indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Dienstag, 1. März 2005

DFB-Pokal

Seinen Makel wird der Pokal 04/05 nicht mehr los

Christof Kneer & Michael Kölmel (BLZ 1.3.) bedauern die Entwertung des DFB-Pokals durch den Hoyzer-Skandal: „Bis heute hat die Nation Vestenbergsgreuth oder Eppingen so gut drauf wie Cordoba oder Gijon, und je weniger die großen Klubs dieses folkloristische Wettbewerbchen mochten, desto mehr stieg der Kultfaktor. Der Pokal, das war die kleine Welt, in der Anzugträger namens Walter Baresel oder Hermann Selbherr die Auslosung würdigen Gesichts überwachten – umso schärfer wirkt der Schnitt, der sich seit dem 22. Januar mitten durch diesen freundlichen Wettbewerb zieht. (…) Natürlich hat keiner eine Aussetzung des Pokals gefordert; das wäre konsequent gewesen, aber niemand will das Nest beschmutzen, in dem er kickt. (…) Seinen Makel wird der Pokal 04/05 nicht mehr los.“

Allgemein

Nur ein Rädchen in diesem System, aber ein sehr wichtiges

Ein Charakterprofil Hermann Gerlands – Elisabeth Schlammerl (FAZ 1.3.): „Auf den ersten Blick wirkt Gerland nicht besonders nett. Er faucht seine Spieler manchmal in aller Öffentlichkeit derart heftig an, daß man sich fragt, wie sie das aushalten. Aber sie mögen ihn, den etwas knorrigen Trainer der Amateurmannschaft des FC Bayern München. Weil sie sehr schnell merken, daß sein Kern nicht halb so hart ist wie die Schale. Bei aller Ruppigkeit will Gerland nur das Beste für seine Spieler. Daß sie ihm alle ans Herz gewachsen sind, spürt man (…) Gerland hält nicht viel davon, seinen Spielern zu sagen, daß sie gut seien. „Fürs Streicheln und Loben sind die Frauen und Freundinnen da.“ (…) Jungen Spieler den letzten Schliff zu verpassen, dafür scheint Hermann Gerland wie geschaffen. Der Rekordmeister hat erkannt, daß es sich lohnt, die Nachwuchsarbeit zu professionalisieren. Gerland ist zwar nur ein Rädchen in diesem System, aber ein sehr wichtiges.“

Internationaler Fußball

Unsere Cousins, die in unserem Herzen wohnen

1:0 siegt im der AC Mailand im Derby, doch der Vereinsbesitzer ist unzufrieden – Dirk Schümer (FAZ 1.3.) berichtet: „Silvio Berlusconi rügte mit saurer Miene seine Mannschaft: Es sei eine wenig unterhaltsame Partie gewesen, kaum Torschüsse, keine Leidenschaft; ein Unentschieden wäre gerechter gewesen. So versuchen normalerweise Verlierer, ein mißratenes Spiel schönzureden. (…) Die armen Inter-Fans seien „unsere Cousins, die in unserem Herzen wohnen“. War das Hohn für einen Rivalen, der es seit über einem Jahrzehnt nicht schafft, an Berlusconis Erfolgstruppe vorbeizuziehen? Wohl eher politisches Kalkül, denn auch die Interisti sind Wähler und gehören merkwürdigerweise eher zu Berlusconis rechtem Anhang als die Milanisti aus der linken Industriearbeiterschaft Norditaliens. Inters Präsident Massimo Moratti wird in diesem ewigen Zweikampf von den eigenen Anhängern als tragische Figur bemitleidet, weil der Ölmilliardär eine geschätzte halbe Milliarde Euro für immer neue Spieler spendierte und dafür mit keinem einzigen Titel belohnt wurde.“

Auf dem Platz sieht man nur eine Spitze, aber knapp darüber agiert die Dreieinigkeit

Sehr lesenswert! Birgit Schönau (SZ 1.3.) seziert Milans Befinden: „Berlusconi wurmt, dass sein Angestellter Ancelotti es wagt, eine „Weihnachtsbaum-Formation“ auf den Platz zu schicken, mit nur einer Spitze. Den eisigen Temperaturen vielleicht angepasst, aber nicht den Spektakel-Theorien des Großen Kommunikators. Einsnull gewinnen, Punkte kassieren und unter die Dusche, das kann Berlusconi nicht gefallen. Von wegen Weihnachtsbaum, Fußball soll die Wähler in Wallung bringen. Im Fernsehen sieht ein erbärmliches Einszunull auch nicht gut aus, und gerade am Sonntag hatte Berlusconis Kommunikationsminister Flugblätter in den Stadien verteilt, in denen von höchster Stelle für das Digitalfernsehen geworben wurde. Die Rechte für die Live-Übertragungen hält Mediaset, das Fernsehunternehmen im Besitz von Silvio Berlusconi. Ein Schuss, ein Treffer. Carlo Ancelotti, der Weihnachtsmann, vertraut auf noch höheren Beistand: Er trägt im Stadion einen Ring mit dem Wunderheiler Padre Pio, dessen Grab bis heute doppelt so viele Wallfahrer anzieht wie die Madonna von Lourdes. Kakà, der Torschütze, behauptete, ihm habe „Senhor Jesus“ auch diesmal geholfen. So ist das bei Milan, auf dem Platz sieht man nur eine Spitze, aber knapp darüber agiert die Dreieinigkeit.“

