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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Donnerstag, 25. März 2004

Ballschrank

Empfang in Frankfurt

Nach dem gestrigen begeisternden Empfang in Frankfurt scheint eine Euphoriewelle ausgebrochen. Deutschland ist mehr denn je eine Fußball-Nation. Der Blick ist auf 2006 gerichtet: das Jahr, in dem die Endrunde zwischen Elbe und Rhein ausgerichtet wird. Die FAZ spricht von „prächtigen Perspektiven“. Die taz hat bereits die bevorstehenden Aufgabe im Visier: „die aus dem WM-Kader verbliebenen Akteure von den lichten Höhen des Vizeweltmeistertums unfallfrei in den grauen Alltag des europäischen Durchschnittsfußballs zu überführen“, womit die EM-Qualifikation gemeint ist. Der Kalender hält für den 7. September ein Auswärtsspiel in Litauen bereit.

„Diese Weltmeisterschaft hat die Türen weit aufgestoßen und frischen Wind eingelassen“, begrüßt die SZ die allgemein ausgemachten Entwicklungslinien des Turniers. „Überall auf der Welt haben Spieler, Trainer und Verbände bemerkt, dass die Ordnung des Weltfußballs nicht mehr so starr ist, wie man geglaubt hatte.“ Ob diese Diagnose allerdings für ganze Kontinente zutrifft, sei in Zweifel gestellt. Vielmehr waren es einzelne Nationen, die das Establishment erschütterten: neben den beiden asiatischen Gastgebern zählt der Senegal dazu, die spielerisch enorm starken Türken sowie nicht zuletzt die USA.

Mit den Perspektiven für die WM 2006 beschäftigt sich Roland Zorn (FAZ 2.7.). „Wer ein derart guter Zweiter ist, der hat noch Spielräume nach oben und dazu die nötige Bodenhaftung für ein neues großes Aufbauwerk. Wie maßgeschneidert müssen die Verantwortlichen im Deutschen Fußball-Bund und deren Verwandte in der Deutschen Fußball-Liga das Ergebnis der beispielhaften Fußballwerbetournee durch Japan und Südkorea empfunden haben. Einerseits, weil sich die Mannschaft von Teamchef Völler in der Weltspitze zurückgemeldet hat; andererseits, weil der deutsche Ertrag an der WM 2002 auch als eine gigantische Werbebotschaft für die WM 2006 verstanden werden konnte. Was bleibt, ist Aufbruchstimmung in allen Etagen des Fußballunternehmens Deutschland. Sportlich, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich wird das erste Jahrhundertprojekt des deutschen Sports im neuen Jahrtausend nun noch besser vorankommen, als ohnehin zu erwarten ist.“

Zu den deutschen Feierlichkeiten bemerkt Wolfgang Hettfleisch (FR 2.7.). „Hierzulande kann man sich nicht mit der Niederlage bescheiden. Nein. Sie muss größer, heroischer sein als selbst der Sieg des Gegners. Deutschland feiert finster entschlossen. Hurra, wir haben verloren! Geht’s auch ’ne Nummer kleiner? Und, nebenbei: Sind Politiker und Manager wirklich so dämlich, dass ihnen beim Ausschlachten des ausgefallenen Wunders von Yokohama nur ein weiterer Raubzug durch die längst bis zur Besenreinheit geplünderte Elf-Freunde-Gruft einfällt? Nein, wir Deutschen haben, entgegen dem, was da an Selbstinszenierung angerührt wird, nicht verlieren gelernt. Sonst hätten wir gejammert und mit dem Schicksal gehadert, hätten den Umständen, Collina, Brasilien, sonstwem die Schuld gegeben. Das wäre normal.“

Über die Reaktionen in Argentinien auf den Sieg Brasiliens schreibt Josef Oerhlein (FAZ 2.7.). „In der übrigen Welt gibt es kaum jemanden, der Brasilien den Sieg neidet. Am ehesten noch sind Bitterkeit und Trauer im Nachbarland Argentinien zu finden, das als Favorit in die Weltmeisterschaft zog und schon in der ersten Runde ausschied. Doch trotz einiger Nörgelei versagen auch die argentinischen Beobachter Brasilien nicht den Respekt. In einer Weltmeisterschaft ohne jeden Glanz habe sich der durchgesetzt, der zumindest am meisten versucht habe, zu spielen, heißt es im Bericht über das Endspiel der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung „La Nación“. Ohne eine großartige Mannschaft darzustellen, habe Brasilien mit seinen Spielerpersönlichkeiten gegenüber den übrigen Teams Vorteile zu ziehen gewusst. „Warum die und nicht wir?“ fragte indes bohrend die argentinische Sportzeitung „Olé“ nach dem brasilianischen Sieg über Deutschland. Noch immer leckt Argentinien die eigenen Wunden, aber es versucht sich auch ein wenig im Ruhm des Nachbarn zu sonnen. Brasilien hat immerhin den Pokal wieder einmal auf den südamerikanischen Subkontinent geholt.“

Zum Endspiel schreibt Gerhard Schröder (FAZ 2.7.). “ Hoffentlich ist der Fußball nur ein Anfang – wir können auch auf vieles andere stolz sein: Kein anderes Land hat zum Beispiel die finanziellen Belastungen der deutschen Einheit gehabt, und dennoch spielen wir heute wieder in der Spitze. Dank einer bravourösen Mannschaftsleistung, dank einer gemeinsamen Anstrengung aller.“

Edmund Stoiber (FAZ 2.7.) zum selben Thema. „Die Nationalmannschaft hat keine leeren Versprechungen gemacht und Ankündigungen, sondern auf dem Spielfeld eine überzeugende Leistung geboten. Leistung war ihr Schlüssel für den Erfolg. Die Mannschaft ist jetzt das größte Vorbild in Deutschland. Wer sich reinkniet, hart arbeitet, nicht aufgibt und keine Sprüche klopft, dem eröffnen sich auch große Chancen.“

Zu den gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen des sportlichen Erfolgs in Brasilien heißt es bei Nicolas Richter (SZ 2.7.). „Es gibt diese alte Genesungstheorie: Ein Sieg bei der Weltmeisterschaft kann eine ganze Region beflügeln, er wird das Volk milde stimmen, die Regierung wird in den Umfragen aufholen und im Oktober wiedergewählt, was wiederum die Investoren freut, weswegen Geld ins Land fließt, und so weiter. Was zumindest stimmt, ist, dass Brasilien in einer Krise steckt, die in erster Linie eine Vertrauenskrise ist (…) Schöner Fußball bringt kein Geld. Wenn der Titel auch an der verzwickten politischen Lage nichts ändert, wenn er auch Brasilien nicht das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgibt, so gibt er doch wenigstens den Menschen Selbstvertrauen, weil ihre Mannschaft, die als Außenseiter antrat, mit Siegeswillen und Disziplin den Titel holte. Das Volk feiert jetzt nicht das Ende derKrise, sondern vergisst einen Augenblick, dass es sie gibt.“

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Erkenntnisse im Fußball sind von kurzer Halbwertszeit

München streicht die Segel in der Champions League, Dortmund und Leverkusen hingegen erfolgreich, was beides überraschend kommt (mehr …)

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Von Christoph Heisiger

Viele Kommentatoren wollen nach dem Derby (02.12.) HSV-St. Pauli (4:3) nicht von Voraussagen abweichen.

Ergebnisorientierte Berichterstattung hat die Analyse des Lokalderbys zwischen dem Hamburger SV und dem Stadtteilverein FC St. Pauli dominiert. Das knappe Endergebnis kam den meisten Autoren offenbar gelegen, wurde doch im Vorfeld des „Derby des Grauens“ (Bild) die große Ausgeglichenheit beider Teams – und zwar auf niedrigem Niveau – immer wieder betont.

In Die Welt (03.12.) berichten Matthias Linnenbrügger und Patrick Krull vom „Zittersieg des HSV“, der „nur mit viel Glück endlich wieder einen Bundesligasieg gelandet hat.“ Auch Frank Heike (FAZ 04.12.) hat einen FC St. Pauli gesehen, „der ganz nah vor dem Ausgleich stand.“ Nachdem André Trulsen in der 83. Minute für den FC St. Pauli den 3:4 Anschlusstreffer erzielte, hätte „ebendieser Trulsen kurz vor Schluss noch den Ausgleich erzielen können“ (Heike). Nur in puncto Härte schien der HSV klar überlegen gewesen zu sein. „Der HSV erkämpfte sich den Sieg durch die Nachspielzeit hindurch mit grimmiger Aggressivität am Rande des Legalen“ (Heike). Die SZ (03.12.) und die FR (03.12.) bedienten sich jeweils aus Übermittlungen des Sportinformationsdienstes. Danach „hat der HSV seine Stellung als Nr 1 in der Hansestadt mit Ach und Krach bestätigt […] und sich am Ende aber im 13. Derby (in der Bundesliga, Anm. d. Red.) zum 7. Sieg gezittert.“

Hans-Günter Klemm und Michael Richter (kicker 03.12.) sehen das anders. “Der HSV war in der Spielanlage und auch was die Solisten anbelangt klar überlegen, die rustikalen Paulianer konnten nur in puncto Härte mithalten. Mit der neuen Taktik brillierten die Gastgeber und zeigten zuletzt verschüttete Tugenden: spielerische Eleganz und Kombinationen, geprägt von Albertz´ Ideen, Barbarez´ Geniestreichen, und der Dynamik der Außen Benjamin und Präger.” Ihr Fazit fällt eindeutig zu Gunsten der Hausherren aus: “Der HSV hätte schon zur Pause durch Benjamin (27., 42.) und Barbarez (43.) höher führen müssen. […] Ein verdienter Sieg in einen heiß umkämpften Derby. Der HSV versäumte es, die große Überlegenheit rechtzeitig auszuspielen.” Auch Kai-Uwe Hesse (Bild 03.12.) hat einen verdienten Derbysieg der „Rothosen“ gesehen. Den Gästen vom Millerntor bliebe allenfalls die „Kampfmedaille“.

Das 127. Lokalderby in Hamburg gehört der Vergangenheit an. Die 54.800 Zuschauer im neuen Volksparkstadion haben „ein Derby voller Leidenschaft” (Hamburger Abendblatt 03.12.) gesehen, das der Hamburger SV hochverdient für sich entscheiden konnte. Dass letztendlich kein höherer Sieg dabei heraussprang – darin waren sich die Zuschauer einig – lag daran, dass der HSV eine Vielzahl von Großchancen ungenutzt ließ, der FC St. Pauli durch eine Unkonzentriertheit in der über weite Strecken des Spiels starken HSV-Abwehr auf 2:4 verkürzen konnte und wenige Minuten später von einer „umstrittenen Elfmeterentscheidung“ (Klemm Richter) des ansonsten guten Schiedsrichters Krug profitierte. Eine weitere ernstzunehmende Chance zum Ausgleich ließ der HSV jedoch nicht mehr zu, so dass der 87. Derbysieg gegen den FC St. Pauli eigentlich nie in Gefahr war. Die Aussagen einer Vielzahl von Kommentatoren, welche von einem knappen Zittersieg berichteten, lassen daher zwei Schlüsse zu. Entweder sie haben sich in ihrer Bewertung zu sehr von Ergebnis und Torfolge beeinflussen lassen. Oder sie wollten von ihren ursprünglichen vor dem Spiel geäußerten Positionen nicht mehr abrücken, um nun als Experten dazustehen, die den Spielverlauf exakt prophezeien konnten.

