indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Freitag, 25. April 2008

Champions League

Risikoarme Suche nach einer Position fürs Rückspiel

Die Kommentatoren können dem 0:0 im Halbfinalhinspiel zwischen Barcelona und Manchester nicht viel abgewinnen

Paul Ingendaay (FAZ) stellt mit Bedauern fest, dass die Strategien beider Klubs zu sehr auf ihren jeweiligen Star zugeschnitten seien: „Man sagt nach Darbietungen wie dem Remis des FC Barcelona gegen Manchester United gern, auch in drei oder vier Stunden Spielzeit wäre wohl kein Tor gefallen. Interessanter ist, dass allein der Gastgeber Siegeswillen erkennen ließ, während Manchester sich weit hinten verschanzte und nur auf die Galoppaden seines schnellsten Stürmers vertraute [Cristiano Ronaldo, of]. Gut 65 Prozent Ballbesitz für die Katalanen verraten alles. Der Mann der ersten Stunde – solange der Muskel nicht zwickte – hieß Leo Messi. Messi müsste ein Luxusstürmer sein, dem die Kameraden die Bälle servieren, wie er sie braucht. Doch in Schlagerspielen wie diesen fungiert er auch als Regisseur, und damit ist er überfordert. Nebenleuten wie Zambrotta fehlt es an der Brillanz, mit seinen Ideen etwas anzufangen. Und das übrige Team läuft Gefahr, an seiner eigenen technischen Begabung zugrunde zu gehen, weil der Raum eng gestrickt, nicht geweitet wird. Wenn nötig, schiebt, streichelt und hätschelt Barça den Ball vierzigmal. Aber niemand packt sich das Ding, stürmt damit zum Tor und haut drauf.“

Ronald Reng (FR) will mal schnell ein Lob für Manchesters Trainer loswerden, kann sich ein Gähnen aber nicht verkneifen: „Es ist beeindruckend, in dieser Saison zu erleben, dass Alex Ferguson sich als Trainer taktisch gravierend erneuert hat. Er schien sein Spielsystem schon in den Achtzigern gefunden zu haben. Die Jahre und die Spieler gingen ins Land, aber sein United blieb: ein Team in der 4-4-2-Formation, das wuchtig über die Flügel angriff. Im 22. Jahr aber ist United nun Erster in England, Favorit in der Champions League und ein Vorbild für moderne Vielseitigkeit. Permanent variiert Ferguson zwischen drei Spielsystemen. Leider wählte er in Barcelona das langweiligste, ein defensives 4-5-1 mit Cristiano Ronaldo als alleinigem Stürmer. So schrien 100.000 im Camp Nou vergeblich nach einer großen Nacht. (…) Die Versuchung für Fachleute ist immer da, solch ein intensives 0:0 als exzellentes Muster an Taktik und Tempo zu preisen. Auch diese Partie hatte was, die angedeutete Rückkehr von Barças totalem Pressing und Passspiel (das im Strafraum allerdings weiterhin stottert), die Autorität von Barças Yaya Touré im Mittelfeld, die Synergie zwischen Uniteds Abwehr und Mittelfeld beim Verteidigen oder die absolute Dominanz des Flachpasses im Team des ehemaligen Flanken-Fanatikers Ferguson. Doch letztlich blieb es ein Hinspiel: die risikoarme Suche nach einer Startposition für die Entscheidung in Manchester.“

In der NZZ lesen wir literarisches: „Ronaldo, der sich in den drei ersten Minuten benommen hatte, als wäre dieser Abend seine private Solo-Vorstellung, hatte die Fußballgötter mit seinem Genie erzürnt. Er verschoss den Penalty weit. (…) Die ersten drei Minuten glichen einem Paukenschlag. Sie schienen zunächst sämtliche Erwartungen und Prognosen zu bestätigen – am Ende dieser magischen Ouverture jedoch waren alle Weissagungen ins Gegenteil verkehrt.“

Die Video-Highlights, also auch einem Ronaldo-Interview, auf 101greatgoals

Donnerstag, 24. April 2008

Champions League

Es gewinnt, wer verhindert

Enttäuschte Kommentare zum 1:1 zwischen Liverpool und Chelsea

Christian Eichler (FAZ) lässt sich von dem geringen Unterhaltungswert der Partie nicht aus der Ruhe bringen: „Es war das erwartet schwere Spiel – für alle, die Fußball mögen. Denn die Champions League, erreicht sie ihre Spätphase, in der die Größten und Stärksten unter sich sind, lässt nicht mehr viel zu an Vergnüglichem. Es gewinnt, wer verhindert. Diese Konstellation führte zu einem Duell, bei dem ein schlecht informierter Betrachter auch hätte meinen können, dass es nicht um einen Platz im europäischen Klubfinale ging, sondern um Abstiegskampf. (…) Liverpool war stärker, hätte einen 2:0-Sieg eher verdient gehabt als ein 1:1. Chelsea 2008 wirkt wie die deutsche Nationalelf der 80er Jahre: nie besser als der Gegner und trotzdem Dauerkandidat für die großen Endspiele.“

Raphael Honigstein (SZ) kürt Liverpool zum moralischen Sieger: „Liverpools Spiel hatte immerhin Methode erkennen lassen. Frühes Pressing und klare, genaue Bälle auf die bewegliche Spitze Fernando Torres hatte Liverpool zahlreiche Chancen eröffnet. Chelseas Mittelfeld wackelte im Gegensatz dazu wie eine blaue Petrischale über den Platz; zu den vielen individuellen Ausfällen gesellten sich lebensgefährliche Ballverluste. Sie hatten wirklich alles unternommen, um zu verlieren, verließen dann aber nach Riises Flugkopfball als halber Sieger den Nordwesten. Liverpool muss nun das Rückspiel gewinnen oder ein hohes Remis erzielen, also: auf Tore spielen. Das liegt ihnen nicht. Achtmal ist Benítez in Chelsea angetreten, achtmal gelang kein Tor.“

Ball und Buchstabe

Spätfolgen

Gewalt in der Regionalliga – Ronny Blaschke (Berliner Zeitung) kritisiert das Vorhaben der Polizei, die Dresdner Fans vom Spiel bei Union Berlin auszuschließen, aber noch viel stärker die mangelnde Prävention: „Dieses Resultat ist wieder einmal bezeichnend für eine reflexhafte und hilflose Bekämpfung von Fan-Gewalt. Dass die Anhänger nicht zu einem Auswärtsspiel reisen dürfen, ist aus den späten achtziger Jahren Englands und aus der Gegenwart Italiens bekannt, wo anarchische Zustände herrschen. Dass dies nun auch hierzulande passieren soll, offenbart erneut die schwerwiegenden Versäumnisse in den vergangenen Jahren. Es ist eine lange Geschichte von drakonischen Polizeimaßnahmen, gewaltbereiten Sicherheitsordnern und verharmlosenden Sportfunktionären. Polizei, Politik und Vereine werden noch lange mit den Spätfolgen der Fehler zu kämpfen haben. Noch immer wird die sozialpädagogische Arbeit mit jugendlichen Fans, den kommenden Meinungsführern der Kurve, nicht ausreichend gefördert. Nur auf diesem Weg lässt sich eine Subkultur langfristig ändern und befrieden, das ist nicht nur im Fußball so. Eingesehen haben das bislang nicht viele Entscheidungsträger, und so dürfte weiter gedroht, gestritten und lamentiert werden.“