Wieder courant normal

Jean-Marie Lanoë (NZZ 1.3.) befasst sich mit dem erneuten Fall Paris St-Germains: „Im vergangenen Sommer schien es, als ob der Fluch, der seit Jahren über Fussball-Paris lag, auf einmal verschwunden wäre. Unter dem charismatischen bosnischen Trainer Vahid Halilhodzic schloss Paris St-Germain die Saison eher unerwartet im zweiten Schlussrang ab und empfahl sich damit auch direkt für das Rampenlicht der Champions League. Sechs Monate später ist gewissermassen wieder „courant normal“ eingekehrt. Die Pariser sind ihrem Ruf als unkontrollierbares und medial gnadenlos ausgeleuchtetes Ensemble von Einzelgängern gerecht geworden und stehen vor einem Scherbenhaufen: PSG ist in der Champions League klar gescheitert, liegt im Championat der Ligue 1 nur an zwölfter Stelle, hat Halilhodzic entlassen, kämpft abermals mit den Auswüchsen von Fanausschreitungen, hat deswegen ein Meisterschaftsspiel im leeren Parc des Princes absolvieren müssen und sieht sich auch noch behördlichen Ermittlungen ausgesetzt, durch einen suspekten TV-Rechte-Deal des PSG-Mehrheitsaktionärs Canal plus in Gang gesetzt worden sind.“

Ball und Buchstabe

Freunderlwirtschaft

Friedhard Teuffel (Tsp 1.3.) kommentiert die Vertagung der Verpflichtung Berti Vogts’: „Dem Vorschlag haftet zu sehr der Geruch der Freunderlwirtschaft an. Es war schließlich Vogts, der Klinsmann als Bundestrainer ins Spiel gebracht hatte. Klinsmann fühlt sich offenbar zu Dank verpflichtet. Doch was soll ein Technischer Direktor leisten? Welche Konzepte soll er entwerfen, die nicht auch ein anderer der vielen DFB-Trainer entwerfen könnte?“

Bundesliga

Es regt sich einfach zu wenig Trotz

Wie Josef Kelnberger gestern in der SZ vermisst Martin Hägele (NZZ 1.3.) den Abstiegskampf: „Die Beschwörungen, die markigen Töne, einfach alles, was auch den zweiten Teil der Saison so interessant gemacht und die Gemüter manches Mal sogar mehr bewegt hat als die Frage, wer deutscher Meister wird. Heuer aber, so scheint es, haben sich schon zur Jahreswende die drei Absteiger ins unvermeidliche Schicksal gefügt. (…) Es regt sich einfach zu wenig Trotz; in Rostock, Freiburg und Bochum scheint der Glaube an ein Fussballwunder eingeschlafen zu sein. Und ein bisschen liegt das auch am Aussterben von Trainerlegenden wie Udo Lattek. Deren Sprachjargon ist inzwischen überholt worden. Besser ist das Spiel allerdings nicht geworden, eher langweiliger.“

Technische Hilfsmittel würden zur Entspannung beitragen

In der Partie zwischen Leverkusen und Stuttgart hat Schiedsrichter Franz-Xaver Wack eine falsche Entscheidung offenbar nach dem Blick auf die Videoeinspielung der Stadionanzeige korrigiert; Christoph Biermann (SZ 1.3.) lobt dieses Urteil, das mit den Buchstaben der Regeln nicht übereinstimmt: „Für einen kurzen, zufälligen Moment half der sonst verfemte Videobeweis bei der Rechtssprechung, und dieser Moment eröffnete den Blick in eine bessere Zukunft des Fußballs. Plötzlich konnte jeder im Stadion deutlich wie nie die Absurdität der bestehenden Situation spüren. Bei jeder Partie wissen die Zuschauer am Fernseher oder jene, die im Stadion den Fernsehbildern folgen können, nur Sekunden nach einer Entscheidung, ob ein Schiedsrichter geirrt hat oder nicht. Nur die Spieler, die Unparteiischen und die übrigen Zuschauer im Stadion werden in künstlicher Ahnungslosigkeit gehalten. Gerade in Zeiten wie in der Post-Hoyzer-Phase würde das Benutzen technischer Hilfsmittel zur Entspannung beitragen. (…) Es ist an der Zeit, dass die Fifa ihre fundamentalistische Haltung überwindet und endlich ernsthafte Versuche mit dem Videobeweis unternimmt. Bis dahin darf man Franz-Xaver Wack einen Weisen nennen, weil er seine Allmacht ignorierte, Tatsachen zu schaffen, und stattdessen lieber Recht sprach.“

Gestritten wie kleine Kinder

Was gibt es vom 1:0 Schalkes gegen Hannover zu berichten, Ulrich Hartmann (SZ 1.3.)? „Zumindest kurz vor Schluss ist Spannung erforderlich, ein Aufreger, der alle den Atem anhalten und die Fortsetzung kaum erwarten lässt. In Gelsenkirchen haben sie einen solchen ziemlich gut hinbekommen. Ewald Lienen und Ralf Rangnick haben sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel richtig in die Wolle gekriegt. Sie haben gestritten wie kleine Kinder, sind sich ins Wort gefallen und laut geworden und keiner wollte nachgeben. Am Ende haben beide geschmollt. (…) Es gab sonst nicht viel zu bereden nach dem müden 1:0.“