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Zweckoptimismus in Schalke

Zweckoptimismus in Schalke – Johan Micoud und Fabian Ernst, zwei Regisseure von Werder Bremen in Hochform – SpOn-Interview mit Volker Finke – FAZ-Interview mit Bernd Schneider – FR-Interview mit Gerhard Aigner, Uefa-Generaldirektor, über die Macht der großen Vereine

Schalke wird immer stärker (geredet)

Richard Leipold (FAZ 1.11.) begutachtet die Stimmung in Schalke: “Jupp Heynckes hat an seinem Beruf schon mehr Freude gehabt als derzeit in Schalke. Der Weltmann ist mit einer überschätzten Mannschaft im Mittelmaß versunken und vor drei Tagen aus dem Pokalwettbewerb ausgeschieden. Aber die Rückkehr in die Bundesliga hat auch ihr Gutes für Heynckes, etwa das Wiedersehen mit den Bayern, mit denen er in den späten achtziger Jahren zweimal die deutsche Meisterschaft gewann. Es ist gut, jetzt gegen die Bayern zu spielen. Aber werden die Schalker auch gut spielen gegen die Bayern? Oder wird sich das Grau zum Grauen steigern? Im Hochsommer hatten die Schalker sich vorgenommen, den Bayern im Herbst mindestens als Widersacher aus der Spitzengruppe zu begegnen, vielleicht sogar als Titelkonkurrent. Der Name Heynckes bürgte doch für Qualität. Mit ihm konnten sie nichts falsch machen, haben sie geglaubt, weil Heynckes alles richtig machen würde. Nun, da die dunkle Jahreszeit beginnt, wird es allmählich duster, mag die Arena in noch so hellem Lichterglanz erstrahlen. Die Begeisterung um den vermeintlichen Heilsbringer ist verflogen und Heynckes in der Schalker Wirklichkeit angekommen. Auf dem Boulevard ist Don Jupp, der stolze Spanier aus Mönchengladbach, zum Don Flop, zuletzt gar zum Don Mega-Flop geschrumpft. Der Fußballtrainer ahnt, daß es ungemütlich und kalt wird. Selbst wenn die Mannschaft gewonnen hat, wirkte ihr Auftreten gequält. Noch nicht ein einziges Mal hat sie ihr Publikum gut unterhalten. Als Tabellenzwölfter ist Schalke weit von den Ansprüchen entfernt, die von Manager Assauer vorgegeben und von Heynckes mitgetragen wurden. Jupp hat die Klasse, mit dieser Mannschaft Fünfter zu werden, hatte Assauer gesagt. Und Heynckes hatte sich dem erwartungsvollen Publikum als Siegertyp vorgestellt. Nun, da sich die Niederlagen häufen, werden die Fragen unangenehmer, bohrender. Hat er sich verschätzt, hat Assauer ihm mehr versprochen, als die Mannschaft halten kann? (…) Der Spaßfaktor dürfte für Heynckes derzeit ähnlich hoch liegen wie einst in Frankfurt, wo er gescheitert ist. Doch Heynckes ist kein Spaßmacher, sondern Analyst. Und Analysten haben – für den Augenblick – immer recht, mögen die Kurse später auch einen anderen Verlauf nehmen als vorhergesagt. Inzwischen sieht er sich in einer Lage, in der nur noch das Ergebnis zählt. Also muß er den Kursverfall aufhalten, wenigstens bremsen. Insofern fühlt Heynckes sich durch das Debakel in Freiburg ermutigt. Mir wäre sehr unwohl, wenn die Mannschaft so hoch verloren, dabei noch schlecht gespielt hätte und in schlechter physischer Verfassung wäre. Die Lehre aus dem Pokalspiel? Schalke wird immer stärker (geredet). Da kommen die Bayern gerade recht.“

Der Arbeiter dient dem Künstler

„Die Bremer Fabian Ernst und Johan Micoud sind das Beste, was die Bundesliga derzeit in der zentralen Spielfeldzone zu bieten hat“, schreibt Frank Hellmann (FR 1.11.): „Ernst: Geboren in Hannover, Realschüler, Berufswunsch Astronaut, als Fußballer anpassungsfähig, beliebt, integrierbar. Teamspieler halt. Micoud ist anders. Er kommt mit grellrotem Fellmantel zur Weihnachtsfeier, hat einmal Journalisten geohrfeigt, die Taktik kritisiert und soll sich Anfang Oktober geweigert haben, an einer Laufeinheit teilzunehmen. Trainer Thomas Schaaf verdonnerte ihn angeblich vor versammelter Mannschaft zu einer Geldstrafe. Dazu gesellen sich stets Unsportlichkeiten wie im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart bei einem Kopfstoß gegen Timo Hildebrand. Er muss lernen sich zu beherrschen, fordert Allofs. Micoud: Aufgewachsen in Cannes, Abiturient, Berufswunsch Gitarrist, als Fußballer eigenwillig, launisch, unberechenbar, Individualist halt. Auf dem Platz passt es perfekt, als Typ sind beide grundverschieden, sagt Sportdirektor Klaus Allofs über Bremens Beste, die auf dem Rasen als kongeniale Ergänzung Fußballgenuss pur bieten. Fast verwunderlich, dass Frankreichs Nationaltrainer Jacques Santini die Tür für Micoud zugeschlagen hat, Rudi Völler die für Ernst bisher nur einen Spalt öffnete. Fakt ist: Nie waren beide so wichtig für Werder. Micoud und Ernst: Eine Bremer Einheit, die vor dem heutigen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ihresgleichen in der Liga sucht; im Fachmagazin kickerwerden sie mit sagenhaften Notendurchschnitten als zweit- und drittbester Spieler der gesamten Liga geführt. Der Arbeiter dient dem Künstler – unter Otto Rehhagel bildete sich daraus eine hanseatische Tradition. So wie einst Benno Möhlmann für Uwe Bracht (Anfang der 80er) schuftete, Mirko Votava erst für Norbert Meier (Ende der 80er) rackerte, dann für Andreas Herzog (Anfang der 90er) arbeitete oder Dieter Eilts für Mario Basler (Mitte der 90er) lief. Doch in der Moderne ist die Geschichte vom fleißigen Lieschen in der Defensive und dem filigranen Liebling in der Offensive nicht mehr haltbar. Auch der umgekehrte Part ist 2003 dem anderen genehm: Micoud grätscht, erobert Bälle, Ernst spielt perfekte Pässe, legt mit der Hacke ab.“

Enge Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um zu überleben

Wie immer sehr lesenswert! SpOn-Interview mit Volker Finke

SpOn: Manche sagen, dass Sie beim SC Freiburg alles steuern – nicht nur das Verhältnis zu den Spielern. Stimmt das?

VF: Das ist doch Quatsch. Hier werden die Entscheidungen von einigen wenigen Guten gefällt, die sich absolut mit dem Verein identifizieren. Co-Trainer Achim Sarstedt zum Beispiel ist qualitativ sensationell. Da kann ich nicht schlampig meine Trainingseinheiten machen. Da fragt er mich dann schon: Tickst du nicht sauber? So ist es auch umgekehrt. Wir beobachten uns alle untereinander, achten auf Qualität. Für Vereine mit geringem Budget ist diese enge Zusammenarbeit der Schlüssel, um zu überleben.

SpOn: Trotzdem hat Freiburg kaum erfolgreiche Nachahmer gefunden.

VF: An den großen Bundesliga-Standorten kannst du die Vereine ja gar nicht gegen die Wand fahren. Da kannst du sportlich drei Jahre nur Fehler machen, Geld vernichten, falsche Spieler verpflichten, zu hohe Gehälter zahlen, Schulden machen. An solchen Orten gibt es am Ende immer ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft. Letztlich werden die Clubs sogar mit öffentlichen Gelder gerettet. Nicht zufällig hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung Eintrach Frankfurt als VEB Frankfurt tituliert. Irgendwann wird auch in Leipzig dank des neuen Stadions eine Erstliga-Mannschaft stehen. Die Investoren werden schon kommen.

SpOn: Wie man mit wenig Geld größten Erfolg haben kann, stellt derzeit der VfB Stuttgart unter Beweis. Taugt der VfB als Vorbildmodell?

VF: Leider überhaupt nicht. In Stuttgart ist das Konzept der Jungen Wilden aus einer augenblicklichen finanziellen Notsituation entstanden. Im Unterschied zu uns aber kann der VfB den sportlichen Erfolg mit seinem Wirtschaftsraum und Stadion ökonomisch unterfüttern. Das Stadion wird noch einmal für 55 Millionen Euro umgebaut, mit VIP-Logen wird alles WM-tauglich gemacht. Dem VfB steht die Pforte offen, sich auf europäischer Ebene zu etablieren. Der VfB kann schnell wieder ein Einkaufsverein werden, während wir ein Ausbildungsverein bleiben müssen.

SpOn: Falls Sie Freiburg wirklich einmal verlassen sollten, was würde Sie mehr reizen: Noch einmal eine solche Aufbauarbeit oder eine ganz andere Herausforderung?

VF: Eine ganz andere Aufgabe, ein neuer Lebensabschnitt. Einen Verein übernehmen, der von seiner Struktur gar nicht in die Erste Bundesliga gehört, so etwas fängst du nicht noch mal von vorne an. Es kann beispielsweise sehr reizvoll sein, die Auswahlmannschaft eines kleineren Landes zu trainieren. Ich bin bereits jetzt immer gerne in Kontakt mit den Verbänden unserer Spieler. Reisen macht nicht dümmer, das macht Spaß.

FAZ-Interview mit Bernd Schneider, Bayer Leverkusen

FAZ: Macht Ihnen das Fußballspielen wieder Spaß?

BS: Wieso? Mir macht es immer Spaß.

FAZ: Immerhin standen Sie in der vorigen Saison bis zum Schluß im Abstiegskampf.

BS: Letztes Jahr hat es auch Spaß gemacht. Im Ernst. Schließlich ist es ein Spiel, in das nur mehr reininterpretiert wird. Natürlich gab es Phasen, in denen wir nicht so erfolgreich waren. Dann erhöht sich der Druck, das ist normal. Der Kritik muß man standhalten. Das ist nicht einfach, aber der Spaß war trotzdem da.

FAZ: Ein Spielertyp wie Sie ist aber offensichtlich auch darauf angewiesen, daß die Umstände stimmen.

BS: Fragen Sie mal Andreas Möller in Frankfurt. Wenn es gegen den Abstieg geht, spielen plötzlich auch andere Dinge eine Rolle. Oben in der Tabelle ist Fußball einfacher. Jetzt müssen wir genau so kämpfen. Aber im Abstiegskampf werden die Beine wie Blei, man denkt, man kommt nicht von der Stelle.

FAZ: Das scheint Bayer überwunden zu haben. Weshalb gewinnen Sie auch plötzlich wieder Spiele, die Sie vor einem Jahr noch allesamt verloren hätten?

BS: Das Glück, das wir jetzt auch schon gehabt haben, muß man sich wirklich erarbeiten. Auch vorige Saison haben wir gute Spiele gemacht. Aber jetzt ist es kontinuierlich gut. Es gibt Phasen, wo es besser ginge, aber der größte Teil ist gut.

FAZ: Was also hat sich geändert?

BS: Der Trainer hat natürlich seinen Anteil. Er hat wieder eine Ordnung geschaffen, das sieht man in jedem Spiel. Jetzt werden Positionen gehalten, wo im letzten Jahr zu oft Löcher entstanden sind. Da haben wir den Gegnern zu viel Raum gegeben. Jetzt stehen wir gut in der Defensive und erspielen uns vorn viele Chancen.

FR-Interview mit Gerhard Aigner, Uefa-Generaldirektor, über die Macht der großen Vereine

FR: Die Kürzung des Champions-League-Spielplans soll die Belastung der Spieler reduzieren. Wie passt das zum Qualifikationsmodus für die EM 2008 in Siebenergruppen und einer Achtergruppe? Auf Deutschland und andere warten zwölf Pflichtspiele in 15 Monaten.

GA: Es war, glaube ich, Wolfgang Hölzhäuser, der gesagt hat: Da würden Spiele hier weggenommen und dort wieder hinzugefügt. Aber das trifft nicht zu. Die Anzahl der Länderspiel-Termine bleibt ja gleich.

FR: Beim DFB würde man natürlich lieber gegen Italien oder Spanien spielen.

GA: Das weiß ich. Aber wir haben noch andere Verbände. Der DFB kann seine Freundschaftsspiele so gestalten, dass sie wirtschaftlich lohnend sind. Das trifft auf die meisten kleineren Verbände nicht zu.

FR: Hierzulande erfahren die Fans bei Freundschaftsspielen der DFB-Elf neuerdings: Die Bayern wollen den Ballack nicht hergeben, der soll sich lieber auskurieren.

GA: Die Vereine haben da schon immer einen gewissen Argwohn. Weil es natürlich vorkommt, dass einer verletzt wird. Entscheidend ist, dass der Spieler das Recht hat, in der Nationalmannschaft zu spielen.

FR: Aber man muss die Vereine verstehen: Da reist Michael Ballack angeschlagen zur WM, beißt sich durch, spielt ein Klasse-Turnier, erhöht seinen Marktwert und dann ist er so platt, dass die Bayern in der Vorrunde der Champions League ausscheiden. Verstehen Sie nicht, wenn es heißt: Die müssen vom Gewinn eines solchen Turniers zehn Prozent an die Clubs ausschütten?

GA: Das behebt doch das Problem mit Ballack nicht. Dann sprechen wir darüber, dass man denen, die das Geschick auf dem Spielfeld mit ihrem Geld regeln, noch mehr gibt, damit sie das noch besser können. Eine Entschädigung ändert nichts daran, dass Ballack verletzt wird.

FR: Beim neuen EM-Qualifikationsmodus geraten die Clubs aber unter Druck. Bei einem Testspiel konnten die bislang sagen: Unser Spieler kommt nicht, der ist angeschlagen. Gegen Serbien-Montenegro hat bei den Deutschen auch mancher gefehlt, der in einem Qualifikationsspiel rangemusst hätte.

GA: In Testspielen hat sich etwas eingestellt, das es früher nicht gab. Da konnte sich keiner erlauben, nicht die Besten zu schicken. Heute ist der Druck der Vereine so groß, dass man sich mit deren Trainern verständigt.

FR: Dem haben Sie jetzt geschickt einen Riegel vorgeschoben.

