Samstag, 2. April 2005
Internationaler Fußball
Verfilzter Hierarchieapparat
Zum Fußball in China gibt Michael Ashelm (FAZ 2.4.) zu bedenken: „Chinas Fußballindustrie zeigt zwei Gesichter. Einerseits lockt der riesige Markt mit angeblich mehr als einer halben Milliarde Fans, auf der anderen Seite fehlen einfachste Strukturen, um das große Geschäft in die richtigen Bahnen zu lenken. Das eigene Feld ist schlecht bestellt und schreckt Investoren eher ab. In der vergangenen Skandalsaison fiel der Zuschauerschnitt in der Liga um fast vierzig Prozent auf 11000 Fans pro Spiel. Um mehr als vierzig Prozent brach die TV-Quote ein. Das trostlose Bild komplettiert die klägliche Leistung der Nationalmannschaft, die an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft scheiterte. Viele geben dem verfilzten Hierarchieapparat des Verbandes die Hauptschuld an der gesamten Misere. Die aus den kommunistischen Führungszirkeln entsandten Funktionäre sind kaum in der Lage, den vielschichtigen Anforderungen des modernen Fußballgeschäfts gerecht zu werden. Und es sieht für viele Beobachter so aus, als würde die Partei mit der von ihr betriebenen Gigantomanie um die Olympischen Spiele von Peking 2008 den professionellen Sport noch mehr für politische Zwecke in Beschlag nehmen und damit die freie marktwirtschaftliche Entwicklung lähmen. Solange der Fußball in China nicht wie in den beiden anderen asiatischen Kernmärkten Japan und Südkorea auf soliden Beinen steht, über eine funktionierende Liga und zuverlässige Managementstrukturen verfügt, werden viele Strategien ins Leere laufen.“
Unerlaubte Hexerei
Ballzauber in Tansania – Thilo Thielke (Spiegel 26.3.) berichtet: „Merkwürdige Dinge taten sich auf dem Fußballplatz in Daressalam. Lange vor dem Anpfiff begaben sich die Spieler des Sportclubs Simba auf den Platz und verstreuten ein geheimnisvolles Pulver im leeren Strafraum. Der Tormann zerschlug außerdem zwei Eier und verteilte sorgsam Eiweiß samt Dotter zwischen den Pfosten – Zauber nach Art der „Löwen“, wie die Simba-Elf genannt wird. Wenig später kamen Yanga-Spieler zum Gegenzauber auf den Rasen. Sie machten es sich einfach und urinierten auf das Spielfeld. Als dann das Spiel endlich losgehen sollte, liefen sie rückwärts in das vollbesetzte Stadion ein, und Spielführer Paul John Masanja verweigerte dem Simba-Kapitän Seleman Matola den obligatorischen Handschlag. Er wollte nicht Gefahr laufen, von der Hexenkraft des Gegners überwältigt zu werden. Nun konnte das Spitzenspiel zwischen den Konkurrenten um die Meisterschaft beginnen. Nicht Schiedsrichter, sondern seltsame Hexenmeister sorgen in Ostafrika für Skandale auf dem Fußballplatz. Die Mächte sind jedoch so finster, dass sich der Tansanische Fußballverband genötigt sah, sich des Problems anzunehmen, um die Dämonen endlich zu bändigen, auszutreiben und wieder einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb zu ermöglichen. (…) Als 2002 in Mali der Afrika-Cup ausgetragen wurde, musste Kameruns Nationaltrainer Winfried Schäfer zuletzt auf seinen Torwarttrainer Thomas Nkono verzichten. Der hatte vor dem Halbfinale Zitronenschalen auf das Spielfeld gestreut und wurde wegen unerlaubter Hexerei für zwei Monate gesperrt.“
Confed-Cup
Zynisch und clever
Christian Eichler (FAZ 2.4.) findet die Strafe für José Mourinho zu gnädig: „Man kann diese geringen Strafen angesichts des Vorgeschehens als Kapitulation der Regelhüter vor dem Regelverletzer betrachten. Solche Strafen bekommen andere, weil sie die Coaching-Zone verlassen. (…) Erfolgstypen geben immer das Vorbild ab für die aktuelle und die folgende Generation von Kollegen. Mourinho ist ein Erfolgstyp, und er stellt so kokett wie kaum ein Vorgänger zur Schau, wie wenig ihn altmodische Überlieferungen wie Moral oder Sportsgeist interessieren, wenn sie dem Erfolg im Weg stehen. Manche nennen das zynisch, andere nennen es clever. Wahrscheinlich ist es beides.“
Bundesliga
Wenn wir gute Fans haben, werden sie nicht daran denken, wer auf der Trainerbank sitzt
