Freitag, 11. März 2005
Champions League
In Europa liegen Welten zwischen Bayern und der nationalen Konkurrenz
Michael Horeni (FAZ 11.3.) deklariert die Ausnahmestellung Bayern Münchens in Deutschland: „Der deutsche Fußball hat schmerzhaft erfahren, daß er nur einen Vertreter besitzt, der europäischen Ansprüchen genügt. Alle anderen Vereine mögen in guten Jahren vielleicht einmal für Aufsehen sorgen, aber die internationale Reife können sie auf Dauer nicht vorweisen, allzuoft reicht es nicht einmal für ein Scheitern auf hohem Niveau – wie es die erweiterte Spitze in Europa angesichts der Leistungsdichte immer in Anspruch nehmen kann. Ob nun Bayer Leverkusen, Werder Bremen, VfB Stuttgart oder früher Borussia Dortmund: all diese nationalen Herausforderer der Bayern, die sich in der Bundesliga abwechselnd zu profilieren verstanden, müssen in der immer weiter ausdifferenzierten Champions League ihre Grenzen erkennen. Die Schwäche der weniger bemittelten Zweidrittelgesellschaft in der Bundesliga verstehen sie zwar auszunutzen, aber im internationalen Wettbewerb steht der Standort Deutschland ziemlich verloren da. (…) Mag sich der Abstand der Bayern zur Konkurrenz in der Bundesligatabelle nur nach Toren bemessen, in Europa liegen Welten dazwischen.“
Sauber
Axel Kintzinger (FTD 11.3.) fügt hinzu: „Hier zu Lande verehrt man Klubs wie den SC Freiburg. Der wirtschaftet so solide. Freiburg spielt zwar auf drittklassigem Niveau – bleibt aber schön sauber. Das System Freiburg ist damit, mal wieder, Trendsetter. Die Stars spielen anderswo, und so ist es kein Zufall, dass nur der FC Bayern, der als einziger Bundesliga-Klub richtig Geld ausgibt für richtige Verstärkungen, noch auf Europas Bühne auftreten darf.“
Library
Von wegen Hölle und Hexenkessel Highbury (wie einige Bayern und TV-Reporter mutmaßten) – Raphael Honigstein (FR 11.3.) korrigiert: „Erst nach Thierry Henrys sehenswertem Tor wurde es in der „Library“ (Bibliothek), so verspotten andere englische Fans das vergleichsweise ruhige Stadion, laut und unangenehm für die Besucher geworden, aber die Bayern hielten stand.“
Spiellust eines ausgelassenen Kleinkindes und die Dynamik einer Handgranate
Bernd Müllender (taz 11.3.) applaudiert Steven Gerrard: „Gerrard war der alle und alles überragende Spielgestalter bei Liverpools konterschlauer Gala. Er war erfüllt mit der unbändigen Spiellust eines ausgelassenen Kleinkindes und hatte die Dynamik einer Handgranate. Vor allem hievte er das Antizipationsvermögen auf neues Niveau: Gerrard wusste vorher nicht nur, was er mit dem Ball machen würde, er schien längst zu wissen, was er damit gemacht hatte. Der 24-Jährige gewann sogar Kopfballduelle, ohne das Spielzeug zu berühren. (…) „Wir haben Lehrgeld bezahlt“, sagte Klaus Augenthaler, in dessen sorgenfurchigem Gesicht sich noch jede Kreuzspinne verfangen hätte. Augenthalers Taktik trug Mitschuld. Der dynamische Techniker Schneider in der Viererkette: verschenkt. Ramelow im Mittelfeld: offensiv wieder mal eine hektische Zumutung. Der Knirps Placente in der Innenverteidigung: ein Fehlgriff. Und Landon Donovan, der US-Boy, spielte Fußball, wie sich die meisten Deutschen beim American Football anstellen würden.“
Laschheit und Selbstzufriedenheit
Peter Heß (FAZ 11.3.) fordert von den Leverkusenern mehr Mut und mehr Schneid: „Verlierern schlägt Häme entgegen, Opfer erhalten Mitleid. Für die cleveren Liverpooler war das Restaufgebot der Leverkusener kein Gegner gewesen. (…) Den Leichtmatrosen im Bayer-Boot fehlte ein Maat, an dem sie sich in der rauhen Liverpooler See hätten festklammern können. (…) Vorstand Holzhäuser, Trainer Augenthaler und das Publikum bewahrten ihre heile Welt mit freundlichen Kommentaren. Aber die Frage muß erlaubt sein, ob das System Bayer einer gewissen Laschheit und Selbstzufriedenheit nicht Vorschub leistet, wenn jede Niederlage gegen vermeintlich übermächtige internationale Gegner entschuldigt wird? Müssen Profis erst im Alter von 28 Gewinnertypen werden? Daß Liverpool kein Team ist, vor dem man sich über die Maßen fürchten muß, machten die Kommentare der britischen Journalisten nach Spielende deutlich.“
Das hat nichts zu tun mit Spielverweigerung und schon gar nicht mit Catenaccio
Peter Hartmanns (NZZ 11.3.) Bedauern über das Ausscheiden Manchesters und Real Madrids tritt in den Hintergrund zu Gunsten der Freude an den zwei italienischen Siegern: „Zwei romantische Lieblinge des europäischen Fussballpublikums bleiben draussen, verabschiedet von zwei Klubs aus der übelbeleumdeten Serie A. Die Erklärung für die italienischen Erfolge besteht aus einem einzigen Begriff: Teamwork. Milan und Juventus sind, jenseits aller Klischees, mit denen der Italo-Fussball im Ausland behaftet ist, als hervorragend organisierte Mannschaften aufgetreten. Die Spieler kämpften solidarisch füreinander, und in manchen Momenten wurde klar, dass dieses Spiel einst aus dem Rugby hervorgegangen ist, dem Mannschaftssport schlechthin, und sich der amerikanischen Football-Variante anzunähern beginnt mit bis in alle Details ausgefeilten Taktikmustern. Milan-Trainer Carlo Ancelotti hat seiner Squadra dieses Kombinationsspiel eingetrichtert, das die Gegner zum stetigen Laufen zwingt wie in einer Hamstertrommel. Die Mailänder Spieler bilden Schwerpunkte in Überzahl, sie verstecken gewissermassen den Ball, schaffen Leerräume, in die sie vorstossen können. Das hat nichts zu tun mit Spielverweigerung und schon gar nicht mit Catenaccio.“
NZZ: Real und Barca scheiden aus
Donnerstag, 10. März 2005
Champions League
Naiver Meister von gestern
„Wunder gibt es immer wieder – blaue Wunder ebenso“, spottet Roland Zorn (FAZ 10.3.) über sieben Stück: „Markiert diese Differenz etwa die aktuelle Distanz zwischen Bundesliga und Ligue 1? Selbst wenn man den diesmal anlaßgemäß ganz in Schwarz daherkommenden Bremern diesen einen europäischen Blackout freundlicherweise zugestehen will, mutet die Art der Selbstaufgabe eines naiven Meisters von gestern immer noch verwunderlich genug an. Ähnliches hatte sich, in noch krasserer Form, eine Woche zuvor in Freiburg abgespielt, wo sich der Sportclub dem FC Bayern ohne Gegenwehr und ohne den Hauch von Stolz 0:7 geschlagen gab. Sich hängen und demütigen zu lassen hat etwas Unwürdiges in einem sportlichen Wettkampf, der auf der athletisch schiefen Ebene stattfindet.“
