Samstag, 15. April 2006
WM 2006
Aufwärmprogramm 2006
(11.05.06) Ball und Buchstabe: Deutschland vor der WM, „eine Nation im neunten Monat“ (FAZ) – „Die Rüpel-Hauptstadt soll sich zur WM dank einer Charmeoffensive zur Hauptstadt des Lächelns wandeln“ (NZZ) – „Eine schlechtere Presse als Goleo hatte in jüngster Zeit wohl nur der Kannibale von Rotenburg“ (SZ-Magazin) (mehr)
//Am Grünen Tisch: Kritik der Datenschützer: „Die WM, der größte Datenabgleich der deutschen Geschichte“ (FAS) (mehr) // Portrait: „Luca Toni hat immer an seinen Stern geglaubt“ (NZZ) (mehr)
(10.05.06) „Jürgen Klinsmanns Strategie erscheint als Ausbund an Logik im Vergleich zum WM-Aufgebot, das sich Sven-Göran Eriksson ausgedacht hat“ (FAZ) – „Es nennt sich Bud, kommt aus den USA und wird aus Reispampe zubereitet – igitt!“ (FR) (mehr)
(09.05.06) „Als Sportfreund will man sich von der WM abwenden, weil sich die Fifa allein der Gewinnmaximierung verschrieben hat“ (taz) (mehr)
(04.05.06) „Aschenputtel darf zum Ball“, eine SZ-Reportage über Angola und die Hoffnung, die das vom Bürgerkrieg geprägte Land an die WM knüpft – „Wayne Rooney hätte das Welt-Turnier mit seinem grandiosen Geschwindigkeitsfußball geprägt wie kaum ein anderer“ (FR) (mehr)
(02.05.06) „Gut, dass der BGH auch ein Fifa-Kernargument verwirft: dass der Weltverband den Markenschutz für seine Sponsoren benötige, weil ohne diese gar keine WM zu finanzieren sei“ (SZ)(mehr)
(28.04.06)„Schwerer Schlag für die Fifa“ (FTD): Bundesgerichtshof verweigert ihr das Namensrecht auf den Begriff „Fußball-WM 2006“ mehr)
(27.04.06) „Mit der Fifa legt sich niemand an, schon gar nicht, wer eine WM ausrichten will“ (FTD) (mehr)
(26.04.06) „In Deutschland eine findet eine WM mit Fifa-Behinderung statt“ (SZ) / Redeverbot für Franz Beckenbauer, den „Dalai Lama des Weltfussballs“ (NZZ) (mehr)
(20.04.06) „Inzwischen fürchtet man, dass wie bei der WM 2002 ganze Blöcke in den Stadien leer bleiben“ (FTD) – „Die WM-Sicherheitspolitik ist zum Teil unsinnig, zum Teil rechtswidrig, nicht selten beides“ (SZ) (mehr)
(19.04.06) Kritik an der Fifa-Kritik am Ticketing (Tsp) (mehr)
(18.03.06) „Warum um alles in der Welt muss eine Nation wie Deutschland unbedingt Weltmeister werden oder bei Olympischen Spielen die meisten Medaillen einheimsen?“ (SZ) (mehr)
(09.03.06) Deutschlands WM-Blase, „kaum ein noch so kleiner Verlag, der nicht auf den fahrenden Fussball-Zug aufzuspringen versucht“ (NZZ) (mehr)
(06.03.06) „Deutschland droht, ein Ausrichter ohne großen Einfluss zu werden“ (SZ-Magazin) (mehr)
(28.02.06) Neue Klage gegen das OK in der Ticketfrage (mehr)
(16.02.06) Bundeswehr-Einsatz: „Ein Land, das sich seit Jahren seiner zivilen Kultur rühmt, würde viel verspielen, wenn die Feiern fröhlicher Fans von Soldaten flankiert würden“ (FTD) (mehr)
(13.02.06) „Sähe der Verteidigungshaushalt anders aus und wäre die Belastung durch Auslandseinsätze für die Truppe nicht so hoch, wie sie ist, so spräche nichts dagegen, Bundeswehrsoldaten bei der WM zum Objektschutz einzusetzen“ (FAS) (mehr)
(11.02.06) Soldaten im WM-Einsatz? – Ticket-Privileg für Kommunalpolitiker? – DAB bricht ihren Kunden das Versprechen auf WM-Tickets (mehr)
(31.01.06) „Stimmungstief in Deutschland“ (FAS) – „es gibt Fußballfans, die treibt eine Sorge um den Charakter des Volkssports Fußball, den sie bedroht sehen durch Kommerz, Diskriminierung und Repressionen von seiten der Sicherheitsorgane“ (FAZ) (mehr)
(20.01.06) Schlechte Krisenkommunikation: „der Tonfall rund um dieses heilige Turnier hat ein Niveau erreicht, dass man das Thema Debatten-Kultur am liebsten ins WM-Kulturprogramm aufnehmen würde“ (SZ) / „in dem Getöse mag untergegangen sein: letztlich könnte es um Menschenleben gehen“ (FAZ) / „um den Standort Deutschland macht sich verdient, wer keine Fragen stellt“ (FR) / „was ist so schlimm daran, daß die allgegenwärtige Nervensäge Heller nun eine Show weniger inszeniert?“ (FAS) / „ohne ästhetische Überhöhung ist eine WM einfach nur ein Monat mit 64 Fußballspielen“ (Zeit) (mehr)
(14.01.06) Fifa sagt WM-Gala ab: „Offenbarungseid“ (StZ) / „kein Mensch wird dieses überzählige Vorspiel vermissen“ (SZ) — Werner Brinkmann, Vorstand der Stiftung Warentest (FR): „Wir sind keine Anfänger“ — „es ist fraglich, ob ein WM-Ausschluss Irans ein richtiges Zeichen setzen würde“ (Freitag) (mehr)
(11.01.06) „Land der vielen Pannen“ (BLZ), Stiftung Warentest erkennt Mängel in den WM-Stadien / WM-OK reagiert gereizt, „Rückfall in alte Zeiten der tollwütigen Beckenbauer-Rhetorik“ (SZ) / auch Kritik an der Stiftung, „sie hat mit der voreiligen Ankündigung ihrer Studie überzeichnet“ (FR) / „was die innere Sicherheit der Arenen betrifft, sollten die Organisatoren neu nachdenken und schnell nachbessern anstatt Witze zu machen“ (Tsp) (mehr)
(06.01.06)
WM 2006
„Ein Volk, ein Land, ein Fußball, nur mit Fußball kann man in Deutschland noch Staat machen“ (FAZ) (mehr)
(23.12.05) Ascheplatz Gerichtsurteil zwingt WM-OK, den Ticketverkauf zu ändern; „ein Korrektiv war dringend nötig, um den Monopolisten zur Einsicht zu bringen“ (taz) / „dass dem OK auf die Finger gehauen hat, war gut“ (FR) // Deutsche Elf Benefizspiel-Verbot für Nationalspieler, „den Weltmeistertitel in Kleinkariertheit hat Jürgen Klinsmann damit bereits gewonnen“ (BLZ) // Ball und Buchstabe WM-Einsatz der Bundeswehr? „Gegen den Mangel an Polizisten gibt es ein bewährtes Rezept: Polizisten einstellen“ (SZ) (mehr)
(17.12.05)Am Grünen Tisch Teil des WM-Ticketings rechtswidrig, „der DFB muss vom hohen Ross steigen“ (FR) – WM-Ausschluss Irans? „Der Sportboykott bleibt eine stumpfe Waffe, sofern er nicht Teil politischer und wirtschaftlicher Sanktionen ist“ (SZ) / Daniel Cohn-Bendit (taz): „Es geht darum, den Iranern klar zu machen, dass nicht wir sie isolieren, sondern dass ihr Präsident sie von der Welt isoliert“ (mehr)
(15.12.05) Standortfrage, „Brasilien entscheidet sich gegen den Wunsch der Sponsoren für den Taunus“ (SZ) / don’t go east: „die Wiedervereinigungssymbolik, die sowohl den Olympiabewerbungen Berlins und Leipzigs als auch dieser WM identitätsstiftend innewohnte, wird im Rest der Welt offenbar nicht honoriert“ (FAZ) (mehr)
(10.12.05) Auslosung – „man darf sich wünschen, dass das fußballerische Niveau des Turniers zumindest über dem Niveau der Funktionärsparade liegen möge“ (SZ) (mehr)
(09.12.05) „Der Tag des Zuschlags für die WM war gefühlt der letzte, an dem dem verzagten Land irgendwas gelungen ist“ (SZ) – Leipzig im Dilemma: Soll es seine Vergangenheit betonen, die, wie der Fall Jürgen Ulrich belegt, Teil einer „unrühmlichen Medizin-Geschichte“ (FAZ)? Soll es mit seiner Gegenwart werben, „die ohne Profifussball auskommen muss“ (NZZ)? – Joseph Blatter „erzeugt Ehrfurcht und Bewunderung“ (Tsp) – „es ist die kleine Rache der Holländer, dass sie die WM in Deutschland ein bisschen zu ihrer eigenen machen werden“ (SZ) (mehr)
(06.12.05)
WM 2006 – Ascheplatz
„Die Fifa regiert die Fußball-Republik“ (FAS): Über ein Ticketsystem, „das Hunderttausende begeisterte Normalbürger (und -verdiener) in ein Heer muffeliger, weil unfreiwilliger Kreditgeber verwandelt, die am Ende nicht mal in den Genuss ihrer Monate voraus bezahlten Eintrittskarten gelangen“ (SZ) / Horst R. Schmidt (FAZ): „Dem Verbraucherschutz geht es nicht um gute Lösungen im Interesse der Verbraucher, hier geht es um Populismus“ – „die Fifa übertreibt es mit dem Schutz der WM-Sponsoren und sorgt mit seiner Regulierungswut für Verdruß“ (FAS) //
WM 2006 – Ball und Buchstabe
Gunter A. Pilz (StZ): „Die Fans müssten viel mehr darauf aufpassen, was sich um sie herum ereignet“ – „worauf sich die Deutschen wirklich noch verlassen können, ist inzwischen nicht mehr ganz klar, seitdem die Nation der Häuslebauer massive Sorgen um ihre schönen, neuen WM-Arenen plagt“ (SZ) //
WM 2006 – Am Grünen Tisch
„Die Fifa steuert das Losglück“ (WamS) – Joseph Blatter (Tsp): „Beim deutschen OK brennt die rote Lampe“ – Durchsuchung in Blatters Büro
(mehr)
(02.12.05) Turbokapitalismus beim Ticketverkauf? Verbraucherschützer klagen das WM-OK, „der Verdacht drängt sich auf, dass sich das OK seine laufenden Kosten von Fußballfans finanzieren lässt“ (FR) (mehr)
(01.12.05) Franz Beckenbauers „Sympathie-Offensive in Holland“ (FAZ) (mehr)
(28.11.05) Über die Vorbereitung der Prostitution auf die WM (Spiegel) (mehr)
(20.07.05) Studien widersprechen der Hoffnung auf eine starke Belebung der deutschen Wirtschaft durch die WM 2006 (mehr)
(19.07.05) „Für Familien ist die Anstoßzeit 21 Uhr problematisch, aber sie hat auch ihre guten Seiten“ (Tsp) (mehr)