„Aufwand und Ertrag stehen in Mönchengladbach in einem Missverhältnis“, stellt Richard Leipold (FAZ 2.4.) fest: „Neues Stadion, neuer Trainer, neue Profis, neues Glück: Diese Gleichung hat zu viele Unbekannte, um aufzugehen. (…) Falls gegen Bochum der Befreiungsschlag gelingt, drängt Mönchengladbach mit Macht ins Mittelmaß. Wenn nicht, heißt es vermutlich: Kleiner General, was nun? Dick Advocaat ist nicht gerade der Trainertyp, der sich durch Volksnähe auszeichnet. Dennoch baut er in der Not auf die Hilfe der Basis. „Wenn wir gute Fans haben, werden sie die Mannschaft unterstützen und nicht daran denken, wer auf der Trainerbank sitzt“.“
Die Klubführung träumt von einer ruhmreichen Zukunft
Andreas Lesch (BLZ 2.4.) beäugt Advocaats Menschenführung: „Er pflegt eine Brachial-Pädagogik, wie sie vor dreißig Jahren in Mode war. Er wirkt damit seltsam fremd in einer Liga, die von neuen Trainertypen dominiert wird, von Spielerverstehern wie Thomas Schaaf oder Thomas Doll, die zarte Seelen so lange pflegen, bis sie fröhlicher kicken als je zuvor. Präsident Königs hat kein Problem mit Advocaats Stil. Er findet, man könne „den Mann ja nicht verbiegen“. Königs sagt: „Wir steigen nicht ab. Das ist überhaupt kein Thema für uns.“ Diese Sätze erinnern an die üblichen Parolen im Kampf um den Verbleib in Liga eins. In Gladbach aber sind sie mehr. Sie sind ein Indiz dafür, dass die Klubführung von einer ruhmreichen Zukunft träumt und darüber die Gegenwart ein bisschen verdrängt.“
Meinungsverschiedenheiten
Frank Hellmann (Tsp 2.4.) blickt hinter Bremer Kulissen: „Die Situation in Werders Führung ist nicht immer so unkompliziert, wie es nach außen erscheint. Vor allem zwischen Klaus Allofs und dem neuen Aufsichtsratschef Willi Lemke gibt es Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Natur. Lemke beäugt argwöhnisch Werders Entwicklung zur risikobereiten Branchengröße. Zumal er Allofs Naturell kennt, der von sich sagt: „Wenn ich alleine entscheiden dürfte, wäre ich viel risikofreudiger. Vielleicht wäre ich mitunter ein zu großes Risiko eingegangen.“ Lemke, Hüter hanseatischer Kaufmannstradition, dient deshalb als Aufpasser, Vorstand Jürgen Born als Mittler. Dessen Grundsätzen hat sich auch Allofs zu beugen.“
Marcus Bark (BLZ 2.4.) wartet: „Tomas Rosicky kam im Januar 2001 als damals teuerster Bundesligaspieler für 25 Millionen Mark von Sparta Prag. Das Geld schien gut angelegt zu sein, denn die Zeit zwischen zwei genialen Momenten des zart gebauten Mittelfeldspielers war in Minuten zu messen. Inzwischen sind es Monate geworden.“
Freitag, 1. April 2005
Internationaler Fußball
Auf der Suche nach der Leichtigkeit von einst
Christian Eichler (FAZ 1.4.) zieht Schlüsse aus dem 1:1 Frankreichs in Israel und der harzigen WM-Qualifikation: „Ein plötzlich fußlahmer Fußballriese sucht die Leichtigkeit von einst. Was ist nur mit den Franzosen los, immer noch Zweiter der Weltrangliste? (…) Wie einst Berti Vogts fällt es auch dem ehemaligen Jugendtrainer Domenech schwer, den Respekt der gestandenen Spieler zu gewinnen, die er mitunter wie seine früheren Junioren behandelt: mit einem Handy-Verbot bei Massagen oder dem gemeinsamen Pflichtfrühstück nach dem Spiel – keine privaten Rückflüge am Spielabend mehr.“
Russensport
Matthias Kolb (SZ 1.4.) erläutert die Brisanz des Spiels Estland gegen Russland (1:1): „Das ist ein Duell des stolzen Neu-Mitglieds der EU gegen den großen Nachbarn, der für viele der 1,4 Millionen Esten noch immer die Sowjetunion verkörpert, von der man sich 1991 lossagte. Etwa ein Viertel der estnischen Bevölkerung ist russisch-sprachig, und wer von ihnen die Staatsbürgerschaft erhalten will, muss einen Sprachtest in Estnisch bestehen. Diese Prüfung nutzt die Regierung in Moskau seit Jahren, um Estland Diskriminierung vorzuwerfen. Zuletzt hatte Moskau erbost auf die Ankündigung des estnischen Präsidenten Arnold Rüütel reagiert, er werde nicht an der Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau teilnehmen, weil mit dem 9. Mai die sowjetische Besatzung begann, bei der zehntausende Esten deportiert wurden – eine Entschuldigung Russlands hat es bisher nicht gegeben, wodurch eine Annäherung erschwert wird. Die Stimmung vor dem Spiel war also aufgeheizt. Die Befürchtungen bestätigten sich glücklicherweise nicht: Diesmal blieb es neben und auf dem Spielfeld friedlich. (…) Fußball hatte lange Zeit ein schlechtes Image: „In der Sowjetzeit galt das Spiel als Russensport, weshalb die Esten lieber Basketball und Volleyball spielten“, erklärt Pressesprecher Mikhel Uiboleht. Auch darum sei man stolz darauf, im Fußball mit dem 140-Millionen-Volk der Russen mithalten zu können.“
