indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Montag, 4. Dezember 2006

Bundesliga

Unendliche Durchhaltetragödie

Pressestimmen zum 15. Spieltag: Mitleid mit Thomas Doll paart sich mit dem Rat, das Arbeitsverhältnis zum HSV einzustellen / Harte Kritik an der Dortmunder Vereinsführung wegen der Ankündigung, sich von Bert van Marwijk zu trennen / Bewunderung für Torsten Frings / Energielose Cottbuser / Bayern ohne Stachel

Viele Journalisten leiden mit Thomas Doll, der mit seinem HSV erneut verloren hat, diesmal 1:2 in Bochum. Oskar Beck (Welt) beschreibt ihn als jemanden, der gerade der Zentrifuge entstiegen ist: „Die Vereinsbosse bestrafen ihn auf die humanste aller Arten: Thomas Doll wird zum Bleiben verdammt. Bei dem hinterläßt die Angst, daß es kein Entkommen gibt, mittlerweile tiefe Spuren. Wie ein Leichtmatrose bei schwerem Seegang hängt Doll über der Reling und ist kurz davor, sich den Magen über den Hals zu entleeren. Man kann ihn ungeschminkt kaum noch vor eine Kamera lassen – jedenfalls erinnert er immer öfter an Ernst Happel, dessen Tränensäcke zeitweise derart tief baumelten, daß er fast darauf ausgerutscht wäre und Max Merkel über ihn lästerte: ‚Beethoven in der Endphase.‘ Doll ähnelt einem Fallschirmspringer, dem keiner beim Ziehen der Reißleine hilft. Am Samstag hat er ausgesehen wie jener schottische Kollege, der nach einer Niederlage vor der Presse sagte: ‚Haben Sie noch Fragen, bevor ich gehe und mich aufhänge?‘ Der HSV-Trainer wird zum Protagonisten seiner eigenen, unendlichen Durchhaltetragödie.“

Richard Leipold (Tagesspiegel) stimmt ein: „Aus seinem jungenhaften Charme ist ein morbider Charme geworden“ und zeigt gleichzeitig auf den Sportchef: „Die Zukunft des HSV zu erörtern heißt für viele, über Doll zu sprechen und zu schreiben. Wie oft ist sein Elend seziert worden. Der Trainer ist das inzwischen gewohnt, andere offenbar nicht. Um das Ausmaß des Schreckens zu erkennen, hätte es genügt, sich Dietmar Beiersdorfer anzuschauen. Er gab das schlimmere Bild ab. Als wäre er aus dem Reich der Schatten aufgetaucht.“

Respektlos, würdelos

Mirko Weber (Stuttgarter Zeitung) ärgert sich indessen über Rolf Töpperwien, die Hyäne des ZDF: „Der HSV hat gut daran getan, statt Doll, der in Bedrängnis immer nur diesen flackrigen Blick bekommt, den wesentlich ruhiger, man kann auch sagen fatalistischer erscheinenden Beiersdorfer vor die Kamera von Töpperwien zu schicken. Töpperwien ist im rauschhaften Zustand buchstäblich mal durchs Feuer gegangen, seitdem wirkt er jetzt immer mehr wie der Siegfried des Fernsehsports: Es schmerzt ihn nichts, noch nicht einmal die dummdringlichste Frage, derweil das Verfahren dem Zuschauer durchaus wehtut. Töpperwiensche Fragen werden mit treuestem Augenaufschlag, aber nicht aus aufklärerischem Interesse gestellt. Sie fußen vielmehr auf der drei Meter gegen den Wind zu riechenden Absicht, Sensation zu produzieren. Im äußersten Fall ist das nicht nur respekt-, sondern auch würdelos: für den, der antworten muß, aber auch für den, der fragt.“

Kläglich zerfetzter Vorhang aus Phrasen

Philipp Selldorf (SZ) schickt voraus: „Die Ergebnisse des HSV sind weiterhin dergestalt, daß es immer noch schlimmer kommt als in der vorangegangenen Woche, als man dachte, jetzt könne es nicht mehr schlimmer kommen.“ Er ergründet die Ursache des Hamburger Sinkflugs in der Spielweise: „Das wesentliche Thema dieser Partie war der rohe Kampf, und darin erwiesen sich die VfL-Profis einfach als besser geübt. Nicht, daß die Hamburger nicht alles gegeben hätten, was in ihrer Kraft stand, aber während die Bochumer den Ball bei Bedarf rüde ins Aus grätschten oder ohne Rücksicht auf die ästhetische Note ziellos fortschlugen, versuchten es die Hamburger mit flachen Kombinationen durchs Mittelfeld und feinem Kurzpaßspiel im Angriff. Anerkennenswert war der Eifer der Angreifer Guerrero und Ljuboja, tragikomisch der Ertrag.“

Daniel Theweleit (BLZ) kann Doll nicht mehr zuhören und weiß nichts mehr mit ihm zu reden: „Doll verfügt mittlerweile über ein wahres Arsenal von Durchhaltefloskeln. Man müsse die Spieler an der Ehre packen, sagte er, dürfe die Flinte nicht ins Korn werfen, den Glauben nicht verlieren, müsse aus dieser Situation lernen. Es sei wichtig, daß die Jungs auch weiter an sich glauben, das Leben gehe weiter. Es ist ein kläglich zerfetzter Vorhang aus Phrasen, der es längst nicht mehr vermag, die totale Ratlosigkeit dieses Klubs zu verhüllen. Selbst die Journalisten wissen nicht mehr, was sie noch fragen sollen angesichts dieses fortwährenden Stillstandes.“

Miserabler Stil

Rainer Seele (FAZ) läßt seinen Blick von Hamburg irritiert nach Dortmund schweifen, wo man sich in der nächsten Saison vom Trainer trennen wird – spätestens, ergänzt Seele: „Bert van Marwijk dürfte derzeit noch ein wenig schlechter dran sein [als Doll]. Er muß mit einem eigenartigen Beschluß der Borussia zurechtkommen: vor Vertragsende gehen, aber erst einmal bleiben – ein riskantes Unterfangen. Unruhe dürfte auf alle Fälle garantiert sein. In Dortmund selbst, wo die Mannschaft nun zunehmend auf Distanz zu dem vorzeitig scheidenden Niederländer gehen könnte. Auch in Bielefeld, wo das Dortmunder Buhlen um Thomas von Heesen den Alltag künftig erheblich stören wird. Ein klarer, schneller Schnitt der Borussia wäre wohl vernünftiger gewesen. Kann ja noch kommen, mit leichter Verzögerung.“

Matti Lieske (BLZ) rügt die Dortmunder Führung ruppig: „Bert van Marwijk ist gewiß kein Protagonist modernen Tempofußballs, und sein konservatives System trägt dazu bei, die Zuschauer in Scharen aus dem Westfalenstadion zu vergraulen. Daß er in Kalifornien, Verzeihung, Holland wohnt und den Spielern sowie sich selbst gern frei gibt, kommt hinzu. Doch ihm erst den Vertrag großherrlich bis 2008 zu verlängern und dann schon vor Weihnachten zu verkünden, daß 2007 Schluß sei, ist purer Mumpitz. Miserablen Stil stellt das offene Werben um einen anderen Trainer dar, der noch bei einem Konkurrenten unter Vertrag steht. Die Prognosen beim BVB sind jedenfalls einfach zu erstellen: Van Marwijk wird die Rückrunde nicht erleben, Thomas von Heesen wird nicht nach Dortmund, sondern zum HSV gehen, Alexander Frei wird nicht Torschützenkönig der Bundesliga werden und der BVB wird einen Weg nicht einschlagen: den nach oben.“