(16.07.05) Schlechte Noten vom Obersten Rechnungshof für die WM-Vorbereitung in Bayern, „Wolken über Beckenbauer-Land“ (FAZ) (mehr)
(14.07.05) Fifa bekämpft Ambush-Marketing rigoros (FAZ) (mehr)
(30.06.05) „Aus Deutschland wird Fifa-Land und aus dem DFB eine Art Handlanger der Fußball-Weltregierung“ (SZ) (mehr)
(29.06.05) Stadion in Leipzig, „eine Aufbau-Ost-Illusion“ (FTD)? (mehr)
(24.06.05) Ein Dossier der Berliner Zeitung über die Kosten der WM: „Am Beispiel der WM 2006 sieht man erneut, wie nonchalant deutsche Politiker die berechtigten Interessen des Wahlvölkchens missachten“ (mehr)
(20.06.05) Generalprobe Confederations Cup: „Wer ein Fifa-Turnier ins Land holt, ist auf Wochen fremdbestimmt“ (Spiegel) (mehr)
(17.06.05) Das Sicherheitskonzept: „In den Computern des DFB werden die persönlichen Daten vieler Millionen Menschen schlummern – eine Fundgrube für kommerzielle Datenhändler aus aller Welt“ (Zeit) (mehr)
(24.05.05) Neuwahl in Berlin? „Der WM tut das gut“ (Tsp) / wird Otto Schily zur lahmen Ente des Sports? (SZ) (mehr)
(27.04.05) Unverständnis über die harsche Kritik am Ticket-Schwarzhandel durch das OK, „die Sachwalter der reinen Lehre des Kapitalismus ändern ihren Grundsatz“ (FAZ) (mehr)
(25.04.05) „Die fünf Sterne, die die Uefa dem Berliner Olympiastadion verliehen hat, sind der blanke Hohn; man kann nur hoffen, dass es bei der WM nicht zur Katastrophe kommt“ (BLZ) (mehr)
(31.03.05) Norbert Seitz, Soziologe und Autor, im Zeit-Interview über die Nähe von Politik und Fußball: „Der Bundestrainer als Führungsperson muss sich neutral verhalten“ (mehr)
(14.03.05) Franz Beckenbauer und Mitarbeiter, „Äquivalent zum Gepränge am Hofe von Ludwig XIV“ (FAZ) (mehr)
(02.03.05) „Die allgemeine Verfassung des deutschen Fußballs könnte Zweifel daran nähren, ob dieser Sport derzeit das richtige Medium für eine Standortkampagne abgibt“ (FAZ) (mehr)
(24.02.05) Ambush-Marketing (mehr)
(21.02.05) Diskussion um die Image-Kampagne (FAS) – „ob die WM nach Dortmund kommt, hängt davon ab, ob der BVB sich retten kann“ (FAS) (mehr)
(08.02.05) Preispolitik im Ticketing, „ökonomisch betrachtet, ist der Schwarzmarkt effizient“ (FAZ) (mehr)
(04.02.05) Verbraucherschutz klagt über Ticketing (Welt) (mehr)
(03.02.05) Was wird aus „dem Freudenfest? Helfen kann nur noch einer – der deutsche Fan“ (Zeit) (mehr)
(02.02.05) Run auf Tickets (mehr)
(01.02.05) Glosse, „angenommen, man läßt sich vor dem Endspiel scheiden, das man eigentlich mit seiner Frau besuchen wollte, muß man ganz schnell die Scheidungsurkunde einreichen und kann dann jemand anderen mitnehmen“ (FAZ) (mehr)
(28.01.05) Die WM, ein Politikum, bereits im Vorfeld „Deutschland, Land der Ideen“ heißt der neue Slogan, entwickelt von der Agentur Scholz & Friends (Spiegel) (mehr)
(27.01.05) Glosse – „nicht mein persönlicher Einsatz, Ehrgeiz und Einfallsreichtum entscheidet darüber, ob ich einer WM-Begegnung live im Stadion beiwohnen darf, sondern bloß ein doofer Zufallsgenerator“ (taz) (mehr)
(25.01.05) Ticketing, das OK sei „Auslöser, Gestalter und Opfer des Verteilungskampfs“ (FAZ) (mehr)
(24.01.05) „Die große Differenz zwischen Angebot und Nachfrage stellt hohe Anforderungen an die Zuteilung der Eintrittskarten“ (FAS) (mehr)
(22.01.05) „Es ist WM, und nicht jeder darf rein“ (FAZ) (mehr)
(21.01.05) „So schamlos haben Politiker noch nie versucht, den Fußball für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, wie jetzt Gerhard Schröder und Konsorten“ (taz) mehr)
(20.01.05) 1. FC Deutschland 06: „Der Schlagabtausch zwischen Opposition und Regierung hat das Format einer Posse“ (NZZ) – „anderthalb Jahre vor dem Anstoß des Turniers hat das Ereignis längst Besitz ergriffen vom Alltag im deutschen Fußball“ (SZ) (mehr)
(17.01.2005)Ticketverkäufer Klaus-Peter Schulenberg (mehr)
(13.01.2005) Tickets, „dass viele Interessenten leer ausgehen, ist klar“ (FTD) (mehr)
(20.12.2004) Gerhard Schröder und seine WM, „im Jahre 2006, ahnt man, soll die Nachkriegszeit nun endgültigst enden; die Opposition, die sich mit einer Patriotismus-Kampagne herumquält, wird Rot-Grün das Rühren der nationalen Trommel schwerlich vorwerfen können“ (FAS) – „wir sind noch wer“, das Aufbruchsmotto des FC Deutschland 06 (FAS) (mehr)
(18.12.2004) Kritik an der Skandalisierung des angeblichen Ticketprivilegs für Bundestagsabgeordnete: „Volksvertreter sollen beim größten gesellschaftlichen Ereignis des Jahrzehnts dabei sein“ (SZ) (mehr)
(14.12.2004) „Mehr als ein riesiges Fußballturnier mit mächtigem Profit“ (FAS) (mehr)
(11.12.2004) Rudi Völler ist WM-Botschafter, „dieser Part ist ihm auf den Leib geschneidert“ (FAZ) (mehr)
(10.12.2004) André Heller vergeht sich (mehr)
(9.12.2004) „Jürgen Klinsmann, der heimliche Regierungschef des FC Deutschland“ (Zeit) – Diskussion um Großbildleinwände: „deutsch feiern heißt eben feiern nach Vorschrift“ (SZ) (mehr)
(8.12.2004) Die Deutsche Bahn ist nationaler Sponsor, „Mär von der privat finanzierten WM“ (FR) – „wie die Fifa die Städte hindert, Großleinwände zu organisieren“ (SZ) (mehr)
(3.12.2004) Jürgen Klinsmann hat „die bisher wichtigste sportpolitische Partie für sich entschieden“ (FAZ): das WM-Quartier ist in Berlin / „das Alte zählt nicht mehr“ (Tsp) / „eine historische Leistung, dass Klinsmann ein neues Jobverständnis etabliert hat“ (BLZ) / Bayer Leverkusen, „die beste Opfernebenrolle im deutschen Fußball“ (FAZ) / Klinsmann (Tsp): „Ich respektiere die Enttäuschung in Leverkusen“ (mehr)
(2.12.2004) WM-Parties, „die Weltmeisterschaft quillt aus den zwölf Stadien“ (FAZ) – „längst hat Gerhard Schröder zur Sicherung seiner Wiederwahl den deutschen Titelgewinn angeordnet“ (taz) (mehr)
(27.11.2004) „Die WM soll auch über den Besuch der zwölf Stadien hinaus zum Gemeinschaftserlebnis werden“ (FAZ) (mehr)
(23.11.2004) Im Spiegel lesen wir: „Finanziert aus Steuermitteln und Industriespenden will der Kanzler eine Optimismus-Offensive Starten. Offiziell gilt der Reklameaufwand der Fußball-WM, in Wahrheit seiner Wiederwahl“ (mehr)
(19.11.2004) Bei der WM wollen alle helfen, auch BDI-Präsident Michael Rogowski (FAZ-Interview) – Anstoß, das neue Fußball-Kultur-Magazin (mehr)
(16.11.2004) Goleo, „nur ein weiterer Ausdruck transatlantischer Missverständnisse“ (SZ) (mehr)
(15.11.2004) „Deutschland streitet nicht mehr um Hartz IV, Deutschland streitet über Goleo VI“ (taz) – ist Leipzig WM-tauglich? (BLZ) (mehr)
(10.11.2004) „Das Leipziger Zentralstadion steht vor dem Verkauf“ (FR) / „Fußball-WM für Leipzig eine Nummer zu groß?“ (FR) (mehr)
(3.11.2004) Sepp Blatter (BLZ): „in der Ticketfrage wird sich nichts Grundsätzliches ändern“ (mehr)
(2.11.2004) Die Aufwertung des Confederation Cups in Deutschland, „ein Beispiel für die Halbwertzeit der Grundsatzpositionen“ (SZ) (mehr)
(8.10.2004) Wie integriert man Fans in die Planung? (mehr)
(2.10.2004) Das Marketing Hyundais (mehr)
(1.10.2004) Das WM-Poster ist gewählt, und die Journalisten fassen sich an den Kopf – Reiner Calmund wird Big Boss der WM in NRW (taz) – VIP-Tickets (mehr)
(29.9.2004) Wer darf und wird die Eröffnungsfeier veranstalten? (mehr)
(25.9.2004) Fünf Poster stehen zur Auswahl: was ist schöner, „eine verhüllte Erektion oder die Fernseh-Einblendung vor einer Eurovisions-Fernsehgala“? (SZ-Gespräch mit Designer Konstantin Grcic) (mehr)
(24.9.2004) Kann man gute Laune vom Gastgeber erwarten? Und sie ihm befehlen? (mehr)
(22.9.2004) Otto Schily fordert die Deutschen zur Freundlichkeit und Offenheit auf (mehr)
(10.9.2004) Die Xbox – „Spielewelt gegen reale Welt“ (SZ) (mehr)
(7.9.2004) „Immer öfter bedienen sich Nationalteams der Hilfe ausländischer Profis“ (FAS) (mehr)
(3.9.2004) Wann gibt’s endlich Tickets? mehr)
(2.9.2004) Das Marketing und die Marketing-Kommunikation der Deutschen Telekom (mehr)
(31.8.2004) Sehr lesenswert! Spiegel-Gespräch mit WM-Kulturchef André Heller: „Vielleicht bekommen wir eine Art literarisches Quartett zusammen, das allabendlich unter Harald Schmidts anarchischer Leitung über WM-Spiele diskutiert“ (mehr)
(28.8.2004) Sicherheitspolitik, „die Spiele sollen zivile Spiele werden“ (SZ) (mehr)
(27.8.2004) Die Fifa fordert die Aufbietung neuester Fernsehtechnik (mehr)
(6.8.2004) Die Fifa will in Deutschland keine Steuern zahlen (SZ) (mehr)
(13.7.2004) die SZ spricht mit Marketing-Experten über die Vorbereitungen und Chancen der WM 2006
(8.7.2004) „bei wenigen Themen seines Ressorts ist Bundesinnenminister Otto Schily so engagiert und voller Vorfreude wie bei der Fußball-WM 20062 (FAZ) u.a.
