indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Montag, 27. März 2006

Ascheplatz

Image-Gau

Von Johannes Nitschmann (SZ/Seite 1) heißt es zur Ermittlung gegen Reiner Calmund: „Erst die Bayer-Verantwortlichen haben aus diesem ‚Thekengeschwätz‘ (Calmund) einen veritablen Bestechungsverdacht gemacht. Durch unterschiedliche Hinweise und Aussagen stehen mindestens drei Bundesliga-Spiele unter Manipulationsverdacht. Jetzt gibt sich Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser überrascht, dass die Staatsanwaltschaft wegen gekaufter Bayer-Spiele ermittelt; schließlich gebe es doch ‚nur vage Spekulationen‘. Die aber sind seit Jahresbeginn aus der Bayer-Ecke angeheizt worden – mit fatalen Folgen für den Weltkonzern. Während Bayer mit der Schering-Übernahme als Pharma-Unternehmen zum Global Player avanciert, lösen Bayers Fußball-Bosse mit einer krawalligen Provinzposse einen Image-Gau für das Unternehmen aus. Falls in nur einem Fall der Nachweis gelingt, dass Calmund einen Sieg erkauft hat, wäre der Verein seine Bundesliga-Lizenz los und verschwände von der internationalen Fußball-Landkarte.“ Wolfgang Hettfleisch (FR) mant: „Bei aller Wertschätzung für die investigativen Journalisten einiger großer Printmedien dieser Republik: Noch ist besagte Quellenlage diffus, sind die Belege für Spielmanipulationen dünn, die Hinweise widersprüchlich. Dies ist nicht die Zeit für abschließende Urteile. (…) Nicht auszudenken, die Jäger behielten Recht. Dann war Hoyzer Kindergeburtstag.“

FR: Kölner Staatsanwaltschaft prüft, ob Bayer Leverkusen sich 2003 den Klassenerhalt erkauft hat
Tsp: Reiner Calmund weist alle Vorwürfe zurück, muss sich aber heute der Staatsanwaltschaft stellen

Eigentlich Lotto

Klaus Hoeltzenbein (SZ) flunkert: „Was die laufende Saison so schwer kalkulierbar macht, ist dieses Rennen der Super-Schnecken um den verflixten Platz 5. Seit Monaten sind traditionsreiche Klubs wie Stuttgart, Dortmund, Leverkusen, Hertha oder Mönchengladbach dort auf der Kriechspur unterwegs. Wer Toto mit diesen Schleichern spielt, spielt eigentlich Lotto. Die Gefahr, dass die Mafia momentan in dieser wirren Tabellenregion tätig ist, ist gering. Kriminelle Wetter und Manipulatoren verachten das Risiko, sie suchen Fakten.“

Strafstoss

Strafstoß #25 – 27. März 2006 Reine Nervensache 10 – Tore zum Netz aufrütteln

von Herrn Mertens und Herrn Bieber

Mathias Mertens: Ob sie auf dem Platz präsent sind oder nicht, darüber mag man streiten. Aber wie beurteilen Sie als Internetinterpretationspionier eigentlich die Webpräsenz unserer Nationalspieler? Mir will scheinen, dass man dort spielerische Kreativität vermissen lässt. Alle haben dieselben News, Galerie und Kolumnenpunkte, alle in Trikot, in Sauwetter und im Anzug mit Handy am Ohr. Sieht so moderner Fußball aus?

Christoph Bieber: Na, das ist ja endlich mal ein Spielfeld, auf dem ich mich auskenne – und außerdem heißt es ja, unsere Nationalmannschaft könne inzwischen besser E-Mails schreiben als die Abseitsfalle stellen. Von daher wundert mich Ihre Erstdiagnose ein wenig. Aber welche Nationalspieler-Websites haben Sie sich denn angesehen? Unter www.nationalspieler.de hatte ich eine kleine Handreichung vermutet, aber dort finde ich nur den leicht hämischen Kommentar „We are not a global player“.

MM: Was sich ja ausschließlich auf das Flugverbot für Teamchefs bezieht. Ich habe mir natürlich erst einmal die Alpharüden-Seiten der blockenden Bayern angesehen, ich bin eben auch Deutscher und somit soliogenetisch nicht zur Kreativität fähig.

CB: Ich mag es ja eher systematisch und fange daher mit der DFB-Website an. Und dort findet man in der Tat eine langweilige Behörden-Website, gegen die bereits das Auftreten des Deutschen Bundestages aussieht wie ein Entwurf aus der digitalen Designerwerkstatt. Einfach nur ein weiteres Beispiel für die Verstaubtheit des Arbeitskreises alter Männer in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise?

MM: Ist halt so‘n Content Management System, wie sie’s alle haben, gucken Sie sich doch mal den indirekten-freistoss an, auch nicht besser. Interessant finde ich, dass man die Nationalspieler anklicken kann, auch wenn sich dahinter wieder nur Paninische Weisheiten wie im Schlachthof verstecken. Obwohl ich sehr gerne mal die alten Männer zum Anklicken hätte, um deren Werte zu begutachten.

CB: Was hatten Sie denn erwartet – die persönlichen Homepages der Herren Podolski, Frings oder Ballack sehen eben so aus, wie persönliche Homepages heutzutage eben aussehen. Manche Seiten sind doch sogar vergleichsweise originell: ich war schon etwas verwirrt, als mich unter www.oliver-kahn.de ein jubelnder Ronaldo begrüßte, während der Titan wie tot am Boden lag. Und daneben las ich die „Erfolgsregel Nr. 5″: „Großen Erfolgen gehen oft große Niederlagen voraus“. Das muss man erst einmal mit sich machen lassen.

MM: Ja, aber dieser ganze Flash-Mumpitz. Überall wird nur geladen, geladen, geflasht, geladen. Da fällt mir die selbstironische Seite unseres Miros doch sehr positiv auf, der da auf www.klose.de wissen lässt, dass er, um mir künftig eine bessere Performance und Erreichbarkeit zu gewährleisten, in ein neues Rechenzentrum umziehen wird. Wobei ich nicht hoffen will, dass das eine verschlüsselte Botschaft seines Managers ist, dass er demnächst bei Real Madrid den Ball treten wird.

CB: Noch überraschender fand ich allerdings www.arne-friedrichs.de Vorliebe für fernsteuerbare Modellautos. Sein Kochbuch „foodball“ war ja schon merkwürdig genug. Nun reicht´s aber mit dme Geplänkel im kalauerverdächtigen Abseits. Der wesentliche Grund für den von Ihnen vorgekosteten multimedialen Einheitsbrei ist aber eigentlich ganz leicht zu finden: sehr viele der Fußballer-Homepages werden von ein und demselben Dienstleister erstellt, einer Firma mit dem etwas seltsamen, aber doch fußballbezogenen Namen „Seven Dead Cats“. Aber es gibt auch Ausnahmen, etwa Kevin Kuranyis Pixelfeuerwerk oder den retro-schicken Andreas Hinkel.

MM: Ob der mit seinem hessischen „Weich ist stärker als hart, Wasser ist stärker als Stein, Liebe ist stärker als Gewalt“ allerdings im Strafraum, geschweige denn dem Entmüdungsbecken allerdings zu reüssieren weiß, bleibt aber doch anzuzweifeln. Wenn schon retro, dann auch richtig, mit allem Kopfballungeheurem und HTMLigen: www.hrubesch.de. Aber ich habe mich schon wieder nach Kalau verlaufen. Zurück zu uns. Und zu der Frage an den Experten hier bei mir in der Kolumne, was denn um Himmels Willen ein Fußballspieler im Netz zu suchen hat?

CB: …wo doch eigentlich nur der Ball dortselbst zappeln soll – geben Sie´s zu, lieber Mertens, das ist eine rhetorische Abseitsfalle! Doch wir stehen ja auf gleicher Höhe und daher wird nicht abgepfiffen: im Zuge eines gelungenen Eigenmarkenaufbaus gehört die digitale Selbstdarstellung einfach ins Portfolio des modernen Profis. Der allgegenwärtige Medienfußballzirkus gastiert eben nicht mehr nur auf dem Fernsehbildschirm, sondern längst auch dem Computermonitor. Aber ich sehe schon, diese Antwort wird sie langweilen.

MM: Warten Sie, ich bitte kurz Herrn Netzer ans Telephon, damit er seine Standardstichelei gegen Delling feilbieten kann. In der Zwischenzeit verweise ich noch auf eines der berüchtigsten Beispiele, wo ein Fußballer ins Netz gehen wollte, und zwar das gruselige Klinsmann-Gerüttele an den Maschen in einem seiner letzten Spiele. Und weil Herr Netzer immer noch nicht zur Verfügung steht, bleibt mir nichts anderes übrig, als ins Medienwissenschaftliche zu verfallen und zu verraten, dass meine ganze Kalauerei eigentlich eine Theorie-Vorbereitung waren. Denn um was geht es im Internet, zumindest in seiner Berners-Leeschen-Ausprägung? Um Links! Um Assoziationen! Um das Denken in Ähnlichkeiten. Und wo wir Null-Acht-Fuffzehn-Existenzen unsere Internetpräsenz benötigen, um dieses einzige Medium, das uns zur Verfügung steht, dazu zu nutzen, uns immer ähnlicher zu werden, ist das gleiche Bestreben bei dauerausgestrahlten Fußballern einfach nur peinlich. Die sind schon so sehr sie selbst, dass sie sich gar nicht mehr hinterherkommen können. Die sollten das Ähnlichkeitsprinzip des Netzes eher dazu nutzen, sich noch anderes einzuverleiben. Sponsoring zum Beispiel. Mich wundert, dass etwa Patrick Owomoyela das Potenzial seines unschreibbaren Nachnamens noch nicht erkannt hat und einen Vertrag mit Ovomaltine eingegangen ist.

CB: Bei Owomoyela denke ich im übrigen eher an „Telenovela“. Hm, aber „Denken in Ähnlichkeiten“… abgesehen von der schweren Vermittelbarkeit in der Halbzeitpause scheint mir das eine gute Strategie für die weitere WM-Vorbereitung zu sein. Ich wäre ja schon froh, wenn wir nur „so ähnlich“ wie Italien spielen würden. Aber noch mal zur Frage des Einverleibens – was mir an den Spieler-Websites auffällt, ist nämlich weniger der aufgeblähte Sponsorenbauch, sondern die vielen Projekte, Stiftungen und karitativen Zwecke, für die sich die Spieler engagieren: Owomoyela für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, Friedrich für den Mukoviszidose e.V., und haben sie schon mal versucht, www.juergen-klinsmann.de aufzurufen? Da grüßt doch das soziale Netz, oder?

MM: Ein Musterbeispiel für das, was ich elfenbeintürmend versuchte zu umschreiben. Indem er das Andere zum Eigentlichen seines Auftritts macht, ist Klinsmann schon wieder Jahre voraus und läßt das Netzgezappel hinter sich. Er hat eben immer schon deutlich gemacht, dass man gestrige Konzepte einfach nur in die Tonne treten muss. Dumm nur, dass die deutsche Nationalmannschaft mit Konzepten für Übermorgen trainiert, wo die Weltmeisterschaft doch morgen stattfindet.

