indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Mittwoch, 28. März 2007

Internationaler Fußball

Churchill-Parolen und fachliche Mängel

Christian Eichler (FAZ) listet de unbeantworteten Fragen nach den Ursachen für die Schwäche der englischen Elf und findet allein in Trainer Steve McClaren die Spur einer Antwort: „Es ist das Rätsel der englischen Kicker: Riesen für Klub und Heimatstadt, Zwerge für Königin und Vaterland. Alle Spieler der ersten englischen Auswahl stehen mit ihren Klubs im Viertelfinale der Champions League oder des Uefa-Pokals. Im England-Trikot dagegen überfällt sie eine solch verzagte Einfallslosigkeit, daß sie hinter Kroatien und Rußland um die EM-Teilnahme bangen müssen. Derzeit weiß in der englischen Nationalelf kaum noch einer, wie sich Tore anfühlen. 14 von 20 Feldspielern im aktuellen Kader haben noch nie einen Treffer für England erzielt. Und auch die einzigen, die mehr als drei schafften, scheinen vergessen zu haben, wo das Tor steht: Rooney, Gerrard und Lampard. (…) Woran leidet der englische Patient genau? Der Symptome sind reichlich, die Diagnose will nicht gelingen. Sind es die Folgen der harten Liga ohne Winterpause? Damit könnte man vielleicht die Müdigkeit bei EM- oder WM-Turnieren im Juni erklären, aber nicht die Schockstarre im März. Sind es die vielen Ausländer? Die hat Italien auch und wurde Weltmeister. Sind es Erikssons Versäumnisse? Unter ihm gewann das Team kaum taktische Bandbreite hinzu. Doch McClaren hat als dessen Assistent im täglichen Training die Mängel mitverschuldet. Die Situation erinnert an die in Deutschland mit Erich Ribbeck nach 1998, doch der schaffte wenigstens die EM-Qualifikation. Mit seinen Churchill-Parolen und Charme-Attacken kann McClaren kaum die fachlichen Mängel kaschieren.“

Eine Zusammenfassung des 0:0 der Engländer in Israel

BLZ: Italiens Fußballtrainer Roberto Donadoni muß um seinen Job bangen

Dienstag, 27. März 2007

Bundesliga

Trutzburg gegen all das Neue

Markus Lotter verfaßt im Monatsmagazin Rund kritische Thesen über die Vereinspolitik Bayern Münchens: „Angst muß die Anhängerschar haben, weil ihr geliebter Verein momentan zögert und zaudert, und das an einem Punkt, an dem es sich zu entscheiden gilt: Bleiben wir uns konsequent treu, oder öffnen wir uns den Entwicklungen der Fußballmoderne? (…) Die für ihr perspektivisches Handeln gefeierten Klubs wie Werder Bremen und Olympique Lyon, aber auch die schwindelerregend reichen Klubs in Europa üben unglaublich viel Druck auf die Münchner aus. Die müssen sich für ihre Transferpolitik verantworten, sich den Vorwurf gefallen lassen, viele Jahre lang an überholten Trainingsmethoden festgehalten zu haben, und werden mittlerweile angeklagt, weil sie Eigenkapital horten. Gern führen sie dann zu ihrer Verteidigung die sieben Meistertitel in den vergangenen Jahren oder den Gewinn der Champions League 2001 an. Einen Plan für die Gestaltung der Zukunft haben sie bisher nicht vorgelegt. Für die Kritiker der Bayern, zu denen mittlerweile sogar Leute aus den eigenen Reihen wie Unternehmensberater und Verwaltungsbeirat Roland Berger oder Aufsichtsrat Herbert Henzler zählen, steht fest: Der öffentlichste Spitzenverein Europas läuft Gefahr, den Anschluß zu verlieren, weil er sich einfach nicht öffnen will. Henzler dringt auf die Verpflichtung eines Weltstars, Berger wünscht sich einen ‚Innovator à la Klinsmann‘. In der Tat kommt der FCB momentan noch wie eine Trutzburg gegen all das Neue in der Welt des Fußballs daher. Wirkt behäbig, in alten Verhaltensmustern verfangen, während vor allem die internationale Konkurrenz dynamisch agiert.“

„Stern des Südens“ (Dossier): Markus Lotters gesammelte Bayern-Kolumnen auf welt.de
Neid, die alte Leier: eine Entgegnung auf Helmut Markworts Stolz, ein Bayern-Fan zu sein

SZ: Es geht um Gas und Kohle, um Moral und um Millionen – wie sich ein Fußball-Troß aus Gelsenkirchen beim russischen Groß-Sponsor bedankt

Deutsche Elf

Metamorphosen

Die Respekterzeugungen an die Adresse Joachim Löws nehmen kein Ende

Martin Freund von der Passauer Neuen Presse kann sein Glück über den (neuen) Stil der deutschen Elf kaum fassen: „Die Uefa kennt doch so viele Ehrungen. Nur den Preis für die am meisten verbesserte Nationalmannschaft, den gibt’s nicht. Es wird Zeit, ihn anzuregen. Denn er gebührte ohne Wenn und Aber diesem mitreißenden deutschen Team. Gut ein Jahr ist vergangen seit der vernichtenden 1:4-Klatsche in Florenz gegen Italien − und jetzt legen die Männer von Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw in Prag eine Interpretation modernen Fußballs hin, wie sie machtvoller kaum sein könnte. Löw hat ganze Arbeit geleistet. Es sagt viel über die rasante Entwicklung aus, daß das Sommermärchen in Prag so überhaupt keine Rolle mehr spielte. Die Mannschaft ist schon viel weiter. Euphoriegepeitschter Heim-Fußball war gestern, heute eint die Spieler eine Überzeugung, die sie auch in einer Auswärtspartie beim schärfsten Konkurrenten zu so noch nicht gesehener Stilsicherheit befähigt. Irgendwie ist es zu spüren: Die Mission Titel, im tollen Sommer 2006 unerfüllt, haben sie einfach übertragen auf das, was da 2008 in Österreich und der Schweiz wartet. Gut, Titel mögen nur begrenzt planbar sein. Aber Spiele von der Qualität wie jenes der Deutschen waren an diesem Qualifikationssamstag andernorts nicht zu beobachten. Löw wird schon dafür sorgen, daß die grundsätzliche Richtung der Fortentwicklung bestehen bleibt, die mit der Abkehr vom Ergebnisfußball begann und stattdessen das Spiel mit Inhalt füllt. Stimmt das eine, kommt das andere ganz von allein. Auch wenn’s dafür (noch) keinen Preis gibt, diese Nationalmannschaft ist weit gekommen. Und hat in Prag das Beste geboten, was seit Jahren von ihr zu sehen war.“

Stefan Osterhaus (NZZ) betont die Autorität Löws: „Löws Wandlung korrespondiert mit der Metamorphose des DFB-Teams zu einem furchterregenden Kombattanten. Langsam vergegenwärtigen die Kritiker aus alten Zeiten, als er im VfB Stuttgart nur als der nette Herr Löw galt, daß dieser Mann eine genaue Vorstellung von Fußball hat. Der runderneuerte Herr Löw ist zwar ein freundlicher Mensch mit anständiger Garderobe, was in Fußballkreisen per se als verdächtig gilt. Aber mit den Nettigkeiten kann es schnell vorbei sein. Geht es um Leistung, ist keiner der Kandidaten sicher. (…) Die Wertschätzung der Fußballgemeinde ist vor Löw nach einem halbe Dutzend erstklassiger Darbietungen unter seiner Regie beinahe ins Unermeßliche gestiegen.“

NZZ: „Die Engländer werden fett und faul“ – Ausländerdebatte in der Premier League

NZZ: Italiens Nationalcoach Donadoni, Mann ohne Rückendeckung – und ohne Totti

NZZ: Spanien mit Hängen und Würgen wieder auf EM-Kurs

Montag, 26. März 2007

Deutsche Elf

Keine andere Mannschaft in Europa spielt zurzeit einen besseren Fußball

Nach dem 2:1 in Tschechien umarmen die Journalisten die deutsche Elf und ihren Trainer

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) sucht nach einem Vergleich, um die Stärke der deutschen Elf zu beschreiben: „Keine andere Mannschaft in Europa spielt zurzeit einen besseren Fußball als die deutsche, keine andere absolviert ihre Qualifikation mit solcher Entschlossenheit und Souveränität, keine andere hat den Übergang von der WM in den grauen Alltag so reibungslos bewältigt.“ Matti Lieske (Berliner Zeitung) kommt um ein Lob nicht umhin: „Sich bei einem großen Turnier in einen Rausch zu spielen, kann auch limitierten Teams gelingen. Das haben die Griechen gezeigt. Das Niveau im Alltag zu halten und immer wieder zu bestätigen, ist erheblich schwieriger. Auch das haben die Griechen vorgeführt. Die deutsche Mannschaft besitzt Stabilität und Qualität, vor allem, weil sie stärker ist als ihre Einzelteile. Spätestens mit dem eindrucksvollen Sieg in Tschechien hat sie sich endgültig allen Respekt zurück erobert, den sie nach 1998 eingebüßt hatte.“

Andreas Rüttenauer (taz) richtet das Licht auf Joachim Löw: „Das Team ist gewiß nicht die beste Nationalmannschaft, die je für Deutschland unterwegs war. Es dürfte aber kaum eine gegeben haben, die besser vorbereitet wurde. Der Bundestrainer hat eine Idee vom Spiel und es gelingt ihm, diese den Spielern beizubringen. Die Deutschen spielen Fußball. Das ist schön. Ihr Trainer hat es ihnen beigebracht.“

Hochkompetenter Fußball-Lehrer

Christof Kneer (SZ) analysiert Arbeit und Stil Löws: „Vor drei, vier Jahren hätte die Nationalelf eher keine Chance gehabt gegen die ausländerlastigen Bundesliga-Spitzenteams – in der Kürze seiner Amtszeit hat es Löw bereits geschafft, daß die Nationalmannschaft wieder die beste Elf im Land ist. Löw ist ein Trainer für die Langstrecke, er ist kein heißer Sprinter wie Klinsmann. Seine Nationalelf spielt längst nicht mehr diesen feurigen Klinsmann-Fußball, sie überfällt die Gegner nicht mehr. Für das mit Erwartungen überladene Heimturnier war ein tauglicher Stil, und es darf weiter als Klinsmanns Verdienst gelten, daß er dem deutschen Fußball auf und abseits des Rasens eine radikale Offensive verschrieb. Löw aber ist kein Fundi, er ist bekennender Realo, er hat sich die Mannschaft auf seine Weise untertan gemacht. Er hat aus der Emotionself, die ihm der Vorgänger hinterlassen hat, eine Fußballmannschaft gemacht.“

Michael Horeni (FAZ) hat die Debatte um das allgemeine Niveau des deutschen Fußballtrainings im Sinn und betont und hofft auf die Vorbildfunktion des Nationaltrainers: „Das Innovationszentrum des deutschen Fußballs liegt bei der Nationalmannschaft – und da ihr nun als ein Anführer zudem ein hochkompetenter Fußball-Lehrer mit großer Integrations- und Kommunikationskraft vorsteht, lenkt das den Blick immer stärker auf die sachliche Ebene. Wer glaubte, daß Leistungssteigerungen und Entwicklungssprünge nur etwas mit Motivation für ein Ereignis wie die Weltmeisterschaft zu tun hatten, sieht sich nun getäuscht. Daß sich durch kluge Arbeit Spieler und Mannschaft weiterentwickeln können, ist im Sport zwar eine banale, in der Bundesliga aber vielfach noch immer erstaunliche Erkenntnis. Es ist auch nicht alles eine Frage des Geldes, sondern auch der Kompetenz. Die Autorität von Löw ist im deutschen Fußball mit diesem Sieg beträchtlich gewachsen – und es ist gut, daß damit auch wieder die Grundlagenarbeit im Showgeschäft Fußball in den Blick kommt.“

Wir knien in Andacht nieder

Oskar Beck (Welt) fällt Trainer und Mannschaft, einfach allen, um den Hals: „Jetzt, wo das Elend weicht, können wir es ja zugeben – gräßlich waren sie, diese schauderhaften Jahre, in denen unsere Spielkunst die Schwindsucht hatte und Berti Vogts behauptete, der Deutsche als solcher bewege sich nun einmal wie ein Kühlschrank. Was haben wir gelitten. Wie haben wir uns geschämt. (…) Lehmann, Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen, Frings, Ballack, Schneider, Schweinsteiger, Kuranyi, Podolski. Wir knien in Andacht nieder.“

Volk ohne Raumdeckung hat ein Ohr für die Nebentöne: „Ansonsten zeigt sich der Erfolg der europäischen Idee an dem Umstand, daß die deutschen Fans in Prag ‚Auswärtssieg, Auswärtssieg!!‘ skandierten. Subtiler und zugleich glaubwürdiger hätte sich nicht zum Ausdruck bringen lassen, daß niemand mehr Anspruch auf die sudetendeutschen Gebiete erhebt. Eine schöne Geste, passend zum EU-Gipfel in Berlin.“

NZZ: Die DFB-Mannschaft bittet zum Diktat
„Deutschland zum Fußballzwerg geschrumpft“ (FAZ) – Rückblick: die Presseschau nach dem 1:4 in Italien im März 2006

0:1 durch Kuranyi

0:2 durch Kuranyi

1:2 durch Baros

Alle Tore aus den deutschen Länderspielen nach der WM

FAZ: Trainer McLaren verhöhnt – England ohne Tore und ohne Seele

BLZ: Spanien erleidet einen 2:1-Sieg gegen Dänemark

Samstag, 24. März 2007

Am Grünen Tisch

Unprofessionell

Friedhard Teuffel (Tagesspiegel) billigt die Sperre gegen Oliver Kahn: „Von Sportlern sollte kein vorbildhaftes Verhalten erwartet werden, aber professionelles. Das bedeutet schlicht, sich an die Regeln zu halten und nicht ausfällig zu werden. Einen Dopingkontrolleur zu beleidigen und das nicht etwa im Frust der Niederlage, sondern auch noch nach einem großen Sieg, ist unprofessionell. Es sollte sich außerdem inzwischen auch bis zu den Fußballern herumgesprochen haben, daß die Dopingprobe im Interesse des Sports und der Sportler durchgeführt wird. Der FC Bayern hat sich also durch eigene Disziplinlosigkeit in der Champions League geschwächt. Und das gleich doppelt, weil Mark van Bommel mit Gelb-Rot ebenfalls für das Hinspiel gesperrt ist. Es stünde den Bayern gut zu Gesicht, auf einen Einspruch gegen Kahns Bestrafung zu verzichten.“

Tsp: Englands Fußballtrainer Steve McClaren steht vor dem Spiel in Israel unter großem Druck