Auch Felix Meininghaus (Tsp) schüttelt den Kopf: „Ausgerechnet Hans-Joachim Watzke, der harte Sanierer, der den fast bankrotten Verein resolut wieder aufgepäppelt hat. Doch bei der Personalie van Marwijk gibt die BVB-Führung mit Watzke an der Spitze ein dilettantisches Bild ab. (…) Viele Experten hatten dem Burgfrieden nie getraut. Nun erhielten sie die Bestätigung für ihre Skepsis. Hinter den Kulissen hatte ein klassischer Kuhhandel stattgefunden: Der Verein stärkt dem Trainer den Rücken, im Gegenzug erklärt sich van Marwijk bereit, vorzeitig zu gehen. Ohne große Abfindung offenbar.“ Ulrich Hartmann (SZ) hält mit seiner Kritik am Dortmunder Spiel, jüngstes Beispiel: das 1:0 gegen Wolfsburg, dagegen: „Dem Dortmunder Auftritt fehlte auch am Samstag ein klares Konzept. Gegen den VfL bot van Marwijk gleich drei reine Stürmer auf, ohne daß sich diese eine würdige Anzahl von Chancen zu erspielen wußten. Der Holländer verschreibt der Mannschaft immer wieder sein heimattypisches 4-3-3-System, ohne daß die Spieler dies bislang effektiv umsetzen konnten. Der unansehnliche und glückliche Erfolg gegen die arg ersatzgeschwächten Wolfsburger war erst der zweite Heimsieg der Saison.“

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Bundesliga

Daß er einen Ball verloren gibt, kommt so oft vor wie Schnee auf den Malediven

Fortsetzung: Pressestimmen zum 15. Spieltag

Berlin habe in Bremen erst eine Chance erhalten, als der Gegner mit seinen Gedanken woanders, bei etwas wichtigerem, war, meint Ralf Wiegand (SZ): „Als Ronaldinho, Deco und Iniesta ihr zu Hilfe kamen, wurde es etwas einfacher für Hertha BSC. Nun sah sich Werder Bremen, das eine atemraubende erste Halbzeit gespielt hatte, mit einem Mal atemlos in die Defensive gedrängt. Als hätten die Stars des FC Barcelona plötzlich die Gestalt von Kevin Boateng, Ashkan Dejagah oder – besonders hinterlistig – Josip Simunic angenommen, kippte das Eckenverhältnis zu Gunsten der Berliner, glühten Werders Torwart Tim Wiese die Fäuste, brauchte Werder sogar eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter, um nicht ernsthaft in die Bredouille zu geraten. Wie süßes Gift sickerten die Gedanken an den Auftritt im Estadio Camp Nou ins Bremer Spiel gegen Hertha.“ Jens Fischer (taz) erkennt eine weitere Reifung der Bremer: „Das Bremer Team machte einen weiteren Entwicklungsschritt: sich vor großen Festspielen auf die kleinen Pflichtübungen konzentrieren zu können.“

Bewundernd stellt Sven Bremer (FTD) Torsten Frings als Rückenmark der Bremer dar: „Klose hat sich mit seinen beiden Treffern an die Spitze der Torjägerliste und Bremen wieder an die Tabellenspitze katapultiert, Diego spielte den Berlinern Knoten in die Beine – der überragende Mann war jedoch, wieder einmal, Frings: zentrale Anspielstation, Vorbereiter, Retter in höchster Not und Taktgeber des Bremer Spiels. 103 Ballkontakte hatten die Statistiker bei Frings gezählt, mit Abstand die meisten. Über die Quote seiner gewonnen Zweikämpfe war nichts zu lesen. Sie dürfte bei knapp unter 100 Prozent gelegen haben. Frings’ Art, Fußball zu spielen, ist ein einziger Zweikampf. Und: Wer ein verlorenes Duell notiert, muß sich Sekunden später oft korrigieren. Daß Frings einen Ball verloren gibt, kommt so oft vor wie Schneefall auf den Malediven. Es sieht nicht sehr elegant aus, wenn er mit seinen gut 80 Kilogramm den Platz pflügt – stets ein wenig gebeugt im Rücken, als trüge er nicht nur die Verantwortung für das Werder-Spiel, sondern auch noch einen Sack Kartoffeln auf den Schultern. Die Leichtigkeit des Seins mag ihm abgehen auf dem Fußballplatz, dennoch ist Frings alles andere als ein Vertreter der alten Schule. Er verkörpert den Prototypen des modernen defensiven Mittelfeldspielers, der in der Lage ist, das Spiel des Gegners zu lesen, der blitzschnell umschalten kann, Akzente in der Offensive setzt, sich aber dennoch für keine Grätsche zu schade ist. Und würde Frings nach Kilometern bezahlt, Werder wäre wahrscheinlich pleite.“

Aus Euphorie wird Depression

Matthias Wolf (BLZ) sorgt sich um Energie Cottbus: „Hannover 96, ein biederes Ensemble, verpaßte den Energielosen die dritte Heimniederlage (0:1) in Folge. Gut möglich, daß die Mannschaft wochenlang ein Leben am Limit geführt hat. Kräftezehrend war die Spielweise, nun präsentieren sich alle ausgelaugt und geschockt ob der Tatsache, daß die Gegner sich auf die Spielweise eingestellt haben. Sander sollte sich schleunigst eine originellere Taktik einfallen lassen. (…) Die Cottbuser haben auch nicht mehr Fans verdient. 11 345 Zuschauer bedeuteten die schmalste Kulisse in der Bundesliga überhaupt seit fast vier Jahren. Cottbus ist an einem neuen Tiefpunkt angelangt.“ Stefan Hermanns (Tsp): „Eine Entwicklung, wie sie Energie zurzeit durchlebt, ist nicht unüblich für einen Aufsteiger. Während der ersten Wochen in neuer Umgebung trägt die Euphorie des Aufstiegs die Mannschaft noch über viele Hürden. Mit jedem Mißerfolg aber wachsen die Zweifel an der eigenen Qualität, aus Euphorie wird Depression. Das Imperium, das sich von jedem Sieg eines Außenseiters wie Energie gereizt fühlt, schlägt zurück. Und die Medien sowieso.“

Ein wichtiger Protagonist fehlt

Elisabeth Schlammerl (FAZ) stellt beim 1:1 gegen Mönchengladbach erneut fest, daß Bayern München in Michael Ballack einen Stachel verloren habe: „Es zeichnete den FC Bayern in den vergangenen Jahren aus, den Spagat besser zu beherrschen als jede andere deutsche Mannschaft im internationalen Geschäft, aus wenigen Chancen das Maximum herauszuholen, aber in dieser Saison fehlt ihm diese Gabe oft. Dabei geht es, anders als für Bremen, in der Champions League nicht mehr um die Qualifikation für das Achtelfinale, sondern nur noch um den Gruppensieg – und dennoch schien die Partie gegen Inter Mailand die Gedanken der Münchner mehr zu beherrschen als das Duell mit Gladbach. Daß die Münchner gegen Mannschaften große Schwierigkeiten haben, die ihr Heil im leidenschaftlichen Abwehrkampf suchen, ist kein Zufall. Das Mittel, das in den vergangenen Jahren oft gegen eine massive Deckung wirkte, ist nicht mehr probat, weil ein wichtiger Protagonist fehlt. Früher drosch man irgendwann noch die Bälle hoch in die Mitte, wo Michael Ballack lauerte. Jetzt lauert keiner mehr mit einer derart guten Trefferquote bei Kopfbällen.“