FAZ: „Zoff zwischen zwei rechthaberischen Fußball-Lehrern“

Montag, 28. Februar 2005

Interview

Kahn und Lehmann haben den Altervorsprung

Timo Hildebrand mit Markus Lotter (WamS 27.2.)
WamS: Haben Sie schon einmal ein derartiges Pfeifkonzert der eigenen Fans über sich ergehen lassen müssen?
TH: Ja. In meiner ersten Saison als Stammkeeper wären wir fast abgestiegen. Da gab es nur Pfiffe. Und jetzt sieht man, wie schnell die Stimmung hier kippen kann. Selbstverständlich habe ich Verständnis für die Fans, wenn es mal mies läuft. Ich würde mir aber gleichzeitig wünschen, daß es hier mal so wie bei Celtic oder den Glasgow Rangers ist, wo die Mannschaft auch bei einem Rückstand bedingungslos angefeuert wird.
WamS: Erlebt der VfB einen ersten Bruch in seiner Weiterentwicklung?
TH: Ich will nicht von einem Bruch sprechen, sondern davon, daß es gerade etwas klemmt. Wir sind einfach nicht mehr so erfolgreich wie zuvor.
WamS: Haben die „junge Wilden“ Probleme, erwachsen zu werden?
TH: Klar sind wir alle in einem Reifeprozeß. Aber was heißt erwachsen werden? Wir dürfen sicherlich auf Dauer nicht so sorglos und fahrlässig spielen wie zuletzt. Ich habe auch schon angesprochen, daß auch jeder von uns Jungen noch mehr Verantwortung übernehmen muß.
WamS: Nehmen es Ihnen die Kollegen noch übel, daß Sie das Zögern der anderen vor einer Vertragsverlängerung kritisiert haben und dann selbst eine Hängepartie veranstaltet haben?
TH: Ich habe mich bei ihnen entschuldigt. Ich konnte damals einfach nicht nachvollziehen, wie schwer es einem fallen kann, bei seinem ersten großen und so wichtigen Vertrag eine Entscheidung fällen zu müssen. Und ich hatte keine Ahnung, was da hinter den Kulissen so alles ablaufen kann. Jetzt habe ich diese Erfahrung gemacht. Jetzt sehe ich das ganz anders.
WamS: Wie würden Sie Ihren Gemütszustand in den Wochen vor der Vertragsunterschrift beschreiben?
TH: Unansprechbar. Ich habe mich total abgeschottet und nichts an mich rangelassen. Wer in dieser Zeit alles bei mir angerufen hat, unglaublich. Plötzlich melden sich zig Berater mit dem Vorwand, mir helfen zu wollen. Die wollen durch die Hintertür ins Geschäft kommen, sonst nichts. (…)
WamS: Sehen Sie noch eine Chance, bei der WM 2006 im Tor zu stehen?
TH: Ich werde darum kämpfen. Kahn und Lehmann haben den Altervorsprung, mehr Erfahrung und spielen seit Jahren auf hohem Niveau.

Bundesliga

Kein Aufbäumen zu sehen, nirgendwo

Josef Kelnberger (SZ 28.2.) vermisst etwas: „Wann beginnt endlich der Abstiegskampf? Oder sollte er ausfallen, vielleicht sogar ein Opfer des Fortschritts? Im Trend zum Systemfußball, respektive Spaßfußball, verlieren die Blut- und Boden-Parolen an Gewicht. Gefragt ist immer mehr der denkende Kicker, der sich eigenverantwortlich ins große Ganze einbringt. Dem kann man nicht kommen mit der Diktion der Scharfmacher wie einst Lattek: in den Hintern treten, kratzen-beißen-spucken, Gras fressen, jeden Quadratzentimeter umpflügen – mit unappetitlichen Dingen also, die dem Spieler die Sinne vernebeln. So könnte man vermuten, die Abkehr vom archaischen Heldenfußball habe auch den Mythos Abstiegskampf verblassen lassen. Kein Aufbäumen zu sehen, nirgendwo.“

Ball-Heil-Hurra, Borussia!

Ulrich Hesse-Lichtenberger (taz 28.2.) beschreibt die Dortmunder Fan-Aktion vom Samstag: „Das Problem ergab sich aus dem Lied: Es ist 95 Jahre alt, enthält Ausdrücke wie „Fußballflöte“ (gemeint ist die Pfeife des Schiedsrichters) sowie den Refrain „Ball-Heil-Hurra, Borussia!“ Bis die noch junge Fanabteilung den Klub bat, es vor den Heimpartien zu spielen, wurde es eigentlich nur auf Jahreshauptversammlungen vorgetragen. Kurz gesagt: „Heja BVB“ oder selbst „You‘ll never walk alone“ hätten das Stadion zum Beben gebracht, aber „Wir halten fest und treu zusammen“ wurde eine Dortmunder Karaoke-Veranstaltung der unangenehm mühsamen Art. Die Spieler des BVB brauchten eine mit schauderhaftem Fußball gefüllte Viertelstunde, um sich von diesem akustischen Nackenschlag zu erholen.“

Gehetzt von den Freiburgern, japsten die Münchner, dass ihnen Hören und Sehen verging

