Samstag, 19. Juni 2004
Vermischtes
Fußball-Europa ist zusammengewachsen
„Fußball-Europa ist zusammengewachsen“ (FAS) – Anders Frisk, Hauptdarsteller u.v.m. (mehr …)
Allgemein
Tendenziell rotziges Selbstbewusstsein
„es gibt viele junge Fußballer, die man sieht und denkt, der könnte mal einer werden – und es gibt einige wenige wie Wayne Rooney, die man zum ersten Mal sieht und das nie vergisst“ (SZ) / „mit Robustheit, Entschlossenheit, Kampfkraft und einem tendenziell rotzigen Selbstbewusstsein ausgestattet, zeigt Rooney auf dem Spielfeld große Präsenz“ (taz) – „die Franzosen stecken in der Krise“ (SZ) – die Strategie von Portugals Trainer Felipe Scolari scheint endlich aufzugehen (BLZ) (mehr …)
Allgemein
Lesebuchgeschichten über Lenin
„die Letten sind keine kuriosen Freaks“ (SZ) / Fußball führte lange ein Schattendasein in Lettland (FAZ) – BLZ-Interview mit Thomas Rosicky / „die Tschechen strotzen vor dem Duell mit Holland vor Zuversicht“ (FAZ)- Hollands Nationaltrainer steht unter Beschuss der ganzen Nation (FR) u.v.m.
Der lettische Schriftsteller Pauls Bankovskis (FAZ/Feuilleton 19.6.) schildert seine Hinwendung zum Fußball: „Bisher bin ich kein großer Fußball-Fan gewesen. Genauso wie die meisten in Lettland. Als ich klein war, habe ich Lesebuchgeschichten über Lenin gelesen: In einer von ihnen begegnete er in Moskau im Hof des Kreml zerlumpten Kindern, die Fußball spielten. Als er sah, daß sie sich aus alten Lumpen selber einen Ball gebastelt hatten, besorgte ihnen Lenin in seiner Mildtätigkeit einen echten Lederball. Ein Proletariersport eben. Wenn ich in alten, in Schwarzweiß gedrehten Kinowochenschauen manchmal die schlammbespritzten Spieler in ihren wehenden, knielangen Shorts (ob die damals vielleicht Longshorts hießen?) sehe, ihre herb-schönen Gesichter voller Entschlossenheit, die Frisuren mit den ausrasierten Hinterköpfen und die Fans in Hut und Anzug, dann überkommt mich eine eigentümliche Wehmut. Wie beim Betrachten von etwas, das unwiederbringlich verloren und unerreichbar ist. Wie beim Betrachten von etwas wirklich Coolem. Denn eines ist sicher: Im Gegensatz zum Eishockey ist Fußball cool. Das weiß jeder, der die Mode der letzten Jahre mitgemacht und ein im Stil der Fifties gehaltenes Fußballershirt oder entsprechend designte Kickerschuhe erstanden hat. Der Eishockeykosmos trägt zur Mode bestenfalls ein formloses Schlabberhemd als Outfit-Scherflein bei, das zudem nur dann zum Tragen geeignet ist, wenn man sich ein Spiel anschauen geht. Dieses Hemd ist nämlich das Letzte. Als kleiner Staat mit einer kurzen Geschichte und einer langen Liste historischer Heimsuchungen befindet sich Lettland in einer ständigen Identitätskrise. Daraus resultiert der verzweifelte Wunsch, bemerkt und (an-)erkannt zu werden – und zugleich eine tiefe Kränkung, wenn jemand von außen einen wunden oder anderweitig unschönen Punkt bemerkt. Aber solche bruchstückhaften und oftmals kritischen oder unangenehmen Seitenblicke sind in gewissem Sinne ebenso unbedeutend wie alle Versuche, gezielt so etwas wie ein internationales Image Lettlands zu konstruieren: Denn meistens geht es dabei um Themen, Probleme und Ereignisse, die nur für einen ganz winzigen Teil der Weltbevölkerung von wesentlichem Belang sind. Wer ist schon besonders überrascht oder betroffen darüber, daß Lettland oder Luxemburg beim Eurovision Song Contest zum x-ten Male nicht gewonnen hat? Aber Fußball ist eben etwas vollkommen anderes. Wenn ich Schriftstellerkollegen aus (west-)europäischen Staaten treffe, dann wollen die doch nicht etwa über die lettische Gegenwartsliteratur mit mir plaudern! Sondern über Fußball. (…) Keine Ahnung, wie das heutige Spiel gegen Deutschland ausgehen wird. Aber im Unterschied zu den Spielen der lettischen Eishockeymannschaft gegen die russischen Champions wird es hier keinerlei politische Hintergedanken geben. Es geht vielmehr um das ewig eine: das Beste zu geben, was wir haben und können, und an einem gemeinsamen Erlebnis teilzuhaben, das unmittelbar und ohne Übersetzung für so viele Menschen verständlich ist. Und eines ist sicher: Wie auch immer das Ergebnis ausfällt, es wird ein Gewinn für unsere Mannschaft sein.“
Lettlands Fußball hat höchstens Amateur-Status. Peter Heß (FAZ 19.6.): „Starkovs ist der wortgewandte und intelligente Schöpfer des lettischen Fußballwunders. Der 49 Jahre alte Fußball-Lehrer prägt und führt ein Team, in dem bis jetzt kein Spieler die Aufmerksamkeit eines europäischen Spitzenklubs erregt hat und das dennoch in Portugal dabei ist. Disziplin, Mannschaftsgeist, Verteidigungsgeschick und die Tore von Maris Verpakovskis haben die Letten in die Endrunde gebracht. Auf mehr, auf das Viertelfinale, hofft niemand, aber alle hoffen auf bessere Verträge bei besseren Klubs, das macht die Außenseiter so gefährlich. Lettland ist ein Wunderland des Sports, das gilt nicht nur für den Fußball. In der ehemaligen Teilrepublik der Sowjetunion leben nur 2,3 Millionen Menschen, aber die Balten zählen im Basketball und im Eishockey zur Weltklasse, halten im Handball und Volleyball auf höherem europäischen Niveau durchaus mit. Mit Stolz erfüllt sie auch Kristers Sergis, der fünfmalige Seitenwagen-Weltmeister im Moto-Cross. Fußball dagegen führte lange ein Schattendasein in Lettland. 1961 stieg der letzte lettische Klub aus der ersten sowjetischen Liga ab. Die mit der Unabhängigkeit 1991 gegründete lettische Nationalliga rief wenig Interesse beim Publikum hervor. Noch heute schauen sich nicht mehr als 2000 Zuschauer ein Spitzenspiel der Achter-Liga an, wenn sie dafür Eintritt zahlen müssen. Werden Freikarten verteilt, sind es immerhin bis zu 5000. Früher fühlten sich noch weniger Besucher vom Fußball animiert. Seit etwa sechs Jahren tragen die Investitionen des Verbandspräsidenten Guntis Indriksons Früchte. Der Milliardär kehrte vor 13 Jahren aus den Vereinigten Staaten in seine Heimat zurück und machte es sich zur Aufgabe, den Fußball nach oben zu bringen. Er gründete den heute führenden Klub Skonto Riga, gab viel Geld aus für die Entwicklung moderner Strukturen und die Jugendarbeit. Das Niveau der Spieler stieg so weit, daß einige Angebote aus dem Ausland bekamen, meistens aus Rußland. Andrejs Stolcers und Marians Pahars wurden gar von englischen Klubs verpflichtet, freilich von keinem der berühmten. Von ihren professionellen Erfahrungen beim FC Fulham und FC Southampton profitiert die lettische Nationalmannschaft dennoch. Die in der EM-Qualifikation bezwungenen Gegner lesen sich zudem nicht schlecht: Schweden, Polen, Ungarn und die Türkei.“
Sie sind keine kuriosen Freaks
Christoph Biermann (SZ 19.6.) findet die Letten erfrischend exotisch: „Es ist heiß im Zelt vor dem Stadion Municipal in Anadia. So saunaheiß, dass man jeden Moment darauf wartet, jemand kommt herein und macht den nächsten Aufguss. Mit Überfüllung hat die Hitze im Pressezelt nichts zu tun, denn gerade mal anderthalb Dutzend Journalisten haben auf den Polsterstühlen Platz genommen. Nils Kalns, der Sprecher des lettischen Fußballverbandes, macht seine Übersetzungen der Statements auf dem Podium am Mikrofon vorbei. In der fünften Reihe kann man ihn schon nicht mehr hören, aber da sitzt auch niemand. Ganz vorne versteht man ihn ebenfalls kaum, weil der Motor des Mannschaftsbusses ungeduldig durch die Zeltwand brummt. Gleich soll es ins Hotel zurückgehen, aber die demonstrative Eile kopiert die Aufregungen großer Teams eher, als dass man sie glauben würde. (…) In einer Zeit, wo aktuellem Neusprech zufolge immer irgendeiner irgendwo „angekommen ist“, muss man feststellen: Die Letten sind bei der EM angekommen. Das Bedürfnis des Publikums nach Exotik möchten sie – Außenseiter hin, Außenseiter her – nicht befriedigen. Immerhin haben sie verloren, und das wollen sie gegen Deutschland nicht. Schon gar nicht möchten sie das Gegenstück zu dem abgeben, was jamaikanische Bobfahrer sind oder arabische Teams, von echten Scheichs aus der VIP-Loge angefeuert. Sie sind keine kuriosen Freaks, wenn auch ihre Namen einen rätseln lassen, wie man den Zusammenhang zwischen geschriebener Sprache und gesprochenem Wort hinbekommt: P-R-O-H-E-R- E-N-K-O-V-S, B-L-A-G-O-N-A-D-E- Z-D-N-I-S. Und dann sind sie schneller vor Kahns Tor, als man V-E-R-P-A- K- O- S-K-I-S gesagt hat.“
BLZ-Interview mit(19.6.) Thomas Rosicky
BLZ: So glücklich wie im Kreis der Landsleute hat man Sie lange nicht gesehen. Ist die EM nach der chaotischen Saison bei Borussia Dortmund eine willkommene Abwechslung?