In höherem Auftrag
Stefan Hermanns (Tsp 10.3.) erinnert die Bremer an ihre Aufgabe: „Der Deutsche Meister spielt, um es mal etwas pathetisch auszudrücken, gewissermaßen in höherem Auftrag. Dass Aachen, Stuttgart und Schalke im Uefa-Cup ausscheiden – geschenkt. Aber der Deutsche Meister!? Haben wir uns nicht gerade erst freudig der Illusion hergegeben, dass der deutsche Fußball wieder auf dem Weg nach vorne ist?“
Das komplette, perfekte Spektakel
Raphael Honigstein (Tsp 10.3.) jubiliert über das Spiel zwischen Chelsea und Barcelona: „Streng kalkulierter Konzeptfußball gegen organisierte Kreativkunst, Neureichtum gegen Tradition, und das nach den gegenseitigen Anfeindungen, als José Mourinho von einem Komplott seines Kollegen Frank Rijkaard mit dem Schiedsrichter schwadroniert hatte. Es war ein Abend, an dem das Spiel mit den Mannschaften spielte, nicht umgekehrt. Die Stärken und Schwächen der Teams drehten sich schneller als das Ventil des fliegenden Balles in ihr Gegenteil; und wenig später wieder zurück. Heraus kam das komplette, perfekte Spektakel.“
Moderner Fußball
Christian Eichler (FAZ 10.3.) bestaunt die Ökonomie des Siegers: „Eine höchst unterhaltsame Lektion darüber, wie undankbar das schönste aller Spiele zu denen ist, die es am schönsten spielen. Barca gegen Chelsea, es ist das alte Lied des schönen, aber ein bißchen naiven Fußballs, gespielt von herzerfrischenden Mannschaften, die den Ball lieben und liebkosen und hübsch gewinnen; und irgendwann immer doch einen Gegner treffen, der clever und cool und klinisch ist, ihnen erst den Ball überläßt und schließlich doch endgültig wegnimmt. Man nennt das modernen Fußball, man muß dafür wie in jedem modernen Unternehmen Ziele definieren und Wege erkennen und jene Emotionen reduzieren, die das Publikum gerade sucht. Chelsea ist kühl und reduziert und spielt modernen Fußball. (…) Mourinho und der Midas-Touch – was er anfaßt, wird zu Gold.“
Bisher hat Mourinho immer eine Antwort gefunden, auf jedes Problem, auf jede Kritik
Andreas Lesch (BLZ 10.3.) stört sich an José Mourinhos Geplänkel vor dem Spiel: „Die Handgreiflichkeiten haben angedeutet, wohin Mourinhos Methoden führen können. Er hat die Eskalation mit seinen Aussagen provoziert, er betrachtet solche Aktionen als Teil seiner Arbeit, er kämpft mit jedem Mittel um sportlichen Erfolg. (…) Seine Grenzen hat er noch nicht erfahren. Vor der Partie gegen Barça wurde ihm vorgeworfen, Chelsea spiele langweilig. Dann kam das furiose 4:2. Bisher hat Mourinho immer eine Antwort gefunden, auf jedes Problem, auf jede Kritik.“
Pressestimmen aus England und Spanien, gesammelt von der BLZ
NZZ-Bericht Arsenal-Bayern (1:0)
NZZ-Bericht Juve-Real (2:0 n.V.)
Bundesliga
Zur Lage in Hannover
Zur Lage in Hannover lesen wir von Frank Hellmann (FR 10.3.): „Insider registrieren, dass nicht nur in Sachen Harmonie, sondern auch in der Hierarchie einiges verloren gegangen ist. Trainer Lienen gilt dafür als mitverantwortlich, weil er mitunter einsam entscheidet. Feinde im eigenen Verein und bei der lokalen Presse saugen daraus den Honig, um seine Position zu schwächen.“
Dit is Ostliebe, ick bin keen Schwachmate wie die Sachsen, die zu Bayern überlaufen
Ein Stimmungsbericht der letzten Monate aus Rostock von Christoph Dieckmann (Zeit 10.3.): „Umfrage in der Kröpeliner Straße, Rostocks Bummelboulevard: Hansa… Das tut uns allen weh, sagt die alte Dame. Ich bin vor Verzweiflung auf Boxen umgeschwungen, sagt der Schiffermützenmann. Die Spieler sind bloß mit dem Portemonnaie hier, nicht mit dem Herzen, sagt das Mädchen. Die Freundin: Mecklenburger ist von denen keiner. Dat nächste Spiel wird wieder so ’ne Pleite, sagt der Verkäufer des Obdachlosenmagazins Strohhalm. Nee, dat is vorbei, dat könnse abschmatzen. Denen sollte man das Geld kürzen, sagt die Frau mit der behinderten Tochter. Die denken, die Kohle stimmt, was solln wir uns den Arsch aufreißen. Da stehnse rum, zack, ist der Ball drin. Die sind zu satt. Das sagen dieselben Leute, die dir in der Kröpi auf die Schulter kloppen, wenn es läuft, sagt Hansa-Verteidiger Ronald Maul. (…) Am Spieltag zuckelt der Zug aus Berlin nach Norden, drei Stunden durch das karge Land, und sammelt blauweiße Nibelungen. Warum fahrt ihr immer noch? Aus Beklopptheit. Weil ick Hertha hasse. Meine Wohnung is feucht, im Zug is warm. Liebe, Alter, dit is Ostliebe, ick bin keen Schwachmate wie die Sachsen, die zu Bayern überlaufen.“
Mittwoch, 9. März 2005
Allgemein
Antistar und Sündenbock
Steffen Haffner (FAZ 9.3.) schließt eine Lücke der Berichterstattung: Er preist Carsten Ramelow, was man, wenn nicht mutig, so doch außergewöhnlich nennen muss: „Die schmucklose Art des Abräumers und der Anspielstation im Mittelfeld ist beim breiten Publikum und bei den Medien allenfalls für Fleißnoten gut. Im Urteil vieler Fachleute schneidet der lange Blonde dagegen besser ab. Nach Ottmar Hitzfelds Ansicht ist Ramelow „der am meisten unterschätzte Spieler der Bundesliga“. Eine Meinung, die Augenthaler teilt, der in ihm „einen für die Mannschaft enorm wertvollen Spieler sieht. Seine größte Stärke: Er opfert sich 90 Minuten lang für die Mannschaft auf.“ (…) Da sich der zurückhaltende Preuße auch gegenüber den Medien wie „defensives Mittelfeld“ verhielt, kam er in Länderspielberichten oft schlecht weg. Wenn Ramelow gut spielte, fiel das nicht weiter auf. Wenn speziell die Nationalmannschaft gegen Ende der Ära Völler, wie im Vorjahr bei der 1:5-Niederlage in Rumänien, schlecht aussah, wurde der einstige Hertha-Spieler rasch zum Sündenbock gestempelt. (…) In Leverkusen ist er ein Stabilisator. International gilt der Berliner eher als Symbol des überwundenen Sicherheitsfußballs. Doch eines wird dabei leicht übersehen: welch großes Verdienst der Antistar um den deutschen Fußball hat.“