(14.4.2004) Straßen und Schienen
Bundesliga
Bange
Frank Heike (FAZ) erörtert die Wolfsburger Stille: „Es ist ja nicht so, daß Klaus Augenthaler als Traumtänzer auftritt: Aber hat er auch etwas bewegt seit seinem Amtsantritt kurz nach Weihnachten 2005? Seine Bilanz ist schlecht: zwei Siege, fünf Unentschieden, fünf Niederlagen. Vor dem Trainerwechsel stand der VfL im Mittelfeld. Jetzt schauen die Wolfsburger bang auf den zwei Punkte entfernten Sechzehnten 1. FC Kaiserslautern. Merkwürdigerweise gibt es kaum Kritik an Augenthaler. Seine Ruhe, seine Souveränität, seine akribische Arbeit überzeugen die Verantwortlichen. Fünf Trainer und drei Manager in 36 Monaten sind ein schlechtes Zeugnis für Geschäftsführung und Aufsichtsrat; vor allem der von VW dominierte Rat hofft, mit diesem Trainer irgendwie noch die Kurve zu kriegen. Was Volkswagen im Abstiegsfalle machte, ist die große Frage. Der mühsam auf Sparkurs getrimmte größte europäische Autobauer gibt der Fußball-Tochtergesellschaft im Jahr etwa 16 Millionen Euro zum 52-Millionen-Etat. Die Höhe des Engagements würde sich wohl verringern. (…) Niemand kann sich bei diesem finanzstarken Klub vorstellen, demnächst im Unterhaus spielen zu müssen.“
Hinko, ich habe die ganze Welt trainiert
Giovanni Trapattoni blickt in der Sport Bild wütend und eloquent auf seine Entlassung in Stuttgart zurück: „Ein Klub, der sechs Spieler austauscht, muß ein Programm ausarbeiten, das auf zwei, drei Jahre angelegt ist. Das war mit mir so ausgemacht. Beim Neujahrsempfang hat der Präsident vor 200 geladenen Gästen meine Arbeit hoch gelobt. Ich frage mich, was in den drei Wochen danach Schlimmes passiert ist. Ich war überzeugt von einem Uefa-Cup-Platz. Aber seit ich weg bin, haben sie die Skier angezogen und sind den Berg immer weiter runtergerutscht. Wären wir Zehnter gewesen, hätte ich gesagt: Ja, diese Entscheidung kann ich nachvollziehen. Aber hier sehe ich keine Logik. Wir waren noch im Uefa-Pokal, hatten gegen Bremen gerade 0:0 gespielt. Wenn sie mich nach sieben weiteren Spielen im Falle von krassen Mißerfolgen entlassen hätten, hätte ich dafür Verständnis gehabt. (…) Mit Trapattoni gab es im Gegensatz zu anderen Klubs keine Verletzten. (…) Ich denke, ein Spieler, auch ein alter, sollte nicht sofort den Sportdirektor machen. Wenn Ex-Fußballer an der Macht gewesen wären wie Dieter Hoeneß, wäre ich nicht entlassen worden. Falko Götz arbeitet jetzt immer noch und hat jetzt Erfolg. (…) Deutschland ist eine wichtige Nation. Ich schätze die sozialen Werte, die Mentalität, den Charakter. Im Fußball haben sie sich zuletzt vielleicht mehr an den negativen Beispielen orientiert. Sie wechseln die Trainer, anstatt mehr Fußball zu spielen, Technik zu lernen. Mit und ohne Ball richtig zu laufen.“ Auf die Frage, wie er sich die Kritik einiger Spieler an seinem Konditionstraining erklärt, sagt Trapattoni: „Meine Mannschaft ist immer gelaufen bis zur letzten Minute. Aber sie mußte lernen zu spielen. Die Technik lernen. Rennen können sie alle. Spieler sind fast immer Egoisten. Sie müssen sich hinter jemandem verstecken können. Ich bin kein Trainer, der erst seit gestern fertig ist. Ich habe neben Italien in Deutschland und auch in Portugal trainiert und hatte Spieler aus Südamerika, Polen, Frankreich, Portugal und Afrika. Hinko, ich habe die ganze Welt trainiert.“ Sein großes Augenmerk auf die Defensive, das ihm immer vorgehalten wird, rechtfertigt er mit einem schönen Bild: „In Amerika baut man auch Häuser ohne Fundament. Das sind zwar Häuser. Aber die fliegen beim geringsten Wirbelsturm weg.“ Auf die Frage, ob die Mannschaft mit ihm nun besser stünde als mit Armin Veh, antwortet er: „Ich bin davon überzeugt.“
FAZ: Die Mainzer haben zuletzt so schlecht gespielt wie selten zuvor – diese Erfahrung war neu: Gut spielen und nicht gewinnen, das kennen sie in Mainz.
Ascheplatz
Mahner
Hans D. Barbier (FAZ/Wirtschaft) kommentiert den Wett-Spruch des Bundesverfassungsgerichts: „Im Urteil wird die Abschaffung des Monopols nicht zwingend verlangt. Das Gericht sagt aber, wenn der Staat das Monopol beanspruche, um leichtsinnige Bürger vor übermäßigem Wetten zu schützen, dann dürfe er auch nicht wie ein gewinnorientierter Anbieter zum Abschluß von Wetten animieren; dann müsse er in seinem Anbieterverhalten die Zurückhaltung zeigen, die der Figur des Mahners zur Mäßigung gebührt. Zeige der Staat beispielsweise durch ein aufforderndes Werbeverhalten, daß er dies nicht für nötig halte, dann lege er auf die ihm gemeinhin zugeschriebene Schutzfunktion offenbar keinen Wert, und er sei dann auch gehalten, die Sportwette in den Wettbewerb des Marktes zu entlassen. Das Urteil ist bemerkenswert, wenn es auch zunächst an der Monopolstellung des Staates bei Sportwetten nichts ändern wird. Zwar wird ‚Vater Staat‘ noch nicht kurzerhand vom Sockel geräumt. Aber der Umfang seiner Schutzfunktion wird doch in Frage gestellt. Das Gericht sagt eben nicht, der Bürger sei schwach, dumm und maßlos. Und es sagt auch nicht, die sogenannte breite Masse neige dazu, ihren Kindern Nahrung, Medizin und Bildung vorzuenthalten, derweil sie lustgetrieben ihr Geld in Schnapsbuden, Bordelle und Boutiquen trage. Das Gericht leugnet nicht die Möglichkeit des Leichtsinns und des Übermaßes. Aber daß Fußballwetter von Sinnen wären, sagt es auch nicht. Richter sind lebensklug. Und so ist es nicht auszuschließen, daß dem einen oder anderen Verfassungsrichter jene durchaus vernünftige ‚Hedging‘-Strategie jenes vorsorgenden Fans bekannt ist, der immer gegen seinen Lieblingsverein wettet: Wenn der verliert, gibt es wenigstens Geld; wenn er gewinnt, zählt der Schmerz des Geldverlustes nicht.“
Deutsche Elf
Ich hatte manche schwierige Situation zu bewältigen
Jens Lehmann im Interview mit Jörg Kramer (Spiegel)
Spiegel: Uli Hoeneß behauptet, Sie hätten seit eineinhalb Jahren gewusst, dass Sie bei der WM spielen. Wie kann das sein?
Lehmann: Da hätte ich schon sehr optimistisch oder Hellseher sein müssen. Vor eineinhalb Jahren war ich von der Nummer 1 im Nationalteam weit entfernt, weil ich in London auf der Bank gesessen habe. Daraufhin habe ich einiges geändert, auch den Trainingsrhythmus. Wenn man aus Deutschland kommt, ist man es gewohnt, ein paar Monate sehr hart zu trainieren – bis zur Winterpause, in der man sich erholen kann. In England gibt es die Winterpause nicht. Ich musste lernen, dort von Ende November an mehr Gewicht auf die Qualität des Trainings zu legen, weniger auf Intensität. So bleibt man frisch. Seit jenem Winter habe ich so konstant gespielt wie nie zuvor. Das hat meinen Optimismus gestärkt.
