indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Samstag, 13. August 2005

11 Freundinnen

Schwach in der Breite

Nach wie vor geringes Interesse der Medien für die Frauen-Bundesliga – Matthias Kittmann (FR 13.8.) ergründet die Ursache: „Ein Dauerproblem des Frauenfußballs ist das krass unterschiedliche Leistungsniveau der Liga. Schon eine Partie des Sechsten gegen den Siebten der Spielklasse kann Fußballfeinschmecker erschaudern lassen, Fehlpässe und Stockfehler sind bei acht der zwölf Teams Alltag. Um es hart zu sagen: So gut der Frauenfußball in der Spitze ist, so schwach ist er in der Breite. Die letzten vier der Tabelle sind unter regulären Bedingungen chancenlos gegen die ersten drei 1. FFC Frankfurt, Potsdam und Duisburg. Und wenn es dann noch passiert, dass FFC-Stadtrivale FSV nach dem Verlust seines kompletten Bundesligateams jetzt mit Zweit- und Drittliga-Spielerinnen antritt, wird der Wettbewerb endgültig zur Farce. Selbst Tasmania Berlin hat damals bei den Männern wenigstens ein Spiel gewonnen. Wie’s im Moment aussieht, wäre für den FSV schon ein Punkt eine Sensation. (…) Das strukturelle Problem müssen die Klubs gemeinsam mit dem DFB lösen, wollen sie mehr Aufmerksamkeit der Medien erzwingen. Das Sinnvollste wäre zweifellos eine Verkleinerung der Liga auf acht Klubs, was Leistungsdichte und Spannung gut täte. So lange dies nicht geschieht, wird sich an der Rolle der Frauen-Bundesliga in den Medien nichts ändern.“

Welt: Fußballspielerinnen werden für die Werbebranche attraktiv

Ein neues Magazin – Die Sportsfrau versucht den Brückenschlag vom Hintergrund-Magazin für Sportlerinnen zum gesunden Lesefutter der Wellness-Walking-Welle, taz

Bundesliga

Geschichte wiederholt sich, nur umgekehrt

Vor dem Spiel der Nachbarn Dortmund und Schalke schreibt Richard Leipold (Tsp 13.8.): „Im westlichen Fußballrevier ist ein Paradigmenwechsel im Gange. Der Erzrivale aus Gelsenkirchen nimmt mit einer teuren Mannschaft die Verfolgung des FC Bayern auf. Die Dortmunder hingegen sind froh, überhaupt noch dabei sein zu können. Die Geschichte wiederholt sich, nur umgekehrt: Einst stand Schalke vor der Pleite, und Dortmund schickte sich an, die Bayern zu jagen. Nun ist Schalke der große Investor, und Dortmund muss sich gesundschrumpfen. (…) Weil es an Geld fehlt, wollen die Dortmunder mit Mannschaftsgeist den Qualitätsverlust ausgleichen – wie vormals die Schalker.“

FR: Beim Revierschlager ist nichts mehr, wie es noch vor wenigen Jahren war

Wie viel Hitzfeld steckt in Henke?

Tobias Schächter (SZ 13.8.) bemerkt zur schweren Aufgabe des Kaiserslauterer Trainers: „Wer mit dem Teufel Suppe essen will, der braucht, so wird behauptet, einen langen Löffel. Und es wird vermutet, dass Fußballlehrer Michael Henke einen sehr langen Löffel braucht, denn Henke hat sich mit dem Teufel an den Tisch gesetzt. Die Frage, ob es dem langjährigen Assistenten von Ottmar Hitzfeld auf seiner ersten Station als Cheftrainer gelingt, den 1. FC Kaiserslautern zu zähmen, ist eine der spannendsten der neuen Saison. Denn die Zeiten, in denen ein Besuch im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg für jeden Gegner gefahrenreich wie ein Gang durch die Hölle war, sind Folklore. Der erste Klub in der Pfalz beschäftigte sich zuletzt mit sich selbst, seinen Finanzproblemen, einer disharmonischen Mannschaft und Anhängern, deren Gunst erst wieder erworben werden muss. (…) Seit seinem Amtsantritt in der Pfalz bekommt er von jedem Journalisten die eine Frage zu hören: Wie viel Hitzfeld steckt in Henke? Wie viel Henke in Hitzfeld steckt, hat noch niemand gefragt. (…) Der Henke von Henke heißt Manfred Rauscher.“