Samstag, 25. März 2006

Am Grünen Tisch

Streichkandidat Franz

Die Abwesenheit Franz Beckenbauers beim wichtigen Uefa-Kongreß in Budapest deuten die großen Zeitungen als Verzicht auf seine Präsidentschaftskandidatur. Thomas Kistner (SZ) rätselt nicht lange über Beckenbauers Grund: „Lennart Johansson ist verstimmt über Beckenbauers Verhalten. Dass es sein Günstling nicht mal für nötig befand, für ein paar Stunden Honneurs auf dem europäischen Fußballparkett zu machen, hat dessen Chancen im ja enorm ehrpusseligen Funktionärsbetrieb pulverisiert. Auch hätte dem deutschen OK-Chef kurz vor WM-Beginn ein kleiner Empfang für Europas Fußballgemeinde nicht geschadet; als Geste für diejenigen, die beim großen Fußballfest nur aus der Ferne zuschauen dürfen. Das muss alles nicht sein, wenn einen die Geschicke der just stark unter Beschuss der G 14 geratenen Uefa nicht tangiert. Für einen Präsidentschaftskandidaten ist es unverzeihlich. Insofern ist die Thronschlacht übersichtlich geworden. (…) Und Streichkandidat Franz? Na gut. Im Uefa-Ehrenamt hätte er ja all seine lukrativen Werbegeschäfte sausen lassen müssen. Beim Kongress war der Allroundverdiener übrigens auch deshalb unabkömmlich, weil er das USA-Länderspiel im ZDF kommentieren musste.“

Spielmacher

Bahn frei für Michel Platini – Roland Zorn (FAZ): „Wer einen ‚Pflichttermin‘ ausläßt, um es in Beckenbauers Terminologie an die Adresse von Jürgen Klinsmann zu sagen, wird auch die Kür nicht mehr bestehen. ‚Das war ein deutliches Zeichen‘, faßte Johansson seine Enttäuschung über den pflichtvergessenen Deutschen in leicht zu entschlüsselnde Worte. Alle Zeichen für den 2007 oder später bevorstehenden Macht- und Generationenwechsel an der Spitze der europäischen Fußball-Konföderation deuten inzwischen auf einen anderen Fußballgenius: Michel Platini. Der frühere Spielmacher der Equipe Tricolore ist zu einem Spielmacher auf der Bühne der Fußballpolitiker gereift. So wie er einst alle Tricks seines Spiels beherrschte, ist dieser lernwillige und wißbegierige Schüler von Joseph Blatter, dem mit allen Finessen seines Gewerbes vertrauten Fifa-Präsidenten, längst zu einem Schwergewicht in der Funktionärsszene geworden. Eine Ochsentour a la Platini hätte der lieber zu Höherem berufene Beckenbauer kaum auf sich genommen. (…) Platini bekennt sich seit langem zu den ethischen Grundwerten des Fußballsports, die er mit großer Leidenschaft gegen den Zugriff des Großkapitals – Stichwort G 14 – verteidigen würde. Ließe Johansson den Franzosen seines Amtes walten, es müßte keineswegs zum Schaden der Uefa und ihrer Prinzipien sein.“

Es geht um die Macht

Die NZZ bejaht die ablehnende Haltung der Uefa und der Fifa gegenüber den Forderungen der „G14“: „Seit je oder mindestens seit der Lancierung der lukrativen Champions League vor 14 Jahren ist die Macht- und Geldgier der G-14 ständig gestiegen. Auch heute geistert wieder die Idee einer sogenannten geschlossenen Euroliga nach dem Muster des amerikanischen Show- und Berufssports herum: Abschaffung der Qualifikation zur europäischen Topklasse oder Teilnahme-Garantien ohne Erfüllung sportlicher Kriterien sind Lieblingsthemen jener 18 von insgesamt 102 im Uefa-Klubforum repräsentierten Vereine, deren hohe Finanz-Etats idealerweise nach Planungssicherheit rufen. An der Spitze der Wortführer steht auch immer der FC Bayern, mit bisher fast 300 Millionen Einnahmen seit 1992 Krösus der ‚Liga der Meister‘. Johansson verteidigte hingegen die Philosophie der Uefa, die auf Demokratie, Gleichheit und – vor allem – Solidarität für die mehrheitlich Kleinen beruht. Er forderte die Delegierten der 52 nationalen Verbände auf, zusammenzustehen und die einstimmig verabschiedete Resolution in ihrer Heimat bekannt zu machen.“ Die FAZ ergänzt: „Die Klagen der G 14 im Verbund mit dem RSC Charleroi und Olympique Lyon bedrohen einige der Fundamente und Prinzipien, auf die sich Fifa und Uefa bisher selbstverständlich gestützt haben. Es geht keineswegs nur darum, daß der Weltverband demnächst gerichtlich dazu verpflichtet werden könnte, in Zukunft Abstellgebühren und Versicherungsleistungen für Nationalspieler zu zahlen oder bei den nationalen Verbänden einzufordern. Es geht um die Macht. (…) Selten stieß Joseph Blatter vor dem obersten Uefa-Gremium auf so viel Zustimmung wie in Budapest. Die Fußballfamilie ist dort zusammengerückt, doch draußen vor der Tür stürmt es weiter.“

NZZ: Abrücken vom ehrgeizigsten Ziel – G-14-Interessengemeinschaft plant vorläufig keine autonome Europaliga
Die Resolution der Uefa gegen die „G14“

Bundesliga

Rhetorik aus der Volkshochschule

Richard Leipold (FAZ) will Jürgen Kohler die Maske entreißen: „Kohler gehört nicht zu den Fußball-Lehrern, die das Publikum aufgrund ihres Charismas faszinieren. Aber zwei Stilmittel hält der Cheftrainer des MSV, der sportlich bisher wenig bewegt hat, konsequent durch, wenn er vor die Medien tritt: ein je nach Situation zum Grinsen steigerbares Lächeln, das Freude am Leben ausdrückt; dazu ein paar verbale Versatzstücke, die einstudiert klingen – als hätte er sie in einem Rhetorikkurs an der Volkshochschule gelernt. ‚Das ist das leichteste Spiel der Saison‘, behauptet Kohler vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München. Aus seinen Worten spricht eine humoristisch anmutende und in Teilen vielleicht auch so gemeinte Sicht auf den von Woche zu Woche ernster werdenden Ernst des Fußball-Lebens. Gegen den deutschen Rekordmeister könne seine Elf nur gewinnen. Fragt sich nur, wie. Diese Frage bleibt unbeantwortet, soviel sei schon verraten. Vermutlich könnte sie nicht einmal ein rhetorisches Naturtalent beantworten.“ Ulrich Hartmann (SZ) gibt die Schwierigkeit zu bedenken, die Kohlers Arbeit enthält: „Auf der Suche nach einem womöglich nervösen Trainer begegnete man in dieser Woche einem blendend gelaunten Animateur aus dem Ferienklub. ‚Mensch, traumhaftes Wetter!‘, flötete Kohler mit der Überschwänglichkeit des seligen Dauerurlaubers. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, da genießt einer sein junges Trainerleben wie den Frühling nach einem langen Winter. Doch Kohlers sonniges Gemüt versucht nur die Melancholie zu kaschieren, in die der Duisburger Fußball wieder mal geraten ist. (…) Kohler hat im Januar mit aufgekrempelten Ärmeln erstmals eine Klubmannschaft übernommen, der er unter Zuhilfenahme eines Psychologen und eines Ernährungsberaters die Erstligatauglichkeit beizubringen gedachte. Doch die Probleme saßen tiefer. Kohlers Vorgänger Norbert Meier hatte eine Mannschaft zusammengestellt, in der allenfalls der Torwart Georg Koch und der Stürmer Klemen Lavric Bundesliganiveau besaßen. Im Winter durfte Kohler vier Spieler zukaufen, von denen Marco Caligiuri und Mihai Tararache das Niveau steigerten, während über den südkoreanischen Stürmer Jung-Hwan Ahn ein Leserbriefschreiber schimpfte, von diesem Geld hätte man dem Duisburger Zoo besser eine Überdachung spendiert.“

Intern schonungslos

Tobias Schächter (BLZ) räumt mit der Mär auf, in Mainz ginge es stets lustig zu: „Die Macher des selbsternannten Karnevalsvereins sind viel ehrgeiziger und zielstrebiger als landläufig angenommen. Natürlich könnte man die Geschichte, die seitdem passiert ist, auch so schreiben: In Mainz fahren sie in der Krise einfach ein paar Tage in den Hunsrück und erklären danach, die Saison beginne noch einmal bei Null. So einfach ist das. Es folgt ein Unentschieden in Dortmund, ein Kantersieg gegen Gladbach und ein verdienter Auswärtstriumph in Leverkusen. Stimmt zwar alles. Aber: Die Stunde Null hat es weder in Deutschland 1945 gegeben noch beim FSV Mainz 05 im Februar 2006. In Mainz berufen sie sich in Krisenzeiten auf die gemeinsamen Erfahrungen der letzten Jahre. Immer wieder gelang es der Mannschaft und ihrem Trainer, sich selbst aus kniffligen Situationen zu befreien. Und Jürgen Klopp, der Obertrotzkopf, ist zudem kein Zauberer und auch kein Scharlatan. Er ist entgegen dem gern vom Boulevard verbreiteten Bild des sympathischen Hausfrauenlieblings mit den lockeren Sprüchen zuvorderst ein harter Arbeiter, der viel von sich und seinen Spielern verlangt. Klopp ist intern schonungslos in der Analyse, seine Ansprache mitunter laut und manchmal hart an der Grenze des Verletzenden. Aber der fußballverrückte Klopp ist auch selbstkritisch.“

Großer Verlust für die Branche

Über die Stimmung in Köln lesen wir von Gregor Derichs (FAZ): „Hanspeter Latour baut auf das ungebrochene Interesse der bemitleidenswerten Fans. Seinen Spielern erklärte er, daß der Massenandrang ’symbolisiert, daß man uns noch etwas zutraut‘. Für ein Spektakel wie beim 3:4 gegen Nürnberg sind die Kölner immer gut. Auch das Hinspiel gegen Frankfurt bot mit einem 3:6 höchsten Unterhaltungswert, gilt aber als eine der schwächsten Leistungen des FC-Teams. Gelingt gegen die Hessen wieder kein Sieg, dürfte die letzte Hoffnung auf eine Rettung sterben. Der vierte Abstieg nach 1998, 2002 und 2004 wäre auch ein großer Verlust für die gesamte Branche, denn Köln mit einem schönen Stadion und sehr begeisterungsfähigen Fans gehört zu den stimmungsvollsten Standorten der Bundesliga.“

FR: Das Heidelberger Fußballmärchen – mit der Wahl des Standorts für die geplante Arena konkretisiert sich die Vision Dietmar Hopps, seiner Heimat einen Bundesligisten zu schenken

taz: Die Torwartfrage ist international, auch in Frankreich streiten sich zwei um den Posten im Kasten: Fabien Barthez oder Grégory Coupet – das ist die Frage, die Frankreich bewegt

NZZ: Der knochenharte Verteidiger am Dirigentenpult – Der argentinische ‚Caudillo‘ Diego Simeone tauscht den Spielerdress mit dem Trainerstuhl von Racing de Avellaneda

Welt: Sönke Wortmann hat seine erste TV-Serie gedreht und soll nun die WM dokumentieren

Freitag, 24. März 2006

Ball und Buchstabe

Bilder und Ton wollen einfach nicht zusammenpassen

Fußball-Länderspiel im ZDF – Marcus Bäcker (BLZ/Media) dreht den Ton aus: „Ein nichts Gutes versprechender Einstieg ist zum Beispiel ein Satz wie: ‚Die deutsche Mannschaft möchte sich mit Leistung an die Anhänger ankuscheln.‘ Macht niemand, glauben Sie? Da kennen Sie aber Johannes B. Kerner nicht. Der sagt so etwas. Viel erfreulicher wurde der Fußballabend im ZDF dann auch wirklich nicht mehr. (…) Nicht ganz zutreffend war Béla Réthys Einschätzung, dass Oliver Kahn überragend gehalten hatte, Weltklasse gar: Gab es da nicht ein ziemlich dummes Gegentor, einen Ball, den der deutsche Keeper elegant über sich hatte hinweghüpfen lassen? Foul an Kahn, befand Réthy stur und wartete auch dann noch auf den Freistoß, als die deutschen Spieler längst zum Anstoß bereit standen. Es gibt Momente, da wollen Bilder und Ton einfach nicht zusammenpassen. Nach dem Spiel folgten weitere Kahn-Lobpreisungen, dabei hatte der nur einen einzigen schwierigen Ball halten müssen, was ja streng genommen zu den Aufgaben eines Nationaltorhüters gehört.“