GA: So schlimm ist es ja nicht. In Siebener-Gruppen muss einer pausieren. Wissen Sie, ich war jüngst beim Freundschaftsspiel Schweiz gegen Italien – für die Schweizer ein wichtiger Test. Die Italiener kamen mit der Reserve. Warum? Weil die Vereine Druck gemacht hatten. Wir dürfen das den Fans nicht allzu oft zumuten. Heute sind fast alle Nationalspieler in wenigen Vereinen. Aber die haben ja gewusst, wen sie holen. Dann hat Bayern München da halt ein Problem, das der Hamburger SV so nicht hat.

FR: Uli Hoeneß hat gesagt, dann gebe es eben keine Nationalmannschaft mehr.

GA: Das war eine seiner weniger überlegten Aussagen. Er hat ja mit sehr viel Begeisterung in der Nationalmannschaft gespielt.

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das Fußball-Wochenende

of Der VfB Stuttgart, Ausstellungsstück deutschen Klubfußballs, steht unter Beobachtung: „Null Fehler beim Rasenschach“, veranschlagt die strenge FAS beim 0:0 in Bochum, dem vierten torlosen Spiel der Stuttgarter in dieser Saison. Das Etikett „schwäbische Romantik“ entfernen viele Chronisten, wenn die Hasardeure der Champions League sich mit nationaler Konkurrenz messen: „Stuttgarter mit mehr Verstand als Herz“, schreibt die FAZ im Titel, gemäß der SZ habe der VfB sich ein vielversprechendes Vorbild ausgesucht: „Vor zwei Jahren verzauberte Bayer Leverkusen das deutsche Publikum mit einem Kombinationswirbel, der dem französischem oder spanischen Fußball abgeschaut war. Den VfB Stuttgart kann man derzeit kaum weniger bewundern – als erste italienische Mannschaft der Bundesliga.“

Angst vor dem FC Bayern hatte Manager Uli Hoeneß von der Gegnerschaft laut und deutlich verlangt und kräftig mit dem Fuß aufgestampft, denn es folge, so Hoeneß, die Sieges-Serie der Bayern. „Jetzt kann es natürlich sein, daß die von Abstiegsängsten gepeinigten Kölner so viel mit sich selbst zu tun haben, daß sie beim bayerischen Gebrüll womöglich gar nicht richtig hingehört haben“, beanstandet die FAS die Taubheit des Tabellen-Letzten, der die Frechheit besitzt, in München einen Punkt (2:2) abzustauben – „neue Bayern-Serie? nichts Halbes und nichts Ganzes“, zuckt die FAZ mit den Schultern. Fazit: „Vor diesen Bayern muß sich keiner fürchten“ (FAS).

Presse-Stimmen zu allen Spielen

Bei der Auslosung für die EM in Portugal hat jemand unentschuldigt gefehlt: „Die deutsche Glücksfee macht frei“ (FAZ) und ist schuld daran, dass die deutsche Elf auf Gegner aus der Beletage treffen wird: Tschechien und Holland. Die SZ zwinkert mit den Augen: „Es gibt nur einen Außenseiter in dieser Gruppe: Deutschland. Aber die können jeden bezwingen.“

Presse-Stimmen zur EM-Auslosung

Der Verdrängungswettbewerb ganz unten könnte hart und spannend werden

Rainer Seele (FAZ 1.12.) empfängt „Signale aus dem Keller“: „Nerven bewahren, ganz ruhig bleiben, nicht den Mut verlieren, möglichst eng zusammenrücken. Dies hört man häufig bei Mannschaften, die sich in der Bredouille befinden und Woche für Woche einen Befreiungsschlag herbeisehnen. Die Macht der Worte hat jedoch ihre Grenzen. Wirkliche Fortschritte sind meist nur mit einem Systemwandel auf dem Fußballfeld zu erzielen – zu beobachten bei der Frankfurter Eintracht, die seit kurzem nicht mehr auf einen Einzelkämpfer in vorderster Reihe baut, sondern auf ein Paar. Das kann, Willi Reimann wird es kaum anders sehen, Methode werden. Die Strategie machte sich schließlich unlängst schon in Freiburg positiv bemerkbar und wurde jetzt gegen den VfL Wolfsburg belohnt. Nur Mut zum Risiko also. So stemmen sich die Kandidaten wehrhaft gegen die drohende Vertreibung aus Gefilden, die ein angenehmes Dasein verheißen. Was in diesen Tagen auf dem Spiel steht, skizzierte der Gladbacher Fach noch einmal so: die Existenz eines jeden einzelnen und auch die öffentliche Akzeptanz. Das belastet, und es kann doch auch antreiben. Mit frischem Elan sendeten drei der Gefährdeten am Wochenende deutliche Signale: Rechnet noch mit uns! Der Verdrängungswettbewerb ganz unten in Liga eins könnte so hart und spannend wie selten werden.“

Gewohnt deutlich analysiert Matti Lieske (taz 1.12.) den sportlichen Wert der Bundesliga: “”Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Bundesliga ziemlich ausgeglichen ist, aber – anders als es Bochums Peter Neururer jüngst nahe legte, als er sie immer noch als die beste Liga der Welt klassifizierte – ausgeglichen schlecht. Was im Übrigen auch durch die Empirie, den Stadionbesuch, häufig genug verifiziert wird. Wer heute oben steht, steigt morgen ab, und umgekehrt; wer gegen internationales Mittelmaß wie Panathinaikos Athen oder Glasgow Rangers gewinnt, und einmal gegen ManU, wird gleich zur Supermannschaft hochgejubelt; Bochumer und Wolfsburger schnuppern an Champions-League-Plätzen. Apropos Wolfsburg: Wo sonst wäre es möglich, dass ein Team, welches von 14 Spielen 8 verloren hat, Tabellensiebter ist? Kein Wunder, dass der europäische Vergleich unter solchen Umständen schmerzlich ausfällt. Das Beste wäre wohl, sich einfach abzumelden vom Uefa-Cup. Wer nicht dabei ist, kann sich auch nicht blamieren, Neururer wäre kaum widerlegbar. Man hat auch die Engländer lange Zeit für die absolut großartigsten Fußballer der Welt gehalten. Bis sie 1950 auf die unselige Idee kamen, erstmals an einer WM teilzunehmen.“

Klaus Hoeltzenbein (SZ 1.12.) ärgert sich über Wurfgegenstände der Fans: „In Hamburg landete am Samstag ein vierkantiges Taschenradio auf dem Rasen. Fliegt bald ein Fernseher? Im Bestreben, den Fan näher an das Geschehen heran zu bringen, werden die Sicherheitszonen geräumt. Im alten Volksparkstadion wäre der Transistor in der Weitsprunggrube oder auf der Laufbahn gelandet, in der neuen AOL-Arena aber erreicht ein Wurfgeschoss fast jeden Punkt. Das Risiko, das diese dichte Architektur birgt, wurde in Deutschland 1971 offenbar – damals traf einen gewissen Boninsegna im Steilwandstadion von Mönchengladbach eine leere Dose. Er klagte über eine Beule, das 7:1 der Borussia gegen Inter Mailand wurde annulliert. Doch es hagelte weiter, weltweit: Stefan Effenberg traf 1999 in Frankfurt eine Trillerpfeife, Luis Figo flogen bei seiner Rückkehr mit Real Madrid zum FC Barcelona Handys und ein Schweinekopf um die Ohren. In Südamerika üben die Messerwerfer im Stadion, und in Mailand landete jüngst gar ein eingeschmuggeltes Mofa im Innenraum. Was schützt, wenn auf- statt abgerüstet wird? In England sind die Zäune gefallen, anderswo sind sie offenbar nicht hoch genug. Traurig, dass der Bundesliga vielleicht nur hilft, wovon die Hühner dieses Landes gerade befreit werden – eine verschärfte Käfighaltung.“

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Der italienische Vereinsfußball

Der italienische Vereinsfußball zählt im Ausland weniger Freunde als die deutsche Nationalmannschaft. Folgerichtig werden Auftritte der Klubs aus Mailand, Turin und Rom – insbesondere in einem fortgeschrittenen Wettbewerbsstadium – von den internationalen Beobachtern bereits im Vorfeld bestenfalls skeptisch begleitet. Nachdem „drei italienische Klubs, die allesamt einen öden Defensivstil bevorzugen“, so urteilt die SZ, ins Halbfinale der Champions League eingezogen waren, beschworen einige den Untergang der Fußballkultur herauf.

Nun ist es weder Juventus Turin noch dem AC Mailand, schon gar nicht dem Lokalrivalen Inter in dieser „Fieberwoche“ gelungen, „die Mauer von Vorurteilen“ (NZZ) einzureißen. Im „Kolosseum des Catenaccio“, wie die NZZ die stereotypen und reflexartigen Zuschreibungen karikierend zuspitzt, endete das erste Stadtderby der Champions-League-Historie torlos. „Ein Derby ohne Protagonisten, ein graues Spiel anonymer Kämpfer“, beschreibt die SZ missgestimmt das undramatische Match. Beim „Stilvergleich“ (BLZ) zwischen Real Madrid und Juventus Turin – „Offensive gegen Defensive“ bringt es die taz auf einen (zu) einfachen Nenner – machten die Chronisten die Auswärtsmannschaft als Spielverderber dafür verantwortlich, dass die „Königlichen“ sich weniger Torchancen erspielen durften als die Turiner „Maurer, Betonierer und Zaunkönige“ (NZZ).

AC Milan – Internazionale 0:0

So geht das nicht

Peter Hartmann (NZZ 9.5.) ordnet die Reaktionen des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi nach dem Spiel ein. „Der Regierungschef, derzeit in der Bredouille als Angeklagter eines Korruptionsprozesses und deshalb sehr auf „bella figura“ in der Öffentlichkeit bedacht, soll hinter den Kulissen einen seiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle gekriegt haben, die nie im Fernsehen übertragen werden. „So geht das nicht“, zitiert La Repubblica, das linksliberale Feindblatt des Premiers, den Zornesausbruch, „bringt endlich Serginho!“ Schon während der ersten Halbzeit legte sich Berlusconis lächelnde Maske zusehends in finstere Falten, und „er verdrehte die Augen zum Himmel“, schrieb der Beobachter der Ehrenloge. In der Pause berief Berlusconi einen spontanen Krisengipfel ein. Er habe sich den Geschäftsführer Adriano Galliani, Trainer Carlo Ancelotti und dessen Assistenten Mauro Tassotti vorgeknöpft und kategorisch den Einsatz des brasilianischen Aussenläufers verlangt. Berlusconi hatte schon einmal in der Meisterschaft übers Mobiltelefon die Milan-Trainerbank angerufen und Serginho gefordert. Später stellten er und Ancelotti die Episode als Scherz hin. Als Mäzen, der alle Defizite abdeckt, nimmt Berlusconi engagiert Einfluss auf die Personalpolitik; dem Trainer und der Mannschaft diktierte er die Philosophie: „Vincere e convincere“, siegen und überzeugen. Er verlangte ultimativ die Doppelspitze Inzaghi/Schewtschenko, die nicht harmoniert, auch nicht in diesem Halbfinal, weil die beiden sich nicht ergänzen, sondern sich in der gleichen Zone auf die Füsse treten (…) Als die goldene Zeit Milans Mitte der neunziger Jahre abgelaufen war, heuerte und feuerte Berlusconi seine Trainer wie der hektische Lokalkonkurrent Massimo Moratti bei Inter, der seit 1995 dreizehnmal den Coach auswechselte. Es kamen und gingen der Uruguayer Tabarez, der türkische Napoleon Fatih Terim (ein Wesensverwandter Berlusconis und deshalb bald Persona non grata), der Grossvater Cesare Maldini als Wogenglätter, zwischenhinein die Beschwörung der glorreichen Vergangenheit mit den Rückkehrern Capello und Sacchi, die sofort scheiterten. 1999 bescherte Alberto Zaccheroni dem Padrone einen unerwarteten Meistertitel. Berlusconi jagte den Coach davon, weil dieser öffentlich erklärt hatte, links zu wählen.“