TR: Wir hatten fast nie Ruhe, es hat immer etwas gestört, das war schwierig. Es stimmt: Hier zu sein, ist eine Erleichterung für mich. Ich genieße die Zeit im Nationalteam.
BLZ: Ein paar der Vereinskollegen werden Sie kommende Woche wieder sehen. Die Partie gegen Deutschland muss eine besondere für Sie sein.
TR: Das kommt darauf an, was am Sonnabend passiert. Wenn wir Holland schlagen, sind wir durch. Dann könnte das für uns ein Freundschaftsspiel werden. Aber die Niederländer sind stark. Gut möglich, dass bis zuletzt alles offen bleibt. Das könnte spannend werden.
BLZ: Vielleicht entscheidet am Ende die Tordifferenz. Haben Sie vor dem Spiel gegen Lettland daran gedacht?
TR: Kann sein, aber gegen die Letten werden sich auch die Deutschen schwer tun. Die sind wie eine Mauer, die sich vor dir aufbaut. Und gelingt dir kein schnelles Tor, kommt die Nervosität hinzu. Gegen diese Mannschaft gewinnt man nicht mal eben im Vorbeigehen 3:0 oder 4:0.
Die Tschechen strotzen vor Zuversicht
Thomas Klemm (FAZ 19.6.) hört sich im tschechischen Lager um: „Der unweit von Lissabon gelegene Ort Sintra, wo Brückner und sein Aufgebot während der EM residieren, ist für sein besonderes Mikroklima bekannt. An den Hängen blühen exotische Pflanzen, und auf dem Rasenplatz gedeiht das Selbstbewußtsein. „Die Stimmung ist sehr gut“, behauptet Tomas Ujfalusi vom Hamburger SV überschwenglich, „daß wir gegen Lettland das Spiel gedreht haben, zeigt unser Selbstvertrauen.“ Nur vorübergehend ließen sich selbst jene Stars wie Pavel Nedved und Karel Poborsky, die bei der EM 1996 der deutschen Auswahl im Finale unterlagen, von dem lettischen Abwehrbollwerk und den gefährlichen Gegenstößen erschüttern, drehten das Spiel nach einem 0:1-Rückstand binnen acht Minuten und wendeten wieder alles zum Guten. „Das schaffen nur große Mannschaften“, sagte der kleine Rosicky, der ebenso wie seine Nebenleute nur so strotzt vor Zuversicht. Vor allem sein Dortmunder Vereinskollege Jan Koller spekuliert nach dem „schwersten Spiel bei der Euro“ darauf, seine alte Treffsicherheit gegen die Niederlande aufs neue zu beweisen. In den beiden Qualifikationsspielen erzielte er zwei der vier Tore. Das dicke Knie von Verteidiger René Bolf und die geschwollene Speicheldrüse von Abwehrspieler Zdenek Grygera sind derzeit die einzigen Probleme, an denen die Tschechen zu leiden scheinen. Auch ihren Status als Geheimfavorit empfindet die Auswahl offenbar nicht als Bürde, wiewohl sich Trainer und Mannschaft vor ihrer zweiten Reise nach Aveiro geheimnisvoller gaben, als es ihr extrovertiertes Auftreten vermuten ließ. Nicht einmal ein Beobachter der Europäischen Fußball-Union durfte am Donnerstag auf das Trainingsgelände, weil sich der bisher einzige Sieger in der Gruppe D mit neuen Varianten auf die dritte Begegnung mit den Niederlanden binnen 15 Monaten vorbereiten wollte.“
Von Johan Cruyff und Louis van Gaal über Franz Beckenbauer bis hin zu Frau Antje gefällt sich jeder im fröhlichen „Bondscoach-Bashing“
Beobachtungen der FR (19.6.): „In den diesen Tagen hat der Mann wieder kämpfen müssen, und wie. Er hat gekratzt, gehalten und gebissen, hat die Ellenbogen ausgefahren und Gras gefressen, nimmermüd und ohn‘ Unterlass. Am Ende war er in Schweiß gebadet, und selbst Edgar Davids, der ewige Rackerer und Ackerer, den sie mal „Pitbull“ nennen und mal „Piranha“, hätte den Hut ziehen müssen, wenn er gesehen hätte, wie sich der Mann engagierte. Doch die Niederlande hat keinen neuen Spieler fürs defensive Mittelfeld erhalten, wer da kämpfte und verteidigte war Dick Advocaat, in eigener Sache. Advocaat ist Trainer der niederländischen Auswahl, die so schwer in dieses Turnier findet, und wenn es nach den ganzen Großkritikern und „Gurus“ (Rudi Völler) ginge, auch der Alleinschuldige der momentane Krise der Elftal genanten Mannschaft. Von Johan Cruyff und Louis van Gaal über Franz Beckenbauer bis hin zu Frau Antje gefällt sich jeder im fröhlichen „Bondscoach-Bashing“. Derweil hat sich nahezu die komplette niederländische Presse auf Advocaat eingeschossen, und dies hatten sie ihn auch verbal spüren lassen. (…) Auch die interne Kritik reißt derweil nicht ab. Torwart Edwin van der Saar bezeichnete den Kader als „schlechter als die Mannschaften von 1998 und 2000″. Und auch Advocaat nimmt zum eigenen Schutz kein Blatt mehr über die Qualität seine Akteure vor den Mund: „Ich hoffe, dass ihre Nervosität langsam nachlässt.““
Deutsche Elf
VIP-Training und ein Viertel-Lette Kahn
„ob nun ein ganzer, halber oder auch nur ein viertel Lette in Kahn steckt: Oma Erika tippt unbeirrt auf 3:0 für Deutschland“ (FAZ) – SZ-Interview mit Bastian Schweinsteiger – „Alle Welt fragt sich seit Jahrzehnten vergeblich: Wie wird man eine Turniermannschaft?“ (FAZ) – „in der Nationalmannschaft, unter der sanften Obhut von Rudi Völler, befindet sich Fredi Bobic auf seiner letzten großen Abenteuertour“ (FR) – „vielleicht mag Oliver Kahn seinen Opa gar nicht leidend dann kann er das Spiel notfalls auch alleine gewinnen“ (FTD) u. v. m.
Kam gegen Brasilien, Real Madrid oder Werder Bremen vielleicht der Lette im Bayern-Torwart durch?