Bundesliga

Herz und Schmerz und Schmalz

Fred Ruttens Einstieg in Schalke wird von hohen Erwartungen begleitet – zu hohen? / Nun wirds auch Zeit für Hamburg

Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) zweifelt am Profil des neuen Schalker Trainers: „Er ist ein gewagter Versuch, denn die beiden Hauptbaustellen, die Pflege des schwierigen Umfeldes und die angekündigten Verpflichtungen international brauchbarer Spieler, die diese Mannschaft auch auf Champions-League-Niveau weiter bringen, gehörten im beschaulichen Enschede nicht zum konkreten Arbeitsfeld Ruttens.“

Richard Leipold (FAZ) skizziert die schwierige Aufgabe Ruttens und die vielfältigen Erwartungen an ihn: „Schalke will offenbar eine andere Fußball-Lebensart erreichen: weg vom berechnenden, hin zum begeisternden Fußball. Insofern muss Rutten mehr leisten, als eine jüngere Kopie seines in Gelsenkirchen hochgeachteten Landsmannes Huub Stevens zu sein. Dessen Weggang vor sechs Jahren hatte eine immer tiefer werdende Sehnsucht nach einem Trainer hinterlassen, der auf schwierigem Schalker Terrain seinen Weg macht und zu einer Identifikationsfigur wird, die Misserfolge vergessen lässt. Der ‚neue Stevens’ muss mehr können. Inzwischen ist ein erfolgreiches Hochglanzprodukt gefragt, das aber nicht zu berechnend wirken darf. Herz und Schmerz und Schmalz müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. (…) Während der Demontage Slomkas hatte der Vorsitzende Schnusenberg in (veröffentlichten) Gedankenspielen die Frage aufgeworfen, ob Schalke nicht gut beraten sei, ‚einen Trainer mit internationalem Standing zu verpflichten’. Dieses Kriterium erfüllt Rutten (noch) nicht.“

Philipp Selldorf (SZ) ergänzt: „Wie es aussieht, renoviert Schalke mit Entschlossenheit nahezu den kompletten Betreuerstab, selbst Oliver Reck muss angeblich um seinen Posten als Torwarttrainer fürchten. Und nicht nur die Integration der alten Vereinshelden Mulder und Büskens legt den Eindruck nahe, als wollte man nach zweieinhalb Jahren mit dem kühlen und nur mäßig populären Laptop-Trainer Slomka auch einen grundsätzlichen ideellen Wandel schaffen. So bedeutet die Lösung mit Rutten außer fachlicher Erneuerung auch die Wiederbelebung einer Fußballmentalität, wie sie im Klub viele Jahre geschätzt wurde.“

Zeit zum Handeln

Roland Zorn (FAZ) wirft ein trübes Licht auf den HSV, der noch immer einen Trainer sucht: „In Hamburg, wo sie zunächst innovativ anmuteten mit ihrem gründlichen Trainer-Scouting, haben sich die Spuren bei der langen Suche nach dem richtigen Mann irgendwann verlaufen. Zu viele Namen, aber keine Entscheidung: Zwischenzeitlich wurde stattdessen ein Dissens zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Hoffmann und Sportchef Beiersdorfer erkennbar. So unterliefen die Norddeutschen ihre eigene bessere Absicht, mit mehr Gründlichkeit einen Zeitvorsprung bei der Trainerfindung zu nutzen. Inzwischen steckt der Klub sowohl in der sportlichen wie auch in der personalpolitischen Bredouille. Dabei war die Grundidee, alle möglichen Daten und Erkenntnisse über den Mann einzuholen, der demnächst die Verantwortung für Wohl und Wehe der Mannschaft tragen soll, im Grunde gut. Da aber große Teile der Suchphase öffentlich, und sei es auch nur spekulativ, begleitet wurden, wohnte der produktiven Absicht auch ein faktischer Entwertungsprozess inne. Der Hamburger SV ist jetzt an einem Punkt, an dem er handeln sollte; die Schalker haben vorgemacht, wie man schnell ans Ziel kommen kann: mit einer Lösung, die vielversprechend anmutet. Schließlich gehörte Fred Rutten auch bei den Hamburger Trainerforschern mal zu den aussichtsreichsten Kandidaten.“

taz-Portrait Rutten

taz: 10 Dinge über Zenit St. Petersburg

Deutsche Elf

Konservativ

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) verteidigt die Entscheidung des Bundestrainers, Bernd Schneider trotz Formschwäche und Christoph Metzelder trotz derzeitiger Verletzung bereits jetzt das EM-Ticket in die Hand zu drücken: „Joachim Löws Personalpolitik erinnert an die seines Vorvorgängers Völler, er verteilt Treuepunkte wie der Supermarkt um die Ecke. Diese Ähnlichkeit mutet merkwürdig an. Ist nicht Völler jener Trainer gewesen, dessen Methoden seit der Amtsübernahme des Duos Klinsmann/Löw als ambitionslos und altbacken gelten? Ist es nicht inkonsequent, wenn Löw ihn jetzt kopiert? Die Wahrheit ist komplizierter: Löw ist, anders als Klinsmann vor vier Jahren, nicht der Aufräumer, der von außen kommt, der Reformer, der neu ist und alles erneuert. Er hat als Klinsmanns Assistent die Nationalmannschaft schon zwei Jahre lang mitgeprägt. Er hat sich damals eine Basis geschaffen, auf die er jetzt baut. Deshalb wirken seine Entscheidungen eher konservativ als revolutionär.“

Mittwoch, 23. April 2008

Champions League

Neubeginn nötig

Paul Ingendaay (FAZ) nimmt die Vereinsführung und die Starspieler für Barcelonas Degeneration in die Verantwortung und den Trainer in Schutz: „So ausgiebig hat man Ronaldinho nach seiner Ankunft vor fünf Jahren als Retter des katalanischen Fußballuniversums gefeiert, dass man die Charakterdefizite des Mannes, seine Kunstpausen, Launen und Allüren lange nicht wahrhaben wollte. Mit anderen Stars lief es nicht anders. Die Maulereien eines Samuel Eto‘o, die lächerlichen Entschuldigungen eines ehemaligen Weltklassespielers wie Thierry Henry, der entschlossen scheint, seinen Leistungsabfall gegenüber der ganzen Welt nicht nur zu verteidigen, sondern insgeheim als Fortschritt zu verkaufen, all das müsste und dürfte sich ein Verein nicht bieten lassen. Doch der FC Barcelona ähnelt darin einem Psychoanalyse-Patienten, der von sich selbst nicht genug bekommt. Je mehr Nabelschau, desto besser. Die Verantwortung des Trainers ist dabei durchaus begrenzt. Frank Rijkaard mag zu schärferen disziplinarischen Maßnahmen aus Wesensgründen nicht in der Lage sein, was ihn als Fußballtrainer nicht zwingend verkleinert; doch ein passives Präsidium verkennt seinen Auftrag und verschläft seinen Job. Vor den letzten großen Gefechten der Saison kann man dem FC Barcelona deshalb kaum Erfolg wünschen. Denn vereinzelte große Leistungen von Messi, Krkic oder anderen würden nur maskieren, dass dieser Verein dringend einen Neubeginn braucht – einen Kurswechsel des Präsidiums und einen Generationswechsel seiner Führungsfiguren auf dem Platz.“