Freitag, 23. März 2007

Ball und Buchstabe

Alte Bogenlampen (1)

Bogenlampe

„Edmond Kapllani ist einer jener Stürmer, die selbst unter Androhung einer Gefängnisstrafe den besser postierten Mitspieler nicht anspielen.“ Tobias Schächter (SZ)

„Ob Klinsmann das Fußball-Viagra für den lendenlahmen FC Früherimmerallesgewinnen noch findet?“ Bernd Müllender (Financial Times Deutschland)

„Jürgen Klopp hatte Mohamed Zidan und Nelson Valdez zunächst auf der Bank gelassen, wodurch das Offensivspiel die Kreativität eines Formulars für das Standesamt hatte.“ Jürgen Schmieder (sueddeutsche.de)

„Wieso müssen in einem Land, wo die Gesetze biegsam sind wie Weidenruten, ausgerechnet die Fußballregeln so hart und starr bleiben wie Marmor aus Carrara?“ Birgit Schönau (SZ) über Italiens Fußballgesetze

„‘One, two, three, four‘ – der FCK spielt Fußball wie die Songs der amerikanischen Punk-Band Ramones aus den Achtzigern klingen: schnell und schmerzhaft für den, der es nicht mag.“ Tobias Schächter (SZ)

„Die Hoffenheimer Spieler, Ralf Rangnick und Dietmar Hopp dürften sich arg geschmeichelt gefühlt haben, dass der Hauptstadtklub schon die Kraft Barack Obamas am Sonntag aufbot, um einen 1:0-Sieg gegen einen Dorfklub zu veredeln.“ Michael Hornei (FAZ) belächelt nach dem 1:0 gegen Hoffenheim ein Transparent der Hertha-Fans, auf dem stand: „Stoppt Hoffenheim – Yes, we can!!“

„Der junge Mann, der demnächst Diego Maradona zum Opa macht, ließ auch Huub Stevens alt aussehen.“ Christian Eichler (FAZ) über Sergio Agüero (Atlético Madrid), Maradonas Schwiegersohn und Torschützen gegen Stevens‘ PSV Eindhoven

„Fritz von Thurn und Taxis erinnert mich an Auftritte einer 80jährigen Marika Rökk, die sich noch verzweifelt als ‚ungarisches Feuer‘ mit Puszta und Paprika verkauft.“ dogfood

„Surfen Sie zivilisiert!“ Hinweis, den Journalisten in China auf ihrem Bildschirm erhalten, wenn sie sich in China in eine drahtlose Netzwerkverbindung einwählen wollen (via FAZ)

„Rituale habe ich nicht – bis auf die Sachen, die man immer wieder gleich macht.“ Michael Ballack (FR) zur Vorbereitung auf das Halbfinale gegen die Türkei

„Wir haben keine Deutschlandfahne. Wir werden stattdessen gleich nach Abpfiff freudestrahlend und gröhlend das Grundgesetz übern Balkon halten.“ allesaussersport umgeht nach dem 3:2 gegen Portugal den Autokorso

„Frings‘ unschöpferischer Dutzendware“ Christof Kneers (SZ) Etikett für die schwachen Eckbälle der Deutschen

„Ertragen muss man, was der Himmel sendet, Unbilliges erträgt kein edles Herz.“ Im Blog empfiehlt freistoss-Leser Max Diderot den Schweizern, die Niederlage gegen die Türkei, das Ausscheiden aus dem Heimturnier und das Dasein mit Schiller (Wilhelm Tell / Erster Aufzug, zweite Szene) hinzunehmen.

„Rammstein. Nicht Nena, Rammstein.“ Slaven Bilic, kroatischer Nationaltrainer und Hard-Rock-Gitarrist, auf die Frage, an welche Band ihn die deutsche Mannschaft erinnere

„Dieser eine Moment, in dem David Odonkor einen vielleicht entscheidenden Freistoß erzwingt, macht zehn Momente wett, in denen er mit seiner taktischen Legasthenie die eigene Mannschaft in Gefahr bringt.“ Stefan Hermanns (Tagesspiegel) zieht eine Odonkor-Bilanz

„Warum machen Fernsehanstalten sowas noch, wenn man eigentlich drei Meilen gegen den Wind weiß, dass die Fußballer bei auswendig gelernten Sprüchen klingen wie ich damals in der dritten Klasse in der Schulaula, als ich im Weihnachtsmärchen den Händel gab?“ allesaussersport lacht über einen Trailer mit Lothar Matthäus in einer Eurosport-Sendung

„Auch gegen Mainz kombinierten Patrick Helmes und Milivoje Novakovic wie Brüder, die sich in jedem dunklen Wald finden würden.“ Philipp Selldorf (SZ) über den Kölner Sturm

„Feiertage die sich nicht ‚WM-Finale‘ oder ‚EM-Finale‘ nennen, sind nur was für Weicheier.“ Blogger allesaussersport beliefert uns auch an Pfingsten täglich mit Stoff

„Beim früher so oft erfolgreichen Versuch, aus dem Dribbling heraus den Ball von Linksaußen ins Tor zu schnippeln, wirkt Thierry Henry mittlerweile so melancholisch wie ein alter Mann, der auf dem Speicher seine Modelleisenbahn wieder findet und sie mühevoll aufbaut – obwohl er weiß, dass sie schon längst nicht mehr fährt.“ 11 Freunde

„Diese Bayern sind die Alliierten der dunklen Seite des Fußballs.“ Die spanische Zeitung As über das 3:3 in Getafe

„Colin Benjamin bewegt sich zum Ball, der Ball aber nicht zu Colin Benjamin.“ Kommentar des ZDF-Sportstudios zum Hamburger Abwehrverhalten beim Siegtreffer des Stuttgarters Roberto Hilbert

„Liegt Ronaldinhos Problem tatsächlich im rechten Oberschenkel? Oder höher?“ Christian Eichler (FAS)

„Deswegen liebe ich Fußball: Georgiev hat mehr Poesie im Fuß als Durs Grünbein in seinem Gesamtwerk (der, spielte er Fußball, eher zum VfL Wolfsburg passte, in die Defensive allerdings).“ Fooligan liest genüsslich den Duisburger Führungstreffer in Schalke

„Würde man denn eine Stewardess, nur weil sie zwanzig Jahre lang in Jumbojets auf allen Flughäfen dieser Welt gelandet ist und in jedem Luftraum den Kaffee serviert hat, ohne Pilotenlizenz eine Boeing 747 fliegen lassen?“ Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) zweifelt an der Eignung des Rekordspielers Lothar Matthäus zum Trainer

„Am Dienstag steht die Spielanalyse einer Auswahl von U-20- Frauen auf dem Stundenplan – eine Altersklasse, die Lothar Matthäus liegen dürfte.“ Moritz Kielbassa (SZ) über Matthäus‘ ersten Schultag beim Trainerlehrgang

„Bei den ersten beiden Gegentoren praktizierte Cottbus eine ganz eigene Art von Rasenschach: Es darf sich immer nur einer auf einmal bewegen.“ Fooligan über die Cottbus-Niederlage in Wolfsburg

„Sie kamen aus der Stadt, in der Beck’s gebraut wird, aber dass ihr Torwart sich benehmen würde, als wäre er in ein Fass von dem Zeug gefallen, war das Letzte, womit die Rangers rechnen konnten.“ Die schottische Zeitung Daily Record über Tim Wieses Leistung in Glasgow (via FAZ)

„Avram Grant zuzuhören ist wie eine Verabredung mit Miss Moneypenny nach einem langen Wochenende mit James Bond-Girls.“ Der Daily Telegraph (via SZ) sieht und hört Chelseas Trainer und vermisst wohl José Mourinho

„Mal ehrlich gesagt, wäre das ganze auf der Kaiserstraße passiert, wäre der Kyrgiakos doch stehen geblieben und hätte gefragt: ‚Was willst Du, Kleiner?‘“ Detlev Claussen über den Rempler des kleinen Diego

„Schöner geht selten etwas daneben im Fußball.“ Roland Zorn (FAZ) über Manuel Friedrichs unbeabsichtigtes Siegflankentor gegen Schalke

„Winzling Philipp ‚Pip‘ Lahm wird in seinen Eierbecher gesprungen und mit seinen Teelöffelrudern bis nach Manchester gepaddelt sein, bevor der Sommer vorüber ist.“ Aus der Gerüchteküche (rumour mill) des Fiver (Guardian)

„Instead of putting pressure on Bayern, Bremen and Hamburg, they performed what can only be described as a reverse Don Corleone-manoeuvre in the title-race: just when you thought they were in, they pull back out.“ Raphael Honigstein (Guardian) über Schalkes Rückschlag beim 1:2 gegen Wolfsburg

„Hitzfelds Leute hatten ohne den Flügelläufer Ribéry ausgesehen wie eine Boeing, die auf halber Strecke eine Tragfläche verloren hat.“ Andreas Bukert (SZ) macht sich Sorgen um die Abhängigkeit der Bayern von ihrem französischen Star, der in Rostock in der Halbzeit wegen einer Verletzung ausgewechselt worden ist.

„Die Bayern-Familie wird mit Klinsmann etwas weniger wie die Simpsons sein, chaotisch, aber unterhaltsam, sondern mehr wie die Waltons, sehr eng verbunden, wenn nichts sogar ein wenig gruselig.“ Raphael Honigstein (Guardian/Blog)

„Bayern wird wohl wieder Meister, vor allem weil Werder Bremen hinten offen ist wie ein Buckelwal mit Durchfall.“ Raphael Honigstein (Guardian/Blog)

„Frontzeck? Referenz: Abstieg!!!“ „Fallobst zu saftigen Preisen“ Die Bielefeld-Fans beäugen die Verpflichtung Michael Frontzecks durch Geschäftsfüher Reinhard Saftig skeptisch. Zwei Banner aus der Kurve, zitiert im Tagesspiegel

„Strafstöße hält man nicht, indem man in der Mitte seines Tores zusammensinkt, wie ein Kind am Strand, dessen Hände suchend über den Boden gleiten in der Hoffnung, die von der Flut hinfortgespülten Spielzeuge wiederzufinden.“ Trainer Baade hat sich Arsenals Keeper Almunia beim Elfmeter angesehen

„Nur eine Minute hatte er sich von seinem Tisch entfernt, um am Buffet nachzuladen. Das reichte den Dieben, um Ausweis und Handy mitgehen zu lassen. Im Vertrauen darauf, dass Oliver Bierhoff mit seinen Malta-Füßen bei einer eventuellen Verfolgung schlechte Karten haben würde, konnten sie sich ihrer Sache relativ sicher sein.“ Das Streiflicht (SZ) befasst sich mit dem bestohlenen Manager der Nationalelf

„Gastgeberin und BR-Neuerwerbung Isabella Müller-Reinhardt hätte einen Bambi für die größte Unterwerfungs-Performance der deutschen Fernsehgeschichte verdient.“ Die Frankfurter Rundschau hat sich das „Interview“ des Bayerischen Rundfunks mit Uli Hoeneß angesehen

„Wahrscheinlich ließ Löw die Jungs einfach mal schlecht spielen, damit sich Völler und alle anderen Kritiker daran erinnern wie es früher war, der Spielaufbau war nicht von ungefähr Rudimentär.“ Volk ohne Raumdeckung über Deutschlands 0:0 gegen Wales

„Es soll ja in Israel schon mal eine wundersame Wiederauferstehung gegeben haben.“ Raphael Honigstein (SZ) über das „Wunder“, das England durch Israels Sieg gegen Russland erfährt

„Ein Remis ist in der Überlebensausrüstung der Italiener immer enthalten.“ Flurin Clalüna (Neue Zürcher Zeitung) über die guten Chancen der Italiener, sich in Schottland für die EM 2008 zu qualifizieren

„Ralf Minge arbeitet seit Sommer ehrenamtlich als Sportdirektor für Dynamo Dresden. Im Brotjob ist er Assistent von Klaus Toppmöller bei der georgischen Nationalmannschaft – eine Tätigkeit, die offenbar reichlich Spielraum für Herzensangelegenheiten lässt.“ Christoph Ruf (SZ)

„Sollten die Deutschen in Topf zwei landen, könnte zwar immer noch eine Gruppe mit Griechenland, Portugal und Frankreich warten – aber auch eine mit Österreich, Polen und Norwegen. Und wer das Losglück der Deutschen kennt, kann diese Teams als Gegner schon mal notieren.“ EM-Auslosung – die SZ schaut in die Sterne

„In Rostock, wo man gerne von der Hansa-Kogge spricht, die nach stürmischer Fahrt und gewaltiger Schieflage nun wieder ruhigeres Gewässer erreicht habe, darf man wohl sagen: Es war so peinlich für den VfB, als wäre die Titanic schon in Southampton an der Kaimauer zerschellt.“ Claudio Catuogno (SZ) über den frühen Stuttgarter 0:2-Rückstand in Rostock

„Diego wirkte wie der Dolch des Kalifen unter lauter stumpfen Kartoffelschälmessern.“ Ralf Lorenzen (taz) hebt beim 1:2 in Madrid den Bremer Spielmacher heraus

„Scheint ein echter Glücksgriff des so arg bespöttelten Dieter Hoeneß zu sein, dieser Lucien Favre, so eine Art Arsène Wenger für Leute mit 40 Mios Schulden.“ Volk ohne Raumdeckung

„Joachim Löws Popularität steigt und steigt, bald wird er womöglich den Eisbären Knut als beliebtesten Deutschen ablösen.“ Philipp Selldorf (SZ)

„Thierry Henry hätte vielleicht eine Vermisstenmeldung über Lautsprecher aufgeweckt, er schien über die Abfindungsklage seiner Ex-Frau zu meditieren: 15 Millionen Euro. Mindestens so viel verlieren auch die Italiener, wenn sie in Kiew nicht aufwachen und die Euro 08 am Strand erleben.“ Peter Hartmann (NZZ) über das 0:0 zwischen Italien und Frankreich

„The Cottbus keeper ran through the box like ‚a ballet dancer out of control‘ (SZ), completely missed the ball and ended up mounting his team-mate Igor Mitreski before Nicky Adler scored what would have been Nürnberg’s winning goal three minutes from time. But referee Knut Kircher disallowed it, having somehow seen a foul on the keeper beforehand. ‚We are not in England‘, Kircher said. That’s true. But with men like Piplica in goal, it’s easy to get confused.“ Raphael Honigstein in seinem Bundesliga-Blog im Guardian