Michael Horeni (FAZ 19.6.) nimmt die Ahnenforschung auf die Schippe: „Deutschland gegen Lettland, ein Spiel, das keine Großmutter hinter dem Ofen hervorlockt? Erika Kahn, 1922 in Lettland unter ihrem Mädchennamen Alksnis geboren, ist 82 Jahre später bei der Fußball-Europameisterschaft jedenfalls eine gefragte Gesprächspartnerin. Ihr Enkel heißt Oliver Kahn, und damit ist der deutscheste aller deutschen Torhüter zwar noch kein durch und durch „lettischer Bursche“, wie ihn die Zeitungen des baltischen Landes schon freundlich eingemeinden. Aber ob nun ein ganzer, halber oder auch nur ein viertel Lette in Kahn steckt: Oma Erika tippt unbeirrt auf 3:0 für Deutschland. Abgesehen davon, daß Omas ihren Enkeln immer lieber die Daumen drücken als mit staatsbürgerlichem Ernst auf ihre Herkunft pochen, bleibt natürlich die Frage, warum der deutsche Sportjournalismus die Kahnsche Ahnenforschung nicht schon früher betrieben hat. Bewegende Fragen erscheinen nun in einem ganz anderen baltischen Licht: Kahns Fehler gegen Brasilien, Real Madrid oder Werder Bremen: Kam da vielleicht schon der Lette im Bayern-Torwart durch? (…) Wo ist die Nationalelf eines Landes, das mit Mühe ein Einwanderungsgesetz zustande bekommt, eigentlich noch so richtig deutsch? Bei Kuranyi vielleicht, dem in Rio de Janeiro geborenen Stürmer? Bei Angriffskollege Klose, der in Polen zur Welt kam? Oder beim dritten Stürmer Bobic, geboren in Maribor in Slowenien? Wer will angesichts dieser Vergangenheit noch ernsthaft von einer deutschen Stürmerkrise sprechen? Und wenn bei der EM trotzdem alles gutgeht, wo feiern die Deutschen dann den Titel: Natürlich auf dem Römer!“
VIP-Training
Jan Christian Müller (FR 19.6.) sieht in Fredi Bobic ein Stürmer-Auslaufmodell: „Es spricht viel dafür, dass der sprunghafte Schwabe mit dem übersichtlichen Aktionsradius zusammen mit dem viel weiträumiger und flexibler agierenden Kevin Kuranyi das deutsche Sturmduo bilden wird. So, wie es die beiden erfolgreich auch schon in den beiden entscheidenden Qualifikationsspielen gegen Schottland und Island getan haben. „Gegen Lettland“, sagt Bobic, „wird viel im Strafraum passieren. Da fühle ich mich wohl. Das ist mein Spiel.“ Eine Art von Spiel also, wie sie der 36-fache Nationalspieler (zehn Treffer), der bei der EM 1996 zu drei Einsätzen kam, 1998, 2000 und 2002 jedoch nicht zum Kader gehörte, in der abgelaufenen Bundesligasaison mit Hertha BSC kaum einmal erleben durfte. Als Mann mit Torinstinkt und Siegermentalität geholt, enttäuschte Bobic in Berlin in der einen wie der anderen Hinsicht. (…) Und wie bei Hannover 96, wo Bobic, abgeschoben von Borussia Dortmund, zurück ins Rampenlicht fand. Sie brauchten ihn in Hannover, aber sie liebten ihn nicht. Zu sehr gerierte sich der Exzentriker vor Fernsehkameras als erfolgsbesessener Führungsspieler, derweil er das Training häufig wegen diverser Wehwehchen und regelmäßiger Familienheimfahrten ins Schwabenland erst in der zweiten Wochenhälfte aufnahm. „VIP-Training“ nannten die Kollegen an der Leine das Sparprogramm ihres Mittelstürmers in einer Mischung aus Neid und Ironie. Aber Fredi Bobic, von schweren Schulterverletzungen in seiner Karriere zweimal weit zurückgeworfen, wusste, was er tat. Sein Körper lässt ständige Höchstbelastung nicht zu. Nur kannten die Zuchtmeister Stevens und Meyer nach dem Wechsel zur Hertha, anders als zuvor in Hannover Ralf Rangnick, keine Gnade. Bobic hat „die Schnauze gehalten“ und erst ganz am Ende der Saison wieder regelmäßig spielen dürfen. „Ich habe mich durchgebissen. Das hat man in Berlin absolut anerkannt“, formuliert er inzwischen kühn. Die Zukunft aber gehört anderen, die jünger, schneller, kräftiger sind. Typen, die nach vorn Hochgeschwindigkeitsfußball spielen, nach hinten im Akkord arbeiten und Schiedsrichterentscheidungen klaglos akzeptieren. Fredi Bobic ist ein Relikt aus der Zeit, als ein Stürmer nur an Toren gemessen wurde, nicht am Gruppenverhalten im Rückwärtsgang. In der Nationalmannschaft, unter der sanften Obhut von Rudi Völler, befindet sich der älteste Feldspieler im Kader auf seiner letzten großen Abenteuertour.“
Das ist ein Gegner, der uns nicht so liegt
Ludger Schulze (SZ 19.6.) hat Respekt vor den angriffslustigen, lettischen Igeln: „Kurt Langenbein, August Lenz und Herbert Panse. Ist ein Weilchen her, dass die drei Fußballer vom VfR Mannheim, Borussia Dortmund und dem Eimsbütteler TV ihre Tore zum 3:0 gegen Lettland schossen, am 13. Oktober 1935, aber: gutes Vorbild. Achtundsechzigeinhalb Jahre danach wäre das ein glanzvolles Resultat für ihre Nachfolger im schwarz-weißen Trikot der Nationalmannschaft, das denen eine kommode Position für das letzte Spiel der Europameisterschafts-Vorrundengruppe D gegen Tschechien einrichten würde. Jedes Ergebnis mit mehr als einem Tor Differenz hätte zur Konsequenz, dass gegen die Nedveds, Kollers und Rosicky bereits ein Unentschieden ausreicht, um das Ufer des Viertelfinals zu erreichen. Derlei Spekulationen und Rechenkunststückchen jedoch sind vom DFB-Teamchef Rudi Völler vor der heutigen Partie gegen die Letten in Porto unter Strafe gestellt worden. Aber den Tenor, den sein Kollege Michael Skibbe angestimmt hat, teilt Völler natürlich: „Wir werden das Spiel auf jeden Fall gewinnen.“ Dieses Selbstbewusstsein führt jedoch nicht dazu, das Aufeinandertreffen als intensivierte Trainingseinheit zu betrachten. „Das ist ein Gegner, der uns nicht so liegt“, sagt Skibbe, und die Erfahrung lehrt, dass er damit Recht behält. Lettland rekrutiert seine Besten aus lediglich 8000 Fußballern unter 2,3 Millionen Einwohnern, was im Vergleich zu den 6,3 Millionen Mitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes eine verschwindende Größe darstellt. Diese Minderzahl hat eine trotzig-sperrige Verteidigungshaltung hervorgerufen, die ihre Entsprechung im Tierreich beim Igel findet. Aber auch der kann, sobald er die Möglichkeit wittert, blitzschnell seine Beute packen. „Die Letten haben hervorragende Konterspieler“, wirft Völler in die Debatte, „die Nummer 9, Verpakovskis, hat sie im Alleingang zur EM geschossen.“ Unter anderem in der Relegation gegen die Türkei (1:0/2:2), als der Mann von Dynamo Kiew die entscheidenden Tore erzielte. Diesen Torjäger zu blockieren, anderseits die eigenen Angriffsbemühungen im Vergleich zum Holland-Spiel (1:1) zu verstärken, ist das Ziel der Deutschen: kontrollierte Offensive.“
Tagesspiegel-Interview (19.6.) mit Christian Wörns
Tsp: Herr Wörns, wie fühlt sich denn Ihr holländischer Kollege Ruud van Nistelrooy an?
CW: Hmm, ich erinnere mich an kein besonders schönes Gefühl. Ich habe bei dieser Szene, auf die Sie anspielen, förmlich an ihm geklebt, er hat den Ball trotzdem zum 1:1 ins Tor bekommen. Alles ging wahnsinnig schnell. Nach dem Spiel hat er mich umarmt. Das passiert selten. Ich glaube, wir haben uns schätzen gelernt.
Tsp: Gehen Sie schon mal in Interaktion mit Ihrem Gegenspieler, um herauszufinden, wie er drauf ist oder was er in bestimmten Momenten vorhat?
CW: Bei Klassestürmern wie van Nistelrooy ist das zwecklos. Die sind permanent gefährlich, die können in jeder Situation ein Tor schießen.
Tsp: Wie lautet Ihre persönliche Rangliste der Topstürmer, beginnend mit dem besten?
CW: Der Franzose Henry ist der beste, weil er der schnellste ist. Wenn er mit dem Ball auf dich zuläuft und dribbelt, hast du im Prinzip keine Chance. Danach kommen Ronaldo, weil er eiskalt vor dem Tor ist, und van Nistelrooy. Und mit etwas Abstand der Spanier Raul. Gegen die habe ich alle schon gespielt.
Tsp: Aber noch nicht gegen Maris Verpakovskis – ein lettischer Stürmer mit kompliziertem Namen und schnellem Antritt.
CW: Ich habe von ihm einige Szenen gesehen, zum Beispiel wie er das Siegtor in den Play-offs gegen die Türken geschossen hat. Ja, er ist schnell. Aber heute werden die Stürmer ja danach ausgesucht. Wenn sie dann noch ein bisschen Technik haben, werden sie was. Ein Abwehrspieler hat es schwerer.
Tsp: Warum?
CW: Du kannst nicht agieren, immer nur reagieren. Ein Mittelfeldspieler kann während der 90 Minuten auch mal ein Päuschen machen, er hat mehr Platz, und wenn der Ball verloren geht, stehen hinten ja noch welche. Und ein Stürmer verlässt sich auf sein Potenzial und wartet auf die eine Gelegenheit, um sein Tor zu machen oder wenigstens die Vorlage zu geben. Als Abwehrspieler aber musst du immer zu 100 Prozent konzentriert sein.