Eine Legende
Marcus Pfeil (Tsp 1.4.) gratuliert den Boca Juniors zum 100. Geburtstag: „Es waren fünf Söhne italienischer Immigranten, die den Verein am 3. April 1905 aus der Taufe hoben, nach dem Hafenviertel La Boca benannten und mit dem Zusatz „Juniors“ versahen, eine Hommage an die Engländer, die den Fußball nach Argentinien gebracht hatten. Und die Vereinsfarben? Die Flagge des ersten Schiffes, das den Hafen von Buenos Aires anlief, sollte den Bocas ihre Farbe geben, so die Abmachung. Es war ein schwedisches. Die Blau-Gelben haben seither 19 nationale Titel gewonnen, sie haben fünfmal die Copa Libertadores mit nach Hause gebracht und sie waren dreimal Weltpokalsieger. Klangvolle Namen spielten für Boca: Alfredo di Stefano, Gabriel Batistuta, Walter Samuel, Juan Román Riquelme oder Carlos Tevez, Torschützenkönig bei den Olympischen Spielen in Athen. Eine Legende ist der Verein schon immer, spätestens aber seit 1981, als ein 20-Jähriger mit einem lupenreinen Hattrick die Schwarz-Roten, den Erzrivalen River Plate, im Alleingang abschoss. Es war der Tag, an dem sich Diego Armando Maradona in die Herzen der Boca-Fans spielte. Noch heute huldigen Plakate im Stadion dem unvergessenen „El Diego“, obwohl er in nur 42 Spielen für Boca auf dem Rasen stand.“
SZ: „Ohne Jekyll und ohne Hyde“ – José Mourinho für zwei Spiele gesperrt
Bundesliga
Egoismus und Selbstüberschätzung
Javier Cáceres & Jörg Marwedel (SZ 1.4.) beschreiben das schwierige Innenleben des VfL Wolfsburg: „Die Misserfolgsserie des Teams hat schonungslos offengelegt, was der neue Geschäftsführer Thomas Strunz vor seinem Amtsantritt im Januar bereits „gedacht, geahnt, gesehen“ haben will. Nun benennt der frühere Bayern-Profi das Übel, das er anfangs mit intensiven Gesprächen und gewagten Zielvorgaben („Wir wollen in die Champions League“) zu bekämpfen versuchte. Wen der Manager dabei besonders im Visier hat, ist unschwer zu erraten. Dieser Tage verbot er den umstrittenen Stars Thomas Brdaric und Andrés D’Alessandro, zu Sponsorenterminen zu reisen. Brdaric wurde gar von Erik Gerets gedrängt, trotz des Todes seines Vaters an einer Teamsitzung teilzunehmen – nicht gerade ein Zeichen fürsorglichen Betriebsklimas. D’Alessandro wurde immerhin ein Heimataufenthalt zur Beisetzung seiner Großmutter gestattet. (…) Auch der Führungsstil des öffentlich meist jovial wirkenden Belgiers scheint zum Problem zu werden. Sein Verhältnis zu D’Alessandro ist zerrüttet, das zu anderen Profis angespannt. (…) Gelernt hat man in Wolfsburg, dass teure Kickerstars das Image nicht immer verbessern. Bei einer Umfrage der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung („Wen würden Sie rausschmeißen?“) erwies sich ausgerechnet Thomas Brdaric als Topfavorit. Das vernichtende Urteil der Leser: Beim Nationalstürmer paarten sich mangelnde Teamfähigkeit und fehlende Identifikation mit Egoismus und Selbstüberschätzung.“
Donnerstag, 31. März 2005
Confed-Cup
Juristisch fehlt die Substanz
Thomas Kistner (SZ 31.3.) begrüßt die Ablehnung der Forderung einiger Zweitligisten, wegen des Falls Hoyzer den Abstieg dieses Jahr auszusetzen: „Wer diese Saison als teilweise irregulär bezeichnet, liegt richtig. Doch wer aus der statthaften Einschätzung gleich einen Präzedenzfall herleiten und die Kernstruktur des Betriebs einreißen will, darf auf derselben Ebene abgeschmettert werden, auf der er agiert: Sportpolitisch wäre der Schritt nicht sinnvoll, er dient ja keinem übergeordneten Interesse, technisch ist er kaum umsetzbar. Juristisch aber fehlt die Substanz – die wenigsten Klubs haben es geschafft, ihre in Betrugsverdacht geratenen Punktspiele vorm DFB-Sportgericht erfolgreich anzufechten. Einige Berufungen stehen noch an, doch Gründe für eine Revolution können auch sie nicht liefern. Also Schluss mit der Taktiererei – zumal zu einer Zeit, da jeder der 18 den Abstieg noch aus eigener Kraft vermeiden kann.“
Ein Hintergrundbericht dazu in der FAZ
Es geht auch um Macht und Moral