Wie schlechtes Wetter im August

Gerd Schneider (FAZ 13.8.) beschreibt das Verhältnis des Nürnberger Anhangs zu Michael A. Roth, der heute 70 wird und eine Stadionrunde Würstchen spendiert: „Mit seinem leuchtend weißen Haarschopf, seinem eisgrauen Bart und dem patriarchalischen Habitus wirkt der nur 1,63 Meter große Roth heute wie ein Relikt aus einer Zeit, als sich die Eichbergs und Ohms Fußballklubs aus purem Vergnügen zu leisten schienen. Doch man darf sich nicht täuschen. Roth ist keiner dieser einstigen Sonnenkönige. Er hat aus einem Einmannbetrieb ein Unternehmen (ARO) aufgebaut, das in Europa 140 Filialen hat und 150 Millionen Euro pro Jahr umsetzt. Auch der 1. FC Nürnberg funktioniert heute, soweit das in dieser Branche möglich ist, nach den Gesetzen der wirtschaftlichen Vernunft. Was aber nicht heißt, daß Roth nicht mehr zu unbedachten Äußerungen neigte. Er regiert den Club nach wie vor nach Art eines Duodez-Fürsten. Doch inzwischen nehmen die Nürnberger ihren Roth so hin wie schlechtes Wetter im August: Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern.“

Trainer ohne Eigenschaften

Matthias Wolf (BLZ 13.8.) würdigt die Arbeit Friedhelm Funkels: „Wenn es vorbei war, packte er stets leise seine Sachen, flog in sein Domizil auf Mallorca und wartete auf Offerten. Im Sommer 2004 rief die Eintracht an, die von Ralf Rangnick einen Korb erhalten hatte. Der fand den Kader zu schlecht. Funkel übernahm den Job. Nur einmal sagte er nein: Als er die Nationalelf für neun Monate bis zum geplanten Amtsantritt von Christoph Daum übernehmen sollte. Dafür war er sich zu schade. Doch der Vorgang beweist, wie sehr Funkel geschätzt wird. Er ist kein Konzepttrainer wie Rangnick oder Rapolder, kein Lautsprecher wie Neururer. Er verrichtet seine Arbeit unauffällig, sachlich, solide. Mancher Vereinsführung, die von Glamour träumt, ist das zu wenig. Vielleicht ja auch den Frankfurtern, die ihm zweimal nur einen Einjahresvertrag gaben. Solche Papiere hätte sonst kaum einer unterschrieben. (…) Womöglich haben sie am Main ja die Qualität des Mannes erkannt, der als Trainer ohne Eigenschaften oft verkannt wurde.“

Kurskorrektur

Wohin führt Leverkusens Weg, Frank Hellmann (FR 13.8.)? „Der Konzern-Klub hat sich aus dem Reigen der Jäger verabschiedet: Weil die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH unter der Ägide des generösen Reiner Calmund gewaltige Schulden anhäufte – die die Bayer AG schweigend beglich – werkelt Holzhäuser an der Kurskorrektur.“

Welt-Interview mit Klaus Augenthaler
BLZ: Bayer Leverkusen will die Bayern düpieren

SZ-Interview mit Roy Makaay
Tsp-Interview mit Gilberto, Hertha BSC
FR-Interview mit Marko Rehmer

Freitag, 12. August 2005

Internationaler Fußball

Meisterschaft zweier Mannschaften

Vor dem Start der Premier League fürchtet (nicht nur) Raphael Honigstein (SZ 12.8.) Langeweile: „Irgendwie sind die Dinge in diesem Sommer etwas verkehrt: Ganz England erregt sich über Cricket, den langweiligsten Sport, der je erfunden wurde, weil man zum ersten Mal seit 1987 eine reelle Chance hat, die übermächtigen Australier zu schlagen. Vom aufregendsten Sport, der je erfunden wurde, scheint man dagegen gelangweilt; zum ersten Mal seit vielen Jahren sind sich die Fußball-Experten einig, dass der Meister des Vorjahres, die übermächtigen Blauen vom FC Chelsea, auch diesmal nicht zu schlagen ist. Der Guardian schrieb von der ‚Meisterschaft zweier Mannschaften’. Gemeint waren die erste und zweite Elf der Londoner. (…) Ganz sicher wird man vor den Stadien übrigens mit verschärften Sicherheitskontrollen rechnen müssen. Die großen Vereine haben sich bereits mit der Polizei getroffen, um neue Konzepte zu erörtern. Auch Arsenal war dabei, obwohl die wahrscheinlich wenig zu befürchten haben: Osama bin Laden, das ist kein Witz, ist ja ein erklärter Gunners-Fan. 1994 besuchte der Mann vier Spiele in Highbury und kaufte seinem Sohn ein Trikot im Fanshop.“

