indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Donnerstag, 25. März 2004

Ballschrank

Die Weltmeisterschaft in Asien

Die Weltmeisterschaft in Asien ist nun gut eine Woche alt, und die Suche nach Trends hat erste Antworten erzeugt. Einer allgegenwärtigen Aussage zufolge ist es das Turnier des Favoritenscheiterns. „Im großen Ganzen dieser WM fügte sich Argentiniens Niederlage bestens in den Trend“, heißt es in der FR nach dem 0:1 der hochgehandelten Südamerikaner gegen England. In Anbetracht der heiklen Lage des Titelverteidiger Frankreich „besteht nun die kuriose, aber realistische Chance, dass die beiden Turnierfavoriten gemeinsam in der Vorrunde ausscheiden“ (FR). Man darf zweifellos festhalten: Einen eindeutigen Favoriten gibt es nicht (mehr) – nicht mal einen engen Favoritenkreis. Dieser hat sich auf mehr als ein halbes Dutzend Teams erweitert.

Worin nun liegen die Ursachen dieser vermeintlichen Tendenz? Nach einer auszehrenden Saison in nationalen Vereinsmeisterschaften sowie auf dem Europapokalparkett seien viele Weltstars am Ende ihrer Kräfte und Konzentration, ist in der FAZ zu lesen. Dies habe zur Folge, dass die „Kleinen“ ihre spielerischen Rückstände durch physisches Investment aufwiegen können; mehr noch: ihren Gegner streckenweise dominieren, wie das Beispiel der siegreichen Amerikaner gegen die Portugiesen gezeigt habe. „Kann es also sein, dass diese Spiele womöglich gar nicht die wahren Kräfteverhältnisse widerspiegeln?“ fragt die FR nicht ohne Sorge um eine Entwertung des wesenhaft bedeutendsten globalen Fußballereignisses und im Hinblick auf eine mögliche Verzerrung des Endklassements. Werden wir Zeuge einer „Kraftmeier-WM“, bei der „überspielte und ausgebrannte Teams keine Chance haben“, wie die SZ befürchtet und „Kraft- und Tempobolzer den Ton angeben“ (FR)?

Doch wird die WM 2002 am Ende tatsächlich als das Turnier der Überraschungen in die Annalen eingehen? Gegen die Diagnose des Machtausgleichs innerhalb der Fußballweltgemeinde spricht zum Beispiel das 8:0 der Deutschen gegen Saudi-Arabien; ein Ergebnis aus dem Mustopf der Fußballhistorie. Außerdem ist die Vergänglichkeit von Prognosen – die man aus den Äußerungen und Fragestellungen der Presse ableiten könnte -im Fußballspiel hinlänglich bekannt.

Außerdem: die Stimmung in Deutschlands Lager, die Stimmung in Frankreichs Lager, die Rolle der Bild-Zeitung, die Rolle von ARD und ZDF, Berichte über drei Spiele, Favorit Spanien?, Euphorie japanischer Medien sowie bunte Frisuren.

Pressestimmen zu den Spielen der Gruppe F (ARG-ENG, NIG-SWE)

Pressestimmen zum Spiel Spanien-Paraguay (3:1)

Pressestimmen

Pressestimmen zur Situation Deutschlands

Die Ursachen für die Schwäche der Favoriten sind, Roland Zorn (FAZ 8.6.) zufolge, im Vorfeld der WM zu finden. „Was ist bloß los mit mancher Ikone aus den stärksten europäischen Ligen und der Champions League zum Höhepunkt eines endlos langen Spieljahrs? Sie sind teils verletzt wie Zidane, teils uninspiriert wie Figo, teils überstrapaziert wie Ballack, teils außer Form wie Veron. Gegenüber den von bis zu siebzig Pflichtterminen in ihren Klubs zermürbten Profis aus der europäischen Spitzenklasse wirken die WM-Aufsteiger aus Südkorea, Senegal oder den Vereinigten Staaten taufrisch. Monatelang hatten die Trainer Guus Hiddink und Bruce Arena Zeit, ihre Teams auf den Tag X einzustimmen und einzuschwören, während die Senegalesen, beflügelt durch den unerwarteten Satz auf Platz zwei bei der Afrikameisterschaft, ihre Premiere bei einer Weltmeisterschaft sogleich zu einer Demonstration unverbrauchter Spielfreude nutzten. Für die Aufsteiger der weltgrößten Ballmesse kommt die WM gerade recht, für die Absteiger und Sitzenbleiber dieser WM kommt sie augenscheinlich zu spät.“

Helmut Schümann (Tsp 8.6.) meint zum selben Thema. „Die Superstars sind es, die den Unterschied machen zwischen großen und grandiosen Mannschaften. Jetzt sind sie malade, die Superstars, und die Mannschaften sind gleichwertig. Auch deshalb gibt es so viele offene Spiele.“

Das heutige Anforderungsprofil eines Fußballers skizziert Thomas Kilchenstein (FR 8.6.). „Der moderne Fußballer muss ein Athlet sein. Er muss Kraft haben, viel Kraft, er muss physisch enorm stark sein, und er muss schnell sein. Diese WM wird eine WM der Kraftmeier sein, der filigranen Kraftmeier. Denn natürlich ist für den Erfolg im Strafraum letzten Endes immer noch die bessere Ballbehandlung ausschlaggebend. Dies freilich ist die Grundvoraussetzung, ohne ein gehöriges Maß an Technik nutzen selbst die in tausend Stunden Fitness-Studio erworbenen „Muckis“ nichts. Nur: ohne die notwendige Kraft, ohne entsprechende Physis geht kaum mehr etwas, da nutzt auch die beste Technik nichts.“

Völkerverbindende Ambitionen der WM stellt Ralf Wiegand (SZ 8.6.) in Abrede. „Vielleicht hatte ja jemand in der Fifa insgeheim darauf gehofft, für den Friedensnobelpreis in Betracht gezogen zu werden durch diese WM. Es ist nämlich in der Sportpolitik eine populäre Schwärmerei, die einigende Kraft des Sports möge auf Länder wirken, die ein paar Probleme mit sich selbst oder mit anderen haben. Auf diese Weise gelangte China an die Olympischen Spiele 2008, deshalb flatterten Friedens-tauben durchs schwerst- kommunistische Moskau, und gerne glauben die Sportführer der Welt, der Ausschluss Südafrikas vom Rennen, Laufen und Springen habe geholfen, die Apartheid zu überwinden. Friedensstifter Sport – welch’ eine Vision.“

Die Reaktionen der japanischen Medien auf das 2:2-Remis ihrer Mannschaft gegen Belgien analysiert Anne Scheppen (FAZ 8.6.). „Die Presse betätigt sich als Cheerleader für die Nation. Wieder und wieder werden die beiden Tore von Junichi Inamoto und Takayuki Suzuki im Fernsehen bejubelt. Nachdem sich die Gegner der nächsten Begegnung erstmals beim Training einem größeren Publikum gezeigt hatten, stellte die Zeitung Sankei Sports voller Genugtuung fest, die russischen Eisbären hätten offensichtlich größere Schwierigkeiten mit den hohen Temperaturen in Japan und der großen Luftfeuchtigkeit: Die Siegeschancen stehen also gut, denn der Wetterbericht sieht für Sonntag in Yokohama Hitze voraus. Die nicht zu ekstatischer Begeisterung neigende, überaus seriöse Yomiuri Shimbun vermerkte immerhin, es gebe keinen Grund, warum die Japaner sich nicht gegen die wechselhaften Russen durchsetzen sollten. Schließlich zögen Troussiers Soldaten mit etwas ins Stadion ein, das vor vier Jahren unter dem unerfahrenen Okada noch gefehlt habe: Vertrauen. Die Asahi Shimbun orakelt mit Weitblick: Japans Schicksal steht auf dem Spiel.“

Von spanischen Ambitionen berichtet die NZZ (8.6.). „Vermögen sich die Spanier in diesem Sommer an den Sandstränden in sportlichen Großerfolgen zu sonnen? Drei „Sandhasen“ von der Iberischen Halbinsel in den Halbfinals von Roland Garros und die spanischen Fußballer auf schnellstem Weg in die WM-Achtelfinals: Spaniens Gitarren erklingen. Die Hoffnung auf ein erfolgreiches Abschneiden des Nationalteams wird dadurch genährt, dass es zu Turnierbeginn gelungen ist, mit der Tradition zu brechen. Spanien hatte in den letzten Jahren mit verblüffender Regelmäßigkeit Fehlstarts produziert; ertönte das Startzeichen, blieb es in den Pflöcken stecken. Selbst Mannschaften wie Österreich, Honduras, Uruguay und Südkorea platzierten in der Vergangenheit ihre Stolpersteine so, dass sie für die Spanier zu unüberwindbaren Hürden wurden. Mit andern Worten: Der Sieg gegen Slowenien vom letzten Sonntag war der erste spanische WM- Startsieg seit 1950. Aus diesem Jahr stammt auch die beste WM-Rangierung: Platz 4. Ein vergleichbarer Erfolg ist dem Team in diesem Jahr zuzutrauen, wodurch die Spanier ihren Ruf als „schlechte Patrioten“ aufpolieren könnten. Auf Klubebene zuletzt besser als alle andern, hat sich die Nationalmannschaft auf Grund ihrer Ergebnisse selten bis nie als Stolz des Landes erwiesen.“

Paul Ingendaay (FAZ 8.6.) weilt in Spanien. „Es ist schön, im Land des künftigen Fußballweltmeisters zu leben. Der Bäcker ist freundlich, die Apothekerin strahlt, der Friseur braucht kein Trinkgeld; die Autofahrer hupen lachend, statt fluchend zu hupen; und das Make-up der Müllfrauen leuchtet noch festlicher als sonst. In den nächsten Tagen wird sich daran nichts ändern. Im Gegenteil, die Bäume wachsen gen Himmel, und irgend jemand wird fragen: Hat nicht Spanien von allen Mannschaften den besten Fußball gespielt? Seht nur, selbst die Tore des Gegners schießen wir selbst! Und sollte dann doch die Niederlage kommen, dann werden die Leute die Fahnen wieder einrollen und ihren transportablen Patriotismus bis zum nächsten Turnier verstauen, friedlich und ohne Groll. Denn der Patriotismus dient den Spaniern, nicht umgekehrt.“

Michael Horeni (FAZ 8.6.) beschreibt die selbst ernannte Aufgabe von Deutschlands größter Boulevardzeitung. „Bei Bild ist noch Jubelstimmung gefragt. Aus der Redaktion in Hamburg kommt die Nachricht, das Fernsehen versage in seiner Rolle als Stimmungsmacher. ARD und ZDF dürfen die deutschen Tore nur am Spieltag zeigen, viele Begegnungen sind nur im Bezahlfernsehen zu sehen, die WM-Zusammenfassung auf Sat.1 läuft zu spät, die Quoten sind lausig. Das Defizit des Fernsehens will Bild ausgleichen (…) Doch der Ruhm ist vergänglich, oftmals über Nacht, und mitunter kennt niemand außer Bild die Gründe dafür. Das 1:1 gegen Irland hat den Trend noch nicht gewendet, wir warten auf Kamerun, das Endspiel der Vorrunde. Die deutschen Nationalspieler sind mit den extremen Zyklen der Pressebeobachtung bestens vertraut. Vor zwei Jahren hatte Bild die Mannschaft mit guten Wünschen zur Europameisterschaft verabschiedet. Als charakterlose Rumpelfüßler wurden die Spieler heimgeholt – aber nicht alle. Die Herabsetzung verlief nach einem fein austarierten System: Bild schützt seine langjährigen Freunde und Informanten in Nationalteam auch in Krisenzeiten. Die, die nicht plaudern, bekommen dafür um so mehr ab, von den Gegnern des Blattes gar nicht zu reden. Dessen Vorzeigespieler war zuletzt Lothar Matthäus, was dazu führte, dass Bild beim letzten großen Fußballturnier eine publizistische Parallelwelt hervorbrachte, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hatte (…) In Japan ist das Bild-Team unabhängiger als damals. Trends und Stimmungen in der Nationalelf werden ohne falsche Rücksichtnahme aufgespürt. Zudem geht mit Rudi Völler ein Teamchef voran, der nicht nur für den deutschen Fußball ein Glücksfall ist, sondern auch für Bild. Das kolportierte sportliche Urgesetz des Blattes – Fußball ist gut für Bild, Beckenbauer ist gut für den Fußball, Beckenbauer ist gut für Bild –, dieser Dreisatz über den seit Jahren dem Blatt dienenden Kolumnisten, gilt auch für den Sympathieträger Völler.“