Andreas Lesch (BLZ 31.3.) befasst sich mit dem Verfahren der Uefa gegen José Mourinho: „Wären die Folgen nicht so ernst, man könnte diese Geschichte belächeln als Farce: Chelsea bestreitet, dass Mourinho etwas gesagt hat über einen Vorfall, von dem die Uefa glaubt, dass er gar nicht existiert. Der Verband und der Klub stehen sich unversöhnlich gegenüber. (…) Es geht in diesem Fall ja nicht nur um den Fehltritt eines Trainers. Es geht auch um Macht und Moral – und um viele drängende Fragen: Wie weit darf ein Mann mit seinen Psychospielchen gehen? Wie soll man die Schiedsrichter schützen, gegen Unterstellungen wie die von ihm? Wie hoch muss die Strafe sein, um Mourinho für die Zukunft zu disziplinieren, ihn, der schon jetzt arg schwankt zwischen Genie und Wahn?“
Ball und Buchstabe
Bei Null
Italiens Dopinggesetze – Birgit Schönau (SZ 31.3.) erkennt eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: „Zweimal wurde Milan für die freiwillige Kontrolle ausgelost, zweimal haben seine Spieler sie verweigert. Ihre Urinproben gaben Gattuso, Pancaro und Seedorf hingegen ab – die sind nämlich Pflicht. Der italienische Fußballverband FIGC ist weltweit der einzige, der Blutkontrollen bei seinen Spielern durchführt. (…) Italien hat die härtesten Antidoping-Gesetze Europas, dennoch steht sein Profifußball, was die Doping-Bekämpfung angeht, bei Null. Anders ist kaum zu erklären, dass die Spieler aus dem Klub des Regierungschefs Berlusconi ungestraft Kontrollen verweigern können. Und dass Juventus Turin nach einem Gerichtsurteil, das systematisches Epo-Doping seiner Spieler feststellt, das Thema nachgerade tabuisiert. (…) Die Langsamkeit der Justiz hat Italien schon so manche Rüge des Europäischen Menschenrechts-Tribunals eingebracht, während gegen Berlusconi ein Prozess nach dem anderen wegen Verjährung eingestellt wurde. Kein Wunder also, dass Juventus in Sachen Doping von Liga-Chef Galliani Rückendeckung erhält.“
Die BLZ erinnert an den Beginn der Demokratisierung des DDR-Fußballs vor 15 Jahren
BLZ: Die einstigen Gelsenkirchener Nationalspieler Erwin und Helmut Kremers kritisieren das Schuldenmodell des FC Schalke 04
FAZ-Interview mit Nia Künzer
Beckhampassion
Friede den Palästen! Das Streiflicht (SZ 31.3.): „Georg Büchner war ein kluger Mensch. Wenngleich nicht ganz so klug wie Victoria Beckham. Man sollte ihm aber keine Vorwürfe deswegen machen, schließlich starb er schon im Jünglingsalter von nur 23 Jahren. Mrs. Beckham hingegen ist bald 31, also von Lebenserfahrung, wenn nicht gar Altersweisheit deutlich gezeichnet. Herr Büchner, man erinnert sich, schrieb im juvenilen Jähzorn: „Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider.“ Lady Beckham, die nun wirklich in einem schönen Haus wohnt (über die Zierlichkeit ihrer Kleider kann man streiten), weiß es besser: Das Leben der Reichen ist ein endloser Albtraum. Über dessen Grauen erzählte sie nun herzzerreißend dem Daily Mirror. Sie habe ihr spanisches Exil total satt, und um überhaupt Trost zu finden in all dem Elend, müsse sie ihren Geburtstag unbedingt daheim feiern, im gemütlichen britischen Eigenheim, auch Beckingham Palace genannt. Mit englischem Gebäck und jeder Menge englischem Tee. Man könnte spontan eine Teetasse vollweinen, wenn man solches liest. Und man fragt sich, wann die Künstler diesen wahrhaft tragischen Stoff aufgreifen. Wann einer den Film „Die bitteren Tränen der Victoria Beckham“ dreht. Oder wann einer endlich die „Beckhampassion“ komponiert oder wenigstens „Eine kleine Teemusik“.“
WM 2006
Der Bundestrainer als Führungsperson muss sich neutral verhalten
Soziologe und Autor Norbert Seitz im Interview mit Moritz Müller-Wirth (Zeit 31.3.) über das Risiko der Nähe von Politik und Fußball
Zeit: Als Fritz Walter 1953 vor dem Länderspiel gegen Österreich in Köln dem Bundespräsidenten die Mannschaft vorstellte, sprach Heuss den Halbstürmer Max Morlock mit den Worten an: „Und Sie sind sicher der Torwart?“ Und Morlock antwortete in staatsmännischem Pflichtbewusstsein: „Ja, Herr Bundespräsident, ich bin der Torwart.“
Zeit: Wird es gefährlich für einen Politiker, wenn er sich mit der eigenen Mannschaft so stark identifiziert, dass auch Niederlagen mit ihm assoziiert werden?