Welt: Arsenal London, Manchester United und Liverpool fordern den Meister heraus

Champions League

Baustelle ohne Polier und Architekt

1:2 in Basel – Roland Zorn (FAZ 12.8.) begutachtet den Bremer Hoch- und Schiefbau: „Werder präsentierte sich speziell in der Abwehr, die sich dieses Etikett gegenüber den draufgängerischen Schweizern erst spät in der zweiten Hälfte verdiente, wie eine Baustelle ohne Polier und Architekt. Die Bremer Maurer, allen voran die Außenverteidiger Davala und van Damme, aber auch der jugendlich-naive Naldo, schienen zwischendurch nicht einmal zu wissen, wie ihr Mörtel zur fest verfugten Verteidigungszone angerührt wird.“

SZ: Bremens Ausflug in die eigenen Abgründe
Tsp: Bremens neues offenbart Personal erstaunliche Schwächen

Ball und Buchstabe

Trauerspiel

Benedikt Voigt (Tsp 12.8.) kritisiert die Entscheidung, das Spiel Ajax Amsterdam gegen ADO Den Haag wegen Angst vor Fan-Gewalt an einen unbekannten Ort, vermutlich nach Deutschland, zu verlegen: „Das ist eine Bankrotterklärung. Zwar unternimmt Holland einiges gegen seine Fußballfeinde, zum Beispiel müssen sich alle Zuschauer bei Ajax persönlich registrieren lassen. Doch das genügt offenbar nicht. Der Verband muss sich härtere Maßnahmen einfallen lassen, ein handverlesenes Publikum etwa oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Denn die Partie kann nur ein Ergebnis haben: So ein Trauerspiel darf nie wieder stattfinden. (…) Der holländische Fußball läuft vor seinen Hooligans davon.“

Bundesliga

Moderner Patriarch

Hannover – Jörg Marwedel (SZ 12.8.) kommentiert den Rücktritt Martin Kinds: „Der Alles-Entscheider, zu dessen Lieblingsvokabeln Begriffe wie ‚Turnaround’, ‚operative Umsetzung’ oder ‚Planungssicherheit’ gehören, trat den Beweis an, dass wirtschaftliches Know-how im heutigen Fußballgeschäft noch schwerer wiegt als persönlicher sportlicher Sachverstand, denn den kann man sich ins Haus holen. Als der letzte ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Bundesliga den Klub 1997 übernahm, spielte der in der Regionalliga und stand mit 8,7 Millionen Mark Schulden vor der Insolvenz. (…) Nach dem Erstliga-Aufstieg 2002 erntete Kind zwar Kritik, weil er im Umgang mit dem leitenden Personal nicht immer glücklich agierte und öffentlich mit dem damaligen Trainer Ralf Rangnick und Sportdirektor Ricardo Moar stritt. Doch letztlich zahlten sich die Investitionen ins Team aus, Hannover etablierte sich in der ersten Liga. Ohne den modernen Patriarchen Kind dürften nun Fußball-Manager Ilja Kaenzig und der Kind-Vertraute und Anwalt Karl-Heinz Vehling weiter an Einfluss in dem aus mehreren Gesellschaften bestehenden 96-Geflecht gewinnen.“

FR: Vakuum in Hannover

Randfigur und Retter

Nürnberg – Markus Lotter (Welt 12.8.) bestimmt das Verdienst Michael A. Roths: „Großzügig war Michael Adolf Roth schon immer, der herzliche Dank blieb aber meistens aus. Kosenamen wurden ihm nie verliehen, in den Sprechchören der Fans wurde sein Name selten skandiert. Und bei Ehrenrunden, die bei den zahlreichen Aufstiegen des Clubs in den vergangenen Jahren zuhauf gedreht wurden, war er immer nur eine Randfigur. Für den ‚Napoleon vom Valznerweiher’, der den Boulevard mit seinen gelegentlichen Wutausbrüchen regelmäßig erfreute, ist zu viel öffentliche Nähe aber auch ein Greuel. Trotzig sagt er: ‚Es ist nicht nötig, mir zu danken.’ Dabei ist man sich im Frankenlande einig: Ohne den ehemaligen Amateurboxer gäbe es in Nürnberg keinen Bundesliga-Fußball mehr zu bestaunen. Immer wieder war er in wirtschaftlichen Notlagen mit seiner Privatschatulle zur Stelle.“