Tsp: Es geht voran – nach unten; Gladbach feiert den Sturz auf einen Abstiegsrang

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Sonntag, 3. Dezember 2006

Allgemein

Deutschland, armes Fußball-Land

Leverkusen und Frankfurt bleiben ohne Sieg, stehen vor dem Ausscheiden, haben aber noch eine letzte Chance – ein ernüchterndes Fazit der Uefa-Cup-Saison aus deutscher Sicht

Nach der Niederlage Leverkusens und dem Frankfurter Remis gibt Jan Christian Müller (FR) Oliver Bierhoff recht, der vor rund einem halben Jahr der Bundesliga hinter die Ohren schreiben wollte, sich ein Vorbild am Training Jürgen Klinsmanns zu nehmen: „Als sich Deutschland gerade mitten im WM-Rausch befand, hat sich Bierhoff getraut, weithin hörbar herumzumäkeln. Er hoffe, sagte er vor versammelter Weltpresse, daß die Bundesliga sich das DFB-Team zum Vorbild nehme und somit aus ihrem Donröschenschlaf erwache. Diese als unsensibel empfundene Demütigung ist damals gar nicht gut angekommen und erst jüngst noch von Ligaboß Werner Hackmann als ‚nicht nachvollziehbare Kritik‘ bewertet worden. Auch Thomas Schaaf reagierte irritiert, was verständlich ist, weil er seit Jahren vormacht, wie moderner Fußball aussieht und als Anschauungsunterricht nicht erst Klinsmann brauchte. Aber all die anderen Trainer und Manager, die noch heute sauer auf Bierhoff sind, müssen bei nüchterner Betrachtung einräumen, daß was faul ist im Lande. Seit vier Jahren hat die deutsche Bundesliga lediglich einen einzigen Halbfinalisten in Champions League oder Uefa-Cup gestellt.“

Roland Zorn (FAZ) urteilt milder, aber nicht weniger enttäuscht: „Deutschland, armes Fußball-Land. Dabei konnten alle Klubs aus der Bundesliga, die am Ende mal lauter, mal leiser über ihre Mißgeschicke klagten, spielerisch fast immer mit der Konkurrenz Schritt halten. Was die desaströse Bilanz mit erst drei Siegen in zwölf Begegnungen herbeiführte, war ein entscheidendes Manko: die fehlende Kaltschnäuzigkeit und Zielstrebigkeit aller deutschen Erstliga-Vertreter der Güteklasse 1b vor dem Tor des Gegners. Das und noch vieles mehr haben ihnen die vertrauten Kollegen vom Premiumprodukt Champions League, seien sie aus München oder Bremen, eindeutig voraus.“

Thomas Klemm (FAZ) hätte sich die Treffsicherheit der Frankfurter auf und und nicht neben dem Platz gewünscht: „Als alles zu spät war, da trafen die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht reihenweise ins Schwarze. Diejenigen, die in den neunzig Minuten zuvor Flanken verfehlt hatten, deren Schüsse in den Beinen der englischen Abwehrspieler oder in den Armen des Torhüters gelandet waren, deren Heber über das Gehäuse von Newcastle United flog oder deren Kopfbälle an Harmlosigkeit schwer zu überbieten waren, sie fanden ihr Ziel mit hitzig geäußerten Worten statt mit kaltschnäuzigen Taten. Was hatten die Frankfurter für einen Riesenaufwand betrieben: Sie liefen unermüdlich, kämpften wacker, schossen vor allem in der zweiten Halbzeit eifrig, doch der Ertrag war dürftig: null Tore, ein Punkt und etwas Hoffnung, sich mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel die Möglichkeit auf ein Weiterkommen zu wahren.“

FAZ-Bericht Eintracht Frankfurt–Newcastle United (0:0)

Donnerstag, 30. November 2006

Ball und Buchstabe

Die Show auf ihren lächerlichen Kern reduziert

Die Tageszeitungen würdigen heute Max Merkel, der vorgestern nacht gestorben ist

Das Streiflicht (SZ) schätzte die Art, wie Merkel die Wahrheit bloßstellte und freilegte: „Seine Sprüche waren manchmal ziemlich gut. Warum? Weil das Showtalent Merkel sich die Freiheit nahm, einen Schritt weiterzugehen und die Show auf ihren lächerlichen Kern zu reduzieren. Dem Trainer Otto Rehhagel, der über Fußball redet, als ginge es um eine Theaterinszenierung (und über sich selbst, als ginge es um einen Literaturnobelpreisträger), hat er mit einem Satz die Gräten rausgezogen: ‚Früher hatte er Mühe, Omelett von Hamlet zu unterscheiden.‘ Auch wenn vieles längst abgeschmackt und verbraucht wirkte, auch wenn er dauernd daneben lag mit seinen Prognosen – in lichten Momenten sah er, was die vielen Fußballjubeljournalisten im Fernsehen und auch in seinem Blatt nicht sehen. Das verzweifelte Bemühen, das hilflose Rackern hinter der auf Hochglanz gewienerten Hülle.“

Tsp: Der Mensch mit der Peitsche – mit Witz und ohne Rücksicht sammelte Max Merkel Titel
SZ: Die Bundesliga verliert nicht nur einen Trainer, sondern einen Typen mit Unterhaltungswert
BLZ: Den HSV hätte er heute locker gerettet

BLZ: Ein Gespräch zwischen dem Vorsitzenden des jüdischen Klubs Makkabi und einem Spieler von Türkiyemspor über Rassismus und Antisemitismus auf Fußballplätzen in Berlin und dem ostdeutschen Umland
taz: Adebowale Ogungbure spielt Fußball in der ostdeutschen Oberliga. Das ist ein Problem für den schwarzen Profikicker von Sachsen Leipzig, denn er wird auf dem Platz regelmäßig beschimpft

FR: Newcastle United, das Schalke Englands

Am Grünen Tisch

Sauerei ja, Betrug eher nein

Zwei Beiträge aus der SZ unterstützen die Forderung der Bundesanwaltschaft nach Freispruch

Zwei Beiträge aus der SZ unterstützen die Forderung der Bundesanwaltschaft (siehe unten), Robert Hoyzer und Co vom Vorwurf des Betrugs freizusprechen – und zwar mit formaljuristischen Argumenten. Hans Holzhaider (SZ) legt nahe, daß der Bestand der Vermögensschädigung anderer und damit ein notwendiges Kriterium für einen Betrugsdelikt nicht gegeben sei: „Wessen Vermögen soll durch die Spielmanipulation geschädigt worden sein? Mit Sicherheit nicht das der Firma Oddset. Denn der Wettanbieter gewinnt immer, unabhängig davon, wie ein Spiel ausgeht, weil immer nur ein bestimmter Prozentsatz der Einsätze als Gewinn ausbezahlt wird. Es spricht im Gegenteil viel dafür, daß Oddset durch die Spielmanipulationen sogar finanziell besser gefahren ist. Zum Beispiel das berüchtigte Pokalspiel SC Paderborn gegen den HSV. Der HSV war hoher Favorit. Mit Sicherheit haben wesentlich mehr Wetter auf einen Hamburger Sieg gesetzt als umgekehrt. Hätte der HSV erwartungsgemäß gewonnen, hätte Oddset also weit mehr an Gewinnen auszahlen müssen als nach den zwei falsch gepfiffenen Elfmetern für Paderborn. Wer könnte noch geschädigt sein? Die Wetter, die auf einen HSV-Sieg gesetzt haben? Abgesehen davon, daß das ein unbekannter Personenkreis ist und der denkbare Schaden deshalb nicht zu beziffern wäre, eine höchst fragwürdige These: Es handelte sich ja um ein fiktives Vermögen, die bloße Chance eines Vermögenszuwachses. Alles in allem eine juristisch höchst knifflige Angelegenheit. Mit falsch pfeifenden Schiedsrichtern, diese Folgerung liegt nahe, muß der Sport eben doch mit seinen eigenen Mitteln zurechtkommen.“