„Wir warten inzwischen täglich auf einen Beitrag von Uli ‚Ich habe meiner Frau versprochen, kürzerzutreten‘ Hoeneß, und zwar dahingehend, dass die Verteilung der Fernsehgelder nun endlich weiter zugunsten der Bayern neu aufgeschlüsselt werden müsse, schließlich profitiere die ganze Liga von der Anwesenheit Ribérys, der FC Bayern bleibe aber allein auf den Kosten sitzen; das könne nicht sein.“ RundBlog

„Muss man jetzt eigentlich auch Hoeneß, van Bommel, Kahn und Rummenigge, Rummenigge all night long mögen oder reicht es, wenn man Ribéry und Altintop ganz gern spielen sieht?“ RundBlog

„Friedhelm Funkel hat eine Haarlocke von Uwe Bein unter seiner Trainerbank vergraben und auf einmal geht die Post ab.“ Volk ohne Raumdeckung warnt vor Eintracht Frankfurt 2007/08

‚‘1. Runde: Wacker Burghausen-Bayern München. Es wurden zwar interessantere Spiele ausgelost, aber der FCB kann das TV-Geld ja gut gebrauchen.“ TV Spielfilm

„Fußball in Freiburg erinnert derzeit stark an einen Asterix-Comic: Nach wilden Scharmützeln und perfiden Intrigen sitzen am Ende alle friedlich vereint am Lagerfeuer.“ Christoph Ruf (FR) untersucht die Stimmung beim SC in der Post-Finke-Zeit

„Ohne gegen Real oder die Real-Bosse nachzutreten, genoß er sichtlich seine letzte Pressekonferenz in Spanien – wie ein aus dem Bett geworfener Liebhaber, den die wankelmütige Geliebte plötzlich zurück unter die Decke locken will; und der nun schon eine andere hat.“ Christian Eichler (FAZ) über David Beckham

„Irgendjemand muß Hoeneß mal reinen Wein einschenken: Es gibt keine Stürmer in Paraguay. Noch nie hat es welche gegeben. Dieses Land ist das Waldhof Mannheim des Weltfußballs und bekannt für seine 10-Vorstopper-Taktik.“ Volk ohne Raumdeckung beim Anblick von Roque Santa Cruz, der vielleicht doch in München bleiben könnte

„Nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga hat sich ein Abstiegskandidat so souverän den Klassenerhalt gesichert wie der VfB Stuttgart.“ Stefan Hermanns (Tagesspiegel) schreibt den Stuttgartern nach ihrer Meisterschaft ihre schwierige Ausgangslage vor der Saison gut.

„Es kann nicht mehr ausgeschlossen werden, daß die Liga in der neuen Saison nur noch mit 17 Klubs antritt, weil der FC Bayern aus Versehen seine ganze Mannschaft entlassen hat. Jeder weiß, daß Uli Hoeneß im Grunde jeden seiner Spieler ganz tief im Herzen trägt, aber fürs Erste sind in Hoeneß‘ Herzen ein paar Plätze frei geworden.“ Christof Kneer (SZ) deutet die Ankündigung des Münchner Managers, seine Mannschaft radikal umzubauen.

„So verprügelt sind seit Obelix keine Römer mehr nach Hause geschickt worden.“ Christian Eichler (FAZ) über das 7:1 Manchester Uniteds gegen AS Rom

„Selten hat es so ungerecht ein so gerechtes Ergebnis gegeben.“ Peter von Becker (Tagesspiegel) bringt die Münchner Mischung aus nachteilhaften Schiedsrichterentscheidungen und sportlicher Unterlegenheit beim 2:2 in Mailand auf den Punkt.

„Madlungs Bemühungen gegen den ballführenden Grønkjaer blieben ein Akt des praktizierten Pazifismus, den man dem Kraftmeier gar nicht zugetraut hätte.“ Philipp Selldorf (SZ) beschreibt den deutschen Abwehrversuch vor dem Siegtreffer der Dänen.

„Mysteriös wie fast immer die Art und Weise, in der Frank Lampard und Steven Gerrard, einsame Größen in ihren Klubs, gemeinsam schrumpfen, als wär’s ein mathematisches Rätsel: Plus mal plus ergibt hier minus – oder maximal null.“ Christian Eichler (FAZ) kann die schwachen Leistungen der beiden englischen Stars in der Nationalelf nicht begreifen.

„Wembley und das Nationalteam, beide stehen für die fragile Größe von Englands Fußball – und dafür, wie verschwenderisch er zuletzt mit seinen Ressourcen umging: wachsende Kosten am Bau, schrumpfendes Können am Ball.“ Christian Eichler (FAZ)

„Wer mal die schwebende Jungfrau gesehen hat, kann über Kartentricks nicht mehr staunen.“ Ralf Wiegand (SZ) begründet, warum sich die verwöhnten Bremer Fans nicht mehr mit profanen Siegen zufrieden geben.

„Ronaldo ist, mit 30 Jahren, nicht mehr so schnell, daß er allen Fallenstellern entrinnen kann, aber immer noch ein großer Stürmer. Er läßt die Gegner an sich heran, in den Clinch, um sie zu täuschen, und das erinnert ein bißchen an den größten Boxer, an Muhammad Ali, der auch nicht mehr im Ring tanzte, als er älter wurde und mehr Fleisch auf den Rippen hatte, aber das untrügliche Auge behielt in jeder Situation.“ Peter Hartmann (NZZ)

„Nahezu alle Spieler teilten aus, einer bemühte sich aufrichtig um Frieden: Marco Materazzi. Seit er im WM-Finale mit Beleidigungen Zinédine Zidanes Kopfstoß und dessen Rote Karte provozierte, gilt Inters Verteidiger als das Böse im Fußball. In Valencia war er der Rest Vernunft im Irrenhaus. Oder war er nur beleidigt, dass auf einmal alle seine Rolle des Wilden wollten?“ Ronald Reng (Berliner Zeitung) über die Keilerei zwischen Valencia und Inter

„Real gegen Bayern, das verspricht eine Retro-Show zweier Mannschaften, die ungehindert vor sich hin oxidieren.“ Boris Herrmann (Berliner Zeitung)

„Es herrschte diese zirkusartige Menschen-Tiere-Sensationen-Stimmung, die typisch ist, wenn Bayern ein Auswärtsspiel verliert.“ Philipp Selldorf (SZ) beschreibt die Atmosphäre am Aachener Tivoli nach dem Sieg gegen München – und wirft einen Blick in die Zukunft: „Uefa-Cup, das ist für die seit einem Dutzend Jahren in Europas Spitzenliga beheimateten Bayern ein verlorener Ort wie die Wüste Gobi, in der kein Strauch wächst und kein Leben möglich ist.“

„Die Erklärungsversuche von Hoffmann und Beiersdorfer wirkten oft so, als würden Architekt und Bauleiter den Zusammensturz eines frisch renovierten Hauses dessen Mietern damit erklären, daß der Fensterputzer den falschen Glasreiniger aufgetragen habe.“ Mike Glindmeier (Spiegel Online) berichtet von der HSV-Mitgliederversammlung

„Thomas Dolls Bemerkung, man werde gegen Cottbus ‚ein Feuerwerk‘ abbrennen, erinnert an einen Schiffbrüchigen, der befragt, wie er gedenke, auf seiner Planke zu überleben, antwortet: Ich werde Schwanensee tanzen.“ Volk ohne Raumdeckung

„Die Hertha-Fans haben ihren Marcelinho immer geliebt. Er war immer ein Paradiesvogel, der Freude bereitete und dessen menschliche Schwächen deshalb gerne in Kauf genommen wurden. Eine Art Harald Juhnke des Berliner Fußballs.“ Peter Heß (FAZ)

„Das Rudolf-Harbig-Stadion ist gemauertes Präkariat.“ Aus einer SZ-Reportage über Dynamo Dresden und seine Fans

„Kristian Nicht irrte durch den Strafraum und wirkte dabei wie der Hauptdarsteller einer gemütlichen Partie Blinde Kuh.“ Ronny Blaschke (SZ) beschreibt das Verhalten des Aachener Torhüters vor dem 2:1 für Berlin

„Viele wissen nur dank Puskás, daß Ungarn auf der Welt leben.“ Der ungarische Schriftsteller Péter Zilahy (FAZ) zum Tod Ferenc Puskás‘

„Beim letzten Mal, vor fünf Jahren, hat der Trainer Bernard Dietz am Tag nach seinem Rücktritt im Autoradio gehört, daß der allzeit bereite Peter Neururer sein Nachfolger in Bochum wird; das war damals in etwa so, als würde die Planstelle von Mutter Theresa mit Jenny Elvers besetzt.“ Christof Kneer (SZ) über Dietz‘ Rücktritt in Ahlen

„David Beckham mit der B-Elf gegen einen Drittligaklub, das ist wie Robbie Williams im Musikantenstadl.“ Christian Eichler (FAS) frotzelt über die Nominierung des Real-Ersatzspielers im Pokalwettbewerb

„Noch wenige Tage zuvor hätte man eher den Papst nach seinem Lieblingsporno gefragt, als beim SC eine solche Frage auch nur zu denken.“ Christoph Ruf (FR) teilt verdutzt mit, daß man inzwischen in Freiburg fragen darf, ob Volker Finke noch lange Trainer sein werde

„Wie fast immer, wenn die Engländer aus ihrem System geholt werden, wirken sie wie Brustschwimmer, die plötzlich kraulen sollen – und die am Ende aus Angst vor dem Untergehen nur noch toter Mann machen.“ Christian Eichler (FAZ) prüft den Versuch des englischen Nationaltrainers McClaren, von Vierer- auf Dreierkette umzustellen

„Deutschen Molekularbiologen ist die Genpfropfung am ausgewachsenen Objekt geglückt: In München gelang es einem Forscherteam, das Effenberg-Gen auf den Nachwuchsspieler Lukas P. zu übertragen.“ Volk ohne Raumdeckung kommentiert das Zeichensetzen Podolskis beim Spiel gegen Georgien, das mit der Roten Karte quittiert worden ist

„Idomeneo wird abgesetzt, aber da geht’s um Pappmaché-Köpfe, die Polen aber, die sind echt, hoffentlich sehen die den Film nicht, die haben ja schon gerade genug an Günter Grass zu knapsen.“ Moritz Rinke (Tagesspiegel) über die Kabinenansprache Jürgen Klinsmanns vor dem Spiel gegen Polen, denen man „eins auf die Fresse geben“ solle.

„Die ehrliche Haut des FC Bayern changiert zwischen Fremdwörterdudenrot und dem Rot einer Chilischote.“ Andreas Burkert (SZ) schaut Uli Hoeneß nach der Niederlage in Wolfsburg auf die Birne

„Totale Dominanz ab der 86. Minute reicht heutzutage nicht mehr.“ Volk ohne Raumdeckung kommentiert das Schalker Ausscheiden im Uefa-Cup

„Die Atmosphäre wirkt oft, als warte man nur noch darauf, Hans Meyer von seinem Podium herabsteigen zu sehen, damit er er durch die Stuhlreihen der Journalisten schlendern kann, um ihre Notizblöcke auf Rechtschreibfehler zu prüfen.“ Oliver Trust (taz) über das Arbeitsverhältnis zwischen der Presse und dem überheblichen Nürnberger Trainer

„Einigermaßen irritierend, daß nicht Franz Beckenbauer den Papst willkommen hieß, sondern Köhler und Stoiber.“ Aus dem RundBlog

„Mit der Ära Faßbender endet verspätet die Ära Kohl.“ Christopher Keil (SZ) kommentiert den Eintritt des WDR-Sportchefs in den Ruhestand

„Es klemmt und hakt noch da und dort, aber es ramelowt und wörnst nicht mehr.“ Christof Kneer (SZ) über den neuen Entwicklungsstand der deutschen Elf nach dem 1:0 gegen Irland

„Klaus Augenthalers Stimme klingt, als hätte er vor langer Zeit einen elektrischen Rasierer verschluckt, dessen Batterie tief unten in ihm weiterläuft.“ Tobias Schächter (SZ)

„Für knapp Gescheiterte gibt es wohl kein verständnisvolleres Publikum als in Schalke.“ Michael Ashelm (FAZ) berichtet, wie freudig das Schalker Publikum beim Schweden-Spiel der deutschen Elf die „Weltmeister der Herzen“ empfängt

„Günther Koch schien unbedingt auf der Glatze Locken drehen zu wollen.“ Bernd Gäbler (Tsp) rollt mit den Augen, wenn er Koch kommentieren hört

„Im Grunde war dies der erste Kader in der DFB-Geschichte, der nicht vom Bundestrainer, sondern vom Bundespräsidenten zusammengestellt wurde.“ Christof Kneer (SZ) über den deutschen Kader für das Schweden-Spiel, der deswegen mit dem WM-Kader übereinzustimmen scheint, weil das Team zwei Tage vor dem Spiel von Horst Köhler mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet werden wird

„Benjamin Huggel saß während der WM zu Hause seine Sperre ab, weil er im Qualifikationsspiel den türkischen Kotrainer getreten hatte. So hatte er seine Ruhe und mußte gegen die Ukraine keinen Elfmeter verschießen.“ Stefan Tillmann (Tsp) berichtet von der Saisonvorbereitung Eintracht Frankfurts

„Zinédine Zidanes Tätlichkeit wurde von den einschlägigen Denkern schnell aufgegriffen und in der Deutung derart hoch angesiedelt, daß man sich mittlerweile fast schämt, selbst nie jemanden auf diese Weise zu Boden gestreckt zu haben.“ Hermann Unterstöger (SZ)

„Die letzte Karl-May-Generation in den Redaktionen erkürt die finale Kopfnuß zum Befreiungsakt des schönsten edlen Wilden nach Winnetou.“ Birgit Schönau (SZ) beschwert sich darüber, daß (nicht nur) deutsche Medien die Tätlichkeit Zidanes im WM-Finale zur Heldentat verklären

„Talkshows und Feuilletons, Pharisäer und Fußballversteher haben Zidane sozialpathologisch und individualpsychologisch auseinandergenommen und zum neuen James-Dean-Klischee zusammenargumentiert. Ein Rebell ohne Grund?“ Peter Hartmann (NZZ

„‘Killer‘ taufte ihn sein ehemaliger Mitspieler und Widersacher Lothar Matthäus, der als Kolumnist für Sport-Bild wie ein Schatten hinter Klinsmann herkommentierte und ständig seine Analysen revidieren musste, weil er alles falsch interpretiert hatte.“ Philipp Selldorf (SZ)

„Was Portugal als unterhaltsamste Mannschaft qualifiziert, kann nur gemutmaßt werden: am ehesten wohl die Bocksprünge des Trainers Scolari am Spielfeldrand.“ Matti Lieske (BLZ) pfeift auf die Entscheidung der WM-Jury

„Wenn ich sehe, was Andrea Pirlo am Ball kann, frage ich mich, ob ich überhaupt ein Fußballer bin.“ Gennaro Gattuso über seinen Kollegen

„Das Spiel um Platz drei ist so etwas wie ein Rausschmeißer-Frühstück.“ Peter Heß (FAZ)

„Nachdem Mertesacker von Cufre zwei Mal brutal getreten worden war, wollte der kräftige Asamoah die Gerechtigkeit in seine eigenen Hände nehmen. Wäre dieser unglaublich muskulöse Fußballer nicht von uns festgehalten worden, und wäre Cufre ihm in seine starken Hände geraten, hätte der Argentinier wohl ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.“ Lubos Michel, slowakischer Fifa-Referee, auf seiner Internet-Seite über das Handgemenge im WM-Spiel Deutschland – Argentinien

„Deutschland hat seine Flagge wiedergewonnen.“ Times

„Angekommen: Englische und australische Nationalelfen beziehen WM-Quartiere.“ Aus einer Meldung der DPA

„Die Stimmung war bis vor kurzem tatsächlich erschreckend mies in diesem Land. Dem durchschnittlichen Deutschen schien es schlechter zu gehen als dem durchschnittlichen Krebskranken. Das sind keine Vermutungen – wir haben die Stimmung des Volkes mit einem ‚Depressionsbarometer‘ über einen Test im Internet gemessen. Die Werte waren erschütternd.“ Fritz Simon, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten-Herdecke, in einem Interview in der SZ über die Stimmung vor der WM.