Wie ein Löwe beim Vegetariertreffen

Dirk Schümer (FAZ 9.5.) vermisste Dramatik. „Die Nullrunde zwischen hochbezahlten Kreativen spiegelt letztlich die Entwicklung wider, die immerhin drei italienische Klubs unter Europas Quartett der besten vier katapultiert hat: Vor allem die beiden reichen Mailänder Spitzenvereine konnten, während andernorts das Geld ausging, ganze Konkurrenzklubs leer kaufen und damit auf Kosten des italienischen Gesamtniveaus die eigene Klasse für den internationalen Wettbewerb verbessern. Während Florenz pleite ging, Lazio Rom das spielerische Tafelsilber versetzte und Parma seine teuersten Angestellten gerne ziehen ließ, sammelten sich die Stars an den immer noch reichgefüllten Töpfen von Mailand: Crespo, Conceicao und Nesta kamen aus Rom; Toldo, Di Biagio und Rui Costa aus Florenz; Cannavaro aus Parma. Und das sind nur die wichtigsten Namen. Noch glücklichere Profis wie Seedorf, Coco oder Brocchi wechselten gar zwischen Inter und Milan hin und her. Wohl deshalb spielten sie dann auch ähnlich souverän-unterkühlt wie ihre Kundschaft auf der Tribüne: Angehörige einer privilegierten Stadtgemeinschaft, in der jeder jeden täglich in den Nobelrestaurants trifft und keiner unbedingt gewinnen muß, weil keiner mehr wirklich etwas zu verlieren hat. Die Umverteilung der Serie A von unten nach oben führte in diesem speziellen Fall, in dem vor allem die zahlreichen Verteidiger alles richtig machten, zur Neutralisierung der Kräfte. Während der AC Mailand, wie angekündigt, immerhin anzugreifen versuchte und in Rui Costa einen einsatzfreudigen Spielmacher hatte, begnügte sich Inter unter seinem Defensivtrainer Cuper wie stets mit quasi nordkoreanischer Disziplin, agierte aus einer massierten Abwehr heraus und versuchte im zweiten Durchgang gerade zweimal eine Art von harmlosem Zufallstorschuß. Ein Stürmer wie Hernan Crespo, der ohne nachrückendes Mittelfeld fast immer auf sich allein gestellt blieb, muß sich im Cuperschen Catenaccio so isoliert fühlen wie ein Löwe beim Vegetariertreffen (…) Sogar die traditionell begeisterungsfähige, deshalb teilweise auf rosa Papier gedruckte Sportpresse Italiens hatte es schwer, aus diesem kultivierten Rasenschach, dem sogar die sonst in Mailand üblichen Nickeligkeiten fehlten, irgendwelche Höhepunkte herauszuarbeiten.“

Am Ende waren die Mienen versteinert

Birgit Schönau (SZ 9.5.) auch. „Ein großes Fußballfest hätte es werden sollen, noch nie da gewesen seit jenem Landesmeister-Derby vor Urzeiten, 1959 in Madrid, die Erneuerung Mailands als europäische Fussballhauptstadt nach Jahren der Diaspora. Die Klubpräsidenten Berlusconi und Moratti waren mit Vize und Vize-Vize, mit Kind und Kegel auf die Vip-Tribüne gezogen, der Milan-Manager Adriano Galliani hatte dem Anlass entsprechend eine knallgelbe Glücksbringer-Krawatte umgebunden, und trotz der 30 Grad heißen Abendluft trugen alle feines, schweres Tuch. Am Ende waren die Mienen versteinert und die Mundwinkel zeigten steil nach unten. Vermutlich sehnte sich mehr als einer nach den Zeiten, in denen man nach einer solchen Zumutung zur inneren Katharsis auch den Daumen nach unten senken durfte.“

(8.5.)

Philosophie der Stammeshäuptlinge

Peter Hartmann (NZZ 8.5.) sah „ein aufregendes 0:0“. „Milan und Inter haben die Entscheidung im ersten italienischen Halbfinal der Champions League im San Siro auf das Rückspiel vertagt. Das 0:0 täuscht: Die beiden Mailänder Mannschaften lieferten sich in der ersten Halbzeit einen offenen Schlagabtausch, nach der Pause verpasste Milan eine Handvoll Torgelegenheiten – und Crespo den Lucky punch für Inter kurz vor Ende. Nicht der Bleigeruch des Cantenaccio schwebte in diesem magischen Hexenkessel, in dem der Atem der 77.000 Zuschauer die 22 Spieler antreibt, sondern der Geist eines real anwesenden Revolutionärs: Milan und Inter spielten nach Arrigo Sacchis reiner Lehre des 4:4:2. Mit gegenseitigem Pressing, mit eng gestaffelten Linien: Disziplinarfussball wie in den frühen neunziger Jahren. Nur dramatisch schneller, härter, und der russische Spielleiter Iwanow nahm, anders als die Kaste der italienischen Schiedsrichter, nicht die geringste Rücksicht auf theatralische Empfindlichkeiten der Stars des Calcio. Er pfiff nur ein Dutzend Fouls in der ersten Halbzeit (vier von Milan, acht von Inter): ein Höflichkeitsrekord in diesem Stadion (…) Silvio Berlusconi, der die AC Milan zuerst als Medienmogul und dann auch als flanierendes Propagandainstrument seines politischen Aufstiegs finanziert hat, steht als Ministerpräsident unter Korruptionsanklage. Die europäische Meistertrophäe wäre für sein selbst gestricktes Image, aus jedem Konflikt als unverletzlicher Sieger hervorzugehen, eine Art Beweis höherer Macht. Berlusconi hat die Parole „vincere et convincere“ ausgegeben, ein Wortspiel, das bedeutet: siegen und überzeugen. Moratti würde sich mit der Catenaccio-Formel „der Sieg ist immer überzeugend“ begnügen. Die zweite Halbzeit spiegelte die Philosophie der Stammeshäuptlinge. Milan setzte Inter unter ständigen Druck, und als Antreiber in dieser Arbeits-Elf setzte sich der Kämpfer Gattuso mit seinen wilden Sturmläufen in Szene. Aber es zeigten sich auch die Schwächen, die Milan in der Meisterschaft limitierten: Schewtschenko, nur noch ein bleicher Schatten des früheren Goalgetters gleichen Namens, traf aus drei Metern das Tor nicht, Inzaghi konnte sich den Anlaufraum nicht selber schaffen. Und Inter hatte ausserordentlich Mühe, über die Distanz zu kommen. Milan-Trainer Ancelotti ersetzte Hand- und Fusswerk durch südamerikanische Ballkunst: Redondo, der fast vergessene einstige Real-Regisseur, für Gattuso, Serginho für Brocchi, Rivaldo für Schewtschenko. Die Idee war eher ein später Verzweiflungsschlag, aber das Bollwerk des Inter- Trainers Cúper mit dem wieder hervorragenden Torhüter Toldo hielt stand.“

Real Madrid – Juventus Turin 2:1

Knallharte Pragmatiker

Die NZZ (8.5.) zollt dem Turiner Auftritt Respekt. „Mit straffer Leine erstickten die Piemontesen über weite Strecken Spielfreude und zunehmend auch Unternehmungslust der Spanier, blieben ihrer Taktik treu, die Catenaccio zu nennen allerdings ein Unding wäre. Denn die Turiner sind zwar durchaus knallharte Pragmatiker, aber dies allein garantiert in dieser Phase der Champions League keine Erfolge mehr. So zauberhaft Zidane, Figo und Ronaldo am Dienstag die Fussball-Ästheten bezirzen wollten, so resolut packten die taktisch ausgebufften Italiener gegen einen irritierten Matador in der Corrida zu Bernabeu ihre Chance. So wie das vor zwei Jahren noch viel extremer Bayern München mit defensivem „Anti-Fussball“ getan hatte, ohne dabei in Europa sogleich einen Schrei der Empörung ausgelöst zu haben. Die herausragende Qualität des alten und neuen italienischen Meisters war auch international sein Kämpfertum, der Charakter, die Hoffnung bis zum Schluss, aber auch der Zusammenhalt, das oft blinde Verständnis in allen Reihen, die Ausgeglichenheit in jedem Sektor, auch in Absentia von Davids, Montero und Tacchinardi. Taktik ist ohnehin ein Reizwort im modernen Fussball. Für viele Zuschauer steht es für den Versuch, ihnen einen schönen, offenen Schlagabtausch auf dem Spielfeld vorzuenthalten, für die Kunst, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel zu erreichen. Trainer reagieren auf die Frage nach ihrer Taktik dagegen oft gereizt, rührt sie an den letzten Geheimnissen ihres Einflusses, ist es doch auch die Frage nach List und Tücke in der Strategie.“

Allegro ma non troppo

Walter Haubrich (FAZ 8.5.) sah durchsetzungsschwache Madrilenen. „Allegro ma non troppo, schrieb die Madrider Sporttageszeitung AS auf italienisch in breiten Lettern über ihre Titelseite. Und mit froh, wenn auch nicht so sehr läßt sich auch die Stimmung der Madrider Spieler und Fans definieren. Sie sind froh, weil Roberto Carlos mit einem genauen, einem harten Schuß von der Strafraumecke aus den italienischen Torwart Buffon doch noch bezwang, nachdem es zuvor dank der in zwei Reihen gut gestaffelten und sicheren Abwehr von Juventus lange nach einem Unentschieden ausgesehen hatte. In Turin wird der wegen einer Blinddarmoperation schon in Manchester wie jetzt im Hinspiel gegen Juventus fehlende Raúl wieder dabeisein. Das stimmt die Madrider Fans hoffnungsvoll. Raúl, so ist überall zu hören, hätte mit seiner Geschicklichkeit im Strafraum eine der vielen Torchancen, die Helguera, Portillo und Solari in den letzten zehn Minuten vergaben, wahrscheinlich genützt. Doch in Turin wird sehr wahrscheinlich Ronaldo fehlen; der Brasilianer hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit wegen eines Muskelfaserrisses ausgewechselt werden müssen. Er konnte von dem nervösen Nachwuchsspieler Portillo nur unzureichend ersetzt werden. In der letzten Viertelstunde, als Real Madrid sich wieder gefangen hatte und, von Zinedine Zidane angetrieben und dirigiert, noch offensiver als am Anfang spielte, zeigte es sich wieder, wie schwer es ist, gegen italienische Spitzenteams Tore zu erzielen. Wo immer die zahlreichen Abpraller vor dem Juventus-Tor herkamen und hinrollten – es stand ein italienischer Verteidiger an der richtigen Stelle, um den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern. Der Madrider Anhang dachte mit Sehnsucht an Manchester United zurück, denn die Briten spielen und lassen den Gegner spielen. So wurde das Duell mit Juventus zwar zu einem guten und spannenden Spiel, es erreichte aber nicht die Klasse der beiden Viertelfinalspiele zwischen Real Madrid und Manchester United mit ihren elf Toren.“

Während zwei Rivalen von Weltklasse die Orientierung verlieren

Peter Burghardt (SZ 8.5.) schreibt. „Es war ja der Abend des Zinédine Zidane, der gegen seinen vormaligen Arbeitgeber zeigen wollte, dass sich der Wechsel im Sommer 2001 gelohnt hat. Nie durfte der Franzose so Artist sein wie bei seinem neuen Klub, der ihm vernünftigerweise alle Freiheiten lässt – vermutlich ist Zidane eine der größten Attraktionen, die Real Madrid je hatte, und Real Madrid hatte schon sehr viele Attraktionen. Kein anderer dreht sich in vollem Lauf mit dem Ball am Fuß um die eigene Achse und streichelt die Kugel mit der Sohle, während zwei Rivalen von Weltklasse die Orientierung verlieren. Ihn überraschte die Turiner Gegenwehr am allerwenigsten. „Juventus hat das Spiel gemacht, dass ich erwartet hatte“, berichtete Zidane; schließlich hatte er selbst mit der Philosophie der Sicherheit lange genug zurechtkommen müssen. Hinten wachten in der Regel sechs Abwehrkräfte, vorne warteten die Stürmer auf die seltenen Gelegenheiten, Landsmann David Trezeguet nützte eine davon Sekunden vor der Halbzeitpause zum Ausgleich.“

Thilo Schäfer (FTD 8.5.) berichtet das Lob für die spanische Abwehr. „Während die Angriffsabteilung um Zinedine Zidane ausgiebig mit den Reportern plauderte, zog Hierro mit versteinerter Miene vorüber. Die Mängel des 34-jährigen früheren Nationalspielers standen nicht zum ersten Mal zur Diskussion. Doch letzten Samstag hatte es erstmals Pfiffe von den eigenen Anhängern für den Kapitän gehagelt. Im Spiel gegen Juventus waren daher alle Blicke auf den Abwehrchef gerichtet. Pfiffe blieben aus, aber der Szenenapplaus für Hierro hielt sich in Grenzen. „Hierro hat seine Bewährungsprobe mit guter Note bestanden“, urteilte die Sportzeitung Marca. Für Reals Präsidenten Florentino Pérez ist die Diskussion um das Oberhaupt der Mannschaft beendet: „Hierro ist einer der besten Verteidiger der Welt. Wir werden seinen Vertrag verlängern“, erklärte er nach dem Spiel. Dabei war man in Madrid zuvor ob der spärlichen, doch enorm effizienten Angriffe der Italiener voller Sorge. „Mir würde es schon reichen, wenn wir heute kein Tor kassieren“, sagte Valdano. Reals Trainer Vicente del Bosque gab dann auch für das Rückspiel am kommenden Mittwoch die Devise aus, möglichst keinen Gegentreffer zuzulassen. Hat der Erfolg des italienischen Defensivfußballs, der in Spanien so verpönt ist, nun etwa die Königlichen angesteckt? Im Vergleich zum Feuerwerk in den Viertelfinalbegegnungen gegen Manchester United blieb die Partie gegen Juventus eher blass.“

Paul Newman gegen Obelix

Ralf Itzel (BLZ 8.5.) erkennt Unterschiede. „Eigentlich müssten die beiden Trainer die Mannschaften tauschen, das würde besser passen. Hier der Turiner Coach Marcello Lippi, der Paul Newman des Fußballs: Das Haar weiß und voll, die Haut gebräunt, die Brille goldumrandet. Federnden Schrittes nimmt der 55-Jährige nach der Niederlage die Stufen zum Podest für die Pressekonferenz, in sportlichen, beigefarbenen Wildlederschuhen, die er zum dunklen Anzug trägt, der maßgeschneidert den drahtigen Körper umhüllt. Dort Vicente del Bosque (53), den die Spieler intern Obelix nennen: Vier Büschel Haare, eins oben auf dem Kopf, eins über jedem Ohr, eins unter der Nase über dem Doppelkinn, das bis zum Krawattenknoten hängt. Er kommt in ausgelatschten Tretern. So macht Juventus Turin gegen Real Madrid zumindest im äußerlichen Vergleich der Betreuer etwas an Eleganz und Ästhetik wett, die den Fußballern fehlen. Neben Zidane und Figo wirken selbst del Piero oder Nedved gewöhnlich.“

(7.5.)