Heribert Prantl (SZ) billigt die moralische Empörung über Hoyzer, zweifelt aber auch an der rechtlichen Belangbarkeit: „Falsch-Pfeiferei ist zwar eine Sauerei, weil sie gegen die Fußballregeln, die Standesregeln der Schiedsrichter und den Dienstvertrag mit dem DFB verstößt. Aber der Straftatbestand heißt nun einmal nicht ‚Sauerei‘, sondern ‚Betrug‘ – und die erforderlichen Merkmale (bis hin zum klar feststellbaren Vermögensschaden bei den getäuschten Menschen) können nicht einfach durch den Volkszorn ersetzt werden. (…) Schwer darzustellen ist der Vermögensschaden der Getäuschten (auch Trainer oder Vereinsvorstände kommen hier in Betracht). Das ist komplizierte Juristerei. Zur juristischen Kunst gehört freilich auch, von den Höhen der Rechtsauslegung herabzusteigen und das Ergebnis – Betrug ja oder nein – plausibel zu erklären.“

FAZ: Theo Zwanzigers Empörung über das Plädoyer der Bundesanwaltschaft

29. November 2006

Nicht einleuchtend

Der Bundesanwalt fordert einen Freispruch für Robert Hoyzer und die Sapinas, und die Presse glaubt, nicht richtig gehört zu haben

Peter Riesbeck (BLZ) zeigt auf die logischen Schwachstellen des Gesetzes: „Die Bundesstaatsanwaltschaft fordert einen Freispruch für die Angeklagten. Das mag überraschen. Schließlich wird Insiderhandel an der Börse auch strafrechtlich verfolgt. Hoyzer und der Insider Sapina könnten aber dennoch straffrei ausgehen. Nicht, weil ihnen das Verschieben der Spiele nicht nachzuweisen wäre. Sondern, weil schlicht die entsprechenden rechtlichen Grundlagen fehlen, um die Manipulationen zu bestrafen. Damit rächt sich, daß Deutschlands Politiker seit Jahren das Recht rund um das Glücksspiel vernachlässigen. Die Juristen unterscheiden nämlich fein zwischen Wetten und Glücksspiel. Zu Letzterem zählt etwa Lotto: Ob eine 13 oder eine 38 gezogen werde, sei reine Glückssache, argumentieren die Juristen. Bei der Wette aber verhalte sich das anders. Wer wettet, verfüge über spezielles Wissen und sei von seinem möglichen Sieg überzeugt. Einleuchtend ist dies nicht, es hat aber erhebliche rechtliche Konsequenzen: So sind Pferdewetten in Deutschland erlaubt (der Tipper mag ahnen, daß Pferd A besser in Form ist als Pferd B). Fußballwetten hingegen unterliegen dem staatlichen Wettmonopol. Das verwundert. Private Wettanbieter kämpfen deshalb seit Jahren darum, das Monopol zu knacken. Doch die Bundesländer schützen ihre staatlichen Lottogesellschaften, schließlich fließen deren Erlöse auch in die klammen Länderkassen.“

Matti Lieske (BLZ) versucht, aus dem Plädoyer schlau zu werden: „Der betroffene Wettanbieter Oddset sei, wenn wir das richtig verstanden haben, quasi selbst schuld, weil er nicht nachdrücklich genug deutlich gemacht habe, daß er Schummelei ganz und gar nicht billige. Das wollen wir doch erstmal sehen, meinte der Richter und vertagte die Verhandlung, um in Ruhe in sich gehen zu können. Verblüffend für den rechtsgläubigen, aber nicht rechtskundigen Bürger ist, daß beim Hoyzer-Prozeß ausgerechnet die Staatsanwälte den Angeklagten ständig glimpflich davonkommen lassen wollen. Gestoppt werden sie jeweils von den Richtern. Das war schon beim ersten Verfahren in Berlin so.“ Stefan Osterhaus (FTD) schließt Wichtigtuerei bei der Rechtsfindung nicht aus: „Offenkundig rächt sich nun, daß das Berliner Verfahren im Galopp durchgezogen wurde. Doch Bundesanwalt Hartmut Schneider vermittelt ein bißchen auch den Eindruck, daß wieder einmal ein Jurist von einem der spektakulärsten Prozesse, die Deutschland während der letzten Jahre erlebte, profitieren will – und das Medienaufkommen genießt. Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiß. Ein BGH-Richter machte bereits deutlich, daß die Einigkeit von Staatsanwaltschaft und Verteidigung noch lange kein Grund ist, dem auch bei der Urteilsfindung zu folgen: Vielmehr ließe sich davon ausgehen, daß ein Betrugsfall vorliege, erklärte einer der Richter, was der Auffassung Schneiders widerspricht. Dauerhafte Verwahrung im Gefängnis war den Betroffenen nicht beschieden gewesen. Bei der WM wurden die Sapina-Brüder im ICE auf dem Weg zum Halbfinale Deutschland–Italien gesehen. Sie trugen azurblaue Trikots – und hatten also mal wieder den richtigen Riecher.“

FAZ/Hintergrund: Freispruch für „böse Gaunerei“?
BLZ/Hintergrund: Nur eine kleine Gaunerei – die Bundesanwaltschaft hält den Betrug im Wettskandal um Robert Hoyzer nicht für Betrug und für nicht strafbar

Tsp: Rußlands Fußball im Sumpf der Manipulation

BLZ: Hertha BSC hat ein arges Kommunikationsproblem, weshalb der Aufsichtsrat Gegenbauer dem Geschäftsführer Schiller das Reden abnimmt
Tsp: Hertha BSC verbucht ein Rekordminus von 55,4 Millionen Euro – und leistet späte Aufklärungsarbeit
SZ: Posse um Herthas Schuldenstand
FR: Die Schulden von Hamburg, Schalke, Berlin und Dortmund

Dienstag, 28. November 2006

Internationaler Fußball

Paßt er ins System?

Nach dem 1:1 Chelseas in Manchester richten sich die Blicke der Kritiker vermehrt auf Michael Ballack

Christian Eichler (FAZ) faßt die Zweifel der englischen Presse an Michael Ballack und Andrej Schewtschenko zusammen: „Ballack als Ballast? Mehr und mehr äußern die in Englands Medien allgegenwärtigen ‚pundits‘, die Experten mit eigener Fußballvergangenheit, die Ansicht, die beiden Neueinkäufe paßten einfach nicht ins System von Chelsea. Der Versuch, durch die zusätzliche Zentrumskraft Ballack Zug zum Tor zu erreichen, durchs Mittel-Trio Lampard-Essien-Ballack, hat Chelsea mehrfach in die Enge geführt. Erst als Mourinho umstellte und den Flügelmann Robben brachte, öffnete und wendete sich das Spiel. Diesmal mußte dafür der Rechtsverteidiger Geremi weichen, dessen Rolle Essien übernahm. Doch Ballack kann nicht mehr sicher davor sein, daß die nächste Auswechslung ihn erwischt.“ Markus Lotter (Welt) hält Ballack seine Kosten/Nutzen-Kalkulation vor: „Vor kurzem noch hatte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft vorgegeben, daß er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten angepaßt hätte. Aber auch diesmal war alles wieder einmal zu schnell für Chelseas Topverdiener.“