Die ewig junge Ramelow-Debatte (mit dem wir nicht 5:1 gegen England verloren hätten)
Ein Unvollendeter
Andreas Lesch (BLZ 9.3.) über Arsene Wenger: „So zahlreich sind die Qualitäten, die Wenger in sich vereint. Er hat Arsenal in acht Jahren von Grund auf erneuert. Er hat die Spieler zu gesunder Ernährung erzogen und erfolgreich für bessere Trainingsplätze gekämpft. Er hat es seiner Mannschaft abgewöhnt, die Bälle hoch und weit nach vorn zu schlagen. Wenger hat die Premier League von heute entscheidend mitgeprägt, ihren Trend zum gepflegteren Spiel. Er hat die Hochbegabten in seinem Klub zu einer Einheit geformt und er hat ihnen beigebracht, ihr Ego zu zügeln. Am Dienstag hat sich Thierry Henry, der französische Ausnahmestürmer, brav vor die Presse gesetzt und gesagt: „Ohne Team bin ich nichts.“ Pause. „Nicht mal Maradona hat Spiele allein gewonnen – selbst wenn er die Hand zu Hilfe genommen hat.“ Das hören Engländer gern. Überhaupt, sie können kaum einen Makel finden an Wenger. Er arbeitet akribisch; er argumentiert, statt zu brüllen; er ist freundlich zu Journalisten. Er spricht fünf Sprachen, tritt auf wie ein vollendeter Gentleman, weiß, was er will. Nur: Ein großer internationaler Titel fehlt ihm noch. Er ist ein Unvollendeter, wie sein Klub, wie viele der Spieler, die er betreut. (…) Arsenal ist eine Art Gegenentwurf zum FC Bayern.“
Ich bin der glücklichste und der traurigste Mann der Welt
Raphael Honigstein (Tsp 9.3.) schildert Leiden und Heimweh José Antonio Reyes’: „Die Heizung ist rund um die Uhr auf 30 Grad eingestellt. Reyes verlässt die Wohnung nur noch zum Fußballspielen, denn in London, dieser unwirtlichen Stadt, möchte er sich so wenig wie möglich bewegen. Im Januar 2004 kam Reyes für 25 Millionen Euro vom FC Sevilla nach zum FC Arsenal nach London. „Ich bin der glücklichste und der traurigste Mann der Welt“, sagte der Spanier bei seiner Vorstellung. 14 Monate später gilt nur noch letzteres. Reyes hat keine Freunde in London. Wenn er nicht Playstation spielt, schaut er „Gran Hermano“, das spanische Big Brother. Früher hat er wenigstens ab und zu etwas mit seinen Mitspielern unternommen, doch das ist vorbei seit dem Freundschaftsspiel zwischen Spanien und England. Damals rief ihm der spanische Trainer Luis Aragones auf dem Trainingsplatz zu, er solle der „schwarzen Scheiße“ ausrichten, dass er besser sei. Gemeint war Reyes’ Vereinskamerad Thierry Henry. Die Affäre belastet nicht nur das Verhältnis der Sturmpartner bis heute. Mit dem Zusammenhalt und der Stimmung in Arsenals Mannschaft ist es seitdem nicht mehr weit her. Die Spieler fahren nach dem Training sofort wieder nach Hause, abseits des Platzes sieht man sich kaum noch. Reyes trägt keine persönliche Schuld für diese unterkühlte Atmosphäre, doch keiner leidet mehr darunter als er.“
Die SZ (9.3.) ergänzt: „Die Affäre belastet bis heute das Verhältnis der Sturmpartner und sie führte auch dazu, dass sich die Cliquenbildung bei Arsenal verschärfte. Während die Franzosen um Kapitän Patrick Vieira und Robert Pires zu Henry standen, fand der sensible Torjäger mit seiner Sicht der Dinge bei Lauren (Kamerun), Torwart Manuel Almunia (Spanien) und Edu (Brasilien) Verständnis. Die dritte Partei, der der deutsche Nationaltorwart Jens Lehmann dem Vernehmen nach exklusiv angehört, hielt sich neutral zurück.“
NZZ-Bericht Chelsea-Barcelona (4:2)
NZZ-Bericht Milan-ManU (1:0)
Ball und Buchstabe
Heute wird mehr geplaudert, aber nicht mehr so hart gefragt
Der ehemalige Grimme-Chef Bernd Gäbler (TspaS 6.3.) zählt die Mängel des Sportjournalismus im Fernsehen: „Haben unsere Sportjournalisten – als die Finanzkrise von Borussia Dortmund offenbar war – einmal von sich aus nach Schalke geschaut? Sie könnten doch journalistische Neugier entwickeln, ohne sofort Skandale zu melden. Auch im Falle des Schiedsrichterskandals hat das Fernsehen sich vor allem als Chronist der laufenden Ereignisse betätigt, auch wenn Johannes B. Kerner sich gehörig empört gab, als er Robert Hoyzer seine Sendung als Bühne der Bußfertigkeit darbot. Immerhin hielten die meisten TV-Sportsendungen eine gewisse Distanz zum plumpen Boulevard. Dies ist aber allenfalls Vorsicht, noch kein guter Sportjournalismus. Im Fernsehen dehnen sich die Programmflächen und „Timeslots“ für den Sport immer mehr aus, zugleich aber befindet sich der Sportjournalismus auf dem Rückzug. (…) So wie es dem Fernsehen insgesamt ergeht, das durch die vielen Gewinnspiele und Sponsorenhinweise, „Mitmach“-Sender und Shopping-Kanäle immer unruhiger und billiger wirkt, ergeht es auch dem Sport: Ruhe und Sachlichkeit, Hintergrund und leider auch die journalistische Formenvielfalt verflüchtigen sich. Mehr Journalismus aber als uns zurzeit geboten wird, darf es schon sein. Könnte die ARD bei aller Radsportbegeisterung nicht doch etwas skeptischer sein bezüglich der übermenschlichen Leistungen während einer Tour de France? Haben die TV-Sportredaktionen je eigenständige Beiträge geleistet, wenn es ernst wurde mit dem Doping? Ist es noch denkbar, dass ein Andy Möller als Studiogast die Kopien der Verträge mit Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund, die er beide parallel unterschrieben hatte, vorgelegt bekommt? Heute wird mehr geplaudert, aber nicht mehr so hart gefragt. (…) Warum gab es nicht längst in ARD oder ZDF einen 30- oder 45-Minüter zu Jürgen Klinsmann? Keine süßliche home-story, sondern eine Analyse seiner Geschäftsbeziehungen in den USA, seiner Trainingsmethodik, und vor allem: Wie er es schafft, sich in dem bleischweren DFB durchzusetzen? Das ist doch das journalistische Alphabet. Warum fehlt so etwas?“
Ein schönes Diskussionsthema für freistoss-Leser: Wie ist die Fußball-Berichterstattung im Fernsehen zu retten?