Was gibt es Neues von Michael Ballack, Michael Jahn? (BLZ 19.6.): „Der FC Barcelona, das ist seit Wochen bekannt, buhlt heftig und „sehr ernsthaft und seriös“ (Ballack-Berater Michael Becker) um den eleganten Mittelfeldmann. Die Katalanen sollen erst zehn Millionen, später 15 Millionen Euro geboten haben. Dass Beckenbauer nun Fantasiesummen aufruft, ist aber mehr als nur eine täglich wechselnde Meinungsäußerung. Man kann davon ausgehen, dass sich dahinter eine Strategie verbirgt: eine Strategie der Abschreckung. Stopp, Barça, soll das heißen, du hast keine Chance, wir wollen unseren Ballack gar nicht verkaufen. Allerdings haben sich die Begehrlichkeiten des populären Klubs aus Katalonien nach dem ersten Auftritt von Ballack während dieser Euro nicht etwa verändert. Im Gegenteil, sie sind nur noch größer geworden. Nach dem 1:1 gegen Holland wurde Ballack zum „Player of the Match“ gekürt; nicht zu Unrecht, da er hinter der einzigen Spitze Kevin Kuranyi so etwas wie einen zusätzlichen halben Angreifer gab und nebenher mit Wucht und Dynamik das deutsche Spiel anschob. (…) Es wird wahrscheinlich ein Michael-Ballack-Spiel gegen Lettland. Er wird zeigen müssen, dass er nicht nur den Widerstand organisieren kann wie gegen die Oranjes. Er wird das Spiel machen müssen, und das auch noch in der portugiesischen Spätnachmittagshitze. Wer Ballack in Portugal erlebt, traut ihm das zu. Die zahllosen negativen Schlagzeilen, die den Schlaks mit dem Charisma eines gereiften Sonnyboys fast die gesamte Bundesligasaison über begleitet haben, wirken hier weit weg. In Deutschland musste er immer wieder gegen das Klischee antreten, zwar ein gelegentlich genialer, oft aber schludriger Nationalspieler zu sein, der zudem im Verein viel zu selten sein Potenzial abrufen könne. Zudem belastete ihn die bizarre Diskussion, ob er nun eine Nummer 10 oder eine Nummer 6 sei. Bayern-Manager Uli Hoeneß höchstselbst hatte diese Debatte öffentlich geführt und sicher auch dazu beigetragen, dass Ballacks Affinität zu seinem Verein, bei dem er noch bis zum Jahr 2006 unter Vertrag steht, durchaus gelitten hat.“
Gregor Derichs (FAZ 19.6.) ist gespannt, wie viele Stürmer Rudi Völler gegen Lettland bringt: „Das Wörtchen „topfit“ ist in diesen Tagen eine der Lieblingsvokabeln von Rudi Völler, dem Teamchef des DFBs. „Topfit“ seien die 23 Nationalspieler, hebt Völler immer wieder hervor, und das sei die wichtigste Voraussetzung, auch die zweite Prüfung bei der Europameisterschaft an diesem späten Samstagnachmittag in Porto gegen Lettland zu bestehen. Doch vor der Abreise aus dem Teamquartier in Almancil an der Algarve machte Völler doch eine kleine Einschränkung. Abwehrspieler Jens Nowotny habe am Vortag wegen einer Knieprellung, die er sich durch den Tritt eines Gegenspielers beim 1:1 gegen die Niederlande zugezogen hatte, nicht trainiert. Er könne erst nach der Ankunft in Porto entscheiden, ob der Leverkusener bedenkenlos eingesetzt werden könne. (…) Neu ins Team rückt – für Nowotny oder Baumann – ein zweiter Stürmer. Fredi Bobic rechnet fest mit seiner Nominierung als zweite Spitze neben Kevin Kuranyi. „Meine Chance, daß ich von Anfang dabei bin, ist sehr groß“, sagte der Angreifer von Hertha BSC. „Nachdem ich schon ein paar Minuten gegen die Niederlande gespielt habe, ist mein EM-Feeling da“, versicherte der Berliner. Völler wollte indes nicht eindeutig bestätigen, daß Bobic in der Anfangsformation sein werde „Alle vier Stürmer sind in einer sehr guten Verfassung“, sagte er. Neben Bobic sind also auch Miroslav Klose, Thomas Brdaric und Lukas Podolski topfit.“
Ein Bottich mit 40 Litern eines Spezialdrinks aus Wasser, zugefügten Spurenelementen, Kohlehydraten und Mineralien
Wasser marsch, Gregor Derichs! (FAZ 19.6.): „Beim Training in der prallen Sonne bei Temperaturen von 36 Grad im Schatten stand eine ungewöhnliche Schulung an. „Bei der Hitze muß man regelmäßig trinken, das haben wir im Training geübt“, berichtete Rudi Völler, der Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes. Kritischer Beobachter beim Drill, die am Spielfeldrand präparierten Flaschen zügig zu leeren, war Tim Meyer. Der Internist und Sportwissenschaftler der Universität Saarbrücken hat den Nationalspielern und dem Trainerstab die Erfolgsdevise für das zweite Europameisterschaftsspiel gegen Lettland eindringlich zu verstehen gegeben: „Trinken, trinken, trinken.“ Nur wer trinkt, kann in der Partie, die an diesem Samstagnachmittag um 17 Uhr Ortszeit im Bessa-Stadion in Porto angepfiffen wird, siegen. (…) Das erste EM-Spiel in Porto fand in den Abendstunden statt. Zudem spendete das Dach des Dragao-Stadions ausreichend Schatten. In der Partie gegen die Letten wird die Sonne ungehindert ins Stadion scheinen. Teamarzt Meyer hat sich generalstabsmäßig vorbereitet, um den Flüssigkeitshaushalt der Spieler in Ordnung zu halten. Für das Spiel mischt er einen Bottich mit 40 Litern eines Spezialdrinks aus Wasser und zugefügten Spurenelementen, Kohlehydraten und Mineralien an. Sehr wichtig sei es, daß die Spieler sofort nach dem Abpfiff wieder ausreichend ihre „Akkus“ mit Flüssigkeit und Kohlehydraten auffüllten, sagte Meyer. An den „Tropf“ für intravenöse Behandlungen kämen die Spieler nur, wenn ein Hitzekollaps oder Kreislaufprobleme festgestellt würden.“
SZ-Interview (19.6.) mit Bastian Schweinsteiger
SZ: Sie haben Bernd Schneider ersetzt. Was hat Rudi Völler von Ihnen verlangt?
BS: Er meinte, ich soll die Standardsituationen übernehmen und sonst wie immer spielen. Ein bisschen den Ball halten und vorn drauf gehen.
SZ: Dann haben Sie ein paar schöne Dribblings gewagt – und ein paar Mal in der Abwehrhälfte den Ball verloren. Rudi Völler meinte, Sie sollten Ihre Unbekümmertheit demnächst lieber in der gegnerischen Hälfte ausleben.
BS: Ich sag“ mal so: Wenn man reinkommt und was bewegen will, dann riskiert man ab und zu was, irgendeine Aktion, ein bisschen mehr halt als sonst. Und dann machst du halt mal einen Fehler, der eigentlich nicht passieren darf. Einmal bin ich weggerutscht, mitten in unserer Hälfte – normalerweise passiert mir so was nicht, aber in diesem Spiel natürlich schon. Da ärgert man sich umso mehr – aber wenn ich den Ball reingemacht hätte bei meiner Chance, dann hätte darüber keiner mehr geredet.
SZ: Verunsichert Sie so ein Fehler?
BS: Wieso? Fehler gehören dazu, und aus Fehlern muss man lernen. So schnell wie möglich. Und wenn man dann den nächsten Ball wieder mit breiter Brust annimmt und einen guten Pass spielt, dann vergisst man auch, was man gerade falsch gemacht hat. Aber ich steh“ auch zu den Fehlern – und es waren ja nicht tausend, sondern zwei oder drei.
SZ: Sie sind 19 Jahre alt, aber man hat den Eindruck, dass Sie eigentlich nie richtig nervös werden.
BS: Nervös wäre ich, wenn ich Skispringer sein müsste. Oder wenn ich beim Skifahren an diesem Hang in Garmisch-Partenkirchen neben der Sprungschanze stehe. Wenn du da von oben runter schaust, das ist so steil – und ich flieg“ nicht gern auf den Brettern. In meinem privaten Leben kann ich auch nervös werden, aber auf dem Fußballplatz eigentlich nicht mehr. Einmal war ich’s, bei meinem ersten Spiel mit Bayern München, gegen Lens in der Champions League (vor eineinhalb Jahren, die Red.). Ich versuch“ hier, gut Fußball zu spielen, wie bei den Bayern – da ist kein großer Unterschied.
SZ: Hat Ihnen bei Ihrer Karriere in die Nationalmannschaft geholfen, dass Sie mit den Bayern so ein gutes Spiel bei Real Madrid geschafft haben?
BS: Danach kamen zwar viele Leute zu mir und haben gesagt: super, gut gemacht. Aber wir haben verloren. Vielleicht habe ich „ne ordentliche Partie geliefert, aber man kann doch nie zufrieden sein, wenn man Unentschieden spielt oder verliert. Da verzichte ich lieber auf ’ne gute Partie und gewinne dafür. Das ist jedenfalls meine Einstellung.