Spiegel: Wirkten Sie deshalb im Endspurt um die Gunst Klinsmanns so gelassen?
Lehmann: In meinem Fußballerleben hatte ich manche schwierige Situation zu bewältigen. Bei Schalke standen wir auf dem letzten Tabellenplatz, und der Verein hatte jede Menge Schulden. Da war ich 18. Da fing der Druck an. Dann kam der Trainer Aleksandar Ristic, der mir vor jedem Spiel aufs Neue sagte: Wenn du heute wieder einen Fehler machst, bist du weg. Später kam Jörg Berger, der mich in seinem ersten Spiel zur Pause auswechselte und anderntags meinte: Besser, du suchst dir einen neuen Verein.
Spiegel: Sie galten in Ihrer Karriere nie als Publikumsliebling. Vor einem Länderspiel in Kaiserslautern pfiffen die Zuschauer Sie sogar schon aus, als die Mannschaftsaufstellung durchgesagt wurde. Erhoffen Sie sich nun, als WM-Torwart der Nation, mehr Unterstützung?
Lehmann: Natürlich. Wie jeder andere auch werde ich gern gemocht. (…)
Spiegel: In der Premier League ist das Tempo höher, und als mitspielender Torwart, der Angriffe ahnen und oft weit vor dem Tor abfangen muss, sind Sie stets hochkonzentriert und wirken angestrengt. Hat Ihnen diese Schule den Platz im WM-Tor eingetragen?
Lehmann: Wegen dieser Spielweise bin ich damals von Arsenal gekauft worden. Wie viele Kilometer, glauben Sie, laufe ich im Spiel?
Spiegel: Drei? Vier?
Lehmann: Etwa fünf bis sechs in 90 Minuten. Das ist einiges, wenn man weiß, dass Mittelfeldspieler in der Regel auf zehn bis elf Kilometer kommen, Stürmer auf acht bis neun. Aber ich denke, auch das Training bei Arsenal kam mir zugute. Man trainiert hier ständig das Spielsystem, auch mit dem Torwart. Das ist in Deutschland noch nicht überall üblich. Doch Jürgen Klinsmann und Joachim Löw denken wohl ähnlich: Auch sie haben eine genaue Vorstellung davon, was jeder Spieler auf dem Platz zu tun hat. Daher ist Arsenal für mich ein Geschenk des Himmels. Ich weiß, wie das Spiel funktioniert. Und ich bin topfit.
Spiegel: Es heißt, Sie hätten einen Wettbewerbsvorteil genossen, weil Sie mit dem Bundestrainer den Berater teilten.
Lehmann: Mit dem Anwalt André Gross, den Sie meinen, habe ich seit vier Jahren nicht mehr zusammengearbeitet.
Eremit
Rüdiger Barth (Stern) fragt, was aus dem kommenden Manager Oliver Kahn geworden ist: „Vor Jahren sagte Uli Hoeneß, 2006 höre er auf, und als möglichen Nachfolger nannte er Kahn. Die Idee wurde im Lauf der Zeit klammheimlich begraben. Es werden nicht viele Worte darum gemacht, aber es ist klar: Die Bayern trauen es Kahn nicht mehr zu. Weil er, und das muss man als Manager, keine Menschen für sich gewinnen kann. Kahn gilt den meisten in seinem Klub als Berg Missmut, er lebt nur nach seinen eigenen Regeln, immer weiter, durch die Wand. Was ihn so stark gemacht hat, auf dem Platz, macht ihn außerhalb zum Eremiten. Vielleicht war es Kahn bislang nicht klar: Für ihn hat die Zukunft längst begonnen. Und sein größter Kampf steht erst bevor. Es ist der Kampf zurück zu den Menschen. Besiegen muss er den härtesten Brocken: Oliver Kahn.“
Im Editorial der Sport Bild liest man im ersten Satz: „Jens Lehmann verdient als Torwart der Nationalmannschaft allen Respekt, daß seine Leistungen fair und vorurteilsfrei beurteilt und analysiert werden.“ Dem läßt sich schwer widersprechen. Allerdings ist es immer sehr aufschlußreich, wenn jemand eine Selbstverständlichkeit betont. Zur Erinnerung: Der Sport-Bild-Autor und Oliver-Kahn-Schoßhund Raimund Hinko hat letzte Woche im DSF die Ernennung Lehmanns zum Nationaltorhüter auf angebliche Geschäftsbeziehungen Lehmanns zu Jürgen Klinsmann zurückgeführt und einige andere Theorien ersponnen.
Für hochkarätig erklärt
Christof Kneer (SZ) erforscht Auf- und Abstieg Tobias Raus: „Tobias Rau kommt von weit her, das muss man wissen. Er kommt aus einer Zeit, in der ihn fast alle Experten in jene virtuelle Elf einsortierten, die 2006 mit heldenhaftem Fußball den WM-Titel erringt. In dieser Elf verteidigt vor einem Torwart Kahn eine Viererkette Hinkel-Friedrich-Metzelder-Rau, und allein an dieser Viererkette kann man schön erkennen, dass es leichtere Aufgaben gab, als im Herbst 2003 ein WM-Held von 2006 zu sein. (…) Wenn es stimmt, dass eine Nation für eine WM im eigenen Land ein paar Opfer bringen muss, dann heißt eines dieser Opfer Tobias Rau. Es war sein Glück und sein Pech, dass er genau in die Goldgräberstimmung hineingewachsen ist, die das Land nach der Vergabe der WM verrückt machte. Es war die Zeit, als jedes Talent auf die Gold-Waage gelegt und umgehend für hochkarätig erklärt wurde. Heute kann man sagen, dass es jene heillose Euphorie fürs Personal gewesen ist, die Rau in eine Karriere hineingeschleudert hat, zumal er auch noch jene linke Abwehrflanke bespielte, die nach Andreas Brehme nie mehr verlässlich bespielt worden war. Es war wie eine Erlösung, als dem Land dieser Rau erschien, und so ist der Frechdachs aus Wolfsburg auf der linken Spur durchgerauscht bis München. (…) Tobias Raus Geschichte ist die von einem jungen Mann, der Deutschland hätte retten sollen und der jetzt froh sein kann, wenn sie ihn bei Arminia in Bielefeld wieder hinkriegen.“
Donnerstag, 13. April 2006
Allgemein
Undurchschaubarkeit
Harald Staun (SZ-Magazin) entlarvt die Camouflage Reiner Calmunds: „Der Geheimnisvolle – das ist die Rolle, die Calmund meisterhaft beherrscht. Er hat gelernt, seine Figur zu tragen wie ein Kostüm, wie einen Panzer, der alles blockt, was ihm zu nahe kommt, er dreht und wendet seine Maske, je nachdem, was man gerade von ihm halten soll. Er spielte den Mann mit harter Schale, damit man ihm den weichen Kern unterstellt, er spielte den sympathischen Witzbold, damit man ihn ernst nimmt. Jetzt spielt er den Sprücheklopfer, das Großmaul, damit niemand seine prekären Aussagen beim Nennwert nimmt. Er sitzt die Sache aus wie einst ein anderer Dicker, an dem man dieselbe Haltung erkennen konnte, jene unzeitgemäße, paternalistische Machtgeste bundesrepublikanischer Provinzfürsten. Wie ein Schild schiebt er seine breiten Schultern vor den Dreck und die Lügen, vor all die Machenschaften, die im deutschen Fußball notwendig sind, aber besser unsichtbar bleiben. Transparenz mag das Credo der Stunde sein – Reiner Calmund bleibt die Undurchschaubarkeit in Person.“
SZ: Der Fußball ist ein Sündenpfuhl: In ihren Calmund-Ermittlungen bekommt die Kölner Staatsanwaltschaft einen Einblick, was in der Branche alles üblich ist
Kein Lebensgefühl, sondern ein Job
Rüdiger Barth (Stern) stellt uns Michael Ballack als autonomen Sportler vor: „Wenn man mit Uli Hoeneß redet, ist Bedauern zu spüren, Ballack in fast vier Jahren nicht nahe gekommen zu sein. Nun nüssen sie ihn ziehen lassen, nach der WM, sie kriegen keinen Cent für ihren Star. Ein Desaster. Hoeneß lebt den FCB, für die Spieler steht seine Tür stets offen, er will, dass sich die Profis ihm anvertrauen. Dieser Klub liebt nur Spieler, die sich vereinnahmen lassen, Kahn, Scholl, Jeremies. Ballack ist anders. Für ihn ist der FC Bayern kein Lebensgefühl, sondern ein Job, aus guten Gründen. 2004 sah er sich als Sündenbock hingestellt, nach einer titellosen Saison. ‚Wenn Du als Spieler deine Leistung nicht mehr bringst, wirst du fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.‘ (…) 2004 machte ihn Klinsmann zum Kapitän der Nationalelf. Er sei stolz darauf, sagt er. Er fühlt sich stärker, mit der Binde am Arm. Der Vorwurf, Ballack halte sich zu sehr zurück, er ist seitdem seltener zu hören. Keiner, der ihn kennt, behauptet, er sei am Ende seines Weges angelangt. Vielleicht wird Ballack auch deswegen nach der WM ins Ausland gehen, es spielt weniger Romantik mit, als sich Romantiker wünschen mögen, aber auch weniger Geldliebe, als seine Kritiker gern behaupten. Er will mit den Besten der Welt spielen. In Deutschland geht das nicht.“ Roland Zorn (FAZ) schließt aus den beleidigten Reaktionen der Bayern-Verantwortlichen: „Dennoch hat Ballack lange geschwankt, ob er nicht doch bei Bayern verlängern soll. Erst als die Münchner ihn im November ultimativ unter Druck setzten, ihr Vierzig-Millionen-Euro-Angebot für die nächsten vier Jahre anzunehmen, und diese Offerte bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern unter viel Getöse zurückzogen, kühlten die gegenseitigen Geschäftsbeziehungen ab. Den Gang nach ‚Canossa‘, den ihm Hoeneß für den Fall des Scheiterns seiner Vertragsgespräche mit Real Madrid prophezeit hatte, braucht Ballack gewiß nicht anzutreten. (…) Diesmal bietet sich Ballack angesichts der augenblicklich nicht gerade optimalen Bayern-Form als Sündenbock wohl auch deshalb an, weil er den Verein zum Saisonende verläßt.“