Heinz-Wilhelm Bertram (BLZ 28.2.) erzählt den Bayern-Sieg: „Es lief die 36. Minute, als sich Oliver Kahn einem vom Fangnetz zurückgeflogenen Ball im Schritttempo eines 95-jährigen Asthmatikers näherte. Die Freiburger Fans hinter dem Tor brüllten vor Wut über diese taktische Auszeit. Als der Ball nach scheinbar endlos langer Zeit wieder gespielt wurde und zufällig von irgendwo her ein Martinshorn erklang, wird Kahn sich gedacht haben: Endlich naht Hilfe. Es hätten gar nicht genug Rettungswagen vorfahren können, um des kollektiven Atemnotstands der Bayern Herr zu werden. Gehetzt von den Freiburgern, japsten die Münchner, dass ihnen Hören und Sehen verging. Aber die Sanitäter ließen die Leidenden mit ihren pfeifenden Lungen links liegen – so wurde der Weg frei für einen Mann vom Rettungswesen, den keiner auf der Rechnung gehabt hatte. Sebastian Deisler.“

Richard Leipold (FAZ 28.2.) erfreut sich am 3:1 der Bielefelder gegen Nürnberg: “Beide Mannschaften führten vor, wie kultiviert zwei Aufsteiger auch im vorgerückten Stadium einer Saison Fußball spielen können, nur die Bielefelder wurden dafür belohnt.“

Trainerstimmen zum 23. Spieltag, sueddeutsche.de

Ascheplatz

Wirtschaftsbuch der FAZ

Im Wirtschaftsbuch der FAZ (26.2.) liest man vor der Entscheidung der Gläubiger: „Im Grunde haben die Anleger kaum eine Wahl. Wenn sie auf ihre ursprünglichen Rechte pochen, ist der BVB pleite. Dann gibt es keine Bundesligalizenz mehr, wichtige Einnahmeströme schmelzen dahin. Dem dadurch selbst insolventen Fonds bleiben außer der eingefrorenen Sicherheitsrücklage – dies sind 52 Millionen Euro – nur ein großes Grundstück und ein abrißreifes Stadion. Da könnte es durchaus sinnvoll sein, für ein weiterhin gefülltes Stadion auf die 52-Millionen-Sicherheit zu verzichten und im übrigen auf die Lernfähigkeit des BVB-Managements zu vertrauen.“

Samstag, 26. Februar 2005

Ball und Buchstabe

Gedopt wie in Radrennställen und in der Leichtathletik

Peter Hartmann (NZZ 26.2.) schlussfolgert aus dem Bericht, wonach Juventus Turin systematisches Doping nachgewiesen worden sein soll: „Mit der Augenwischerei ist es nun vorbei. Der Fall Juventus belegt, dass im Fussball nach medizinischer Strategie gedopt wird, wie in Radrennställen und in der Leichtathletik, und nicht nur versehentlich Einzeltäter ertappt werden – auch wenn der Fifa-Generalsekretär Urs Linsi unlängst noch schwadronierte, „es“ bringe nichts. (…) Den Spielern droht ein Prozess wegen Falschaussage. Zum Handeln gezwungen gegen den mächtigsten Klub Italiens werden endlich auch der italienische Fussballverband, der bisher respektvoll zugeschaut hat, sowie die Uefa. Denkbare Sanktionen wären die Aberkennung der Titel und nachträgliche Sperren der noch aktiven Fussballspieler, möglicherweise auch ein Punkteabzug in der nächsten Meisterschaft. Oder Schwamm drüber wegen Verjährung.“

Den Anforderungen des Profifußballs nicht mehr gewachsen

Matti Lieske (taz 26.2.) ärgert sich über Prozessfreudigkeit und mangelnde Solidarität der vom Hoyzer-Skandal betroffenen Zweit- und Drittligavereine: „Die einzige moralisch einwandfreie Lösung des Dilemmas nach Aufdeckung des Wettskandals wäre gewesen, sämtliche von Hoyzer geleiteten Partien dieser Saison inklusive Pokal zu wiederholen. Das hätte jedoch das Einverständnis aller Beteiligten vorausgesetzt. Ehrensache, sollte man meinen, doch die sportlichen Profiteure der Hoyzer-Spiele sträuben sich mit allen Mitteln, auch juristischen, gegen das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Dem DFB fehlt offenkundig jede moralische Autorität, aber auch jedes Machtmittel, um den Egoismen der Klubs etwas entgegensetzen zu können. Längst ist der Verband mit seinen althergebrachten, von Ehrenamt und Amateurismus geprägten Strukturen den Anforderungen des Profifußballs nicht mehr gewachsen. Zumindest die Bereiche Disziplinar- und Schiedsrichterwesen sollten daher schnellstens an die DFL abgegeben werden.“

Allgemein

Der deutsche Vereinsfußball hat sich eine falsche Schonhaltung auferlegt

„Starke Bayern, schwache Bundesliga“ – das schlechte Abschneiden der Bundesliga-Vereine im Europapokal ist für Roland Zorn (FAZ 26.2.) auch ein Grund, die Winterpause in Frage zu stellen: „Ohne Chuzpe, ohne Eroberergeist ist im Fußball gar nichts zu gewinnen. So produziert man nur Langeweile und programmiert Niederlagen. Wozu soll eine lange Winterpause dienen, wenn dabei vor allem Müdigkeit in den Augenblicken der internationalen Bewährungsproben herauskommt? Die Belastung der Spieler solle abgebaut werden, sagen die Befürworter des wochenlangen Fußballstillstands. Wenn dann aber gleich der erste Belastungstest gegen Teams schiefgeht, die im Winter nahezu pausenlos am Ball geblieben sind, stimmt etwas nicht. Der deutsche Vereinsfußball hat sich eine falsche Schonhaltung auferlegt.“