Donnerstag, 11. August 2005

Interview

Dieser Verein wird immer meine Heimat sein

Jürgen Klopp im FR-Interview (11.8.)
FR: Magazine und Zeitschriften nutzen ihr Konterfei als Titelbild; das ZDF bedient sich ihrer Person als Experte. Haben Sie manchmal das Gefühl, das wird zu viel?
JK: Ich sage doch schon neun von zehn Sachen ab. Ich habe nichts forciert. Aber ich habe keinen Einfluss, wenn die Geschichten in den Heften auf die Titelseite gehoben werden.
FR: In der Wahrnehmung gehört Jürgen Klopp nach Mainz. Nur nach Mainz.
JK: Das Thema wird überstrapaziert. Fragen Sie Thomas Doll, ob er vorhat, ewig in Hamburg zu bleiben! Dass immer ich das gefragt werde, hat zwei Gründe: Zum einen der mangelnde Respekt gegenüber dem FSV Mainz 05, zum anderen, dass sich niemand vorstellen kann, dass sich dies hier weiter entwickelt. Dieser Verein wird immer meine Heimat sein, weil ich mit Menschen zu tun habe, die ich mag. Es kann durchaus auch noch sein, dass ich in einem, zwei oder drei Jahren noch hier bin. Und doch kann es auch sein, dass ich dann nicht mehr da bin. Das weiß ich heute nicht. Fakt ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, immer in Mainz zu bleiben, weil ich dafür zu neugierig bin. (…)
FR: Was ist ihre Alltagsarbeit in Mainz?
JK: Bei mir sind neue Spieler anfänglich verwirrt. Im Detail arbeiten wir völlig anders als etwa Ralf Rangnick, mit dem ich oft verglichen werde.
FR: Haben Sie ein Beispiel?
JK: Wir doppeln einen Gegenspieler an der Seite über den Außenverteidiger. Bei Rangnick, von dem ich damals aus Hannover Marco Rose bekam, wird der Außenspieler eher allein gelassen. Dort kommt vielleicht ein Mittelfeldspieler dazu und macht nach innen zu. Im ersten Moment ist so jemand bei uns irritiert.
FR: Was muss einer haben, den Sie holen?
JK: Es muss für unsere Verhältnisse ein außergewöhnlich guter Fußballer sein. Was sie gegen den Ball machen müssen, kriegen Spieler von uns auf die Festplatte gehauen.

Internationaler Fußball

Freier Fall

Dirk Schümer (FAZ 11.8.) beschreibt Italien vor der Saison: „Wie soll im Hickhack von Richtern, Präsidenten und Funktionären der normale Tifoso noch den Überblick behalten? Wie sollen sich Spieler, die momentan meist in den alpinen Trainingslagern abwarten, professionell auf eine Saison vorbereiten, wenn sie – wie der an Genoa ausgeliehene Nationaltorwart Abbiati – noch nicht einmal wissen, bei welchem Klub sie antreten werden? Daß knapp die Hälfte der Erstligavereine noch keinen Vertrag über die Pay-TV-Rechte abgeschlossen hat, weil der Sender Sky die Tantiemen um rund dreißig Prozent zu kürzen beabsichtigt, ist da nur noch ein weiteres Indiz für den freien Fall, in dem sich Italiens Fußball gesellschaftlich und ökonomisch befindet. Während Großklubs wie Inter und AC Mailand wie immer aus der milliardenschweren Kasse ihrer Präsidenten finanziert werden und wenigstens Juventus Turin sich mit solidem Haushalten maßgeblich aufs internationale Geschäft konzentriert, bricht im hinteren Mittelfeld die Substanz des Spielbetriebs langsam, aber sicher weg. Nun rächt sich auch, daß der italienische Fußball über Jahre zum Spielcasino obskuren Geldes geworden ist. Das zeigt nicht nur der Fall Genoa, das juristisch eigentlich auf den Antillen spielen müßte. Sogar frühere Meister wie AS und Lazio Rom oder Parma werden nun von Banken kontrolliert, nachdem Finanzjongleure und Bankrotteure über Jahre undurchsichtige Geschäfte mit Spielerbeinen gemacht haben; traditionsreiche Klubs wie Florenz, Venedig, Perugia wurden planmäßig in die Pleite gewirtschaftet.“