Reinhard Lüke (FR 7.6.) bewertet das TV-Programm der Öffentlich-Rechtlichen. „Mit einem einzigen Fußballspiel rund fünf Stunden Programm bestreiten zu müssen, ist kein Zuckerschlecken. Dabei geben sich die Verantwortlichen von ARD und ZDF angesichts der massiven verweisen darauf, dass die Rechtslage doch seit einem halben Jahr bekannt sei. Der Vertrag mit KirchMedia erlaube ihnen nunmal nur das eine Spiel pro Tag. Schon richtig. Doch das Problem liegt nicht in dem, was sie nicht senden (dürfen), sondern in dem, was sie senden. Genauer gesagt in diesem Gestus, mit dem sie fortwährend so tun, als hätten sie über diese 90 Minuten hinaus irgendetwas Sehenswertes zu bieten. Was sie definitiv nicht haben.“

Von den Frisuren der japanischen Spieler gehe Signalwirkung aus, so Holger Gertz (SZ 8.6.). „Jaja, sagen die Köpfe der japanischen Fußballer, wir sind nicht, wie ihr da draußen immer gedacht habt: eine Armee von kleinen Menschen, frisiert in der leidenschaftslosen Art von Playmobilmännchen. Wir sind bunt, wir haben Belgien fast hergespielt und werden auch Russland verzaubern, berauschen mit unseren Farben, unser Tuschkasten wird nie leer.“

Gewinnspiel für Experten

Ballschrank

Agonie der Größe

Christoph Biermann (taz) erklärt den Abschwung Borussia Dortmunds mit dem Wirken des Präsidenten Gerd Niebaum – “Mit Fremdgeld klotzen, bis der Jackpot kommt” (SZ): die Schuldenstrategie Schalkes – DFL kontrolliert strenger u.a.

Agonie der Größe

Sehr lesenswert! Christoph Biermann (taz 22.1.) erörtert den Einfluss Gerd Niebaums auf den Werdegang Borussia Dortmunds: „Zwischenzeitlich erschien mir Gerd Niebaum wie der ideale Vorsitzende eines Fußballklubs. Er gab ein schlüssiges Bild ab, vor einer Bücherwand voller Gesetzestexte und deren Interpretationen in seiner Kanzlei nahe dem Ruhrschnellweg. Das suggerierte Solidität, während seine schwärmerischen Worte ein tiefes Verständnis von Fußball, auf jeden Fall aber von Borussia Dortmund nahe legten. Niebaum ist Jurist, hat aber das sprachliche Geschick eines Werbetexters, der Zusammenhänge in einem griffigen Claim zusammenfassen kann. Von ihm stammt etwa die Formulierung, dass Borussia Dortmund in Steine und Beine investieren müsse. Besonders in Erinnerung ist mir aber eine andere Bemerkung geblieben, die wie die Grundidee seiner Vereinsführung klang: Zukunft braucht Herkunft. Das klingt inzwischen vor allem nach einem der lauen Leitsätze, wie man sie aus Grundsatzentschließungen von CDU-Parteitagen kennt, doch vor mehr als zehn Jahren hatte das im Zusammenhang mit Fußball einen besonderen Reiz (…) Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1995 war zwar ein großer romantischer Moment, hatte aber mit großen Investitionen für Möller, für Poulsen, Herrlich oder Reuter zu tun. Zwei Jahre später gewann die nun komplettierte Ägide der Italienheimkehrer um Sammer und Kohler die Champions League. Geld hatte eben doch Tore geschossen. Doch gerade dieser Abend des größten Triumphs bereitete ein langes Ende vor, das sich derzeit zu vollziehen scheint. Ottmar Hitzfeld war nach dem Triumph über Juventus Turin schon ein trauriger Mann. Aufgerieben durch schleichende Konflikte mit dem Präsidenten, saß er im Münchner Olympiastadion auf dem Podium und hatte Tränen in den Augen. Anschließend lobte Niebaum ihn zum Sportdirektor weg. Doch es war nicht diese Personalie allein, denn Ikarus Niebaum begann seinen Flug zur Sonne mit Fremdvermarktung, Börsengang und Stadionausbau. Borussia Dortmund wurde dabei jedoch zunehmend ein hässlicher Klub. Aus der Ferne wehten zwar immer noch die Sätze von einst heran und beschworen das alte Borussia-Gefühl, doch der Klub, der so unbedingt mit dem FC Bayern mithalten wollte, wurde vor allem zu einer Geldmaschine. Wichtiger als die vermeintliche oder wirkliche Misswirtschaft waren dabei Details. Ob das nun ein Fußballbilder-Sammelalbum ist, in dem das Logo und das Stadion der Borussia nicht abgebildet werden dürfen, weil der Klub dafür extra kassieren wollte. Oder sei es der Versuch, bei den Fans für den Besuch der Homepage zu kassieren. Borussia Dortmund hatte früher auch deshalb Soul, weil Niebaum ein großer Gospelsänger war. Was immer aus diesem Talent geworden ist, geblieben ist nur noch schwarz-gelber Stadionrock und Agonie der Größe.“

Manager und Präsident reden den Kranken gesund

Frank Hellmann (FR 20.1.) fügt hinzu: „Das Schlimme in diesem akuten Stadium: Manager und Präsident reden den Kranken gesund anstatt die überfällige Radikalkur zu veranlassen. Das würde heißen: runter mit den Gehältern, kickende Angestellte am sportlichen Risiko beteiligen. Das Dortmunder Dilemma steht beispielhaft für eine Branche, die über ihre Verhältnisse und in einer Scheinwelt lebt. Und deren Weichensteller, so lange Zuschauer in Scharen strömen, allerorten Kameras surren, jedes Tor aus einem Testspiel irgendwo live über die Mattscheibe flimmert, nicht wahrhaben wollen, wie tief Tagträumer unbegrenzten Wachstums fallen können. Sie sollten mal an der Börse fragen.“

Mit Fremdgeld klotzen, bis der Jackpot kommt

Thomas Kistner (SZ 21.1.) kommentiert die Schuldenpolitik Schalkes: „Die Liga wundert sich über die Scheckheft-Offensive aus dem Revier. Dass alles, was Rang und Namen hat, plötzlich locker erschwinglich wird für Schalke, dürfte den üblichen Dementis zum Trotz mit jener Anleihe zusammenhängen, die der Klub 2003 mit dem Londoner Investor Stephen Schechter getätigt hat. Die Schalker traten der Schechter Co ihre Zuschauereinnahmen bis 2027 ab und erhielten dafür um die 85 Millionen Euro. Ein Frischgeld-Modell, das nun auch die in Nöte geratenen Dortmunder fasziniert. Der Trend ist so unselig wie unübersehbar: Kirch-Crash und sinkende TV-Einkünfte diktieren den Profiklubs engere Gehaltsrahmen; wenn dann wie in Dortmund und Schalke der sportliche Erfolg und die internationalen Erwerbsmöglichkeiten ausbleiben, gerät rasch die Bilanz aus den Fugen. Sparen, wie einst in Stuttgart geübt, wäre die eine Variante – die Zukunft des Vereins zu verpfänden, ist eine andere. So wird flugs die aktuelle Schieflage bereinigt und der Fan beruhigt – den Rest muss der liebe Gott richten. Zu Risiken und Nebenwirkungen seines Pfandmodells gab Stephen Schechter bereits Auskunft: „Ich stelle den Klubs diese Anleihe nicht als schöne Frau mit tiefem Dekolletee vor, sondern als die Frau, die am Morgen danach ohne Make-up im Bett liegt. Und zwar lange Zeit jeden Morgen.“ Doch bis sich Frau Schechter als jener Drachen entpuppt, der über die Jahre alles verschlungen hat, werden die Väter des famosen Modells in Rente sein – zumindest diese stille Rechnung dürfte aufgehen. Sie passt nur perfekt ins Gesamtwirtschaftsbild: Mit Fremdgeld klotzen, bis der Jackpot kommt – oder halt der Insolvenzverwalter.“

Die FAZ (21.1.) berichtet die neue Strenge der DFL: „Die Zentrale des deutschen Profifußballs erhält in der kommenden Woche hohen Besuch. Die Vertreter von Borussia Dortmund machen der DFL in Frankfurt ihre Aufwartung – allerdings nicht ganz freiwillig. Denn nach den besorgniserregenden Berichten über eine Finanzkrise des westfälischen Vorzeigeklubs begnügt sich die DFL nicht mehr allein mit schönen Reden der Dortmunder Führungskräfte. Die DFL verlangt Fakten von der Borussia Dortmund GmbH Co KGaA. Wir haben die Dortmunder zu einem Gespräch gebeten, weil wir Antworten auf einige Fragen brauchen, sagt Christian Müller, zuständiger DFL-Geschäftsführer für Finanzen. Wir müssen uns einige Vorgänge anschauen, erläutert Müller, nachdem er wohl in diesen Tagen die Lizenzierungsunterlagen der Borussia aus dem Schrank geholt und sich das Zahlenwerk noch einmal ganz genau zu Gemüte geführt hat. Doch Panikstimmung in Sachen Borussia Dortmund will die DFL partout vermeiden. Wir können ruhig schlafen wegen Dortmund, sagt Müller – und dies noch bevor der einzige börsennotierte Verein der Bundesliga bei der Liga vorstellig wurde. Obwohl die Liga in der Vorsaison mit dem Finanzgebaren des 1. FC Kaiserslautern sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat (die zum Abzug von drei Punkten führte), gibt Müller in dieser Richtung vorab schon Entwarnung: Man kann Kaiserslautern und Dortmund nicht in einem Atemzug nennen und diesbezüglich nicht vergleichen. In die Kritik geraten angesichts der vermeintlichen Schieflage des nach dem FC Bayern München größten und mächtigsten Klubs des Landes bei der DFL vielmehr die Banken. Ich finde es eine bemerkenswerte Entwicklung, daß sich immer mehr Bankvertreter zur wirtschaftlichen Lage von Wirtschaftsunternehmen äußern – auch in der Bundesliga. Das Bankgeheimnis wird aufgeweicht, sagt Müller. Tatsächlich jedoch haben sich im Fall von Borussia Dortmund zuletzt nur Aktienanalysten kritisch zu Wort gemeldet – ganz wie es ihrer Aufgabe entspricht. Trotzdem sagt Müller: Analysten, die die Entwicklung einer Aktie vorhersagen wollen, bewirken mit ihren Aussagen vielleicht ungewollt eine Beeinträchtigung des Kreditspielraums. Das erinnert an Breuer und Kirch.“

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Ballschrank

Good-Bye, David Seaman – Leeds United vor dem Abstieg und der Insolvenz – nachlässige Finanzpolitik in der Serie A u.a.