Wenn’s drauf ankommt, sind sie platt

Auch Ludger Schulze (SZ 26.2.) erschrickt: „Die Bundesliga ist schlechter als ihr Ruf; alle, die sie schon wieder auf dem Weg zu den brillanten Siebzigern wähnten, sind kühl ins Reich der Phantasten verwiesen worden. Gerade in dieser Sportart können deprimierende Resultate einer Kette von unglücklichen Umständen geschuldet sein, jederzeit umkehrbares Tagesgeschäft. Doch diesmal hält der aufmerksame Beobachter einen roten Faden in der Hand: in der letzten Viertelstunde, wenn sich die Waage eines Spiels auf die eine oder andere Seite neigt, tauchten die deutschen Teams in der Atem- und Kraftlosigkeit unter. Mit anderen Worten: Wo früher mal die Kondition verankert war, herrscht heute Leere. (…) Der tiefe Respekt vor den Deutschen und ihrer Fähigkeit, gegen jede Wahrscheinlichkeit wieder aufzustehen, ist der Erkenntnis gewichen: Wenn’s drauf ankommt, sind sie platt. Durchschnitt halt, im Fußball wie anderswo.“

Phantasiearmut, Fußballsachbearbeitersphäre und Nullwachstum

„War das eine Spitzenmannschaft der Bundesliga?“, fragt Roland Zorn (FAZ 26.2.) besorgt nach dem 0:2 Stuttgarts gegen Parma: „Der VfB, unter Felix Magath im Vorjahr noch eine vitale Bereicherung der Champions League, ist mit Sammer nach flottem Beginn einen großen Schritt zurück in die Phantasiearmut und Fußballsachbearbeitersphäre gegangen. „Wir hatten nicht die nötige Ruhe, Geduld und Souveränität“, qualifizierte der Sachse die ungenügenden Bemühungen seiner Mannschaft. Ruhe, Geduld – gerade das erwarten die Fans, verwöhnt von dem Fußball, den der aggressive, offensive Magath seinen Spielern einst einbleute, von ihrem VfB nicht. Inzwischen aber scheint der Verein für Bewegungsspiele nach schwachem Start in die Rückrunde in einer gefährlichen Stagnation zu verharren: Nullwachstum auf dem Cannstatter Wasen.“

Qualitätsproblem

Von Martin Hägele (NZZ 26.2.) heißt es dazu: „Es macht den Anschein, als müssten die Stuttgarter jetzt dringend zum Umbruch ansetzen. Und wenn die wirtschaftlich tüchtige und gewissenhaft denkende Crew um Erwin Staudt ihre sportliche Situation ehrlich überdenkt, muss sie auch Sammer ein paar unangenehme Fragen stellen. Warum redet Sammer einen Abstiegskandidaten der Serie A stark, der wahlweise mit Jugend- und Reservespielern antritt, weil er seine Besten für den nationalen Wettbewerb schonen will? Und was versteckt sich hinter der Erklärung des Trainers vom „psychologischen Problem“? Vermutlich handelt es sich vielmehr um ein Qualitätsproblem und um die Tatsache, dass die einst „jungen Wilden“ unter ihrem Lehrmeister Felix Magath drei Jahre lang über ihre Verhältnisse gelebt haben. Dies gelang deshalb, weil die Spieler ungeheure Leidenschaft und dank ihrer vorzüglichen Kondition auch das nötige Selbstbewusstsein auf den Platz gebracht hatten.“

Zu wenig Risikobereitschaft

Oliver Trust (FR 26.2.) fügt hinzu: „Trotz des „gesunden Weges eines guten Hausvaters“, muss sich Staudt mitunter vorhalten lassen, er verkenne als erfolgreicher Wirtschaftsmanager Realitäten des Profigeschäfts, die mehr Risikobereitschaft verlangten. Durch diese Politik, so meinen Kritiker, leide der sportliche Fortschritt, auch weil der VfB in Matthias Sammer einen Trainer habe, der mit allzu ängstlicher Vorsicht eher bremse. Selbst Kapitän Zvonimir Soldo deutet neben einem psychologischen ein Qualitätsproblem im Kader an. Auch der nach München abgewanderte Felix Magath forderte die Schwaben einst auf, sie müssten sich zwischen der Spitze und einem Leben im Halbschatten entscheiden.“

Blockade

„Schalke 04 verpasst erneut auf deprimierende Art den Anschluss ans europäische Spitzenniveau“, urteilt Christoph Biermann (SZ 26.2.): „Im 50. Uefa-Cup-Spiel verlängerte sich die bedenkliche Serie von Schalker Misserfolgen auf internationalem Niveau. „Es ist frustrierend, was in den letzten Jahren passiert ist“, sagte Sand, der das vielfältige Scheitern fast komplett miterlebt hat. Dem Gewinn des Uefa-Cups 1997 folgte eine einigermaßen erfolgreiche Spielzeit im Jahr danach. Seitdem jedoch scheint der Klub jenseits von Qualifikations- und Vorrunden eine Blockade entwickelt zu haben. (…) „Für mich ist es das größte Ziel, dass wir uns für die Champions League qualifizieren“, sagte Rangnick. Wer jedoch die Spiele der Champions League verfolgt hatte, konnte sich Schalke in diesem Umfeld kaum vorstellen.“