Klinsmann kommt leider zwei Jahre zu spät

Daniel Cohn-Bendit im Interview mit Michael Hanfeld (FAZ/Medien)
FAZ: Ihre Prognose für die WM: Wer holt den Titel?
Cohn-Bendit: Brasilien, eindeutig. Wenn man sachlich argumentiert, ist es Brasilien. Es können sechs Mannschaften gewinnen, plus Brasilien.
FAZ: Alle außer Deutschland.
Cohn-Bendit: Na ja, Griechenland hat auch die EM gewonnen.
FAZ: Aber wie.
Cohn-Bendit: Sie haben gewonnen. Brasilien ist zwar schon in Schönheit gestorben, aber wenn sie so spielen wie im Endspiel des Confederations Cup – dann schlägt sie niemand. Und die Deutschen? Ich finde, der Trubel ist nicht mehr nachvollziehbar. Wenn die dritte Meldung in der Tagesschau davon handelt, wo sich Jürgen Klinsmann gerade aufhält, das ist schon ziemlich irre. Kennen Sie eigentlich schon den neuesten Vogelgrippe-Virus?
FAZ: Nein.
Cohn-Bendit: I4D1: Italien vier, Deutschland eins. Der hat alle angesteckt. Und dann kam noch M4B1: Mailand vier, Bayern eins. Und das, obwohl Magath doch in Deutschland wohnt und nicht in den Vereinigten Staaten.
FAZ: Aber besser ist doch D4USA1. Als nächstes kommt dann CR3D1: Costa Rica 3, Deutschland 1.
Cohn-Bendit: Wer weiß? Costa Rica hat das Freundschaftsspiel gegen Frankreich nur 3:2 verloren, die haben bis zur Halbzeit 2:0 geführt. Nachdem Beckenbauer – ein Unding – gesagt hat, Kahn müsse spielen, ist alles möglich: zwei Kullerbälle durch die Beine. Polen wird auch noch spannend. Die Fehler im deutschen Fußball hat nicht Klinsmann, die hat Rudi Völler gemacht. Man hätte nach der WM in Japan und Korea machen müssen, was Klinsmann jetzt unternimmt – so wie Jacquet die Franzosen auf die WM 1998 vorbereitet hat. Klinsmann kommt leider zwei Jahre zu spät.
FAZ: Könnten Sie nicht vielleicht auch noch die Sportschau übernehmen?
Cohn-Bendit: Warum nicht!

NZZ: Wider Hegemoniegelüste und Egoismus der Grossklubs – scharfe Kritik der Uefa an der G-14
Welt: Fifa und Uefa verabschieden Resolution gegen europäische Großklubs – nur Deutschland und England widersetzen sich

taz: Die Fifa hat seine umstrittenen Medienrichtlinien geändert: Zeitungen und Zeitschriften dürfen über die Fifa-Fußball-WM 2006 jetzt auch in deutscher Sprache und sogar abschätzig und rufschädigend berichten

Welt: Langer Winter treibt Amateurfußball in die Krise – Liquiditätsengpässe und Terminnöte

Strafstoss

Reine Nervensache 9 – Die Paule Situation

Strafstoß #24 – 21. März 2006

von Herrn Mertens und Herrn Bieber

Mathias Mertens: Lieber Bieber, ich sehe dringenden Diskussionsbedarf. „Paule“ heißt er, wie weiland im Lied der Ärzte, ist aber nicht Bademeister sondern das Maskottchen des DFB. Das darf doch wohl nicht wahr sein, oder?

Christoph Bieber: Doch, lieber Mertens, doch. Das ist sehr wohl wahr. Und wir wissen auch schon länger, wie sich das alles zugetragen hat. Es kann also niemand sagen, er hätte von nichts gewusst. Andersherum gefragt: Was hatten Sie denn erwartet? Wenn schon jede WM das Maskottchen bekommt, das es verdient, wieso sollte es bei den Nationalteams anders sein?

MM: Sie meinen, weil es fatal an jenes Wesen erinnert, das dereinst die ARD-Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“ heimsuchte?

CB: Wenn mich nicht alles täuscht, war dieses Tier doch ein sprichwörtlicher „Unglücksrabe“ – „Paule“ hingegen kommt doch als edler Adler daher. Wenngleich man wohl schon mal einen Ornithologen fragen könnte, welche Untergattung da Pate gestanden hat. Folgt man diesen Überlegungen, dann ist Paule also eher ein Verwandter des Bundesadlers, wie wir ihn etwa aus dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages kennen. Aber was regt sie denn an „Paule“ so auf, sie klingen ja ganz aufgeregt. Sind es die klobigen Rumpelfüße, die mutierten Knopfaugen oder das Dauergrinsen?

MM: Ich fühle mich in meiner Ehre als Angehöriger der deutschen Fußball-Nationalmannschafts-Zuschauerschaft gekränkt, dass man mich mit einer Drolligkeit zur Identifikation zwingt. Können nicht auch Maskottchen ernsthaft sein? Wo kommen die überhaupt her? Ich befürchte ja auch eine völlige Ignoranz ihrer historischen Funktion gegenüber.

CB: Die Maskottchenforschung scheint sich relativ einig zu sein, dass das Wort seinen Ursprung im Französischen („Mascotte“) oder im Provenzalischen („Mascoto“, „Masco“) hat. Dort bedeutet es zwar eigentlich „Hexe“, bezeichnet aber schon einen Glücksbringer für unterschiedliche Bezugsgruppen. Über die historische Funktion kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben, in der Gegenwart überwiegt aber ganz sicher die Einbettung in Identifikationskampagnen aller Art, vornehmlich aber entlang medial vermittelter Großereignisse. Das haben uns also mal wieder diese vermaledeiten Massenmedien eingebrockt, oder?

MM: Wenn ich aber tiefer wikipediere, stoße ich auf Talismane, die arabischen Zauberbilder, die an Kleidungen getragen werden und gegen Krankheiten und Zauberei schützen sollen, und dann auf die Abraxasgemmen der Gnostiker, mit denen das höchste Urwesen dargestellt wurde, aus dem die fünf Urkräfte Geist, Wort, Vorsehung, Weisheit und Macht hervorgingen. Ich kann im DFB vielleicht ein Urwesen sehen, und aus ihm gehen auch Wort und Macht hervor, aber dass da auch noch Geist, Vorsehung oder sogar Weisheit herrschten, kann ich nicht erkennen. Wie kann sich der DFB also überhaupt ein Maskottchen anmaßen?

CB: Wenn man die zugehörige DFB-Pressemitteilung liest, wird man schon um einiges schlauer: Der Geist liegt in der Rückennummer (10), die Vorsehung ist ins Adlerauge eingebaut („seinen wachen Augen entgeht dabei nicht die geringste Kleinigkeit“) und die Weisheit kommt natürlich mit dem papsttauglichen Namen. Mit Sorge lese ich allerdings eine Passage, die Paule „einen quirligen Vogel“ nennt, „der selbstverständlich völlig Fußball-verrückt ist und als begeisterter Fan stets bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaften mitfiebert.“ Sounds like Vogelgrippe.

MM: Hoffentlich mischt sich da der Seehofer jetzt nicht ein. Sonst darf nicht mehr unter freiem Himmel gespielt werden und die ganze WM findet nur noch auf Schalke statt. Dann gäbe es aber einen Hahnenkampf zwischen Paule und Erwin!

CB: Das ist aber ein kurzer Schluss von den Urkräften zum Hahnenkampf auf Schalke (wobei ich den Schalker „Erwin“ kaum als Vogel spezifizieren würde). Ich war mit der Pressemitteilungs-Exegese ja noch gar nicht fertig. Da steht nämlich auch, dass „die Figur von ‚Paule‘ (…) langfristig bei allen DFB-Events als ‚Walking Character‘ im Einsatz sein soll.“ Was heißt denn das? Doch wohl nicht „laufender Buchstabe“ – der Anglizismus bringt mich auch zum US-Sport, dort gibt es doch auch massenhaft Maskottchen. Die heißen da aber doch bestimmt ganz anders, oder? Sie haben doch sportive Auslandserfahrung, Mr. Mertens, please help!

MM: Nein, Maskottchen sind wie alles ein Amerikanifizierungsmechanismus. Die heißen da nämlich mascots. Wir haben das nicht von den Franzosen übernommen, sondern ähnlich wie die Pommes, indem wir es zweimal über den Atlantik geschickt haben. An amerikanischen Schulen und Universitäten ist die Rolle des Maskottchens übrigens ein Wahlamt, für dessen Ausführung man sich qualifizieren muss. Und während seines Jobs läuft es nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Kostüm, wie man der schönen Gebrauchsanweisung auf www.mascot.net/costumes.html entnehmen kann, derzufolge man kein Anti-Transpirant benutzen darf, weil der Schweißfluss wichtig für die Regulierung der Körpertemperatur ist. Weshalb man auch vor nassen Kostümen warnen muss, die Brutstätten für Viren sind. Wohl auch für H5N1. Vielleicht hat der Klinsmann das ja nach Baden-Württemberg eingeschleppt, als er Testmaskottchen aus Kalifornien mitbrachte?

CB: Ach Unsinn, Klinsmann pflegt einen ganz anderen Amerikanisierungsstil, außerdem war er gegen Masskottchenwahnsinn doch sicher geimpft. Damit auch zurück zu der Frage nach den ernsten Maskottchen – ich hätte da noch zwei im Angebot, die einen etwas distanzierteren Zugang zum Thema haben, aber gleichwohl vom Fach sind: „Schäfer und Schmitz“, die älteren Egos der 1974-Maskottchen „Tip und Tap“. Wäre das was nach Ihrem Geschmack?

MM: Damit könnte ich mich jedenfalls schon eher identifizieren. Wobei ich immer dachte, Tip und Tap wären als Trainer des FC Bayern und als Teammanager der Nationalmannschaft resozialisiert worden.

CB: Ach, das ist nur wieder eine kleine Nickeligkeit gegen meiner Affinität zum amtierenden deutschen Meister. Seien Sie bloß vorsichtig, sonst hetze ich Ihnen den furchteinflößenden „Berni“ samt seines grauenhaften Songs
auf den Rechner.

MM: Alles, nur das nicht! Und alle Schweinis, Poldis, Klinsis, Ollis, Littis, Bertis und Rudis können auch im Alveolaren bleiben.

CB: Sie Phonetik-Schönspieler. Aber hier behalte ich die letzten Worte und die sind diesmal hart. Um unsere kleine Maskottchendiskussion abzurunden, fallen mir nämlich noch ein paar unsterbliche Textzeilen der NDW-Combo „Trio“ von 1981 ein, die den Erfindern und Namensgebern des neuen Bundesadlers hoffentlich nicht im Ohr klangen:

Los Paul,
du mußt ihm voll in die Eier haun!
Das ist die Art von Gewalt, die wir sehn wolln.
Wenn auch nicht spürn wolln.