Frisch und formstark

Christian Eichler (FAZ) macht die großen Ressourcen Manchester Uniteds und seines Trainers als Stärke aus: „Nachdem im letztjährigen Halbfinale gegen AC Mailand einigen Stars die Frische gefehlt und der Kader keine passenden Alternativen geboten hatte, legte Alex Ferguson nach und kaufte für über hundert Millionen Euro vier Spieler. Alle vier sind nun frisch, formstark und bieten in der entscheidenden Saisonphase glänzende Spielmöglichkeiten: Carlos Tevez, der neben Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney Torgefahr schafft, die vielseitigen Mittelfeldarbeiter Anderson und Owen Hargreaves und der unberechenbare Dribbler Nani, wie überhaupt Ferguson fürs Kreative mehr und mehr die portugiesische Karte ausspielt. Hier profitiert er von seiner Entscheidung, einen starken Assistenten neben sich zu dulden, Carlos Queiroz – einen ehemaligen Cheftrainer von Real Madrid, der den sturen Chef auch bei allen Interviews mit der BBC vertritt, mit der Ferguson seit Jahren nicht mehr redet. Der portugiesische Assistent gilt als Türöffner für den portugiesischen (und auch den brasilianischen) Talentemarkt, wobei Sporting Lissabon eine Art Farm-Team für United zu werden scheint.“

Renaissance des Dribblings

Ronald Reng (SZ) kann Lionel Messi und Cristiano Ronaldo nicht vom Ball trennen: „Oft scheint es, als hätten die Gegner ihn schon gestellt. Doch er kann im vollen Sprint noch radikal seine Richtung und gleichzeitig auch die Richtung des Balls ändern. Die Gegner haut es aus dem Gleichgewicht. Er entschlüpft. Während sich Messi so auf kleinstem Raum durchwühlen kann, ist Ronaldo ein Mittelstreckendribbler. Er braucht Anlauf und übersprintet dann, Haken über dem Ball schlagend, die Gegner. Viele Trainer predigen heute, dribbeln halte das Spiel auf, selbst Messi erinnert sich, dass ‚ich bei Barça zwei Jugendtrainer hatte, die mich nicht aufstellten, weil ich nicht schnell genug abspielte’. Er und Ronaldo haben dem Dribbling zur Renaissance verholfen.“

FAZ: Anfield – ein Ort fürs kostbare Irrationale des Fußballs
FAZ-Portrait Petr Cech

FAZ: Bundesliga-Rechte – Freunde der Sportschau müssen bangen

BLZ: Philipp Lahm wird den FC Bayern wohl verlassen

Dienstag, 22. April 2008

Internationaler Fußball

Ohne Glamour

Hanspeter Künzler (Neue Zürcher Zeitung) nimmt Chelseas Trainer gegen Anfeindungen in Schutz: „Avram Grant muss einerseits gegen ähnliche Vorurteile kämpfen, wie sie Christian Groß einst bei Tottenham Hotspurs begegneten: Spieler und Fans, die ihren Klub zu den Großen zählen, halten es für unter ihrer Würde, von einem Manager aus einem fußballerischen Zwergreich geführt zu werden. Um als erfolgreich gewertet zu werden, müsste Grant doppelt so viel leisten wie ein Manager aus Spanien oder Italien. Sein größtes Problem hat allerdings weder mit Fußball noch mit der Herkunft zu tun (obwohl ihm deswegen Todesdrohungen zugeschickt wurden). José Mourinho sorgte mit seinen absurden Sprüchen und paranoiden Bezichtigungen nicht nur für Belustigung, er kreierte damit auch Schlagzeilen und Aufregung – Glamour eben. Im Chelsea FC, so der Eindruck, war immer etwas los, selbst dann, wenn er gerade verloren hatte. Avram Grant fehlen weniger die Resultate als die für die fußballerische Weltmarke ‚Chelsea’ unabdingliche Starqualität während Pressekonferenzen, Partys, Filmpremieren und Modeschauen.“

Raphael Honigstein (Financial Times Deutschland) hingegen findet die Kritik an Grant angebracht: „Groß ist der Unmut im Kader über Grants rudimentäre Trainingspraktiken und seine passive Amtsführung; sein vollmundig versprochener attraktiver Fußball wird weiter vermisst. Unverzeihlich ist aus Sicht von Roman Abramowitsch außerdem die mittlerweile nur noch bemitleidenswerte Außendarstellung des überforderten Trainers. Nach dem 1:0 beim FC Everton verweigerte sich Grant mit einsilbigen, sinnlosen Antworten komplett den Fragen der Reporter; ganz ohne Worte redete er sich so um Kopf und Kragen. Abramowitsch und die Fans der ‚Blauen’ können mit dem Hass des ganzen Landes leben – nicht aber mit Spott.“

Problemlöser im Chaos

Christian Eichler (FAS) spürt, dass der FC Liverpool derzeit vor allem von den genauen Schüssen ihres spanischen Torjägers lebt: „An der Anfield Road geht es derzeit drunter und drüber. Die beiden amerikanischen Klubbesitzer sind über Kreuz; Trainer Benitez ist sauer auf sie, seit sie heimlich mit Jürgen Klinsmann verhandelten; die Ölmilliardäre aus Dubai wollen den Klub gern kaufen, kommen aber noch nicht zum Zug; auch ein paar tausend Fans sammeln Geld, um den FC Liverpool zu übernehmen; einer der beiden Klubbesitzer will den Klubgeschäftsführer loswerden, der aber wird von dem anderen Besitzer gestützt, und auch Benitez wäre ihn gern los. In diesem Chaos bieten die Tore von Fernando Torres derzeit die einzige Konstante. Er ist unglaublich wendig, schnell und technisch perfekt. Gegen Inter Mailand und den FC Arsenal schoss er zwei typische Torres-Tore, in einer Drehgeschwindigkeit, die an Gerd Müller erinnert: Annahme, Drehung, und während der Gegenspieler noch die Orientierung sucht, ist der Ball schon im Netz. Fußball lebt von denen, die Probleme lösen, und die besten Problemlöser sind immer noch Torjäger.“

BLZ: Der FC Liverpool leidet vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea unter dem Streit zwischen seinen Eigentümern
FR: Chaos in der Liverpool-Chefetage

NZZ: Transferspekulationen um die südamerikanische Fußballdiva Ronaldinho

NZZ: Geht zum Abschluss einer bisher großartigen Saison geht der AS Roma die Luft aus?