NoS: Wir hatten 1982 die ganz schwierige Situation für den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die Nationalmannschaft war ganz übel beleumundet. Erinnert sei an das schlimme Foul von Toni Schumacher gegen den Franzosen Battiston und den üblen Spruch hinterher: „Ich bezahl ihm gerne seine Jacketkronen.“ Oder vorher der anrüchige Nichtangriffspakt im Spiel gegen Österreich. Nie war die deutsche Mannschaft mehr verhasst als 1982. Und da musste der Kanzler mit Italiens Staatspräsident Sandro Pertini zum Finale Italien gegen Deutschland ins Bernabeu-Stadion. Schmidt hat sich diplomatisch geschickt aus der Affäre gezogen, der Mannschaft alles Gute gewünscht, allerdings auch hinzugefügt, er hoffe, dass sich diese Vorkommnisse nicht wiederholen.
Zeit: Im Gegensatz zu Schmidt rühmen sich einige Politiker öffentlich damit, Zugang zur Kabine der Nationalmannschaft zu haben.
NoS: Ich würde das auch ganz negativ sehen. Das hat etwas Männerbündisches – „Männerschweiß verbindet“, hat Thomas Helmer einmal gesagt. Ich glaube nicht, dass man so weit gehen sollte. (…)
Zeit: Es gab immer Spieler, die sich auch politisch geäußert haben und äußern. Beispiele dafür sind Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann. Eignen sich in der heutigen Zeit Spieler als Wahlkampfhelfer? Der Bundestrainer selbst wird sich enthalten. Aber wären Politiker eigentlich gut beraten, sich im Zuge der WM Fußballer als Repräsentanten ihrer Partei zu angeln?
NoS: Ich fürchte, dass die Versuchung der Parteien sehr groß sein wird, sich Spieler für ihre Kampagnen zu angeln. Karl Allgöwer vom VfB Stuttgart hat in den achtziger Jahren mit seinem schwarzen Vereinschef Mayer-Vorfelder schwer Ärger bekommen, als er öffentlich für die SPD warb. Ich glaube im Übrigen nicht, dass eine Unterstützung durch Künstler oder Sportler viel bewirken wird.
Zeit: Spieler können sich engagieren, wenn es ihrer Überzeugung entspricht?
NoS: Selbstverständlich. Aber der Bundestrainer als Führungsperson muss sich neutral verhalten, auch Vereinsbosse sollten das tun. Uli Hoeneß ist mit seiner Parteinahme für die CSU immer viel zu weit gegangen.
Zeit: Michael Ballack hat gesagt, dass er sich zu politischen Themen überhaupt nicht äußern will. Wird er diese Linie als Kapitän des deutschen Teams 2006 durchhalten können?
NoS: Ich glaube kaum, denn bei jeder WM sind politische Fragen und Probleme aufgetaucht. Denken Sie an Deutschland 1974 und das Spiel gegen das damalige Militärjuntaland Chile vor aufgebrachten Fans oder an die erste innerdeutsche Paarung BRD/DDR in Hamburg. Erinnert sei auch an die WM 1978 im damals diktatorisch regierten Argentinien, als sich der Spieler des 1. FC Köln Herbert Zimmermann einen Fauxpas geleistet hat. Auf die Frage, ob er sich überhaupt eine Nachtruhe vorstellen könne, wenn in der Nachbarschaft Gefangene gefoltert würden, antwortete er: „Wieso? Wir haben ja die GSG 9 bei uns.“ In den fünfziger Jahren haben die Fußballer die Politik noch beschwiegen, was heute in der Mediengesellschaft nicht mehr durchzuhalten ist.