Die Holländer sprechen schon anerkennend von „der Mannschaft“
Wie entsteht eigentlich eine Turnier-Mannschaft, Michael Horeni? (FAZ 19.6.): „Die deutsche Fußballsprache hat der Welt nicht viele Begriffe geschenkt, denen auch eine internationale Karriere vergönnt war. So wie etwa der italienische „Catenaccio“, der vor rund vierzig Jahren das Licht der Welt erblickte. Die zur Perfektion getriebene Abwehrarbeit, die ein Spiel ohne Gegentor heiligte, fand zwar lange viele Nachahmer, aber die Ära des Catenaccio ist vorbei. Die Engländer schenkten der Fußballwelt das „kick and rush“, aber auch diese über Generationen hinweg auf der Insel gepflegte Reduzierung des Spiels auf seine schlichten Angriffselemente hat die Globalisierung nicht überlebt. Die Deutschen allerdings sind bei der Europameisterschaft dabei, ihren ureigenen Turnierstil auf gut deutsch noch weiter zu popularisieren. Die Holländer sprechen in den Sportteilen schon anerkennend von „die Mannschaft“, die Franzosen leicht verfremdet von „la Mannschaft“. Was mit diesen Ausdrücken vor dem zweiten deutschen Gruppenspiel an diesem Samstag gegen Lettland gemeint ist, versteht sich von selbst: der traditionell erfolgreiche deutsche Fußball-Sonderweg bei Welt- und Europameisterschaften. „Aus diesem Holz ist eine Turniermannschaft geschnitzt“, sagte Teamchef Rudi Völler nach dem 1:1 zum Auftakt gegen die Niederländer über eine gute alte deutsche Tradition – die sich bisher weder überlebt hat noch erfolgreich kopiert wurde. Alle Welt fragt sich seit Jahrzehnten vergeblich: Wie wird man eine Turniermannschaft? (…) Michael Skibbe hält aus Trainersicht für entscheidend, „daß sich die Gruppe nach der Vorbereitung ein gemeinsames Ziel setzt, an das alle glauben können“. Es gehe bei der Arbeit auf dem Platz nicht einfach nur darum, „das Spielermaterial zu verwalten, sondern Identifikation zu schaffen“. Auch Bode ist überzeugt, daß sich der Aspekt des funktionierenden Teams stark beeinflussen läßt. „Da haben die Trainer die Fäden in der Hand – aber auch nur bis zu einem gewissen Grad.“ Es fange schon bei der Zusammenstellung des Kaders an, ob man etwa einen problematischen Spieler mitnehme, der ohnehin keinen Stammplatz habe und bei einem Turnier keine große Rolle spiele, oder einen nahezu gleichwertigen, für die Gruppe aber unkomplizierteren Ersatz. „Das ist ein grundsätzlich ganz wichtiger Punkt“, sagt Bode, „aber das gilt auch für Vereinsmannschaften. Da hockt man zwar nicht so konzentriert zusammen, aber über mehrere Jahre.“ So gesehen, kommt der vielfach kritisierten Entscheidung Völlers, Christian Ziege statt Jörg Böhme nachnominiert zu haben, eine wichtige gruppenpsychologische Bedeutung zu.“
Vielleicht mag Oliver Kahn seinen Opa gar nicht leiden. Dann kann er das Spiel notfalls auch alleine gewinnen
Marc Schürrmann (FTD 19.6.) ist skeptisch: „Schade: Für die deutsche Mannschaft ist die Europameisterschaft praktisch schon vorbei. Am Ende wird sie wieder einen Punkt haben und ein Tor, genau wie bei der EM 2000, das Volk weint, Völler mault, und der deutsche Fußball wird ein für allemal abgeschafft. (…) Unser einziger Ausweg ist die Einbürgerung ausländischer Fußballprofis. Green Foot oder so. So viele Leute sind das ja nicht, Steuern bringen sie auch ins Land, und wir hätten auf ewig den EM-Titel sicher. Und den WM-Titel ebenso. Immer. Weil nur noch Deutschland gegen Deutschland spielt. Andererseits würden dann auch Holländer für Deutschland auflaufen. Und Engländer. Dazu Italiener. Deutsche Spieler würden fortan spucken, deutsche Fans randalieren und „Hup Duitsland hup“ singen. Lassen wir das also doch lieber bleiben und hoffen auf ein Wunder. Immerhin war zu lesen, Oliver Kahn sei noch nie in Lettland gewesen. Vielleicht mag er seinen Opa gar nicht leiden. Dann kann er das Spiel notfalls auch alleine gewinnen.“
Internationaler Fußball
Das Land ist innerhalb von zwei Tagen vom tiefsten Pessimismus zur Euphorie übergegangen
Enttäuschung in Frankreich – „das Land ist innerhalb von zwei Tagen vom tiefsten Pessimismus zur Euphorie übergegangen“ (La Vanguardia) – Kritik an England trotz Sieg – „Michael Ballacks Vorzüge: sein Schwung und seine Zielgenauigkeit aus der zweiten Reihe“ El Mundo) u.v.m.
Das Land ist innerhalb von zwei Tagen vom tiefsten Pessimismus zur Euphorie übergegangen
Die spanische Zeitung La Vanguardia schildert die Stimmung in Deutschland: „Der Optimismus bemächtigt sich Deutschlands. Ein Unentschieden, das nach Sieg schmeckt, ein Mundvoll Optimismus, ein vielleicht exzessiver Enthusiasmus, aber Tatsache ist, dass Deutschland es wieder einmal geschafft hat, sich mit Kraft unter den Favoriten zu platzieren. Nach dem 1:1 gegen Holland hat Deutschland, das mit einem deutlichen Hauch von Bescheidenheit und wenig Vertrauen in das eigene Können nach Portugal kam, einen plötzlichen Anfall von Euphorie erlitten. „Europa, wir sind zurück!“, feierte in großen Lettern die Bild-Zeitung. Für einige Tage hat die meistverkaufte Zeitung des Kontinents die Katastrophenmeldungen über Armut, Wirtschaft und Politik in Deutschland auf den zweiten Platz zurückgestellt und widmet sich nun dem Anfeuern der Nationalmannschaft.(…) Wenn man einige Kommentare in der gestrigen Ausgabe der deutschen Medien betrachtet, macht es fast den Eindruck, Deutschland hätte die EM schon gewonnen. (…) Das am Dienstag war ein Sich selbst Wiederfinden der Deutschen. (…) Dieses Land ist innerhalb von zwei Tagen vom tiefsten Pessimismus zur Euphorie übergegangen. Ein typischer Prozess für eine Nationalmannschaft, die, ohne brillant zu sein, weit zu kommen pflegt und Finalist in der letzten WM war.“
Mannschaft mit dem größten Wettbewerbsgeist des Kontinents
Was spricht für Deutschland, was dagegen, El Mundo? „Pro: Die Geschichte sagt uns, dass Deutschland die Nationalmannschaft mit dem größten Wettbewerbsgeist des Kontinents ist. Opferbereitschaft, Intensität und ein absoluter Glaube in ihre Möglichkeiten kompensieren locker ihre technischen Mängel. Bloß keine voreiligen Schlüsse ziehen: die Niederlagen gegen Frankreich und Rumänien bedeuten gar nichts, wenn das Deutschlandlied erst mal erschallt. Contra: Die tschechische Republik und sein ewiger Rivale Holland können Deutschland gleich in der ersten Phase Unannehmlichkeiten bereiten. Fazit, danach strebt Deutschland: …seinen vierten kontinentalen Titel zu erreichen. Die EM bleibt, trotz der Zweifel im von Völler gezeichneten Bild, Deutschlands Fetisch-Wettkampf. Man darf nie vergessen, dass die Germanen keiner Exquisität bedürfen, um Trophäen hochzuhalten.“
Sein Schwung und seine Zielgenauigkeit aus der zweiten Reihe
Die spanische Zeitung El Mundo porträtiert Michael Ballack: „Er ist, wie Torwart Oliver Kahn, nicht in seiner besten Phase. Der Mittelfeldspieler von Bayern München hat neben seinem physischen Potenzial eine außergewöhnliche Klasse, die ihm seit seiner Zeit bei Bayer Leverkusen geblieben ist. Unter den Oberbefehl Rudi Völlers zurückzukehren, war vielleicht die beste Art und Weise, den Kummer wieder gut zu machen, der sich in der schlechtesten Saison des Münchener Vereins angesammelt hatte. Der starke Abschuss und der großartige Kopfball sind zwei seiner besten Eigenschaften, denen seine taktische Disziplin hinzugefügt werden muss. Vorzüge im Spiel nach vorne: sein Schwung und seine Zielgenauigkeit aus der zweiten Reihe.“
Mit der Zärtlichkeit und Leichtigkeit eines Genies
La Vanguardia über das Spiel Deutschland-Holland: „Ruud van Nistelrooy hat sein EM-Debüt mit einem Tor aus dem Nichts gefeiert, indem er die Verteidigung überholte und den Ball mit der Zärtlichkeit und Leichtigkeit eines Genies berührte. Oliver Kahn hatte keine Zeit zu reagieren. Kaum gesehen, war der Ball im Netz, und das betäubte Holland fand sich mit einem Punkt wieder. (…) Manchmal scheint er sich wie ein Gespenst in Luft aufzulösen, aber wenn er wieder auftaucht, ist er noch tödlicher als zuvor. Fragen Sie das unglückliche Deutschland!“
Die Franzosen haben eine ihrer schlechtesten Leistungen unter Jacques Santini abgeliefert