Beeindruckende Dokumentation
Ein TV-Tipp von Erik Eggers (FR/Medien 9.3.): „Jedem Land sein eigenes „Fußballwunder“: Die Schweizer Fans werten bis heute den 4:2-Achtelfinalsieg bei der WM 1938 gegen Großdeutschland als „Akt der geistigen Selbstverteidigung“, die Deutschen besingen seit jeher den 3:2-Finalerfolg von Bern 1954 als „verspätete Gründung der Bundesrepublik“. Wie perfekt der Fußball zur Mythenbildung taugt, das beweisen auch die „Todesspiele“ von Kiew 1942, als eine Flak-Elf des deutschen Besatzers zweimal antrat gegen eine ukrainische Auswahl, die danach – so will es die Legende – ermordet wurde, weil sie den Besatzer besiegt hatte. Diese zweimal 90 Minuten und ihre verwirrenden Begleitumstände sind noch sechs Jahrzehnte später präsent in den Erzählungen: „Im Krieg wurden hier unsere Fußballer erschossen, weil sie gegen die Deutschen gewonnen hatten“, sagt ein ukrainischer Teenager in der beeindruckenden Dokumentation „Die Todeself“ (heute um 23.30 Uhr in der ARD).“
Dienstag, 8. März 2005
Internationaler Fußball
Aus den Bohrlöchern des ewigen Eises auf die Glamourgipfel der Champions League
Go East! Dirk Schümer (FAZ 8.3.) korrigiert die Weltkarte der Fußball-Macht: „Roman Abramowitsch hat die Chancen der Globalisierung erkannt und genutzt. Der Patron des Londoner Vereins sucht und findet seine Milliarden in sibirischen Ölfeldern – einer Permafrost-Gegend, in der es sogar zum Eishockeyspielen zu kalt ist. Seine Rendite versilbert Abramowitsch darum lieber dort, wo Medien und Werbebranche die meiste Aufmerksamkeit erzielen: in Europas Kultur- und Finanzmetropole London. Von der unwirtlichen Primärproduktion am Ende der Welt führt so der Weg des Geldes und seines Besitzers ins Rampenlicht der globalen Medienkultur, aus den Bohrlöchern des ewigen Eises auf die Glamourgipfel der Premier und Champions League. Das Herz von Europas Fußball schlägt aber auch in Donezk. Beim Blick auf die Landkarte, wo die ukrainische Industriestadt irgendwo rechts unten liegt, mag man kaum glauben, daß im Stahl- und Kohlerevier kurz vor der Kalmückensteppe ebenfalls innovativer Profisport von Weltniveau geboten werden soll. (…) Die Tendenz kehrt sich um, daß die Kicker des Ostens automatisch dem Geld gen Westeuropa folgen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die ersten deutschen Torhüter und knorrigen Innenverteidiger (für andere Sparten fehlt die internationale Nachfrage) am oder unterm Ural ihr Auskommen suchen werden.“
Eine Operette hoch bezahlter Hysteriker
Sehr lesenswert! Birgit Schönau (SZ 7.3.) analysiert den 2:1-Sieg Juves in Rom: „Aus dem Match sind zu vermelden: 72 Fouls (dabei Remis), neun Gelbe Karten. Und wenn wir schon bei der Statistik sind – von zwei Toren von Juventus resultierte eines aus einem Elfmeter, den Schiedsrichter Racalbuto für ein Foul außerhalb des Strafraums verhängte, das andere gelang aus klarer Abseitsposition. Dafür war aber ein von Raculbato annullierter Treffer des Turiners Ibrahimovic eigentlich gültig. Die Römer konnten sich dennoch nicht beklagen, sie hätten spätestens nach Cufrès Fausthieb in Del Pieros Gesicht mit einem Mann weniger spielen müssen, wenn der Schiedsrichter hingesehen hätte. Auch Cassanos Handgreiflichkeiten gegenüber Camoranesi wären mit Rot zu ahnden gewesen, stattdessen sah der Roma-Spieler Gelb für zu wilden Jubel. Aber so ist der italienische Fußball nun mal, er hat ein Ergebnis für die Annalen und daneben die ganz andere Statistik des Was-Wäre-Wenn. Am schönsten macht das stets die römische Zeitung Il Messaggero, für sie ist die Roma immer Meister, und sei es nur bei den Torschüssen in den ersten drei Minuten. Es gibt eben nie nur eine Wahrheit, schon gar nicht im Fußball, aber die Wahrheit ist: Der Fußball ist am Ende in Rom, und wer es nicht glaubt, den sollte man an den Stuhl fesseln und zwingen, sich 20 x-beliebige Minuten des Matchs zwischen Meisterschafszweitem und -drittem vom Vorjahr anzuschauen, eine Operette hoch bezahlter Hysteriker mit der Attitüde allzeit gewaltbereiter Vorstadtrabauken.“
Die Servilität der Spielleiter gegenüber den grossen Klubs ist systemimmanent
Wie füllen italienische Schiedsrichter ihren Ermessensspielraum, etwa in Sachen Nachspielzeit, Peter Hartmann (NZZ 8.3.)? „Früher war Fussball „das Spiel, in dem zwei Mannschaften gegeneinander spielen, und am Ende siegen immer die Deutschen“ (Gary Lineker). Heute gewinnt zuletzt Milan, und immer in letzter Sekunde – oder noch später, und das ist das Problem. Handelt es sich um eine beispiellose Glückssträhne, um ein raubtierhaftes Konzept, den Gegner erst dann zu erledigen, wenn er sich in Sicherheit wähnt, oder zögern die Schiedsrichter elastisch den Schlusspfiff hinaus, bis Milan doch noch ein Tor gelingt? In Bergamo signalisierte der Unparteiische Bertini 3 Minuten Nachspielzeit, nach 3 Minuten und 56 Sekunden gelang Pirlo der Siegtreffer zum 2:1, und nach weiteren 9 Sekunden war Ende. (…) Die Servilität der Spielleiter gegenüber den grossen Klubs ist geradezu systemimmanent, und Pierluigi Collina, die Lichtgestalt der Branche, ist leider nicht klonbar und erreicht im Sommer die Alterslimite.“
NZZ: Corinthians São Paulo, die brasilianische Variante von Chelsea
Champions League
Familie
Christian Eichler (FAZ 7.3.) beschreibt die Strategie Arsene Wengers: „Anders als die Bayern oder Manchester United und Chelsea steht Arsenal bei allen Erfolgen nicht am Ende der Nahrungskette einer großen Liga. In München oder Manchester kann man es sich leisten zu warten, bis ein Talent bei einem anderen Klub zum Topspieler gereift ist, um ihn sich dann einzuverleiben. (…) Arsenal geht Risiken mit fast jedem Kauf ein. Das ist nicht nur aus der Not geboren, wenngleich Arsenal für den Bau des neuen, eine halbe Milliarde Euro teuren Stadions sich zuletzt auf dem Transfermarkt zurückhielt. Es entspricht auch der Philosophie von Arsene Wenger, der Arsenal als Familie betrachtet und die Familienmitglieder am liebsten selbst erzieht. Wenn es gelingt, strahlen sie eine Beseeltheit aus, eine fast mönchische Hingabe an den Klub und die gemeinsame Spielidee, wie bei Musterschüler Henry, der nie fortwill aus Highbury. Doch immer öfter scheitert Wenger mit dieser Beseelung. (…) Arsenal bildet im Grunde ein Weltklasse-Juniorenteam mit drei, vier älteren Anführern. Es ist die labilste Art, ein Fußballteam zu formen. Aber wenn sie gelingt, auch die begeisterndste. Wengers pädagogisches Wagnis ist das Restrisiko der Bayern.“