Meine Lieblingsversion (Johnny Cash)

Emotionale Wirkung weit über Vereinssympathien hinaus

Eichler schildert die Bedeutung der lang ersehnten Meisterschaft des belgischen Traditionsklubs Standard Lüttich: „Es gibt Meistertitel, die werden eher geschäftsmäßig gefeiert, mit routinierten Abläufen, dem Gestus von Gewohnheitssiegern – Meistertitel wie jener, den der RSC Anderlecht im vergangenen Jahr gewann, der 29. des Klubs aus Brüssel. Der von 2008 ist etwas ganz anderes. Denn ihn gewann der populärste Klub im Land, der Klub mit den treuesten und leidenschaftlichsten Fans, Standard Lüttich – ein Klub, der dennoch ein Vierteljahrhundert auf den Meistertitel warten musste. Denn Wallonien, der vom Strukturwandel, vom Sterben der Schwerindustrie gebeutelte Teil Belgiens, hatte seit 1983 keinen Fußballmeister mehr gestellt – und das, obwohl hier Fußballsiege wichtiger sind und intensiver erlebt werden als in der verwöhnten Hauptstadt oder im properen Flandern. Deshalb hat der Erfolg eine emotionale Wirkung, die weit über Vereinssympathien oder sportliche Vorlieben hinausgehen dürfte. Dass Standard de Liège seine Fans und Landsleute so lange hatte warten lassen, hatte mit den letzten Titeln zu tun. 1982 und 1983 gewann Standard die Meisterschaft, aber bald wurde gerichtskundig, dass zumindest beim ersten der beiden Titel Bestechung im Spiel gewesen war. (…) Zuletzt wurde die Liga von einem Wettskandal mit chinesischen Drahtziehern erschüttert. Doch jetzt hat sie einen Champion, von dem etwas Unverbrauchtes ausgeht, der mit den alten Geschichten nichts mehr zu tun hat.“

SZ: Pater Pacult führt Rapid Wien zur Meisterschaft

Welt: Weil der Sport vom Geld aus Wirtschaft und Politik profitiert, leisten sich Russlands Klubs immer öfter teure Profis aus dem Westen. Auch einige deutsche Profis konnten dem Ruf des Rubels nicht widerstehen

Montag, 21. April 2008

DFB-Pokal

Selten hat ein Team mit weniger Leidenschaft den Pokal gewonnen

Das 2:1 Bayern Münchens gegen Borussia Dortmund ruft auch Kritiker auf den Plan, die sich an der matten Art des Siegs stören; zudem beargwöhnen die Journalisten die Titel, die Ottmar Hitzfeld in dieser Saison erreicht haben wird, unter dem Blickwinkel, was sie für seinen Nachfolger Jürgen Klinsmann bedeuten könnten. Mit Thomas Dolls Entlassung wird trotz der aufrechten Niederlage gerechnet – die Pressestimmen zum DFB-Pokalfinale

Roland Zorn (FAZ) schüttet Wasser in den Schampus des Pokalsiegers: „Wie eine Mannschaft aus Europas De-Luxe-Klasse wirkten die Münchner gegen einen fast gleichwertigen Gegner beileibe nicht. Sie bewiesen aber Standfestigkeit und zweifelten nicht an ihrer Überzeugung, sich in jeder Lage durchsetzen zu können. So wurden zwar noch keine Zeichen für die bevorstehende Rückkehr in die europäische Liga der Besten gesetzt, die die Konkurrenz in England oder Spanien beunruhigen könnten, doch für den Hausgebrauch reichte die Extradosis Erfolgsbesessenheit, personifiziert durch Oliver Kahn und Luca Toni, allemal aus. Wie fragil diese Konstruktion sein kann, deutete sich aber auch an. Ist Franck Ribéry in Durchschnittsform wie am Samstag, kommt gleich das ganze Bayern-Spiel ins Stocken. (…) Jürgen Klinsmann wird ein schweres Erbe, aber auch eine überaus reizvolle Aufgabe übernehmen, da in diesem Bayern-Ensemble noch viel zu entwickeln und viel zu verbessern ist. Auch das war deutlich zu sehen.“

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) drückt seine Enttäuschung über den Gewinner und das Spiel deutlicher aus: „Selten hat ein Team mit weniger Engagement und mit weniger Leidenschaft den Pokal gewonnen als der FC Bayern. Die Spieler von Trainer Ottmar Hitzfeld boten ein seltsames Spiel. Sie zauberten einen Führungstreffer aufs Feld, der jedes Lehrbuch schmücken würde: 40-Meter-Querpass von Mark van Bommel, perfekte Ballannahme von Ribéry, Flanke zu Toni, Schuss, Tor – da paarten sich Ästhetik, Übersicht, Präzision. Und dann? Kam nichts mehr. Die Münchner verwechselten Lässigkeit mit Nachlässigkeit, ihre Souveränität geriet zu Arroganz. Sie ließen es zu, dass die Dortmunder von der Karikatur eines Finalisten zu einem gefährlichen Gegner wurden. (…) Nie wirkte die Partie wie ein Drama, nie entfaltete sie die Atmosphäre, die Pokalfinals gern zugeschrieben wird, nie ließ sie Herzen rasen und Münder offen stehen, trotz des Dortmunder Ausgleichs in der 90. Minute, trotz der Verlängerung, trotz des Siegtreffers von Luca Toni, trotz der dämlichen Andi-Möller-Gedächtnisschwalbe des Dortmunders Jakub Blaszczykowski.“

Quälendes Spiel

Stefan Osterhaus (Financial Times Deutschland) stimmt ein, den Protagonisten widersprechend: „Die Verklärung setzte unmittelbar nach dem Abpfiff ein. Was für ein spektakuläres Pokalfinale dies gewesen sei, das wurde Karl-Heinz Rummenigge gar nicht müde zu betonen. Mit ihm war sich Thomas Doll einig, der artig wie ein Ministrant den Bayern kurz vor Mitternacht gratulierte – nach einem Match, das sich gar keine Verlängerung verdient hatte. Was sich auf dem Rasen der alten Kampfbahn abspielte, entsprach dem Niveau eines durchschnittlich schlechten Bundesligaspiels, in dem ein Außenseiter gegen einen lethargischen Favoriten in allerletzter Minute zum Ausgleich kommt. Doch weil der Finalmodus einen Sieger erfordert, wurde das quälende Spiel um eine halbe Stunde verlängert.“

Hinterlistig

Andreas Burkert (SZ) legt dar, dass Ottmar Hitzfeld Erfolg für sich sprechen lasse, an dem sich wiederum sein Nachfolger messen lassen müsse: „Eigenschaften wie Rachsucht oder Hinterlist werden dem Fußballlehrer und Menschen Hitzfeld nicht zugeschrieben. Auch deshalb dürften ihn die Menschen in München Mitte Mai mit Ovationen und Danksagungen in sein Pensionärsdasein entlassen, das er im Idyll der Schweizer Nationalmannschaft zu verbringen gedenkt. Denn wenn Hitzfeld doch einmal auf Rache aus war, dann reagierte er mit seinem Mittel: mit Erfolg. An den Dortmundern rächte er sich ehedem für deren Liebesentzug mit dem Wechsel zu den in Westfalen nicht sonderlich beliebten Bayern, für die er umgehend Titel in Serie sammelte. Und sein Erbe an den mutmaßlichen Superreformer Jürgen Klinsmann, der ihm, einem Mathelehrer alter Schule, vorgezogen wurde, könnte nun tatsächlich aus einem bisher unerreichten Triple bestehen. Dies ist beinahe hinterlistig zu nennen. (…) Klinsmann hat nur ein Jahr Zeit, um seine von großen Aufregungen begleitete Verpflichtung zu rechtfertigen: sein erstes Jahr.“