„Fabio Cannavaro sollte, wenn er nicht mehr Profi sein wird, auch eine gute Zukunft als Laternenpfahl haben: Man kann sich den Kopf an ihm einrennen.“ Ralf Wiegand (SZ)

„Dem deutschen Papst in Rom dürfte als Anhänger der Trinität eine doppelte Loyalität keinerlei Probleme bereiten.“ Dirk Schümer (FAZ) vor dem Halbfinale Deutschland gegen Italien

„Maradona hatte sich nach Braunbär Bruno zum wichtigsten Maskottchen der WM entwickelt.“ Peter Burghardt (SZ)

„Die Möglichkeit eines Schneiderschen Geistesblitzes opferte Klinsmann für den Nervensägeneffekt, den Odonkor bringen sollte.“ Philipp Selldorf (SZ) über die Einwechslung Odonkor/Schneider im Argentinien-Spiel

„Du hast keine Ahnung vom Fußball. Rot sollte man nur dann bekommen, wenn man einem Gegner das Bein bricht.“ Der Kannibale aus Hamburg (Boulahrouz) zu einem holländischen Reporter, der sein grobes Einsteigen gegen C. Ronaldo bemängelte.

„Fußball im Fernsehen, das ist Fußball mit Netzer und Delling. Das war immer so, das wird immer so bleiben. Keine Ahnung, wann es angefangen hat. Die älteren Kollegen jedenfalls schwärmen immer noch vom Auftritt der beiden 1954, nach dem Wunder von Bern.“ Benjamin Henrichs (SZ)

„Gott mag vielleicht ein Brasilianer sein. Aber der Teufel vermachte den Deutschen das Geheimnis des Elfmeterschießens.“ Aus einer portugiesischen Zeitung

„Podolski, ein sehr agiler Bursche, der im breitesten Kölner Dialekt parliert, hatte genauso wie der frankophone Tessiner Oliver Neuville die Metamorphose zum Deutschen mit einem Initiationsritus vollzogen, der wirksamer ist als jeder Eid auf die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland: Er heisst Elfmeterschiessen.“ Stefan Osterhaus (NZZ)

„Der einzige Spieler in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaften, der das Casting zum Glöckner von Notre Dame ungeschminkt gewonnen hätte, war Trifon Ivanov, 1994 einer der Stars des bulgarischen Teams.“ Christoph Biermann (SZ)

„Ecuador ist eine Mannschaft, die jeden Gegner wie ein vulgäres Team erscheinen lassen kann.“ Cesar Luis Menotti im SZ-Interview

„Das Café war voller Menschen, aber sie beachteten ihn kaum. Klose verändert nicht die Stimmung in einem Raum, den er betritt. Er verändert die Stimmung in einem Strafraum, den er betritt.“ Holger Gertz (SZ) aus einer Reportage über Miroslav Klose

„Früher war das oft ein Knochenjob, den man den Typen zuteilte, die groß und eckig waren wie ein Banksafe und die den Ball durch die Gegend traten, als wollten sie Blutrache daran üben. Im Fußball heutiger Prägung aber hat der Außenspieler eine immense Bedeutung, weil sich der Durchgangsverkehr in der Mitte ballt. Bei ihren Dribblings und Flanken nutzen Leute wie Lahm die Landstraße, wenn die Autobahn verstopft ist.“ Ludger Schulze (SZ) über das neue Anforderungsprofil eines Außenverteidigers (das so neu nicht ist)

„Fallrückzieher mag schwierig und gefährlich und überflüssig sein, doch er ist der Karneval des Spiels.“ Christian Zaschke (SZ)

„Brasilien in den Händen von Parreira aber ist, als würde man das aus Brasilien stammende Topmodel Giselle Bündchen mit einem Ganzkörperschleier über den Laufsteg schicken.“ Javier Cáceres (SZ)

„Die ruhmreiche Historie des Futebol verfügt über Kapitel barocker Kunst – und nur sehr wenige Episoden solcher Überheblichkeit wie sein fehlgeschlagener Versuch, aus 80 Metern Ghanas Torwart zu überwinden.“ Javier Cáceres (SZ) fordert von Roberto Carlos und seinen brasilianischen Mannschaftskameraden schönes Spiel

„Afrika hat auch in Deutschland für seinen Fußball getrommelt, auf den großen Paukenschlag muß es weiter warten.“ Roland Zorn (FAZ) kommentiert das Ausscheiden Ghanas, der letzten afrikanischen Mannschafts des Turniers

„Die Ukrainer haben sich ins Viertelfinale verlaufen.“ Peter Heß (FAZ)

„Angesichts der bedingungslosen Treue der Kölner zu ihrem Fußballklub hatte sich bei Streller wohl der Irrglaube eingeschlichen, dass die Kölner allen zujubeln, die hinter einem Ball herlaufen – und seien sie Mittelstürmer aus der Schweiz, deren Beiträge zum Spiel vor allem Stürmerfouls sind.“ Christoph Biermann (SZ) läßt Marco Strellers Beschwerde über die Lukas-Podolski-Sprechchöre der Zuschauer in Köln (Ukraine-Schweiz 3:0 n.E.) ins Leere laufen

„Subjekt, Prädikat, daneben! Warum kommt da nicht mehr?, verdammt! Man fühlt sich wie ein Kind, das von sadistischen Eltern ab und zu jähe Zuwendung erfährt – und sonst hundeeinsam bleibt.“ Alex Rühle (SZ) beschreibt seine Einsamkeit, während er ein Spiel beim Live-Ticker verfolgt

„Harald Stenger sieht nicht aus, als würde er sich von Klinsmanns amerikanischen Fitnesstrainern traktieren lassen, rein phänotypisch liegt er etwa auf halber Strecke zwischen Ronaldo und Ottfried Fischer.“ Benjamin Henrichs (SZ) über den deutschen Mediendirektor

„Es wäre einfacher, wenn Sie auch ein gelbes Trikot anziehen.“ Ratomir Dujkovic, ghanaischer Trainer, zum Schiedsrichter Lubos Michel während des Spiels gegen Brasilien

„Wenn Jürgen Klopp sinnenfroh losröhrt, könnte man meinen, nicht Goleo, der geschlechtslose Löwe, sei das Maskottchen dieser WM, sondern Priapus, der griechische Gott der Fruchtbarkeit, der Gott mit dem allzeit gereckten Glied.“ Benjamin Henrichs (SZ)

„Berlin-Mitte, vier Damen in Berufskleidung, in der sie auch in Nicht-WM-Zeiten Geld verdienen, sind auf dem Weg zu ihrem Straßenstandort. Von der anderen Straßenseite grölen vier betrunkene Fußballfans: „Hallo, ihr NUTTEN …!“ Darauf die Damen: „Hallo, ihr FREIER …!“ Das ist WM.“ Aus der taz / magische Momente

„Vor vier Jahren hab ich gesagt, ich fühle mich als Südkoreaner. Ich will niemanden veralbern. Ich bin ein Bauernjunge, der gerne durch die Welt reist. Aber ich bin Holländer.“ Guus Hiddink auf die Frage eines australischen Journalisten, ober sich als Australier fühle

„Das war ein Superball von Bernhard Odonkor.“ Oliver Neuville zum deutschen 1:0 gegen Polen

„Den Treffer für die US-Boys schaffte ein Italiener: Zaccardo eigentorte durch friendly fire.“ Bernd Müllender (taz) führt die Kriegsmetaphorik einiger Spieler fort

„Er hat kein europäisches Torwartspiel, da könnte er auch Brasilianer sein oder einfach ein Zirkusartist. Atemstillstände auf der Trainerbank dürfte seine Attitüde auslösen, den Ball gerne mit einer Hand aus der Luft zu löffeln, wobei er in seinem Strafraum einem Kellner ähnelt, der ein Tablett durch ein voll besetztes Lokal balanciert.“ Ralf Wiegand (SZ) über den angolanischen Tormann Ricardo

„Was sie haben: Fußball. Was sie nicht haben: Fieber. Blasen. Schwindelanfälle. Den besten der Welt. Ein magisches Quadrat. Disco-Besuche. Wortgefechte mit dem Präsidenten. Ärger mit der Presse.“ Die brasilianische Zeitung O Globo schaut neidisch auf Argentinien

„Was den Deutschen die schwarzrotgoldenen Fans sein werden, sind für die Südamerikaner die Milliarden roter Blutkörperchen, die sie aus den Anden mitgebracht haben: der zwölfte Mann.“ Timo Frasch (FAZ)

„Sachbeschädigung an Pkw – Beckham, Rooney und Owen festgenommen.“ Eine Pressemitteilung der Dresdner Polizei, die drei neuseeländische Randalierer in englischen Trikots erwischte

„Wer ein paarmal Italiens Nationalelf beobachtete, begreift, daß wohl schon die alten Römer den Catenaccio erfanden – man ahnt die zähe Organisation, mit der ihr Weltreich einen knappen Vorsprung viele Jahrhunderte lang verteidigte. Und wer sich an ein paar herausragende Partien der deutschen Mannschaft erinnert, hat vielleicht auch eine Ahnung davon, mit Hilfe welcher germanischen Tugenden der Teamchef Arminius die Italiener damals bei deren Auswärtsspiel bei Bielefeld so auseinandernahm.“ Christian Eichler (FAZ)

„Peter Crouch, mit Beinen wie Salzletten und einem schmalen, irrsinnig langen Oberkörper von der Form des New Yorker Empire State Buildings, sah nie wie ein Kicker aus.“ Raphael Honigstein (Tagesspiegel)

„Man muss sich um alles kümmern. Sie müssen hinter dem Koch stehen und ihm sagen, hey, nimm die Fliegen vom Fleisch, bevor du es in der Pfanne umdrehst.“ Winfried Schäfer in der Stuttgarter Zeitung über das Anforderungsprofil eines Trainers in Afrika

„Ali Daei bewegte sich in der zweiten Hälfte nur noch mit der Rollgeschwindigkeit eines Perserteppichs über den Platz. Der inzwischen 37 Jahre alte Torjäger soll laut offizieller WM-Statistik bei 1,92 Metern Länge 80 Kilogramm auf die Waage bringen – wenn das stimmt, dann hat Ronaldo die Magersucht.“ Christian Eichler (FAZ)

„In der Schlange, in der das Temperament verteilt wurde, stand Tim Borowski damals nicht an; vermutlich hatte er keine Zeit, weil er gerade in jener Schlange anstand, in der das Gefühl im Fuß verteilt wurde.“ Christof Kneer (SZ)

„Am Ende der WM 2002 hätte Michael Ballack eine Auszeichnung als ‚most valuable invalid‘ der Weltmeisterschaftsgeschichte verdient gehabt.“ Ludger Schulze (SZ) zur Wade der Nation

„Innerhalb des Brauchs haben die Fans durchaus Gespür. Wenn zum Beispiel DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sich anschickt, was auch immer zu übergeben, erreicht der Lärmpegel größte Höhen.“ Christian Zaschke zum Fan-Brauch den Offiziellen, der eine Übergabe vornimmt, auszupfeifen

„Zugegeben, die Abwehr tat sich schwer, die komplexen Einfallvektoren der italienischen Stürmer zu berechnen, und wenn der Torwart Richard Kingston nicht gerade große Knaller entschärfte, flatterte er an Flanken vorbei wie eine taube Fledermaus.“ Raphael Honigstein (SZ) zur Abwehrleistung der Ghanaer

„Nirgendwo sehe ich das Turniermotto ‚Die Welt zu Gast bei Freunden‘ so konsequent umgesetzt wie im deutschen Strafraum.“ Friedrich Küppersbusch in der taz

„Manche dachten, auf dem oberen Balken könnte der TV-Trainer Jürgen Klopp taktische Anweisungen ins laufende Spiel einblenden, die dann direkt an Arne Friedrich übermittelt würden; das ist nicht der Fall – niemand gibt Arne Friedrich taktische Anweisungen.“ Ralf Wiegand (SZ) über das Mißverständnis, das das 16:9-Format auslösen kann

„Klinsmann ist eine ‚chinesische Drei‘, wenn man an Karma glaubt, ist das ein gutes Zeichen.“ Herbert Grönemeyer zu den Vorzeichen für die deutsche Nationalmannschaft

„Eine Pornodarstellerin müsste sich genieren, verglichen mit diesen seltsamen Torschützenorgasmen“ Philosoph Peter Sloterdijk zum Torjubel der Fußballer

„Ich schätze Jens Lehmann nicht nur als Spieler, sondern auch als ganz eigenständige Persönlichkeit. Er ist mit Mülltrennung aufgewachsen – was für manche ja heute noch ein Problem ist.“ Ein sehr schönes Lob von Claudia Roth an Jens Lehmann.

„Sie nennen ihn zwar den Prinzen, aber eigentlich ist er längst König, Gott und Marsmensch.“ Boris Herrman (BLZ) kommentiert die Haltung der Kölner zum Thema Podolski.

„Es nennt sich ‚Bud‘, kommt aus den USA und wird aus Reispampe zubereitet – igitt! Wolfgang Hettfleich zum Thema Bier bei der WM.

„Wenn man einem arglosen Passanten einen nassen Fisch um die Ohren haut, mag er überrascht sein. Aber es ist keine Geheimwaffe.“ Ein englischer Sport-Kommentator zu Theo Walcott, der angeblich Eriksson´s Geheimwaffe ist.