Rollenspiel
Was bezweckt José Mourinho mit seinen Sprüchen, Christian Eichler (FAZ 8.3.)? „Mourinho gilt vielen als arrogant, beteuert aber glaubhaft, daß sein Auftreten nicht persönlicher Eitelkeit, sondern dem mannschaftlichen Erfolg diene. Tatsächlich gelingt es ihm, mit seinen kontroversen Auftritten Druck von seiner Elf zu nehmen. (…) Die Spanier zeigen sich hitzig erregt vom kalten Provokateur aus Portugal. Die Haltung der Spanier hat sich vor allem auf den „negativen“ Fußball von Chelsea fixiert: dicht stehen, Spiel zerstören – während Barcelona für den „positiven“, schönen Fußball stehe. Deswegen sollte sich ein zähes Verteidigen des Vorsprungs verbieten. Das ist wohl exakt das Rollenspiel, das Mourinho erreichen wollte, denn sein Team hat ohne den verletzten Robben Schwierigkeiten gezeigt, dichte, zurückgezogene Abwehrreihen zu überwinden. Wenn er Barca dazu gebracht haben sollte, nicht nur das Weiterkommen, sondern auch die Demonstration überlegener Spielkunst im Sinn zu haben, es wäre ein psychologischer Vorteil vor dem ersten Schachzug. Wenn die Sache mißlingt, wird er Prügel für die Arroganz erhalten.“
Wer Cruyff überlebt, der muß auch Mourinho nicht fürchten
Die Welt (8.3.) hingegen wirft ein: „Man kann es Stoizismus nennen oder Sturheit, fest steht, daß Franklin Edmundo Rijkaard die wohl wichtigste Anforderung an einen Trainer des FC Barcelona im Übermaß erfüllt: Er läßt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nicht einmal von Johan Cruyff. Das Vereinsidol, dessen Einlassungen in Katalonien widerhallen wie das Wort des Allmächtigen, hatte Rijkaard in seiner Kolumne in der Zeitung La Vanguardia kürzlich vorgeworfen, zu defensiv spielen zu lassen. Rijkaard blieb wie immer freundlich im Ton, wurde aber für seine Verhältnisse relativ deutlich. „Keinen Bedarf“ habe er an den Kommentaren Cruyffs. Dabei hatte es Rijkaard im wesentlichen Cruyff zu verdanken, daß er im Sommer 2003 angestellt wurde. Gleichfalls hätte er die ersten Monate im Amt kaum überlebt, wäre Cruyff nicht sehr geduldig mit ihm umgesprungen. (…) Wer Cruyff überlebt, der muß auch Mourinho nicht fürchten.“
Marc Lehmann (NZZ 8.3.) schätzt Petr Cech, Chelseas Torhüter: „Trotz seinem jugendlichen Alter vereint er schon jetzt fast alle Qualitäten auf sich, die einen Torhüter auszeichnen. Peinliche Fehler, wie sie selbst der prominenten Konkurrenz in der Premier League immer wieder unterlaufen (Dudek, Lehmann, Carroll), passieren Cech praktisch nie.“
Ball und Buchstabe
Hoyzer-Rucksack
Michael Jahn (BLZ 8.3.) erklärt die schlechten Schiedsrichterleistungen vom Bundesliga-Sonntag: „Man darf davon ausgehen, dass die zum Teil katastrophalen Auftritte der Referees Nachwirkungen des Manipulationsskandals sind. Wenn sie in die Stadien einlaufen, tragen sie unsichtbar den Hoyzer-Rucksack mit sich.“
Kulanz der Fans hört auf
„Manuel Gräfe verhängt in Nürnberg drei Strafstöße – und liegt dreimal daneben“, klagt Boris Herrmann (SZ 8.3.): „Die Kulanz der Fans mit den Schiedsrichtern hört bei der ersten Fehlentscheidung gegen die eigene Mannschaft auf. Gräfe hat bei seinen Einsätzen besondere Stresssituation auszuhalten. Gemeinsam mit den Kollegen Lutz Michael Fröhlich, Felix Zwayer und Olaf Blumstein hatte er beim DFB gegen Robert Hoyzer ausgesagt und wurde zunächst sogar selbst verdächtigt, in die Spielmanipulationen verwickelt zu sein. Bei aller gebotenen Rücksicht muss sich Gräfe vorhalten lassen, dass er den Zuschauern im Frankenstadion zu viele Gelegenheiten bot, ihren Unmut auszuleben.“
Schonzeit vorbei
Da hilft auch keine Werbekampagne, stellt Thomas Klemm (FAS 6.3.) fest: „Die Schonzeit für die Schiedsrichter ist vorbei. Hielten sich Fans und Vereine unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Skandals mit öffentlicher Kritik zurück oder zeigten sich sogar solidarisch mit den Unparteiischen, so entdeckten sie in den vergangenen Wochen die Referees wieder als Buhmänner. Für Rückschläge im Wettstreit um internationale Startplätze machten Bundesligaklubs die Unparteiischen ebenso verantwortlich wie für Tiefschläge im Abstiegskampf. (…) Die grüne Karte der Sympathie werden die Schiedsrichter auch so schnell nicht wieder sehen.“
Schieds- und Linienrichter sind dazu verdammt, die einzig Dummen zu sein
Klaus Hoeltzenbein (SZ 8.3.) befürwortet den Videobeweis: „Ein Beispiel, wie es anders geht: Im American Football ist der Videobeweis erlaubt. Jede Mannschaft darf zwei Mal pro Halbzeit einen Schiedsrichter-Beschluss anfechten, binnen 90 Sekunden muss entschieden sein, ob der Pfiff bestätigt oder widerrufen wird. Das muss nicht als Modell für den Fußball taugen, nur hat sich in den USA gezeigt, dass Videobeweise helfen können, ein schneller, athletischer, raffinierter werdendes Spiel und seine Schauspieler fairer zu beurteilen. Für den Fußball hat Joseph Blatter gerade erst sein Dekret erlassen: So lange er im Amt ist, werde über den Videobeweis nicht einmal diskutiert. Somit bleibt’s beim Theater nach historischen Regeln. Schieds- und Linienrichter sind dazu verdammt, die einzig Dummen zu sein. Und das Volk ruft: teert und federt sie!“
Jan Christian Müller (FR 8.3.) stimmt ein: “Derzeit machen nur die Ersatzspieler, Trainer und Manager am Spielfeldrand davon Gebrauch, vermehrt auch die Fans per Videotafel und bald dann via Handy. Eines nicht allzu fernen Tages gibt es dann nur noch drei Blöde im Stadion: die beiden mit der Fahne und der mit der Pfeife.“
Büßerrolle gleich Heldenrolle