Nicht nur Frederic Potet (Le Monde 18.6.) ist nach dem 2:2 gegen Kroatien von Frankreich ermattet: “Die Franzosen machten zwei glückliche Tore, wurden ständig im Spielaufbau gestört und konnten zu keinem Zeitpunkt dem Spiel ihren Stempel aufdrücken. Nationaltrainer Santini sprach von einer „großen Enttäuschung“ und „einem Mangel an Demut“. Fabien Barthez fand deutlichere Worte: „Frankreich hat sich in die Sch… gesetzt“ und „es ist ein Wunder, dass es nicht verloren hat.““
Nicholas Harling warnt die Italiener (Independent 19.6.): „Das Team, da können Sie sicher sein, wird bei der Rückkehr mit dem üblichen Hagel an verfaulten Tomaten willkommengeheißen, falls sie wieder nach der Vorrunde ausscheiden sollten.“
Rooney ist etwas ganz Besonderes
Matt Dickinson (Times 19.6.) blickt auf Englands anstehende Spiel gegen Kroatien: „Sven-Göran Eriksson beanspruchte gestern für sich, dass er am späten Mittwoch entschieden hatte, die bisher verwendete Diamanten-Aufstellung durch eine flache Viererkette im Mittelfeld zu ersetzen, auch wenn Spieler wie Paul Scholes für den Diamanten plädiert haben. England muss sich nun vor dem Spiel gegen Kroatien darauf konzentrieren, das Passspiel und die einzelnen Laufwege zu verbessern, denn selbst beim 3:0 gegen die Schweiz wirkte dies eher ärmlich. Denn wenn sie wirklich den ernsthaften Anspruch auf die europäische Fußballkrone erheben wollen, müssen sie ihr Spiel noch um einiges flüssiger gestalten, denn überzeugend war dies in der drückende Hitze von Coimbra nicht. (…) „Bei der Aufstellung war ich mir nicht sicher“, so Eriksson „und wenn man sich nicht sicher ist, dann spricht man mit den Spielern. Man legt seine Karten offen auf den Tisch, denn es ist ein sehr großer Fehler zu glauben, dass man als Trainer alles weiß.“ Gegen Kroatien will der Trainer seine Mannschaft in Bestbesetzung auflaufen lassen, obwohl er sehr gut weiß, dass eine weitere gelbe Karte für Wayne Rooney eine Sperre fürs nächste Spiel mit sich bringen würde. „Wenn er noch eine Verwarnung erhält, dann ist er für das Viertelfinale gesperrt, aber zur Zeit kann ich mir absolut nicht vorstellen, ihn draußen zu lassen. In meinen Augen ist er der beste junge Spieler, mit dem ich je zusammen gearbeitet habe, und ich hatte bereits Rui Costa, Roberto Baggio und Paulo Sousa unter meinen Fingern. Rooney ist etwas ganz Besonderes.“
Das ganze Land ist besessen von Rooney
Oliver Holt (Daily Mirror 19.6.) und ganz England bewundern Wayne Rooney: „Das ganze Land ist nahezu besessen von Wayne Rooney, denn das unwahrscheinliche Talent in diesem noch so jungen Alter gibt uns das Gefühl, als seien alle anderen Teilnehmer der EM neidisch auf uns, nur weil Wayne bei uns spielt. (…) „Nach der gelben Karte kamen Becks und ein paar andere Spieler zu mir und meinten, dass ich das ganze nun ein bisschen ruhiger angehen soll, aber ich habe weiter 110 Prozent gegeben und wollte daran auch gar nichts ändern. Ich bin einfach ein Fußballer, zu dem das Temperament dazu gehört. Ich glaube einfach, dass ich durch meine hitzige Art besser spiele, und nur, weil ich jetzt bei einem großen Turnier spiele, werde ich das nicht ändern.“ (…) Rooney ist ein ruhiger Junge. Klar, er hat seine raue Spielweise auf dem Platz, und es stimmt ja auch, dass er aus der Working Class stammt und mit den reicheren Leuten und dem ganzen plötzlichen Rummel um seine Person auf dem Kriegsfuß steht. Aber er ist kein zweiter Gazza. Nicht abseits vom Spielfeld. Er sieht auch nicht so verletzend und mental zerbrechlich aus wie Gazza damals.“
Ein giftiges Gemisch aus schelmischem Übermut und pubertärer Böswilligkeit
Rob Smith (The Guardian 17.6.) steht dem Sieg der Engländer kritisch gegenüber: „Es ist ein typisches Klischee des Fußballs: Egal wie das Spiel war, das Ergebnis zählt. Genau dieses hat sich in Coimbra wieder gezeigt. Zum größten Teil war England, vier Tage nach dem gallsichen Hinterhalt, schrecklich: träge, nervös, inkompetent. (…) Für eine Mannschaft voll von dynamischen, vorstoßenden Mittelfeldspielern, stotterte Englands Maschinenraum alarmierend. Die Hitze war vielleicht ein Grund; als Erklärung reicht das nicht aus. Wie schon am Sonntag, spielten sie ohne Tempo nach vorne, und ihre Pässe waren sehr enttäuschend. Entweder fehlt es ihnen an Begierde oder dem Glaube, der gebraucht wird, um sich von ihrer wahren Seite zu zeigen. Wenn England sich in diesem Turnier wirklich verbessern will, gibt es nur einen Weg dies zu tun – genauso spielen wie Gerard Houlliers Liverpool. Erikssons England wird niemals Spiele kontrollieren, so wie es ein Team mit solchem Talent sollte; die goldene Generation wird niemals glitzern, solange die Verantwortung von jemandem so konservativem getragen wird. Gott sei Dank, gibt es Wayne Rooney! obwohl er genauso viel an seinem zweiten Tor beteiligt war wie Sir Alex Ferguson an John Magniers Erfolg auf der Rennbahn. Wie immer war Rooney ein giftiges Gemisch aus schelmischem Übermut und pubertärer Böswilligkeit (…) Rooneys Temperament ist jedoch nicht Englands signifikanteste Sorge. Michael Owen beginnt auszusehen wie ein Fußgänger, David James verhielt sich wie eine aufgeschreckte Katze auf einem Dach, und David Backham war genauso peripher wie schon vor zwei Jahren in Japan. Dort war es scheinbar die fehlende Fitness, was ist wohl jetzt seine Entschuldigung? Er und Owen sind momentan alleine aufgrund ihres Ansehens im Team. (…) England spielte rücksichtslos hart, und eine emotionale Menschenmenge schwärmte stolz und triumphierend aus. Mit angezogener Oberlippe und breiter Brust – aber in Wirklichkeit, gab es nichts worauf, man stolz sein konnte.“
„Portugiesen bleiben vor dem “Kampf von Iberien“ cool“ (Telegraph)
Strafstoss
Strafstoß 7 – Land der Dichter und Kränker – vom Bilderreichtum der deutschen Journalistensprache
von Hendrik Schaupp
Samstag, 19. Juni 2004. Ein wichtiger Tag für den deutschen Fußball. Ich wache auf. Erster Gedanke: Heute geht es gegen Lettland (mal wieder) um alles. Zweiter Gedanke: Du musst eine Bild-Zeitung kaufen. Heute Aufmacher: „EM-Knaller von Plus und Bild. Riesen-Völlerei. Sechs Flaschen Bier nur 79 Cent. Sechs Grill-Würste nur 79 Cent.“ Bedenklich. Diskussionswürdig. Dann der Sport-Teil: „Heute Letten plätten“. Die Diskussionswürdigkeit potenziert sich zur diskursanalytischen Kettenreaktion. Dem armen Reporter wollen wir mal keine Schuld in die Schuhe schieben, der hat da brav seinen Text abgeliefert, aber dann baut sich sofort die Vorstellung vom Sportchef auf, der die Bleiwüste mit Fotos, Grafiken, Statistiken, Kommentarboxen, Product Placement und vor allem Überschriften bewässern und urbar machen muß. Man kann ihn förmlich riechen, wie er brütend vor dem Monitor sitzt.
Ein Knaller muss her. „Fußballaballa“ oder so. Da geht was. Die Letten sind’s doch, die Letten, die Netten, nee, das geht nicht. Wetten gegen die Letten. Zu schwach. Letten retten, warum das denn. Die sind doch unsere Gegner, wenn auch nur Zwerge, die eigentlich gar nicht gegen uns antreten müssten. Die fetten Letten hätten (in den) Betten (bleiben sollen). Zu ziseliert. Die Letten glätten, hm, glätten…. Plätten! Das isses! Letten plätten! Das ist die Losung. Das können sie heute abend beim Stand von einem Euro neunzehn Cent (4 Würstchen + 5 Bier) skandieren. Das ist „Hau die Saudis“ und „Yugo-Zange“ ebenbürtig.
Das Muster ist aber zu suggestiv. Meine Synapsen glühen. Nach dem Spiel ist ja vor dem Spiel. Und dann geht es den Tschechen an die Rechen. Oder so. Die stechen nämlich, die Tschechen, dann müssen sie blechen, oder es wird sich rächen, dass sie zechen die ganze Nacht. Pech, Tschech! kann man da nur sagen. Also Jungs: Tschechen brechen! Annex the czechs! Oops, nee, das geht dann doch wieder zuweit (zurück). Lieber auf die anderen Plätze schauen, wo die Dänen gähnen, die Franzosen kosen, die Schweden beden, die Kroaten braten und die Russen stussen.
Schöne Kreativleistung das, vom Sportchef. Ob es allerdings dann noch nötig ist, 17 deutsche Worte aufzuzählen ,in denen „lette“ (Kotelette, Scheiblette ) vorkommt, möge dahingestellt bleiben. Jedenfalls bin ich jetzt logistisch und linguistisch für den Abend gerüstet. Die Seite und der Artikel bieten alles, was der deutsche Fußball-Fan wenige Stunden vor dem Spiel benötigt. Da fehlen bloß noch die Aufstellung, die letzten Mannschafts-Informationen und die Prognose, dass am Ende Rudis Elf siegen wird.