Differenzierter urteilt Raphael Honigstein (SZ): „Der Fehler schien, nicht zum ersten Mal, auch im System zu liegen. Chelseas diamond, das ausschließlich aus vier zentralen Mittelfeldspielern bestehende Quartett, hat sicherlich die höchste Schleifhärte in Europa, doch er verströmt wenig Glanz. Die zwei vorigen Meisterschaften wurden souverän mit einer 4-3-3-Taktik errungen, weswegen nun eine Debatte um die Neuverpflichtungen losbricht. Andreij Schewtschenko, der Hauptgrund für die taktische Umstellung, sucht weiterhin seine Form, und auch Michael Ballack wird zunehmend kritisch betrachtet. In Wahrheit war der Deutsche nicht schlechter als seine Kollegen, er wirkte jedoch etwas überspielt, kam nicht so recht aus dem zweiten Gang und auch nicht in gefährliche Positionen.“ Honigstein würde, dem Tabellenstand zum Trotz, eher auf Chelsea wetten: „Die Red Devils führen weiterhin mit drei Punkten Abstand, aber am Ende dürften sich doch wieder die Londoner durchsetzen – mit gewaltiger Energie unterfütterter Positionsfußball läßt sich leichter reproduzieren als die Geistesblitze von Wayne Rooney oder Cristiano Ronaldo, von denen Uniteds Spiel zehrt.“

Hanspeter Künzler (NZZ) untersucht die Wirkung des herrischen und kühlen Tonfalls des Chelsea-CEOs Peter Kenyon auf die Fans: „Braucht Größe nicht auch Geschichte? Und so fügen die alten Chelsea-Fans, wenn sie sich heute in neutraler Gesellschaft outen, sogleich hinzu, sie seien schon in den bitteren achtziger und den noch keineswegs großartigen neunziger Jahren auf den Tribünen gesessen. Das Protzen von Kenyon und Co. paßt schlecht in ein England, wo Bescheidenheit da und dort immer noch als Tugend erachtet wird. Ein ähnliches Protzen brachte die Mehrheit vor noch nicht so langer Zeit gegen Manchester United auf. Nun haben sich die Dinge geändert. In vielen Londoner Pubs hoffte man am Sonntag auf einen Sieg der United.“

NZZ: Fabio Cannavaro – Maradonas Ballbub wird Fußballer des Jahres
faz.net: Vom Balljungen zum Weltmeister (mit Bildstrecke)

Unterhaus

Stimmungsaufheller

Weiter viel Zirkus um Christoph Daum, der gestern sein erstes Training geleitet hat

Stefan Hermanns (Tsp) lenkt den Blick auf die sportliche Aufgabe: „Wo immer Daum angefangen hat, fand er Mannschaften vor, die besser waren als ihr Tabellenstand, und Spieler, die zu den stärksten ihrer Zeit gehörten: Klaus Allofs und Toni Schumacher in Köln, dazu die drei künftigen Weltmeister Bodo Illgner, Thomas Häßler und Uwe Bein; in Stuttgart Guido Buchwald, der gerade im WM-Finale Diego Maradona ausgeschaltet hatte, und Matthias Sammer; bei Bayer schließlich Ulf Kirsten, Jens Nowotny, Christian Wörns. In Köln aber: Broich, Cullmann, Scherz, viel Mittelmaß insgesamt. Für Daum ist das die Chance seines Lebens. Wer es mit diesem Kader schafft, hat endgültig bewiesen, daß er ein großer Trainer ist.“

Stars in der Zweiten Liga – Daniel Theweleit (BLZ) deutet Daums Selbstvergleich mit Juventus: „Inzwischen gehört es zu den rheinischen Tugenden, den 1. FC Köln ungeachtet aller tabellarischen Fakten in die Phalanx des großen Spitzenfußballs hineinzufantasieren. Daum mischte dem verzerrten Selbstbild einen neuen Farbton bei. Galten die Kölner in den 60er und 70er Jahren als ‚Real Madrid vom Rhein‘, sind sie nun ‚Juventus Turin vom Dom‘. (…) Er hat seinen Mangel an kritischer Selbstreflexion sogar kultiviert. Wie selbstverständlich nahm er zur Kenntnis, daß seine Antrittspressekonferenz bei einem Zweitligisten von drei Fernsehsendern live übertragen wurde. Wahrscheinlich ist die Tatsache, daß er über eine Art konstruktiven Größenwahn verfügt wie sonst nur Franz Beckenbauer, sogar eines seiner Erfolgsgeheimnisse.“ Hermanns ergänzt, den 2:1-Sieg der Kölner in Fürth berücksichtigend: „Daum – Entschuldigung für den Vergleich – wirkt wie gutes Kokain. Er hellt die Stimmung auf, führt zu Euphorie, zu einem Gefühl gesteigerter Leistungsfähigkeit und vermehrter Aktivität. Den Spielern des 1. FC Köln hat schon eine kleine Prise genügt, um zum ersten Mal seit zwei Monaten ein Ligaspiel zu gewinnen.“

Tsp: Erfolgstrainer, Fast-Bundestrainer, Koksaffäre: Christoph Daum war eine persona non grata im deutschen Fußball – jetzt ist er zurück. Die Fans des 1. FC Köln feiern ihn wie einen Titel. Seine Vergangenheit? Kollektive Amnesie
FAZ: Christoph Daum – der Magier beginnt sein Werk

Bundesliga

Mobbing und Auseinandersetzung

Der FAZ entnehmen wir, daß sich die Spieler von Bayer Leverkusen trotz des 3:1-Siegs über Energie Cottbus, entgegen des Rituals, nach dem Spiel nicht bei den Fans bedankt hätten. Gregor Derichs fügt diese Weigerung in sein Bild ein, das er sich aufgrund der gereizten Stimmung im Klub gemacht hat: „Die Bayer 04 Fußball GmbH entwickelt sich zu einem Sonderfall des deutschen Fußballs. Die Atmosphäre im Umfeld des Vereins scheint vergiftet zu sein. Die Fans lassen ihre Frustration über die in dieser Saison mageren Resultate in nachhaltigen Attacken gegen Vereinschef Wolfgang Holzhäuser und Trainer Michael Skibbe aus. Holzhäuser geht das anhaltende Mobbing ziemlich nahe. Tapfer sagt er jedoch, die Fans hätten das Recht zu Meinungsäußerungen. Es ist aber auch die von ihm selbst geschaffene Struktur des als Kapitalgesellschaft geführten Klubs, die ihn in den Mittelpunkt der Kritik rückt. Präsidenten oder Vorstandsmitglieder existieren nicht, Sportdirektor Rudi Völler steht als Ikone des deutschen Fußballs außerhalb jeder Kritik. Es gibt noch einen Manager namens Michael Reschke, ein ehemaliger Jugendtrainer, der sich hochgedient hat. Doch der Diplomsportlehrer darf sich nicht öffentlich äußern, was laut Holzhäuser sogar vertraglich fixiert ist. Bei einer Auseinandersetzung mit Klubvertretern bietet sich den Fans also allein Holzhäuser an.“