„Eine schlechtere Presse als Goleo hatte in jüngster Zeit wohl nur der Kannibale von Rotenburg.“
Christian Gottwalt (SZ-Magazin)

„Ja, haben die denn keine Stiftung Warentest?“
Birgit Schönau (SZ) zum italienischen Schiedsrichter-Skandal

„Er dürfte auch den groben Umgang auf dem Platz erklären, insgesamt gab es elf gelbe Karten, so manche Grätsche und Ellbogenaktion hätte auch gut in ‚Kill Bill‘ von Quentin Tarantino hineingepasst.“
Javier Caceres (SZ) über den Motivationsschub der Wolfsburger vor dem letzten Saisonfinale

„Sowie man Kirche und Staat trennen sollte, sollte man auch Fußball und Staat trennen.“ Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit

„Parreira weiß nicht, wen er auf die Bank setzen soll; Klinsmann weiß nicht, wen er aufs Feld schicken soll.“ Otto Pfister, Nationaltrainer Togos

„Fußball ist die einzige Religion, in der es keine Atheisten gibt.“ Johannes B. Kerner

„Bayern München, der berüchtigte FC Festgeld, hat sich zur XX. nationalen Meisterschaft – nun ja: geschlichen.“ Aus dem Streiflicht der SZ

„Wenn alles gut geht, wird der FC Bayern bald ein Lokalderby gegen seine eigene Zwangsinvestition spielen.“ Thomas Hahn (SZ) über die neue Harmonie zwischen Bayern und Sechzig

„Ja, ich habe ihn berührt, aber es war kein Elfmeter, es war Lincoln.“ Der Bremer Daniel Jensen kommentiert eine Strafraumszene aus dem Spiel gegen Schalke

„Wenn wir Uefa-Cup-Sieger werden, ist das eine Nikolausfeier, aber keine Weihnachtsfeier.“ Rudi Assauer

„Kahn hat immer zerfressener gewirkt und zunehmend einem Nussknacker geähnelt, dem gerade sämtliche Zähne ausgefallen sind.“ Matti Lieske (Berliner Zeitung)

„Oliver Kahn hielt nichts in der Allianz-Arena.“ Elisabeth Schlammerl (FAZ)

„Isigreddidschdadion, das kommt selbst gutwilligen Mittelfranken nur unter größten Mühen über die Lippen.“ Gerd Schneider (FAZ) über die Artikulationsprobleme der Nürnberg-Fans mit dem neuen Stadionnamen

„In der Champions League läuft der Ball viel kultivierter durch beide Seiten, Premier-League-Akteure erleben sie quasi als verkehrsberuhigte Zone.“ Raphael Honigstein (SZ) vergleicht die Härte der englischen ersten Liga mit der der europäischen.

„Obwohl sie fast so unbeschwert wie ein Gruppe ambitionierter Freizeitkicker daherkommen, wollen die Amerikaner kein sportliches Care-Paket für die schwermütigen Deutschen schnüren.“ Richard Leipold (FAZ) vor dem Länderspiel Deutschlands gegen die USA

„Wenn einer aus 300 Metern Höhe vom Himmel fällt, ist es 299 Meter lang möglich, dass ihm nichts passiert. So denken auch die Trainer Hanspeter Latour und Jürgen Kohler.“ Marc Schürmann (FTD)

„SPD und Union, Merkel und Müntefering schieben sich untereinander im Mittelfeld die Bälle zu wie seinerzeit Österreich und Deutschland 1982.“ Christoph Schwennicke (SZ)

„Wäre eine Historikerin in ähnlicher Weise dem Arbeitsprinzip Versuch und Irrtum gefolgt, sie hätte den Abschluß des Westfälischen Friedens ins Westfalenstadion verlegt.“ Peter Heß (FAZ) über die Leistung der Spieler beim 0:0 zwischen Stuttgart und Dortmund

„Wie nur soll man dieses Spiel begreifen? Es war, als hätten wir aufs Rote Kreuz geschossen.“ Corriere della Sera über das 4:1 Italiens gegen Deutschland

„Fabian Ernst hatte nicht mitgewirkt beim 1:4 gegen Italien, ein glücklicher Umstand, der sich eines Tages noch förderlich auf seine Karriere auswirken könnte, falls der nächste Arbeitgeber fragt: Waren Sie damals dabei in Florenz?“ Philipp Selldorf (SZ)

„Mit sieben Platzverweisen aus acht Spielen im Kalenderjahr 2006 wirkt die Berliner Selbstgeißelung wie eine freudsche Massenflucht; die Spieler haben offenbar nicht mehr viel Spaß auf dem Platz.“ aus der Süddeutschen Zeitung

„Daß schlaff herabhängende Luftschlangen auch einen deprimierenden Eindruck hinterlassen können, scheint dieser Tage niemand zu bemerken im Wolken-Geißbockheim.“ Thomas Klemm (FAZ) über den Kölner Hoffnungsimpuls Karneval

„Der 1. FC Köln bekommt in Gladbach alles, was man im Abstiegskampf nicht gebrauchen kann: Niederlage, Platzverweis und Lob vom Gegner.“ aus der tageszeitung

„Watzke bringt BVB in stabile Seitenlage“ Schlagzeile aus der Financial Times Deutschland zur gelungenen Erste-Hilfe-Maßnahme des Dortmunder Geschäftsführers

„Einige Spieler veruschten, möglichst ungefragt zu verschwinden, denn etliche Tore kamen nur aufgrund so haarsträubender Fehler zustande, dass man hätte fragen können: ‚Und was machen Sie beruflich?‘“ Christoph Biermann (SZ) über die „Abwehrspieler“ aus Leverkusen und Schalke

„Zum Schluss schien es, als wolle er zeigen, dass man Spiele gewinnen kann, ohne ein Tor zu schießen.“ Bernd Dörries (SZ) über Giovanni Trapattoni

„Irgendwie scheint Frieden ausgebrochen zu sein.“ Freddie Röckenhaus (SZ) vermisst die Sticheleien zwischen Dortmund und Schalke

„Raphael Wicky kommt selten vor in den Spielstatistiken, was womöglich daran liegt, dass noch niemand die Rubrik Pässe über dreimeterachtzig erfunden hat.“ Christof Kneer (SZ)

„Wir wollen die Bayern durch eine couragierte Leistung auf unser Niveau runterholen.“ Jürgen Klopp

„Der bullige Lucarelli blühte auf wie ein Bolschewik beim Klassenkampf.“ Dirk Schümer (FAZ) über den erfolgreichen Stürmer des AS Livorno

„Michael Meier ist ja begeisterter Kölner, so sehr, dass er zu seinem 50. Geburtstag im Westfalenstadion die Kölner Kultband ‚Höhner‘ antreten ließ. Wer da noch an Kompetenzen zweifelt, hat das Spiel nicht begriffen.“ Thomas Kistner (SZ) macht sich lustig über die Verpflichtung des „Moneten-Meiers“

„In der Bundesliga ist es offenbar wie in einem kitschigen Roman. Jedes Ende, wie schrecklich auch immer, kann ein Anfang sein.“ Richard Leipold(FAZ) über Meiers Comeback

„Man kann nicht sagen, dass Oliver Reck ein großer Fehler unterlaufen ist; er stellte elf Leute auf den Platz, setzte sich auf die richtige Stelle der Trainerbank, rechtfertigte die Niederlage mit angemessenen Worten und verzichtete auf eine Ehrenrunde.“ Bernd Dörries (SZ)

„Es darf als die Nachricht dieser Auslosung gelten, dass mindestens ein Platz im Endspiel wieder frei ist.“ Christof Kneer (SZ) über das Los Chelsea gegen Barcelona

„Fußball wäre wohl kaum derart populär, wenn seine großen Duelle nicht schon vorher in den Köpfen der Menschen ausgespielt werden könnten.“ Roland Zorn (FAZ)

„Montevideo, Sydney, Eindhoven, Gelsenkirchen – das wird eine schöne Reisekostenabrechnung. Guus Hiddink: so viel fliegender Holländer war nie.“ Christian Eichler (FAZ) über das Miles&More-Programm des Trainers von Eindhoven und Australien

„Unmittelbar nach solchen Spielen wirkt Uli Hoeneß wie eine wütende Bärenmutter, deren Kindern man zu nahe gekommen ist, und genauso erfolgversprechend könnte man im Fall der Fälle eben der Bärenmutter damit kommen, daß man ja nur Fotos machen wolle: ‚Das ist eine Digitalkamera, ich zeig‘ dir mal die Bilder.‘“ Peter Penders (FAZ) über die Reaktion des Bayern-Managers nach dem Last-Minute-Sieg in Bielefeld

„Die Spieler sind noch nicht von Morbus Kahn befallen und gucken einem beim Gespräch in die Augen.“ Bernd Müllender (taz) beschreibt die Höflichkeit der deutschen U21-Nationalspieler

„Michael Ballack war der mutmaßlich beste Invalide, der je eine WM spielte.“ Christof Kneer (SZ)

„Miroslav Klose wirkt, als könne er auch nach 128 Minuten noch Medizinbälle ins Publikum schießen.“ Frank Heike (FAZ) beim Pokalspiel Bremen gegen Wolfsburg

„Unter den Zuschauern war Lorenz-Günter Köstner, vor acht Jahren mal in den Diensten des 1. FC Köln. Er freute sich vehement über die Führung der Frankfurter und reagierte enttäuscht, als Köln der Ausgleich glückte. Reichlich auffällig für einen Trainer auf Stellensuche.“ Hans-Joachim Leyenberg (FAZ) erspäht einen Geier

„Maskottchen Goleo hat sich immer noch nicht entschieden, ob es Löwe, Bär oder Hornochse ist.“ Andreas Lesch (BLZ 13.10.)

„Robbie Williams saß da bei seiner eigenen Pressekonferenz so eingepflastert mit den Logos seiner neuen Werbepartner wie ein Zweitligatrainer im Deutschen Sportfernsehen.“ Peter Richter (FAZ 11.10.)

„Zum Kick-off der europäischen Klub-Saison, seit 1998 im monegassischen Fürstentum ausgeführt, ist das zweiköpfige Führungsteam des FC Thun erstmals eingetaucht in den erlauchten Kreis der kontinentalen Fussballprominenz mit all ihren begleitenden Schmarotzern.“ Felix Reidhaar (NZZ 26.8.) über die Auslosung der Champions-League-Gruppen in Monaco

„Beim Platzverweis für Mitspieler Sinkala schimpfte Ersatzkapitän Lukas Podolski schon so gekonnt auf den Referee ein, als ob es ihm Michael Ballack im Nationalteam beigebracht hätte.“ Philipp Selldorf (SZ 18.8.)

„Ich könnte nie etwas schlechtes über meine Kindheit sagen. Die ganze DDR-Förderung, die Kinder- und Jungsportschulen, das war super. Vielleicht habe ich kein Hanuta bekommen, aber das war nicht so wichtig.“ Marko Rehmer im FR-Interview, gefragt nach seiner Vergangenheit

„Eine Halbzeit lang hatte der FC Schalke derart eingebungsreich harmoniert, dass die ultradefensiven Stuttgarter des einschlägig verrufenen Giovanni Trapattoni in ihren metallic-farbenen Hemden noch viel mehr aussahen wie die fußballerischen Wiedergänger der ebenfalls grau gekleideten Zeiträuber aus Michael Endes Momo.“ Javier Cáceres (SZ 4.8.) über das Ligapokal-Finale

„Borussias PR-Abteilung verklärt das 0:0 mit einem Fazit, das bereits wie ein Vorgriff auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf anmutet: „BVB ohne Niederlage aus dem UI-Cup ausgeschieden.““ Freddie Röckenhaus (SZ 25.7.) nach Dortmunds Scheiden aus dem UI-Cup

„Adrianos Schüsse muten nicht zufällig so hart an wie das Leben in den Favelas von Vila Cruzeiro, der Siedlung im Norden von Rio de Janeiro, wo seine Kindheit verlief. Als er gegen Argentinien den Ball erstmals versenkte, hatte er nicht ausgeholt, er hatte sein linkes Bein durchgeladen – und die Frisur von Torwart Germán Lux mit dem Fahrtwind des Balles durcheinander gebracht.“ Javier Cáceres (SZ 1.7.)

„Sepp Blatter, Beckenbauers Stellvertreter auf Erden“ Philipp Selldorf & Christof Kneer (SZ 30.6.)

„Kahn akzeptiert, jedoch mit einem Knirschen der Zähne, das von Leipzig bis Fröttmaning zu hören ist.“ Matti Lieske (taz 29.6.) über die Torwartrotation

„Das Spiel um Platz drei genießt unter Fußballern ähnliche Wertschätzung wie eine Aduktorenzerrung oder Hammerzehen.“ Ludger Schulze (SZ 27.6.)

„Inzwischen ist es schon so, daß Franz Beckenbauer sich im Hubschrauber unterwegs selbst zuwinkt.“ Oskar Beck (Welt 20.6.) über die Allgegenwärtigkeit des OK-Chefs, Bayern-Präsidenten, Bild-Kolumnisten, Testimonials, Ex-Weltmeisters, Kaisers, Anwärters auf den Uefa-Vorsitz

„Thomas Strunz wirkt, als wäre Christof Schlingensief an die Spitze des Diplomatischen Dienstes gerückt: Weil Scheppern zum Handwerk gehört, ist kein Porzellan vor ihm sicher.“ aus der Welt am Sonntag

„Dass Japan bei der WM 2006 mitmachen darf, gebietet der Anstand; immerhin waren die Japaner so freundlich, eine Ehefrau für Pierre Littbarski zu finden.“ Boris Herrmann (BLZ 10.6.)

„Ein Wunder, dass Jens Lehmann beim Feuerwerk nicht mit der letzten Rakete in den Orbit geschossen wurde.“ Jan Christian Müller (FR 2.6.) über die Beziehung der Gastgeber aus München zu Lehmann

„Für die Einheimischen ist die Allianz-Arena ein Rad vom Großen Wagen, das vom Himmel nicht zufällig in ihre grüne Mitte fiel.“ Barbara Klimke (BLZ 31.5.)

„Die Rückrunde der Wolfsburger bewegte sich am Rande der Regressansprüche.“ Nach der Kündigung – Javier Cáceres (SZ 30.5.) verweist auf Erik Gerets‘ Misserfolg

„11 der 20 Spieler, die im Aufgebot stehen, bildete Barca selber aus. Davon redet Karl-Heinz Rummenigge nie, wenn er sagt, die Bundesliga brauchte mehr Geld vom Fernsehen, um wie Barca Stars kaufen zu können.“ Ronald Reng (SZ 17.5.)