Mittwoch, 30. März 2005
Allgemein
Das konnte nicht gutgehen
Matthias Wolf (FAS 27.3.) erklärt den Misserfolg Fredi Bobics bei Hertha BSC: „Ein typisches Mißverständnis à la Hertha. Bobic paßt nicht ins System. Sportlich und menschlich. Er ist ein typischer Ein-Kontakt-Stürmer, der meist sofort den Abschluß sucht. Flanken aber bekommt er aber bei der Berliner Spielweise, von einem breiten Mittelfeld dominiert, kaum. (…) Früher sagte er gerne offen seine Meinung – was Dieter Hoeneß so gar nicht leiden kann. Das wissen alle in Berlin. Obwohl er anfangs erklärt hatte, man brauche „die Siegermentalität“ von Bobic, selbstbewußte Spieler mit Rückgrat wie ihn, um die Selbstzufriedenheit zu vertreiben. Als Hoeneß dann nach der desolaten Hinrunde 2003 öffentlich er habe sich von Fredi Bobic „in puncto Mannschaftsführung mehr erwartet“, war es in Wahrheit so, daß ihm der Stürmer bereits viel zu renitent war. (…) Erste Vorwürfe kamen auf: Er sei Querulant und Egoist. Der Vorsitzende hat es eben gerne harmonisch, zumindest nach außen hin. Hoeneß will alles kontrollieren. Von der Mannschaft bis hin zu den Medien. Wer nicht spurt, bekommt Probleme. Mancher fürchtet gar, Falko Götz fertige nie eine Aufstellung ohne Hoeneß an. Der Machtmensch und Bobic – das konnte nicht gutgehen.“
Internationaler Fußball
Um Sport geht es ohnehin nie
Griechenland spielt gegen Albanien, und Michael Martens (FAZ 30.3.) rechnet mit Gewalt: „Ressentiments gegen Albaner, von denen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus mehrere hunderttausend als Gastarbeiter in Griechenland ihr Auskommen gesucht und gefunden haben, sind in der griechischen Gesellschaft weit verbreitet – obwohl man sich der billigen Arbeitskraft aus dem Norden gern bedient und die griechische Wirtschaft seit langem auf importierte Muskelkraft angewiesen ist. (…) Um Sport geht es bei solchen Auseinandersetzungen ohnehin nie. In Gewalt mündende, mit politischer Bedeutung aufgeladene Sportereignisse sind auf dem Balkan zwar keine eherne Regel, aber auch keine große Ausnahme. (…) Politischen Anschauungsunterricht liefern regelmäßig auch die Heimspiele der albanischen Nationalmannschaft, denn im Sport scheint die Befürchtung mancher Balkanfachleute, daß sich die Albaner des Kosovos und die albanischen Minderheiten Mazedoniens, Südserbiens und Montenegros eines Tages zu einem „Großalbanien“ zusammenschließen könnten, bereits eingetroffen zu sein. Wenn Briegels Team um Punkte kämpft, reisen regelmäßig Albaner aus den umliegenden Staaten an, weil sie sich mit den Nationalmannschaften ihrer Heimatstaaten nicht identifizieren.“
Rassismus ist ein dramatisches Problem im israelischen Fußball
Raphael Honigstein (SZ 30.3.): „Seinen Feinden großes Glück zuzufügen, ist die eleganteste Form der Rache. Abbas Suan hat das sehr schön hinbekommen. Gegen Irland traf der Einwechselspieler in der 90. Minute zum 1:1, das Ramat Gan Stadion schien vor Freude fast zu zerplatzen. „Dieses Tor widme ich allen Menschen in Israel“, sagte Suan, „es ist Zeit, dass wir nicht mehr von Juden oder Arabern reden. Wir sind alle ein Volk.“ Die für ihre anti-arabische Einstellung berüchtigten Fans im Jerusalemer Teddy-(Kollek-)Stadion hatten das im Februar ganz anders gesehen. Suan, der stolze Kapitän des arabischen Vereins Bnei Sachnin, wurde in seinem vierten Länderspiel für Israel ausgepfiffen und als Terrorist beschimpft. Rassismus ist ein dramatisches Problem im israelischen Fußball, Woche für Woche werden Spieler muslimischen Glaubens von Hooligans ausgebuht und mit Obst beworfen, in vielen Vereinen machen sogar die eigenen Anhänger Stimmung gegen die Araber. Am Samstag jubelten 40 000 überwiegend jüdische Fans Suan zu, der sichtlich gerührt war. Die Geschichte des 29-jährigen Mittelfeldspielers und seines Vereins, der sich gegen viele Widerstände in der israelischen Liga etabliert, besitzt jedoch nicht nur eine politische Dimension; Suan steht mit seinem körperbetonten, geradlinigen Spiel auch für den neuen, bisher sehr erfolgreichen Fußball unter Avraham Grant.“
Es fehlt an einer Grundidee, Tempo, Zusammenspiel; einer Seele