Aderlass

Thomas Roser (NZZ 11.8.) sorgt sich um Polens erste Liga: „Die grossen Namen des europäischen Fussballs gastieren in Polen fast nur noch für Freundschaftsspiele oder die lästige Qualifikation für die Champions League. Für polnische Klubs sind die Auftritte auf der internationalen Bühne trotz gelegentlichen Überraschungserfolgen meist vor der Winterpause wieder vorbei. Mit 38 Millionen Einwohnern ist das Land zwar ähnlich gross wie Spanien. Doch trotz dem enormen Potenzial kann sich die schwache Ekstraklasa weder wirtschaftlich noch sportlich mit den Ligen West- oder Südeuropas messen. Dabei zählen Legia Warschau und Wisla Plock noch zu den besser gepolsterten Vereinen in Polens chronisch unterfinanziertem Profifussball. Denn dieser teilt sich in eine mit begrenzten Mitteln operierende, aber von kapitalkräftigen Unternehmen gesponserte Spitzengruppe und das grosse Feld der von dubiosen ‚Investoren’ geführten Habenichtse. (…) Die relativ guten Auftritte von Polens Nationalteam in der WM-Qualifikation haben das Auslandsinteresse an den heimischen Spitzenspielern erhöht, den Aderlass der Ekstraklasa aber beschleunigt.“

Allgemein

Teamgeist

„Eine Show, die an die großen Europapokal-Auftritte früherer HSV-Teams erinnert“, sieht Jörg Marwedel (SZ 11.8.) beim 1:0 gegen Valencia: „Zu feiern gab es ja nicht nur die Zugänge van der Vaart, diesen virtuosen Freistoßschützen und Passgeber, Timothee Atouba, den Artisten und flinken Zweikämpfer, der sich einmal den Spaß erlaubte, den Stürmerstar Patrick Kluivert gleich mehrmals ins Leere laufen zu lassen, oder Guy Demel, den umsichtigen Defensivspezialisten. Mehr noch als die individuelle Klasse dieser Künstler imponierte die Zusammenarbeit: wie viel Teamgeist das gezielt ergänzte Ensembles schon entwickelt hat. (…) Die Frage ist, wie sehr der HSV dabei an seine Grenzen gestoßen ist.“

FAZ: Spiel- und Stimmungsbericht vom Hamburger Sieg über Valencia
FR: Valencias giftige Gangart kann den HSV nicht einschüchtern

NZZ-Spielbericht FC Basel-Werder Bremen (2:1)

Ascheplatz

Weltanschaulicher Wettstreit

Bayern Münchens Website kann man nun auch auf Chinesisch lesen – Philipp Selldorf (SZ 11.8.) bemerkt dazu: „Nachdem Mannschaft und Management kürzlich bereits Station in Tokio gemacht hatten, führt die Offensive auf die asiatischen Zukunftsmärkte nun also ins Reich der Mitte, und der Eindruck entsteht, dass sich dabei nicht nur ein kommerzieller, sondern auch ein weltanschaulicher Wettstreit der europäischen Großmächte vollzieht. Nationale Rollenspiele aus frühmoderner Zeit blühen wieder auf – als Repräsentant der Bundesliga konkurrieren die Bayern gewissermaßen mit den spanischen Conquistadores und den Vertretern des britischen Empire. So versprechen die Verantwortlichen den Chinesen Freundschaft und Partnerschaft statt kapitalistischer Profitmaximierung, wie sie den Missionen von Real Madrid und Manchester United unterstellt wird (…) Bei aller Liebe zur Völkerverständigung ist die Expansion ins Ausland doch vor allem wirtschaftlich motiviert, und nicht nur Asien ist da interessant, sondern auch Osteuropa.“