„Es stritten Puristen und Geldmenschen, einer von ihnen ist Franz Beckenbauer, der die Debatte bald satt hatte und sagte, es werde sich doch ein Terrorist finden, der das alte Stadion in die Luft jagt. Franz Beckenbauer hat so oft in diesem Stadion gespielt und so wenig von diesem Stadion begriffen.“ Holger Gertz (SZ 13.5.) erinnert sich an die Diskussion über den Umbau des Münchner Olympiastadions

„Stünden nicht noch die Scharmützel um Podestplätze an, über die letzten zwei Spieltage der Bundesliga legte sich die Spannung eines nordkoreanischen Wahlabends.“ Markus Völker (taz 9.5.)

„Ailton ist die deutsche Sprache nicht viel geläufiger als dem Pinguin das Fliegen.“ Christoph Biermann (SZ 7.5.)

„Konzeptfußball ist, wenn ein Team gewinnt und man sich keinen Spieler merken kann.“ Christian Eichler (FAZ 23.4.) in seiner sehr schönen, samstäglichen Wortschau

„Marcelinho dürfte einer der letzten Spieler des Planeten sein, die in völliger Freiheit agieren dürfen, er ist ein Planet mit zehn Satelliten.“ Javier Cáceres (SZ 22.4.)

„Eines kann der Borussia niemand vorwerfen: Sie habe keine Arbeitsplätze geschaffen.“ Klaus Hoeltzenbein (SZ 19.4.) blickt auf Gladbachs Transferpolitik zurück

„Nur wenn die Stimmen in Simbabwe ausgezählt würden, könnte ein anderer die Spielerwahl gewinnen.“ Der Telegraph tippt auf Frank Lampard als Englands Spieler des Jahres

„Da spielt man am Samstagnachmittag gegen einen, der vormittags noch beim Bärenjagen war.“ Sebastjan Cimirotic, slowenischer Nationalspieler, über das Amateurhafte der slowenischen Liga

„Dick Advocaat hat fast mehr Fußballer als Punkte geholt.“ Javier Cáceres (SZ 21.3.)

„Ein Wirtschaftsunternehmen, das Hosenknöpfe, Bulldozer oder Event-Jets produziert, wäre spätestens am gestrigen Montag insolvent gewesen.“ Klaus Hoeltzenbein (SZ 15.3.) kommentiert die Abwendung der Dortmunder Insolvenz

„Das Team riecht neben dem Rasen nach Parfüm und auf dem Spielfeld nach Mottenkugeln.“ Peter Burghardt (SZ 11.3.) über Real Madrid

„Ronaldinho wirkte dabei wie eine Tipp-Kick-Figur, der der Herrgott auf die Schädelplatte haut.“ Klaus Hoeltzenbein (SZ 10.3.) schildert Ronaldinhos zauberhaftes Tor gegen Chelsea

„Er sah so gut aus, dass schon damals, als er in Portugal noch Turnlehrer war, kein Mädchen mehr mit Ausreden dem Unterricht fernblieb.“ Heinz Stalder (NZZ 4.3.) über José Mourinho

„Franz Beckenbauer redet sehr viel, man weiß das, und meistens ziehen seine Sätze einfach weiter, wie eine der acht Millionen Schäfchenwolken über der Biskaya.“ Andreas Burkert (SZ 24.2.) misst die Nachhaltigkeit Beckenbauer’scher Urteile

„Borussia Dortmund ist so hoch verschuldet – Gerd Niebaum will demnächst als Schiedsrichter arbeiten, um dem Verein zu helfen. Borussia Dortmund ist so hoch verschuldet – man nennt es bereits ‚das Schalke 04 in Schwarz-Gelb‘.“ Harald Schmidt (9.2.)

„Wem soll man glauben, wenn nicht mal mehr die Schwalben echt sind?“ Klaus Hoeltzenbein (SZ 2.2.) wundert sich über den bestochenen Paderborner Thijs Waterink

„Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.“ Rudi Assauer kommentiert den Fall Hoyzer

„Ich war in der Bremer Kabine, um Schokolade zu essen.“
Ailton nach dem Sieg gegen seinen Ex-Klub

„Eigenlob stinkt, mag sein, aber riechen müssen es die Verfolger.“ Raphael Honigstein (SZ 3.1.) über José Mourinho, den selbstbewussten Trainer des englischen Tabellenführers Chelsea

„Sie entdeckten einst den rothaarigen Argentinier Sensini, den Verteidiger mit dem Taktik-Chromosom.“ Peter Hartmann (NZZ 21.12.) über das Scouting Udineses

„Der Höhepunkt war während der EM gegen Lettland erreicht, als er Sekunden vor dem Abpfiff aus formidabler Position vorbeiköpfelte wie ein Fußgänger, dem ein Blumentopf auf den Kopf fällt.“ Ludger Schulze (SZ 18.12.) über Miroslav Kloses Formtief

„Ich werde keine Tore versprechen. Ich verspreche nur, zu rennen wie ein Schwarzer, um morgen leben zu können wie ein Weißer.“ Samuel Eto‘o, Kameruns Internationaler, bei seinem Antritt in Barcelona

„Owen Hargreaves und Torsten Frings verhielten sich im Duell mit Zlatan Ibrahimovic nach dem Prinzip der trotteligen Polizisten im Lustspiel: Gegenseitig hauen sie sich mit dem Knüppel auf den Kopf, während ihnen der Dieb durch die Beine flutscht.“ Philipp Selldorf (SZ 5.11.)

„Was Oliver Neuville in diesen Wochen auf dem Fußballplatz leistet, hat Hand und Fuß.“ Thomas Klemm (FAZ 19.10.)

„Fans von Borussia Dortmund dürften in diesem Jahr mehr betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse erworben haben als mancher BWL-Student.“ Freddie Röckenhaus (SZ 7.10.)

„Vor dem Strafstoß zum dritten Streich des Roy Makaay durchströmte ein erwartungsfrohes Raunen das Münchner Olympiastadion, als hätte Sir Simon Rattle das Podium betreten, den Dirigentenstab gehoben und seine Berliner Philharmoniker auf ein großes Konzert eingestimmt.“ Roland Zorn (FAZ 30.9.)

„Endlich fängt der Europapokal wieder an, jene Volksbildungseinrichtung, die in ihr fünfzigstes Schuljahr geht. Seit einem halben Jahrhundert hat sie Tausenden von Fußballern und Millionen von Fans Horizonte erweitert und neue Lösungen für Stadt-Land-Fluß geschenkt.“ Christian Eichler (FAZ 13.9.)

„Ronaldinho versteinerte Oliver Kahn.“ Spaniens Sport-Zeitschrift AS beschreibt das Freistoßtor des Brasilianers beim 1:1 in Deutschland.

„Ach, Leverkusen! Dass Völler auch dort ein Angebot hat, wissen sie in Rom. Aber Leverkusen! Völlers Frau Sabrina ist Römerin. Und in einer Stadt, in der es gute Sitte ist, der Ehefrau erst nach Vollendung des 70. Lebensjahres zu widersprechen, haben sie zwei und zwei zusammengezählt.“ Birgit Schönau (SZ 31.8.) rechnet mit einem Engagement Rudi Völlers in Rom.

„Es wird spannend zu beobachten sein, ob das bisherige Rauchverbot im VIP-Raum von Jahn Regensburg nicht nur für den Bürgermeister, die Sponsoren oder sonstige Häppchenjäger gilt – sondern auch für IHN, den bekanntesten Fußballprofi unter den Rauchern.“ Steffen Gerth (SpOn) sorgt sich um Mario Basler

„Sepp Herberger wollte das Amt. Er wollte es mit aller Macht. Herberger intrigierte und antichambrierte, und als er seinen Freund und Förderer Otto Nerz endlich als Reichstrainer des DFBs ablösen konnte, soll Nerz über seinen Trauzeugen gesagt haben: ‚Ich habe an meinem Herzen eine Natter großgezogen und habe es nicht gewusst.‘“ Stefan Hermanns (Tsp 23.7.)

„Theodoros Zagorakis – wie ein Dieter Eilts, der Fußball spielen kann, schloß der Mittelfeldspieler jede Lücke im Defensivverbund der Griechen.“ Peter Heß (FAZ 6.7.)

„Rehhagels gut organisiertes und sehr ballsicheres Team wendet in der eigenen Zone eine Manndeckung an, die man in dieser Art im Antiquariat der Fussballgeschichte zu wissen glaubte.“ Peter B. Birrer (NZZ 3.7.)

„Wer mit den Großkopferten in München klargekommen ist, wird auch mit den Verhältnissen im DFB klarkommen.“ Michael Meier (FAZ-Interview 2.7.), Manager Borussia Dortmunds, wirbt (weiterhin) für Ottmar Hitzfeld

„Jedes Mal, wenn die Elftal den Rasen betritt, stehen zwei Gegner auf dem Platz: elf Spieler in kurzen Hosen und eine große, schrecklich-schöne Idee – das Primat des ästhetischen Spiels.“ Raphael Honigstein (taz 2.7.) beschreibt die Last der Holländer

„Das Berufsbild des griechischen Stürmers sieht viel vergebliche Laufarbeit vor.“ Peter Heß (FAZ 30.6.) leidet mit Angelos Charisteas

„Wir haben gespielt wie die Deutschen.“ Aimé Jacquet, Trainer des französischen Weltmeister- und Europameisterteams von 1998 und 2000, fällt ein Urteil über das ausgeschiedene Frankreich, das an Schärfe nicht zu überbieten ist.

„Oliver Kahn schaut aus Eiswürfelaugen an den Reportern vorbei. Wenn er gewonnen hat, lässt ihn das wirken wie einen, der von weither kommt und größere Weisheiten im Gepäck hat. Wenn er verloren hat, wirkt seine Abgehobenheit wie Pose – dahinter nichts als Ratlosigkeit.“ Holger Gertz (SZ 25.6.)

„Tschechiens Aufstellung las sich wie ein Druckfehler.“ Süddeutsche Zeitung (24.6.)

„Gratuliere Italien, Ihr habt richtig getippt.“ Die schwedische Zeitung Aftonbladet nach dem 2:2 zwischen Schweden und Dänemark

„Jeden Tag, den dieses EM-Turnier andauert, entdecken die Schweden ihre Möglichkeiten.“ Oliver Trust (Tagesspiegel 21.6.)

„Dass die gewieften Schweden aus Angst vor den Helden der Serie A auseinander klappen wie ein Ikea-Regal nach Ablauf der Garantiefrist, ist nicht anzunehmen.“ Raphael Honigstein (FR 16.6.)

„Galt das schwedische Angriffsspiel bis vor kurzem als zu dünn besetzt, so funktionierte es beim ersten EM-Spiel unkomplizierter als die Montage eines Billy-Regals.“ Thomas Klemm (FAZ 16.6.)

„Larsson, obwohl Elfmeterschütze im Team, überließ den Strafstoß seinem Sturmpartner Zlatan Ibrahimovic nach dem Motto: Denkst du noch oder schießt du schon?“ noch mal Thomas Klemm

„Traumtore von Larsson: „Ikea-Bomber“ vermöbelt Bulgarien.“ Bild (15.6.)

„Eine österreichische Zeitung schrieb, Freddie Ljungberg sei „wie Klippan, das meistverkaufte Sofa von Ikea: typisch skandinavisch – modisch-lässig, aber standfest, sieht mit jedem Bezug gut aus“.“ Christian Eichler (FAZ 18.6.) hilft beim Stöbern

„Ronaldo ist kein Mensch, sondern eine Herde.“ Jorge Valdano, Sportdirektor Real Madrids

„Die Dinge des Lebens hängen manchmal enger zusammen, als man glauben mag: Mit jedem Ortsgespräch über die Deutsche Telekom unterstützt man den FC Bayern, der für T-Com werbend kickt. Und wer mal eben seine Webwelt auf DSL umstellen lässt, zahlt dafür freche 99 Euro 95 und hat dem Bösen damit fast schon wieder einen neuen Meistertitel gekauft.“ Bernd Müllender (taz 25.5.)

„Falls Werder Bremen die deutsche Meisterschaft gewinnen sollte, bekäme die begehrteste Salatschale Deutschlands ein französisches Dressing.“ Christian Eichler (FAZ 8.5.) über den Einfluss der Franzosen Johan Micoud und Valéien Ismael in Bremen

„In der Zentrale des DFBs war „Girl’s Day“. Rund ein halbes Dutzend Teenager tummelte sich bei der Pressekonferenz von Rudi Völler, es ging darum, frauenferne Berufe kennenzulernen. Und Teamchef der deutschen Männer-Nationalmannschaft zu sein ist vermutlich die frauenfernste Aufgabe, die Deutschland zu vergeben hat.“ Michael Horeni (FAZ 23.4.)

„Das Verhältnis zwischen Ude und Wildmoser umschreibt ein Beteiligter als „nicht ganz herzlich“, aber „gepflegt mitteleuropäisch.““ (SZ)

„Der tausendarmige Torhüter Kahn, die tragische Figur im Hinspiel, taucht wie schon so oft wie ein Fischreiher nach links und rechts, um den zappelnden Ball mit einer Hand zu fangen, als sei’s eine Bachforelle in der Abendsonne.“ (Die NZZ über das Erfolgsrezept der Bayern für das Rückspiel in Madrid)

„Er ging zu Boden wie eine alte, schwangere Frau.“ (Die spanische Sportzeitung AS über Oliver Kahns Fehler)

„Beckenbauer redet gerne viel bei solchen Anlässen, und manchmal versteckt sich zwischen all den Anekdoten ein wenig Information.“ Andreas Burkert (SZ 3.12.) beim WM-Auftakt in Frankfurt mit der Fifa und dem DFB

„Als einst für Das große Spiel der entscheidende Schuß in den Torwinkel gedreht werden sollte, trat der Schauspieler so oft daneben, daß sein einziger Treffer im Film letztlich auch nicht verwendet werden konnte, weil alle 22 Spieler auf dem Feld vor Erleichterung über den endlich gelungenen Schuß gejubelt hatten.“ Michael Althen (FAZ 15.10.) in einer Rezension über das „Wunder von Bern“

„Der Mann hat mehr Tricks drauf als ein Fass voller Zirkusaffen.“ Guardian über Ronaldo, Shooting-Star Manchester Uniteds

„Ein Spieler, der eigentlich nicht violent ist“ Jupp Heynckes über Asamoah, der wegen Nachtretens des Feldes verwiesen wurde

„Beckham als Spieler kleinzureden, weil er als Popstar größer ist, ist eine törichte Masche.“ Ronald Reng (FR 20.6.)