Christian Eichler (FAZ 19.1.) verabschiedet David Seaman: „Zu viel Kaffee schadet. Deshalb hat David Seaman letzte Woche wohl die richtige Entscheidung für seine Gesundheit getroffen. Der Torwart von Manchester City erklärte nach einer Schulterverletzung das Ende seiner Karriere. Mit britischer Selbstironie hat er einmal bekannt, daß er jedesmal, wenn einer seiner Patzer im Fernsehen läuft, in die Küche gehe, um sich einen Kaffee zu kochen. So etwas macht schnell zittrige Hände. Seit seiner Sekundenlähmung bei Ronaldinhos segelndem Freistoß im WM-Viertelfinale gegen Brasilien hat der langjährige englische Nationaltorwart nicht mehr viel Freude an seinem Beruf gefunden. Ein frecher Mazedonier legte ihn in der EM-Qualifikation mit einer direkt verwandelten Ecke herein und erklärte auch noch, das habe er bewußt trainiert, weil er Seamans Schwäche erkannt habe – Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson setzte Seaman danach nicht mehr ein. Beim FC Arsenal, wo er in dreizehn Jahren von der langjährigen Verkörperung der Sicherheit in Englands bester Defensive am Ende eher zur Belastung wurde, tauschte Trainer Arsène Wenger ihn vor dieser Saison gegen den Deutschen Jens Lehmann aus. Und auch bei Manchester City konnte der Vierzigjährige die Natur nicht aufhalten. Im Gegenteil, die Kaffeepausen kamen in immer dichterer Folge. Denn keine Liga der Welt läßt ihre Torhüter so schlecht aussehen wie die in Sachen Tempo und Strafraumszenen konkurrenzlose Premier League. Erst recht ihre alternden Torhüter. Seamans Abgang ließ Englands Fußballfans abermals bewußt werden, welches Torhüterproblem ihr Land hat, das seit den Tagen des großen Gordon Banks die Keeper-Kunst im Abonnement zu haben glaubte. Die Realität ist längst anders.“

Geschäftsführer Peter Ridsdale hatte den Laden wie der größte Fan geführt

Raphael Honigstein (SZ 19.1.) sorgt sich um Leeds United, Tabellen-Letzter der Premier League: „Bei einem Abstieg würden der kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehenden Aktiengesellschaft nächste Saison weitere 28 Mio. an TV-Geldern durch die Lappen gehen. Und es könnte schlimmer kommen: falls der traditionsreiche Verein aus dem Norden in der First Division Konkurs anmeldet, werden ihm laut Regelwerk automatisch neun Punkte abgezogen – der Champions-League-Halbfinalist von 2001 würde sich 2005 wohl in der dritten Liga wiederfinden. Das Unglück ist hausgemacht. Geschäftsführer Peter Ridsdale hatte den Laden wie der größte Fan geführt und so lange sündteure Spieler gekauft, bis der Verein an den Unkosten zu Grunde ging. „Wir haben den Traum gelebt”, entschuldigte sich Ridsdale vor der Demission im Frühjahr 2003 bei den Fans. Der im März als Chef eingesprungene Wirtschaftsprofessor John McKenzie entdeckte systematische Verschwendung: 300 Euro im Jahr für die Goldfische in Ridsdales Büro fielen dabei weniger ins Gewicht als die 60 Firmenautos für die Angestellten. McKenzie profilierte sich als eiserner Sparer, doch seine Unerfahrenheit im Fußballgeschäft kam Leeds teuer zu stehen: er sanktionierte 700 000 Euro Provisionszahlung für einen Agenten, der den ablösefreien Weltmeister Roque Junior holte; für den begabten Australier Harry Kewell kassierte er dank naiver Verhandlungstaktik nur 4,2 Millionen von Liverpool. Seit dem 23. Dezember ist McKenzie nicht mehr im Amt. Er versucht erfolglos, in China neue Finanzquellen aufzutun. Mit Spielerverkäufen kommt Leeds auch nicht mehr weit.“

Horrorszenario für italienische Fußballfans

Im Wirtschaftsteil analysiert Tobias Piller (FAZ 15.1.) die Finanzen italienischer Klubs: „Für Victor Uckmar, einer der angesehensten Steuerberater Italiens und bis vor wenigen Jahren auch offizieller Finanzkontrolleur für die Fußballklubs, ist diese Entwicklung seit langem vorhersehbar gewesen. Wenn manche Klubs nur 30 Prozent der Ausgaben mit garantierten Einnahmen abdecken könnten, sei irgendwann der Zusammenbruch vorauszusehen. Bisher, so Uckmar, seien dagegen vielfältige Bilanztricks erlaubt worden. Bis 1996 habe noch die Vorschrift bestanden, daß die Fußballklubs ausgeglichene Bilanzen vorlegen und für Bankkredite eine Genehmigung einholen müßten. Demgegenüber sei nun die Finanzlage unkontrollierbar geworden. Zu Beginn der Saison habe man mehreren Fußballklubs auferlegt, daß sie ihre Finanzlücken schließen müßten. Diese legten dann Bankgarantien vor, die sich als Fälschungen erwiesen haben. Zudem waren die angeblichen Garantien über Millionenbeträge ausgestellt worden von einer kleinen Finanzgesellschaft mit einem Kapital von 500 000 Euro. Als die Probleme ruchbar geworden seien, hätten alle betroffenen Fußballklubs eine Gnadenfrist bekommen, nach Ablauf dieser Frist sei wiederum die Sorge groß gewesen, daß die schon begonnene Fußballmeisterschaft gefährdet werden könne. Statt einer ordentlichen Haushaltsführung habe in den Klubs – mit der Ausnahme von Juventus Turin, dem einzigen ohne Verluste – die Devise vorgeherrscht, daß man die Einnahmen der Zukunft bei den Banken abdiskontieren und die besten Spieler bieten müsse, ganz ohne Rücksicht auf die Bilanz. Was für die italienischen Fußballfans ein Horrorszenario darstellt, kann sich Uckmar konkret für die nächste Zukunft vorstellen: Wenn mehrere Vereine im Konkurs landen, wird es auf jeden Fall einen Neubeginn für den italienischen Fußball geben.“

Europas Fußball vom Wochenende: Ergebnisse – Tabellen – Torschützen NZZ

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Uwe Kemmling, „Heimschiedsrichter“

Uwe Kemmling, „Heimschiedsrichter“ (FAZ), ist die entscheidende Figur im Spiel zwischen FSV Mainz und Energie Cottbus – Alemannia Aachen und MSV Duisburg, Traditionsklubs im Aufschwung – Francisco Copado, geläuterter Torjäger

Wie alle Anwesenden beim 4:1-Sieg des FSV Mainz über Energie Cottbus schilt Roland Zorn (FAZ 29.10.) Schiedsrichter Uwe Kemmling: „Als Spieler und Trainer längst ihre Kabinen verlassen und den Frieden der Nacht gefunden hatten, hockte das Schiedsrichtergespann um Uwe Kemmling noch immer in seinem Umkleideraum. Untereinander gab es reichlich Diskussionsstoff. Den wartenden Journalisten aber wollte der Unparteiische, der sich am Montag eher als Tatmensch verstand, kein Wort sagen. Dabei war der Verwaltungsangestellte aus Burgwedel im mit 18700 Zuschauern ausverkauften Stadion am Bruchweg der Mann des Abends gewesen. Kemmling hatte mit einer Reihe von verwunderlichen Pfiffen zwischen der 22. und 29. Minute das allseits erhoffte Spitzenspiel verhindert. Am Ende hatten elf Mainzer gegen neun Cottbuser 4:1 gewonnen und damit die Lausitzer von Platz drei verdrängt – richtig freuen mochten sich die Mainzer über ihren den Umständen zu verdankenden Pflichtsieg nicht. Dabei konnten die nach zuletzt zwei Niederlagen ein wenig verunsicherten 05er nichts dafür, daß sie Kemmling, vielerorts als Heimschiedsrichter etikettiert, eklatant bevorteilte. Ich denke, sagte der gegenüber dem sportlichen Gegner nahezu chevaleresk argumentierende Cottbuser Trainer Eduard Geyer, Mainz hat mit den unschönen und seltsamen Dingen, die da gelaufen sind, wenig zu tun. Ein höflicher Satz, der ganz nach dem Geschmack seines Mainzer Kollegen Jürgen Klopp war. Der bedankte sich bei dem sächsischen Original nahezu untertänig, indem er sagte: Eduard Geyer hat mir eine Lehrstunde erteilt, wie man mit einer solch ungewöhnlichen Niederlage umgeht. Das war sportlich groß.“

Wir bauen den neuen MSV

Roland Leroi (FR 29.10.) porträtiert den Baumeister des Duisburger Erfolgs: „Wenn es Walter Hellmich richtig gut geht, raucht er gerne eine dicke Zigarre. Meist stammen die aus dem Fundus seines Kumpels Rudi Assauer. Dem Manager von Schalke 04 errichtete Hellmich in seiner Funktion als Bauunternehmer neulich die Vorzeige-Arena AufSchalke. Am Sonntag konnte sich Hellmich mal wieder eine anstecken. Der 59-Jährige ist seit 16 Monaten Vorsitzender des Zweitligisten MSV Duisburg und hat es sich zum Ziel gesetzt, langfristig mit Assauer auf sportlicher Ebene gleichzuziehen. Davon trennt ihn momentan zwar noch eine ganze Menge. Mit dem 3:2-Erfolg bei der LR Ahlen . schob sich der MSV in den Dunstkreis der Aufstiegsränge.Hellmichs Ansprüchen genügt das allerdings noch lange nicht. Der Mann macht keine halben Sachen und gilt als einer, der seine Ankündigungen auch umsetzt. Wir bauen den neuen MSV.“ (…) Bauunternehmer Hellmich benötigte nicht lange, um auch die Komplettmodernisierung des Wedaustadion, an der sich seine Vorgänger die Zähne ausgebissen haben, auf den Weg zu bringen. Binnen eines halben Jahres baute der Vorsitzende etwa drei Millionen Euro Verbindlichkeiten, die den MSV wahrscheinlich die Lizenz gekostet hätten, ab und gewann Sponsoren aus Politik und Wirtschaft für das Mammutprojekt. Längst ist das halbe Wedaustadion abgerissen, in etwa 15 Monaten soll die neue MSV-Arena stehen, die 27 000 Zuschauer fasst und 43 Millionen Euro kostet. Ein Schmuckstück. Bei uns wird alles wie auf Schalke, nur kleiner, pflegt Hellmich gerne zu sagen. Natürlich ist seine Firma mit dem Bau beauftragt. Wegen dieser Verdienste wurde der MSV-Vorsitzende in Duisburg zum Bürger des Jahres ausgezeichnet und hat in seiner Heimatstadt binnen kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Wenn Hellmich vor den Spielen zum Mikrophon greift, jubeln die Fans. Hellmich versteht es, seine Auftritte zu inszenieren. Als vor zehn Tagen die Grundsteinlegung für die neue Arena erfolgte, ließ der Boss Minuten vor dem Anpfiff des Derbys gegen Oberhausen den ersten Tribünen-Stützpfeiler einschweben.“

Elisabeth Schlammerl (FAZ 29.10.) befasst sich mit der Karriere Francisco Copados, Torjäger Unterhachings: „Bei der Spielvereinigung Unterhaching hat er den Wandel geschafft, an den schon keiner mehr geglaubt hatte. Der Spieler schien gescheitert an seinen Eskapaden, ehe er die Gegner wieder tänzerisch umkurvte. Ach ja, tanzen. Das war immer schon seine große Leidenschaft, allerdings hat Copado das früher vor allem nachts in Diskotheken getan und einmal sogar auf einem Klavier. In einer Bar im Trainingslager mit Tennis Borussia Berlin in Spanien hatte Copado so die Gäste bis früh morgens unterhalten und war anschließend suspendiert worden. Der gebürtige Deutsche mit dem spanischen Paß genoß das Leben außerhalb des Fußballplatzes in vollen Zügen und vergaß darüber seine Karriere. Mit 18 Jahren debütierte er beim Hamburger SV, mit 21 wechselte er zu Real Mallorca, ohne groß zu überlegen, weil es immer mein Traum war, in Spanien zu spielen, wie er heute zugibt. Immer wenn es schwierig wurde, er sich hätte durchbeißen müssen, flüchtete er. Das war in Hamburg so, in Mallorca und dann auch in Berlin. Als nächstes hat es Lorenz-Günther Köstner mit ihm in Unterhaching versucht. Der war sich sicher gewesen, daß wir ihn auf die Reihe kriegen, und hat sich ebenso getäuscht wie alle vor ihm. Wegen Disziplinlosigkeit flog Copado auch hier aus dem Kader, fand keinen neuen Verein und hielt sich deshalb bei den Amateuren des FC Bayern München fit. Nachdem er sich auch noch verletzte, habe ich viel Zeit gehabt, mir über meine Vergangenheit Gedanken zu machen. Köstners Nachfolger Rainer Adrion holte ihn ein Jahr nach seiner Suspendierung in die Mannschaft zurück, aber erst unter Wolfgang Frank begann Copado zu begreifen, daß er sich lange genug selbst geschadet hat. Ich habe eine zweite Chance bekommen, und die nutze ich. Und wenn er es schafft, mit seiner Mannschaft das Formtief schnell zu meistern, könnte er sein Ziel mit 29 Jahren doch noch erreichen. Nicht nur die 15 Tore in dieser Saison, sondern die Rückkehr in die Bundesliga. Mit oder ohne Unterhaching.“