Platz 13 übersteht kein Trainer in Dortmund

Obwohl die Dortmunder die Erwartungen an sie übertroffen haben, rechnet Jan Christian Müller (FR) mit der Entlassung Thomas Dolls am Saisonende: „Am Sonntag haben die 10.000 Fans, die Mannschaft und Trainer in Dortmund begrüßten, dem angeschlagenen Coach noch einmal freundlichen Beifall zukommen lassen. Es war schon eine Art Abschiedsauftritt. Denn da Doll bei den BVB-Fans nicht annähernd so beliebt ist wie seinerzeit bei den Anhängern des HSV, wo er Kultstatus besaß, da er zudem, anders als in Hamburg, auf keinerlei Erfolgsgeschichte beim BVB in der Liga zurückblicken kann, heißt es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit, nach Saisonende Abschied zu nehmen. Die Scheinheiligkeit, mit der Boss Watzke sich derzeit öffentlich äußert, wird er dann bestimmt als Rücksicht gegenüber dem guten Menschen Thomas Doll erklären.“

Freddie Röckenhaus (SZ) prognostiziert das gleiche: „Für die Dortmunder, die nach Jahren der finanziellen Turbulenzen zum ersten Mal wieder unter Kronleuchtern feiern durften, war es ein Abend, der sie für einen langen Augenblick zurück gebeamt hatte in die alten Zeiten. Die BVB-Fans im Stadion, die sich schnell die Hoheitsrechte in der Olympia-Schüssel erkämpft hatten, waren zu alter Form aufgelaufen – zu einer Form, die vor vielen Jahren den Mythos und den Fan-Kult von Dortmund begründet hatte und die nicht nur in der laufenden Saison auf viele überharte Proben gestellt wurde. An diesem kalten Abend aber gelang es den vielleicht 40.000 Dortmund-Anhängern, die sonst oft so unkonzentrierten BVB-Spieler mit einer geballten Ladung Adrenalin so hochzuziehen, dass selbst die übermächtigen Bayern wankten. (…) Der Klassenerhalt dürfte weit weniger umjubelt werden als die Niederlage von Berlin. Platz 13 ist eine Schmach für Dortmund, das schlechteste Ergebnis seit den 80er Jahren. Platz 13 übersteht kein Trainer in Dortmund. Am 18. Mai, dem Tag nach dem letzten Spieltag, könnte das auch Doll erfahren. Die Nacht von Berlin wird dann vergessen sein.“

Ritterlich

Zorn formuliert es vorsichtiger: „Die ehrenvolle Niederlage hat keinerlei Anlass zu ausgiebigen Selbstanklagen geboten. Nach der Woche der Schmach mit deftigen Bundesligapleiten in München und daheim gegen Hannover zeigten die Borussen ebenjene Qualitäten, die man von einem Pokalfinalteilnehmer erwarten darf: Hingabe, Kampfgeist und Courage. Ritterlich ging es zwischen beiden Teams nach einer hart geführten Auseinandersetzung zu, bei der die Borussen die etwas schlechtere Mannschaft sind. (…) Die Rückeroberung des Dortmunder Selbstwertgefühls muss gewiss nicht mit einer Arbeitsplatzgarantie für Thomas Doll bis über das Saisonende hinaus verbunden sein. Dazu verlief die Meisterschaftssaison einfach zu enttäuschend.“

Bei den 11 Freunden lesen wir: „Die russische Raumkapsel ‚Sojus’ verfehlte bei ihrer Rückkehr von der internationalen Raumstation ISS am Samstag ihren geplanten Landeplatz um gut 420 Kilometer. Fast ebenso weit entfernt stand Dede von Luca Toni und konnte nur noch schemenhaft erkennen, wie dieser das 1:0 erzielte. Das Raumfahrtkontrollzentrum kündigte umfassende Untersuchungen an.“

Unser Töpperwien

Samstag, 19. April 2008

DFB-Pokal

Geht es heute um Thomas Dolls Arbeitsplatz? Kann Ottmar Hitzfeld überhaupt etwas gewinnen?

Vor dem Pokalfinale stehen beide Trainer im Zentrum der Aufmerksamkeit

Holger Pauler (Berliner Zeitung) glaubt nicht daran, dass sich Geschichte wiederholt: „Vor 19 Jahren befand sich der BVB in einer vergleichbaren Situation: in der Liga lief es mittelprächtig, die finanziellen Altlasten der Vergangenheit drückten noch auf den Etat, doch urplötzlich stand man im Finale des DFB-Pokals. Am 24. Juni 1989 wurde Werder Bremen mit 4:1 besiegt. Bis heute hält sich die Legende, dass eben dieser Erfolg das Fanal für die erfolgreichste Epoche des BVB gewesen sei: Zwei deutsche Meisterschaften, die Champions League und der Weltpokal konnten unter Ottmar Hitzfeld gewonnen werden. Borussia Dortmund avancierte zum größten Konkurrenten des FC Bayern. Durch Misswirtschaft und eine Reihe sportlicher Rückschläge büßte der BVB seine Rolle ein; vor vier Jahren stand der Verein schließlich vor dem Ruin. Obwohl Borussia Dortmund mittlerweile als gesund gilt, ist eine ähnliche Entwicklung nicht in Sicht. Seit Thomas Dolls Amtsantritt vor gut einem Jahr, hat sich die Mannschaft nicht weiterentwickelt.“

Richard Leipold (FAZ) rückt den Dortmunder Trainer in den Fokus: „Aus der Umgebung der Geschäftsführung verlautet, BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beurteile das Verhältnis zwischen wirtschaftlichem Aufwand und sportlichem Ertrag ‚sehr kritisch’. Die Geschäftsführung habe eine klare Strategie und wolle auf keinen Fall eine schleichende Trainerdemontage nach dem Vorbild Schalke. Der Revierrivale hatte Mirko Slomka nach langen Diskussionen entlassen. In Dortmund dürften sie einen anderen Weg gehen. Entweder steht der angeschlagene Boxer auf, oder es könnte alles ganz schnell gehen.“

Angespannt

Endspieleuphorie vermisst Leipold in Dortmund: „Selten ist die Gefühlswelt eines Fußballklubs vor einem bedeutenden Finale so durcheinandergeraten wie bei Borussia Dortmund. Lange galt der DFB-Pokal als Farbtupfer auf dem tiefgrauen Hintergrund einer enttäuschenden Saison. Doch die Woche vor dem Endspiel hat viele Anhänger vollends entmutigt. Selbstbewusst auf Sieg zu setzen scheint ihnen unmöglich. Was noch schlimmer ist: Wer sich in der Stadt umhört, stößt nicht nur auf Prognosen in Moll oder die Sorge vor einem Debakel. Die jüngsten Misserfolge animieren sogar zum Sarkasmus. Auf der Flucht in die Ironie schlagen manche Leute sogar vor, die Finalspiele der Frauen und der Männer zu mischen, um die Spannung zu steigern. Im Vorprogramm solle Dortmund gegen die Frauen des 1. FC Saarbrücken antreten, ehe am Abend Bayern gegen den FFC Frankfurt spiele.“