Das Streiflicht (SZ 8.3.) erspürt instinktsicher Analogien: „Das war gut, Schiedsrichter, ja, das war toll! Vor allem, weil Gagelmann nicht den Versuch unternahm, seine fußballhistorische Schuld auf den Assistenten Glindemann abzuschieben – obwohl dessen Fahne doch deutlich größeren Anteil am Skandal hatte als Gagelmanns Pfeife. (…) Die Tugend der Stunde ist die Tugend der Zerknirschung. Die Kunst der Stunde ist die Kunst der Selbstbezichtigung. Wer dachte beim Anblick des wackeren Gagelmann nicht sogleich an den reumütigen Selbstbezichtiger Fischer, dem der Auftritt freilich erst beim zweiten Versuch gelang? Beim ersten hatte er noch die Linienrichter, die Fähnchenschwenker, die Glindemanns des Auswärtigen Amts für seine Fehlentscheidungen in Mitverantwortung genommen. Jetzt aber findet er langsam in die Pose der Demut, in die Rolle des Büßers hinein, und er wird sie demnächst, da darf man sicher sein, zur Heldenrolle machen. Denn wenn die Deutschen erst erkennen, welch ein totaler Versager ihr Fischer ist, werden sie ihn wieder lieben, vermutlich bis zur Raserei. Weil ein zerfurchter und zerknirschter Fischer, der zu seinen Fehlern steht (und zwar in Zeitlupe!), einfach noch mehr Sexappeal hat als ein dreister und feister. Da kann der Untersuchungsausschuss so viele Tore schießen, wie er will – zählen wird keines!“
Montag, 7. März 2005
Allgemein
Der Profifußball hat Nelson Valdez noch nicht zum seelischen Krüppel gemacht
Wolfgang Hettfleisch (FR 7.3.) preist die Fairness des Bremer Stürmers: „Was den Auftritt von Nelson Haedo Valdez so besonders machte, war nur ein kleiner Hupfer. Mitte der zweiten Halbzeit läuft der junge Angreifer mit dem Ball am Fuß allein auf Oliver Kahn zu. Der Bayern-Keeper stürzt aus seinem Gehäuse und wirft sich Valdez in den Weg. Kahn kommt um den Bruchteil einer Sekunde zu spät, um den Ball zu erwischen. Es ist die Gelegenheit für den 21-jährigen Stürmer: Er muss nur noch „einfädeln“ und Markus Merk kann nicht anders, als auf Elfmeter zu entscheiden. (…) Der Jungspund hat mit einem beherzten Sprung bewiesen, dass er dieses Spiel liebt wie unsereiner. Dass er lieber darauf spekuliert, den Ball noch irgendwie aus spitzem Winkel in die Maschen zu befördern, als mit dem Stürmer-Radar nach Gelegenheiten zum Strafraumsturz zu fahnden. Das mag nicht clever sein, aber es zeugt von jenem Geist, der auch unter Freizeitkickern herrscht. Der Profifußball hat Nelson Valdez noch nicht zum seelischen Krüppel gemacht.“
Rückkehr der leidenschaftlichen Mainzer Kampfkraft
Jürgen Klopp schreibt einen Brief – und erhält eine, nicht-schriftliche, Antwort; Michael Eder (FAZ 7.3.) beschreibt die außergewöhnliche Methode des Mainzer Trainers: „Klopp, die Lokomotive des Mainzer Fußballs, hat alle wieder unter Dampf gesetzt. Mitreißend und angriffslustig wie eh und je, hat er einen ellenlangen Brief an die Fans gerichtet, den sie in einem Seminar mal in Motivationskunde behandeln könnten. Klopp beendete die verbreitete und erfolgsgefährdende Mainzer Sicht der Dinge, auch ein Jahr in der ersten Liga sei für den Verein schon ein großes Erlebnis. „Wir sind nicht als Touristen in der Liga“, sagte Klopp und forderte von Spielern und Fans ein Ende der fatalistischen „You‘ll never walk alone“-Stimmung, dieser reizvollen Lust am gemeinsamen Untergang, die auch nach schweren Niederlagen noch überall in der Fastnachtshochburg zu spüren war. Die gute Laune, der vielbesungene Spaßfußball hatten für akute Lähmungserscheinungen gesorgt. Die Rückkehr der leidenschaftlichen Mainzer Kampfkraft der letzten Jahre war Klopps Verdienst. (…) Beim triumphalen 5:0 gegen den SC Freiburg herrschte im Stadion eine Stimmung wie noch nie am Bruchweg. Es war genau, was Klopp wollte: eine „englische“ Atmosphäre, die den eigenen Spielern keine Chance läßt, sich zu schonen, aufzugeben, auch nur einen einzigen Schritt weniger zu tun als möglich.“
Steuermann
Christof Kneer (BLZ 7.3.) widmet sich dem Spiel Ciriaco Sforzas: „Er hat es auf seine alten Tage zum seltsamsten Fußballer der ganzen Liga gebracht. Wenn man so will, hat er seine Karriere beendet, obwohl er weiterspielt. Er ist irgendwie kein richtiger Fußballer mehr, und doch ist er der wichtigste Spieler seiner Elf. Er läuft nicht mehr viel, er läuft nicht mehr schnell, Zweikämpfe erahnt er früh und geht ihnen aus dem Weg, selbst Beiträge fürs Offensivspiel streut er nur noch spärlich ein. Sforza ist einfach nur da, aber das ist wohl das Beste, was diesem 1. FC Kaiserslautern passieren kann. Es ist kein Zufall, dass dieser FCK plötzlich wieder das Siegen lernte, als Sforza im November nach 18-monatiger Verletzungspause zurückkehrte. (…) Er ist von militanter Unauffälligkeit, aber sein Einfluss reicht weit übers eigene Grün hinaus. Wie ein Spielertrainer tänzelt er durch sein kleines Reich, ruft, gestikuliert und schickt Mitspieler in Räume, von denen nur er sieht, dass sie sich gleich öffnen. Er ist der Steuermann, der Pressingorganisator.“
Rücksichtslos ausgepresst
Michael Ashelm (FAS 6.3.) leidet mit Andres d‘Alessandro: „d‘Alessandro ist ein typisches Beispiel dafür, wie schon junge, im Aufbau befindliche Spitzenkräfte heute im globalen Fußballgeschäft rücksichtslos ausgepreßt werden. Erst spielte er 2004 nach seiner ersten langen Saison in Europa mit der Nationalmannschaft den Südamerika-Cup. Dann ging’s mit der Nachwuchsauswahl zum olympischen Turnier von Athen, wo Argentinien Gold gewann und er wieder einmal zu den überragenden Akteuren zählte. Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, bestellte ihn der Verband danach zurück in die Heimat zu zwei WM-Qualifikationsspielen, so daß d‘Alessandro erst wieder im September lange nach Saisonstart (und ohne gezielte Vorbereitung) zum VfL Wolfsburg stieß – und dort gleich wieder in der Bundesliga für Furore sorgen sollte. Diese hohe physische und psychische Belastung endete Monate später im Desaster. Zu hören ist außerdem, daß das 1,71 Meter große Fußball-Kid aus Buenos Aires bei den Wolfsburger Mannschaftskollegen keine ungeteilte Akzeptanz erfährt. Nicht alle Genies bringen ihr Talent zur vollen Entfaltung. Die Sache bleibt ein Glücksspiel.“
Interview
Die Journalisten brauchen mich mehr als ich sie
Sergej Barbarez mit Frank Heike (FAS 6.3.)
FAS: In Hamburg pendelten Sie als einziger wirklicher Star jahrelang zwischen Held und Versager. Wie halten Sie das aus?
SB: Meine engsten Freunde und die Familie haben nichts mit Fußball zu tun, das ist schon mal wichtig, um auf andere Gedanken zu kommen. Außerdem kommt mit der Zeit die Erfahrung, nicht mehr jeden Tag in die Zeitung zu gucken. Mit den Journalisten muß man zusammenarbeiten. Ich bin ein Typ, der sich merkt, was sie schreiben, ich habe meine Einschätzung über diese Personen. Die Journalisten brauchen mich mehr als ich sie. Ich muß mit 32 Jahren nicht jeden Tag in der Zeitung stehen. Das brauche ich nicht mehr.