Am Tivoli riecht es schon nach großem Fußball

Bernd Müllender (FTD 29.10.) schildert die Lage bei Tabellenführer Aachen: „Ein Besuch bei Alemannia Aachen verursacht jenen Effekt, den das Genre der DDR-Nostalgie-Shows beim Zuschauer hervorruft. Im Stadion am Tivoli wuchert Moos und anderes Gewächs durch die Ritzen der Stehplatzstufen, auf dem Trainingsplatz üben zwei Knirpse Fallrückzieher, und kein Greenkeeper ist in Sicht, der sie in Sorge um seine professionell großgezogenen Halme davonjagt. Hier existiert eine Fußballatmosphäre wie in den 70er und 80er Jahren, und die hat etwas Rührendes. Die Pressekonferenzen, die wöchentlich vor den Spielen von Alemannia stattfinden, werden in einem Raum abgehalten, in dem sich auch ein Kreisligist wohl fühlen würde. Dorfkneipenambiente halt: Die Wände sind geschmückt mit Wimpeln und alten Mannschaftsfotos, und müde blinken staubige Pokale in abgewetzten Holzvitrinen. Das ist die Welt des Tabellenführers der Zweiten Fußball-Bundesliga, und hier fühlt sich Jörg Berger, ein Mann, der Großklubs wie Eintracht Frankfurt, Schalke 04 und den 1. FC Köln trainiert hat, sichtlich wohl. „Alemannia Aachen ist Kult, hier ist etwas zu bewegen, das ist Fußball pur“, sagt er. Auf einem Abstiegsplatz hat er vor zwei Jahren das Team übernommen, der von dubiosen Geschäftsleuten geführte Klub wankte am Rande des finanziellen Ruins und ist jetzt heißer Kandidat für den Aufstieg in die Bundesliga. Fünf Siege in Folge verhalfen dem Klub zur Tabellenführung, und während Kapitän Karlheinz Pflipsen nach dem 2:0 über Eintracht Trier am Wochenende nur von einer „Momentaufnahme“ sprach und Sportdirektor Jörg Schmadtke davor warnte, „zu früh Ansprüche zu stellen, denen man dann nicht gerecht werden kann“, nährt Berger die aufkeimenden Hoffnungen der Fans: „Ich spreche ausdrücklich nicht von einer Momentaufnahme. So eine Chance bekommt man nicht immer im Fußball. Für uns ist es eine große Verpflichtung, diese Tabellenführung zu verteidigen.“ Die Situation ist tatsächlich günstig. Am Tivoli riecht es schon nach großem Fußball.“

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Gewinnspiel für Experten

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Real siegt im „Derby des Friedens“ in Barcelona – Thomas Häßler, König von Salzburg (SZ) – „die Dezembergrippe der alten Dame Juventus“ (NZZ) – die Probleme von Olympique Marseille u.v.m.

Derby des Friedens

Walter Haubrich (FAZ 8.12.) berichtet das Prestige-Duell in Spanien: „Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren hat Real Madrid den FC Barcelona in einem Ligaspiel in dessen Stadion Camp Nou besiegt. Und das dank einer Glanzleistung des englischen Nationalspielers David Beckham. An Abenden, an denen Real und Barça einander begegnen, sehen die Straßen der beiden größten Städte Spaniens ungewohnt leer aus (…) Frank Rijkaard gab nach dem Spiel zu, daß sein hochbezahlter Posten als Trainer des FC Barcelona in Gefahr sei. Sein Glück ist vielleicht, daß der mit 151 Millionen Euro verschuldete Klub gerade ein Darlehen über 150 Millionen Euro aufnehmen mußte, um unter anderem kurzfristige Verbindlichkeiten tilgen zu können. Der bei den Madrider Fans nicht gerade beliebte Portugiese Queiróz indes darf nach dem Sieg auf dem für Real schwierigsten Terrain seinen Arbeitsplatz wohl als gesichert für diese Saison ansehen. Queiróz stellt sogar noch mehr Angriffsspieler auf als dessen Vorgänger Vicente del Bosque und gefällt damit dem Vereinspräsidenten Florentino Pérez, der am liebsten eine Mannschaft mit zehn Stürmern und einem Torwart aufs Feld schicken würde. Im Gegensatz zum vorigen Jahr, als das Spiel für eine kurze Zeit unterbrochen werden mußte und Figo mit einem Schweinskopf beworfen wurde, kam es diesmal zu keinen Zwischenfällen im Camp Nou. Das Verhältnis zwischen den beiden großen spanischen Fußballvereinen hat sich sichtlich gebessert – nicht zuletzt durch den neuen Barça-Präsidenten Joan Laporta, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gaspart auf zivilisiertes Benehmen setzt. Laporta hatte die Präsidiumskollegen von Real vor dem Spiel zum Essen eingeladen. Schließlich war das Duell der Erzrivalen zum Derby des Friedens ausgerufen worden.“

In dieser kleinen Welt ist Häßler ein kleiner König

Philipp Selldorf (SZ 9.12.) besucht Thomas Häßler in Salzburg: „Vieles ist geblieben, wie es all die Jahre war, eigentlich das Allermeiste. Dass der kleine Junge aus der Jugendmannschaft, den er vor dem Spiel gegen die Wiener Austria an der Hand aufs Feld führt, fast so groß ist wie Häßler selbst, das entspricht einem wiederkehrenden Motiv seines Lebens (logischerweise misst er nach wie vor nicht mehr als 1,66 Meter). Er trumpft auch immer noch bei großen internationalen Fußballturnieren auf – an der Playstation zuhause in Glonn, nicht weit von München. Dort lebt er, wenn er nicht gerade zum Training im Hotel „Hubertushof“ bei Salzburg Quartier bezieht, mit der Freundin in einem neu gebauten Haus. Weiterhin greift er auch gern auf das heimatliche Berliner Plusquamperfekt zurück („Aus meiner Sicht war der nicht drinne’ gewesen“), und wenn ihm nicht passt, was der Schiedsrichter entscheidet, dann protestiert Häßler wie in den alten Zeiten listig durch Zeichensprache. Er formt mit den Daumen und den Zeigefingern zwei Kreise und hält sie sich vor die Augen – ein diskreter Hinweis darauf, dass der Spielleiter die Sehhilfe vergessen habe. Aber nach neun Spielen in der österreichischen Liga steht Häßler noch ohne Verwarnung da. Das lässt sich unter anderem auf den Respekt zurückführen, den er im Nachbarland genießt, denn er wird als Ausnahmeerscheinung verehrt. „Er ist ja ein Weltmeister im Fußballspielen“, sagt Rudi Quehenberger. „Er gibt seine Erfahrung an die Jungen weiter, und die Jungen suchen das Gespräch mit ihm“, schwärmt Sportdirektor Peter Assion, der Austria zuletzt als Aushilfstrainer vom letzten auf den drittletzten Platz der Zehner-Liga geführt hat. In dieser kleinen Welt ist Häßler ein kleiner König.“

Im Fussball haben die Abwesenden immer Recht

Peter Hartmann (NZZ 9.12.) stellt ein Bulletin über die „Dezembergrippe der alten Dame“ zusammen: „Juventus hat mehrere Personalprobleme. Das erste: die Abwehr, die in der Meisterschaft bereits 14 Tore kassiert hat, 7 allein in dieser „Grippewoche“ (Milan und die AS Roma, die inzwischen vier Punkte vorausliegen, hingegen nur deren 4). Die Schnelligkeit von Thuram und Montero, beide schon 32 Jahre alt, hat augenfällig nachgelassen. An diesen Verteidigungslecks mitbeteiligt ist das Mittelfeld und speziell die Mobbing-Personalie Edgar Davids: Der Juventus-Generaldirektor Luciano Moggi und Lippi als dessen verlängerter Arm schikanieren den Holländer wegen seiner Renitenz gegen eine Vertragsverlängerung, denn im Sommer kann Davids ohne Ablösesumme den Klub wechseln – zur direkten Konkurrenz, zur AS Roma, vielleicht nach England zu Chelsea oder ManU. Davids kommt kaum noch zum Einsatz, sein Ersatzmann Appiah, ein 23-jähriger Ghanese, hat nicht die gleiche Kampfklasse. Auch zeigt sich, wie unentbehrlich Davids zur Rückendeckung und Rückversicherung des frei galoppierenden Tschechen Nedved ist. „Im Fussball“, paraphrasiert der Corriere della Sera das französische Sprichwort, „haben die Abwesenden immer Recht.““

OM: jusqu‘où?

Jean-Marie Lenoe (NZZ 9.12.)kommentiert die Probleme Olympique Marseilles:„Auch in Marseille bietet ein Pressespiegel der lokalen Druckerzeugnisse ein ziemliches getreues Abbild der Stimmung. Am vergangenen Samstag, also wenige Stunden nach dem jüngsten Misstritt von Olympique de Marseille (OM), prangte in La Provence die Schlagzeile: „OM: jusqu‘où?“, begleitet von einer grossen Foto des angeblich Schuldigen an der Misere, des Trainers Alain Perrin. Angesichts der Tatsache, dass die Presse in Marseille üblicherweise „ihren“ Klub publizistisch protegiert, lässt sich erahnen, dass in der Cité phocéenne derzeit einiges nicht zum Besten bestellt ist. OM erlitt am Freitag die dritte Niederlage in Folge und, fast noch schlimmer, die vierte Heimniederlage de suite. Zwar gehören die vier OM-Bezwinger im Stade de Vélodrome ausschliesslich den „Grossen“ an (Real Madrid in der Champions League sowie Lyon, Paris-SG und zuletzt Leader Monaco) – doch solche Differenzierungen gehen in Krisenzeiten schnell einmal unter. Dabei schien noch vor kurzem im Führungsgespann Perrin (Trainer) / Bouchet (Präsident) die Erfolgsformel gefunden, um nach langen Jahren der Enttäuschungen den Klub aus der fussballbegeistertsten Stadt Frankreichs wieder einen gebührenden Platz einnehmen zu lassen. Der vorschnell annoncierte und sich sachlich nicht aufdrängende Wechsel von Keeper Fabien Barthez, der nun erst nach Ablauf der Transfer-Sperrfrist im Januar für seinen ehemaligen Verein wieder im Tor stehen darf, markierte jedoch den Anfang des vorläufigen Niedergangs von OM. Auch wenn das von präsidialer Warte aus bestritten wird – die Koinzidenz ist zu augenfällig, als dass sie ausgeblendet werden könnte. Seit die Verpflichtung des ehemaligen ManU-Goalies zum Thema geworden ist, ist auch die Fehlerquote des zuvor untadeligen kroatischen Goalies Runje nach oben geschnellt und hat OM acht von elf Spielen verloren (…) Gerade der Vergleich mit der Situation im Fürstentum, wo sich die AS Monaco nicht nur bereits für die Champions-League-Viertelfinals empfohlen hat, sondern auch in der Ligue 1 als solider Leader (mit zwölf Punkten Vorsprung auf den Tabellensiebenten OM) etabliert hat, entbehrt in einem gewichtigen Punkt der Grundlage. Während in Monaco die „Vox populi“ kaum existiert, ist in Marseille ein beschauliches Arbeiten nahezu ausgeschlossen.“

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Die Königin unter den griechischen Traditionsvereinen

Suche nach den Ursachen der zahlreichen schweren Verletzungen – Stefan Reuter, der letzte aktive deutsche Weltmeister -Mahdavikia, der HSV-„Winger“ in starker Form -ein unglaublicher Elfmeter raubt dem FSV Mainz zwei Punkte – Gespräch mit zwei homosexuellen Fußballern -„Das Wunder von Bern“ kommt in die Kinos (ab Oktober); die FR rezensiert schon mal – ein Portrait Lendoiros (Präsident Deportivo La Coruña) – Finanzaffäre in Italien beschäftigt auch Berlusconi – AEK Athen, „die ‚Königin’ unter den griechischen Traditionsvereinen“ (NZZ)

Ob die Anordnung der Stollen der neuen Schuhserien von Nike und Adidas eine Rolle spielen?

