric: „Die Gefahr ist, dass sich die Spirale viel weiter nach unten dreht, als es mancher nach dem besten Saisonstart der Vereinsgeschichte vermutet hatte. Immer deutlicher tritt zutage, dass die atmosphärischen Reibungsverluste durch Neid und Eitelkeiten im Team enorm sind. Thomas Brdaric empfand seine anfängliche Rolle als Reservist als „einen Tiefschlag“ – also als eine unzulässige und unfaire Handlung, die ihn deshalb überrascht habe, weil er geglaubt hatte, dass „alles gestimmt hat, mit mir, meiner Person und dem VfL Wolfsburg“, und er und/oder seine Person „das ganze Jahr auf so einem hohen Level gespielt und alles mitgemacht habe, Europameisterschaft und Asienreise“ (obwohl die ja erst noch stattfindet). Jammern wollte er natürlich nicht, er müsse sich aber schon überlegen, wie er sich in Zukunft verhalte. „Sicherlich weiß ich, dass man auch in gewisser Weise über Leichen gehen muss“, sagte Bradric. Näher erläuterte er dies nicht, allerdings erneuerte er seine Spitze gegen Spielmacher Andrés D’Alessandro: „Ich glaube nicht, dass ich ihn kritisiert habe, ich habe nur gesagt: Er hat jetzt zwei Wochen nicht gespielt und kann jetzt nicht kommen und sagen: ,So, ich bin jetzt da und alle anderen müssen gucken was los ist“.“ Bei den Argentiniern kam das nicht so gut an.“

Werder Bremen-Borussia Dortmund 2:0

Ehrlich, aber nicht besonders klug

Frank Heike (FAZ 29.11.) befasst sich kritisch mit den Aussagen der Trainer: „Bert van Marwijk sagte in ungewöhnlicher Offenheit: „Wenn man nur fünf Spieler hat, die den Erfolg wollen, kann man nicht gewinnen.“ Er legte die Namen der Besseren unter den Schlechten sogar vor: Weidenfeller, Wörns, Brzenska, Jensen und Kehl konnten den holländischen Trainer überzeugen (zumindest bei Kehl hatte er diese Meinung wohl exklusiv). Der Rest: durchgefallen. Die öffentliche Kritik an den tief gefallenen Champions von einst ist zwar ehrlich, aber nicht besonders klug, verursachen solche Schuldzuweisungen doch eher weitere Spaltungen eines Teams, in dem Mannschaftsgeist ohnehin nur mit der Lupe zu erkennen ist. (…) Seit einigen Wochen redet Schaaf die Leistung seiner Mannschaft aber schön. Das gefällt nicht jedem in Bremen. Von der ersten Minute an habe ihn sein Team überzeugt, sagte der Meistertrainer und übersah vermutlich mit Absicht Werders müde Anfangsphase voller Krampf und Ungenauigkeit.“

Auch Jan Christian Müller (FR 29.11.) beäugt den Rüffel seitens van Marwijk skeptisch: “Der Grad der Verzweiflung muss schon weit fortgeschritten sein, bevor ein Fußballlehrer zu derartigen Mitteln greift. Und es darf bezweifelt werden, ob es sinnvoll ist, eine Mannschaft derart offensichtlich in Gut und Böse aufzuteilen.“

Borussia Mönchengladbach-Hamburger SV 1:3

Ein Herz und eine Seele

Der Hamburger Trainerwechsel scheint nachhaltig zu wirken – Jörg Stratmann (FAZ 29.11.): „Wird die Branche der Fußballehrer überschätzt? Nicht wenige Eingeweihte glauben, daß gerade die erfolgreichsten Kräfte der Bundesliga nur eines sind: Animateure, die sich eine Zeitlang darauf verstehen, die hochbezahlten Kicker bei Laune zu halten. Für den Rest gibt es Fachleute unter den Assistenten. Das klingt ungerecht. Denn natürlich gehört wohl auch beim Chef die Fähigkeit dazu, ein Spiel zu lesen und die nötigen taktischen Voraussetzungen zu kennen und zu vermitteln. Aber wie anders als mit dem neuen Gute-Laune-Trainerkumpel Thomas Doll wäre zu erklären, daß dieselben Profis, die den Hamburger SV zu Saisonbeginn ans Tabellenende taumeln ließen, nun plötzlich so frisch, geordnet und als ein Herz und eine Seele auf Rang acht stürmten?“