FAS: Sie haben einige Kollegen boykottiert.
SB: Ja, die Bild-Zeitung. Ich habe ein Jahr lang nicht mit ihnen gesprochen. Ich weiß, daß ich diesen Krieg nicht gewinnen kann. Aber ich habe dadurch viel Respekt gewonnen. Viele sehen mich anders seitdem, auch in der Mannschaft.
FAS: Wie konnte das gehen? Die Bild-Zeitung ist doch bei jedem Training.
SB: Ich bin einfach an ihnen vorbeigegangen. Mit anderen habe ich gesprochen, sie haben zugehört und abgeschrieben. Aber damit kann sich eine Zeitung wie die Bild natürlich nicht zufriedengeben. Das war ein Problem für sie. Es sollte sogar ein Gipfeltreffen stattfinden, das habe ich aber auch abgelehnt. Dann haben wir irgendwann wieder gesprochen, und es war wieder okay. (…) Es gab eine Homestory, das war noch bei Union Berlin, 1995. Vor zwei Jahren hat die Sportbild die Bilder gedruckt, weil sie keine neuen hatten. (…)
FAS: Sie haben gesagt, Gefühle spielten keine Rolle mehr im großen Geschäft mit der Bundesliga.
SB: Es wird jedes Jahr schlimmer. Fußball ist eine reine Geldmaschinerie geworden. Die menschliche Seite spielt keine Rolle mehr. Alle nehmen sich wichtig, auf dem Feld und außerhalb. Ich habe irgendwann kapiert, worum es geht: Du mußt Erfolg haben, um beliebt zu sein. Den Fans ist es egal, was in den Hotels vor den Spielen passiert oder in der Kabine oder ob du zwei Jahre Tabletten gegen Schmerzen nimmst, um zu spielen. Es zählt wirklich nur das Ergebnis.
FAS: Welche Rolle spielen die Medien?
SB: Ich sehe es jedes Jahr, wie die jungen Spieler Probleme haben, wenn die ersten negativen Schlagzeilen kommen. Dann bricht bei ihnen eine Welt zusammen. Ich sehe morgens, wenn sie in die Kabine kommen, sofort in ihren Gesichtern, was in der Zeitung über sie stand. Ich selbst habe erst in meiner Dortmunder Zeit negative Schlagzeilen produziert. Durch diese Erfahrung habe ich die andere Seite des Fußballs erlebt.
Ball und Buchstabe
Lasst Giuliana frei!
Die SZ (7.3.) zitiert Giuliana Sgrena nach ihrer Befreiung nach vierwöchiger Geiselhaft im Irak: „Einmal kam einer meiner Bewacher ganz aufgelöst zu mir – wegen Totti. Ja, Totti. Er war nämlich erklärter Tifoso des AS Rom und jetzt zutiefst erschüttert darüber, dass sein Lieblingsspieler mit einem T-Shirt auf den Fußballplatz gegangen war, auf dem stand: ,Lasst Giuliana frei“.“
Urkölsch
Philipp Selldorf (SZ 7.3.) verfasst einen Nachruf auf Jean Löring: „Große Hymnen werden nun in seiner Heimatstadt zu seinen Ehren verfasst werden, 1001 sämtlich einzigartige Anekdoten kommen wieder zur Aufführung. Löring, ein Selfmademillionär der Wirtschaftswunderära, Fußballer, Unternehmer und Patriarch der klassischen Art, war eine urkölsche Figur. Ausgestattet mit starkem Sippeninstinkt, ansteckend gesellig und fröhlich, emotional und manchmal auch sentimental, geschäftssinnig, raffiniert bis zur Verschlagenheit und gelegentlich recht rücksichtslos und renitent. Besonders wenn es um die Fortuna ging, die er als Privateigentum führte und clever versorgte. Verein und Vorsitzender bildeten eine untrennbare Einheit, der Klub war Teil seines Firmenimperiums, weshalb es auch unmöglich ist, zu ergründen, wie viel privates Geld er in den Fußball steckte. Standardsatz bei Geschäftsabschlüssen (ins Hochdeutsche übersetzt): „Und was springt dabei für meinen Verein heraus?““
Bundesliga
Ansammlung von Durchschnittsspielern
Stefan Hermanns (Tsp 7.3.) befasst sich mit der Lage in Freiburg: „Dass sich die Wut vor allem gegen den Trainer richtet, liegt daran, dass Finke mehr ist als eine Symbolfigur. Das System Finke sieht keine Stars vor – außer Finke selbst. Die Mannschaft ist eine Ansammlung von Durchschnittsspielern, aus denen der Trainer in guten Jahren ein überdurchschnittlich funktionierendes Kollektiv geformt hat. Dauerhafter Fortschritt ist nicht zu erkennen. Guten Jahren folgen schlechte, und Finke verteidigt die Schwankungen mit den nachteiligen Rahmenbedingungen in Freiburg. Der SC positioniert sich daher als Ausbildungsverein, doch der Philosophie des Cheftrainers folgend reproduziert diese Ausbildung immer nur neuen Durchschnitt. Nie hatten junge Spieler in Deutschland größere Chancen in die Nationalmannschaft zu kommen als jetzt unter Jürgen Klinsmann. Vom SC Freiburg aber ist noch keiner dabei gewesen.“
Stillstand
Uwe Marx (FAZ 7.3.) ergänzt: „Wie es um den Sportclub Freiburg bestellt ist, in guten wie in schlechten Zeiten, war früher einmal in einem Satz zusammenzufassen: Alle Macht geht vom Volker aus. Von Volker Finke, dem Architekten, Baumeister und Verwalter des Bundesligastandorts im Breisgau. Inzwischen muß das vereinspolitische Kurzmanifest um einen Zusatz ergänzt werden: Auch alle Ohnmacht geht vom Volker aus. Finke ist angeschlagen, er hat die Saison innerlich abgehakt. (…) Bei dem ausgewiesenen Ausbildungsverein herrscht seit langem Stillstand. Eine erschreckend lange Reihe junger Spieler hat sich hier nicht weiterentwickelt. Andere mußten gehen, weil der Trainer sie für nicht gut genug befand. Einer, der Abschied nehmen mußte, war der jetzige Mainzer Fabian Gerber, der neben seinem Treffer den Elfmeter herausholte. Aber nicht nur die Spieler, auch das Freiburger Spiel verharrt im Mittelmaß. Schon in der vergangenen Saison schaffte der SC ohne einen einzigen Auswärtssieg den Klassenverbleib – ein bemerkenswertes Zeichen von Schwäche für Verein und Liga. Die fehlende Klasse hat Tradition. Freiburg ist im Grunde seit anderthalb Jahren nicht mehr bundesligareif.“
Finke darf absteigen, solange er in Würde absteigt
Christian Zaschke (SZ 7.3.) richtet den Blick auf die Freiburger Zukunft: „Immer sind die Freiburger zurückgekehrt, und immer haben sie mit ihrer Art des Fußballspiels viele Freunde gewonnen. Im Kern der von Finke erschaffenen Struktur sitzt er selbst, das wurde im Klub und in dessen Umfeld so akzeptiert. Grundlage dieser Akzeptanz ist ein unbedingtes Vertrauen zu Finke, das davon ausgeht: Wenn er mit der Mannschaft absteigt, dann stiege auch jeder andere mit der Mannschaft ab – und nur er steigt mit der Mannschaft wieder auf. Zumindest bei einigen Fans ist dieses Vertrauen erschüttert, was daran liegen mag, wie Freiburg in dieser Saison auftritt. (…) Finke genießt eine einzigartige Freiheit: Er darf absteigen, solange er in Würde absteigt.“