Daniel Theweleit (SZ 13.8.) referiert die Diskussion um die Häufung der schweren Verletzungen. „Die Ärzte rätseln nun über die Ursachen dieser klubübergreifenden Pechsträhne, von der Borussia Dortmund in der Bundesliga am heftigsten betroffen ist; zuletzt riss sich Danny Fuchs vom Zweitligisten Greuther Fürth das Kreuzband, in der Vorwoche war es Uwe Rösler vom selben Klub. „Wir schauen im Augenblick, was in dieser Saison anders ist“, sagt Dr. Heinz-Jürgen Eichhorn, einer der renommiertesten Kniespezialisten Deutschlands. Er operierte Jens Nowotny, die drei aktuellen Dortmunder Fälle und hat eine interessante Theorie. „Wir prüfen, ob die Anordnung der Horizontal- und Vertikalstollen der neuen Schuhserien von Nike und Adidas eine Rolle spielen“, sagt der Arzt aus Straubing. Eichhorn vermutet, dass der verbesserte Griff der Schuhe nicht mehr den jahrelangen Bewegungserfahrungen der Spieler entspreche. „Der Steuerungsapparat denkt, der Fuß rutscht noch, in Wahrheit steht er aber schon.“ In der Amerikanischen Football-Liga konnte vor einigen Jahren nach einer biomechanischen Testreihe schon einmal eine Serie von Kreuzbandrissen mit ähnlich verbesserten Schuhen erklärt werden. Man griff wieder zum alten Material. Der Kaiserslauterer Mannschaftsarzt Dr. Hans-Werner Schmalenbach bezweifelt jedoch, „dass es diesen Zusammenhang mit den Schuhen gibt“. Hany Ramzy habe ein „uraltes Modell von Nike“ getragen, erzählt er und ist überzeugt: „Das ist eine ganz zufällige Häufung.“ Jiayi Shao trug Puma, die Ursache scheint also nicht allein bei den Schuhen zu liegen. Dr. Thomas Pfeifer, Leverkusens Klubarzt, sagt, dass „solche Verletzungen besonders in psychisch angespannten Situationen auftreten. So gesehen ist der Saisonbeginn schon ein prädestinierter Zeitpunkt. Die Spieler kämpfen um die Stammplätze, das kann entscheidend sein für das ganze Jahr“.“

Der letzte Mohikaner der Matthäus-Generation

Erik Eggers (FR 13.8.) porträtiert Stefan Reuter. „Man könnte seine Karriere mit Statistiken und Titeln beschreiben. Eine lange Liste wäre das. Wer hier akribisch arbeiten will, der sollte sich einen halben Tag frei nehmen, nur fürs Zählen. Der 4:0-Sieg am Samstag gegen Wolfsburg war sein 473. Einsatz in der Bundesliga,. Damit hat er gleichgezogen mit Sepp Maier; die Schallmauer von 500 Spielen, die bisher nur neun Profis erreicht haben, ist für ihn diese Saison noch möglich. Fünf Deutsche Meisterschaften sprangen dabei heraus, zweimal mit den Bayern, dreimal mit dem BVB, zuletzt 2002. Bisher 105 Mal, so oft wie sonst kein deutscher Spieler, war er unterwegs in Sachen Europapokal, gewann mit Dortmund 1997 die Champions League und danach auch den Weltpokal. 69 Mal trug er das Trikot der Nationalmannschaft und wurde 1996 Europameister. Vor allem aber ist er, seitdem Andreas Möller und Icke Häßler nun ihre Karriere beendet haben, der letzte noch aktive Weltmeister von 1990. Der letzte Mohikaner der Matthäus-Generation aber sagt: Ich mache mir nichts aus Statistiken. Weil er ahnt, dass damit der Abschluss seiner Profikarriere naht. Entscheidend findet er, dass man hochkonzentriert bleibt und sich absolut als Spieler fühlt und sich keine Gedanken macht. Von etlichen Kollegen hat er erfahren, dass sie irgendwann ein Problem im Kopf gehabt haben, dass sie keine Lust mehr hatten auf den permanenten Druck auf dem Platz oder auf den Ärger, den es im Verlauf einer Saison immer gibt. Er selbst aber habe immer noch Spaß, fühle keinen Stress. Es darf für mich nicht zur Qual werden, und für den Verein keine Belastung, sagt er, darum habe ich nicht kategorisch gesagt: Das ist das letzte Jahr. Fast wie eine Drohung klingt das (…) Das, was Reuter mitgenommen hat von der WM 1990, besitzt einen Hauch von Sozialromantik. Er findet es immer noch sensationell, wie Beckenbauer es damals geschafft habe, jedem ein Gefühl von Wichtigkeit zu geben, und im Grunde halte das bis heute an. Die 90-er Mannschaft wird immer irgendwo zusammenhalten, sagt er bestimmt, es mache unglaublich viel Spaß, wenn sich die Wege dieser Spieler wieder einmal kreuzten. Alle fünf Jahre treffen sie sich. Anno 2000 haben wir an der Stätte des Triumphes, in dem gleichen römischen Hotel, eine italienische Nacht gefeiert, erzählt Reuter. Einen Monat später schon erhielten sie ein Schreiben vom damaligen Pressesprecher Wolfgang Niersbach, um sich schon einmal 2005 vorzumerken.“

Längst einer der international gefragtesten Bundesliga-Stars

Jörg Marwedel (SZ 13.8.) porträtiert Mehdi Mahdavikia. „Die Kollegen waren ziemlich baff, als sie Mahdavikia, 26, am Samstag plötzlich vor den Fernsehkameras erblickten. Noch mehr staunten sie, als sie erfuhren, was der klein gewachsene Iraner, den sie in Hamburg wegen seiner orientalischen Herkunft und seiner flinken Flankenläufe auf der rechten Seite zuweilen „Teppich“ nennen, dort in erstklassigem Deutsch in die Mikrofone diktiert hatte. „Zuviel über links“ sei das HSV-Spiel gelaufen, kritisierte er dort und vergaß nicht die – berechtigte – PR in eigener Sache: „Ich war stark.“ Das war ein ziemlich starkes Stück, kannte man Mahdavikia bislang doch nur als freundlichen, zurückhaltenden Profi, dem schon die eigene Kultur gebot, Lob und Kritik anderen zu überlassen. Doch das mediale Debüt kommt nicht von ungefähr. „In dieser Saison“, kündigt Mahmoud-Reza Fazeli an, „wird man einen Mehdi erleben, der noch oft seine Meinung sagt.“ Fazeli ist Mahdavikias Berater und hat seinem Schützling inzwischen eingebläut, dass „es mit den 90 Minuten im Fußball nicht getan ist“. Auch außerhalb des Spielfeldes müsse man in die Offensive gehen, wenn man ganz oben dabei sein wolle. Das werde von einem Spieler seiner Klasse erwartet. Dazu kommt: Mahdavikias Vertrag beim HSV läuft im Juni 2004 aus, er wäre dann ablösefrei. Und obwohl es laut Fazeli „nicht so schwer würde, Mehdi bei einem Topklub in Europa unterzubringen“, kann Werbung in eigener Sache nicht schaden. Immerhin gilt es, der Rezession zum Trotz, den besten Kontrakt seiner Karriere abzuschließen. Die Chancen dafür stehen prächtig, denn Mahdavikia ist längst einer der international gefragtesten Bundesliga-Stars, was bei seinen Referenzen kein Wunder ist. In Asien wurde er „Fußballer des Jahres“, die HSV-Fans kürten ihn zum „Spieler der Saison“, und Bild erfand sogar noch einen Titel: „Tor-Butler“. Mehdi Mahdavikia, der den Ball beim Slalom um die Gegner auch im Höchsttempo so eng am Fuß führt wie einen dressierten Hund, ist nämlich in der Bundesliga König der Torvorlagen. Gleich 14 servierte er den Kollegen vergangene Saison, seit Einführung der Scorer-Liste 1994 hat ihn keiner übertroffen. Zudem preist Fazeli den einstigen Einser-Abiturienten und Familienmenschen als „Leistungsträger, der nicht durch Skandale, Barauftritte und Damenwechsel auffällt“.“

Ein Profi aus der Arbeiterklasse des Fußballs

Richard Leipold (FAZ 13.8.) berichtet vom Remis zwischen Aachen und Mainz sowie einem Elfmeter, den die Welt noch nicht gesehen hat. “Als für Alemannia Aachen alles zu spät schien, stürzte sich Meijer mit solcher Wucht in den gegnerischen Strafraum, daß der Mainzer Innenverteidiger Tamas Bodog sich einem Zusammenstoß nicht entziehen konnte. Schiedsrichter Günter Perl ließ sich dazu verleiten, auf Strafstoß zu erkennen, und Mittelfeldspieler Ivica Grlic nutzte den Elfmeter in der Nachspielzeit zum 2:2 gegen den FSV Mainz 05. Bodog konnte sich über Meijers nicht einmal besonders raffinierte Zugabe nur wundern. Er läuft von hinten in mich rein, was kann ich da machen? fragte der Mainzer Täter, der in dieser Szene mehr ein Opfer war. Der Schiedsrichter wollte Elfmeter geben, das ist lächerlich. Ob er wollte oder nicht: Perl ist in letzter Sekunde auf Meijers Masche hereingefallen. Der vermeintlich Gefoulte ahnte, ja er wußte vermutlich, daß sein Mitwirken an der Schlußszene des Dramas dubiose Züge trug. Der eine Schiri gibt den Elfmeter, der andere nicht, sagte der 34 Jahre alte Mittelstürmer ohne den Anflug eines schlechten Gewissens. Für einen so abgebrühten Vorkämpfer wie ihn gehört es zum Spiel, sich mit allen Mitteln durchzusetzen. Meijer ist ein Profi aus der Arbeiterklasse des Fußballs. Wie bei vielen anderen Vereinen zuvor fliegen ihm auch in Aachen die Herzen der Fans zu. Die Einheimischen mögen ihn, weil er nie aufgibt, schon gar nicht in der verlängerten neunzigsten Minute im Strafraum des Gegners. So jemand kommt Trainer Jörg Berger wie gerufen. Wer könnte die Rolle des Volkshelden im Amüsierbetrieb Tivoli besser ausfüllen als dieser kantige, kernige Typ, der nie um einen Spruch verlegen ist? (…) Ein Fußballplatz wie der Tivoli mit seiner Enge und seinem fanatischen Publikum schreit buchstäblich nach einem Hauptdarsteller wie Meijer, der den rauhen Charme dieses Ortes von den Tribünen auf den Rasen transportiert.“

Wenn du sagst: Ich bin schwul, kannst du Probleme bekommen

Auszüge aus einem SZ-Gespräch mit zwei homosexuellen Fußballern: Weinzierl spielt in einem Schwulen-Team, Kraus in einem „gewöhnlichen“.

SZ: Warum sind Sie in Ihrem Verein nicht geoutet?

Kraus: Ich will meine Ruhe haben. Dann geht es los mit den ständigen Fragen: Wie ist denn das? Dafür habe ich keinen Nerv mehr. Das habe ich schon mit so vielen Leuten hinter mir. Wenn meine Mitspieler damit konfrontiert wären, hätten sie vielleicht Berührungsängste. Wir haben einfach Gaudi, gehen saufen und in die Disco. Da umarmt man sich auch mal. Sie hätten vielleicht nachher ein Problem, so zu sein wie vorher.

SZ: Aber stört es Sie nicht, sich ständig verstellen zu müssen?

Kraus: Ich verstelle mich nicht. Das habe ich lang genug gemacht, in meiner Jugend auf dem Land. Wenn jemand mich fragen würde, hätte ich kein Problem. Aber es hat noch niemand gefragt. Wir reden über andere Themen: Wer hat gut gespielt, wer war schlecht. Wer steigt auf, wer steigt ab. Wo gehen wir was trinken nach dem Training. Es gibt Dinge, die frage ich die anderen auch nicht. Ob sie mit ihrer Frau in den Swingerclub gehen oder so. Das ist mir ja auch egal.

SZ: Kennen Sie andere schwule Fußballer, die im Ligabetrieb spielen?

Kraus: Viele. Man sieht die dann plötzlich abends in der Disco wieder.

SZ: In deren Vereinen weiß aber auch niemand, in welche Discotheken sie abends gehen?

Kraus: Nein.

Weinzierl: Ich habe es auch nie jemandem gesagt. Du gehst ja immer den Weg der geringsten Reibung. Wenn du im Verein spielst und keiner weiß etwas, warum sollst du dann irgendwas aufs Spiel setzen. Wenn du sagst: Ich bin schwul, kannst du Probleme bekommen. In Bayern auf Dörfern sowieso. Dann spielst du am Wochenende, es geht heiß her, und dann werden die Zuschauer dich beschimpfen, wenn sie es wissen. Bei uns kam öfters die Lokalzeitung, die schreiben richtige Spielberichte. Da bist du in der Saison auch zwei, drei Mal mit Foto in der Zeitung. Die Fußballinteressierten in Weiden kennen mich. Warum hätte ich da ein Risiko eingehen sollen?