Spielerisch armselig

0:1 in Stuttgart – zwar eine knappe Niederlage, doch Oliver Trust (Tsp) stellt Borussia Mönchengladbach ein vernichtendes Zeugnis aus: „Das Spiel beim VfB war kein Angebot zur Versöhnung mit seinen Kritikern. Überall standen die Männer vom Niederrhein und wirkten wie Schiffbrüchige, die in einem löchrigen Kahn sitzen, den nur ständiges Wasserschöpfen vor dem Sinken bewahrt. Mainz und dem HSV zum Trotz: Die Borussen stellen zurzeit die schlechteste Mannschaft der Liga: spielerisch armselig, ohne Ideen, ohne taktische Disziplin und mit erschreckenden individuellen Aussetzern. 70 Minuten lang bestand die Darbietung der Borussen aus einer unansehnlichen Kickerei.“

Passable Ergebnisse mit bescheidenen Mitteln

In allen Vergleichen Stefan Osterhaus‚ (NZZ) schneidet Thomas von Heesen als smarter Sieger ab: „Bielefelds Konkurrenten haben offenbar erkannt, was für von Heesen spricht: bestechende Sachlichkeit im Auftritt, eine Rhetorik, welche die Mannschaftsaufstellung mit der dazugehörigen taktischen Marschroute nicht gleich ins Reich der Geheimwissenschaft weist, die bloß Alchemisten mit Trainerdiplom vorbehalten ist. Er kann mit bescheidenen Mitteln passable Ergebnisse erzielen, der Mann hat eine Idee vom Spiel – daß alle das so bemerkenswert finden, sagt indirekt auch etwas über den Zustand der deutschen Trainer-Kaste aus. Ehedem hingen die Wißbegierigen von Heesens Vorgänger Uwe Rapolder an den Lippen, der viel Dampf um den sogenannten Systemfußball machte. Weil der die Klasse gehalten hatte, galt Rapolder nicht nur in Bielefeld als außerordentlicher Coach. Klammheimlich aber hat von Heesen das Team besser und besser gemacht, beinahe unbemerkt hat er schon in der Vorsaison das Ergebnis Rapolders übertroffen. In dieser Spielzeit könnte am Ende sogar ein Rang im oberen Mittelfeld herausspringen, was in Bielefeld mindestens so viel wert ist wie in Bremen die Meisterschaft.“

Montag, 27. November 2006

Bundesliga

Die faszinierende Aura des Zerfalls

Pressestimmen zum 14. Spieltag: Nach der erneuten Niederlage findet die Hamburger Personaldiskussion Fortsetzung, Vertiefung und Verästelung / Sebastian Deislers Comeback öffnet die Herzen der Fußballfreunde; Bayern München, eine seltsame Mannschaft / Die Fußballexperten verneigen sich vor Miroslav Klose / Hat Schalke bald zu viele gute Spieler? / Resignation in Mainz? / Das Spiel Wolfsburg gegen Nürnberg macht die Journalisten ohnmächtig, wütend und enttäuscht

Matthias Linnenbrügger (Welt) schöpft aus der Quelle Internet, um die schwindende Liebe der HSV-Fans zu Thomas Doll belegen zu wollen: „Daß sie längst nicht mehr so geschlossen wie noch vor Wochen hinter ihm stehen, läßt sich in den Internetforen ablesen. Dort wird er als ‚Pattex-Dolly‘ verspottet – weil er an seinem Stuhl klebe. Nach dem Bayern-Spiel wurde die ‚Initiative Trainerwechsel‘ ins Leben gerufen: Unter dollraus.de.vu werden Fans dazu aufgefordert, sich für die Entlassung auszusprechen.“

Jan Christian Müller (FR) befaßt sich mit Hamburger Personaldiskussionen: „Beiersdorfer, Doll und Hoffmann, alle drei noch relativ jung in diesen Positionen im Geschäft, haben Fehler gemacht. Dennoch wäre es ein herber Rückschlag für den Klub mit seinen hervorragenden Rahmenbedingungen für Spitzenfußball, wenn diese drei, denen der Verein eine Herzensangelegenheit ist, im Sog der Erfolglosigkeit in toto weggespült würden. Der HSV hatte sich nach der ebenfalls nur für kurze Zeit erfolgreichen Ära Hackmann/Hieronymus/Pagelsdorf sinnvoll neu aufgestellt. Aber falls es in Bochum wieder eine Niederlage setzt, sollte Doll die Konsequenzen ziehen. Er würde als Fußballtrainer dennoch seinen Weg machen.“

Die Einsamkeit des Trainers

Oke Göttlich (taz) verdeutlicht die hohe Trainingskultur beim HSV: „Die Vereinsführung bleibt ihrer Linie treu, die Ursachen eher bei der Einstellung der Profis und der Verletzungsmisere zu suchen als bei dem Trainer, der ja ein wichtiger Mosaikstein im gesamten sportlichen Aufbau des Vereins ist. Einen fünfstelligen Betrag investiert der Verein gerade in das neue HSV-Labor. Alle Blut-, Puls-, Laktat- oder Fettwerte, Trainings- und Matchreports sollen in einer Datenbank erfaßt werden. Inspirieren ließ sich Beiersdorfer wie in vielen Dingen aus der Serie A, in der Doll wie er gespielt haben. Man stelle sich mal Peter Neururer oder einen anderen Trainer aus der Feuerwehrmann-Kaste bei der wissenschaftlichen Auswertung dieser Daten mitsamt der Auswirkungen auf die Aufstellung vor. Trainer und Vorstände, die derart fortschrittliche Leistungsdiagnostiken nutzen, gibt es in Deutschland nicht viele. Und somit auch nicht viele Trainer, auf die ein solches Anforderungsprofil zuträfe.“

Frank Heike (FAZ) verliert die Hoffnung: „Das traurigste Thomas-Doll-Bild gibt es nach der Pressekonferenz. Man muß kein Mitleid haben mit einem hochbezahlten Fußball-Trainer. Wie Doll aber die zehn Meter vom Podium zum Ausgang schleicht, mit stierem Blick zur Seite, hängenden Schultern, matt, müde und ganz klein, das ist ein Bild des Jammers. Es ist die Einsamkeit des Trainers in der nicht enden wollenden Krise. Woher soll dieser Mann die Kraft nehmen, seine Mannschaft wieder stark zu machen? Vom Hamburger SV geht in diesen Tagen eine irgendwie auch faszinierende Aura des Zerfalls aus.“ Heike kann die zweite Halbzeit im Spiel gegen Bayern nicht akzeptieren: „Wieder einmal hat der HSV nur eine Halbzeit gekämpft und alles gegeben. In anderen Vereinen wäre das ein Indiz dafür, daß der Trainer die Mannschaft nicht mehr ‚erreicht‘. Ein Kündigungsgrund. Beim HSV nicht.“

Geschmeidigkeit im Unterschenkel

Das geglückte Comeback Sebastian Deislers läßt den Beobachtern das Herz aufgehen. Markus Lotter (Welt) streut Blumen: „Deisler, das vom Schicksal gebeutelte Ausnahmetalent, hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit zwei kreativen Momenten, die demonstrierten, daß er auch in den vergangenen acht Monaten, die er zur Rehabilitierung eines Knorpelschadens im rechten Knie benötigte, nichts von seiner Andersartigkeit eingebüßt hat. Wie ein kleines Fußballwunder erscheint es, daß er nach sechs Knieoperationen und einer im Profifußball wohl unvergleichlichen Leidensgeschichte immer noch dazu fähig ist, den Unterschied auszumachen.“ Klaus Hoeltzenbein (SZ) schnalzt mit der Zunge: „Die zahlende Kundschaft bekam in wenigen Aktionen vermittelt, was der Bundesliga in den letzten acht Monaten wieder einmal fehlte. Die Geschmeidigkeit scheint geblieben zu sein, Deisler hat immer noch diesen leichten, eleganten Schlag aus dem Unterschenkel, mit dem er dem Ball in Kurvenlagen befördern kann, wie nur wenige außer ihm.“