Die FR (7.3.) schildert die Höhepunkte des Spitzenspiels zwischen Bayern und Bremen: „Für Verwirrung und Belustigung sorgte beim Münchner Gähn-Gipfel der vierte Schiedsrichter. Jochen Drees unterlief ein Wechselfehler, der auf den Rängen für Heiterkeit und auf dem Platz für Verwirrung sorgte: Als Felix Magath Paolo Guerrero aufs Spielfeld schicken wollte, leuchtete auf Drees‘ Anzeigetafel die Nummer 22 für den auszuwechselnden Spieler auf. Die 22 hat bei Bayern Ersatztorhüter Michael Rensing, doch der saß – in eine Decke gehüllt – auf der Bank. Co-Trainer Seppo Eichkorn eilte Drees zur Hilfe und beorderte Claudio Pizarro, den 14er, vom Spielfeld.“
Wüst und hart
Klaus Hoeltzenbein (SZ 7.3.) rümpft de Nase: „Kurz vor Abpfiff war’s, da fiel der FC Bayern zurück in die Prähistorie des Fußballs. In jene graue Vorzeit, als Fußball noch kein komplexes Spiel war mit Finten, Fallrückziehern und einem Kurzpassspiel in Schallgeschwindigkeit. In der einfach nur wüst und hart nach allem getreten wurde, gegen das sich treten ließ, wie von Asterix und seinen Galliern nach dem Steiß der Römer. Und wie es Oliver Kahn vollzog, als er den Ball hoch und weit in den Winterhimmel drosch. Oft schon haben die Münchner Bayern mit diesem schnörkellosem Hauruck einen Erfolg begründet, allein vier Champions-League-Tore folgten unmittelbar auf einen solchen Monster-Abschlag des Torwarts des FC Bayern. Kein Klub der Welt versteht sich besser auf diese simple Form der Attacke. (…) Freunde der Ästhetik kommen in dieser Kultur der „Arbeitssiege“ (Magath) eindeutig zu kurz.“
Unterkühlte Auseinandersetzung zweier Spitzenteams ohne Spielfreude
Roland Zorn (FAZ 7.3.) hat mit 61000 Zuschauern neunzig Minuten gefroren: „Von der großen Revanche für die 1:3-Niederlage am 8. Mai 2004, nach der Werder seine vierte deutsche Meisterschaft ausgerechnet im Olympiastadion feiern konnte, war nur vorher die Rede gewesen. Das war damals, zumindest aus Bremer Sicht, ein Feiertag; diesmal herrschte nichts als angespannte Alltagsatmosphäre in der winterlichen Arena. Als einige Zuschauer per Schneeballweitwurf ihr Mütchen an den Bremern kühlen wollten, wurden sie vom Stadionsprecher sofort zurückgepfiffen. Prompt kehrte die emotional unterkühlte Auseinandersetzung zweier Spitzenteams ohne erkennbare Spielfreude zurück in das klinische Klima, das diese Partie von Beginn an überlagert hatte.“
Glück, Wille, Lust – all diese Zutaten sind zurückgekehrt
Ronny Blaschke (BLZ 7.3.) erkennt Hansa Rostock nicht wieder: „Und sie wehren sich doch. Es geht aufwärts für Hansa, nicht nur in der Tabelle, auch spielerisch bot der Auftritt eine Umkehr aller Trends. Das Glück, nach dem die Rostocker so lange vergeblich gefahndet hatten, der Wille, die Lust, all diese Zutaten sind zurückgekehrt. Warum? Das wussten die Rostocker selbst nicht zu erklären. Die Leistung barg nach Monaten der Depression den gleichen Überraschungseffekt wie Schneefall in der Sahara. Rade Prica küsste nach dem Spiel das Wappen an seinem Trikot, die Fans feierten den Sieg wie den Klassenerhalt, in ihrem Internetforum hofieren sie ihn als Fußballgott. Vor Wochen wurde er noch wüst beschimpft. Mittlerweile verkörpert er die Rostocker Hoffnung. Obwohl sie wohl zu spät kommt.“
Sieger des Tages: wieder einmal Thomas Doll
Ein geglückter Torwartwechsel in Hamburg – Frank Heike (FAZ 7.3.): „Ruhe ausstrahlen, das kann Stefan Wächter ohnehin besser als der zappelige, oft übermotivierte Martin Pieckenhagen. Den hatte er wegen dessen Kreuzbandriß im Jahr 2003 abgelöst, als ein Niemand, der solide hielt. Mehr nicht. Es gab zu Saisonbeginn keinen Grund zu wechseln, wäre da nicht Pieckenhagens besondere Stellung in der Mannschaft als respektierter und wortgewaltiger Profi gewesen. Über eine großartige Lobby verfügte Wächter nicht beim HSV. Es mußte erst der nur nach Leistungsprinzipien aufstellende Doll kommen, bis Wächter wieder eine Chance erhielt. So war nicht Wächter der Sieger des Tages oder der Torschütze Daniel van Buyten, sondern wieder einmal Thomas Doll.“
Selbst der Fromme kann der Versuchung erliegen
Martin Hägele (SZ 7.3.) schildert den Seelenkonflikt Cacaus, der ein Tor erzielt, obwohl ein Gegenspieler verltzt am Boden liegt: „„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ gehört zu den wichtigsten Losungen in der Bibel. Weshalb dieser Spruch im Neuen Testament auch doppelt hervorgehoben wird, sowohl Matthäus als auch Markus wussten, dass selbst der Fromme der Versuchung erliegen kann. Claudemir Jeronimo Barreto, der mit Künstlernamen Cacau heißt, gehört zu den bekennenden Christen, und er möchte in seinem zweiten Leben Pastor werden, wie der Brasilianer diese Woche einer Sport-Zeitschrift anvertraut hat. Auf die berufliche Herausforderung („Ich will fair sein, nie betrügen, und meine Tore widme ich Jesus Christus“) bereitet sich der 23-jährige Torjäger noch auf der Fahrt ins Stadion mit seiner portugisischen Biblia de Estudo em Cores vor, absatzweise und nach Themen hat er dort Stellen eingefärbt, aus denen er sich den Leitspruch für die entsprechende Partie aussucht. (…) Cacau schämte sich wirklich, und mit seiner – glaubwürdig vorgetragenen – Reue wird er dann doch wieder zu einem Beispiel für Fairplay.“
Bielefällt
Eine Randnotiz von Hans-Joachim Leyenberg (FAZ 7.3.): „Zur Halbzeitpause hatten sich jene Herrschaften, die die Anzeigetafel bedienen, noch die sinnige Formulierung „Bielefällt“ einfallen lassen. Ein Wunsch, der just in Erfüllung ging, als Pinto darniederlag und das Gros der Spieler damit rechnete, daß der Ball ins Seitenaus befördert werde. So wie es nun mal Usus ist.“
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