SZ: Also ist Homosexualität für Fußballer ein Risiko?

Weinzierl: Immer noch, ja. Was sich in der Gesellschaft woanders geändert hat, ist da immer noch so. Ich denke, dass ein Bundesligaspieler massive Probleme hätte, wenn er sich outen würde.

SZ: Mit wem?

Weinzierl: Mit den Fans. Beim Kahn schmeißen sie Bananen rein, vielleicht würden sie dann rosa Schlüpfer reinschmeißen. Im Ernst: In England hat sich ein junger schwuler Fußballer nach seinem Coming Out umgebracht. Ich würde im Moment noch keinem raten, sich da zu outen! Zumindest im Profifußball.

SZ: Es gibt ja immer wieder Gerüchte, die und die Profis und soundsoviel Prozent von allen könnten schwul sein. Wie genau weiß die Szene Bescheid?

Weinzierl: Es gibt keine wirklichen Erkenntnisse. Auch ich als Insider weiß nicht mehr. Ein schwuler Profi muss ein perfektes Versteckspiel betreiben. Er hat kein richtiges Privatleben. Entweder er outet sich, oder er verstellt sich total.

SZ: Wenn keiner an die Öffentlichkeit geht, bleibt es beim Klischee: Schwule spielen nicht Fußball.

Weinzierl: Genau. Es wäre erfreulich, wenn sich zehn Spieler gleichzeitig zusammenreißen und outen würden. Dann würde ein ganz anderes Licht auf Schwule fallen. Aber in harten Mannschaftssportarten wird das nie passieren.

Kraus: Es müssten Typen sein, die im Verein eine wichtige Rolle haben und beliebt bei den Fans sind. Es gäbe mit Sicherheit Zunder, wenn einer an die Öffentlichkeit geht, aber dann würden auch Transparente kommen: Ob schwul oder hetero, wir lieben dich. Oder irgend so etwas. Ich glaube, dass das ein Prozess ist. Aber auf die Dauer würden die Leute respektieren, dass jemand den Mut hat.

SZ: Warum ist es in der Fußballszene so viel problematischer als in anderen Bereichen der Gesellschaft, schwul zu sein?

Kraus: Es ist in der Gesellschaft verankert, dass ein Mann stark sein muss. Wer weicher ist, wird sofort als Schwuler beschimpft. Und gerade im Fußball geht es um Härte. Darum ist der Begriff schwul so negativ besetzt. Weil er Schwäche bedeutet.

Wieder nicht der große deutsche Fußballfilm

Daniel Kothenschulte (FR 12.8.) sah das „Wunder von Bern“ im Kino und ist enttäuscht. „Wie kann es sein, dass es ein paar Dutzend klassischer Boxerfilme gibt, eine erkleckliche Anzahl über Baseball und Football, Pferderennen oder Motorsport und man sogar über Golf schon eine spannende Dramaturgie entsponnen hat? Läufer fühlen sich gewürdigt, wenn nicht im Marathon Mann dann doch wenigstens in Chariots of Fire. Aber der eine gute Fußballfilm, der seinen Sport verstünde wie Feld der Träume den Baseball versteht, der den Fan rührte und den Banausen milde stimmte, den gibt es nicht. Manche sagen, Das große Spiel sei nicht schlecht, doch dazu müsste man diese deutsche Produktion von 1941 mit Gustav Knuth und Rene Deltgen erst einmal aus der Versenkung holen. Immerhin ist die Gastrolle eines Zuschauers vielversprechend besetzt – mit einem gewissen Sepp Herberger, der auch als fachlicher Berater mitgewirkt hat. Vorsicht ist geboten, wenn Filme Legenden oder Wunder in ihren Titel tragen. Am Ende geschehen sie tatsächlich; das Dumme ist nur, dass das Mainstreamkino eine recht bodenständige Vorstellung von der Art dieser Wunder hegt als Fußballfans. Das Fußballwunder ist ihm im Zweifelsfall weniger wert als der wiederhergestellte Familienfrieden – und das führt uns gleich zum Kern des Problems. Sicher, Das Wunder von Bern ist im Deutschen ein feststehender Ausdruck für das Endspiel 1954. Das in Locarno allgegenwärtige Filmplakat The Miracle of Bern scheint jedoch ein ganz anderes Thema zu illustrieren, eines, das dem Hollywoodkino um einiges vertrauter ist als der Lieblingssport der Deutschen. Ein ernst blickender Junge ist darauf zu sehen, etwas kleiner darunter ein Mann, der mit ihm Fußball spielt – offenbar der Vater. Anders als manch andere Filmplakate, das müssen wir ihm zugute halten, spielt dieses nicht mit falschen Karten. Am Ende wird Das Wunder von Bern wieder nicht der große deutsche Fußballfilm gewesen sein, Filmemacher Sönke Wortmann, der die Hälfte seiner Zeit in Hollywood verbringt, hatte etwas ganz anderes im Sinn. Sein Wunder von Bern, das gestern stilecht auf einer Schweizer Piazza seine Weltpremiere erlebte, möchte viel lieber der tausendste Film über einen ausgetragenen Vater-Sohn-Konflikt sein (…) Nur das Mainstreamkino kann sich der Idee verschreiben, private Wunder seien wichtiger als die des Fußballs. Fußballfans sehen das genau umgekehrt, und so muss es auch der Sportfilm sehen, wenn er seine Sache ernst meint. Im Falle der WM 1954 kommt erschwerend hinzu, dass genau dieses Fußballwunder seinen Zeugen auch ein privates Wunder war – ganz gleich, wo der Haussegen gerade hing.“

Im Fußball sind Belgier traditionell die Verkörperung des Grundsoliden

Christian Eichler (FAZ 13.8.) porträtiert Timmy Simons, Star des FC Brügge (heutiger Gegner Borussia Dortmunds). „Wir basteln uns einen Fußballprofi. Er soll schnell sein, groß, technisch begabt, ein guter Kerl, ohne Allüren, vereinstreu, fleißig, nie verletzt. Mancher Manager oder Trainer wird überrascht sein, welcher Spieler herauskäme, gäbe man alle guten Eigenschaften in die Wunschbox ein. Wahrscheinlich hieße er: Timmy Simons. Er ist 27 Jahre alt und der wichtigste Mann des FC Brügge, der diesen Mittwoch das Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Borussia Dortmund bestreitet. Der Dortmunder Dede nennt die beiden Partien die wichtigsten des Jahres. Simons gewann in Belgien mit Brügge überlegen die Meisterschaft, beide Wahlen zum Spieler des Jahres und die Fairplay-Trophäe. Er hat seit Februar 2000 keine einzige Spielminute der ersten Liga verpaßt – eine Serie von 116 Spielen, nie verletzt, nie ausgewechselt, nie gesperrt, nie vom Platz gestellt – im Gegensatz zum Teamkollegen Birger Maertens, der es letzte Saison schaffte, in zehn Tagen dreimal Rot zu sehen. Brügges Wundermann, so nannte das englische Fußballmagazin FourFourTwo Simons in seinem Saisonrückblick. Und schloß nicht aus, daß er nun auch noch die Tour de France bestreitet. Wenn, dann hätte er es wohl bis auf die Champs-Élysées geschafft. Im Fußball sind Belgier traditionell die Verkörperung des Grundsoliden, die Meister des Machbaren. Das hat ihnen im Gegensatz zu den genialischen Nachbarn aus den Niederlanden sechsmal in Folge die WM-Teilnahme eingebracht. In diesem Rahmen ist Simons, der als Innenverteidiger begann, nun aber im 4-3-3-System der Brügger eine zentrale Mittelfeldrolle besetzt, so etwas wie der perfekte belgische Profi (…) Den finanziellen Möglichkeiten deutscher Profiklubs vergleichbar sind nur Brügge und Anderlecht. Doch im Duell mit den allwöchentlich geforderten deutschen Konkurrenten haben die belgischen Spitzenklubs den Nachteil der Überlegenheit. In der Liga kommt Brügge in vielen Spielen auf 80 Prozent Ballbesitz. Viele der 96 Saisontore fielen wie von allein. In Relation dazu wird Fußball im internationalen Vergleich mit seinem ständigen Druck und Tempo fast zu einer anderen Sportart.“

„Tomas Rosicky macht, was von ihm erwartet wird: Tore“ Tsp

Die SZ meldet. „Es ist möglich, dass sich La Coruña und der FC Bayern in der Champions League gegenüberstehen. Das ist interessant, weil La Coruña nun ein finanzielles Interesse amWeiterkommen des FC Bayern etwa aus einer gemeinsamen Gruppe hätte. Zudem erwähnte Rummenigge nicht, dass der FC Bayern sämtliche Nebenkosten des Transfers trägt. Aus La Coruña verlautet, die 18,75 Millionen Euro seien bereits komplett überwiesen worden. Zur Ablösesumme kommt noch eine Ausbildungsentschädigung für Makaays frühere Klubs; diese beträgt fünf Prozent der Transfersumme, wobei unklar ist, ob die Nachzahlungen für Meisterschaft und Champions-League-Gewinn zur Transfersumme zählen. Da der FC Bayern auch alle Honorare von Beratern und Agenten übernimmt, beläuft sich der Transfer auf bis zu 25 Millionen Euro.“

Walter Haubrich (FAZ 13.8.) porträtiert den Präsidenten von Deportivo La Coruña; und das klingt irgendwie abwertend. „Lendoiro, ein Mann von kleinem Körperwuchs, besitzt einen besonders ausgeprägten Ehrgeiz. Schon als Junge hatte der 1945 in dem atlantischen Fischerdorf Corcubión geborene Lendoiro zwei große Ziele: Er wollte Bürgermeister seiner Provinzhaupstadt La Coruña werden und Real Club Deportivo zu einer der Spitzenmannschaften der spanischen Liga machen. Seine politische Karriere verdarb ihm sein Klassenkamerad und langjähriger Intimfeind Francisco Vázquez. Lendoiro wurde von der konservativen Volkspartei PP mehrmals für den Bürgermeisterposten aufgestellt. Obwohl die Konservativen in der Region Galicien, deren zweitgrößte Stadt La Coruña ist, seit langem die stärkste Partei sind, verlor Lendoiro aber immer die Wahlen klar gegen seinen Jugendfreund Vázquez, der für die Spanische Sozialistische Arbeiterpartei antrat und innerhalb dieser Partei als wichtiger Sprecher der praktizierenden Katholiken gilt. Der Rechtsanwalt und erfolgreiche Geschäftsmann mit den beiden großspurigen Vornamen machte, einmal an die Spitze gelangt, Deportivo zu einer Aktiengesellschaft. La Coruña solle zu einer der ersten Adressen im spanischen Fußball werden, kündigte Lendoriro Anfang der neunziger Jahre an und versprach nicht zuviel. Bis dahin gehörte Deportivo zu den Teams, die man in Spanien Aufzugsklubs nennt: ein Jahr fahren sie nach unten, in die zweite Division, im Jahr danach versucht man dann wieder nach oben, in die Primera División, zu gelangen. Jahrzehntelang hatte Deportivo die besten Spieler aus dem galicischen Nachwuchs nach Madrid und Barcelona verkaufen müssen. Lendoiro verkaufte nicht mehr, er kaufte – und das aus fast allen Ländern der Welt. Vor allem handelte er mit Profis. So nahm er in der Sommerpause bis zu 15 oder 16 Ausländer unter Vertrag, die er natürlich längst nicht alle einsetzen konnte. Deportivo veräußerte die meisten gegen Aufpreis an andere Vereine, die dringend eine Verstärkung brauchten, oder lieh Spieler für ein oder zwei Jahre aus. Talente aus seiner galicischen Heimat interessieren Lendoiro nicht. Lendoiro ist bei seinen spanischen Amtskollegen nicht gerade beliebt. Man gesteht ihm allerdings einen guten Blick zu für Spieler, die er brauchen oder auf welche er verzichten kann. In ganz Spanien hat sich Lendoiro unbeliebt gemacht, als er vor einigen Jahren erklärte, die damalige sozialistische Regierung habe alles getan, um zu verhindern, daß Deportivo spanischer Meister werde. Denn als Meister, so behauptete er, hätte er auch seinen sozialistischen Rivalen Vázquez aus dem Rathaus vertreiben können.“