Nachdem ich nun weiß, wie sehr Lettland in der deutschen Sprache verankert ist, Kahn zum lettischen Ehrenbürger werden könnte, was natürlich nicht passiert, weil die Deutschen das Spiel schon gewonnen haben, und wie ich heute abend MCen kann, fahre ich besser schnell mal zum Plus…
Freitag, 18. Juni 2004
Allgemein
König ohne Entourage
Luis Figo wurde gegen Russland zu einem König ohne Entourage (SZ) / Luis Figo grantelt wie ein älterer Herr, der seine Parkbank besetzt vorfindet (taz) – Frankreich ist keine Übermannschaft (NZZ) – Die Schweizer fühlten sich vom Referee Iwanow um eine gute Leistung betrogen (NZZ) u. v. m. (mehr …)
Vermischtes
Der Ball im Tor, Grosics am Boden
„ein halbes Jahrhundert hat nicht gereicht, um Gyula Grosics mit seinem Schicksal zu versöhnen“ (FAZ) – „bisher ist noch kein Favorit auf den EM-Titel zu erkennen“ (NZZ) u. v. m. (mehr …)
Allgemein
Slapstick bester Güte
Die Schweden sind die neuen Popstars des Fußballs (FAZ) – Francesco Tottis Karriere ist nicht beendet, aber es wird viele Tore, Dribblings brauchen, um den Fleck zu tilgen (SZ) – Otto Rehhagel hat für die Griechen das Passende gefunden (FAZ) – Die Russen lieferten jede Menge Slapstick bester Güte (taz) u. v. m. (mehr …)
Ball und Buchstabe
Damals die Seefahrer, heute die Fußballer
Die Portugiesen begreifen sich vielleicht ein bisschen als zu kurz gekommen (SZ)
Die Trikots hier erzählen von Armut, aber auch von Leidenschaft
Holger Gertz (SZ/Seite 3 18.6.) denkt bei Portugal an alte Männer, das Meer und auswandern: „Vielleicht ist es wirklich so, dass die Fußballer eines Landes so spielen, wie der Charakter des Landes ist. Die EM, so wie sie bis jetzt läuft, unterstützt diese Theorie. Die Deutschen konzentriert und fit, wenn es drauf ankommt; die Russen noch ein bisschen ungeordnet; die Franzosen künstlerisch wertvoll; die Engländer unermüdlich; die Spanier entschlossen, den Anschluss zu finden an die Großen in Europa. Die Portugiesen? Sie singen den Fado, sie trauern irgendwem, irgendwas hinterher, kolonialer Größe vielleicht, verlorener Zeit in der Diktatur, den großen Tagen der Seefahrer. Es klingt klischeehaft, aber im Klischee steckt manchmal auch ein bisschen Wahrheit. „Die Portugiesen begreifen sich vielleicht ein bisschen als zu kurz gekommen“, hatte am Tag vor diesem wichtigen Spiel Guilherme Dutschke gesagt, ein portugiesischer Maler mit deutschen Vorfahren, der – ein Nebenjob – in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Lissabon arbeitet. Dutschke, nicht verwandt mit dem berühmten Dutschke, jedenfalls hat er das nie so nachgeprüft, saß in der Caféteria, ließ sich viel Zeit für jeden Gedanken. Ein nachdenklicher Mann, 38 Jahre alt, hager, dunkel gekleidet. Er fand diese ganzen Attribute natürlich auch zu platt irgendwie, aber was will man machen? Wen man fragt, alle sagen, dass der Portugiese sehr viel nachdenkt über das Leben. „Wie das kommt, das ist eine andere Frage“, sagte Dutschke, übersetzte seinen Vornamen ins Deutsche – Wilhelm – und sprach über das Meer. Dass man das nicht unterschätzen sollte, das Meer. Wie es einen hinauszieht, wie es einen beruhigt, einerseits, und andererseits macht es einen sentimental – und es macht einem, kraft seiner Größe, auch die eigenen Winzigkeit bewusst. Er hat mal drei Jahre in Berlin gelebt, aber dann musste er zurück nach Portugal, ans Meer. In Lissabon ist das Meer tatsächlich überall, sogar dort, wo man es nicht vermutet. Auf den Mülltonnen am Straßenrand, bedruckt mit einem Schiff. Die Metro der linha azul von Amadora Este nach Baixa-Chiado trägt als Signet eine Möwe, die linha verde von Cais do Sodre nach Telheiras ein Segelschiff. Wenn man ständig der eigenen Kleinheit gewahr wird und in einem Land lebt, in dem Fußballarenen Märchennamen tragen wie „Stadion des Lichts“ oder „Drachenstadion“ – wird man dann je so groß und stark und abgezockt, um auf dem Fußballplatz etwas reißen zu können? So sagt man es doch, unter Fußballern: Wir wollen was reißen. Man sagt nicht: Wir wollen die anderen verzaubern. In Alberto Gouveias Lokal, das zur Hälfte Rui Costa gehört, liegt das alles im Dunkeln, die Zukunft, die vielen Fragen. Stromausfall, zum Zweiten. Auftritt des Taschenlampenmanns. Die anderen johlen, als das Licht wieder brennt. Jemand holt aus einer Plastiktüte eine portugiesische Flagge und legt sich auf den Fernseher, damit der nicht mehr ausgeht. Alle haben diese Flaggen, im Supermarkt continente gibt es sie, und sie kosten nur einen Euro. Die Trikots der Nationalmannschaft kosten sechzig, unerschwinglich viel für die, die im Clube do Frango sitzen. Männer, die wie alte Eulen aussehen mit dicken Brillen, die man in Deutschland früher Kassengestell nannte. Mädchen, die sich ein rot-grünes Trikot selbst zusammengenäht haben, mit einer Nummer hinten drauf. Die Stadien drüben, für die EM neu gebaut oder restauriert, sehen wie große Schmuckkästen aus und erzählen vom Willen zu Größe und Erfolg, die Trikots hier erzählen von Armut, aber auch von Leidenschaft. Für Rui Costa. Für dessen Kunst des Zauderns. Auf den meisten, die eine Nummer haben, steht die 10. Portugal drückt, Portugal stürmt, dann ist eine Stunde um, und Simão geht raus. Für ihn kommt Rui Costa. Die Bar ist wie ein kleines Stadion jetzt, hinten bauscht sich eine Ola auf, die Welle. Dann geht Figo raus, abgekämpft, fertig. Es streift sein Kapitänsband vom Arm und übergibt es Rui Costa. Er ist jetzt der letzte aus der Goldenen Generation, er ist Mannschaftsführer. (…) Dieses Lokal ist ein Ausschnitt Portugals, hundert Leute, die sich stellvertretend für viele wünschen, ihre Jungs möchten mal irgendwas schaffen. Ob das dann irgendwas bedeutet für den Rest des Lebens, ist erst mal egal. Fußball ist eine schöne Metapher, die Mannschaft auf dem Bildschirm ist auch eine Metapher – für den Umbruch. Die goldene Generation wird allmählich abgelöst von der jungen Generation, von Spielern wie Christiano Ronaldo, die in Interviews weniger melancholisch wirken. Die früh ins Ausland gehen, früher als die anderen, und die portugiesischen Trainer gehen auch ins Ausland. Damals die Seefahrer, heute die Fußballer, alle gehen. Vielleicht bringt das was für die Nationalelf, weil man auswärts lernen kann, was der Selecção, der Auswahl, noch fehlt.“
Deutsche Elf
Generation Laptop
Interview mit Jens Nowotny: Es gehört dazu, dass man sich im Training auch mal was auf die Hölzer gibt (FR) – Analytiker Michael Skibbe gerät über die aufstrebenden Teenager und Twens ins Schwärmen (FAZ)
Generation Laptop
Michael Horeni (FAZ 18.6.) traut den DFB-Youngstars einiges zu: „Vor gut zwei Jahren, als junge Spieler noch wie eine vom Aussterben bedrohte Spezies im deutschen Fußball gehandelt wurden, machten die seltenen Exemplare, die bei der Weltmeisterschaft auftauchten, große Schlagzeilen. Sebastian Kehl und Christoph Metzelder – zwei intelligente Spieler, die sich auch für das Weltgeschehen interessierten und mit dem Computer Verbindung zur Außenwelt hielten – wurden sogleich einer neuen Fußballgeneration zugeordnet: der Generation Laptop. Damit ging die Einschätzung einher, es handele sich um Spieler, die ihre Karriere kühl und zielstrebig planen, rational handeln und sich in der Welt auskennen. In Portugal begegnet einem die neue deutsche Jugendlichkeit mittlerweile sogar am Strand, und auch von den kühlen und künstlichen Begriffen des Internetzeitalters ist nichts mehr zu hören. Denn gut geschulter Nachwuchs gehört im Methusalem-Land, das sich vor dem demographischen Faktor fürchtet, zumindest im deutschen Fußball schon wieder zur Normalität. „Philip Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sind erfrischend anders“, sagt Trainer Michael Skibbe über die drei jüngsten Spieler im deutschen Team, die vor dieser Saison nur Experten des Jugendfußballs kannten – und meint damit nur sportliche Fähigkeiten. „Sie zeigen Eigenschaften, die man nicht immer mit dem deutschen Fußball verbindet.“ Analytiker Skibbe gerät über die aufstrebenden Teenager und Twens – zu denen im Kader auch noch der gegen die Niederländer starke Stürmer Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel aus Stuttgart sowie der Berliner Arne Friedrich zählen – aber auch generell geradezu ins Schwärmen. „Sie alle sind extrem lernfähig und lernwillig“, sagt Skibbe über die Jungprofis, „deren fußballerische Ausbildung sich deutlich verbessert hat“. Die Vorzeigeexemplare dieser Entwicklung eint, so Skibbe, zudem eine gemeinsame Berufsauffassung: „Ihre wichtigsten Eigenschaften sind eine Kombination aus überdurchschnittlichem Talent und gesunder Selbsteinschätzung.“ Skibbe ist überzeugt, daß im deutschen Team „ein intaktes Gefüge zwischen Leitwölfen und jungen, hungrigen Spielern besteht“. Hungrig seien die Jungs des EM-Jahrgangs ´04 zwar wie alle vorige, aber was sie besonders auszeichne, sei ihre unglaubliche schnelle Entwicklung. „Sie sind früher konkurrenzfähig“, sagt Skibbe.“
Es gehört dazu, dass man im Training auch mal was auf die Hölzer gibt
FR-Interview mit Jens Nowotny (18.6.):
„FR: Vor dem Spiel hat die halbe Nation auf Sie und Christian Wörns geschaut. Haben Sie das gespürt?
JN: Ich habe Zeitung gelesen und mir ist aufgefallen, dass in neun von zehn Berichten die Bedeutung der Abwehr beschrieben wurde. Der Tenor war rundweg ziemlich negativ. Aber ich weiß damit umzugehen.
FR: Das hat man im Spiel gesehen. Reden Sie da vorher lange mit Wörns?
JN: Eher mal drei Minuten beim Auslaufen oder situationsbedingt im Training. Nicht 20 Minuten beim Kaffee. Man kann Probleme auch totreden.
FR: Wir Medienvertreter sollen etwaige Probleme ja ohnehin nicht erfahren. Muss denn das mit dem ständigen Geheimtraining wirklich sein?