Roland Zorn (FAZ) führt die Lage auch auf den frühen Termin zurück: „Erstmals seit langem kann auch das Pokalendspiel Wohl oder Wehe eines Trainers mit beeinflussen. Werden sonst nach dem Saisonende in der Liga auch die Verlierer der Berliner Sause gefeiert, geht es diesmal zuerst um die Restaurierung der Borussen-Ehre und damit vielleicht auch schon um den Arbeitsplatz von Doll. Dessen Kredit ist längst ausgereizt. Die Situation in Dortmund ist bei aller Bereitschaft, an der Berliner Party fröhlich teilzuhaben, angespannt. Ähnliches kann auch in Zukunft unter mannschaftlich anderen Vorzeichen geschehen, wenn das Pokalfinale häufiger im April statt im Mai ausgetragen werden sollte. Die Hauptdarsteller kommen unter diesen erschwerenden Umständen mitten aus dem beschwerlichen Alltag und kehren danach in ihre Liga-Arbeitsprozesse zurück.“

Überbleibsel aus alten Zeiten

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) rechnet vor, wie viel und doch so wenig der Bayern-Trainer in dieser Saison zu gewinnen hat: „Das ist die Tragik, mit der Ottmar Hitzfeld leben muss: Er hat Titel gesammelt wie kaum ein Fußballlehrer in Deutschland sonst, und er muss doch bis zum letzten Moment um Anerkennung kämpfen. Hitzfeld hat seine Mannschaften nie zum Zaubern inspiriert. Er hat nie einen Stil geprägt, der einzigartig, aufregend, schwärmerisch schön war. Er hat einfach nur Erfolg gehabt, auf seine ganz persönliche, nüchterne Art. Jetzt braucht er diesen Erfolg dringender denn je. Denn sein Arbeitgeber, der FC Bayern, in dessen Selbstverständnis zweite Plätze ohnehin Katastrophen sind, hat sein Aufgebot vor dieser Saison brutalstmöglich reformiert und nicht weniger als die Demütigung der nationalen Konkurrenz angekündigt. Wenn der Klub nun nicht den DFB-Pokal, die Meisterschaft und den Uefa-Cup gewinnt, dann ist die Saison für ihn, gemessen an den eigenen Sprüchen und Ansprüchen, eine Enttäuschung.“

Lesch zeigt auf die mächtigen Schatten, in denen Hitzfeld ist: „Hitzfeld, der Mann mit Vergangenheit, muss damit leben, dass er mit Klinsmann, der Hoffnung der Zukunft, verglichen wird und dass seine Defizite bei diesem Vergleich unübersehbar erscheinen: Er schafft es nicht, ein Team zu bauen, das größer ist als die Summe seiner Teile. Der Trickser Ribéry und der Torjäger Toni sind die Hauptfiguren des erneuerten FC Bayern. Der Trainer Hitzfeld wirkt eher wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten.“

Elisabeth Schlammerl (FAZ) verteidigt Hitzfeld: „Klinsmann ist ein ganz anderer Trainertyp, aber wohl auch deshalb haben sich die Bayern für ihn entschieden. Im Gegensatz zu dem Schwaben war und ist Hitzfeld kein Trainer, der Spieler weiterentwickelt. Zwar haben immer wieder ein paar Junge den Sprung in die Mannschaft geschafft, aber gekümmert hat sich Hitzfeld nie besonders um die Nachwuchsarbeit. Aber Hitzfeld zeichnet aus, was für erfolgreiche Trainer wichtiger ist als die Förderung von Talenten: Er versteht es, aus vielen Stars eine gut funktionierende Mannschaft zu basteln, und hat das richtige Gespür für den Umgang mit den unterschiedlichen Charakteren. Das ist wohl der Schlüssel zu seinem Erfolg. Hitzfeld befriedigt Eitelkeiten und räumt Sonderrechte ein, solange sie nicht dem Teamgedanken schaden. In dieser Saison war Hitzfeld angesichts der Anhäufung von Weltstars gefordert wie nie zuvor beim Integrieren und Vermitteln sowie bei der Suche nach der richtigen Dosis von Milde und Härte. Und es sieht ganz danach aus, dass Hitzfeld es schafft, sein Gesamtkunstwerk Bayern München innerhalb der kommenden Wochen zu vollenden.“

direkter freistoss vom 26. Oktober 2007: Ottmar Hitzfeld, ein Trainer, der nichts zu gewinnen hat

Heuchelei

Die spannendsten Textpassagen finden sich aber in zwei Interviews mit Christian Wörns, der sich über seine Nichtnominierung zur WM vor zwei Jahren durch den damaligen Bundestrainer äußert. Zum ersten sagt er der SZ: „Jürgen Klinsmann hätte mir einfach unter vier Augen rechtzeitig sagen können: Ich will dich nicht mehr. Dann wäre ich traurig gewesen, hätte es ungerecht gefunden, hätte aber dann den Mund abgeputzt, fertig. Stattdessen wurden hintenrum Spielchen gespielt. Da wurde nach außen hin immer davon gesprochen, dass es nur nach Leistungskriterien geht. Im Verein hatte ich die Saison komplett durchgespielt. Außer Per Mertesacker hat damals sonst keiner der Innenverteidiger im Verein gespielt. Klinsmann hat dann allerdings einen Innenverteidiger nominiert, der in Dortmund aus Leistungsgründen nicht gespielt hat. Es ist genau diese Art der Heuchelei, die ich als ungerecht empfand. Klinsmann hätte mir sagen können: Pass auf, ich nominiere einen anderen – das wäre für mich okay gewesen. Aber von Konkurrenzkampf und Leistungsprinzip zu sprechen, obwohl alles längst intern abgemacht ist, ist unsportlich und gehört sich nicht. Ich habe mit meinem Verhalten nicht provoziert, sondern Klinsmann und Bierhoff haben mich zu meiner Reaktion genötigt. Aber ich habe Abstand dazu, ich muss über das Thema nicht mehr sprechen.“

(Seltsame Auffassung von Heuchelei, finden Sie nicht?)

Zudem mangele es ihm selbst an Fürsprechern: „Nur gut Fußball spielen reicht heute nicht mehr. Du musst dich auch darstellen können, du brauchst eine Lobby aus Leuten, die an der richtigen Stelle etwas Positives über dich sagen. Das kriegt dann eine Dynamik, weil so viele nur das Gehörte nachplappern, die den Fußball oft nicht selber beurteilen können. So gibt es heute viele Spieler, die unterschätzt sind und andere, die überschätzt sind.“ Vergleiche mit den weltbesten Innenverteidigern scheut Wörns nicht: „Nesta ist sensationell. Dann Cannavaro natürlich, immer noch Thuram, Puyol. Die sind zweikampfstark, haben ein Super-Kopfballspiel, können die Kugel annehmen und sicher spielen. Ich denke aber, dass ich in meiner besten Zeit auf ähnlichem Niveau gespielt habe.“