Thomas Fromm (FTD 13.8.) berichtet Illegales aus Italien. “Seit Tagen verfolgt Italien fassungslos einen Fußballkrimi um gefälschte Bankbürgschaften, schweres Missmanagement und gestern gar die Festnahme eines Verbandsmitarbeiters. Mit den Bürgschaften sollen sich Ex-Meister AS Rom, Zweitligist SSC Neapel sowie die Drittligisten Cosenza und Spal aus Ferrara ihre Lizenzen für die nächste Spielsaison erschlichen haben. Allein Rom und Neapel sollen sich so rund 15 Mio. Euro an Bankbürgschaften besorgt haben. Abgewickelt wurden die Bürgschaften angeblich über die Zwischenfirma SBC – die aber wiederum gibt zu Protokoll, nichts von den Bürgschaften zu wissen. Auch warum den Klubs das Unternehmen SBC ausgerechnet von Mitarbeitern des italienischen Fußballverbands für die Bürgschaften empfohlen wurde, bleibt ein Rätsel. Also konzentriert sich vieles auf den Verbandspräsidenten: Was wusste Franco Carraro, der Fußball- und Verbandsmanager mit besten Kontakten zur Politik und Finanzwelt, von all dem? Der Präsident des Klubs in Catania, Luciano Gaucci, ist sicher: Carraro hat die Bankbürgschaften wider besseren Wissens durchgehen lassen, um etwa dem Konkurrenzklub aus Neapel den Klassenerhalt zu sichern. Gaucci hat den Verband und seinen Präsidenten bereits verklagt. Carraro bleibt indessen gelassen: „Gegen mich ist im Laufe meiner langen Karriere schon so oft ermittelt worden“, ließ Carraro wissen, „und immer hat sich alles in Luft aufgelöst“. Ganz sicher scheint sich Carraro aber nicht zu fühlen: Erst vor einigen Tagen hatte der Verbandschef Ministerpräsident Silvio Berlusconi in dessen Villa auf Sardinien aufgesucht und um Unterstützung im italienischen Fußball-Sommertheater gebeten. Und der stellte sich gestern demonstrativ hinter den angeschlagenen Freund: „Carraro bleibt im Amt“, erklärte Berlusconi – vielleicht, weil in Italien der Regierungschef auch die Fußballgeschäfte bestimmt. Aber er fügte hinzu: „Die Politik hat beim Sport die Hände aus dem Spiel zu lassen.“ Dass sich ausgerechnet der Ministerpräsident von seinem privaten Feriendomizil an der Costa Smeralda aus so klar im Fußballstreit positioniert, zeigt: Es geht um viel.“

Die Königin unter den griechischen Traditionsvereinen

Dem heutigen Gegner von Grasshoppers Zürich widmet sich Kostas Th. Kalfopoulos (NZZ 13.8.). „Sie ist die „Königin“ unter den griechischen Traditionsvereinen, auch wenn sie nicht den europäischen Ruhm ihres Rivalen Panathinaikos geniesst, der 1971, im Londoner Wembley Stadium, Ajax Amsterdam im Final des Meistercups 0:2 unterlag und mehrere Erfolge im europäischen Wettbewerb zu verzeichnen weiss. Auch wird sie nicht zur „Legende“ gestempelt wie ihr zweiter „historischer Gegner“, Olympiakos aus der Hafen-Mannschaft Piräus. Die Rotweissen gelten im Volksmund aufgrund ihrer unterschiedlichen Leistungen in den letzten Jahren als „staatlich bestellte Landesmeister“ und versuchen sich im Kollektivgedächtnis der Hellenen, teils vergeblich, teils erfolgreich, zu behaupten. AEK Athen, die Gelbschwarzen aus dem östlichen Stadtteil Nea Philadelpheia, gewappnet mit dem „doppelköpfigen Adler“ von Byzanz, war immer der interessierte Dritte in der griechischen Meisterschaft und schaffte öfters den Durchbruch mit mehreren Meistertiteln und Cup-Siegen. AEK ist die Mannschaft der „vertriebenen“ Griechen aus Konstantinopel, die 1924, zwei Jahre nach der kleinasiatischen Katastrophe, als Spielvereinigung in Athen gegründet wurde. Schon in ihrem ersten offiziellen Antritt in der lokalen Meisterschaft bezwang sie die legendäre Truppe der Brüder Andrianopoulos, die für den Olympiakos mehrere Titel nacheinander gewannen. Wobei Negrepontis, Pentzaropoulos und Maropoulos ihre Helden der Vorkriegsjahre waren. Anfang der fünfziger Jahre, als das Land noch unter den Trümmern des Bürgerkriegs lag, hat sich AEK als paritätisches Mitglied und ständiger Aspirant der Meisterschaft behaupten können. Zehn Jahre danach, gleich nach der offiziellen Gründung einer griechischen Liga, der Proti Ethniki, verpflichtete AEK Trainer und Spieler, die ihre eigenen Kapitel in der Geschichte des griechischen Fussballs verfassten: Die Serben Stankovic und Cajkowski, der Ungar Csaknanty, der Holländer Fadrhonc, der Pole Gmoch und der Österreicher Senekowitsch waren die erfolgreichen Trainer.“

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Es gibt nicht viel, was den HSV mit dem FC St. Pauli verbindet

Jörg Marwedel (SZ 21.11.). „Es gibt nicht viel, was den HSV mit dem FC St. Pauli verbindet – als Lehrstück für die Rolle der Mitglieder in den zu Unternehmen mutierten Klubs taugen beide auf ihre Weise. 24 Stunden vor dem HSV werden auf gleicher Bühne die Mitglieder des so genannten Kiez-Klubs tagen; sie müssen nachsitzen, weil sie vor vier Wochen eine tumultartige Hauptversammlung nicht zu Ende brachten und sich nicht einig wurden, wie sie die ebenfalls schwer durchschaubaren Verästelungen des FC St. Pauli und seiner Satellitenfirmen bewerten sollen. Das hat zu derart verhärteten Fronten geführt, dass die Schlammschlacht längst zur stärksten Disziplin des Vereins geworden ist (…) Über „Kumpel Ronny“, den Interims-Vorsitzenden des Hamburger SV, weiß der Aufsichtsratschef Udo Bandow nur Gutes zu berichten. „Ronald Wulff“, glaubt Bandow, „hat in den HSV das zurück gebracht, was zuletzt vermisst worden ist: Herzlichkeit, Gradlinigkeit, Ehrlichkeit.“ Nach dem 3:1 am Samstag in Nürnberg hat Wulff den Profis sogar Bier in die Kabine getragen. Und weil die Stimmung seit dem Abdanken von Klubchef Werner Hackmann, dem interne Kritiker sogar „Stasi-Methoden“ unterstellten, so prima ist, wird es die Mitglieder auf der Hauptversammlung am Freitag im Congress Centrum nicht einmal stören, dass Hackmanns eigentlicher Nachfolger noch nicht gefunden ist – und überhaupt allerlei Fragen zum sportlichen und wirtschaftlichen Erbe der alten Führung offen sind. Vielleicht hilft ja bei der Suche das „Anforderungsprofil“, das der HSV- Aufsichtsrat für den neuen Mann erstellt hat. Der braucht demnach „natürliche Autorität, englische Sprachkenntnisse, eine effiziente Kommunikation sowie Fähigkeiten im Informations- und Konfliktmanagement“. Vom Fußball ist vorsichtshalber keine Rede.“

Frank Heike (FAZ 21.11.). „In der Führung des FC St. Pauli tobt seit einigen Wochen eine Schlammschlacht. Es gibt die Mächtigen, die im Hintergrund die Strippen ziehen und Marionetten tanzen lassen, es gibt eine Opposition aus Mitgliedern und Sponsoren, die ausgewählten Journalisten belastende Informationen zukommen lassen. Den Reportern wird später von den Mächtigen mit Unterlassungsklagen und Gegendarstellungen gedroht. Der Vorwurf der persönlichen Bereicherung steht im Raum. Von Interessenkonflikten wird gesprochen, von undurchsichtigen Firmengeflechten geschrieben, von Kontrolleuren, die sich selbst kontrollieren. Der FC St. Pauli, der vor neun Monaten in der Bundesliga den FC Bayern München besiegte und sich in der höchsten Klasse sanieren wollte, steckt wegen der auf Filz und Vetternwirtschaft lautenden Vorwürfe in einer schweren Krise.“

„Aus dem einstigen Freudenhaus der Liga ist ein Irrenhaus geworden, und das sieht auch der Hauptsponsor, die Krankenversicherung Securvita, mit Sorge.“ Aus St. Pauli berichtet René Martens (FTD 20.11.). „Am Sonntag reist St.Pauli nun zum heimstarken Aufsteiger Wacker Burghausen; als krasser Außenseiter. Eine seltsame Lage für einen Klub, der vor neun Monaten noch gegen den FC Bayern gewonnen hat, und dennoch wirken die sportlichen Begebenheiten eher unspektakulär, verglichen mit den Enthüllungen, mit denen sich der Verein seit dem Wochenende konfrontiert sieht. Die Hamburger taz und die FR enthüllten, dass die Einnahmen der FC St. Pauli Vermarktungs GmbH und Co. KG, die der Verein im Herbst 2000 gemeinsam mit der Sportmarketingagentur Upsolut gegründet hatte, nur zu einem verhältnismäßig geringen Teil beim Verein landen. Als Profiteure des Deals gelten die Mitglieder des vereinsintern so genannten Paulick-Clans. Otto Paulick war in den 80er Jahren Präsident und musste 1990 zurücktreten, nachdem sich das Hamburger Landgericht 15 Monate lang mit seiner eigenwilligen Art der Vereinsführung beschäftigt hatte. In seiner Anwaltskanzlei nahe der Hamburger Speicherstadt und in seinem Haus an der Elbchaussee treffen sich aber immer noch oft die Wichtigen und die Wichtigtuer aus dem Umfeld des FC, und vor allem ist Paulicks Sohn Peter jetzt der starke Mann im Klub. Er fungiert als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, als Aufsichtsratschef bei Upsolut, die zu einem Drittel seinem Schwager Michael Hinz gehört, und er sitzt gemeinsam mit Letzterem sowie FC-Präsident Reenald Koch im Kontrollgremium der St. Pauli-Vermarktungstochter.“

Christoph Biermann (taz 21.11.). „Schön ist es, wenn man solche Frauen wieder trifft, die man immer besonders gern hatte, ohne dass sich diese Zuneigung in erotische Aufwallungen verwandelte. Ein besonderer Zauber liegt über dieser Art von Begegnungen, ein Flirren zwischen Flirt und Wertschätzung, das ohne Schwere ist. Doch kann dieser Reiz eines Tages verflogen sein und sich die Frage stellen, warum das eigentlich passiert ist. Und damit verbunden das Rätsel sein, ob der Zauber der Vergangenheit nicht einfach nur ein Trugbild war. Auch wenn man Fußballvereine besser nicht wie Menschen lieben sollte, hilft die Analogie an dieser Stelle trotzdem weiter. Dem FC St. Pauli hat schon lange meine besondere Sympathie gegolten, ohne dass ich für den Klub je als Fan gefühlt habe. Eher war es so, dass Menschen, denen in meinem Herzen ein fester Platz eingeräumt ist, mit dem Team gelitten haben. Sowieso gebührt dem Klub ein fester Platz in der deutschen Fußballgeschichte, ohne auch nur einen Titel gewonnen zu haben. Denn selbst wenn es bisweilen selbstgefällige Züge hat, wie seine Fans ihr Anderssein stilisieren, kann man dankbar über ein Fußballpublikum sein, das so lange schon aus all den dunklen Übereinkünften ausgeschert ist, die es in unseren Stadien gegeben hat und gibt. Für Ausländer, für Frauen oder für Schwule ist das Millerntor früher als anderswo ein Stadion geworden, wo sie sich beim Fußball zu Hause fühlen durften. Gut ist das, und ich habe dort zudem schlicht schon eine Menge Spaß gehabt, oder anderswo, wenn Fans des FC St. Pauli aufgetreten sind. Auch für die fast naturgegebene Rolle des Underdogs in der Stadt des großen HSV hatte ich stets viel Sympathie. Zumal, wenn sie mit Würde ausgefüllt wird, weshalb an dieser Stelle den Fans von St. Pauli nach dem letzten Lokalderby schon einmal Respekt dafür gezollt wurde, dass sie nicht andere, sondern einfach gute Fans sind. Schön wäre, wenn das auch über die Führung des Weltpokalsiegerbesiegers zu sagen wäre.“