Kein Mensch für Punkte
Dirk Kubjuweit (Spiegel) beschreibt die Widersprüchlichkeit und Zerfahrenheit Franz Beckenbauers am Beispiel der gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der letzten Woche: „Nun spricht der Korrespondent von Reuters, hörbar ein Engländer, also einer, der 1990 und 1996 nach den Halbfinals ganz schön trauern musste. Er will uns die reine Freude verderben. Er sagt: Zuletzt habe es in Deutschland ‚mehr Nörgelei und Pessimismus gegeben als auf der ganzen Welt zusammen‘. Das lässt sich Franz Beckenbauer, der Sieger von 1990, nicht bieten: ‚Ich kenne keinen Nörgler. Alle Leute sind nett und freundlich.‘ Er erzählt sehr schön von der versöhnenden Kraft des Fußballs. In der Elfenbeinküste etwa ‚war es ein ständiges Bekriegen, aber der Fußball hat alle an einen Tisch gebracht‘. Dann kommt der Satz, der zeigt, dass alles gut ist in Deutschland. Er kommt von Beckenbauer: ‚Ich vertraue Jürgen Klinsmann, dass er es fertigbringt, die Mannschaft topfit ins Rennen zu schicken.‘ So muss es sein. Von ausländischen Fußballmächten herausgefordert, schließt Deutschland die Reihen. So kann man Weltmeister werden. Es ist 15.05 Uhr, die Pressekonferenz ist zu Ende. Steinmeier und Beckenbauer signieren drei Bälle, und dann ist noch etwas Zeit für Fernsehinterviews. Sofort bildet sich ein Pulk von Journalisten um Beckenbauer. Er wird gefragt, ob nicht die Torwartfrage endlich entschieden werden müsse? ‚Ich bin nicht der Bundestrainer‘, sagt Beckenbauer. Hinter diesen Satz könnte er einen Punkt machen und schweigen, aber er macht keinen Punkt, Beckenbauer ist kein Mensch für Punkte. Wenn man ihn fragt, antwortet er ohne Punkt und Komma. Die Sache beginnt schiefzugehen. ‚Die Torwartfrage hätte schon längst entschieden sein müssen‘, sagt Beckenbauer. Was nun folgt, ist ein kleines Duell zwischen RTL und DSF, wer dem Kaiser die besseren Vorlagen gibt. Und Beckenbauer, der keinen Nörgler kennt, nimmt diese Bälle auf und knallt sie in Klinsmanns Fresse, wenn man das mal so sagen darf. Es ist 15.10 Uhr. Der Versuch ist gescheitert. Um 15.26 Uhr kommt die erste Depesche von dpa zum Treffen der beiden Außenminister Steinmeier und Beckenbauer. Es geht nur um die Kritik an Klinsmann. Deutschland ist wieder ein zerstrittenes, unfrohes Land. Jetzt hilft nur eins: Beckenbauer muss wieder los, nach Afrika, in die Elfenbeinküste. Er muss sich das noch einmal erklären lassen, wie das ist mit dem Fußball und der versöhnenden Kraft. Wenn er es verstanden hat, kommt er wieder – und dann versuchen wir es noch mal mit der reinen Freude.“
Bundesliga
Eintracht Frankfurt–Arminia Bielefeld 1:0
Zwei Milieus
Detlef Esslinger (SZ) hält fest, daß der Sieg bei den Frankfurtern Gegensätzliches erwirke: „Es waren zwei grundverschiedene Milieus zu beobachten. Das eine Milieu war das der Tribünen; das waren jene 50.000 Zuschauer, die dem Ereignis angemessenen Festsprüche intonierten. Dies war das Milieu der bedenkenlos fröhlichen Fans. Das andere Milieu war das der Aktiven – der Spieler, die sich um Besonnenheit mühten, und des Trainers, der dieses Halbfinale so schnell wie möglich wieder aus dem Kopf bekommen wollte. Das 1:0 ändert ja wenig daran, dass jeder Pokal-Erfolg lediglich eine schöne Zugabe sowie Zusatzeinnahme darstellt, dass das Allerwichtigste aber nach wie vor der Verbleib in der Bundesliga ist. Klassenerhalt, Pokalfinale, Uefa-Cup – dies wäre ein Dreifach-Erfolg, der selbst die kühnsten Erwartungen übertreffen würde. Bei einem Abstieg hingegen wäre auch alles andere nichts. (…) Das Frankfurter Publikum ist ebenso begeisterungsfähig wie nachsichtig. Niemand wird ausgepfiffen, wenn er Pässe ins Leere spielt; Gelegenheit dazu wäre zuhauf gewesen. Im Grunde war dieses Halbfinale eher das, was man einen Grottenkick nennt.“
Sicherheitsschlösser
Roland Zorn (FAZ) bemerkt diese Diskrepanz anhand des Dursts der Eintracht-Fans auf Erfolg: „Für die Besonderheit dieses Abends entwickelten die Fans ein größeres Gespür als die Profis auf dem ramponierten Rasen. Vor allem die Anhänger der Eintracht hatten in Extrafeierschichten eine Choreographie herbeigezaubert, die den Traum von Europa beflügeln sollte. Sie entrollten eine riesige blau-gelbe Europakarte in der Hoffnung auf künftige Uefa-Pokalfesttage und illustrierten ihre grenzenlose Sehnsucht mit der romantischen Aufforderung: ‚Auf geht’s, Du magische Eintracht – laß die Sterne für uns funkeln!‘ Gegenüber, im Fanblock von Arminia Bielefeld, herrschte, gemessen an den im Zweifel bodenständigen ostwestfälischen Verhältnissen, auch so etwas wie himmlische Aufbruchstimmung: Schwarz-weiß-blaue Fahnen flatterten im Frankfurter Nachthimmel, und dazu breitete sich ein Spruchband aus: ‚Ein Traum ist unerläßlich, wenn man die Zukunft gestalten will.‘ Dem Spektakel der Farben und plakativen Liebeserklärungen entsprach das Halbfinale leider nicht. Beide Teams aus dem Segment der unteren Bundesliga-Mittelklasse begegneten sich wie in einem gewöhnlichen Punktspiel: Sie belauerten sich, warteten auf Fehler des anderen und trauten sich nur selten, ihre Sicherheitsschlösser zu öffnen.“
Kompliment
Finaleinzug, eine Wegmarke der jüngeren Frankfurter Vereinshistorie – Ingo Durstewitz (FR): „Seriosität genießt Priorität, seit Bruchhagen im Dezember 2003 das Ruder übernahm. Die Eintracht, affärenfrei, ist ein mittelgroßes Unternehmen geworden, das solide und klug mit Millionenbeträgen jongliert. Bruchhagen, ein gewiefter, knorriger Stratege, ist der Vater des Aufschwungs. Was der Vorstandsvorsitzende auch anpackte, erblühte in neuer Pracht: Er hob ein beispielhaftes, bemerkenswertes Konzept aus der Taufe (mit jungen, deutschsprachigen Spielern aus der Region), installierte einen Trainerfuchs, der der neuen Eintracht auf den Leib geschneidert ist und mit einem hungrigen Ensemble in die Eliteklasse zurückkehrte. Auch jetzt, da die Abstiegsangst wächst, herrscht absolute Ruhe. Die Harmonie in Frankfurt ist Außenstehenden suspekt, der Verein hat die Aura des Größenwahns abgeschüttelt, er kommt stinknormal daher. Normalität aber gilt in dieser aufgepeitschten Zeit als stinklangweilig, weshalb die Eintracht überregional farblos und als Randnotiz rüberkommt. Das ist unfair. Andererseits aber auch das größte Kompliment für Bruchhagen und seine Vorstandskollegen. Der Einzug ins Pokalfinale bedeutet einen unglaublichen Imagegewinn, der auch das Selbstwertgefühl der eine Dekade zwischen den Klassen pendelten Frankfurtern stärkt.“
Welt-Interview mit Lajos Detari
BLZ: Energie Cottbus und Hansa Rostock träumen vor dem Ostderby von einer besseren Zukunft
FR: Wie der Karlsruher SC mit einer jungen Mannschaft und einem neuen Stadion zurück ins Oberhaus gelangen will
Ascheplatz
Solidarität
Nina Klöckner (FTD) kommen in den aktuellen Kommentaren die guten Taten der Fifa zu kurz: „Die Fifa gilt vielen als geldgieriges Monster, das alle Macht der Welt für sich beansprucht. (…) Bei aller Großmannssucht der Führungsriege – sogar Experten bescheinigen der Fifa, dass sie dem Weltfußball gute Dienste erweist. 70 Prozent seiner Einnahmen schüttet der Weltverband an seine 207 Mitgliedsverbände aus. Innerhalb der vergangenen vier Jahre investierte die Fifa rund 400 Millionen Euro in Entwicklungsprogramme. 70 Millionen fließen in das neue Projekt „Goal“, mit dessen Unterstützung weltweit Häuser und Sportanlagen gebaut werden. Vergangene Woche reiste Joseph Blatter nach Sri Lanka, um im Tsunami-Gebiet den Grundstein für eines von achtzehn neuen Fußballzentren zu legen. Neben Trainingseinheiten wird es dort auch eine warme Mahlzeit für die Spieler geben. Auch die Weltmeisterschaft wäre mit dem jetzigen Teilnehmerkreis ohne Fifa kaum denkbar. Länder wie Angola oder die Elfenbeinküste, die sich zum ersten Mal für das Turnier qualifiziert haben, könnten ohne die Unterstützung des Weltverbands kaum mit anderen Nationen mithalten. Junge Sporttalente zu sichten und zu fördern kostet eine Menge Geld. Ebenso die Teilnahme an einem Turnier. So spendiert die Fifa dem angolanischen Fußballverband allein für die Reise nach Deutschland 5 Millionen Dollar – „damit wir unsere Rechnungen bezahlen können“, sagt Paulo Mateta, Mitglied des Parlaments in Luanda. Durch das Solidaritätsprinzip fließt Geld sogar auch in Länder, die sich nicht für die WM qualifiziert haben. Die Abstände zwischen den armen Nationen und den Industrieländern sollen abnehmen, so das Ziel der Fifa.“
NZZ: Paris St-Germain mit neuen Besitzern und alten Problemen
Deutsche Elf
Wer macht den Psychoterror?