1. FC Kaiserslautern-SC Freiburg 2:0

Der Unterschied zum 1. FC Kaiserslautern könnte größer nicht sein

Peter Heß (FAZ 29.11.) definiert den Gegensatz zweier Vereine und deren Strategie, Abstieg zu verhindern: “Der SC Freiburg steigt ab, und keinen regt es auf. 15 Jahre gelebte Vernunft durch Trainer Volker Finke, 15 Jahre unaufgeregtes Arrangieren mit der Realität haben ihre Wirkung im Breisgau hinterlassen. „Wir müssen unser Konzept erst in Frage stellen, wenn wir in der zweiten Liga auf Platz vier stehen.“ Diese Philosophie von Finke und Freiburg, im Kampf gegen die wirtschaftlich Übermächtigen die sportliche Niederlage und sogar den Abstieg zu akzeptieren, führt zu einer Ruhe im und um den Verein, die Borussia Dortmund und den 1. FC Kaiserslautern neidisch werden lassen. Andererseits erschwert es solch eine Atmosphäre den Profis, ihre Leistungsgrenzen zu überschreiten. Das 0:3 war eine typische Freiburger Vorstellung in dieser Saison: ehrlich bemüht, gepflegt kombiniert, aber in den entscheidenden Momenten nicht entschlossen genug gewehrt und gehandelt. Der Unterschied zum 1. FC Kaiserslautern könnte größer nicht sein – wo doch in der Pfalz die ganze Region trauerte, wenn die Fußballprofis nicht mehr erstklassig wären. Wo die Trainer nach wenigen Niederlagen verhöhnt werden und vom Rauswurf bedroht sind. Wo sich die Spieler nicht mehr auf die Straße trauen könnten, wenn sie tatsächlich abstiegen. Und mit einer entsprechenden Verbissenheit rackern denn auch die Rote Teufel genannten Pfälzer Buben.“

Der alte Sforza lebt noch

Martin Hägele (SZ 29.11.) staunt darüber, dass Carsten Jancker auch im FCK-Trikot Milde erfahre und dass Ciriaco Sforza noch immer ein wichtiger Spieler sei: „Die Entstehungsgeschichten einiger FCK-Tore, vor allem wenn Jancker daran beteiligt war, haben zuletzt immer mehr Gegner und neutrale Besucher an der Kompetenz der Bundesliga-Richter zweifeln lassen. Auf solchen Geschichten basierte einst der Mythos vom Betzenberg, als die Elf noch um Meisterschaften und Pokale spielte. Mittlerweile kämpft sie gegen den Rauswurf aus der Eliteklasse; es helfen nicht mehr nur die magischen Kräfte der Arena. Es braucht Personen, die Feuer schlagen und die Bewegung entfachen können. Sforza ist so ein Führer. Mit ihm nahm das Spiel der Lauterer sofort jene Form an, die sie hier lieben. Der Schweizer war noch keine zehn Minuten auf dem Platz, da beförderte er bei einem Bodycheck mit 20 Metern Anlauf seinen Landsmann Bruno Berner fast bis in die Vip-Zone. Ein Signal, das sagen sollte: Der alte Sforza lebt noch.“

VfL Bochum-1. FC Nürnberg 3:1

Simulierter Trainerwechsel

„Gegen Nürnberg bot Peter Neururer eine Mannschaft auf, die auch ein Nachfolger aufgestellt hätte. Der simulierte Trainerwechsel beim VfL war billiger und erfolgreich – er könnte Schule machen“, vermutet Christoph Schurian (taz 29.11.): „Wie ein Diskursanalytiker hatte Neururer zu Beginn der Trainingswoche seine Spieler befragt: Was ein Trainerwechsel bringe? Die Profis antworteten wie bestellt: Ersatzspieler würden sich reinhängen, auch Stammspieler müssten sich erneut beweisen. Neururer klatschte in die Hände und rief „Klasse, so machen wir es!“ – mit einem Unterschied: Der Trainer bleibt.“