Deutsche Elf

Beleidigt

Jürgen Klinsmann rechnet nach dem 4:1 gegen die USA mit seinen Gegnern unter den Journalisten ab, und nur weil er sie nicht beim Namen nennt, fühlen sich prompt viele Falsche angesprochen – obwohl doch jeder weiß, wen er meint: die Bild-Zeitung wegen der indirekten Rücktrittsforderung an ihn und die tz wegen der Verleumdung Bastian Schweinsteigers (und Paul Agostions und Quido Lanzaats). Nun ergibt sich ein paradoxes Ergebnis: Die Bild-Zeitung, Ziel Klinsmanns, nimmt ihn aus den Schlagzeilen, besser: gibt ihm eine Verschnaufpause; einige der Zeitungen, die Klinsmanns Arbeit bisher wohlwollend begutachtet und ihn gegen Bild verteidigt haben, sind tief beleidigt. Oder sie tun tief beleidigt: „Sonderling“ (FR), „schlechter Verlierer“ (SZ), „Sektierer“ (BLZ), „der Selbstgerechte“ (taz). Wir müssen reden, ich zieh zu meiner Mutter …

Klar, Klinsmanns Predigt war unsouverän, und er hat die Aufmerksamkeit von der Mannschaft weggelenkt, was nach einem Sieg die falsche Strategie ist. Aber muß man so gekränkt reagieren? Ist das der Solidarisierungsreflex mit den gescholtenen Kollegen? Muß man deswegen das 2:0 Oliver Neuvilles, das 3:0 Miroslav Kloses und das 4:0 Michael Ballacks, alles Treffer Marke „Tor des Monats“, zu statistischen Meldungen degradieren? Muß man deswegen in den Hintergrund drängen, daß wir endlich einen Bundestrainer haben, der es wagt, Franz Beckenbauer, etwa in der Torwartfrage, öffentlich den Gehorsam zu verweigern? Hey, da will der Münchner WM-Boß seinen Münchner Kandidaten mit dem „Argument“ durchsetzen, er müsse aus Rücksicht auf die Stimmung im Münchner Stadion die Nummer 1 sein. Wenn die deutsche Elf nach solchen (Münchner) Kriterien ausgewählt wird, braucht sie im Sommer erst gar nicht antreten – mal davon abgesehen, daß wir bisher davon ausgegangen sind, daß die WM-Tickets ausgelost worden sind. Herr Beckenbauer, Herr der Tickets, haben Sie Deutschlands Nichtmünchnern etwas mitzuteilen?

Wieder einmal findet man die wichtigen Fragen nur am Rand: Warum spielt Tim Borowski nur so kurz? Lukas Podolski als Linksaußen – geht das? Haben wir nicht vielleicht doch einen deutschen Rechtsverteidiger, der flanken kann – und nicht nur solide verteidigen? Wird man Klinsmann bald denselben Fehler vorwerfen müssen wie Rudi Völler, nämlich daß er Spieler aufgrund ihrer Verdienste in der Vergangenheit aufstellt, etwa Podolski, Bernd Schneider und Gerald Asamoah?

Über einen Leisten

Ludger Schulze (SZ) mißfällt Klinsmanns Ton: „Schlechte Verlierer sind auf unzähligen Sportplätzen dieser Welt zu beobachten. In Dortmund konnte man einen bislang unbekannten Bruder dieser Spezies kennenlernen: den schlechten Gewinner. Jürgen Klinsmann nutzte den Auftrieb des 4:1 zu einer Generalabrechnung mit den deutschen Medien. In einer von Trotz gesteuerten und rechthaberischen Anklage wies er jegliche Kritik der jüngsten Zeit zurück, lediglich eine Bewertung des sportlichen Auftretens mag er gelten lassen. Genau dieses aber hat die (meisten) veröffentlichten Reaktionen ausgelöst: die Kette von schlechten bis unansehnlichen Länderspielen. Zu Recht beschwert sich Klinsmann über Angriffe ‚unter der Respektsgrenze‘ aus der Boulevardszene; zu Unrecht schlägt er alle über einen Leisten. Somit hat der Erfolg das angegriffene Klima nicht entspannt, sondern vergiftet. Klinsmann fühlt sich von Feinden eingekreist – und verprellt nun auch die Befürworter seiner Reformbestrebungen. (…) Mit seiner Drohung, missliebige Medien auszuschließen, stellt Klinsmann die Errichtung seiner eigenen Wagenburg in Aussicht – das sicherste Mittel, um alle gegen sich und seine Mannschaft aufzubringen.“

Sonderling

Jan Christian Müller (FR) gibt Klinsmann nur in der Sache recht: „Der Nonkonformist reibt sich im Kampf gegen die ausgerechnet von WM-Boss Franz Beckenbauer vorbehaltlos unterstützte Medienmacht der Bild-Zeitung auf und läuft Gefahr, zu viel Kraft zu vergeuden. Klinsmann hat das völlig falsche Thema gesetzt. Der Sonderling verprellt auch diejenigen einflussreichen Medien, die seinen Reformeifer bislang unterstützend oder zumindest wohlwollend begleitet haben. Journalisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie viel besser austeilen als einstecken können. Des Bundestrainers Globalkritik am Medienstandort Deutschland ist auch deshalb besonders ärgerlich und ungeschickt, weil sein Weg grundsätzlich in die richtige Richtung führen soll. Wenn er tatsächlich über die Weltmeisterschaft hinaus Bundestrainer bleiben will (was intern längst niemand mehr glaubt und manch einer auch nicht hofft), müsste er intensiv daran arbeiten, mehr als nur seinen engsten Kreis an Vertrauten mit ins Boot zu nehmen. Für das höchste sportliche Amt im medial hier zu Lande bis auf die Knochen sezierten Fußball ist ein höheres Maß an Diplomatie und sozialer Kompetenz unabdingbar, sowohl nach innen zum DFB als auch nach außen. Sonst kann man diesen Job auf Dauer nicht ausüben.“

Sektierertum

Matti Lieske (BLZ) kritisiert die Rhetorik des Bundestrainers als monoton und manichäisch: „Ausländischen Journalisten kann er ausführlich seine Philosophie darlegen, und sie wenden sich nicht genervt ab wie ihre deutschen Kollegen, die solche Vorträge inzwischen schon hundert Mal gehört haben. Dann schwärmt Klinsmann von seinem sehr, sehr spannenden Projekt, das ihm extrem viel Spaß bereite, vom Team im Umbruch, das täglich Fortschritte mache, von Zuversicht und guter Stimmung und davon, dass jeder Spieler in den letzten zwei Jahren viel besser geworden sei. Bei den deutschen Journalisten erntet er mit solchen Thesen befremdetes Staunen. Schließlich ist das DFB-Team kein Projekt, sondern vereint schlicht die besten Fußballer des Landes. Der Umbruch ist längst vollzogen, und geht man die Liste der Nationalspieler durch, dann haben sich seit der EM 2004 wenige verbessert, viele spielen aber schlechter als noch vor einem Jahr. Klare Fortschritte haben nur Schweinsteiger, Klose und Borowski gemacht. Das allerdings kann sich kaum Klinsmann als Verdienst zuschreiben, sondern es liegt an der Arbeit in ihren Vereinen. Klinsmann hat es sich gemütlich eingerichtet in seiner kalifornisch geprägten Scheinwelt. (…) Das Nationalteam heißt bei Klinsmann ‚Die Gruppe‘. Man hält eisern zusammen, hilft sich gegenseitig und trotzt den Anfeindungen von außen. Es klingt immer ein bisschen nach Sektierertum, wenn Klinsmann über diese seine Welt redet. Auf der einen Seite sitzt ‚Die Gruppe‘ in ihrer Wagenburg, auf der anderen sind die Nörgler, Verächter und Kritikaster.“

taz: der Auftritt eines Selbstgerechten
FR: Das Gesetz bin ich – in einer Art Generalabrechnung geißelt der Bundestrainer seine Kritiker und zeiht die Medien der Kollektivschuld

Zusammenfassung der Klinsmann-Ära

Andreas Lesch (BLZ) sieht Gut und Schlecht der Klinsmann-Elf vereint: „Der Sieg hat im Zeitraffer die Ära Klinsmann zusammengefasst, mit ihren Höhen und Tiefen, mit ihren Risiken und Chancen. Die deutsche Elf begann schwungvoll, sie rutschte dann in eine plötzliche Depression und spielte sich schließlich doch noch in einen kleinen Rausch. Sie ist nach wie vor eine Mannschaft, von der keiner weiß, was sie bringt. Ihre Leistungen schwanken extrem, sogar innerhalb eines Spiels. Sie sucht nach wie vor ihre Mitte, und diese Suche wird auch bei der Weltmeisterschaft noch weitergehen.“ Christof Kneer (SZ) sieht das ähnlich und fordert Tim Borowski: „Dieses Spiel war schräg wie lange keines mehr. Dieses Spiel hat es einerseits geschafft, 4:1 für Deutschland zu enden und prächtige Tore zu enthalten. Dieses Spiel hat es andererseits geschafft, Costa Rica Mut zu machen und Ecuador und Polen. Dieses Spiel hat es geschafft, dass Deutschland einen hymnischen Sieg errungen hat und gleichzeitig die Versetzung ins Achtelfinale gefährdet scheint. Es sind mindestens drei Deutschlands vorgekommen, und wenn man so will, lässt sich dieses Spiel wie eine bündige Zusammenfassung der Klinsmann-Ära lesen. Dieses Spiel zeigte das Projekt im Schnelldurchlauf: Man traf das Deutschland vom Herbst 2005 und jenes vom Herbst 2004, und das Deutschland vom Sommer 2005 war auch gekommen. In der ersten Halbzeit stellte Klinsmanns Elf detailgetreu ihre düsterste Phase nach. Die erste Hälfte roch streng nach den Spielen in der Türkei oder gegen China; wenn ein Spieler lief, standen die anderen, weshalb die Partie nach gutem Start zum Erliegen kam. Dann bog das Spiel plötzlich Richtung Herbst 2004 ein – das war jene Zeit, als Deutschland etwa gegen Kamerun zäh vor sich hin kickte, um die Schwächen dann mit einer starken zweiten Hälfte zu überschminken. So war’s auch diesmal: Schweinsteigers Freistoßtor erfrischte eine gehemmte Elf, und am Ende hob dieses Spiel sogar noch mal kurz ab in Richtung Confed Cup. Am Ende entzündeten sich die euphorisierten Spieler an sich selbst. Es war wohl der letzte Beweis dafür, dass bei diesem Deutschland alles möglich ist und immer auch das Gegenteil davon. (…) Es ist keine neue Erkenntnis, dass dem deutschen Spiel die breitschultrige Coolness des Bremers Borowski gut tut, aber dieser Erkenntnis verweigern sich die Trainer seit Beginn ihrer Amtszeit aus unerfindlichen Gründen. Sie haben ihn wieder nur eingewechselt, was dem Spiel sofort Struktur gab.“

stern.de: ein Sieg der Moral
FAZ: die Stimmung im Stadion

Das absurdeste Argument ist nicht zu schade

Christoph Biermann (SZ) kriegt nach dem Gegentreffer den Mund kaum zu: „Dieser Gegentreffer wird jedes Kuriositätenvideo mit Fußballpannen bereichern. Steven Cherundulo hatte den Ball aus der amerikanischen Hälfte weit nach vorne geschlagen, und nichts war ihm in diesem Moment wohl ferner gewesen, als ein Tor zu schießen. Doch der Ball sprang noch einmal auf und flog über Kahn hinweg, der sich außerhalb des Strafraums wähnte und daher nicht einfach den Ball mit den Händen fing, sondern unter dem Ball auch noch mit einem Amerikaner zusammenstieß. Anschließend blieb er liegen, aus Schmerz über den Zusammenprall und wahrscheinlich auch aus Pein, weil Cherundulos Flanke ins Tor gerollt war. Klinsmann ging auf den Fehler nicht ein. Im Fernsehen erklärte wiederum Franz Beckenbauer, Kahns mächtigster Lobbyist, überraschenderweise Christoph Metzelder zum Mitschuldigen an diesem Treffer, weil ihm ein Stellungsfehler unterlaufen sei. Allerdings erkannte auch er den gravierenden Fehler. Sonst, so Beckenbauer weiter, sei Kahn aber schon wieder in der Form der WM 2002. Als Beleg dafür galt ihm vor allem eine Szene, als Kahn nach einem Kopfball von Johnson brillant reagierte. Zumindest dieses Resümee Beckenbauers erinnert daran, dass Klinsmann, Löw und Köpke bei der Entscheidung für einen Torwart unter gehörigem Druck stehen, wenn der FC Bayern alle Kräfte für Kahn mobilisiert. Von Kahn scheint Beckenbauer so begeistert zu sein, dass ihm auch das absurdeste Argument nicht zu schade ist. So hatte er angemerkt, dem Publikum in München sei beim WM-Eröffnungsspiel eigentlich kein anderer Torwart zuzumuten – als ob bei dieser Partie die Jahreskarteninhaber des FC Bayern auf den Tribünen sitzen würden.“