Zum zweiten gibt er im Tagesspiegel zu bedenken: „Ich muss fairerweise sagen, dass Klinsmann mich ein, zwei Monate nach unserem Disput treffen wollte zu einem Gespräch. Das war rund um das Länderspiel gegen die USA in Dortmund. Ich habe es damals kategorisch abgelehnt. Ich war sauer darüber, wie ich ausgebootet wurde, obwohl ich einer der wenigen deutschen Innenverteidiger war, der Stammspieler in seinem Verein war. Noch heute glaube ich, dass ich mit meiner Kritik in der Sache richtig lag, aber ich hätte das Gesprächsangebot annehmen sollen.“

Freitag, 18. April 2008

Internationaler Fußball

Ein Pokalsieger mit tausend Problemen

Ronald Reng (Berliner Zeitung) berichtet von den zwei Gesichtern Valencias, dem spanischem Pokalsieger durch ein 3:1 gegen Getafe: „Der FC Valencia, dessen Elf für Abenteuer unter den Weltbesten zusammengestellt wurde, ist sechs Partien vor Saisonschluss den Abstiegsrängen der Primera División bis auf fünf Punkte nahe gekommen. Der Pokalwettbewerb war das ganze Jahr hindurch ihr Wochenende. Hier erholte sich Valencia von sich selbst. (…) All die Versuche, die Dinge zum Besseren zu wenden, verschlechterten Valencias Befinden diese Saison meist nur dramatisch, allen voran der Trainerwechsel zu Ronald Koeman und die Suspendierung von drei Spieleridolen, darunter Timo Hildebrands Torwartkonkurrent Santiago Cañizares. Selbst bei der Pokalübergabe pfiffen und brüllten Valencias Fans plötzlich wüst. Der Trainer hatte die Hand an den Cup gelegt. Die unehrenhafte Verabschiedung Koemans, spätestens im Juni, ist eine Gewissheit. Was ist besser: Ein Pokalsieger mit tausend Problemen zu sein oder, wie Getafe, Jedermanns Liebling, aber tragischer Verlierer?“

Auch Georg Bucher (Neue Zürcher Zeitung) befasst sich mit der Unzufriedenheit im Umfeld Valencias: „Man mag sich nicht vorstellen, dass Valencia nächste Saison zwischen Uefa-Cup und Zweiter Liga pendelt, kann es aber keineswegs ausschließen. So stark das Team in der Copa auftrat und Atlético Madrid und Barça eliminierte, so haarsträubend präsentierten sich die gleichen Spieler in Murcia und besonders vor eigenem Publikum. Neun Heimniederlagen sprechen Bände; weiße Taschentücher zum Zeichen des Protests sowie Rücktrittsforderungen an Präsident und Trainer sind im Mestalla-Stadion die Regel.“

Bundesliga

Ein Fußballzwerg im Pokalfinale

29. Spieltag, Teil 2: Dortmund nach 1:3 gegen Hannover in der Depression, Thomas Doll in der Schusslinie / Nürnberg blutlos in Stuttgart / Bielefeld gegen Leverkusen in Hochform / Immer wieder Luca Toni

Felix Meininghaus (FR) nimmt zur Kenntnis, dass Dortmund und sein Trainer mit schlechter Laune nach Berlin reisen werden: „Zwei Tage vor dem Pokalfinale ist Borussia Dortmund vom respektablen Außenseiter zu einem Fußballzwerg geschrumpft. (…) Neben der sportlichen Krise haben die Dortmunder nun auch noch eine Trainerdiskussion am Hals. Thomas Dolls Vertrag ist zwar im Winter bis 2010 verlängert worden, es wird jedoch kolportiert, für den Fall einer vorzeitigen Demission sei eine Abfindung im moderaten Bereich festgeschrieben worden. Nicht ausgeschlossen, dass das Pokalfinale Dolls Abschiedsvorstellung beim BVB werden könnte.“

Auch Freddie Röckenhaus (SZ) sieht schwache Dortmunder und Doll in Gefahr: „Wäre da nicht dieses Pokalfinale, das dem in der Liga auf Platz 13 so hoffnungslos abgehängten BVB unverhofft die Uefa-Cup-Qualifikation brachte, der Trainer wäre möglicherweise längst seinen Job los. Und hätte nicht das BVB-Management um Vorstandschef Hans-Joachim Watzke und Zorc in der vergangenen Saison in van Marwijk, Röber und nun Doll gleich drei Trainer verschlissen, man wäre wohl auf den Zug aufgesprungen, auf den sich der ungeliebte Lokalrivale Schalke mit dem Rauswurf von Mirko Slomka gewagt hatte. So aber darf Doll weitermachen. (…) Das 1:3 gegen Hannover 96 hat noch einen Tiefschlag draufgesetzt auf das 0:5, als Dortmund ausgerechnet beim Cupfinal-Gegner eine Demütigung der schlimmeren Art eingesteckt hatte. Wer Dortmunds letzte Darbietungen mit ansehen musste, kann sich zwar kaum vorstellen, wie binnen 72 Stunden aus dem chaotisch wirkenden Trüppchen ein ernsthafter Bayern-Gegner werden sollte. Aber nie war die Mutter aller Fußball-Plattitüde wertvoller: Im Pokal ist selbstverständlich alles anders.“

Richard Leipold (FAZ) ergänzt: „Ob Doll noch ein würdiger Trainer für Dortmund ist, diese in den Medien aufkommende und intern auch schon geführte Debatte dürfte spätestens nach dem Pokalfinale an Fahrt gewinnen. Zwar hat Borussia Dortmund einen Platz im Uefa-Pokal rechnerisch fast sicher. Die Stimmung ist dennoch auf dem Tiefpunkt – und dazu sehr gereizt. Als gäbe es nicht genug Schwierigkeiten, hat der Trainer allerlei Sach- und Personalfragen aufgeworfen, wenn auch nicht gerade systematisch. Seine ständigen Umbauten haben sich auf das Mannschaftsgefüge nicht gerade stabilisierend ausgewirkt.“

Ratlosigkeit und Selbstaufgabe

Volker Kreisl (SZ) nimmt nach dem 0:3 in Stuttgart vorsichtig und differenziert eine Ursachensuche nach dem Nürnberger Tiefflug vor: „Was genau falsch gemacht wurde, ist kaum zu benennen. Den Club traf eine Verkettung aus unerklärlichen Formeinbrüchen in der Viererkette und Verletzungen noch aus der Vorsaison, hinzu kam die Doppelbelastung durch den Uefa-Cup. Am System liegt die aktuelle Krise weniger, erkennbar ist das daran, dass der Trainerwechsel keine zählbare Wirkung hatte. Ursache dürfte eher die Selbstüberschätzung der jungen Spieler sein, die zu früh zu erfolgreich waren und in Bedrängnis nun ganz anders auftreten. Auch von Heesen muss in diesen Tagen Vorstellungen über Bord werfen und statt Konzeptfußball erbitterten Abstiegskampf predigen. Vollständig angekommen sind die Botschaften des neuen Trainers in den Köpfen seiner Spieler noch nicht, aber ein paar Tage sind ja noch Zeit.“