Die NZZ (7.5.) berichtet den 2:1-Sieg Reals über Juve. „Real hatte zwar im Vergleich mit dem Rückschlag in der Meisterschaft offensichtlich den Chip gewechselt. Die Heimequipe trat selbstbewusst oder schlicht als Hausherr auf. Doch die Taktik der Madrilenen, das 4:2:2:2-System, war auch diesmal primär der Inspiration der Stars (mit Zidane in Glanzform) untergeordnet, die sich allerdings zuweilen auf den Füssen standen und vor allem im Zentrum eine gute Raumaufteilung verhinderten. Positiv ausgedrückt, könnte man auch von kreativer Anarchie sprechen. Die Madrilenen machten zwar von Beginn weg den stärkeren Eindruck, schnürten mit genauem Passing den Gegner in dessen Platzhälfte ein, liessen ihn auch über den resoluten Zweikampf kaum einmal ins Spiel kommen, blieben aber im dichten Abwehrzentrum meist am Scharnier Thuram/Ferrara hängen. Es bedurfte jedenfalls der Inspiration von Morientes und Ronaldo, dass der hohe Offensivaufwand schliesslich Mitte der ersten Halbzeit auch belohnt wurde – der Brasilianer schloss das Doppelpassspiel erfolgreich ab. Und es war auch weiterhin seitens der Piemonteser viel Aufmerksamkeit und Disziplin nötig, um die Techniker und Künstler in ihren blütenweissen Dresses an der Entfaltung ihrer ebenso angestrengten Arbeit zu stören beziehungsweise zu hindern. Was auf der Basis dieser hervorragend beherrschten Selbstkontrolle und Abgebrühtheit zustande kam, war ein Muster an wirkungsvoller Defensivleistung. Darob mag zwar kein Liebhaber des Fussballs ins Schwärmen einstimmen, doch es stand an diesem kühlen, regnerischen Abend mehr auf dem Spiel als nur ein Schönheitspreis. Der Absicht, möglichst nicht überfahren zu werden, ordneten die Turiner in disziplinierter Selbstbeschränkung alles unter. Fast alles. Denn während sich der Titelhalter offenbar zu wenig gut vorbereitet in diesem „Catenaccio“, wie die spanischen Medien respektlos die Einstellung der Turiner nannten, verfingen, fanden die Italiener plötzlich den Mut, die «Effizienz» der gegnerischen Abwehr ebenfalls sporadisch zu testen. Durchaus mit Erfolg.“

Mailänder Ekstase

Vor dem zweiten Halbfinalhinspiel blickt Dirk Schümer (FAZ 7.5.) in Mailänder Vereinschroniken. „Das innerstädtische Derby könnte man auf den ersten Blick für eine der langweiligsten Begegnungen im internationalen Fußball halten; schließlich treten die Nachbarklubs, die sich auch noch dasselbe Stadion in der Vorstadt San Siro teilen, seit 95 Jahren gegeneinander an. Mit ermüdender Regelmäßigkeit in der Meisterschaft, im Pokal, in Privatspielen – im Königreich Italien, unter Mussolini, während zweier Weltkriege bis heute, da Italiens Ministerpräsident Berlusconi in Personalunion Inhaber des AC Mailand ist. Doch was als endloses Dinner for two jenseits der Mailänder Stadtgrenzen die Leute eher langweilt, versetzt die Tifosi von Mailand jedesmal aufs neue in Ekstase. Gibt es doch an diesem Mittwoch abend eine wirkliche Neuerung: das Aufeinandertreffen der beiden reichen Spitzenvereine im Halbfinale der Champions League. Einen solchen Stadtvergleich unter den besten vier gab es in Europas Eliteliga noch nie – ein Grund mehr für Selbstbewußtsein und Stolz bei den Mailändern, die mit ihrer Wirtschaftsmetropole im Rest Italiens sowieso schon als arrogant und arbeitswütig verschrien sind. Beide Klubs zählen mit ihrer langen Erfolgsgeschichte zu den professionellsten Vereinen nicht nur jenseits der Alpen, sondern in ganz Europa. Nicht nur die Vereinsfarben, rotschwarz bei Milan, blauschwarz bei Inter, ähneln sich für Außenstehende. Internazionale Mailand, so der volle Name, ist sogar eine Abspaltung des 1899 gegründeten, feinen Traditionsvereins AC. Weil er dort eine Beschränkung ausländischer Spieler nicht hinnehmen wollte, öffnete der Maler Giorgio Muggiani seinen neuen Verein für die internationale, insonderheit argentinische Sportlerschaft und wurde bereits 1910, zwei Jahre nach der Gründung, Landesmeister. Insgesamt dreißigmal durfte sich einer der beiden Mailänder Klubs mit dem begehrten Scudetto, dem Meisterwappen, schmücken. Während Inters Glanzzeiten Anfang der sechziger Jahre prägte der eisenharte Argentinier Helenio Herrera den zynischen Defensivstil des Catenaccio, danach konnten die Schwarzblauen nur noch einmal, nämlich 1989 mit den Deutschen Matthäus und Brehme, eine Meisterschaft bejubeln. Seither wartet man so sehnlich wie vergeblich auf einen nationalen Titel, für den der Präsident, der Ölmilliardär Moratti, bereits eine Viertelmilliarde Euro in den Sand gesetzt hat. Der AC Mailand hingegen wurde von 1992 bis 1996 unter Präsident Berlusconi und Trainer Arrigo Sacchi mit dem Angriffsfußball der holländischen Stars Gullit, Rijkaard und van Basten zu Italiens und Europas bestem Team.“

Interessenskonflikte

Birgit Schönau (SZ 7.5.) schreibt zu diesem Spiel. „Wenig stört den Enthusiasmus der Tifosi, dass das Ausland kritisch, gar hämisch nach Italien blickt, und den diesjährigen Erfolg in der Königsklasse aus mehr oder minder berufenem Mund als Triumph des Destruktiven bemäkelt. Es geht nur um den Sieg. Kein Mensch kümmert sich um fußballtheoretisches Geplänkel, stattdessen packt selbst ein pragmatischer Charakter wie Carlo Ancelotti abergläubische Riten aus. Anstatt im edlen Trainingszentrum von Milanello trainierte Milan im Meazza-Stadion hinter verschlossenen Türen. Weil das gegen Ajax Amsterdam ja schließlich auch Glück gebracht hatte. Der Presidentissimo stieg in den Ring und gewährte der Gazzetta dello Sport ein Exklusivinterview. So präsentierte die meistgelesene Tageszeitung des Landes einen siegessicheren und fußballbegeisterten Regierungchef ausgerechnet an dem Tag, an dem alle anderen Blätter Schlagzeilen aus einem Mailänder Gerichtssaal brachten, in dem Berlusconi die Anklagebank drücken musste. Und die Bilder verwischten sich. Eben noch wand sich der Premier vor Gericht (Anklage: Richterbestechung), dann regierte er ein wenig in Rom, um pünktlich zum Galaabend seines Klubs in die Ehrenloge von San Siro einzufliegen. Und Milan gewinnen zu sehen, natürlich. Aber nicht um jeden Preis: „Ich würde nur einen Sieg durch schönes Spiel unterschreiben. Milans Mission ist Fußball auf hohem Niveau.“ Rivaldo oder Schewtschenko? „Das überlasse ich natürlich dem Trainer.“ Natürlich. Staatsmännisch fügte Berlusconi aber hinzu, er wünsche nichts sehnlicher als ein rein italienisches Finale, „und wenn es gar nicht anders geht drücke ich auch Inter absolut die Daumen“. Das sind Interessenskonflikte, die die Milan-Tifosi um keinen Preis mit ihrem Präsidenten teilen wollen. Traditionell politisch eher links stehend – der AC Mailand ist der volkstümliche, Inter der bürgerliche Klub –, haben die Milan-Ultras Berlusconi mehr als einmal angegriffen, weil der reichste Mann Italiens zu wenig in sein Team investiere. Nach der Ankunft von Rui Costa, Inzaghi, Seedorf, Nesta und Rivaldo haben sich die Wogen geglättet. Milan spielte am Anfang seiner Saison den besten Fußball der Liga, auf Europas Bühnen räumte Filippo Inzaghi als Torjäger ab, im Mittelfeld erschien Ausnahmetalent Andrea Pirlo. Es folgte eine nicht zuletzt durch Verletzungsausfälle bedingte Flaute. Dennoch gewann der AC Mailand beide Liga- Derbys und steht im Finale des Italien-Pokals. Von den drei italienischen Halbfinalisten pflegt nur Inter altbackenen Catenaccio, und das liegt am schwachen Mittelfeld der von Hector Cuper trainierten Mannschaft.“

Sammelbecken von Parvenüs und Wichtigtuern

Vincenze Delle Donne (Tsp 7.5.) erklärt die Anziehungskraft von Inter. “Riccardo Muti ist ein Mann, der Emotionen zeigt. Er zeigt sie sogar an einem sehr prominenten Platz. Muti ist Chefdirigent der Mailänder Scala, er arbeitet mit vielen Gesten, er lebt die Musik, die er dirigiert, quasi. Aber die Scala ist sein Job, es sind kontrollierte Emotionen. Aber manchmal werden die Emotionen ein wenig unkontrolliert. Dann leidet Muti einfach. In solchen Momenten denkt er an Inter Mailand, seinen Verein, und wenn das Stadt-Derby Inter gegen AC Mailand ansteht, leidet er ganz besonders. Wer zu Inter hält, der fühlt sich als etwas Besseres. Der betrachtet sich als Teil einer gehobenen, intellektuellen Schicht. Sympathien für Inter hegt auch Nobelpreisträger Dario Fo, der Schriftsteller, weil hinter dem Klub eine weltoffene Philosophie stecke. Inter hatte immer einen internationalen Charakter. Aktuelle Vereinsfunktionäre sind noch immer einstige Fußballidole. Und Inter-Präsident Massimo Moratti macht kein Geheimnis daraus, dass er politisch der Mitte-Links-Opposition nahe steht. Und der AC Mailand? In der Wahrnehmung vieler Beobachter nicht anderes als ein Sammelbecken von Parvenüs und Wichtigtuern aus Wirtschaft und Politik. Der Ministerpräsident ist zugleich Präsident des Vereins. Silvio Berlusconi hat sogar einen Anfeuerungsruf für ein Fußballteam zum Namen seiner politischen Bewegung gemacht: Forza, Italia.“