JN: Finde ich schon. Nicht so sehr wegen der Taktik. Aber für den Kopf ist es gut. Es ist auch besser, dass wir nicht mit den Journalisten gemeinsam im Hotel wohnen. Man trinkt ganz gern auch mal einen Kaffee, ohne beobachtet zu werden. Wir sind gegen Holland von 50 000 im Stadion und 26 Millionen vorm Fernseher beobachtet worden. Heute morgen beim Auslaufen waren hundert Journalisten da. Man braucht auch mal Ruhephasen während der Arbeit. Und euch ist das sicher auch ganz recht, dass ihr nicht jeden Tag auf dem Platz stehen müsst, sondern frei habt, wenn wir Geheimtraining machen.
FR: Aber an drei aufeinander folgenden Tagen, das ist schon hart für uns.
JN: Wissen Sie: Es gehört dazu, dass man im Training auch mal was auf die Hölzer gibt. So was sollte dann besser intern bleiben. Sonst heißt es schnell: Lagerkoller, die können sich nicht riechen.
FR: Wie es bei der Europameisterschaft 2000 war. Da waren Sie ja auch dabei. Was ist jetzt anders?
JN: Es wird innerhalb der Mannschaft keine Personalie diskutiert. Von außen, das ist ja völlig normal. Aber innerhalb der Mannschaft herrscht absolute Ruhe. 2000 hatte ich den Eindruck, dass die Diskussionen von innen nach außen getragen wurden. Das war der völlig verkehrte Weg.“
Strafstoss
Strafstoß #6 – Reine Nervensache – Das ideale 2:1
von Herrn Bieber und Herrn Mertens
Mathias Mertens: Wenn Sie ein Tor wären, Herr Bieber, welches wären Sie?
Christoph Bieber: Was meinen Sie genau, Herr Mertens, ein *konkretes* Tor oder lediglich eine bestimmte Art von Tor?
MM: Sie Tor! (kleiner Scherz)
CB: Darauf habe ich nur gewartet. Leider bringt mich dieser *falsche Einwurf* nicht wirklich weiter. Also: konkretes Tor oder Torgenre?
MM: Ein Torgenre wäre O.K., wenn auch fast zu wenig. Auf jeden Fall gehört ein wenig Erläuterung dazu. Das historische, konkrete Tor bietet natürlich mehr Spielraum zur persönlichen Anbindung.
CB: Hm, Sie lavieren im abgesicherten Mittelfeld, gerade so wie die unentschlossenen Franzosen eben gegen Kroatien. Es gibt doch so viele Tore. Auch wenn es immer wieder heißt, dass die Spiele heute vor allem von der Defensive geprägt werden und in der Offensive nicht mehr viel passiert. Tore sind das, was kleben bleibt. Ein klebriges Tor wäre man also… Was bedeutet es eigentlich, ein Tor zu sein, sich damit zu identifizieren? Worauf wollen sie mit der Frage hinaus, glauben Sie, damit in die Tiefe der Persönlichkeit einzudringen – etwa so, wie der Therapeut in der Premiere-Werbung mit Marcel Reif, der x-beliebige Tintenkleckse als Spielszenen bekannter Fußball-Matches interpretiert? Würde nicht jeder irgendein Supertor sein wollen, ein Fallrückzieher von Klaus Fischer, ein 30-Meter-Freistoß von Rainer Bonhof oder ein Dribbling von Ronaldo? Würde das den Erkenntnisgewinn nicht massiv beeinträchtigen?
MM: Sie, Herr Bieber, spielen aber einen ausgeprägten Catenaccio. Das sind doch schon relativ konkrete Tore. Interessant ist aber nicht ihre defensive Taktik, sondern die Auswahl ihrer Torschützen. Vielleicht wollen Sie ja gar kein Tor sein, sondern Rainer Bonhof. Wollen Sie das wirklich? Wahrscheinlich doch eher der Freistoß, oder?
CB: Clever, Herr Mertens, allerdings spiele ich keinen Catenaccio (obwohl ich die Arbeit von Giovanni Trappatoni sehr schätze), meine Torauswahl war natürlich eine Finte! Selbstverständlich möchte ich weder Klaus Fischer, noch Rainer Bonhof oder gar Ronaldo sein. Es scheint mir nämlich so, dass bei der Wahl eines konkreten Tors immer auch der Identifikationswunsch mit dem Schützen (oder der Schützin – ein interessanter Gedanke) mitspielt. Aber darum geht es ja wohl gerade nicht. Also entscheide ich mich zunächst einmal für das Torgenre – was haben wir denn da: Traumtore, erzwungene Tore, kuriose Tore, herausgespielte Tore, Abseitstore, goldene Tore, Tore des Monats, Tore aus dem Nichts, Eigentore…
MM: Sie antworten mich ganz schwindlig.
CB: Da muss ich wohl aufpassen, dass ich mich nicht auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel festdenke… Vielleicht ist es bei den Torgenres so ähnlich wie in der Literatur – dort gibt es Romane und Kurzgeschichten, Gedichte und Briefe, Dramen und Erzählungen. Aber auch das Kino könnte eine gute Eselsbrücke sein: Meine Favoriten sind immer die Filme, die nicht linear verlaufen, deren Handlung verschachtelt ist und erst das Ende eine Auflösung bringt (oder auch nicht). Demnach müsste ich ein Tor sein wollen, dem man seine Entstehung nicht unbedingt ansieht…
MM: Jetzt bin ich aber gespannt. Welchem Tor sieht man denn seine Entstehung nicht an? Dem Freistoß von Frings im Holland-Spiel? Dem in eine Flanke stolpernden und dadurch einen Flugkopfball verursachenden Schiedsrichter? Einem Anstoß auf den Faröer-Inseln bei widrigsten Wetterbedingungen, deren Windböen den Ball vom Boden heben und ihn in erratischen Schlangenlinien durch den gegnerischen Strafraum tragen, aufs Nasenbein des Torwarts schleudern, von wo aus er gegen die Latte prallt, direkt auf die Linie aufsetzt und dann durch den sich vor Schmerz windenden Torwart auf dem Boden hinter die Linie geschoben wird?
CB: Na, nun übertreiben sie aber ein wenig, Herr Kern…, äh, Herr Mertens. Auf jeden Fall ein eher kompliziertes Tor (womit der der 30-Meter-Freistoß von Rainer Bonhof wohl ausscheidet). Ich glaube, die Situation, die zum Tor führt, ist eher ein unübersichtliches Gewusel, nicht eine mutwillig herbeigeführte Rasenschachaktion aus dem Systemspiel von, nun ja, Ajax Amsterdam, AC Mailand oder der Equipe Tricolore. Aber ich rede hier auch nicht von einem Abstaubertor à la Gerd Müller, der ja bekanntlich aus allen Lagen heraus erfolgreich sein konnte. Das Tor sollte schon zwingend herbei geführt werden, aber eben auf möglichst unvorhersehbaren Umwegen – würde Quentin Tarantino die Mannschaft trainieren, die das Tor schießt, wäre der Torschütze bereits ausgewechselt worden.
MM: Das hieße, einer der beiden Innenverteidiger ist bereits angeschossen und verletzt aus dem Spiel genommen worden, bringt aber seinen sich weiter auf dem Platz befindlichen Partner durch ein intensives freundschaftliches Zurufen von der Bank aus dazu, sich nicht aufzugeben und stachelt diesen zu einer Aktion an, die einen Torerfolg einleitet. Wäre das ungefähr „the Pulp-Fiction-Way-of-Scoring“?
CB: Ja, so könnte es gehen, nun habe ich eine Idee von „meinem Tor“ – wir schreiben die 78. Minute, es handelt sich also nicht um ein frühes Tor, aber auch nicht um einen erlösenden Treffer in der Nachspielzeit. Es muss danach noch genügend Zeit für einen ordentlichen Abspann des Spieles sein (schließlich muss auch der angeschossene Innenverteidiger noch ausreichend gewürdigt werden).Doch welche Tore fallen in der 78. Minute? Das Spiel wogt hin und her (wir wissen ja noch nicht, wie es ausgeht) und aus dem Mittelfeld gelangt der Ball irgendwie in Strafraumnähe (aus der Tiefe des Raumes, aber ohne Zutun der Herren Netzer, Overath, Bein et al.). Dort greift sich ein kreativer Spieler (kein Stürmer!) den Ball, schlägt ein oder zwei Haken und hält drauf. Der Ball wird abgefälscht, aber nicht so, dass der Torwart völlig von der Richtungsänderung überrascht wird. Er könnte den Ball noch abwehren, wenn er nicht technisch sauber und irgendwie präzise in Richtung Tor geschlagen worden wäre. Ich glaube, die Beschreibung passt schon einigermaßen auf das „Golden Goal“ von Oliver Bierhoff 1996, aber das wollte ich auf keinen Fall sein – das ist mir viel zu prätentiös und außerdem mit zuviel Hektik und Brechstangenanteilen erzielt. Mein Tor sollte ein Spieler erzielen, der eine unaufgeregte Coolness und Eleganz mitbringt, die meinem Tor die nötige Würde verleihen.
MM: Jetzt sagen Sie bloß nicht Snotti Totti!
CB: Das italienische Lama? Wo denken Sie hin! Ich meine Mehmet Scholl. Das einzige Problem dabei ist nur, dass seine Tore zwar Spiele entscheiden können – doch was nützt schon das ideale 2-1 am 14. Spieltag einer mittelmäßigen Saison, wenn im Champions-League-Endspiel ein Elfmeter verschossen wird… aber genau darum geht es – sie haben mich ja schließlich nur nach einem Tor gefragt und das ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.
« spätere Artikel — frühere Artikel »