Woche mit erheblichem Imageschaden

Gregor Derichs (BLZ 26.2.) befasst sich mit den finanziellen Folgen für Schalke: „Das Ausscheiden hat den wirtschaftlichen Druck auf die Schalker erhöht. Die schlechteste Vorstellung, seitdem Ralf Rangnick Trainer wurde, war der negative Höhepunkt einer Woche mit erheblichem Imageschaden. Dass der Schuldenberg 110 Millionen Euro beträgt, mussten die Gelsenkirchener bestätigen. Trotz des dauerhaften Verlustes, der im Spielbetrieb erzielt wird, sei die Lage unter Kontrolle, versicherten Schatzmeister Josef Schnusenberg und Rudi Assauer tapfer. Allerdings räumte auch Schnusenberg ein, dass das eingegangene Risiko beträchtlich ist. Dass es in Dortmund ganz genauso begonnen hat? Das wollen die Schalker nicht wahrhaben.“

Umwertung aller Werte

Bernd Müllender (taz 26.2.) lobt die Aachener trotz ihrer Niederlage: „Als Alemannia Aachens Spieler steingesichtig ihre Kulturbeutel zum Bus schleppten, hatte sich im Alkmaarderhout zu Alkmaar ein Kulturbruch sondergleichen ereignet: Fans des heimischen AZ hatten vereinzelt applaudiert. Und das nicht mal ironisch. Beifall für deutsche Fußballer in Holland – eine Umwertung aller Werte, vorher so unvorstellbar wie schmackhafte holländische Tomaten. (…) Gäbe es jenseits der alten Feindesstadt Köln und seiner Geißbock-Gänger jemanden, der die Aachener verspotten wollte, würde das so gehen: Warum säen sie mit Geschick, lassen die Früchte der Arbeit gedeihen, aber „fahren die Ernte nicht ein“ (Jörg Schmadtke)? Weil es Kartoffelkäfern, so Alemannias alter Spitzname, wesenseigen ist, die Ernte zu vernichten.“

Freitag, 25. Februar 2005

Champions League

Premiumprodukt ohnegleichen

Andreas Burkert (SZ 25.2.) urteilt freudig: „Die Champions League kommt in dieser Serie als internationales Premiumprodukt ohnegleichen daher, könnte man sich doch mindestens fünf der acht Achtelfinals auch als aufregende Endspielbesetzung vorstellen. Vorbei sind gottlob die Zeiten, in denen uns die kontinentale Sterneklasse quälte mit ihrem schier endlosen Präludium aus Vor- und Zwischenrunde.“

Nur die Bayern befinden sich mit Arsenal, Real oder Juventus auf Augenhöhe

0:3 gegen Lyon, eine klare und erklärbare Niederlage für Bremen – Jörg Marwedel (SZ 25.2.): „Mit Eiseskälte hatte das blau-rote Kollektiv einen disziplinierten Verschiebefußball in Perfektion vorgeführt und ein paar Fehler des stürmenden Gegners ausgenutzt wie ein Löwe den falschen Fluchtweg seiner Beute. Und zurück gelassen hatte es Gastgeber mit ernüchternden Erkenntnissen. Etwa der Einsicht, nach prächtigen Auftritten in den Gruppenspielen im Kreis der Topteams an Grenzen gestoßen zu sein. Oder der Erfahrung, dem FC Bayern zumindest in Europa die deutsche Hauptrolle vorerst nicht streitig machen zu können. Nur die Bayern befinden sich mit Arsenal, Real oder Juventus auf Augenhöhe.“

Werder zerbrach an der bissigen Klasse Lyons

Frank Heike (FAZ 25.2.) fügt hinzu: „Das Schönste an dieser traurigen Nacht muß der Applaus der Fans beim Gang in die Kabine gewesen sein. Werder Bremen hatte die dreiundneunzigminütige Lehrstunde gerade hinter sich gebracht, als Beifall aufbrandete. Die niedergeschlagenen Bremer Profis schauten verwundert auf, sahen die Anhänger und winkten ihnen dankbar zu: Auf dem Platz hatte es nämlich gar keinen Trost gegeben für Werder gegen eine derart unangenehme Spitzenmannschaft wie Lyon – hart, ballsicher, clever, so stellte sich der französische Meister vor. (…) Werder zerbrach an der bissigen Klasse Lyons. Einen Vorwurf wollte dem deutschen Meister niemand machen. An diesem Abend gewann die bessere Mannschaft.“

Meisterwerk moderner Fußballkunst

Manchester hat schon einmal eine Heimniederlage in Italien wettgemacht; kann das erneut gelingen? Christian Eichler (FAZ 25.2.) zweifelt sehr: „Selbst wenn die Geschichte für Manchester sprechen mag, die Gegenwart spricht für Milan. Cool, kultiviert und doch beherzt, demonstrierte der Meister der Serie A ein Meisterwerk moderner Fußballkunst, gegen das die Engländer mit ihren Tugenden, Wucht und Entschlossenheit, nicht viel ausrichten können. Am deutlichsten erlebte das Wayne Rooney, das 19jährige Wunderkind, das am 36jährigen Fußball-“Opa“ Paolo Maldini nie entscheidend vorbeikam. Als Rooney auf die Welt kam, stand Maldini schon in der ersten Mannschaft von Milan. Diesen Vorsprung hat der Italiener gehalten. 1:0 – das italienischste aller Resultate scheint übliche Vorurteile zu bestätigen. Doch gewann Milan nicht mit der altitalienischen Mischung aus Destruktion und dem einen, eiskalten Treffer, sondern mit einer schöpferischen Spielanlage.“