Oliver Bierhoff im Interview mit Ludger Schulze (SZ) über Jürgen Klinsmanns Torwartantwort
SZ: Die Entscheidung fiel in ein Klima des Verdachts und der Mutmaßungen hinein. Zum Beispiel, dass man nur darauf gewartet habe, Kahn möge Fehler machen.
Bierhoff: Das stört mich am meisten. Bei allen Entscheidungen wird Jürgen Boshaftigkeit unterstellt oder irgendeine Strategie. Mir wurde nachgesagt, ich sei Trauzeuge bei Lehmanns Hochzeit gewesen, dass unsere Frauen die besten Freundinnen seien. Es ist abwegig, glauben, dass wir bei einer WM derartige persönlichen Dinge einbringen. Aber so ist diese negative Grundstimmung. Am Montag etwa habe ich hier nach der Erklärung von Oliver Kahn noch einen Pressetermin gemacht, da waren zehn Journalisten da vom Fernsehen. Und es kam keine einzige positive Frage. Nur: „Wie soll das gehen? Was denken Sie, was Lehmann jetzt macht? War Klinsmann überhaupt glücklich darüber?“ Kein einziger hat einmal gefragt: „Das waren doch großartige Aussagen von Oliver Kahn, freuen Sie sich darüber?“
SZ: Wie erklären Sie sich das? Ist das Ausdruck einer spezifischen Mentalität?
Bierhoff: Sicher ein bisschen. Aber ich mag es nicht, immer auf der deutschen Mentalität rumzuhacken. Und beim Publikum, den Fans, stelle ich ja auch eher fest, dass sie Änderungen wollen und der Tendenz unserer Arbeit zustimmen. Ich hoffe, dass sich jetzt ein wenig positives Denken durchsetzt. Für mich – und nicht nur für mich, auch für die Trainer, das WM-OK, den DFB oder auch Uli Hoeneß – war das, was Oliver Kahn gemacht hat, ein Befreiungsschlag. Aber selbst das wird beäugt.
SZ: Aber die Stimmung stammt nicht nur aus den Medien. Sie haben den Namen gerade genannt: Uli Hoeneß hat gesagt, Kahn habe nie ‚eine faire Chance gehabt‘ im Wettstreit mit Lehmann, er sei ‚ausgetrickst‘ worden. Wie konnte er zu dieser Meinung kommen?
Bierhoff: Was mich daran stört: Eigentlich ging es hier doch um einen sportlichen Zweikampf, wer ist der Bessere? Wir haben in Deutschland eine Tradition von guten Torhütern. Nicht nur im Fußball. Und dann wird hier der sportliche Wettkampf zum ‚Psychoterror‘ erklärt. Wer macht den Psychoterror? Ein Trainer, der das Recht hat, etwas zu probieren?
SZ: Für Kahn war es offensichtlich eine schwierige Situation. Hoeneß konnte das in München im Alltag erleben.
Bierhoff: Sicher war die Situation für Oliver schwieriger als für Jens. Weil er als Nummer 1 der Gejagte war. Aber deswegen kann man der Sache nicht aus dem Weg gehen. Den Begriff ‚Psychoterror‘ akzeptiere ich deswegen nicht. Den Stress machen nicht die Trainer, sondern Öffentlichkeit, Medien und Vereinsvertreter. Uli Hoeneß, den ich sehr schätze und mit dem ich gut zusammenarbeite, behauptet eben manchmal auch Dinge, um zu provozieren.
SZ: In den Tagen nach der Torwartentscheidung hat Klinsmann gesagt, Kahn sei ‚vom Typ her keine Nummer 2′. Auch Köpke hat Zweideutiges geäußert. Das eröffnete Spekulationen, man habe Kahn nicht mehr dabei haben wollen.
Bierhoff: Spekulationen entstehen immer, da braucht man nicht mal was zu sagen. Die logischen Fragen nach der Torwartentscheidung waren doch: Nimmt Kahn die Nummer 2 an? Und wie verhält er sich dann? Was Jürgen und Andreas gesagt haben, ist vielleicht unglücklich rübergekommen.
SZ: Bei der Entscheidung für Lehmann sollen persönliche und geschäftliche Motive eine Rolle gespielt haben. Sie sind angeblich von Kindheit an mit ihm befreundet.
Bierhoff: Wir sind im gleichen Verein groß geworden, bei Schwarz-Weiß Essen. Aber wir haben aufgrund des Altersunterschieds nie zusammen gespielt. Es gab sicher mal ein flüchtiges Hallo, aber richtig kennen gelernt habe ich ihn erst bei der WM 1998. Wir können gut miteinander, so wie ich mit Marco Bode gut kann. Mit Jens habe ich auch ein halbes Jahr in Mailand zusammengespielt, aber es war nie so, dass wir uns ständig getroffen hätten. Wir haben noch keinen Urlaub zusammen verbracht, wir sind privat noch nie drei Tage hintereinander zusammen gewesen. Aber: Ich halte ihn für einen guten Typen, er schaut über den Tellerrand hinaus, mit ihm kann ich mich sehr gut unterhalten. Wenn ich in einer solch wesentlichen Angelegenheit wie der Torwartfrage mauscheln würde, würde ich das Vertrauen der Trainer missbrauchen. In unserer internen Diskussion habe ich oft ein Wort für Oliver eingelegt. Es gab ja viele Aspekte, die für Kahn gesprochen haben. Ich habe meine Meinung geäußert, aber ich sage den Trainern in solchen Situationen immer: Das ist Eure Entscheidung.
SZ: Zu den Verschwörungstheorien gehört auch, dass es in Ihrem persönlichen Interesse gewesen sei, Lehmann auszuwählen, weil sie beide beim Sportartikelhersteller Nike unter Vertrag stehen.
Bierhoff: Davon habe ich noch nie gehört. Wer glaubt, dass solche Dinge eine Rolle spielen könnten, liegt schief. Die Partnerschaft mit Nike besteht seit zehn Jahren, und ich hänge persönlich an diesem Partner. Der Vertrag ist jedoch wirklich klein. Und ich kann zwischen dem DFB und der Person Oliver Bierhoff bestens unterscheiden. Es ärgert mich, wenn solche Dinge hervorgeholt werden. Im Nationalteam habe ich die Interessen von adidas immer optimal vertreten. Ich habe Christian Wörns verboten, in Nike-Schuhen zu trainieren, ich habe Jens Lehmann verboten, mit überklebten Nike-Handschuhen zu spielen. Und ich habe adidas weit mehr Zeit für Werbeaktivitäten eingeräumt, als vertraglich vereinbart war.
SZ: In der Branche wird immer wieder der Name André Gross genannt. Der Schweizer Anwalt ist Berater von Klinsmann und Lehmann zugleich, er soll auch die Verhandlungen für Joachim Löw und Andreas Köpke mit dem DFB geführt haben. In ihm wird ein Drahtzieher für Lehmann vermutet.
Bierhoff: Ich frage mich, woher solche Dinge kommen. Diese Unterstellungen kann ich nur mit Nachdruck zurückweisen.