Doppelgesichtigkeit

Matti Lieske (BLZ) schreibt den Siegern seine Kritik hinter die Ohren: „Die Bayern werden es in dieser Saison schwer haben, einen Champions-League-Rang zu erreichen, wenn sie sich nicht gravierend verbessern. Ihr derzeitiger Tabellenplatz entspricht jedenfalls nicht den bisher gezeigten Leistungen, was sich durch einen simplen Umstand illustrieren läßt. Hätten die Münchner gegen ein normales Team gespielt und folgerichtig verloren, dann hätten sie jetzt eine Niederlage mehr auf dem Konto als der HSV, das ausgewiesene Krisenteam der Bundesliga.“ Hoeltzenbein hebt die Doppelgesichtigkeit der Bayern hervor: „Diese seltsame Mannschaft hat ja schon vielerlei gezeigt oder unterlassen in dieser Saison, aber so extrem wie beim HSV hatte sie es bislang nicht getrieben: die erste Hälfte komplett verschlafen, das Spiel aber am Ende nicht nur 2:1 gewonnen, sondern auch mit dem bleibenden Eindruck abgeschlossen, daß die Spätstarter aus München bei Bedarf natürlich doch wieder all die Kraftquellen besitzen, um ihren Titel verteidigen zu können.“

Die große Miro-Klose-Show

Bremen unterjocht Bielefeld mit 3:0, und Roland Zorn (FAZ) läuft das Wasser im Mund zusammen: „Die Profis von Werder Bremen gelten seit längerem als kundenfreundlichste deutsche Mannschaft. Sie liefern nicht nur Siege wie auf Bestellung ab, sondern außerdem die Zugabe für den Fußball-Gourmet. Drei Tage nach dem klug erkämpften Fünfsterne-de-Luxe-Erfolg über den FC Chelsea zelebrierte Werder den Sieg über Arminia Bielefeld mit einer Freude am Beruf, die die Zuschauer vor allem nach der Pause faszinierte. Das Publikum bekam die große Miro-Klose-Show geboten.“ Ralf Wiegand (SZ) bezeichnet die Vorstellung Kloses als die „wohl beste Einzelleistung eines Bundesligaprofis in dieser Saison.“

Tsp: Wie lange kann Bremen Klose noch halten?

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Bundesliga

Beschäftigungspolitiker

Fortsetzung: Pressestimmen zum 14. Spieltag

Schalkes Trainer könnte nun mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert werden: zu viele gute Spieler und zu wenige Spiele, meint Philipp Selldorf (SZ): „Da Schalke durch das Scheitern in Uefa- und DFB-Pokal nur noch in der Meisterschaft engagiert ist, muß Mirko Slomka nun mit den Einsatzzeiten für seine Spieler haushalten wie ein Finanzminister. Kapitän Bordon drängt zurück in die erste Elf, für ihn müßten dann unverdienterweise Krstajic oder Rodriguez weichen, denn auf den Außenposten sind Rafinha und Pander unentbehrlich. Für die Prominenten Ernst und Lincoln ist eigentlich kein dringender Bedarf, weil in ihrer Abwesenheit das Mittelfeld um Kobiaschwili und Bajramovic eine symbiotische Beziehung zum variablen Sturmtrio mit Halil Altintop, Kuranyi und dem zunehmend besser werdenden Lövenkrands entwickelt hat. Seltsam, aber wahr: Slomka hat sich erfolgreich einer aggressiven Trainer-Debatte erwehrt, er hat seinen Beitrag zur Versöhnung mit der vor Wochen noch heftig aufgebrachten Anhängerschaft geleistet, er hat die Diskussion um die Torhüter Rost und Neuer standhaft ausgehalten, er genießt als Trainer des Tabellenführers den Respekt der Konkurrenz – und doch wird er als Beschäftigungspolitiker vor seinem Luxuskader streng gefordert.“

taz: Der Medienboykott auf Schalke geht weiter, sogar Slomka zeigt sich solidarisch; leider werden auch die Nebenwirkungen immer stärker

Am Boden

Nach dem 0:1 in Hannover – Michael Eder (FAZ) fürchtet, daß sich Mainz vor der Rückrunde aufgeben könnte: „Anzeichen von Resignation waren im Mainzer Lager nicht zu übersehen. Bis Weihnachten, so die Befürchtung, könnte der Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenplatz so groß und die Stimmung so sehr am Boden sein, daß es kaum noch begründete Hoffnung auf den Klassenverbleib gäbe. Und schon wird im Umfeld diskutiert, ob es im schlechtesten Fall der Fälle, bei drei weiteren Niederlagen also, überhaupt einen Sinn ergäbe, die rund zwei Millionen Euro, die man auf der hohen Kante hat, noch in das Projekt Klassenverbleib zu investieren.“

Bei der Sportschau eingenickt

1:1 in Wolfsburg – diesmal stimmt bei Nürnberg nicht mal die B-Note, rügt Javier Cáceres (SZ): „Im bisherigen Saisonverlauf waren die Nürnberger vom Geist der Kreativität beseelt, da sie aber in gleich fünf Partien Führungen hergeschenkt hatten und ihr offensiver Stil in den Medien zunehmend mit Naivität gleichgesetzt wurde, verabredeten sie sich diesmal nach dem 1:0 zu rigider Selbstbeschränkung. Daß sie trotz eklatanter Wolfsburger Unzulänglichkeiten im Aufbauspiel genau dafür bestraft wurden und also auch zum sechsten Mal eine Führung abgaben, diesmal halt anders, verlieh der horriblen Partie eine interessante, fast schon läuternde Note. Denn die Nürnberger hatten anscheinend noch weniger Spaß an ihrem initiativlosen Spiel als die Zuschauer; ein Beteiligter nannte es gar ‚ein Verbrechen‘, nach sieben Minuten damit zu beginnen, den Schlußpfiff abzuwarten.“

Martin Müller (FAZ) dreht den zwei Mannschaften seinen Hintern zu: „Der Streit zwischen dem Bedürfnis nach schönem Fußball und dem Zwang zu Ergebnissen ist älter als die legendäre argentinische Trainerphilosophen-Kontroverse Menotti (Schönheit) versus Bilardo (Effizienz), und letztlich ist das Dilemma unauflösbar. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich die Zahl der freudlosen Spiele in dieser Bundesligasaison gesteigert hat – und zwar ganz speziell, wenn Wolfsburg beteiligt ist. Das Spiel geht in die Geschichte ein, mit dem nach Aussage der Beteiligten ‚alle leben können‘. Abgesehen von den Leuten, die hingehen, um Fußball zu sehen.“ Katrin Weber-Klüver (taz) fügt hinzu: „Die Wolfsburger Wirklichkeit ist Mittelmaß vor leeren Rängen. Bis zur Mitte dieser Hinrunde, vielleicht als Reminiszenz an die vergangene Spielzeit, versuchte sich Wolfsburg weiter als Wettbewerber im Abstiegskampf. Hat aber nicht funktioniert. Seit dem 11. Spieltag ist der VfL 8., mit zwei Bestmarken: Kein Verein hat weniger Gegentreffer kassiert; leider aber auch kein anderer außer Mainz weniger Tore erzielt. So viel Nichts berührt niemanden.“ Sie schließt mit einer Selbstbeobachtung: „Da wartet einer freudig auf die Sportschau, schaut dann begierig eine Zusammenfassung nach der anderen – und beim Spiel des VfL Wolfsburg nickt er ein.“