Intellektuell anmutende Interpretation

Felix Reidhaar (NZZ 25.2.) rezensiert das Mailänder Spiel: „Das „Filetstück“ war im Mittelfeld einer Mailänder Mannschaft eingebettet, die wieder auf das sogenannte Christbaum-System setzte, das Signor Presidente Berlusconi so sehr missfällt. Aber Carlo Ancelotti tat richtig daran. Manchester United war im Aufbau nominell zwar gleich stark repräsentiert, aber das Geschehen bestimmte der Diavolo bis tief in die zweite Halbzeit hinein dank seiner vorzüglichen Ball-Zirkulation und Mobilität, die auf einer nahezu perfekten Organisation (Raumaufteilung) basierte. Zuweilen war es ein Augenschmaus, der intellektuell anmutenden Interpretation dieses Vorgehens folgen zu dürfen. Entsprechend klang Ancelottis Kurzkommentar nach Spielschluss: Tutto sotto controllo. Etwas hochnäsig vielleicht, aber seiner Squadra war wirklich gelungen, was er als Ziel vorgegeben hatte, nämlich den Rhythmus (mit) zu bestimmen, Tempo zu machen und den Ball zu halten oder zu monopolisieren.“

Was hoch fliegt, fällt tief

Ronald Reng (FTD 25.2.) kritisiert José Mourinho für dessen Weigerung, an der Pressekonferenz teilzunehmen: „Details sind alles für Mourinho. Jeder Kleinigkeit seines Berufs widmet er sich mit Besessenheit, denn es könnte die entscheidende für den Sieg sein. So sind seine Mannschaften taktisch synchronisiert wie ein Maschine, das war beim FC Porto so, das ist bei Chelsea nicht anders. In Barcelona allerdings wurde deutlich, dass der Trainer Gefahr läuft, sich mit seiner größten Stärke, dem scharfen Auge fürs Detail, selbst zu zerstören. Denn es sind die unwichtigen Kleinigkeiten, in denen sich Mourinho zu verzetteln beginnt, kindische Psychospielchen mit dem Gegner, die nichts bringen außer ihn mit 42 Jahren als pubertären Flegel zu präsentieren. (…) Ein echter Sieger war jedoch Frank Rijkaard. Wie höflich Barças Trainer angesichts Mourinhos schweigend ausgesprochener Vorwürfe blieb, zeigte einen großen Menschen. Ein großer Trainer, José Mourinho, mag damit davonkommen, manche Regeln – wie die Fairness nach dem Spiel – für sich auszusetzen. Physikalische Gesetze gelten jedoch auch für ihn: Was hoch fliegt, fällt tief. Es mag Jahre dauern, bis Mourinho aufschlägt. Die Fahrt nach unten allerdings hat der Portugiese an diesem Mittwochabend bereits aufgenommen.“

Kampfhahn

Paul Ingendaay (FAZ 25.2.) ergänzt: „Der Portugiese, einst Assistent des früheren Barca-Trainers Van Gaal, birst vor Selbstbewußtsein, seit er sich durch den europäischen Triumph mit dem FC Porto und seine schnellen Erfolge beim Millionenklub FC Chelsea in einen Startrainer verwandelt hat. Der Ruhm ist verdient, und er ist hart erarbeitet. Doch er hat Mourinho zum reizbaren, aggressiven Mann gemacht, der die Auseinandersetzung zur Fütterung des Ego benötigt. Galt er früher als stilles Wasser, fürchtet man in ihm jetzt den Kampfhahn, der nie lockerläßt. (…) Zwei Spielkulturen prallten in dieser Partie aufeinander. Barcelona braucht viel den Ball, um zu glänzen, aber manchmal schieben die Katalanen die Kugel so virtuos hin und her, daß sie sich gegen eine entschlossene Defensivkraft verzetteln.“

Donnerstag, 24. Februar 2005

Champions League

Überzeugend, aber nicht vollendet

3:1 gegen Arsenal, doch Euphorie vermisst Michael Horeni (FAZ 24.2.) in München: „Die erfreuliche aber keineswegs glorreiche Münchener Vorstellung reduzierte sich angesichts der nachhaltigen Wirkung der vorletzten Minute wie im Zeitraffer. Magath sprach, je länger die Partie zurück lag, vor allem von der verpaßten Chance, und nur noch am Rand vom überzeugenden, aber eben nicht vollendeten Gesamtauftritt des FC Bayern. Die Begegnung war trotz ihrer überraschenden Wendung, vier Treffern und einem Torhüterduell der besonderen Art kein Spielchen erster europäischer Klasse. (…) Der französische Fußball ist auch nicht mehr das, was er einmal war.“