Ronald Reng (FR 30.3.) kritisiert den spanischen Nationaltrainer: „Spanien, das eine der drei besten Ligen der Welt hat, ist unter Luis Aragonés ein Team ohne Richtung und Konzept – eine deprimierte Ansammlung von beachtlichen Spielern, die scheitern wird; die Frage ist nur: früher oder später? Dies war einmal eine hoffnungsvolle Generation. Es ist gerade ein Jahr her. Aragonés‘ Vorgänger Iñaki Saéz startete ein aufregendes Projekt mit jungen Spielern wie Iker Casillas, Vicente Rodríguez, Fernando Torres und vor allem mit einer klaren Idee: dem offensiven 4-3-3-System mit klassischen Flügelstürmern. Dann kam die EM 2004, sie scheiterten in der Vorrunde unglücklich an Portugal und Griechenland; ein Ausscheiden, das später relativiert wurde, als diese beiden Teams das Endspiel erreichten. Aber da war Saéz schon zurückgetreten, gemobbt von einer spanischen Sportpresse, die nie über die jüngste Niederlage hinausdenkt, allein gelassen von Ángel María Villar, einem Verbandspräsidenten ohne Rückgrat. Aragonés übernahm, und heute ist noch immer nicht zu erkennen, was er mit der Elf eigentlich vorhat. Er wechselt Aufstellung und System in jeder Partie, und jedesmal sieht Spanien gleichsam beliebig aus. Es fehlt an einer Grundidee, Tempo, Zusammenspiel; einer Seele.“
Zwischen den Mühlsteinen von Politik, Justiz und Fußball
Der Machtwechsel in der Ukraine beeinflusst den Fußball; Katja Tichomirowa (BLZ 30.3.) kommentiert die Annullierung der Entlassung des Nationaltrainers Oleg Blochin, der auch Politiker ist: „Mit der Selbstherrlichkeit des ukrainischen Fußballverbandes ist es vorbei. Die neue Staatsführung geht nicht zimperlich vor gegen den Verband, dem neben den Brüder Surkis noch andere sogenannte Oligarchen, wie der Präsident von Schachtjor Donezk, Rinat Achmetow, angehören. Den Paten der Bergbau- und Industrieregion im Osten der Ukraine weht seit dem Amtsantritt Viktor Juschtschenkos ein scharfer Westwind ins Gesicht. Bereits im Februar kündigte der neu gewählte Präsident an, die unter undurchsichtigen Bedingungen erfolgten Privatisierungen in der Ostukraine rückgängig machen zu wollen. (…) Zwischen die Mühlsteine von Politik, Justiz und Fußballverband geriet auch Oleg Blochin. Unklar blieb, ob seine Gegner in den Regierungsreihen des Parlaments ihn wirklich zur Aufgabe seines Postens als Trainer oder zur Abgabe seines Mandats zwingen wollten. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss jedenfalls befand, die beiden Ämter seien nicht vereinbar. Blochin entschied sich daraufhin – scheinbar – für die Politik und gab seinen Rücktritt vom Amt des Nationaltrainers bekannt. Der melodramatische Auftritt des einstigen Ausnahmekickers im Parlament verfehlte seine Wirkung indes nicht. (…) Bis sich die Seilschaften zwischen Politik und Sport in der Ukraine entwirren lassen, wird es wohl noch etwas dauern.“
NZZ: Zur Lage in Zypern
Dienstag, 29. März 2005
Interview
Wir Spieler können den Menschen in Deutschland mit unserem Auftreten Mut machen
Oliver Kahn mit Lars Gartenschläger (WamS 27.3.)
WamS: Der Bundestrainer hat kürzlich gesagt: Wir beim DFB haben Oliver wieder stark gemacht. Hat er recht?
OK: Nachdem es zum Anfang dieser Saison hieß, daß ich meine Position als Nummer eins, also die Dinge, die ich mir erarbeitet hatte, neu verteidigen muß, stand ich vor einer neuen Situation. Aber sie hat bei mir zu noch konsequenterem Arbeiten geführt. Sie sorgte für eine Leistungssteigerung und für höhere Motivation. Insofern kann man das, was er gesagt hat, unterstreichen.
WamS: Wie beurteilen Sie sich derzeit selbst?
OK: Ich fühle mich vor allem geistig und mental sehr stark. Ich merke, wie mein Kopf in der Lage ist, meinen Körper zu aktivieren. Wenn das der Fall ist, fällt es mir relativ leicht, das von mir erwartete Leistungsvermögen zu zeigen.
WamS: Das war im vergangenen Jahr nicht immer der Fall.
OK: Es kann nicht immer hundertprozentig gut laufen. Manchmal mußt du sogar in ein Loch fallen und einen Punkt erreichen, an dem du dich neu hinterfragst, dich definierst und überlegst, was du anders machen kannst. Ich habe gelernt, die Balance zu finden, mich nicht total zu entleeren und auszubrennen.
WamS: Wie schwer war es für Sie, zu akzeptieren, daß Sie alles das, was Sie erreicht haben, neu verteidigen müssen, um weiterhin an vorderster Front zu stehen?