Mittwoch, 12. April 2006
Ascheplatz
Schmus von der heilsamen Rolle des Fußballs
Der Titel der Wirtschaftswoche vom 3. April widmet sich „der Geldmaschine Fifa“ und den Methoden ihres Präsidenten Joseph Blatter: „Viel Geld – viel zu viel, wie Kritiker sagen – hat mit der Förderung des Fußballs nur wenig zu tun. Es fließt in Prachtbauten für Funktionäre wie das neue Vereinsheim in Zürich (rund 130 Millionen Euro) oder in stattliche Bezüge, Spesen und Privilegien für Fifa-Funktionäre. Die Entscheidungen darüber fallen unter Sepp Blatters Vorsitz im Exekutivkomitee, der Weltregierung des Fußballs. Alle zwei Monate treffen sich die Herren in Zürich – dann entscheiden sie etwa darüber, ob Profi-Schiedsrichter eingesetzt werden oder welche Verbände mit Zuschüssen bedacht werden sollen. Und immer wieder auch in eigener Sache: So sollen sich die Mitglieder vergangenes Jahr selbst eine Erhöhung ihrer jährlichen Bezüge auf jeweils 100.000 Euro genehmigt haben. Das Gehalt des Chefs liegt weit darüber – Kenner schätzen Blatter auf etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Für Entwicklungshilfeprojekte stellt die Fifa nach eigenen Angaben jedes Jahr 100 Millionen Euro zur Verfügung, dafür, dass in der Dritten Welt Trainingszentren entstehen. Kinder und Jugendliche können dort Fußball spielen; eine warme Mahlzeit am Tag gibt es auch. ‚Irgendjemand muss Afrika gegenüber Gerechtigkeit walten lassen‘, sagt Blatter in der ihm eigenen Bescheidenheit. Oder: ‚Auf der ganzen Welt leben 1,2 Milliarden Menschen, die direkt oder indirekt mit dem Fußball verbunden sind.‘ Schaut her!, soll das heißen, ich bin bedeutender als der Papst. Der hat nur eine Milliarde Katholiken. Im Fußball, sagt der ‚einfache, religiöse Mensch aus den Walliser Bergen‘, als der er sich selbst bezeichnet, ’steckt die Hoffnung, ein besserer Mensch zu werden. Wir können es schaffen, mit dem Fußball eine bessere Welt zu schaffen.‘ Wie die bessere Welt des Herrn Blatter konkret aussieht, lässt sich etwa in Paraguay besichtigen. Dort stehen Millionen Fifa-Entwicklungshilfe in Prunkbauten zu höheren Ruhm der örtlichen Funktionäre. An vielen Orten der Dritten Welt sieht es nicht anders aus. Doch Blatter pflegt den Schmus von der heilsamen Rolle des Fußballs und der Fifa für die Entwicklung der Welt. Darüber gerät leicht in Vergessenheit, welch knallharter Manager der Schweizer ist, mit welchen Methoden er seinen Verein zu einem Milliardenunternehmen umbaute. (…) Seit seiner Wiederwahl vor vier Jahren hat Blatter die Fifa fester in den Griff genommen und sein Netz noch feiner gesponnen als je zuvor. Der Fifa-Chef führt sein Unternehmen wie ein Alleinherrscher. So sollen etwa die Delegierten erst einen Tag vor Sitzungen des Exekutivkomitees die exakte Tagungsordnung bekommen. Alle Proteste dagegen hätten bisher nichts genutzt. Die Sitzungen folgen angeblich einer speziellen Dramaturgie: Wichtige Punkte, wie der lukrative Rechtehandel, werden oft gegen Ende diskutiert – wenn die Zeit knapp ist, weil die Flieger für viele der Komiteemitglieder aus aller Welt bald starten.“
Fußball emm ist Art, ist Kunst
Der Schweizer Schriftsteller Erwin Koch dokumentiert im Stern in einer – um es vorsichtig zu sagen: für den Porträtierten unvorteilhaften – „Nahaufnahme“ Blatters Ausführungen, warum er Sitzplatzstadien bevorzugt: „Auf Stehplätzen / jeder sitzt, er kann ja mal aufstehen, weil so viele Emotionen drin sind, aber dann sitzen sie sich wieder hin / und dann / dann kann auch ruhig eine ganze Familie in den Fußball kommen, mit Vater und Kinder, und die Mutter / die Mutter kann zu Hause bleiben, wenn sie will / oder auch mitgehen / und der Vater bringt die Kinder gesund wieder zurück emm / nein / ich meine, es ist eine Frage der Erziehung. Im Fußball ist eben / haben wir einen Schiedsrichter, der eingreift, wenn etwas auf dem Spielfeld etwas passiert, und die Spieler können sich nicht austoben. Dann wird gesagt, ja, aber im Rugby zum Beispiel passiert nichts bei den Zuschauern, keine Schlägerei und so. Warum? Weil / im Rugby / die gehen aufeinander los, im Eishockey wird gecheckt. Aber der Fußball / das ist eben das gescheite Spiel, wo man den Fuß braucht, und sobald ich einen Ball berühren will, verliere ich das Gleichgewicht, und trotzdem ist das das attraktivste Spiel, und das ist Art, das ist Kunst, Fußball ist Kunst, und emm / im Fußball eben wird diese Gewalt nicht geduldet. Und die überträgt sich dann ab und zu bei den Zuschauer, und dann gibt es eben auch untern den Zuschauer wieder Rempelei, aber ich kann Ihnen sagen: Sitzende Zuschauer sind ruhiger.“
Support für die Menschheit
Heinz Tännler, Direktor der Rechtsabteilung der Fifa, verteidigt in der NZZ die Abstellungsfreiheit für Nationalspieler gegen die Forderung der „G14“: „Die in den Fifa-Satzungen verankerte Abstellungsregelung hatte ihre Ursache demnach im weltumspannenden Solidaritätsgedanken und ermöglichte seit ihrer Einführung eine notwendige Koordination von Klub- und Verbandswettbewerben und eine Harmonisierung der Spielkalender. Die Intensität von Klub-Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene erforderte eine derartige Abstimmung, um dem Nationalmannschaftsfussball den ihm gebührenden Platz zu sichern. Von den Klubs wurde und wird vielfach übersehen oder ignoriert, dass gerade die Abstellung von Nationalspielern für die Klubs wertschöpfend ist: Es ist erwiesen, dass ein Fussballspieler beispielsweise an einer Weltmeisterschaft seinen Marktwert massiv zu steigern imstande ist, was sich für die Klubs in entsprechenden Erträgen bei Klubwechseln auszahlen kann. Die von der ‚G14′ verlangten Entschädigungen für die Abstellung von Nationalspielern würden das weltweite Solidaritätsmodell, das sich bewährt hat, entwerten. Im Prozess des Klubs RSC Charleroi verlangt die ‚G14′ für die Abstellung von Spielern in den letzten zehn Jahren 860 Millionen Euro. Der Anwalt der ‚G14′ begründet diese Forderung mit einem Schaden, der den Klubs in den letzten zehn Jahren durch die Abstellungsregelung zugefügt worden sei. Zynischer geht es wohl kaum mehr, doch zeigt die ‚G14′ mit derartigen Forderungen ihr wahres Gesicht: Die bereits reichen Klubs sollen noch reicher werden; jedes Solidaritätsverständnis scheint diesen Klubmanagern abzugehen, und die Bedeutung des Nationalmannschaftsfussballs scheint ihnen gleichgültig zu sein. Eine Abkehr von der Entschädigungslosigkeit der Abstellung hätte für den Weltfussball verheerende Konsequenzen. Der Fifa als weltumspannendem Verband würden dadurch massiv Mittel entzogen, mit denen sie heute weltweit Fussball- Entwicklungsprojekte, Ausbildungsprogramme und Aktionen des Fussballs finanziert. Zu unterstreichen ist, dass ein Grossteil der durch die Fifa generierten Mittel gemäss Zweckbestimmung in den Fifa-Statuten in den Fussball investiert wird. Diese weltweite Entwicklungshilfe über den Fussball ist mehr als nur eine sportliche Geste, nämlich ein international auch in kultureller und sozialer Hinsicht bedeutungsvoller Support für die Menschheit.“
Felix Reidhaar (NZZ) stimmt in einem Punkt der „G14“ zu: der Schadenersatzforderung bei Verletzungen: „Anpassungen zu einer Risikoabsicherung der Klubs wären eine Reaktion auf Zeichen der Zeit. Die Einführung vernünftig proportionierter Entschädigungsleistungen wie etwa eines bestimmten Versicherungsschutzes könnte helfen, die Antagonisten milder zu stimmen. Gerade Spitzenvereinen, die Nationalspieler über längere Zeit wie WM- oder EM-Turniere abstellen, wäre hiermit gedient. Zu befürchten bleibt, dass die Vorstellungen über die Höhe von Entschädigungssummen zwischen Dachverbänden und aufmüpfigen Klubs unvereinbar sind oder den Konsens erschweren.“
NZZ: Fifa steigert Ertragskraft
Der Ball ist das Perfekte
Noch mal Blatter, diesmal auf die Frage, wie er einem Außerirdischen Fußball erklären würde: „Der Ball ist das Perfekte. Er ist rund emm / und wie der Erdball / der ist ja eine Attraktivität für jeden Menschen, und der Ball ist die perfekte Form. Perfekt kann man nicht steigern. Der Ball ist das Perfekte / und dann ist es einfach so / so einfach / diesen Ball / den hab ich. Den will ich aber nicht alleine weiterspielen, sondern ich will ihn meinem Kollegen geben / und ja nicht, dass ein anderer ihn nimmt. Und was ist das Ziel? Goal, goal / Was ist die Zielsetzung? Man sagt goal, goal, übersetzt / heißt Ziel. Also die Zielsetzung ist, diesen Ball irgendwo zwischne zwei Pfosten in ein Netz oder / oder / was es immer ist / zwischen zwei Schuhen, ein Glas und eine Flasche / wenn man irgendwo spielt, hat man das sofort. Es ist auch etwas in diesem Spiel, das / das absolut von innen raus kommt, also emm / Natürliches, Instinktives ist, wenn / ich weiß nicht, ob das / Ihr seid so jung und kennt das nicht mehr, früher war so, wenn einer einen Ball hatte und er lief im Dorf herum, hat er sofort einen Schlangenschwanz von Jungen / damals waren noch nicht so die Mädchen, die Mädchen wollten vielleicht schauen und klatschen / mitgezogen. Das ist / das ist / so würd ich das erklären, aber ganz schnell.“
Aua!
FAZ: Soll Ballack den Bayern als Sündenbock dienen?