Drastische Kneipensprache

Ronald Reng (SZ 6.5.) hofft, dass sich italienischer Defensivstil auf Dauer nicht durchsetzen wird. „Jetzt, da er gerade nicht als Fußball-Trainer arbeitet, fürchtet Klaus Toppmöller italienische Mannschaften mehr denn je. Denn Deutschlands Trainer des Jahres 2002 sieht das diesjährige Champions-League-Halbfinale aus der Perspektive eines Kneipenwirts. „Wenn die Italiener spielen, kommt kaum einer, den Fußball wollen die Leute nicht sehen“, sagt Toppmöller, der mit seiner Familie zu Hause in Rivenich an der Mosel Toppis Sportsbar betreibt, mit Fernsehübertragungen von allen großen Wettkämpfen (…) Drei italienische Klubs, die allesamt einen öden Defensivstil bevorzugen, unter den besten Vier – da verfällt Toppmöller selbst in die drastische Kneipensprache: „Wenn sich das durchsetzt, geht der Fußball kaputt.“ Mehr als jeder andere Wettbewerb war die Champions League in den zurückliegenden Jahren der Gradmesser, an dem sich ablesen ließ, wie enorm sich der Fußball entwickelt hat. Nie wurde schneller und besser gespielt – nie anmutiger. Wer etwas gewinnen wollte, musste kreativ und beherzt agieren, so erschien es, Toppmöllers Leverkusen war ein Paradebeispiel. Die erfolgreiche Rückkehr des italienischen Zerstörer-Stils verspottet all jene Trainer, die wie Arsenal Londons Arsène Wenger, Ajax Amsterdams Ronald Koeman oder eben Toppmöller aus Überzeugung die Lehre vom schönen Spiel predigen. Doch es darf sie nicht vom Weg abbringen. Der diesjährige Erfolg des Destruktiven ist nur ein Freak-Ergebnis; die Ausnahme, die es in einer positiven Entwicklung immer wieder geben wird. Denn dass der Fußball mehr denn je ein Geschäft, ein Business, geworden ist, hat ihn auf dem Spielfeld ironischerweise zurück zu seinen Wurzeln gebracht: Das Spielerische steht wieder im Mittelpunkt. Gut möglich, dass am Ende dieser Saison Inter oder Juventus den Hauptpreis des Vereinsfußballs gewinnen, aber das Spiel, das bleiben wird, in den Erinnerungen von hunderttausenden Fans genauso wie im Gehirn von einigen Dutzend Vereinsbesitzern, ist das Viertelfinale zwischen Manchester United und Real Madrid. „Das ging nur Ah! und Oh! bei mir in der Kneipe“, erinnert sich Toppmöller an jene Partie, die im Überfluss die Zauberkraft des Fußballs offenbarte. Je öfter Teams wie Real solche Spiele bieten, desto größer wird der Druck auf andere Spitzenklubs, den Verlockungen des Angriffsfußballs nachzugeben. Am FC Liverpool, FC Valencia oder Bayern München lässt es sich wunderbar erkennen: Gewinnen allein stellt dort die Öffentlichkeit kaum noch zufrieden. Bloß der italienische Fußball bleibt immun gegen die Versuchung des spielerisch Schönen.“

Ein massiver Abwehrblock, der sich drei vorgeschobene Außenseiter leistet

Harald Irnberger(Tsp 6.5.) vergleicht die beiden Kontrahenten. „Die Italiener laufen und kämpfen wie die Berserker, um das Spiel ihrer Gegner zu zerstören. Ihr oberstes Ziel lautet: Nur selbst keinen Treffer hinnehmen. Bei den Spaniern wiederum gilt der Grundsatz: Ball und Gegner laufen lassen. Für sie ist nicht so wichtig, den eigenen Kasten sauber zu halten, als vielmehr selbst möglichst oft zu treffen. Kurzum, zwei Fußballkulturen prallen da aufeinander, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Juventus ist ein massiver Abwehrblock, der sich drei vorgeschobene Außenseiter leistet – gewöhnlich Nedved, Del Piero und Trezeguet. Man lässt den Gegner anrennen, versucht erst gar nicht, die Initiative zu ergreifen, also das Mittelfeld zu besetzen – und spekuliert darauf, durch vereinzelte Partisanenaktionen doch zu dem einen oder anderen Torerfolg zu gelangen. Real Madrid ist ein Angreiferensemble bis hinein in die eigene Abwehr: die Außenverteidiger Michel Salgado und vor allem Roberto Carlos agieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Flügelstürmer. Und ob das Spiel für diese Elf läuft, entscheidet sich vor allem im Mittelfeld. Die Kernfrage lautet stets, ob es gelingt, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und ihn über viele Stationen geduldig zirkulieren zu lassen, bis sich doch einmal eine Lücke in der gegnerischen Abwehr auftut. Ein solches Spiel erfordert: absolute Ballbeherrschung jedes einzelnen Spielers, viel Phantasie und enorme Konzentration.“

Maurer, Betonierer, Zaunkönige

Peter Hartmann (NZZ 6.5.) verteidigt italienische Fußballart. „Die meisten Juve-Spieler kennen Zidane und sein Trickrepertoire aus fünf Jahren gemeinsamer Arbeit – wird Trainer Lippi den Real-Regisseur an die Kette der Manndeckung nehmen? Zidane flüchtete vorletzten Sommer aus dem goldenen italienischen Käfig ins königliche Elysium, und kein Angebot konnte ihn halten. Ronaldo hat sich aus den Umarmungen seines väterlichen Präsidenten Moratti und der italienischen Verteidiger entwunden und stellte den Inter-Trainer Cuper – Brasilianer verachten Argentinier von Haus aus – als teuflischen Schleifer hin. Roberto Carlos ist einst von Inter ausgemustert worden, von Roy Hodgson, der behauptete, dieser Brasilianer mit dem härtesten Schuss der Welt passe nicht in sein System. Sorry, Mister Hodgson, auch Briten können sich irren. Drei unter den letzten vier Mannschaften dieser Champions League sind Italiener. Also Maurer, Betonierer, Zaunkönige. Sie spielen in dieser Fieberwoche aber auch gegen eine Mauer von Vorurteilen wegen zynischer Abnützungstaktik, schnöder Spielverweigerung, knallharten Pragmatismus und irgendwie manipulationsverdächtigen Glücksspiels. Der andere Halbfinal wird im Kolosseum des Catenaccio ausgetragen, in San Siro. In der Meisterschaft gewann Milan beide Male 1:0, begann die Saison mit hinreissendem Fussball, die Medien schwärmten von „Milan Paradiso“, der Besitzer und Ministerpräsident Berlusconi erklärte euphorisch, dies sei „die grösste Milan-Mannschaft überhaupt, besser als die Meisterteams unter Sacchi und Capello“, und erteilte dem Trainer Ancelotti frühzeitig vor den Fernsehkameras die Vertragsverlängerung (…) Über Inter gossen die Medien Häme aus, Trainer Cuper las fast wöchentlich die Nachricht von seiner Entlassung. Aber Inter steht im Halbfinal, wie Milan, und liegt in der Meisterschaft zwei Punkte vor Milan auf Platz zwei. Die Rangierung ist für die Spieler von besonderer Bedeutung: Die Mannschaft im dritten Rang muss in der nächsten Champions League durch die harte Tour der Vorrunde, im Klartext bedeutet das drei Wochen weniger Ferien. In dieser Saison kämpften sich Inter und Milan durch diese Mühle, Juventus als Meister zehrt wahrscheinlich jetzt vom Bonus der längeren Erholungszeit.“

Bei der Audienz des Papstes nicht den Ring geküßt

Walter Haubrich (FAZ 6.5.) porträtiert. “Zinedine Zidane sei nun mal der Mann, der Ordnung in Real Madrids Spiel bringe. Er wisse gut, wann die Angriffe des neunmaligen Europapokalsiegers zu beschleunigen seien und wann das Spiel verlangsamt werden müsse. Er habe die beste Übersicht und spiele von seinem Platz im vorgezogenen Mittelfeld die Sturmspitzen Ronaldo und Raúl besonders genau an. So jedenfalls erklärt der Schriftsteller und redegewandte Generaldirektor von Real Madrid, Jorge Valdano, die wichtigste Aufgabe des teuersten und wertvollsten Fußballspielers der Welt. 75 Millionen Euro hatte Real Madrid vor knapp zwei Jahren für Zidane an Juventus Turin gezahlt. An diesem Dienstag gibt es für den Franzosen ein Wiedersehen auf hohem Niveau: Dann begegnen sich Real und Juventus im Halbfinalhinspiel der Champions League im Bernabéustadion (…) Zidane möchte zu einem solchen Sieg gegen seine frühere Mannschaft viel beitragen; er hat in den fünf Jahren in Turin nicht immer gute Zeiten erlebt; der italienische Defensivfußball, sagt er, habe seine spielerischen Möglichkeiten eingeschränkt. Auf der anderen Seite ist die jetzige Mannschaft mit dem Tschechen Pavel Nedved als Inbegriff eines Kämpfers und Künstlers zugleich eher stärker als zu Zidanes Zeiten bei Juve einzuschätzen. In Madrid gefällt es dem wohl besten Regisseur des Weltfußballs. Seine Frau ist eine in Frankreich aufgewachsene Tochter spanischer Zuwanderer. Seine eigenen Eltern kamen aus Algerien nach Frankreich. Zidane ist Muslim; bei der Audienz des Papstes für die Spieler von Real Madrid küßte er dem Papst nicht den Ring. Zidane lehnt aber die fanatischen Tendenzen im Islam ab und hat Aufrufe gegen Le Pen und die extreme Rechte Frankreichs unterzeichnet. Gegenüber Fremden ist Zidane im Zweifel schüchtern, bei seinen Madrider Nachbarn, zu denen auch sein Mannschaftskamerad Raúl gehört, ist er dagegen beliebt. Der 30 Jahre alte Franzose ist immer bereit, den jungen Leuten in der Mannschaft Ratschläge zu geben; er will aber keine Führungsrolle in der Mannschaft außerhalb des Spielfeldes übernehmen. Das überläßt er Mannschaftskapitän Hierro, Raúl und Roberto Carlos.“

Wenn sie nicht pfeifen, haben sie den Mund voll

Ralf Itzel (FTD 6.5.) auch. “Zidane empfindet Hochachtung für den alten Klub, das ja. Aber es ist keine Zuneigung. Damals, als er nach dem verlorenen Uefa-Cup-Finale gegen Bayern München Girondins Bordeaux verließ, war Juve sein Traumverein, und noch heute hält er ihn für Italiens beste Adresse. Doch die Bilanz nach seinem Abschied klang weniger begeistert: Ich habe Juve fünf Jahre meines Lebens gegeben und ich denke, dass ich meine Schuldigkeit getan habe. Die große Liebe ist es nie gewesen. Kein Vergleich zum Verhältnis, das Landsmann Michel Platini in den 80er-Jahren zur so genannten Vecchia Signora, zur alten Dame Juventus, pflegte. Der Spielmacher mit den italienischen Wurzeln integrierte sich ins Turiner Gesellschaftsleben, während sich der mit den algerischen ihm entzog. Und auf dem Rasen erzielte Platini mehr wichtige Tore: Einer seiner Treffer brachte 1985 gegen Liverpool den ersten von zwei Europapokalen der Landesmeister. Zidanes Zeit dagegen ist mit zwei verlorenen Champions-League-Endspielen verbunden: 1997 in München gegen Borussia Dortmund und 1998 in Amsterdam gegen Real Madrid, damals gecoacht von Jupp Heynckes. Die Niederlage muss ihn so geschmerzt haben, dass er sie aus dem Gedächtnis tilgte: Einmal versicherte er in einem Interview, nie gegen Real Madrid gespielt zu haben. In Turin raunten sie einst, Zidane sei großen Finals nicht gewachsen. Zidane, ein Verlierer? Den Gegenbeweis konnte er nur mit der Nationalelf führen, nie mit Juve (…) Im Bernabeu-Stadion wird er verehrt. Wenn sie nicht pfeifen, haben sie den Mund voll, sagte der ungarische Ausnahmespieler Puskas einst über die verwöhnten Madrider Fans. Bei Zidanes Aktionen bleibt ihnen der Mund meist offen. Anders als bei Juve ist Zidane freigestellt von Abwehraufgaben; so überstrahlt seine Brillanz alles und jeden. Das blütenweiße Trikot Reals steht ihm besser als das von Juve. Das hat zwar auch die Grundfarbe Weiß, aber darüber einige – für Zidane zu viele – schwarze Streifen.“

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Die kroatische Presse

Die kroatische Presse (Vecernji List), gerne vom Misserfolg und den miserablen Spielen der eigenen Mannschaft ablenkend, charakterisiert das erste Achtelfinalspiel als die bislang schlechteste Partie der ganzen WM: „Ein unförmiges deutsches Team bezwingt Paraguay und dessen einzigen Spielmacher, den Torhüter Chilavert, der für die Flanken der Südamerikaner zuständig war. Die weltweit zuschauenden Fußballfans befürchteten sogar eine Verlängerung. Die Erlösung brachte jedoch Oliver Neuville, der in der 88. Minute das einzige Tor der Begegnung erzielte. Deutschland ist somit in seinem 13. Viertelfinale. Das letzte Mal, bei dem Deutschland nicht im Viertelfinale spielte, war 1950. Seit 48 Jahren zählt die deutsche Elf somit zu den acht weltbesten Teams, bei den letzten beiden Weltmeisterschaften blieb es allerdings dabei: Auch in Japan und Südkorea wird dieser Erfolg wohl kaum ein Grund, stolz auf die Mannschaft zu sein.“

Aurélie Sicard in Libération über das Achtelfinale Deutschland gegen Paraguay. „Deutschland entwischt der paraguayischen Falle. Obgleich sich der Sieg der Deutschen lange abgezeichnet hat, benötigten sie einen Fehler der paraguayischen Abwehr, um das goldene Tor erzielen zu können. Die Gefährlichkeit der Südamerikaner liegt darin, dass sie ihre Gegner einzuschläfern wissen, was ihnen einmal mehr gelang. Deutschland hatte nur seltene Tormöglichkeiten und bereitete Chilavert kaum ernsthafte Sorgen. Aber die Deutschen wären nicht die Deutschen, wenn sie nicht ganz zum Schluss gewinnen würden. Dies haben sie vor allem dem Mann des Spiels zu verdanken: Oliver Neuville, der sich auf dem ganzen Terrain bewegte und am Ende für seinen Fleiß belohnt worden ist. Die deutsche Mannschaft, die dennoch negativ gesehen einem Sterbenden und positiv einem Rekonvaleszenten gleichkommt, wird nun am Freitag im Viertelfinale gegen Mexiko oder die USA spielen.“

Louis Rigal in Le Monde (14.6.) über die herausragenden Sympathiewerte Rudi Völlers. „Als Spieler ist Rudi Völler bei den Fans äußerst beliebt gewesen, was nicht zuletzt seinem Äußeren zuzuschreiben ist. Sein aus der Mode gekommener Look und insbesondere sein berühmtes gekräuseltes Haar, vorne kurz und hinten lang, das er mit der Koketterie einer alten Dame beibehalten hat, trug ihm den liebevollen Spitznamen „Tante Kãth“ ein.“

Gewinnspiel für Experten

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Am Ende siegt das alte Geld und der alte Biß

Bayern siegt, die Presse freut sich nicht über „Herz zerreißend schlechten Fußball“ (FTD) und „beklagenswert langweiligen Sicherheitsfußball“ (FAZ) – VfB Stuttgart zu harmlos – Werder Bremen besteht Reifeprüfung dank „hanseatischem Neorealismus“ (SZ) – VfL Bochum, die Nummer Eins an der Ruhr – auch Andreas Thom bringt Hertha BSC Berlin kein Glück und Geschick – Falko Götz, der „Mini-Magath“ (BLZ) – Klaus Toppmöller legt seine Romantik ab u.v.m.