„Figo hatte vor dem Spiel gesagt, er führe zum Klamottenkaufen nach Italien, nicht zum Fußballspielen. Daran hielt er sich.“ Birgit Schönau (SZ 16.5.) kommentiert die Leistung des Portugiesen in Diensten Real Madrids beim 1:3 in Turin

„Wenn der FC Bayern einen 18 Jahre alten Spieler wie Bastian Schweinsteiger einmal bei den Profis einsetzt, dann reklamiert Karl-Heinz Rummenigge sogleich die beste Nachwuchsarbeit Deutschlands für den FC Bayern. Und wenn der Klub ankündigt, im Mai einen Fanartikelshop in Japan zu eröffnen, dann ist das der Vorstoß in eine neue Dimension, die dazu nötige Zusammenarbeit mit dem langjährigen Ausrüster Adidas eine einzigartige Kooperation, und das Ganze ein erstklassiges Konzept, wie Rummenigge protzte. Nichts ist zu klein, als daß es durch die Besprechung der Bayern-Bosse nicht groß gemacht werden könnte, nichts zu nichtig, als daß es nicht wichtig erscheinen könnte.“ Joachim Mölter (FAS 20.4.)

„Positiv die Ankündigung von Franz Beckenbauer in Bunte: Mein finales Ziel ist die WM 2006, dann bin ich 61 und werde danach wahrscheinlich nur noch Bergsteigen gehen oder so was Ähnl

Unterhaus

Die Augen ausgepickt und das Denkmal vom Sockel gejagt

Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) kritisiert, nochmals, die Demontage Volker Finkes, erinnert an dessen Verdienst und sagt dem Nachfolger Robin Dutt ein schweres Erbe voraus: „Das Freiburger Wunder stand stets auf vier Säulen: Finke, Finke, Finke und Finke. Der SC Freiburg war der SC Finke, der Trainer hatte das Sagen, jedenfalls war immer klar, wer der Gärtner ist – und wer die Setzlinge sind. Bis der Gärtner schwächelte. Nur kurz hat er gekriselt, letzten Herbst, aber das hat für den Aufstand der entrechteten und geknechteten Setzlinge im Gewächshaus gereicht. Wie bei Hitchcocks ‚Die Vögel‘ sind sie in Schwärmen über den Finke hergefallen, haben ihm die Augen ausgepickt und das Denkmal vom Sockel gejagt, unter heftigem Geflatter – vor allem aber ohne Rücksicht auf die Fakten: Wäre in Freiburg je nennenswerter Fußball gespielt worden ohne Finke? (…) Man sieht ihm die stille Genugtuung jetzt schon an. Er siegt, schweigt und genießt, und wenn er andeutet, daß er im schönen Freiburg auch über seinen erzwungenen Abgang hinaus wohnen bleibt, empfinden seine Feinde das völlig zu Recht als Drohung – böse Zungen erzählen schon von verzweifelten Stoßgebeten der Freiburger Bosse zum Fußballgott, verbunden mit der flehentlichen Bitte, er möge ihnen den Aufstieg ausnahmsweise einmal ersparen. Denn wenn der Sportclub mit dem Trainer Finke im Mai aufsteigt und ab August mit dem Zuschauer Finke im Stadion drei Spiele am Stück verliert, können sich ein paar Leute im Rahmen des Tribunals auf der Tribüne auf der Stelle die Kugel geben. Gleich nach Robin Dutt. Denn der wird der Erste sein.“

FAZ: Ausrüsterstreit – der Fußball-Rosenkrieg zwischen dem DFB und Adidas

FAZ: DFL-Jahresbericht über die Bundesliga – hoch verschuldet, aber sehr bekannt

Interview mit Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (Tagesspiegel)

Interview (Berliner Zeitung) mit Jan Schlaudraff

taz: Spaniens Nationalmannschaft ist ins Hintertreffen geraten, doch Trainer Luis Aragonés will das Team zur EM führen

20. März 2007

Ein ganz normaler Klub

Jörg Hanau (FR) kritisiert die Bestrebungen von Teilen des Freiburger Vorstands, der Mannschaft und den Fans, die Trennung von Volker Finke rückgängig zu machen: „Zu glauben, Finkes Demission könne nun wieder rückgängig gemacht werden, ist ein ausgemachter Blödsinn. Das sind Träumereien, denen selbst Finke nichts abgewinnen kann. Zu viel ist seither passiert. Der Schnitt tut not und war überfällig. Der Klub sucht nach einer neuen, zeitgemäßen Identität. Der Nimbus des SC Freiburg als der etwas andere Verein hat sich längst überlebt. Der einst beliebteste deutsche Bundesligist ist mittlerweile zu einem ganz normalen Klub geworden. Das betrifft auch oder gerade den Umgang mit seinem Trainer.“

Eine Blog-Diskussion in der Badischen Zeitung zu diesem Thema

Im Licht der Öffentlichkeit profilieren

Frank Heike (FAZ) kommentiert die Scharmützel in der Führung des FC St. Pauli: „Es könnte alles gut sein am Millerntor. Doch St. Pauli entwickelt sich gerade wieder einmal vom witzigen Kult- zum peinlichen Krisenklub. Das hängt eng mit Littmanns selbstherrlicher Amtsführung zusammen, die viele nervt. Der seit einem Monat andauernde und inzwischen vor Gerichten verhandelte Machtkampf zwischen dem blassen Aufsichtsrat und dem schillernden Präsidenten begann, weil der Aufsichtsrat Littmanns Alleingänge beim Stadionneubau nicht länger mit ansehen wollte. Man warf ihm Unregelmäßigkeiten bei den Verträgen und Satzungsverstöße vor. Diese Situation nutzten die Kontrolleure um Littmanns Gegenspieler Burmester geschickt aus, um den mißliebigen Sonnenkönig per Aufsichtsratsbeschluss aus dem Amt zu entfernen und ein kommissarisches Präsidium zu berufen. (…) St. Pauli steht für ein volles Stadion, kreative Fans, tolle Stimmung und ehrlichen Fußball. Doch das große Interesse am Verein führt immer wieder dazu, daß sich Funktionäre im Licht der Öffentlichkeit profilieren, wie jetzt die Räte. Würden sich bei Rot-Weiß Ahlen oder SV Wilhelmshaven Kontrolleure und Vorstand duellieren, es kümmerte keinen.“

FAS-Portrait DFL-Chef Christian Seifert
FR-Interview mit Holger Hieronymus, Geschäftsführer der DFL, über Spielerberater, die Auslandsvermarktung und die Möglichkeit, den Ligapokal an Weihnachten auszutragen

NZZ: Berliner Muster an Indifferenz – Hertha BSC sportlich und finanziell nicht in bester Verfassung

FAZ-Interview mit Andreas Hinkel (FC Sevilla)

Montag, 19. März 2007

Bundesliga

Ein Sieg, der das Immunsystem stärken dürfte

Pressestimmen zum 26. Spieltag: Schalke schöpft aus dem Sieg gegen Stuttgart eine große Kelle Glauben / Bayern ohne Witz und Ideen gegen passive Frankfurter / Arminia Bielefelds freier Fall – ein hausgemachtes Problem (FAZ)

Richard Leipold (Tagesspiegel) erläutert die Bedeutung des Schalker Siegs gegen Stuttgart: „Die Mannschaft hat nicht nur einen ihrer Mitbewerber um den Titel besiegt, sondern auch die Selbstzweifel, die nach vier Wochen des Holperns und Stolperns anfingen, sich in den Köpfen einzunisten. Die Schalker sind weiter Tabellenführer, aber was noch wichtiger ist: Sie fühlen sich auch wieder so. Ein Sieg, der das Immunsystem stärken dürfte. Kein großer Sieg, schon gar kein glanzvoller. Mindestens so viel wie die drei Punkte zählen aber die inneren Werte dieses Erfolges. Im Stuttgart-Spiel haben sich Glaube, Glück und Geduld im königsblauen Trikot zusammengefunden und gegen einen Fußball durchgesetzt, der besser ausschaute als der, den Schalke spielte, ohne (im Ergebnis) besser zu sein. Solche Spiele zu gewinnen zeichnet fast jeden Meister aus, vor allem den, der ein knappes Rennen gewinnt.“

Philipp Selldorf (SZ) fügt an: „Daß die Elf nicht besonders gut gespielt hatte und nach der Pause gegen stürmische Stuttgarter außer dem starken Torwart Neuer einiges Glück benötigte, rundete den therapeutischen Effekt erst ab. Wochenlang hatte man in Schalke mit einem als Fluch empfundenen Pech gehadert, mit den vielen Verletzten und den ungnädigen Punktverlusten gegen Wolfsburg, Leverkusen und Hamburg. Am Samstag aber kamen ganz andere Signale für die Fortsetzung des Titelkampfs: Die monatelang verletzten Pander und Asamoah kehrten ins Spiel zurück, als weitere Verstärkung gesellte sich das Glück dazu, und dann erzielte das einzige Tor zu allem symbolischen Überfluß der versehrte Verteidiger Krstajic, dessen Opferbereitschaft und Mannschaftsgeist in den Wochen der Personalnot so viel gepriesen worden waren.“

Leipold blickt hinter Mirko Slomkas Stirn: „Dieser Trainer ist längst nicht mehr der nette Herr Slomka – falls er es je war; er ist einer, der die große Chance ergreifen will, als junger Trainer etwas zu erreichen, was bei Schalke überhaupt noch niemand bewerkstelligt hat: den Gewinn des Meistertitels in der Bundesliga. Was ihn außerdem von seinen Vorgängern unterscheidet, ist das nicht nur im Flüsterton vorgetragene Bekenntnis zu diesem Ziel. Seine ironischen, manchmal auch amüsanten Anwandlungen, seine zuweilen zickig angehauchte Distanz zu den Medien mögen nicht immer und überall gut ankommen. Aber Slomka weiß, was er will, und er spricht es aus, auch öffentlich.“

Kaum frisches Personal, kaum neue Ideen

Tobias Schächter (BLZ) schildert die Ernüchterung der Bayern nach der Niederlage in Frankfurt: „Nach all den Verklärungen, die nach dem Erfolg über ein kriselndes Real Madrid und der Vertragsverlängerung von Ottmar Hitzfeld von den Münchner Machern zuletzt verbreitet wurden, sind die Bayern wieder in der Realität gelandet. Diese ist grau wie ein verregneter Herbsttag, auch wenn die Bayern zuletzt im Überschwang den Aufbruch in den Frühling ausgerufen hatten.“ Andreas Burkert (SZ) schreibt über die Wasserwerdung von Wein: „Zuletzt war ja der Blick leicht eingetrübt wegen der Champagnerstimmung, die der Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League, eine schöne Leistung gegen Bremen und Hitzfelds Vertragsverlängerung verbreitet hatten. Doch an einem grauen Märztag am Main verzog sich der betörende Cuvée-Nebel endgültig und legte den Blick wieder frei auf die Fehlkonstruktion einer Mannschaft.“ Jörg Hanau (FR) ergänzt: „Kurzzeitige spielerische Höhenflüge wie zuletzt gegen Real Madrid oder Werder Bremen verklären den Blick auf die Realitäten. Dem FC Bayern mangelt es in dieser Spielzeit an konstanter Klasse. Der Auftritt von Frankfurt taugt dafür trefflich als ein weiterer Beleg.“

Peter Heß (FAZ) bemängelt die Ideenlosigkeit der Bayern und die Passivität der Frankfurter: „In dieser Spielzeit entwickeln die Bayern Mitleid mit den Kleinen der Liga. Diese Niederlage war so etwas wie ein Offenbarungseid für den Bayern-Jahrgang 2006/2007. Denn sie kam nicht zustande, weil der Außenseiter über sich hinausgewachsen wäre oder der Favorit eine Verkettung unglücklicher Umstände zu beklagen gehabt hätte. Das 0:1 drückte schlicht und einfach mangelnde Klasse aus. (…) Vor allem in der ersten Halbzeit hatte sich die Eintracht in einem Akt freiwilliger Selbstbeschränkung zu einem Nachlaufspiel entschlossen. Die Frankfurter taten noch nicht einmal so, als wollten sie die Münchner mit einem Offensivspiel bedrängen, sie begnügten sich damit, gegnerische Angriffe zu unterbinden. Die Bayern nahmen die Einladung an, die Initiative zu ergreifen, es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, der Ball wäre sonst unbeachtet im Anstoßkreis liegen geblieben.“

Rainer Seele (FAZ) wünscht sich auch neue Gesichter auf deutschen Trainerbänken: „Es gibt kaum frisches Personal, kaum neue Ideen. Mithin sind die Klubs gezwungen, im Fall des Falles immer wieder auf Altbekannte zurückzugreifen. Wie Rekordmeister Bayern München, der mit Ottmar Hitzfeld auf der sicheren Seite zu sein glaubt – und nun, kaum daß Liebling Hitzfeld seinen Münchner Aufenthalt verlängerte, alle Titelambitionen eingebüßt zu haben scheint. Endgültig. Das wäre was: wenn in der Trainergilde wie in der Torhüterzunft so ein naßforscher Neuer auftauchen würde oder ein angriffslustiger Adler. Damit jedoch darf vorerst kaum gerechnet werden. Eher damit, daß auch Zuchtmeister Felix Magath bald wieder ins Geschäft zurückkehrt.“

taz: Vor kurzem wurde noch von Visionen gesprochen beim FC Bayern München. Jetzt bleibt Ottmar Hitzfeld Trainer, und Oliver Kahn soll weiter halten

Mischung aus Machtgehabe, Eitelkeit und Ahnungslosigkeit

Peter Penders (FAZ) kommentiert den Fall Arminia Bielefelds: „Wochenlang zog sich die Frage hin, ob der Trainer bleibt oder geht, ob er mehr Macht bekommt, ob sich die Vision des Vereins mit der des Trainers deckt. Es gab ein Gespräch über die Vertragsverlängerung, nach dem von Heesen bekannte, kein Konzept des Vereins für die Zukunft erkannt zu haben. Saftig und Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch sahen keinen Gesprächsbedarf, setzten dem Trainer eine Frist, die er prompt verstreichen ließ. Wohl selten ist ein Verein so sehenden Auges in die Krise geschlittert wie die Arminia, die sich in Sicherheit wähnte und demnächst vermutlich in der zweiten Liga wiederauftaucht. Präsident Schwick hätte das Kindergartentheater seiner leitenden Angestellten mit einem Machtwort beenden können, wenn nicht müssen – aber da die Bundesligazugehörigkeit nicht in Gefahr schien, passierte nichts. (…) Die schwer enttäuschten Fans zu mobilisieren wird nicht einfach, denn sie ahnen, daß dieses Desaster einer Mischung aus Machtgehabe, Eitelkeit, Ahnungslosigkeit und der Begleichung von alten Rechnungen geschuldet ist. Geblieben ist nichts.“

taz-Bericht Aachen–Bielefeld

Irgendwas Kreatives

Claudio Catuogno (SZ) befaßt sich mit der erneuten Niederlage von Hertha BSC: „Irgendwann beschlich einen der Verdacht, Herthas Ausbildungstruppe habe vielleicht diese andernorts oft belächelte Hauptstadtmentalität angenommen: Jeder ist ja ständig irgendwie mit einem Projekt beschäftigt in Berlin, hat immer irgendwas Kreatives zu tun, aber wenn dann abgerechnet wird, ist plötzlich doch nicht so viel dabei rübergekommen wie Wind darum gemacht wurde.“