NZZ-Bericht ManU–Chelsea (1:1)

BLZ: Der Tod eines Pariser Hooligans löst in Frankreich eine intensive Debatte über Gewalt im Fußball aus

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Sonntag, 26. November 2006

Unterhaus

Erfolgreicher Gaukel

Pressestimmen zur Mitgliederversammlung des 1. FC Köln

Die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln veranlaßt die Presse zu bissigen Bemerkungen über die Vereinsführung – und über das Kölner Volk, das von der Verpflichtung Christoph Daums offenbar derart beflügelt ist, daß es seinem Vorstand alles durchgehen läßt. Richard Leipold (FAZ) beobachtet den Präsidenten und seine Wirkung: „Die Art, wie Wolfgang Overath seine frohe Botschaft verkündet, läßt darauf schließen, daß er in Kauf nimmt, den Status der Ikone fortan mit dem Trainer zu teilen. Overath und Daum: Die zur Unfehlbarkeit gesteigerte Kompetenz, die sich für manche hinter diesen beiden Namen verbirgt, löst nahezu jede Blockade, zumindest in diesem Augenblick. Der Präsident mag manchen Fehler gemacht (und eingeräumt) haben, aber am Ende hat er in den Augen der Mitglieder die einzig richtige Lösung gefunden – auch wenn sich hartnäckig ein kleiner Rest an Kritik hält. So will ein frecher Frager wissen, warum vier Abstiege nötig gewesen seien, um Daum als Heiland zu erkennen.“

Die Trommelschläge des Managers und seine Ankündigungen, mehr (also mehr Geld) zu riskieren sollten, laut Leipold, mit großer Vorsicht bewertet werden – womit er aber alleine zu stehen scheint: „In Dortmund erinnern sie sich mit Grausen an Michael Meiers Risikofreude. Aber das macht nichts. Auf dem Kölner Podium bekommt er viel Applaus. An diesem Abend scheint kein Preis, kein Risiko zu hoch für den Traum von einer besseren Fußball-Welt – weil kein Zweifel möglich scheint, daß es Daum gelingen werde, aufzusteigen: erst in die Bundesliga und dann ins europäische Establishment. Das neue Dreigestirn weckt Erinnerungen an einen alten Anspruch. Meier erzählt den Menschen im Saal von den Eindrücken bei seiner Rückkehr vor knapp einem Jahr. Das schöne Stadion, der wirtschaftliche Status, die frohgemuten Fans: All das habe ihn begeistert. Aber er sei auch entsetzt gewesen, weil etwas Fundamentales abhanden gekommen sei: ‚die elitäre Arroganz‘, die diesen Klub einst ausgezeichnet habe. In Gedanken schicken die Kölner sich wieder an, das Real Madrid des Westens zu werden.“

Auch Peter Stützer (Welt) ist Overaths Freifahrtsschein aufgefallen, dem ihn die Kölnern gewähren: „Overath hat das Volk hinter sich. Der rasante Fall des Traditionsklubs bis in die Niederungen der Zweiten Liga hat eher mit dem Wetter zu tun, dem Rasen, vielleicht sind die Düsseldorfer doch ansteckend – aber unseren Helden tun wir nichts.“ Mit spitzer Feder protokolliert Stützer: „Es werden noch die Anstoßzeiten kritisiert, ein Ex-Trainer als Alkoholiker beschimpft und die Musikauswahl beim Saaleinlaß bemängelt: ‚Im Mozart-Jahr hätten sie ja wirklich mal Don Giovanni oder Figaros Hochzeit auflegen können.‘ Es war eine schöne Fragestunde. Und Overath, der die meisten Antworten schuldig blieb, schrieb noch sehr lange Autogramme.“ Leipold fällt dazu ein: „Es würde passen. Don Giovanni ist wie Christoph Daum ein Mann, der virtuos mit Gefühlen zu spielen versteht. Der eine gaukelt mit Frauen, der andere mit Fußball. Und jeder von beiden ist auf eine gewisse Art sogar erfolgreich.“

FR: Berauscht von der Droge Daum

Samstag, 25. November 2006

Allgemein

Ideen- und klassearm

Die 0:1-Niederlage Bayer Leverkusens gegen die Tottenham Hotspurs läßt die Journalisten Alarm schlagen und an die Fünfjahreswertung der Uefa erinnern

Die Presse diskutiert seit Wochen halb besorgt, halb belustigt das Szenario, daß Deutschland in der Fünfjahreswertung von Rumänien, Rußland und Portugal überholt werden könnte und damit einen Startplatz in der Champions League einbüßen müßte. Philipp Selldorf (SZ) wirft angesichts der teils schwachen Leistungen deutscher Klubs in europäischen Wettbewerben ein: „Wäre das denn schlimm? Ist es nicht für das Ansehen der Liga viel besser, wenn ihr Blamagen erspart bleiben, wie sie der Hamburger SV in dieser Saison beschert? Mag sein. Aber erstens wird es ein Heulen und ein Jammern geben über die entgangenen Millionen, welche die Champions League durch die garantierten Prämien und Beteiligungen am TV-Erlös in die Liga leitet. Und zweitens endet ja nicht zwangsläufig die Serie der internationalen Peinlichkeiten, denn zunächst gäbe es für die Bundesliga einen zusätzlichen Platz im Uefa-Cup.“

Roland Zorn (FAZ) bedauert die Schwäche und den Stilverfall Bayer Leverkusens: „Die donnernden Rufe nach Dimitar Berbatow konnten auch als Hilfeschrei in eigener Sache begriffen werden. In Berbatow hat der vorerst letzte große Spieler den Werksverein verlassen, der einen Hauch von Glamour und Extravaganz auf dem Platz verbreitete. Alles, was Bayer Leverkusen jahrelang zu einer Nischen-Attraktion im deutschen und europäischen Fußball gemacht hat, ist inzwischen wie weggeblasen. Ideen- und klassearm ließ sich die Bundesliga-Durchschnittsmannschaft bei ihrem zweiten Saisonauftritt im Uefa-Pokal-Wettbewerb von den Spurs in Schach halten. (…) Die einst schwerelosen Fußball-Ästheten unter dem Bayer-Kreuz wirken überanstrengt beim – zuletzt untauglichen – Versuch, der Schwerkraft im Fußballalltag zu trotzen.“ Erik Eggers (Tagesspiegel) sagt Leverkusens Trainer kältere Tage voraus: „In den letzten Wochen profitierte Skibbe vom Medienrummel, den die Personalie Christoph Daum im nahen Köln entfachte. Im Vergleich dazu rutschte alles, was unter dem Bayer-Kreuz geschah, fast unter die Wahrnehmungsschwelle. Hält aber der sportliche Mißerfolg an, wird Skibbe nicht ewig im Windschatten Daums segeln können. Der Druck wächst. Das Vorhaben, den Vertrag mit Skibbe vorzeitig zu verlängern, wurde bereits auf die Winterpause verschoben.“

SZ: Bleibt er, geht er oder fliegt er? Die Zeit der Analysen ist für HSV-Trainer Thomas Doll vorbei

BLZ: Jan Schlaudraff neigt zu großen Szenen und missverständlicher Nicht-Gestik

SZ: Abonnenten streiten mit Premiere über Smartcards, Kündigungen und Preiserhöhungen. Das Unternehmen ist offensichtlich nicht zimperlich, wenn es darum geht, Kunden an sich zu binden

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