Bayern München – VfB Stuttgart 1:0

Am Ende siegt das alte Geld und der alte Biß

Michael Horeni (FAZ 15.12.) klagt: “Der bayerische Fußball-Katechismus lehrt zwei Wahrheiten. Erstens: Münchner Erfolge sind immer verdient. Zweitens: Wer etwas anderes behauptet, ist neidisch. So haben nun zwei mickrige 1:0-Erfolge genügt, um die Bundesliga mal wieder zu ihrem Lieblingsthema zu führen: die Dusel-Bayern. Und die Dusel-Bayern wiederum zu ihrem Lieblingsthema: die Neid-Gesellschaft. Beides zusammen ist der ideale Stoff, aus dem Provokationen und Spekulationen über den Jahreswechsel hinaus gemacht werden. Drei Tage also nachdem der Rekordmeister gegen Anderlecht gerade so über die europäischen Runden kam, siegten die Münchner wiederum mit dem italienischsten aller Siege gegen die jugendlichen Stuttgarter und fühlen sich schon fast wieder wie ein erfolgreicher Titelverteidiger – und vermutlich glaubt’s auch schon die Konkurrenz. Denn es ist die alte deutsche Fußball-Geschichte, die sich nach dem Wunsch des Rekordmeisters wiederholen soll. Die aufstrebende, mutige, dynamische, in der Not zusammengestellte und sich gegenseitig stärkende Gemeinschaft stößt an ihre Grenzen bei einem reichen, vermeintlich satten und lustlosen Seriensieger – die Niederlage im Duell der Ungleichen ist dazu noch unglücklich, denn die spielerisch stärkere Mannschaft verliert. Am Ende also – so kennen wir das seit Jahrzehnten – siegt eben doch das alte Geld und der alte Biß.“

Kleinkariert und gar nicht weltmännisch

Michael Ashelm (FAS 14.12.) kritisiert die Offiziellen des FC Bayern: „Der einzige deutsche Verein, der derzeit von sich behaupten kann, alle Voraussetzungen für ein Premiumprodukt der internationalen Branche zu erfüllen, steckt in einem Dilemma, wofür noch nicht einmal der unmittelbare Spielbetrieb alleinige Verantwortung trägt. Hoeneß ist nicht umhingekommen, das nun zum Ende des Jahres einzugestehen. Um zu alter Stärke zurückzufinden, müsse man jeden Stein des Vereins aufheben und drunterschauen, kündigte der Manager an. Das Defizit ist also erkannt, nun geht es über zur Ursachenforschung. Der Eindruck hat sich schon verstärkt, daß nicht nur die Einheit zwischen Trainer und Mannschaft einer genauen Analyse bedarf. Auch das mittelmäßige Wirken außerhalb des Platzes hat sich auf das Spiel in der Arena übertragen. Auf dem Rasen sieht man unsichere junge Männer, die nicht gut sein können, weil ihnen das Selbstbewußtsein fehlt. Die First-Class-Kicker der Bayern sind unfähig, ihre Leistung abzurufen, was nicht heißt, daß das eine oder andere Mal noch mal ein launiges Spitzenergebnis zustande kommt. Der FC Bayern steht für einen hochprofessionell geführten Klub, worauf sich auch die von überall her engagierten Spieler verlassen haben. Doch es scheint, als habe das Grundvertrauen in den Arbeitgeber zuletzt gelitten. Die Einheit der Bayern leidet, und die Verantwortlichen reagieren dünnhäutig auf die Kritik ihrer Kritiker. Das wirkt kleinkariert und gar nicht weltmännisch, wie sich der FC Bayern eigentlich gerne sehen würde.“

Hauptverwaltung für Zauderei und Bewegungsarmut

Beim Siegtor empfindet Philipp Selldorf (SZ 15.12.) das „rational nicht mehr fassbare Glück, das den FC Bayern ereilt. Die Hinserie, in der die Münchner Meistermannschaft überwiegend miserablen, freudlosen Fußball geboten hatte, fand in jenem Moment ihre paradoxe Erfüllung. Was für ein plastisches Bild ihrer Krise sie wieder vorgeführt hatten: Bis zu jenem magischen Augenblick boten die Münchner noch mal ein Potpourri all der individuellen und strategischen Unzulänglichkeiten, die sie in loser, aber regelmäßiger Folge seit dem Saisonstart ihren Anhängern zumuten. Schwerfälliger wirkten die Anstrengungen, besonders die Mittelfeldreihen bildeten einen krassen Kontrast. Hier die unbeschwerten, von großen Ideen inspirierten Heldt und Hleb, dort die Münchner Hauptverwaltung für Zauderei und Bewegungsarmut. Als zentrale Figur eines statischen und einfallslosen Spielaufbaus musste sich vor allem der unglückliche Regisseur Ballack wütende Pfiffe des – herzlosen – Münchner Publikums anhören. Hargreaves und Salihamidzic, seine nicht minder konfusen Nebenmänner im Mittelfeld, leisteten allerdings ebenfalls keinen vernünftigen Beitrag, um die Stürmerflotte mit Pizarro, Makaay und Santa Cruz in Stellung zu bringen. Bis das 1:0 vom Himmel fiel, gelang den Münchnern nur ein einziger ernsthafter Torschuss. Sammy Kuffour, der beste Münchner Feldspieler, fand später für das böse Spiel die passenden Worte: „Wir sind der FC Bayern, wir müssen auch Fußball spielen. Immer nur von hinten lang nach vorn, das geht nicht.“ Trotzdem brachte genau dieses traurige Schema den Sieg für die Bayern. Einer der 100 000 Verzweiflungsabschläge, die Oliver Kahn in dieser Saison blindlings nach vorn gehauen hat, erreichte dank eines Fehlers des Stuttgarters Meira den eigentlich deplatziert herumstreunenden Angreifer Roy Makaay. Prompt traf der Niederländer ins Tor.“

Elisabeth Schlammerl (FAZ 15.12.) gratuliert Uli Hoeneß zur Verpflichtung Roy Makaays: „Die Verpflichtung des Stürmers, der im August für knapp 19 Millionen Euro Ablöse von Deportivo La Coruña nach München wechselte, hat sich für den deutschen Rekordmeister fast schon amortisiert. Allerdings ist Makaay keiner, der sich gerne in den Mittelpunkt rückt. Ohne mich würden die Bayern auch oben stehen, sagt er. Wenn sie mich nicht geholt hätten, hätten sie einen anderen geholt. Oder Giovane Elber behalten. Makaay haben sie zwar in erster Linie zu verdanken, daß sie noch in allen drei Wettbewerben aussichtsreich vertreten sind, aber so grotesk es klingt: Womöglich ist der Holländer auch dafür verantwortlich, daß die Bayern zuletzt nicht einmal mehr eine Spur von Glanz verbreitet haben. Seine Integration hat der Mannschaft Schwierigkeiten bereitet, sein schnörkelloses Spiel läßt nicht viele Variationsmöglichkeiten. Es bedarf stets vieler Versuche, ehe ein Zusammenspiel gelingt. Gegen Stuttgart kam Makaay bis zur 76. Minute kaum einmal an den Ball. Den Treffer hat dann auch kein Feldspieler, sondern Torhüter Oliver Kahn mit einem weiten Abschlag vorbereitet.“

Bleiern München

Oliver Thomas Domzalski (taz 15.12.) schaut zurück und nach vorne: “Im August konnten sie vor Kraft kaum laufen und sahen sich als kommenden Champions-League-Sieger. Jetzt sieht ihr Gang zwar immer noch so aus, aber das liegt daran, dass sie seit der Auslosung des Achtelfinals zumindest die Europacup-Hosen gestrichen voll haben. So viele CeREALien können sie bis Februar gar nicht fressen, damit aus Bleiern München wieder Bayern München wird. Und das muss der Liga Sorgen bereiten, denn eine Bayern-Mannschaft, die im Februar und März gleich zweimal Abschied feiern muss – am Tivoli und im Bernabeu – wird unbekümmert nach der Meisterschale greifen. Zumal die beiden letzten Spieltage der Saison wie geschaffen sind für die Lederhosen, die auf nationaler Ebene ja in puncto Nervenkostüm und Dusel allen anderen überlegen sind.“

Andreas Burkert (SZ 15.12.) fühlt mit: “Man musste die Stuttgarter Depression verstehen nach dem 0:1 in München, denn wirklich nichts hatte 75 Minuten lang auf eine Niederlage hingedeutet. Abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass es sich um ein Fußballspiel handelte. Fußball ist manchmal sehr ungerecht. 75 Minuten lang hatte der VfB die Bayern: beherrscht, kontrolliert, dominiert. Mit einer ziemlich simplen Idee: Stuttgart spielte Fußball. Der VfB zeigte all das, was die Bayern offenbar erst nächstes Jahr wieder zeigen wollen: Doppelpässe, mutige Antritte, Ballsicherheit. Und ihre Defensive funktionierte lange fehlerfrei. Dass ihnen mit Bordon und Soldo die Stützen fehlten, ignorierten sie einfach. So gefiel der VfB 75 Minuten.“

In den Mund von Uli Hoeneß passt nichts mehr rein: „Wir haben gestern kein Glück gehabt, Stuttgart hat nur optisch besser gespielt. Aber: Ein Torwart gehört auch dazu, unserer heißt Oliver Kahn und der ist der beste auf der Welt. Und wenn sich die Stuttgarter allein vor ihm in die Hose machen, können wir auch nix dafür.“

OF: Selber, selber! Wenn jemand Angstfussball gespielt hat, dann sind es die zehn Roten gewesen, die sich vor dem eigenen Strafraum postiert haben. Warum ist diese banale Antwort keinem Journalisten eingefallen? Hoeneß hat im „DSF-Doppelpass“ von den Saalzuschauern für diese Bemerkung viel Applaus erhalten. Das DSF beteuert und versichert, es handle sich nicht um Claqueure.