OK: Wenn man so etwas zu spüren bekommt, schüttelt man sich kurz, ist ein bißchen erschrocken und fängt an zu arbeiten. Niemand in unserer Gesellschaft kann sich auf irgendeiner Sache ausruhen. Deshalb habe mich damit so auseinandergesetzt, wie es wohl alle Menschen tun, wenn sie in ihrem Leben vor so einer Situation stehen. Das, was du in der Vergangenheit erreicht hast, ist eben vergangen. Es zählt nicht mehr. Du mußt das, was du kannst, permanent neu unter Beweis stellen. Ich habe mir klargemacht, daß ich nicht von dem, was ich in meiner Karriere gewonnen habe, zehren kann. Daran kannst du dich erinnern, wenn du nicht mehr aktiv bist. Aber ein Schauspieler ist auch immer nur so gut wie sein letzter Film. Beim Fußballer ist es das letzte Spiel. So sind die Regeln. (…)
WamS: Für den Ernstfall, den Gewinn des WM-Titels, ist in dieser Woche eine Prämie von 300 000 Euro pro Mann ausgehandelt worden. Sind Sie zufrieden damit?
OK: Mit dieser hohen Summe sollte das große Ziel unterstrichen werden, daß wir vor Augen haben und erreichen wollen.
WamS: Auf der einen Seite generiert der DFB mit der Nationalmannschaft viel Geld, an dem die Spieler partizipieren wollen. Auf der anderen Seite wird in Deutschland gerade in allen gesellschaftlichen Bereichen Verzicht gepredigt. Denken Sie als Spieler an die Außenwirkung solcher Summen?
OK: Natürlich ist uns die Situation in unserem Land bewußt. Aber ich glaube, daß viele Deutsche mittlerweile großes Vertrauen in uns setzen. Wir haben als Nationalmannschaft bei der WM eine große Möglichkeit, mit dem guten Fußball, den wir dann hoffentlich auch spielen, in unserem Land vielleicht eine neue, positive Stimmung zu erzeugen. Wir Spieler können den Menschen in Deutschland mit unserem Auftreten Mut machen und sie mitreißen.
Internationaler Fußball
Stille Revolution
Dirk Schümer (FAZ 29.3.) schildert seine Erkenntnis aus dem 2:0 Italiens gegen Schottland: „Marcello Lippi, der aus seiner Zeit in Mailand und Turin die oftmals satten Topspieler genau kennt, arbeitet offenbar im stillen an einer Revolution, weil er fast ausnahmslos Spieler aus den kleinen Klubs ins Aufgebot beruft. Am Ende ruhten die Hoffnungen der Tifosi im Sturm auf Gilardino vom abstiegsbedrohten FC Parma sowie dem wuchtigen Luca Toni vom Aufsteiger Palermo, der mit fünf Spielern sogar den Löwenanteil im Kader stellte. Wohl um die Arrivierten unter Druck zu setzen, berief Lippi für den Test gegen Island zusätzliche Neulinge von den in dieser Saison überraschend starken Teams aus Lecce und Udine ins nationale Aufgebot. (…) Auf der wirtschaftlichen Sonnenseite konnte Juventus Turin zu Ostern einen Rekordvertrag im Trikot-Sponsoring bekanntgeben. Der libysche Ölkonzern Tamoil aus dem Besitz der Diktatorenfamilie Gaddafi, die bereits länger Juve-Anteile ihr eigen nennt, spendiert über zehn Jahre 240 Millionen Euro für die breite Brust der Juventiner. Mit diesem leichtverdienten Geld kann Juventus dann den ärmeren Vereinen die besten Spieler wegkaufen, sollten sich diese weiter in der Nationalmannschaft bewähren.“
Großvater-Syndrom
Birgit Schönau (SZ 29.3.) ergänzt: „Wer zum Commissario Tecnico der Squadra Azzurra berufen wird, scheint unweigerlich dem Großvater-Syndrom zu erliegen. Papà Maldini hatte seinen eigenen Sohnemann sogar im Aufgebot, Trapattoni machte Väterlichkeit zum Programm („Es ist, als wären sie alle meine Kinder“), selbst Zoff gab den gütig-brummigen Patriarchen. Und jetzt Lippi, dem Boxkämpfe in der Juve-Kabine nachsagt wurden, und der zur Erziehung seiner Mannschaft auf Vor-68er-Methoden setzte. (…) Die Schotten erwiesen sich als eine Horde ungeschlachter Barbaren, die beim Wühlen nach dem Ball dem Gegner gnadenlos auf den Füßen herumtrampeln. Die schottische Unterart des Rugbys als Catenaccio zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für die Italiener. Erstens bedeutet Catenaccio, egal, wie man dazu stehen mag, eo ipso Fußballkultur. Zweitens gehört zum Riegel der Konter, doch in diese Regionen taktischer Finesse sind die Schotten in ihrer entwaffnenden Unbedarftheit nicht vorgestoßen.“
FR-Bericht Frankreich-Schweiz (0:0)
NZZ-Bericht England-Nordirland (4:0)
« spätere Artikel — frühere Artikel »