In eigener Sache ist der Kaiser großzügiger

Michael Horeni (FAZ) verweist auf die Minen in der Torwartfrage: „Daß sich die Stimmung im WM-Land aufgehellt hat, dürfte schon der größte Erfolg eines nur auf den ersten Blick glanzvollen Siegs sein. Aber ein 1:4 gegen Italien und ein 4:1 gegen die Vereinigten Staaten deuten noch lange nicht auf ein ausgeglichenes Klima bis zur WM hin. Denn die Torwartfrage ist noch zu lösen – und so sicher, wie sich Oliver Kahn nach einer bravourösen Parade und einem kapitalen Fehler gab, wird er sich im unentschiedenen Duell mit Jens Lehmann wohl selbst nicht fühlen. Bei der Attacke gegen seine Kritiker hatte der Bundestrainer vielleicht auch schon die hysterischen Medienreaktionen vor Augen, die sich nach der Torwartentscheidung abzeichnen. Vor allem dann, wenn sich Klinsmann für Lehmann entscheiden sollte. In dieser Frage hat sich Franz Beckenbauer schon festgelegt – zugunsten von Kahn. Eigentlich müßte sich der Cheforganisator der WM aus solchen sportlichen Fragen raushalten, aber als Kolumnist der Bild-Zeitung und als ZDF-Kommentator hat er sich auch anderen Arbeitgebern verpflichtet. Ob er die Medienkritik von Klinsmann auch auf sich bezieht? Pointierte Meinungen mögen vielleicht seinen Geldgebern gefallen, der Stimmung im Land hat der WM-Organisator aber zuletzt keinen Dienst erwiesen. Als er, wenn auch zu Recht, die Abwesenheit des Bundestrainers beim Fifa-Workshop geißelte, löste er ein Beben aus. In eigener Sache ist der ‚Kaiser‘ etwas großzügiger: Am Donnerstag wurde Beckenbauer auf dem Uefa-Kongreß in Budapest vermißt. Eigentlich ein Pflichttermin. Zumindest für einen, der wie er im kommenden Jahr Uefa-Präsident werden will. Aber vielleicht hat Beckenbauer auch in dieser Frage nur wieder mal seine Meinung geändert.“

Jeder hat seine eigene Wahrheit

Stefan Hermanns (Tsp) ergänzt: „Möglicherweise hat Jens Lehmann am Ende eines fehlerfreien Abends doch noch einen entscheidenden Fehler begangen. Es könnte sein, dass er den Verhaltenskodex für Nationalspieler verletzt hat. Darf ein Spieler, der gar nicht zum Einsatz gekommen ist, nach dem Spiel ausgiebig Auskünfte erteilen, oder verletzt er damit den allgemeinen Komment? Üblich ist es jedenfalls nicht. Doch Lehmann nutzte einen Tag nach Oliver Kahns Regierungserklärung die Gelegenheit, sein Oppositionsprogramm vorzutragen: ‚Ich sehe keinen einzigen Grund, warum ich bei der WM nicht spielen sollte.‘ Möglicherweise hat Oliver Kahn am Ende eines fehlerfreien Abends doch keinen entscheidenden Fehler begangen. Zumindest haben ihn seine neuen Freunde von der Bild-Zeitung von der offenkundigen Schuld am Gegentor freigesprochen. Die Kooperation zwischen dem Torwart und den Erfindern seines Titanen-Images funktioniert zurzeit besser denn je, und im ohnehin verwirrenden Torwartstreit trägt dieser Faktor noch zur weiteren Verwirrung bei. Beim Stand von 1:0 hatte Kahn mit einem Reflex den Ausgleich verhindert. Als fünf Minuten vor Schluss ein langer Ball in den Strafraum flog, versuchte Kahn mit dem Kopf zu klären, anstatt den Ball wegzufausten. ‚Die Kunst ist es, den entscheidenden Ball zu halten‘, sagte Kahn. Jeder hat seine eigene Wahrheit.“

Bollwerk

Mathias Schneider (StZ) rechnet mit einer Entscheidung für Kahn – und zwar nicht aus sportlichen Gründen: „Das Ganze erinnert mittlerweile an einen Wahlkampf, allerdings mit dem Unterschied, dass der Wettstreit zwischen Kahn und Lehmann schon 20 Monate dauert und sich die Wählerschaft auf eine einzige Person reduziert: Jürgen Klinsmann. Die Rollen sind indes klar verteilt. Mit präsidialer Abgeklärtheit gibt Kahn derzeit den Amtsinhaber. Er will suggerieren, dass das Land den Posten bei ihm in guten Händen wissen kann. Man hat zusammen manche Höhen (WM 2002) sowie einige Krisen danach durchgemacht und sich aneinander gewöhnt. Gäbe es Wahlplakate, so stünde auf jenem von Kahn wohl: ‚Keine Experimente.‘ Er steht nach eigener Einschätzung für Kontinuität, Glaubwürdigkeit und Qualität. Entsprechend inszeniert der Amtsinhaber seine öffentlichen Auftritte. (…) Lehmann hat es geschafft, dass er zum nahezu gleichberechtigten Herausforderer aufrückte. Seit langem verdichtet sich der Eindruck, dass ihn der Bundestrainer insgeheim bevorzugt. Doch die Stimmung im Land und die mächtige Bayernlobby sowie Kahns Verdienste in der Vergangenheit wirken wie ein kaum zu überwindendes Bollwerk auf dem Weg zum großen Ziel.“

FR: Der finale Psychokrieg – innerlich angespannt, treiben Oliver Kahn und Jens Lehmann die Scharmützel auf die Spitze

Tsp: „Das war unser Italien“ – wie die Amerikaner auf ihre Niederlage reagieren

Donnerstag, 23. März 2006

Am Grünen Tisch

Grenzenlose Gier

Thomas Kistner (SZ) kritisiert die zwei Forderungen der „G14“, die Champions League nach ihrem Sinne zu modellieren und von der Fifa Gebühren für die Abstellung von Nationalspielern zu erhalten: „Die G14 wird zur Bedrohung für die bräsigen Verbände. Sie will bei allen Entscheidungen mitreden, Spielplangestaltung, Transferrecht – und mitkassieren. (…) Sie schießt aber weit übers Ziel hinaus, wenn sie nun wieder für eine geschlossene Europaliga nach amerikanischem Vorbild plädiert, für eine Champions League ohne Auf- und Abstieg. Auch dieser Vorstoß ist zwar nicht neu, weniger ärgerlich ist er deshalb nicht. Er zeigt die grenzenlose Gier in dem Gewerbe – und dass es den Großklubs keineswegs um Marktgerechtigkeit oder gar Solidarität geht, sondern um Klientelwirtschaft und die Verschiebung bestehender Machtverhältnisse von den Verbänden in ihren eigenen Bereich. Damit verwirken sie den Anspruch, für Vereine generell zu sprechen. Zugleich verwundert, dass die Akteure immer noch nicht begriffen haben, dass sich das Franchise-Modell der amerikanischen Ligen nicht auf Europa übertragen lässt, schon gar nicht auf den traditionellen Wettkampfsport Fußball.“

FAZ: Die „G14” fordert die Fifa heraus und stellt nicht nur finanzielle Ansprüche
Welt: Eliteklubs dringen auf Reform der Champions League, Uefa unter Druck – Wiedereinführung der zweiten Gruppenphase zur Verringerung des Geschäftsrisikos gefordert
Welt: Uefa-Generaldirektor Lars-Christer Olsson lehnt die Reformvorschläge der europäischen Spitzenklubs zur Ausweitung der Champions League ab

FAZ: Pay-TV – Arena gerät unter Zeitdruck

Tsp-Interview mit Medienprofessor Josef Hackforth über den Fall tz und den Hang des Sportjournalismus zu Marktgeschrei

Deutsche Elf

Aus der Deckung kommend

Sehr lesenswert! Holger Gertz (SZ/Wochenende) porträtiert Miroslav Klose als Sinnbild und Hoffnungskeim der deutschen Mannschaft und möglichen Erbe der großen deutschen Stürmer: „Bei der Weltmeisterschaft wird man ihn sehen müssen, sonst wird das deutsche Team nichts reißen. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass Kloses Biografie irgendwie auch die von Uwe Seeler aus Hamburg ist, die von Gerd Müller aus Nördlingen, die von Rudi Völler aus Hanau, alle keine Entertainer, jedenfalls nicht am Mikrofon, alle bescheiden, rackernd, jeder die Verkörperung dessen, was die Fußballkenner in aller Welt als ‚deutsche Tugenden‘ fürchten. Alle aus der Deckung kommend, aus dem Schatten der Chefcharismatiker, die Beckenbauer hießen oder Netzer oder Matthäus. Und jetzt heißen sie Ballack oder Podolski und Schweinsteiger, aber Michael Ballack hat zuletzt in Mailand bewiesen, dass er manchmal unsichtbar wird, wenn es drauf ankommt. Und Podolski und Schweinsteiger hängen zwar überlebensgroß an Hotelwänden und sind auf den Deckblättern von Schulheften; sie heißen Schweini und Poldi in den Boulevardblättern. Aber auf dem Platz benehmen sie sich manchmal noch so wie zwei, die man Schweini und Poldi nennt. Die Industrie versucht, aus Fußballern Popstars zu machen, mit Starschnitt und intimen Interviews von Tobi Schlegl, aber an Klose, Vater von Zwillingen, ist diese Welle vorbeigerauscht. Er ist mit 27 zu alt für so was, er ist zu ernsthaft, er hat seine Karriere gebaut wie ein Zimmermann den Dachstuhl für ein Haus. Undenkbar, ihn mit einer Ziege-artigen Punkfrisur zu sehen. Er hat noch nicht mal mit verschiedenen Formen von Mehrtagebärtigkeit experimentiert. Als er vor Wochen eine Schutzmaske trug, um nach einem Jochbeinbruch schnell wieder spielen zu können, war sie nicht zorromäßig schwarz wie bei Fußballern, die alles zu Accessoires machen. Sie war durchsichtig und sah aus wie eine Schutzmaske. Wenn Miroslav Klose von Fußball spricht, spricht er viel von Arbeit; sie ist erstaunlich wichtig für einen Mann, der an guten Tagen kein Fußballarbeiter ist, sondern ein Dribbler, ein Samtfuß, der das schnelle Kombinationsspiel von Werder vollendet. Ein Spiel übrigens, das in guten Tagen fast nach Fußball aussieht, wie man ihn von Barca oder Arsenal kennt. Die Kritiker des deutschen Fußballs sagen, ihnen fehlen die Straßenfußballer. Schulschluss, Ranzen in die Ecke, rauf auf den Platz. Die Völlers, Müllers, Seelers haben sich auf diese Weise die Grundlagen spielerisch antrainiert, dribbeln und rennen, den ganzen Nachmittag, und Miroslav Klose hat das auch so gemacht. (…)

Er hat da noch was gut

Wem etwas daran liegt, dass Deutschland Weltmeister wird oder wenigstens weit kommt, der kann nur auf das Glück hoffen, und vielleicht hat Miroslav Klose so viel Glück, dass es das ganze Team trägt. Er ist beinahe in die Südwest-Auswahl gekommen damals, er ist beinahe Torschützenkönig geworden bei der WM 2002, er hat beinahe mit Werder das Viertelfinale in der Champions League erreicht, er wurde vom kicker beinahe in die Kategorie Weltklasse eingestuft, er hätte beinahe eine Traumsaison gespielt, aber dann brach das Jochbein, riss eine Sehne in der Schulter. Im Spiel gegen Juventus, als Emerson zum 2:1 traf, wäre er beinahe rechtzeitig da gewesen, um diesen Ball noch wegzukratzen. Beinahe. Also, er hat da noch was gut. Es kommt die WM, am 9. Juni ist das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica. Das erste Spiel ist verdammt wichtig, sagen die Fußballer, und es ist nur eine weitere Beschwörung des Glücks, ein Zahlentrick, aber man kann es zum Schluss kurz erwähnen: Miroslav Klose hat am 9. Juni Geburtstag.“

Morgen: Was schreibt die Presse über das 4:1 gegen die USA?