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Torlos in Bochum – glänzende Premiere eines Europameisters in Bremen

Torloses Remis in Bochum – Trainerdiskussion nach Berliner Heimniederlage – starke Bayern siegen im Derby – glänzende Premiere eines Europameisters in Bremen – gute Eintracht verliert (mehr …)

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Wie zwei ähnliche Handlungen zu verschiedenen Konsequenzen führen

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe. Als Christian Springer, Fußballprofi des Tabellenletzen 1. FC Köln, vor die Kamera der SAT1-Fußballshow ran (02.03.02) trat, war ihm Schuldbewusstsein, Reue und Scham anzumerken. In dem voran gegangenen Spiel gegen Hertha Berlin (1:1) hatte er seinen Gegenspieler Marko Rehmer derart brutal gefoult, dass der Berliner Nationalspieler verletzt ausschied. Man muss es wohl als „Verletzungsglück“ (Fritz Tietz in taz 05.03.02) bezeichnen, dass Rehmer mit einem Bänderriss noch glimpflich davon kam. Springers Foul wurde nur mit Gelb geahndet, was allgemein als krasse Fehlentscheidung und Ungerechtigkeit ausgelegt wurde. Selbst beim Kölner Anhang hatte er keinen guten Stand mehr, wurde er doch während des Spiels konsequent ausgepfiffen; und das bei einem Heimspiel. In der Presse kursierte anschließend das Gerücht, wonach ihm gar ein juristisches Nachspiel auf zivilrechtlicher Ebene drohe. Kein Zweifel: Sein Image hat durch die Aktion gelitten. Seine Karriere wird es vermutlich auch. Doch es war nicht das einzige „gesundheitsgefährdende Foul“ (Milan Pavlovic in SZ 05.03.02) an diesem Bundesliga-Spieltag.

Szenenwechsel, VfB Stuttgart-FC Bayern München (0:2): Der Kapitän des Tabellen-Fünften aus München, Stefan Effenberg, „schoss“ den Stuttgarter Balakov „im Luftkampf ab wie der `Rote Baron´ von Richthofen seine Gegner im Ersten Weltkrieg“ (Ludger Schulze in SZ 04.03.02). In der Tat handelte es sich um ein in Sachen Grobheit nicht alltägliches Foulspiel, bei dem nicht nur der neutrale Beobachter die reine Absicht des Agierenden erkennen konnte. Der zu bemitleidende Bulgare musste anschließend mit Prellungen an Rippen, Knie, Wirbelsäule und Flanken sowie einer Innenbanddehnung ins Spital eingeliefert werden. Effenberg wurde ebenfalls nur mit Gelb bestraft; unstrittig auch ein inadäquates Strafmaß, sollte man meinen.

Jedoch reagierten öffentlichkeitswirksame Medien mit anderen Urteilen auf diesen mit Springer vergleichbaren Fall. Im DSF-Stammtisch Doppelpass (03.03.02) setze sich bei einigen Gästen die bagatellisierende Auffassung durch, wonach Härte zum Fußballspiel nun mal dazu gehöre. Am Ende verdrehte man gar die Schuldfrage. Schließlich sei es Balakov selbst gewesen, so die Journalisten Hägele und Tobien, der sich ungeschickt in diesem Zweikampf verhalten habe. Außerdem solle er – aus Eigeninteresse – lernen, seine Stürze abzurollen: auch eine Sicht der Dinge. Nach ran könne man an dieser Aktion ablesen, dass der FC Bayern wieder bereit sei zu kämpfen. In einem Interview gab man dem Spieler unwidersprochen die Gelegenheit, sein brutales Foul als heroische Handlung darzustellen. Wofür also sollte Effenberg sich noch entschuldigen? Nebenbei: Diese Art der Gesprächsführung passte sich der vorherigen Spielberichterstattung des Privatsenders nahtlos an, hatten sich doch Reporter Thomas Herrmann (in informierten Kreisen seit Jahren als „Bayern-Herrmann“ bekannt) und Münchens Manager Uli Hoeneß vor dem Spiel und vor laufender Kamera in einem demonstrativen Schulterschluss alles Gute gewünscht, nach dem Motto: „Auf geht´s! Hau´n wir sie weg!“ mit dem anbiedernden Appell des Journalisten an die Konkurrenz aus Leverkusen und Dortmund, sich angesichts der bayrischen Aufholjagd „warm anzuziehen“. Auch ist Ludger Schulze (SZ) zu widersprechen, der schrieb, ausschließlich Referee Aust habe das mit Freistoß geahndete Foul an Bayern-Stürmer Elber als ein solches gesehen, welches dem entscheidenden 2:0 für die Münchner voraus ging. Herrmann sah es nämlich auch.

Fazit: An den beiden Fällen – Springer und Effenberg – kann man gut ablesen, wie zwei ähnliche Handlungen völlig verschiedene Folgen nach sich ziehen können. Es hängt immer davon ab, wer sie ausführt. Springer hat gerechtfertigterweise die Rolle Buhmanns inne, obwohl es durchaus einer gewissen Logik entsprochen hätte, mildernde Umstände des Absteigskampfs walten zu lassen. Dahingegen ist es Stefan Effenberg in der Tat gelungen, sein übles Foulspiel – das weder der harmlosen Spielsituation angemessen noch eines Titelaspiranten würdig war – „als vorbildliches Verhalten im Kampf um die Meisterschaft zu interpretieren“ (Jan Christian Müller in FR 04.03.02) und diese Auslegung in weiten Teilen der Medienlandschaft durchzusetzen. Was hätte man wohl als Rabauken verschrienen Spielern wie Bernd Hollerbach (HSV) oder Christian Beeck (Energie Cottbus) an Effenbergs Stelle zugerufen? Dessen höhnisches Signal an die ihn auspfeifenden Stuttgarter Fans – ein herablassender Wink – konnte er somit in die Öffentlichkeit verlängern. Es bedeutete: Ich, Effe. Ich kann´s mir leisten. Ungestraft!

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Spanien

„Bei Deportivo La Coruña stagniert der Fussball derzeit auf hohem Niveau“, schreibt Georg Bucher (NZZaS 16.2.). „Deportivo hatte sich unter Regie des legendären „Hexers von Arteixo“, Arsenio Iglesias, angeschickt, eine bessere Adresse im spanischen Fussball zu werden, 1995 den Cup und 2000 mit dem Basken Irureta die Meisterschaft gewonnen. Im selben Jahr wurde als Pendant zum kunstvoll gefertigten Obelisken im Stadtzentrum ein zweiter Obelisk errichtet. „Wir mögen den Obelisk Millennium nicht“, steht auf der grauen Aussenwand einer Schule. Nonnen vom Orden der Sklavinnen geben pädagogisch den Ton an. Auf einem betonierten Bolzplatz im Innenhof der Anstalt imitieren Kinder in dunkelblauen Uniformen und blauweiss gestreiften Trikots den Torjubel des fliegenden Holländers Makaay. Rund ums Riazor-Stadion dominieren die Vereinsfarben Blauweiss – gleichzeitig jene des Stadtwappens mit Herkulesturm, Krone, Kreuz und Totenkopf. Ins Stadion integriert ist der Fanartikel-Shop Deportienda, das Wellness-Studio Deporclinica wartet auf Kundschaft. Schwierige Geschäfte in Zeiten einer doppelten Krise. Trotz Modernisierungs- und Aufschwungsparolen müssen jährlich 20000 Galicier emigrieren, die Arbeitslosenquote ist auf fast 13 Prozent gestiegen. Das Riazor-Stadion ist seit einigen Monaten eine leichter zu nehmende Festung. Zwölf Meisterschaftspunkte hat Deportivo im eigenen Stadion verloren, und im Halbfinal der Copa del Rey gewinnt hier, gegen den Cup-Holder, auch Real Mallorca. Als der Referee das Hinspiel anpfeifen will, wird es dunkel. Stromausfall im Stadtteil, seit der Renovierung des Estadio Riazor zur WM 1982 das erste Malheur dieser Art.“

Über den Kredit des neuen Trainers in Barcelona schreibt Georg Bucher (NZZ 18.2.). „Es gibt genügend Cules, die Antics Verpflichtung nicht goutierten. In der Saison 1995/96 Doublegewinner mit Atletico, war er vier Jahre später mit den Madrilenen und die folgende Saison mit Real Oviedo abgestiegen, hatte sich als Radiokommentator bewährt, Fussballspiele im Akkord gesehen und lukrative Angebote aus dem Ausland abgelehnt. Der Wunsch, nach Real und Atletico auch Barça zu trainieren, wurde nun erfüllt, das Abwarten belohnt. Im Interview mit „Don Balon“ bekannte sich der atheistisch erzogene Ausbildner zu Religion, Familie und Fussball, zu wissenschaftlichen Grundsätzen und Arbeitsmethoden. Kann es in der Liga gemessen am abrufbaren Potenzial des Kaders nur aufwärts gehen, so stellt sich die Aufgabe in der Champions League anspruchsvoller dar. Barça hat zehn Spiele in Folge gewonnen, und die Fans träumen vom Titel. Weil auch Reina dieses Ziel vor Augen hat, dürfen 106.000 Socios die neue Direktion nicht wie von Gaspart vorgesehen im März, sondern erst nach der Saison wählen.“

„Nach dem Abgang des Präsidenten spricht beim FC Barcelona keiner mehr vom Abstieg“ Tsp

Italien

Spielbericht AC Milan – Lazio (2:2) SZ

Spielbericht Chievo – Inter (2:1) NZZ

England

Martin Pütter (NZZ 18.2.) sah den Sieg Arsenals in Old Trafford. „Entscheidend war, wie die Londoner mit dem Gegner und dessen Aggressivität umgingen. Die ManU-Spieler gingen in der ersten Viertelstunde absolut kompromisslos zur Sache. Da wurden alte Rechnungen beglichen, wie durch Ruud van Nistelrooys Foul an Martin Keown. Der Holländer konnte – wie später nach einem Foul an Lauren – froh sein, dass er nicht die rote Karte sah. Durch die ruppige Spielweise liessen sich die Londoner jedoch nicht provozieren. Sie hielten, mit Ausnahme einiger Proteste gegenüber dem Schiedsrichter, ihre Aggressionen unter Kontrolle und konzentrierten ihre Energien auf das Spiel. Vor noch nicht allzu langer Zeit wären Arsenal-Spieler wegen Revanchefouls vom Platz geflogen. Beeindruckend war, wie die „Gunners“ mit ihrem schnellen Kurzpassspiel im Mittelfeld sowohl Zweikämpfe vermieden als damit auch den Gegner ins Leere laufen liessen. Dabei hatten sie es schliesslich nicht mit einem x-beliebigen Mittelfeld, sondern mit dem von Manchester United zu tun. Diese Achse des Platzklubs hatte es in der Vergangenheit schon oft geschafft, Spiele zu kehren, doch diesmal blieb nach dem 0:2 jede Reaktion aus. Dieses Faktum, verbunden mit schwacher Leistung einiger United-Spieler letzten Mittwoch anlässlich von Englands 1:3-Niederlage gegen Australien, liesse darauf schliessen, dass sie sich für ihren Champions-League-Match am Mittwoch gegen Juventus Turin schonten. Doch der „Tobsuchtsanfall“ von Trainer Alex Ferguson, der Fussballschuhe durch die Garderobe kickte (und damit David Beckham eine Platzwunde über dem linken Auge beifügte), widerlegt diese These.“

Spielbericht Man U – Arsenal (0:2) Guardian

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Finanzchaos in Kaiserslautern, Krach beim VfB, Protrait Rudi Assauer

Finanzchaos in Kaiserslautern – Rudi Assauer im Portrait – Krach beim VfB? – Real ist Weltcup-Sieger – elektronische Hilfe für den Schiedsrichter u.v.m. (mehr …)

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Neuer trainerfreundlicher Trend in der Bundesliga?

Neuer trainerfreundlicher Trend in der Bundesliga? (mehr …)

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