taz: St. Pauli will noch einmal ein Highlight feiern – vor einer weiteren grauen Saison in den Niederungen der Regionalliga Nord
FAZ: Dem das Herz von St. Pauli schlägt – Portrait des St. Pauli-Trainers Andreas Bergmann
SZ: Der FC St.Pauli schrieb Fußballgeschichte, als er gegen den FC Bayern gewann. Vier Jahre später und zwei Klassen tiefer hofft St.Pauli auf dasselbe Wunder. Die Bayern gruseln sich
BLZ: Gegen den FC Bayern will der FC St. Pauli seinen Mythos nähren
Welt: Konstant ist bei Union Berlin nur der Niedergang
FAZ: Die ARD verklagt Werner Franke, den Doping-Experten und ARD-Kritiker
Deutsche Elf
Antreiber und Getriebener
Thomas Klemm (FAS/Politik) kritisiert den „rüden Stil“ Jürgen Klinsmanns: „Der polyglotte Schwabe, selten um schöne Worte verlegen, machte in den vergangenen Wochen vor allem als Kommunikator keine überzeugende Figur. Beim Rauswurf von Verteidiger Wörns erläuterte er seine plötzlich geänderten Nominierungskriterien verspätet; im März erklärte er sein Fernbleiben bei der Tagung der WM-Trainer erst im nachhinein mit familiären Gründen; und nun hat er die T-Frage um die Nummer 1 urplötzlich vorgezogen. Statt, wie seit Monaten angekündigt, im Mai darüber zu befinden, bestellte Klinsmann den Platzhirsch Kahn per SMS zum Gespräch und teilte ihm seine Zurückstufung mit. Mit der schnelleren Entscheidung folgte der Bundestrainer zwar der Forderung von Kahns Verein. Aber daß das Urteil pro Lehmann am Tag vor dem Spitzenspiel des FC Bayern in Bremen fiel, wirkte deplaziert. Die Grenzen zwischen Antreiber und Getriebenem sind im Falle des Bundestrainers, der trotz anhaltender Diskussionen wieder schnell zurück in die kalifornische Wahlheimat fliegen will, nicht mehr klar zu ziehen.“
NZZ: Die Schwalben-Grippe – in England geraten Fussballprofis mit Hang zur Theatralik zunehmend in die Kritik
Tsp: Fußballlehrer und frühere Torhüter fordern eine Lizenz für Torwarttrainer und kritisieren die Ausbildung
Zeit: Sehr lesenswert! Oliver Kahn hat den Kampf um seinen Platz im deutschen Tor verloren – die Geschichte einer persönlichen Tragödie, erzählt anhand eines nie gedruckten Interviews
Welt: Hans Schäfer (78) spricht am liebsten nur noch im kleinen Kreis über den wunderbaren Titelgewinn 1954
Dienstag, 11. April 2006
Ball und Buchstabe
Kein angewandter Ethikunterricht
Auf der DFB-Tagung über Fußball unterm Hakenkreuz in Bad Boll – Andreas Rosenfelder (FAZ/Feuilleton) läßt beide gegensätzlichen Versuche ins Leere laufen, Fußball mit Moral zu laden: „Erstaunlicherweise sprach ausgerechnet Stephan Kramer, der junge Generalsekretär des Zentralrats der Juden, am heftigsten gegen die auf solchen Veranstaltungen übliche Weihrauchsemantik – und forderte die Deutschen auf, sich den ‚Mühlstein der Schuld‘ nicht weiter selbstgefällig um den Hals zu hängen. ‚Seien Sie stolz auf diese Studie!‘, lautete der Rat an den demütigen DFB. Unversehens wurde aus Kramer Stellungnahme ein feuriges Plädoyer für Patriotismus und eine Brandrede gegen Schuldkultur und Betroffenheitskult. Während man in Kramers Rede einen geläuterten Patriotismus vernehmen konnte, der das deutsche Vaterland hoffentlich nicht – mit Sarah Connors berühmten Worten – im Lichte dieses Glückes brühen läßt, setzte der DFB ganz auf überkommene Formen der Symbolpolitik. So galten dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Wolfgang Sengle selbst Fangesänge wie ‚Hurra, hurra, die Deutschen die sind da‘ als neofaschistische Äußerungen, die er in historisch-kritischer Unbedarftheit mit alten Böhse-Onkelz-Liedern wie ‚Türken raus‘ verglich. Über den Sinn von Schultheatermaßnahmen wie jener, die Mannschaftskapitäne bei der WM vor jedem Anpfiff eine antirassistische Botschaft verlesen zu lassen, wird sich jeder Fan sein eigenes Urteil bilden. Fußball wird auch in Zukunft kein angewandter Ethikunterricht werden. Als Exerzierplatz für Zivilcourage ist das Spielfeld ebenso verkannt wie als Musterbeispiel ideologischer Verstrickung.“
Kuschelfaktor
Gerhard Fischer (SZ) vermißt eine Kontroverse über Nils Havemanns These: „Einige Historiker-Kollegen kritisieren Havemanns Einschätzung, dass der DFB vor allem deshalb mit den Nazis kooperierte, weil er sich wirtschaftliche Vorteile erhofft habe. Seiner Ansicht nach seien die jüdischen Funktionäre im April 1933 aus den führenden Positionen des Verbandes deswegen vertrieben worden, weil sie ein Profitum gefordert hatten, das der DFB nicht wollte; der wollte seine Gemeinnützigkeit und damit seine steuerlichen Vorteile erhalten. Warum aber hat man dann zeitgleich auch die Marxisten ausgeschlossen? Diese wollten kein Profitum. Gab es also doch andere Gründe als wirtschaftliche – etwa eine ideologische Nähe der nationalbewussten Fußball-Funktionäre zu den nationalsozialistischen Politikern? Man hätte darüber gerne mehr erfahren, aber der DFB versäumte es, Havemanns Gegenspieler einzuladen, etwa Arthur Heinrich oder Dietrich Schulze-Marmeling. Weil sie nicht da waren, sei der ‚Kuschelfaktor‘ bei der Tagung etwas zu hoch gewesen, wie der Publizist und Historiker Erik Eggers bemängelte. Feigheit oder fehlende Offenheit kann man dem neuen DFB unter Theo Zwanziger trotzdem nicht vorwerfen. Zwanziger sagte, mit dem Havemann-Buch wolle man keinen Schlusspunkt setzen, sondern erst einen Anfang machen in der kritischen Beurteilung der DFB-Geschichte. Dazu gehört hoffentlich auch, dass sich der Verband um seine Geschichte nach 1945 kümmert, um die Integration von belasteten Funktionären. ‚Während der ostdeutsche Sport die Strukturen des Nazi-Sportsystems übernahm, hat der westdeutsche Sport nach 1945 das Personal übernommen‘, sagte der Sporthistoriker Hans-Joachim Teichler.“
Wolfgang Hettfleisch (FR) stellt klar: „Zwanziger steht für eine Zeitenwende beim DFB. Jahrzehntelang hatten die Verwalter des organisierten deutschen Fußballs eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung dieses Kapitels der DFB-Geschichte gescheut. Unter Zwanziger erhielt Havemann als erster Fachmann uneingeschränkten Zugang zu den Archiven. Havemanns Studie schildert nüchtern und schonungslos Karrierestreben, Opportunismus und moralisches Versagen der DFB-Verantwortlichen im NS-Staat.“
taz: In Hamburg demonstrieren Fußballfans dagegen, pauschal als Kriminelle verdächtigt zu werden
NZZ: Die Rächer kommen nachts um zwei – Prügel für die Spieler und der ganz normale Wahnsinn bei Inter
Bundesliga
Noble Haltung
Friedhard Teuffel (Tsp) billigt die Vertragsverlängerung Mirko Slomkas: „Gute Umgangsformen gehören zu einem Spitzenklub dazu. Bayern München jedenfalls ist bekannt dafür, seine Angestellten so gut wie möglich zu unterstützen und in der Öffentlichkeit zu verteidigen. Erst wenn jemand nicht mehr dazugehören will, wie jetzt Michael Ballack, lässt diese Unterstützung nach. Der Idee von der loyalen Gemeinschaft kann Schalke neuerdings einiges abgewinnen. Der Klub will wohl nicht wie ein Neu-Reicher sein, dem erst das Geld zufällt und später vielleicht das Benehmen. Als Begründung für die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Slomka hat Schalke den Respekt genannt, den die Spieler dem Trainer entgegenbringen. Mit dieser noblen Haltung erfüllt Schalke schon mal eine Voraussetzung für die Champions League.“ Auch Andreas Morbach (FTD) sieht gutes Benehmen in Schalke einkehren: „Mit dem anstehenden Managerwechsel von Assauer zu Müller sind offensichtlich auch die Zeiten vorüber, in denen auf Schalke die Trainernamen so zuverlässig wie die Jahreszeiten wechselten.“
Nach dem 1:1 in Duisburg hat Richard Leipold (FAZ) nicht mit der Vertragsverlängerung gerechnet: „Saisonziel verfehlt, Trainerfrage gestellt – das war die Bilanz dieses fußballerisch unerfreulichen Abends. Die Unterschiede zwischen einer Mannschaft von vermeintlich internationalem Großformat einerseits und einem nationalen Billigteam andererseits verschwammen in einem Grau, das für Schalke zum Grauen wurde. Um so mehr überraschte die Entscheidung des folgenden Vormittags – nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch den Trainer selbst. Mit der Vertragsverlängerung wollte der Vorstand den Spielern und einem Teil der Presse vermutlich signalisieren, daß die Mannschaft nicht schon wieder den Trainer für ihr (zu erwartendes) Scheitern verantwortlich machen könne. Slomka bietet sich weiterhin die Chance seines Lebens. Und wieder kommt sie überraschend.“ Christoph Biermann (SZ) geht dem Duisburger Mißerfolg auf den Grund: „Den Gastgebern ging wieder einmal die Puste aus; offensichtlich war die Konditionsarbeit des entlassenen Jürgen Kohler unzureichend. Zum vierten Mal in der Rückrunde gaben die Duisburger eine Führung in den letzten zehn Minuten noch ab.“
Schmucklos
Frank Heike (FAZ) schlußfolgert aus dem 2:0 Hamburgs über Mönchengladbach: „Der verdiente Sieg förderte eine neugewonnene Qualität der Hamburger zutage: Sie spielen nicht mehr so schön wie in der Vorrunde, gewinnen ihre Spiele aber mit einer guten Portion Grimmigkeit. Schmucklos hatte der HSV gewonnen – es ist eine der Merkwürdigkeiten des Fußballs, daß Trainern Siege dieser Sorte am besten gefallen: Sie verdeutlichen den Reifeprozeß einer Mannschaft.“
Biotop der Harmonie
Klassenerhalt gesichert und im Pokalhalbfinale – welch überraschender Erfolg! Michael Kölmel (BLZ) prüft den Bielefelder Humus: „Bielefeld 2006, das ist weit mehr als die Summe seiner Einzelspieler. Oder nur die erfolgreiche Adaption von Rapolders Lauf-Forechecking-Konter-System, das von Heesen zart dem neuen Personal anpasste. Der frühere Spielgestalter ist als Trainer gereift. In seiner ersten Zeit führte er Bielefeld zwar 1999 in die Bundesliga, danach scheiterte er aber bei Saarbrücken. Inzwischen strahlt er Besonnenheit aus – auch in der unglücklichen Startphase vertraute er seinen Spielern. Von Heesen gelingt es wie Rapolder, individuelle Stärken herauszukitzeln. Er hat mit den Zugvögeln des Fußballs einen westfälischen Frieden auf Zeit geschlossen. So wachsen im Biotop der Harmonie Talente heran- und Durchschnittskicker über sich hinaus. In einem Team ohne Stars gibt es keine Quertreiber, nur skurrile Antreiber wie Hain oder Spielgestalter Fatmir Vata – und die wollen nun den Propehten zum Trotz in den Europapokal vorstoßen.“
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