Auf bestimmte Dinge wird hektisch reagiert

Bernhard Peters im Interview mit Lars Gartenschläger (Welt)
Welt: Aber was sagen Sie den Menschen an den Stammtischen, die sich vielleicht ganz trivial fragen: Was hat ein Hockeytrainer im Fußball zu suchen?
Peters: Unterschätzen Sie die Leute nicht, die sich für Fußball interessieren! Die haben alle ein feines Gespür. Ich bin ganz sicher, daß es sehr viele gibt, die offen für Innovationen sind und sich Gedanken darüber machen, wie die Sportart, für die sie schwärmen, optimiert werden kann. Ich habe nicht nur aus meinem Umfeld viel Zuspruch erhalten, sondern auch von Leuten, die aus dem Fußball kommen. Das hat mir zusätzlich gezeigt, daß die Idee, sportartenübergreifend zu arbeiten, so schlecht nicht ist.
Welt: Warum verschwenden Sie überhaupt einen Gedanken an eine Zusammenarbeit, wenn Sie es im Hockey viel ruhiger haben könnten, wo Sie seit Jahren sehr erfolgreich arbeiten?
Peters: Es ist der Reiz des Neuen. (…)
Welt: Wie erleben Sie die Diskussion um den Bundestrainer, der seit dem 1:4 in Italien viel Kritik einstecken muß?
Peters: Es ist für mich nicht nachvollziehbar. Jürgen Klinsmann hat vor fast zwei Jahren einen Weg eingeschlagen, den alle mitgehen wollten. Er vertritt eine klare Linie, aber er kann nun mal nicht zaubern. Es dauert eben, bis diverse Dinge, die angegangen wurden, auch so greifen, wie man es sich vorstellt. Er hat nicht mehr viele Tage bis zur WM, deshalb sollte er unterstützt werden, wo es nur geht.
Welt: Oliver Bierhoff hat von einer Tendenz zur Miesmacherei gesprochen.
Peters: Es fällt auf, wie hektisch von einigen Seiten auf bestimmte Dinge reagiert wird. Es wird in unserem Land immer viel über Reformen geredet. Aber wir Deutsche tun uns sowohl in der Politik als auch im Sport mit der Umsetzung sehr schwer.

Sündenpfuhl

Ein schöner Schnipsel aus einem Portrait Klaus Eders, des Physiotherapeuten der deutschen Mannschaft und anderen Spitzensportlern – Rudolf Neumaier (SZ): „Mit der DFB-Auswahl arbeitet Eder gern zusammen, immer wieder. Und er spürt sofort, wie die Spieler drauf sind. Das vergeigte Spiel gegen Italien – nach dem 1:4 waren die Muskeln hart. Eder massierte die halbe Nacht. Er glaubt übrigens keineswegs, dass der WM-Titel utopisch ist: ‚Die Jungs sind gut, sie haben Willen und vor allem Charakter. Mehr als frühere Fußballer-Generationen.‘ Wobei früher keine sieben Jahre zurückliegt. Eder nennt nur einen Namen: Mario Basler. Die Therapie war abgeschlossen, und Klaus Eder schwante Schlimmes, als er den Fußballer drei Tage danach aus dem benachbarten Hotel in Donaustauf torkeln und in ein Taxi steigen sah. Basler fuhr nach Regensburg, um einen netten Abend in einer Trattoria zu verbringen. Das war der Abend, an dem er einen anderen Gast vermöbelte. Schlecht für Klaus Eder, denn Uli Hoeneß schob die Schuld auf ihn und kündigte an, er werde keine Spieler mehr in diesen Sündenpfuhl schicken. Eder war schwer damit beschäftigt, die Krankenkassen zu beschwichtigen, die für die Behandlung seiner anderen Patienten aufkommen. Seitdem lädt er prominente Kicker erst mal zu sich nach Hause ein, bevor er sie aufs Regensburger Nachtleben loslässt.“

SZ: Podolski-Biographie

NZZ: Der FC Reading auf geradem Kurs Richtung Premier League

Tsp: Vor 20 Jahren erschütterte ein Skandal den DDR-Fußball: Der Schand-Elfmeter von Leipzig half dem BFC

NZZ: Tod eines Mittelstürmers – Mafia mordet Zeugen

Mittwoch, 22. März 2006

Deutsche Elf

Drei deutsche Sorgen: Fußball, Amerika, Wetter

Die Sport Bild hat Jürgen Klinsmann letzte Woche vorgehalten, das Ausland würde über den deutschen Fußball schon lachen. Stimmt! Nur: über wen und was denn, bitte schön? Über die Torwartfrage, Fitness-Training oder den Sportpsychologen? Nein, es ist die Hysterie über Klinsmanns Wohnsitz und seine Methoden, das einige internationale Zeitungen den Kopf schütteln macht: etwa den Economist, vielleicht das wichtigste Magazin der Welt; die FAZ zitiert heute daraus.

Diese Woche amüsiert sich die New York Times, das liberale Weltgewissen, köstlich, aber auch befremdet, über die Verbohrtheit des deutschen Fußball-Establishments: „Deutschland, Gastgeber der WM, gerät in Panik und fürchtet, sein Trainer sei ein ‚Baywatch‘-Blonder, der sich mehr um seinen Teint kümmert als darum, ein großes Fußballturnier zu gewinnen. Seit Jürgen Klinsmann Trainer der deutschen Nationalmannschaft geworden ist, verbringt er die Hälfte seiner Zeit mit seiner amerikanischen Frau und zwei jungen Kindern in Südkalifornien. Dieses transkontinentale Pendeln hat in den Deutschen drei ihrer beliebtesten Sorgen erweckt: Fußball, Amerika, Wetter. (…) Die Reformen des Weltbürgers Klinsmann, der vier Sprachen spricht, haben den Deutschen Fußball-Bund durcheinandergerüttelt, eine engstirnige und konservative Organisation, die Wechsel fordere und gleichzeitig fürchte, sagt Oliver Bierhoff. Deutschland sei gespalten zwischen denen, die Klinsmann verehren und denen, die Angst vor einer Amerikanisierung des deutschen Fußballs bekämen, fügt Andrei Markovits an, Professor für Germanistik an der Universität Michigan und Buchautor über Klinsmann und europäischen Antiamerikanismus. ‚Es ist ein Zusammenstoß zwischen Alt und Neu in Deutschland‘, sagt Markovits am Telefon. ‚Es gibt eine Kluft zwischen dem linksliberalen, städtischen Milieu, das Klinsmann mag, und den ‚echten‘ Kerlen, die sich in der Kneipe besaufen und ihn für eine Art Intellektuellen halten – mit amerikanischen Methoden und amerikanischer Frau.‘

Let’s go for it

Die USA werden in Deutschland noch immer als Fußballemporkömmling betrachtet. In den Augen von einigen Funktionären, Journalisten und Politikern könne das, was Klinsmann in der Neuen Welt gelernt hat, eine Altweltfußballmacht wie Deutschland nicht helfen. ‚Ich denke, den Deutschen mangelt es an Respekt für unseren Fußball‘, sagt US-Coach Bruce Arena und verweist auf das knappe 0:1 der USA gegen die Deutschen im WM-Viertelfinale 2002. Bei den traditionellen Fußballnationen spüre er generell Neid und Mißgunst gegen die stärker werdenden Teams aus Nordamerika, Afrika und Asien. Deutschlands Wetterwahn – und es ist sehr lange kalt in diesem Winter – könne die Unzufriedenheit mit Klinsmann verstärkt haben, vermutet Peter Zygowski vom Goethe-Institut San Francisco am Telefon. ‚Sie sind vollkommen besessen von Sonne und Strand, und was sie über Klinsmann in Kalifornien hören, läßt sie an Ferien und Faulenzen denken.‘ Doch Klinsmann liebt einfach nur das ungestörte Privatleben in den USA, das seinen Söhnen eine Entwicklung außerhalb seines großen Schattens ermöglicht. Außerdem reize ihn die ‚let’s go for it‘-Haltung der Amerikaner.

Klinsmanns Management provoziert: Er verbringt die Hälfte jedes Monats in Kalifornien und kommuniziert mit seinen Spielern über E-Mail und Telefon, ihre Spiele sieht er im Sattelitenfernsehen. Er würde ja das gleiche tun, wenn er in Berlin oder Rom leben würde, entgegnet er. Aber für Fußballfunktionäre seien E-Mail und Powerpoint amerikanischer Schickschnack, sagt Bierhoff, Klinsmanns ’second in charge‘. Und weiter: ‚Jeder seiner Vorschläge wird verdächtigt und beäugt.‘ Neulich wollten gar einige Politiker aus der zweiten Reihe Klinsmann zum Rapport bestellen und ihn tadeln. Markovits schmunzelt: ‚Das ist so, als würden wir Larry Brown vor den Kongreß zitieren, weil er aus Athen nur Bronze mit nach Hause gebracht hat. Absurd.‘ Das deutsche Team habe nicht die Fähigkeit Brasiliens oder Argentiniens, auch nicht die taktische Kultiviertheit wie die Italiener, räumt Klinsmann ein. Aber das Team sei in der Lage, sich vom großen Heimvorteil beflügeln zu lassen. ‚Die Wahrheit liegt auf dem Platz‘, sagt er. Wenn Deutschland die WM gewinnen sollte, wird Klinsmann erneut zur nationalen Ikone. Wenn es schiefläuft, prophezeit Markovits, werde Klinsmann in seinem Heimatland zu einer persona non grata: ‚Vielleicht dürfte er seine Verwandten besuchen, aber er müßte mit Schmähung rechnen. Ich würde mich ernsthaft um seine Unversehrtheit sorgen, wenn er im Viertelfinale ausscheidet.‘“

Das Wetter, in der Tat, scheint manchmal der gewichtigste Vorwurf zu sein, den die Bild-Zeitung und einige DFB-Greise Klinsmann machen. Neulich ist ihm ein Bild-Reporter, Focus-TV hat’s gesendet, in Kalifornien hinterhergeschlichen und wollte wohl Strand- und Surffotos oder so von ihm machen, hat ihn aber nur bei einem Behördengang „erwischt“. Welch eine langweilige Fotostrecke!