Bay-an goes China, sueddeutsche.de

Deutsche Elf

Produktive Unruhe

Roland Zorn (FAZ 11.8.) erkennt die Entscheidung Jürgen Klinsmanns an, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in Holland nicht spielen zu lassen: „Klinsmann hat einen weiteren Beweis für die produktive Unruhe geliefert, mit der er sein großes Ziel WM-Titel angeht. Diesmal hat der Schwabe jene zwei Spunde überrascht, die nach ein paar ansehnlichen Spielen im Confederations Cup schon geglaubt haben mögen, auf der neuen deutschen Jugendwelle wie von selbst zur WM 2006 schwimmen zu können. Im Duell mit dem benachbarten Rivalen Holland sitzen die von den Boulevardmedien zu Figuren aus der Disney-Welt gemachten Jungstars ‚Poldi’ und ‚Schweini’ nicht einmal auf der Ersatzbank (…) Mit solchen Personalrochaden macht Klinsmann allen, die bei der WM im eigenen Land dabeisein wollen, eines überdeutlich: Pfründe gibt es nicht, einen Stammplatz hat nur Michael Ballack.“

Mittwoch, 10. August 2005

Internationaler Fußball

Maß aller Schweizer Dinge

Christoph Kieslich (FAZ 10.8.) befasst sich mit dem Bremer Gegner, dem FC Basel: „Da hat man eine Einladung zur größten Fete des Jahres, und dann steht man am Eingang und wird kritisch gemustert, ob man überhaupt zu den Schönen, Großen und Reichen paßt. So ergeht es dem FC Basel, wenn er als nationaler Meister in die Champions League will. (…) Unangefochten sind die Basler in der Schweiz das Maß aller Dinge in einer Liga, die in jüngster Vergangenheit von Pleiten gebeutelt wurde, die auf zehn Mannschaften schrumpfte, deren Namen von Nationalliga A in Super League umetikettiert wurde und deren Heimspiele von 25000 Menschen besucht werden. Das ist dreimal soviel wie der Schnitt beim Zweitplazierten FC Zürich. Dieser Vormachtstellung wurde der FC Basel in der Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung auf den FC Thun gerecht. Doch im Masterplan, ersonnen in jener Sensationssaison 2002/03, der im Fünfjahresrhythmus zwei Champions-League-Teilnahmen, zwei Überwinterungen im Uefa-Cup sowie ein Sabbatjahr kalkuliert, müssen sich die Basler sputen.“

Elixier

Ueli Kägi (SZ 10.8.) ergänzt: „Die Klubfarben Rot und Blau sind Elixier für die Stadt seit der deutsche Trainer Helmut Benthaus den Verein in den 60er und 70er Jahren von Titel zu Titel führte. Nirgends in der Schweiz ist die Begeisterung für einen Sportklub ähnlich groß. Bei weitem nicht. Seit bei den Grasshoppers Zürich die Spitzenmanager als Geldgeber vor einem Jahr ausstiegen und der Jahresetat von 20 auf rund 8 Millionen Euro fiel, ist der FC Basel praktisch konkurrenzlos. Mit knapp 20 Millionen Euro Etat übertrifft er die Schweizer Konkurrenz mindestens um das Doppelte. Der FCB kauft sich in der Schweiz seine Spieler zusammen wie der FCB in Deutschland.“

FR: Werder Bremen steht sportlich und wirtschaftlich gegen den FC Basel unter immensem Druck

Welt-Interview mit Dietmar Hamann

Ich musste dieser Stimme gehorchen

Ist etwas faul im Staate Frankreich? Peter Burghardt (SZ 10.8.) notiert die Aussage Zinedine „Hamlet“ Zidanes über seine Rückkehr ins Nationalteam: „Viele Leute leiden derzeit unter Albträumen. Vielleicht war die Klimaanlage abgestellt, wäre ja nächtens gesünder. Vielleicht war es auch der Jetlag. Dann ist es passiert: ‚Eines Nachts bin ich um drei Uhr morgens aufgewacht und habe mit irgendjemandem gesprochen. Ich musste dieser Stimme gehorchen.’ Dabei wollte er die überirdischen Hintergründe lieber für sich behalten. ‚Ich wollte keine große Sache daraus machen. Aber was mir passiert ist, das ist ziemlich mysteriös und irrational.’ Eine Erscheinung wie einst in Lourdes oder Fatima? (…) Was war das jetzt für eine Stimme? Nicht mal seine Frau weiß es. Nationaltrainer Domenech und Staatspräsident Chirac sollen zur Tatzeit weder im Zimmer noch am Telefon gewesen sein.“

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