Oliver Trust (FAZ) teilt mit, dass Nürnberg zu keinem Gegenschlag fähig gewesen sei: „Während sich der VfB weiter Hoffnungen auf einen Platz im internationalen Geschäft machen darf und nebenbei die Rückkehr Raphael Schäfers ohne negative Auswirkungen wegsteckte, geht der ‚Club’ schweren Zeiten entgegen. Groß die Ernüchterung über die Art und Weise der Niederlage. Nach der Pause sah sich Thomas von Heesen gezwungen, in Jawhar Mnari für den schwachen Angelos Charisteas eine Defensivkraft zu bringen, um dem ‚Auseinanderfallen’ vorzubeugen. Die Franken spielten dann allerdings so, als gelte es, ein Wunschergebnis zu sichern. Zur Erinnerung: Man lag 0:3 zurück. Es war nur schwäbischer Schlampigkeit zu verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Was die Nürnberger zeigten, sah oft nach Ratlosigkeit und gar Selbstaufgabe aus.“

So gut wie nie in der Saison

Peter Penders (FAZ) notiert in Bielefeld nach dem 1:0 gegen Leverkusen einen Stimmungsumschwung in der Trainerfrage: „Michael Frontzeck ist angekommen in Bielefeld, und wer ihm seine ruhige, stoische Art vorwirft, übersieht, dass dies im hektischen Abstiegskampf überaus nützlich sein kann. Dass Frontzeck kein mitteilungsfreudiger Mann für den Boulevard ist, hat seine Aufgabe nicht einfacher gemacht. ‚Mittlerweile haben aber viele erkannt, dass wir vielleicht doch den richtigen Mann geholt haben. Er hat sich die Chance erarbeitet, hier noch sehr, sehr lange zu arbeiten’, sagt Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch. Dazu müssten sie vermutlich in der Bundesliga bleiben. Der Trend spricht nicht dagegen: Besser als gegen Leverkusen hat die Arminia in dieser Saison noch nicht gespielt.“

Egoist mit Helfersyndrom

Schon wieder zwei Dinger, diesmal die Siegtreffer gegen Frankfurt (3:1) – Markus Schäflein (SZ) erweist dem Münchner Italiener die Ehre: „Luca Toni gibt der Mannschaft Sicherheit. Er sei ‚ein Egoist’, hat Toni schlitzohrig verkündet, als ihn jemand fragte, warum er nie ausgewechselt werden will – er wäre demnach der erste Egoist mit einem ausgeprägten Helfersyndrom. Von ihm profitierte auch diese sehr erweiterte Bayern-Stammelf: Andreas Ottl, José Ernesto Sosa und Toni Kroos durften mitwirken, im Tor stand Michael Rensing. Wirklich überzeugen konnten sie nicht, Ottl leitete mit einem Ballverlust das Gegentor ein, Rensing offenbarte all seine Stärken (Reflexe) und Schwächen (Strafraumbeherrschung). Aber der FC Bayern war trotzdem in der Lage, das Spiel zu gewinnen.“

Donnerstag, 17. April 2008

Bundesliga

Schalker Befreiung

29. Spieltag, Teil 1: Frischer Schalker Schwung dank Büskens und Mulder / Torsten Frings ist wieder da / Hamburg in Schieflage

5:0 gegen Cottbus – Roland Zorn (FAZ) führt den Erfolg der Schalker auf den Trainerwechsel zurück: „Mike Büskens und Youri Mulder wurden von den 60.000 Zuschauern in der Arena herzlichst willkommen geheißen. Nur ein, zwei Transparente mit der Parole ‚Danke, Mirko’ erinnerten noch an den scheinbar spurlos verschwundenen Coach von gestern. Den neuen Aufbruch verkörpern Büskens und Mulder, die eine rauschende Premiere gegen einen diesmal allerdings nicht bundesligatauglichen Gegner feiern konnten. Die durch die zuletzt quälenden Diskussionen um die Zukunft von Slomka am Ende vielleicht doch ein wenig gehemmten Profis genossen ihren Entfesselungsakt drei Tage nach der 1:5-Pleite in Bremen. Ihnen war deutlich anzumerken, dass mit Büskens und Mulder ein frischer Schwung nach Schalke zurückgekehrt ist.“

Oliver Müller (Welt) ergänzt: „Der Spaßfaktor war den Profis in den vergangenen Wochen und vielen Fans schon länger abhanden gekommen – trotz der Erfolge in der fast zweieinhalbjährigen Ära des Trainers Slomka: Einzug ins Halbfinale des Uefa-Pokals, Platz 2 in der Meisterschaft, Teilnahme am Viertelfinale in der Champions League. Doch die oft ergebnisorientierte Spielweise und die gefühlte Verwissenschaftlichung des Trainings missfielen den Spielern. Während der Rauswurf des bei Fernsehauftritten zwar eloquent wirkenden, doch im engeren Umfeld des Klubs als arrogant eingestuften Slomka bundesweit mit Bedauern und Unverständnis aufgenommen wurde, wirkte er auf viele Anhänger und Lokaljournalisten wie eine Befreiung. Offen bleibt, ob die Aufbruchstimmung von Dauer sein wird.“

Kratzbeauftragter

Ronny Blaschke (Berliner Zeitung) betont den Anteil Torsten Frings’ am 2:1-Sieg der Bremer in Rostock: „Es war keine gute Saison für den Mittelfeldspieler, wegen Verletzungen fehlte er sieben Monate, das Spiel in Rostock war erst sein achtes in dieser Spielzeit. Sein Fehlen war einer der Gründe, warum Werder zwischen erstaunlichen und erschreckenden Leistungen pendelte. Dass nun ein Hauch von Konstanz einzukehren scheint, liegt auch an der Formsteigerung von Frings. Tatsächlich waren die Leistungen der Bremer nicht so souverän, wie es die jüngsten drei Siege vermuten lassen. Gegen Hansa kam die Bedeutung des Kratzbeauftragten Frings besonders zur Geltung, da die Vision des Sturmunddrangspiels gegen defensive Rostocker auf einem ramponierten Rasen kaum möglich war.“

Schönreden statt schön spielen

Stefan Osterhaus (Financial Times Deutschland) sieht die Hamburger Welt nach dem 0:0 in Berlin grauer als die Vereinsführung das tut: „Die rosarote Welt des HSV ist auch durch Fakten nicht zu erschüttern: In den letzten fünfzehn Spielen hat die Mannschaft nur dreimal gewonnen, die Erträge der exzellenten Hinrunde schmelzen dahin; dass das Team noch bis vor wenigen Wochen auf dem 2. Tabellenplatz lag, scheint im Rückblick angesichts von Auftritten wie in Berlin unvorstellbar. Wer weitere Belege für eine Krise suchte, fand sie in der Rhetorik des Sportchefs Dietmar Beiersdorfer, der in diesen Tagen nicht zu beneiden ist. War in den letzten Wochen noch zu lesen, dass der HSV die Trainersuche mit äußerster Sorgfalt angehe, so wird gegenwärtig offenbar, dass der vermeintliche Musterklub bisher noch keinem seiner Wunschkandidaten entschieden näher gekommen ist.“

Claudio Catuogno (SZ) fügt hinzu: „Während sich Schalke und Bremen stabilisieren, ist der HSV aus den Champions-League-Rängen gerutscht, und weil Negativ-Debatten in dieser Lage selten helfen, lautet die Strategie der Klub-Gewaltigen offenbar: Schönreden statt schön spielen. So wunderte es nicht, dass sie das 0:0 in einen Sieg umzudeuten versuchten.“

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