Mehr kann Klinsmann nicht tun

Sportmediziner Professor Heinz Liesen im Interview mit Annette Jacobs (stern.de)
stern.de: Was halten Sie von Klinsmanns Trainingsmethoden?
Liesen: Als Bundestrainer sieht er die Spieler in der Regel zwei bis drei Tage vor einem Länderspiel. Den Rest der Zeit sind sie im Vereinstraining. Da kann er ihnen das Fußballspielen nicht neu beibringen. Seit Jahren weiß man, wie wichtig Stabilisationstraining für die Fitness von Fußballspielern ist. Diese Trainingsform begründet sich auf Erkenntnissen aus der Hirnforschung. Sie schult gleichzeitig die Muskulatur und die Sinnesorgane. Jürgen wendet diese Form als Ergänzung zum üblichen Konditionstraining an. Er verlangt, dass bestimmte Übungen von den Nationalspielern auch zu Hause gemacht werden. Er bringt aus den USA Fitnesstrainer mit, die solche Übungen den Spielern so beibringen, dass sie Spaß machen. In anderen Sportarten ist das mittlerweile Gang und Gäbe. Mehr kann er nicht tun.
stern.de: Sie kennen Matthias Sammer sehr gut. Dadurch, dass Sie viele Jahre die Hockey-Nationalmannschaft betreuten, haben Sie auch engen Kontakt zu Bernhard Peters, der neben Sammer als DFB-Sportdirektor im Gespräch war. Ist Sammer die bessere Wahl?
Liesen: Es war sicher eine gute Entscheidung, Matthias Sammer zum Sportdirektor zu machen. Wir haben fünf Jahre lang sehr eng zusammen gearbeitet. Ich habe den BVB medizinisch betreut, als er dort Cheftrainer war und ihn nach Stuttgart begleitet. Er ist ein akribischer Arbeiter, ehrgeizig, zukunftsorientiert mit einem großen Herzen für den Nachwuchs. Matthias weiß, welche Fehler in der Nachwuchsförderung gemacht wurden und werden. Er hat noch das DDR-Nachwuchsförderungssystem erlebt und sieht bei seinem 11-jährigen Sohn die Probleme der Talentförderung. Er ist gegenüber kompetenten Partnern und neuen Erkenntnissen offen. Auch Matthias wird sich Anregungen aus anderen Sportarten holen. Sicher war die Situation um seine Benennung nicht sehr glücklich. Es gab einige Abstimmungsprobleme. Er war auch Wunschkandidat von Jürgen Klinsmann, Jogi Löw und Oliver Bierhoff, konnte sich aber lange nicht entscheiden, ob er erneut Trainer eines Bundesligavereins werden will oder ob er die Position des Sportdirektors beim DFB annehmen sollte.
stern.de: Hätten Sie auch Bernhard Peters den Job zugetraut?
Liesen: Für ihn wäre es nicht einfach gewesen, sich beim DFB zurecht zu finden. Das geht nur mit einem starken Jürgen Klinsmann und vielen Leuten, die hinter ihm stehen. Aber manches, was er im Hockey seit über 20 Jahren macht, ist das, was dem Fußball gut täte.
stern.de: Wie steht denn das DFB-Präsidium zu ihren neuen Ansätzen?
Liesen: Nicht alle verstehen, wovon wir sprechen und worum es uns geht. Aber das ist, denke ich, ein Generationenproblem oder auch nur ein Informationsdefizit. Wir werden aber zunehmend von Mitarbeitern des DFB wahrgenommen und akzeptiert. DFB-Präsident Zwanziger hält viel von unseren Ansätzen.
stern.de: Können Sie denn die Kritik an Klinsmann in den Medien nachvollziehen?
Liesen: Nur zum Teil. Einiges geschieht aus Unkenntnis. Aber es ist nicht gut, dass in den Medien schon vorher alles schlecht geredet wird.

Bruce Arena (SpOn): „Es ist schade, dass Klinsmanns Posten auf dem Spiel stehen soll. Ich verstehe nicht, was an modernen Methoden verkehrt sein kann. Wenn sein Job wirklich in Gefahr ist, finde ich das dumm und traurig. Ich kenne Jürgen aus persönlichen und beruflichen Situationen und habe einen riesigen Respekt vor dem, was er als Spieler geleistet hat und auch vor seiner Arbeit als Trainer. (…) Ihr alle, die Fans, die Medien, ihr legt ein viel zu großes Gewicht auf diese Vorbereitungsspiele.“

FAZ: Arena über Klinsmann: „Er ist ein brillanter Mensch, ein guter Mensch, er bringt eine andere Perspektive mit“
FR-Interview mit dem Team-Psychologen Hans-Dieter Hermann
FR: USA, der nett erzogene, noch schlafende Fußballriese
faz.net (Video): Spannung vor WM-Test
NZZ: Neues zur Thrombosegefahr im Flugzeug

Unterholz aus Mann- und Raumdeckung

Ein Taktikvorschlag von Christoph Biermann (SZ): „In der deutschen Defensive pfeift es zugig durch alle Ritzen. In Florenz konnte man alle Probleme sehen, die eine Viererkette an schlechten Tagen haben kann. Dass Klinsmann im Spiel agieren will, ist sehr erfreulich. Aber Fußballtrainer haben keine ästhetischen Konzepte oder taktischen Idealformationen zu verteidigen; zunächst müssen sie Spiele gewinnen. Niemand weiß das besser als Otto Rehhagel. Er ließ Traianos Dellas bei der EM 2004 eine Art Libero spielen. Rehhagel interessierte sich nicht für Ballbesitz und Initiative. Seine Mannschaft lockte ihre Gegner in ein Unterholz aus Mann- und Raumdeckung und dem Koloss Dellas als letzten Mann. Dann konterten die Griechen oder warteten auf Eckbälle und Freistöße. Schön war das nicht, aber Griechenland wurde Europameister. Klinsmann sollte sich nicht auf die Suche machen nach einem deutschen Dellas, aber wäre es nicht doch möglich, den Willen zur Initiative mit mehr Sicherheit in der Abwehr zu verknüpfen? Wie wäre es etwa mit der Umstellung der Abwehr auf einen Dreierblock, was auch der neuesten Mode in der Bundesliga entspräche? Am Wochenende traten sechs von achtzehn Mannschaften so an. Drei statt vier Verteidiger aufzubieten, bedeutet in den meisten Fällen, letztlich einen defensiv ausgerichteten Mann mehr auf dem Platz zu haben. Zwar stehen hinten nur drei Spieler, doch jene auf den Außenpositionen im Mittelfeld agieren deutlich defensiver, als wenn ein Verteidiger hinter ihnen spielen würde.“

Was muß ein Abwehrspieler tun, wenn ein Gegner im Mittelfeld unbedrängt den Ball spielen kann? Nach hinten laufen, den Steilpaß verhindern – das lernt man doch in jedem Sacchi-Video. Joachim Löw hat in der FR vom Montag den Fehler beim zweiten Tor der Italiener, das uns am meisten schockiert hat, benannt und uns beruhigt. „Deisler spielt im Mittelfeld einen Fehlpass. Das darf er zu diesem Zeitpunkt nicht machen, wir lagen ja schon 0:1 zurück. Aber jetzt ist ein italienischer Spieler am Ball, mit freiem Blick zu unserem Tor, kein Gegenspieler weit und breit. Das muss ein Signal für alle vier Abwehrspieler sein, sich sofort nach hinten fallen zu lassen. Wir aber sind auf einer Linie kurz hinter der Mittellinie stehen geblieben. Wenn der Gegner einen wunderschönen Pass spielen kann ohne Bedrängnis, dann muss ich als Abwehrspieler zurückweichen. Das sind elementare Dinge.“

Die besten sind nicht nominiert

Torwartfrage – Stefan Osterhaus (NZZ) stört sich daran, daß nur die Lauten gehört und gesehen werden; die Leisen und Guten hört und sieht man nicht: „Deutschland unterhält zu seinen Keepern eine ganz besondere Beziehung: Spätestens seit einer entschiedenen Intervention des Weltmeisters Toni Turek im Final von 1954 ist die Eins die sakrale Nummer. Noch immer gilt der Gemeinplatz, Deutschlands Keeper seien die besten der Welt. Und wie alle Legenden enthält auch diese einen Kern Wahrheit. Die Bundesliga versteht sich in Fang-Fragen als Familienbetrieb, in dem die nächste Generation schon zur Erbfolge bereitsteht, wenn die alte noch vollends auf der Höhe ist. In Lehmann und Kahn beanspruchen zwei nicht mehr ganz junge Männer das Prädikat Weltklasse. Sie tragen ihren Konkurrenzkampf mit derartig galliger Verbitterung aus, dass Jürgen Klinsmann einen der beiden in Quarantäne setzt, wenn ein Länderspiel ansteht. Womöglich wird Klinsmann dämmern, dass er die Gelegenheit verpasst hat, im Streit der Keeper für Ruhe zu sorgen. Beiden hätte er während der WM Ferien gönnen können, denn es herrscht nach wie vor kein Mangel an passablen Keepern im Land der Fänger. Die besten sind nicht nominiert: Frank Rost und Robert Enke, der zudem die in Turnieren keinesfalls unerwünschte Eigenschaft eines Penalty-Killers mitbringt. (…) Die stummen Klassemänner bestätigen die These, wonach in Deutschland ausgerechnet die nichts gelten, die ihren Job sachlich erledigen. Zwar gibt es Schlimmeres, doch es ist das Schicksal der sicheren sachlichen Keeper, dass ihre Fähigkeiten dem Publikum verborgen bleiben, dass die spektakuläre Parade wider einen Distanzschuss mehr gilt als ein abgefangener Konter, der todsicher gesessen hätte.“

Auf diesem Niveau wird Torwartspiel zur Geschmackssache

Christoph Kneer (SZ) hält die Torwartfrage für offen: „Vielleicht müssen sie beim Duden langsam darüber nachdenken, ob sie das Wort ‚Druck‘ nicht durch ‚Kahn‘ ersetzen. Wenn sie schon dabei sind, könnten sie sich vielleicht auch das Wort ‚Dinge‘ sparen, sie folgen in Kahns Rangliste knapp geschlagen auf Platz zwei. Die Dinge klingen besonders schön bei Kahn, er sagt sie immer mit einem hellen badischen ‚i‘. Der Dienstag ist wieder ein großartiger Tag gewesen für Kahn-Fans, zu denen zweifellos auch Kahn gehört. Der Druck der Dinge ist wieder allgegenwärtig jetzt, und besonders groß war dieser Druck, als jemand wissen wollte, ob er, Kahn, schon mal darüber nachgedacht habe, dass das Spiel sein letztes Länderspiel sein könnte. Kahn hat kurz gestutzt, weil die Frage ja wirklich überraschend klingt, aber er hat dann schon verstanden: ‚Nee, das sind überhaupt nicht meine Gedanken.‘ (…) Leicht haben es die beiden Keeper ihren Trainern nicht gemacht. Auf diesem Niveau wird Torwartspiel zur Geschmackssache, und es gibt nicht wenige, die Klinsmann und Löw einen latenten Hang zum moderneren Torwartspiel des Jens Lehmann unterstellen. Im Kern geht es um folgende zwei Fragen: Setzen die Trainer auf den mitspielenden Torwart Lehmann oder vertrauen sie dem Motivationsguru und WM-Experten Kahn, der immer einen praktischen Tunnel zum Aufblasen mit sich führt? Und können sie es wagen, den Herausforderer Lehmann zu nehmen, womit man wohl die Bayern-Lobby und Beckenbauers Bild-Zeitung gegen sich aufbrächte?“

FR: Alphatier Oliver Kahn ist wild entschlossen, die WM als Nummer 1 zu erleben
FAZ: entscheidende Runde im Psychoduell Kahn gegen Lehmann

Zum Kabinendienst wird heute die Welt eingeteilt – weil sie ein Sprachbild schief aufhängt: „Das Kreuzfeuer der Kritik ist ein wenig leiser geworden“, heißt es dort über die Stimmung vor dem Spiel gegen die USA. Wir glauben: Das schlägt dem Faß den Boden ins Gesicht, aber auch über diese Wunde wird noch Gras wachsen.