Schemafußballer

Heinz-Wilhelm Bertram (FTD 24.2.) hat einen Sündenbock ausgemacht: „Es war Willy Sagnol, der steif und unbeholfen ein Loch in die Luft getreten hatte. Man kann den Fauxpas des 27-Jährigen kaum mit längerer Verletzung und fehlender Praxis entschuldigen, weil er irgendwie zu der Summe vieler, oftmals verborgener Fehler des Mittelfeldspielers passt. Der Franzose ist ein Schemafußballer, wie er besser gar nicht in das auf pragmatisches Funktionieren abgestimmte Konzept des FC Bayern passen könnte. In dem Maße, in dem Sagnol in das seit zwei Jahren mitunter beklagenswert leidenschaftslose Bayern-Spiel passt, so passte sein Fehler zum aktuellen Leistungsstand der in der Abwehr notorisch verwundbaren Münchener. Das 3:1 spiegelt exakt den gegenwärtigen Status des FC Bayern München: Im Ranking der europäischen Top Ten belegt der Rekordmeister derzeit einen Mittelfeldplatz.“

Versagen in der Königsliga

Arsenal enttäuscht viele – auch Andreas Burkert (SZ 24.2.): „Das 1:3 ergänzte die im Grunde lückenlose Serie enttäuschender Leistungen der Gunners auf der europäischen Bühne um ein weiteres trauriges Kapitel (…) Das Versagen des FC Arsenal in der Königsliga wird wohl für alle Zeiten unergründet bleiben wie das Leben nach dem Tod.“

Abwehrprobleme

Raphael Honigstein (Tsp 24.2.) befasst sich mit Sorgen und Stimmung Klaus Augenthalers nach dem 1:3 in Liverpool: „Der Abstauber von Franca, das erste Tor einer deutschen Mannschaft in Anfield seit 28 Jahren, hält Bayer zwar „am Leben“, wie Augenthaler bescheinigte. Doch in seinem Mienenspiel hatte internationaler Optimismus gegen niederbayrisches Grantlertum keine Chance. Die unübersehbaren Probleme in der Abwehr hatten dem Trainer die Freude am späten Auswärtstor gründlich verdorben. Callsen-Bracker kam zwar in den ersten Minuten gut mit den langen, hohen Bällen aus der Klamottenkiste des englischen Fußballs zurecht, doch als die keineswegs überragenden Liverpooler ein paar einfache Steilpässe spielten, stand er oft falsch.“

Leverkusen hätte mehr machen müssen

Christian Eichler (FAZ 24.2.) ergänzt: „Wohl noch nie wäre es so leicht gewesen, noch mehr zu erreichen, vielleicht gar einen Sieg, wie ihn in insgesamt vierzehn Spielen in Liverpool kein Bundesligaklub schaffte. Liverpool dümpelt trotz hoher Investitionen im gehobenen Mittelmaß der Premier League herum, muß derzeit gar dem Lokalrivalen FC Everton den Vortritt lassen, blamierte sich kürzlich im Pokal, und in der Champions League erreichte man erst durch einen Sonntagsschuß von Kapitän Steven Gerrard in letzter Minute das Achtelfinale – Voraussetzungen, aus denen Leverkusen mehr hätte machen müssen.“

Make us dream

Felix Reidhaar (NZZ 24.2.) erklärt und beschreibt Liverpools Sehnsucht: „Es muss der Offensivwirbel gewesen sein, der die Zuschauer grosszügig über defensive Mängel hinwegsehen liess. Aber auch der damit gezündete Hoffnungsfunken, dass ein nach seiner Tradition grossartiger und „nie allein marschierender“ Fussballklub heute wieder Potenzial für eine Renaissance birgt. Gewiss hatten die Reds vor vier Jahren unter Gérard Houllier fünf Trophäen gewonnen. Aber zum Premier-League-Titel hat es dem ambitionierten Rekordmeister seit 15 Jahren nicht mehr gereicht, der letzte Meistercup-Sieg datiert aus dem Jahre 1984, ein Jahr darauf warf die Heysel-Tragödie den Liverpool FC vollends aus der Bahn. Dass der Kop seine Aufforderung von Make us dream nach mehreren Rückschlägen grösstenteils erfüllt sah, konnte Paul Hayward, den Chefkommentator des Telegraph, nicht verwundern. In Nächten wie dieser lasse sich die Kraft von Anfield’s Liebe zu den grossen Fussball-Aufführungen nachfühlen, meinte der Journalist, der sonst der anglo-spanischen Kreation Marke Benítez auch mit Skepsis begegnet.“

Schokoladenseite

Ralf Itzel (BLZ 24.2.) berichtet über das 1:0 Real Madrids gegen Juventus Turin: „Ronaldo spielte schlecht, wirkte frustriert. Eine Viertelstunde vor Schluss nahm ihn Luxemburgo vom Platz und setzte ihn einem Pfeifkonzert aus. Der Gute-Laune-Kicker hat sein Lächeln verloren, und italienische Besucher fühlten sich an die Endzeit bei Inter Mailand erinnert, als ihn ähnliche Vorkommnisse zur Flucht trieben. Das war die negative Nachricht für Real. Ansonsten überwogen die positiven. Denn die Champions League kitzelte mal wieder die Schokoladenseite heraus. Zu großen Anlässen kann das alternde Starensemble immer noch sein Bestes hervorzaubern. (…) Turin hatte kaum mehr als Kampfkraft zu bieten.“

NZZ-Bericht Manchester United-AC Mailand (0:1)

NZZ-Bericht FC Barcelona-FC Chelsea (2:1)

« spätere Artikelfrühere Artikel »
  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

104 queries. 1,052 seconds.