TspaS: Der Anti-Abramowitsch aus dem Kraichgau – Dietmar Hopp will seinen Heimatklub TSG Hoffenheim in die Bundesliga führen, nicht als Zeitvertreib, sondern aus Verbundenheit

taz: Muhammed Demirci gilt als eines der größten Fußballtalente der Türkei. Drei Millionen Euro will der FC Barcelona für den begabten Dribbler von Besiktas Istanbul bezahlen, einen zwölfjährigen Knaben

Freitag, 16. März 2007

Allgemein

Eine krude Bremer Fußball-Melange: unansehnlich, aber doch erfolgreich

Irritationen über das verwöhnte und verstimmte Bremer Publikum / Harte Kritik am Schiedsrichter

Ralf Wiegand (SZ) begründet, warum sich die verwöhnten Werder-Fans nicht mehr mit profanen Siegen, wie dem 2:0 gegen Celta Vigo, zufrieden geben: „Weil das Bremer Publikum noch immer nicht vergessen will, wie viel seine Elf mal konnte und wie wenig sie jetzt zeigt – die Spanne ist etwa so groß wie der Grand Canyon tief –, kommt es häufiger zu Spannungen, die sich in Pfiffen entladen. So ist das halt mit verzauberten Zuschauern: Wer mal die schwebende Jungfrau gesehen hat, kann über Kartentricks nicht mehr staunen. Tatsächlich ist es peinlich, gegen Spanier auf Zweitliganiveau so viel Glück bemühen zu müssen. (…) Irgendwie scheint auch der Uefa-Cup nicht geeignet zu sein, die Form für den Meisterschaftsendspurt wiederzufinden. Der Wettbewerb, gespickt mit Größen wie Alkmaar, Osasuna oder Donezk, gleicht einem Marsch durch die Wüste, der entweder in eine blühende Oase führt (Titel!) oder an einen giftigen Tümpel (Bayer Leverkusen!).“

Auch Frank Heike (FAZ) notiert die Verstimmung der Zuschauer und deren Wirkung auf das Spiel und die Spieler: „Geduldig waren die Haupttribünen-Zuschauer im Weserstadion noch nie – vor ein paar Wochen galt ihr Unmut gar dem formschwachen Miroslav Klose. Sie erwarten Fußballfeste gegen jeden Gegner. Werder will sich diesen gestiegenen Ansprüchen stellen, doch derzeit mischen sich Verletzungssorgen und Formschwäche zu einer ziemlich kruden Fußball-Melange: unansehnlich, aber doch erfolgreich. Ein schwaches Spiel in Vigo sowie eine gruselige erste und bessere zweite Halbzeit am Mittwoch addierten sich zum letztlich sicheren Erreichen des Viertelfinales – zufrieden wollte die Mannschaft damit aber nicht sein. Die Bremer merken, daß es holprig läuft, sie sind verunsichert, wie stark sie auf der Schlußgerade der Serie wirklich sind, da können sie auf Pfiffe von den Rängen verzichten.“

Georg Bucher (NZZ) ist nicht gut auf den Schiedsrichter zu sprechen und sucht, weil er bereits das Hinspiel verdächtig fand, nach einer Erklärung: „Ein Spiel mit gezinkten Karten? Nicht nur Anhänger von Celta de Vigo beschlichen ungute Gefühle. Auch neutrale Beobachter wähnten sich im falschen Film und sahen zu, wie die galicische Mannschaft verschaukelt wurde. Nachhaltig war der Eindruck insofern, als Werder schon das Hinspiel durch einen Offside-Treffer gewonnen hatte. Unterstellt man dem Schiedsrichter keine unlauteren Absichten, gäbe es allenfalls psychologische Erklärungen für seinen Auftritt: Schübe aus dem (national gesteuerten) Unbewußten oder die Verinnerlichung einer hierarchischen Ordnung, in der die Hanseaten mehrere Stufen über Celta stehen. Von Unparteilichkeit konnte jedenfalls so lange nicht die Rede sein, bis Fritz das 2:0 erzielt und den Sack zugebunden hatte. Krasse Fehlentscheide manipulierten die Spielentwicklung – und das Resultat. Schiedsrichter Farina verwarnte Guayre, dem im Strafraum die Beine weggezogen wurden, anerkannte Werders Führungstor durch Hugo Almeida, obwohl er im Offside stand, und annullierte wenig später einen regulären Treffer Pereras.“

Abseits? Ich meine nein.

Die drei Tore des Spiels, also auch der eigentliche Ausgleich der Spanier, der ebensowenig abseits gewesen ist wie der Bremer Führungstreffer

Almeidas Siegtreffer aus dem Hinspiel, wohl wirklich aus Abseitsstellung. Allerdings ein Hinweis an Celta Vigo: Man darf den Ballführenden angreifen!

Bundesliga

Lebenslanger Lerner

Ottmar Hitzfeld genießt den Respekt und sogar die Sympathie der Presse

Michael Horeni (FAZ) freut sich über die äußerst gelungene Rückkehr Ottmar Hitzfelds und dessen Offenheit gegenüber beruflicher Weiterbildung: „Hitzfeld, der sich vor knapp drei Jahren ausgebrannt in die Berge zurückzog, ist ein grandioses Comeback gelungen, das ihm und damit auch den Bayern große Sympathien eingebracht hat. Es ist die Bellheim-Story der Bundesliga. Hitzfeld gehörte schon, man darf das so hart sagen, zum alten Eisen, zu den Leuten, die nicht mehr gebraucht wurden. Obwohl er der erfolgreichste Vereinstrainer des Landes war, genügten knapp drei Jahre, um ihn weithin als Modell von gestern erscheinen zu lassen, unbrauchbar für die heutigen Aufgaben. Das sagt aber mehr über die verbreiteten Vorurteile, wie Menschen nicht nur in Führungsfunktionen zu funktionieren haben: ohne Pause, immer auf Höchstleistung. Und es sagt auch etwas über die irrige Vorstellung, wie Menschen unweit des Rentenalters ihrer Arbeit nachgehen: wie früher, ohne Interesse und die Fähigkeit, neue Entwicklungen in ihren großen Erfahrungsschatz zu integrieren. Der alte Hitzfeld, den nicht nur die Spieler erwartet hatten, kam mit neuen Ideen und neuen Methoden an. Er hat an ganz prominenter Stelle gezeigt, was es mit der Chiffre vom lebenslangen Lernen auf sich hat und welche bisher viel zu oft verschwendeten Potentiale in einer alternden, aber auf Jugendlichkeit fixierten Gesellschaft liegen.“

Andreas Burkert (SZ) pflichtet bei: „Mit Ottmar Hitzfeld kehrt zumindest bis 2008 eine mehr als solide, konservative Anlage zurück ins Depot. In turbulenten Zeiten wie diesen konnte den Bayern kaum besseres widerfahren.“ Sven Goldmann (Tsp) schreibt: „Wer am Mittwoch Effenberg angeboten bekommt und am Donnerstag mit Hitzfeld verlängert, der darf zufrieden sein.“

FR: Bayern, Hitzfelds Ersatzfamilie
SZ/Hintergrund: Hitzfeld bleibt

Interview mit Michael Ballack (SZ-Magazin): „Mit der Bild-Zeitung rede ich nicht“

Donnerstag, 15. März 2007

Bundesliga

Detailbesessener mit Hang zur Cholerik

Jan Christian Müller (FR) traut dem neuen, alten Bielefelder Coach den Klassenerhalt zu: „Die Chancen, daß sich die Arminen den Klassenerhalt noch sichern, sind sicher gestiegen. Denn Ernst Middendorp ist zurück. Der ehemalige Berufsschullehrer mag ein impulsiver Typ mit Hang zur Cholerik sein. Aber Middendorp ist, so hört man, mit den Jahren weniger aufbrausend geworden, deshalb aber gewiß nicht weniger charismatisch, fleißig und detailbesessen. Nächtelange Videoanalysen inklusive.“

Eine Glosse der Berliner Zeitung über Middendorp

Testosterongeleitete Durchsetzungsfähigkeit

Kommt Effenberg zurück? Mathias Klappenbach (Tagesspiegel) sieht Bayern schon leuchten: „Daß Effenbergs Sachverstand eher die einfachen Dinge des Spiels umfaßt, seine natürliche Autorität mit dem Wort Lautstärke umschrieben werden kann und seine Durchsetzungsfähigkeit testosterongeleitet ist, hat Ballack nicht ausgeführt. Viel wichtiger war ihm, eine farbenfrohe Szenerie zu entwerfen, die sich auch im Shop der Tate Gallery of Modern Art gut als Kunstdruck verkaufen würde: Manager Uli Hoeneß leidet mit hochrotem Kopf neben Trainer Stefan Effenberg mit noch viel zornesröterem Kopf.“

Sehr lesenswert! Zeit-Interview mit Thomas Doll über seine Lehren aus der Zeit beim HSV

Mittwoch, 14. März 2007

Bundesliga

Doll ist, wie Röber, eine Notlösung

Die Presse rügt die Dortmunder Trainersuche als konzeptlos

Dortmund hat nun wieder einen Trainer, und Peter Stolterfoht (Stuttgarter Zeitung) stellt eine Beliebigkeit fest: „Zumindest ein Titel ist Borussia Dortmund in dieser Saison sicher: Meister der Planlosigkeit. Schon zum zweiten Mal in dieser Spielzeit ist der Bundesligist auf Trainersuche gegangen und hat zum zweiten Mal ohne jegliches Konzept agiert. Offensichtlich weiß die Vereinsführung am allerwenigsten, was für einen Trainer sie will. Der Begriff Stellenprofil scheint bei der Borussia ein Fremdwort zu sein. Und so regiert der Zufall. Sollten die Dortmunder absteigen, hätte das wiederum nichts mit Zufall zu tun.“ Ergänzend macht Till Schwertfeger (Welt) auf die Tatsache aufmerksam, daß Dortmund nicht mehr die Trainer bekommt, die es gerne hätte: „Die Trainersuche und -findung sagt einiges über den Niedergang des Klubs aus, der zuletzt 2002 Deutscher Meister war. Mit dem Selbstverständnis eines Spitzenklubs wollte der Tabellen-Neunte nach der Hinrunde Ottmar Hitzfeld, Deutschlands erfolgreichsten Vereinstrainer, als Nachfolger des nicht mehr genehmen Bert van Marwijks verpflichten – und bekam Jürgen Röber. Als der nach der sechsten Niederlage im achten Spiel resigniert seinen Posten aufgab, rief Hans-Joachim Watzke Felix Magath an – und handelte sich eine Absage ein. Borussia Dortmund hat seinen guten Ruf eingebüßt. (…) Doll ist, wie Röber, wieder nur eine Notlösung.“

Andreas Burkert (SZ) überrascht, daß der selbst- und fremderklärte HSV-Darling Doll so schnell eine Neue gefunden hat: „Man muß es nicht unbedingt mit Abscheu geißeln, daß jemand wie Doll nur sechs Wochen nach dem sehr spät vollzogenen Abschied aus Hamburg plötzlich in der Lage ist, statt der HSV-Raute nun rasch den BVB-Taler auf dem Herzen zu tragen. Aber sich kurz zu wundern ist dennoch erlaubt für alle unbelehrbaren Romantiker, die mit dem Irrsinnstempo des Fußball-Business nicht Schritt halten möchten. Doll möchte eben vorankommen, er ist ja im Grunde noch ein Novize und darf nun beim zweiten Versuch schon den zweiten Großklub reanimieren. Auch Doll ist womöglich ein handelsüblicher Profi.“

FR: Der nette Herr Doll soll Berufsethos vermitteln
FAZ-Bericht über Dolls Vorstellung in Dortmund

Er hat nachgetreten, ziemlich plump und ungeschickt

Michael Horeni (FAZ) kritisiert die Aussagen Röbers, der Teile der Mannschaft ungewöhnlich forsch beschuldigt hat: „Die Bundesliga wird Jürgen Röber nicht sehr vermissen. Deswegen ist die Gelegenheit günstig, sich noch einmal an ihn und den Trainertypus, den er verkörpert, zu erinnern. Zum Abschied hat Röber seine Sicht auf die Bundesliga von heute präsentiert. Man kann, um in der Fußballsprache zu bleiben, auch sagen: Er hat nachgetreten, ziemlich plump und ungeschickt. Am Tag seines Rückzugs erklärte er in einem Interview, wer aus seiner Sicht für den Niedergang von Borussia Dortmund verantwortlich sei. Die Antwort fällt für eine hochdotierte, aber keineswegs hochdekorierte Führungskraft erschreckend schlicht und einseitig aus: allein die Profis, arbeitsscheue Berufsspieler wie Metzelder und Kehl, denen Röber die richtige Einstellung rundweg abspricht – wenngleich die konkreten Vorwürfe ziemlich diffus bleiben. Vielsagender als das populistische Gerede eines Trainers von gestern sind da schon die Einlassungen in eigener Sache. Sie lassen viel eher auf einen direkten Zusammenhang zwischen Führungsqualität und Abstiegsgefahr schließen als die Kritik an zwei Nationalspielern, die in den vergangenen Jahren vor allem durch Zielstrebigkeit und mentale Stärke aufgefallen sind. (…) Ein schönes Beispiel dafür, wie ein Angriff mit einem Eigentor enden kann, und ein weiterer Beleg für das seit Monaten, wenn nicht seit Jahren anhaltende Lamento über die mangelhafte Qualität im deutschen Trainerwesen.“

Interview mit Röber (Tsp): „Die Dortmunder standen für die nächste Saison schon bei Thomas von Heesen im Wort“
Bei YouTube gibt’s ein seltsames Video unter dem Titel „Borussia Dortmund nach dem Abschied von Jürgen Röber“

FR-Portrait Hugo Almeida
FR: Sergej Barbarez in der Kritik der Medien

taz: Steffen Kubald, Ex-Hooligan und Chef des 1. FC Lok Leipzig, wehrt sich gegen die Vereinnahmung des Klubs durch die Randalierer-Szene; die schlägt nun systematisch zurück gegen den „Verräter“

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