Dienstag, 21. März 2006

Ball und Buchstabe

Vegetarierin mit einer Leidenschaft für Schnitzel

Der Spiegel schildert den Näherungsversuch Angela Merkels an den Fußball: „Die Kanzlerin weiß, wie empfindlich Fußballmänner auf Weisheiten von Frauen reagieren. Sie ist sich noch unsicher, wie viel Präsenz sie den deutschen Fans zumuten will. Sie sucht nach einer Rolle für diese Weltmeisterschaft. Es geht um das richtige Maß. Sollte sie sich wenig zeigen, fürchtet sie eine Enttäuschung der Deutschen, ausgerechnet zur WM eine Bundeskanzlerin zu haben. Sollte sie sich viel zeigen, fürchtet sie den Vorwurf, das sei doch alles nur Show und nicht Herzenssache. Merkel kann mit Fußball wenig anfangen. Sie hat nie auf einem Bolzplatz gestanden und Bälle auf ein Tor gedroschen. Das Glücksgefühl, das ein unerwarteter Sieg der Nationalmannschaft auslösen kann, die Verzweiflung nach einer Niederlage kennt sie nicht. Das Gegröle der Fans wirkt auf sie befremdlich. Sie sagt, sie habe zwei Lieblingsvereine, Hansa Rostock und den FC Bayern München. Das ist ungefähr so, als wäre man Vegetarier mit einer Leidenschaft für Schnitzel. Merkels Interesse am Fußball ist nicht das Interesse eines Fans, sondern einer Ethnologin. Wie funktioniert eine Männerwelt? Wie funktioniert ein Kollektiv? Wie feiern Deutsche ein Volksfest? Darüber macht sie sich Gedanken. Es ist der Blick von außen, nicht von innen. Aber jetzt will sie da rein, rüttelt am Zaun der Männerwelt, zaghaft noch. Sie weiß nicht genau, wie willkommen sie drinnen ist. Und Merkel ist keine Politikerin, die sich rasch für eine Strategie entscheidet. Sie wartet. Gerhard Schröder hätte die WM hemmungslos für Eigen-PR genutzt, aber er hätte sich das leisten können, weil bekannt ist, dass er auch ein Fußballherz hat. Merkel würde ebenfalls gern Strahlen der WM-Sonne auf sich lenken, weiß aber, dass sie sofort in den Verdacht gerät, das Sportfest ausschließlich für Eigen-PR zu instrumentalisieren. (…) Eine Frau kann Fußballspielern nicht so nahe kommen, wie das männliche Politiker gern tun.“

Fussballisierung

Joachim Güntner (NZZ) referiert die Leipziger Buchmesse: „Eine Re-Politisierung der Literatur, und zwar als Trend, haben wir nicht ausmachen können. Ebenso wenig eine neue Sehnsucht danach, gesellschaftlich relevant zu schreiben. Statt einer Politisierung drängte sich eher die ‚Fussballisierung‘ des Buchmarktes aufdringlich ins Blickfeld; kein Wunder, da im WM-Jahr rund 250 deutschsprachige Titel zum Thema Fussball verkauft sein wollen. Dabei fiel in Leipzig auf, mit welchem Genuss man gerade solche Bücher präsentierte, die von Frauen geschrieben sind. Mit dem Vorurteil, das weibliche Geschlecht sei zu intelligent, um sich für Fussball zu interessieren, hat die Messe gründlich aufgeräumt.“

Zielgruppenübergreifende Sympathiefigur

Jan Christian Müller (FR) identifiziert sich total mit dem neuen Maskottchen der Nationalelf: „Horst Lichtner hätte es nicht zum DFB-Marketingdirektor gebracht, wenn er nicht in der Lage wäre, den niedlichen Paule werbetechnisch richtig einzuordnen, als so eine Art Schwiegersohn des Jahres. Das war auch Jürgen Klinsmann einmal, damals, als er für Deutschland Tore schoss sowieso, und erst neulich auch, als er die Mannschaft beim Confederations Cup erfolgreich antrieb. Momentan ist davon nicht viel geblieben, und wenn Paules Hersteller sagt, der gute Kerl könnte völlig problemlos als ‚walking act‘ ‚online wie offline‘ ‚cross-medial eingesetzt‘ werden, dann kann Klinsmann ein garstig Lied davon singen, wie sehr so eine Multimedia-Show einem Paule mit Seele auf den Geist gehen kann.“ Christof Kneer (SZ) bläst die Backen: „Überhaupt passt Paule ideal zu dieser Mannschaft. ‚Paule soll ja ein guter Kicker sein‘, hat ein Herr von der Paule-Entwicklungs-Firma verkündet, ‚aber er ist einer, dem in seinem Übereifer manchmal ein paar Missgeschicke passieren.‘ Wahrscheinlich nennt man das corporate identity, und besser hätte man sie ja nicht beschreiben können, diese deutsche Nationalmannschaft. Ganz neu ist die Maskottchen-Idee aber nicht, die deutsche Elf hatte auch früher schon mal eines, nur wurde sie da praktischerweise von diesem Maskottchen auch trainiert. Als Rudi Völler noch amtierte, brauchte es keine – Achtung! – ‚zielgruppenübergreifende Sympathiefigur‘.“

Bundesliga

Bayern München–Schalke 04 3:0

Nicht ganz jugendfrei

Klaus Hoeltzenbein (SZ) schildert eine Art Prügelei: „Versprochen worden war doch eigentlich ein Spitzenspiel, Erster gegen Dritter, aber losgegangen war es wie beim Power-Wrestling. Auch dort, bei dieser amerikanischen Variante des Ringens, ist es für den Laien ja nicht so leicht festzustellen, ob es sich nun um Spaß oder Ernst handelt, wer der Gute, wer der Böse ist. Beispielsweise in jener Power-Szene kurz nach Anpfiff, als sich Bayern-Torwart Kahn in den Laufweg von Schalke-Dampframme Asamoah geworfen hatte, und beide blitzschnell begriffen, dass ein Elfmeter möglich war. Der eine (Asamoah) setzte also zu einer kunstvollen Hechtrolle à la Gene Snitsky an, der andere (Kahn) krümmte sich BigShow-gemäß vor Schmerz und hielt sich den Kopf. Elfmeter für Schalke? Freistoß für Bayern? Beides wäre auch nach Prüfung der tausendsten Zeitlupe richtig, beides wäre falsch gewesen, Schiedsrichter Lutz Wagner ließ einfach weiter spielen, und das war eine weise Entscheidung – es sollte ja zunächst so weitergehen in dieser Parodie eines Fußballabends (…) Anfangs hatte es so ausgesehen, als seien beide Mannschaften mit Ochsenblut gedopt, sie senkten die Häupter und stürmten aufeinander los. Imponiergehabe ohne Ball – Wrestling eben. Dort aber wird vorher bestimmt, wer den Kampf zu gewinnen hat. Gegen einen solchen Eindruck haben sich beim Hardcore-Fußball alle erfolgreich gewehrt, nur hatten die Bayern in Darstellern wie Hargreaves, Demichelis oder Pizarro die wild entschlosseneren Kräfte. Das rettet ihre Ehre, so ganz jugendfrei war’s trotzdem nicht.“ Elisabeth Schlammerl (FAZ) hält die Luft an: „Die Partie war nicht geprägt von hochklassigen Spielzügen oder technischen Feinheiten. Beide Mannschaften wurden lange Zeit nur durch ruppiges Auftreten, Rudelbildung und Diskussionen mit dem Schiedsrichter auffällig. Jürgen Klinsmann wird es auf der Tribüne vermutlich angst und bange geworden sein, als sich seine Nationalspieler abwechselnd mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen wälzten. Die Münchner haben mit der rustikalen Spielweise von Anfang an ein Zeichen gesetzt, denn ihnen war in den vergangenen Wochen mangelnder Kampfgeist vorgeworfen worden.“

Umbau

Philipp Köster (SpOn) befaßt sich mit der Bedeutung des Bayern-Siegs: „Nun wird sich die Lage beim FC Bayern ein wenig entspannen. Routiniert wird sich die Mannschaft den Meistertitel sichern und den DFB-Pokal dazu. Das wird zwar keine überschäumende Freude auslösen, dafür gehören die nationalen Titel schon zu sehr zur Routine. Aber die gewonnenen Pokale werden den Verantwortlichen die nötige Ruhe für den dringend nötigen Umbau geben. Denn es ist ja bereits seit dem deprimierenden Aus in der Champions League klar: Die Mannschaft hat in ihrer gegenwärtigen Struktur keine Zukunft. Sie wurde allzu lange überschätzt, die souveräne erste Halbserie in der Bundesliga war vorschnell als Ausweis auch internationaler Klasse gedeutet worden. Dabei fehlt ihr eine belastbare Architektur und Hierarchie, die individuellen Fähigkeiten der Spieler fügen sich nur in lichten Momenten zu einem Team, das mehr sein kann als nur nationaler Champion. Ein Vorwurf, der sich vor allem an Michael Ballack richtet.“

Hertha BSC Berlin–Arminia Bielefeld 1:0

Rumoren

Spiel gewonnen, aber nicht die ungeteilte Zustimmung der Fans – Matthias Wolf (FAZ) berichtet: „Während Spieler und Trainer unterstützt wurden wie lange nicht, prasselten auf den Manager ebenso laut wieder einmal die ‚Hoeneß-raus‘-Rufe nieder. ‚Ihr könnt alles zensieren – unsere Stimme nicht‘, prangte es auf einem überdimensionalen Plakat. Eine Anspielung darauf, daß der Verein jüngst das Fanforum auf seiner Homepage abgeschaltet hat, wegen angeblicher Stimmungsmache vor allem gegen Hoeneß. Dreiundzwanzig Protestplakate wollten Fans im Stadion zeigen, nur drei genehmigte die Führung des Vereins. Es rumort weiter an der Basis, trotz aller Bemühungen von Hoeneß um Ruhe. Sprecher der Fans betonen, daß ihre Kritik kein Ergebnis sportlicher Ergebnisse sei, sondern anderer nackter Zahlen. Hertha plagen 35,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten, da macht sich mancher Gedanken, wohin der Weg führen könnte.“ Ingo Schmidt-Tychsen (Tsp) hält die Aussagen der Vereinsoffiziellen denen der Fans gegenüber: „Wie viele Fans an der Hoeneß-Kritik beteiligt sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Von einigen wenigen sprachen Hoeneß und der Aufsichtsratvorsitzende Rupert Scholz kürzlich. Diese seien ‚keine Herthaner‘. Bernd Küster, einer von drei Fan-Beiräten, sieht es genau umgekehrt: Er räumt ein, ‚dass wir gespalten sind. Aber die Fans, die sich wirklich mit dem Verein auseinander setzen und immer dabei sind, die sind beinahe ausschließlich kritisch.‘“

Kumpanei-Prinzip

Frank Hellmann (FR) malt den langen Schatten Reiner Calmunds in Leverkusen: „So akribisch und aufrichtig der damalige Finanzfachmann Holzhäuser in der Ägide Calmund gewerkelt hat: Richtig akzeptiert war der bärtige [?] Diplom-Betriebswirt im Klub nie. Nicht bei den Spielern, nicht bei Teambetreuer Hans-Peter Lehnhoff, nicht bei Co-Trainer Ulf Kirsten, nicht bei Pressechef Ulrich Dost. Und erst recht nicht bei Sportchef Rudi Völler, der die Eskalation im Fall Calmund als ‚traurige Geschichte‘ bezeichnet. Sie alle gelten bis heute als mehr oder minder treue Freunde des Ex-Managers, für den Kumpanei ein gängiges Prinzip der Geschäftspolitik war. Wer dem ‚Mann mit dem Koffer‘ brav zur Seite stand, wurde gut behandelt. Im Grunde hat Bayer Leverkusen diese Strukturen Calmund’schen Wirkens bis heute nicht aufgearbeitet. (…) Die Galionsfigur Völler noch zu verlieren, kann sich Bayer nicht leisten. Auch Holzhäuser nicht. Die Fan-Gemeinschaft hat trotz der vertrackten Gemengelage längst abgestimmt: pro Calmund, kontra Holzhäuser.“

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