Gruppenphasenteilnehmer der Herzen

Auf kanzlerfussball.de lesen wir: „Tanzen wollte der Neururer noch nicht, wofür wir sehr dankbar sind. Aber der Gruppenphasenteilnehmer der Herzen zeigt zum ersten Mal in dieser Saison eine gute Leistung. Weiter so, VfL!“

Hansa Rostock-Bayer Leverkusen 0:2

Tasmanier der Neuzeit

Ronny Blaschke (SZ 29.11.) erstarrt: „Peinlich, blamabel, Gott sei mit ihnen: so ähnlich werden Rezessionen dieser Art kommentiert, schlimme Sonderfälle bedürfen eines schlimmes Vokabulars. Und so wurde Hansa mit einem historischen Schimpfwort bestraft: Die Rostocker sind die Tasmanier der Neuzeit, sie stellten den Rekord der Berliner von acht Niederlagen hintereinander aus der Saison 1965/66 ein. Man hatte diese Statistik am Boden der Bundesliga-Märchentruhe für sicher befunden; dass sie von dort hervorgekramt wurde, will in Rostock niemand glauben. Jörg Berger sagte: „Nach dem Unentschieden in Berlin verstehe ich die Welt nicht mehr. Das war eine tote Mannschaft, nach dem Motto: Angst frisst Seele.“ Er war fassungslos. Das Ostseestadion ist zu einem Museum der Ängste verkümmert. Das las man in jedem Gesicht, das hörte man an jeder Stimme.“

Bundesliga

Der Bundesliga stehen gehaltvolle Zeiten ins Haus

Peter Penders (FAZ 29.11.) glaubt an die Spannung der Liga: „Kaum hat es der Rekordmeister geschafft, seine nach 47 Spieltagen Abstinenz errungene Tabellenführung zu verteidigen, da beginnt schon das Wehklagen. Noch leise, aber vernehmbar: Wer soll bloß mit diesen tollen Münchnern mithalten, die daheim binnen einer Woche gegen Giganten der Auswärtsstärke wie den 1. FC Kaiserslautern und Maccabi Tel Aviv triumphierten und den Aufsteiger aus Mainz beherrscht haben? Genau so sollte man Hoeneß die Frage besser nicht stellen, aber der Bayern-Manager hat auch ungefragt verraten, wen die Münchner offenbar als potentiellen Gegner ausgemacht haben: den FC Schalke 04, und wenn es denn wirklich so kommen sollte, dann wird die Bundesliga alles, aber nicht langweilig. Hoeneß versus Assauer – da stehen der Bundesliga gehaltvolle Zeiten ins Haus.“

Standortnachteil

Zwei Absteiger stünden, laut Andreas Burkert (SZ 29.11.), so gut wie fest: “Man möchte Hansa Rostock und dem SC Freiburg schon jetzt alles Gute wünschen für den Neuanfang in der zweiten Klasse. Es muss niemanden überraschen, dass diese beiden den Anschluss und auch ihren Mut verloren haben. Denn Geld schießt zwar angeblich keine Tore, doch wer keines hat, man weiß das, der lebt doch irgendwie unruhig. Rostock und Freiburg haben in guten Zeiten damit geworben, wie großartig ihr Erfolg doch sei. Weil sie es ja jeweils ziemlich schwer haben, da oben in der strukturschwachen Ostseeregion oder eben dort unten im Schwarzwald. Standortnachteil heißt das im Wirtschaftsdeutsch.“

Leere Stadien, leere Kassen, leere Blicke bei den Managern

Matti Lieske (taz 29.11.) bemängelt die erneute Abwertung des Uefa-Cups durch die Absage der ARD: “Schon bisher lohnte sich der Uefa-Cup für die meisten Teams erst, wenn sie sehr weit kamen, ohne Fernsehen sieht es ganz finster aus. Leere Stadien, leere Kassen, leere Blicke bei den Managern. Wer clever ist, verabschiedet sich gleich in der ersten Runde und konzentriert sich darauf, einen der drei ersten Ränge in der Liga zu belegen, um das Einzige zu schaffen, was noch zählt, die Qualifikation für die Champions League. Die Sache hat nur einen kleinen Haken. Da der Uefa-Cup ja für die Länderwertung zählt, führt dortige Erfolglosigkeit dazu, dass der dritte Champions-League-Platz im Handumdrehen futsch ist und das Gedränge um die Fleischtöpfe noch größer wird.“

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