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:3

Sehr lesenswert! Jörg Stratmann (FAZ 15.12.) schildert perfektes Leverkusens Management: „Die Arbeitsgemeinschaft Stimmung der engsten Anhänger des Fußballklubs Bayer 04 Leverkusen hatte sich wieder etwas einfallen lassen. Nach dem ebenso leb- wie torlosen Auftritt ihres Lieblingsklubs in Köln hielten sie den Spielern von der Nordtribüne der BayArena aus auf großen Plakaten entgegen, was wie das Ergebnis eines Brainstormings zum Thema Die ideale Mannschaft wirkte. Gut gemeint, aber der anrührende Versuch ging nach hinten los. Denn umgekehrt schien sich der Gegner Werder Bremen aus dem Angebot der fast drei Dutzend Begriffe das Passende herauszusuchen, um auf imponierende Weise zu belegen: Genau das sind die Bausteine, die einen Meisterschaftsfavoriten ausmachen. Energie, Maximal, Gewinn, Qualität, Klasse, Kraft, natürlich Einstellung, dazu ein Schuß Angriff und eine kräftige Prise Big Points – schon damit ließe sich aus der Stoffsammlung der Bayer-Fans ein Mosaik legen, das zur Genugtuung vor allem des Bremer Trainers Thomas Schaaf ein Bild zeichnete, das auch die neuen Tabellenführer in dieser Saison noch nicht präsentiert hatten. Daß Werder diesmal auf Samba, Zauber oder Euphorie verzichten konnte, drei weitere Wünsche der Leverkusener Vorweihnachtsliste, machte den Sieg noch eindrucksvoller. Denn die geschlossen, eingespielt und selbstbewußt wirkenden Bremer fügten ihrem Entwurf einer Spitzenmannschaft noch einen Klecks Effizienz hinzu (…) Die Fans der Nordtribüne sollten überlegen, ob sie ihre Plakate Angriff, Freude, Charakter, Ausdauer und vor allem Gloria und 110 Prozent nicht als Weihnachtsgeschenk nach Bremen schicken sollten.“

Hanseatischer Neorealismus

Christoph Biermann (SZ 15.12.) beschreibt die Reifung Werder Bremens: „Irgendwie passte Klaus Allofs die Frage nicht, jedenfalls schaute der Manager von Werder Bremen plötzlich alarmiert und ziemlich misstrauisch drein. So, als wolle er dringend vermeiden, dass seine Mannschaft mit einem neuen Etikett versehen wird. Dabei hatte auch Rudi Völler gesagt, dass Werder „eiskalt“ gespielt hätte, bei fast allen Besuchern hinterließen die Gäste einen kühlen Eindruck. Doch Allofs mochte nicht mit solchen Temperaturen in Verbindung gebracht werden. „Kälte ist auch ein Weg, aber das spektakuläre und schöne Spiel wollen wir nicht aufgeben“, sagte er. Nun ist es erfreulich, dass sich der neue Tabellenführer der Bundesliga einem Konzept von attraktiven Fußball verschrieben hat. Doch der Sieg in Leverkusen hatte genau die Erkennungszeichen, die man gemeinhin Meisterteams unterstellt – deren wichtigstes ist Effektivität. Werder nutzte jede zweite Torchance. Werder schockte den Gegner kurz vor der Pause durch zwei Treffer, die sich durch nichts angekündigt hatten. Werder hielt fast immer die Fäden des Spiels in der Hand. Werder ließ sich auch in Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte für Micoud nicht wirklich aus der Ruhe bringen. „Werder hat das Zeug zum Meister“, addierte Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund zusammen. Besonders wertvoll machte diesen Erfolg, dass er nüchtern erarbeitet war als zauberhaft herausgespielt. Es war ein durchaus ordentliches Spiel, aber eben nicht die erhoffte Offensivparty der beiden potenziell schwungvollsten Bundesligateams. Und es siegte der hanseatische Neorealismus.“

Manfred Amerell (TspaS 14.12.) hält die Rote Karte für Jens Nowotny für angebracht: “Ein Freispruch wäre Quatsch. Jens Nowotny ist seinem Gegenspieler lange hinterhergelaufen, hat ihn eingeholt und dann zu Fall gebracht. Natürlich hat Nowotny den Ball gespielt – aber trotzdem beging er ein Foul. In Regel Nummer zwölf ist festgelegt, was „verbotenes Spiel“ ist. Dazu gehört „fahrlässiger, rücksichtsloser und unverhältnismäßiger Körpereinsatz“. Nowotnys Einsatz war mindestens fahrlässig – deshalb finde ich seine nachträgliche Beschwerde nicht nachvollziehbar. Ich kann doch nicht mit dem rechten Fuß den Ball wegspielen und mit dem linken meinen Gegenspieler umhauen. Besonders wichtig ist: Jens Nowotny hat Angelos Charisteas am Trikot festgehalten. Das muss geahndet werden, besonders wenn damit eine klare Torchance verhindert wird. Allein das ist als Notbremse zu werten und mit einem Platzverweis und einem Elfmeter zu ahnden. Einen Freispruch für Nowotny wird es sicherlich nicht geben.“

VfL Bochum – Eintracht Frankfurt 1:0

Ulrich Hartmann (SZ 15.12.) befasst sich mit Bochumer Sprachbarrieren: „Der Brasilianer Eduardo Goncalves de Oliveira ist weder des Deutschen noch des Englischen mächtig, was eine gewisse Mühe erfordert, wenn man ihm am Rande eines Bundesligaspiels erklären soll, dass er sich nach seiner Einwechslung für die restlichen 17 Minuten primär um die Bewachung des Frankfurter Spielers Sven Günther kümmern möge. Der Assistenztrainer des VfL Bochum, Frank Heinemann, hat diese gestenreiche Instruktion deshalb mit viel Liebe zum Detail vorgenommen, und als der in aller Kürze nur „Edu“ gerufene 22-Jährige dann in der 73. Minute auf das Feld lief, um die ihm aufgetragene Bestimmung gewissenhaft zu erledigen, da wurde fünf Meter weiter der Frankfurter Sven Günther gerade gegen den Spieler Stefan Lexa ausgetauscht. Das war nun irgendwie Pech für Edu Goncalves und Frank Heinemann und den VfL Bochum, denn der junge Brasilianer nahm sich daraufhin nur selten des Spielers Lexa an, sondern irrte stattdessen wie ein junges Reh über das Spielfeld, erstolperte sich durch ein Foul auch noch eine Gelbe Karte und wurde neun Minuten später vom Trainer Peter Neururer wieder ausgewechselt. Neururer fürchtete zu jenem Zeitpunkt mit einiger Berechtigung den Verlust der Bochumer 1:0-Führung, aber weil das Spiel gegen die wagemutigen Frankfurter doch noch mit diesem Ergebnis zu Ende gegangen ist, durfte er die kleine Edu-Episode mit einem Lächeln zum Besten geben. „Es war ein kommunikatives Missverständnis“, sagte Neururer, „und in der Kürze der Zeit konnten wir auch keinen Sprachkurs mehr mit ihm machen.““

Die Nummer eins im Pott sind wir

Richard Leipold (FAZ 15.12.) stellt Bochumer Selbstvertrauen fest: “Lobpreisungen finden zumeist nach dem Schlußpfiff statt. Die Fußballprofis und die Fans des VfL Bochum haben diesen Teil der Veranstaltung ausnahmsweise vorgezogen. Sie feierten sich schon vor dem Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht gegenseitig. Die Spieler entrollten ein Transparent mit der Aufschrift Die Nummer eins im Pott seid ihr. Und die Anhänger gaben singend Antwort: Die Nummer eins im Pott sind wir. Das folgende Fußballspiel paßte nicht ganz zu dieser Selbsteinschätzung, auch wenn der VfL sich Chancen ausrechnet, die großen Revierklubs Dortmund und Schalke für ein Weilchen hinter sich zu lassen. Diese Zielkorrektur ist allerdings nur vorübergehend angelegt. Am Ende der Saison so weit oben zu stehen wie kurz vor der Halbzeit das hält nicht einmal der notorisch zuversichtliche VfL-Trainer Peter Neururer für realistisch – sagt er jedenfalls. Er sehe keinen Anlaß, über den UEFA-Pokal nachzudenken. Nach der mäßigen Leistung im letzten Heimspiel des Jahres gaben die Bochumer sich keiner Illusion hin. Die Frankfurter machten sich zwar um den Realitätssinn des Gegners verdient, verloren den eigenen Vorteil aber aus dem Blick, sobald sich die Möglichkeit bot, Nutzen aus ihrem optisch ansprechenden Spiel zu ziehen. Der Abstiegskandidat ebnete den über Monate gewachsenen Unterschied zum VfL für einen Nachmittag ein, doch vor dem Bochumer Tor fehlte es den Hessen an Fortune und auch an Klasse.“

Hertha BSC Berlin – 1860 München 1:1

Thom war ganz Interimstrainer

Christian Zaschke (SZ 15.12.) kommentiert die Berliner Trainerfage: „Seit sich die Hertha von Huub Stevens verabschiedet hat, leitet Andreas Thom das Training. Auf solche Weise hat an gleicher Stätte Falko Götz seinerzeit auf sich aufmerksam gemacht. Noch heute trauern die Berliner Fans Götz nach, sie begrüßten ihn freundlich. Mit einem überzeugenden Sieg hätte Götz das Sehnen der Berliner noch verstärkt. Andersherum hätte Thom mit einem überzeugenden Sieg als Wiedergänger gelten können: Da ist wieder einer, der als Interimstrainer vorgesehen war und der nun hervorragende Arbeit leistet. Das 1:1 war jedoch derart trostlos, dass es weder dem einen noch dem anderen Trainer zum Ruhme gereichte. Hertha-Manager Dieter Hoeneß sagte: „Wir sind heute auf der Stelle getreten.“ Er hat keine Entwicklung in der Mannschaft gesehen, was daran lag, dass es keine gab. Für Thom dürfte das bedeuten, dass er seine geringe Chance, zum Cheftrainer befördert zu werden, bereits verspielt hat. „Ich bin sehr, sehr traurig“, verriet Thom, und er sah auch sehr traurig aus, wie er neben seinem – trotz unglaublichen Horizontalregens im Stadion bereits wieder akkurat frisierten – Freund auf dem Podium zur Pressekonferenz saß. Götz schaute ruhig und selbstbewusst, er sagte, er könne mit dem 1:1 gut leben. Er war ganz Cheftrainer. Thom redete viel, er sagte wenig, vermutlich weiß er auch nicht, warum diese gut besetzte Mannschaft so schrecklichen Fußball spielt. Er war ganz Interimstrainer.“

Mini-Magath

Christof Kneer (BLZ 15.12.) lobt Falko Götz: “Wenn es stimmt, dass das Leben eine Baustelle ist, dann gibt es vermutlich nirgendwo so viel Leben wie im Berliner Olympiastadion. Dort findet sich die Baustelle in Reinform. Dort spielt die Hertha einen vorbildlich unfertigen Fußball, und sie zieht sich in Kabinen um, die im früheren Leben ein Geräteraum waren. Ziemlich lang geht das schon so, aber es musste erst dieser Sonnabend kommen, um eine nahe liegende Baustellen-Frage aufzuwerfen: Gibt es da unten einen Föhn? Falko Götz hat das nicht so gern, wenn man solche Fragen stellt, aber er wird sie jetzt nicht mehr los. Er hat sie selbst heraufbeschworen. Einen Föhn brauche ich nicht: abtrocken, Gel rein, kämmen – fertig. So lauf ich halt rum, verrät der Trainer des TSV 1860 München auf der Homepage www.falkogoetz.de. Nun sitzt dieser Falko Götz also im Presseraum von Hertha BSC und er führt eine sehr geordnete Frisur mit sich, obwohl er gerade ein ziemlich regnerisches 1:1 hinter sich hat. Föhnt Götz etwa heimlich? Falko Götz hat viele Geheimnisse, und eines davon ist, wie man es schafft, mit einer Elf wie 1860 München deutlich vor Hertha zu stehen. Trotz kleinerer Krisen lässt sich sagen, dass Götz bisher das Beste aus dieser Mannschaft herausgeholt hat. Sie spielt einen beweglichen, klar definierten Konterfußball, und wer einmal die aus dem hölzernen Hoffmann und dem langsamen Costa bestehende Innenverteidigung bei der Arbeit sah, ahnt, dass es eine rechte Kunst sein muss, diese Elf im Mittelfeld einzuquartieren. Wenn nicht alles täuscht, hat Götz in München fürs Erste seine Nische gefunden. Hier kann er reifen und gleichzeitig sein Profil als Mini-Magath schärfen.“

Hamburger SV – SC Freiburg 4:1

Roland Zorn (FAZ 15.12.) vermutet den Einfluss Klaus Toppmöllers: „So wie der HSV das Spiel anging, forsch, aggressiv, selbstbewußt bis in die technischen Einzelheiten, verwöhnten die Profis ihr an Entbehrungen gewöhntes Publikum wie lange nicht. Doch der Zauber der Barbarez, Jarolim und Beinlich währte nur 45 Minuten; es folgte eine kurze Phase der Verunsicherung nach dem Freiburger Anschlußtreffer, ehe die Norddeutschen mit Eifer und Fleiß, wenn auch ohne die Brillanz der ersten Halbzeit, ihren deutlichen Sieg absicherten. Die Mannschaft spielt mutig und mit Selbstvertrauen, beschrieb Beiersdorfer den Unterschied des HSV unter Toppmöller gegenüber dem HSV unter Jara. Dabei will Toppmöller anders als unter dem Bayer-Kreuz diesmal nicht von seinen Spielern geliebt werden. Unverdrossen sucht er zum leisen Ärger seiner deutschen Abwehrspezialisten Reinhardt und Kling – beide gehörten zu den besten Hamburgern – in Brasilien nach einem neuen Verteidiger, der sowohl kicken als auch dazwischenhauen kann. Ich bin der Meinung, daß der HSV auf die Jugend setzen sollte, warb Kling für sich, ich wüßte nicht, wofür wir einen Brasilianer brauchen. Reinhardt bekannte ganz im eigenen Sinne, daß man auch ein paar Leute haben muß, die deutsche Tugenden reinwerfen. All den als Vorweihnachtswünschen getarnten Forderungen hat Toppmöller schon unter der Woche ein für ihn untypisches Basta-Diktum entgegengesetzt: Ich bin der Chef. Tatsächlich, wie beim HSV zur Zeit gespielt wird, bestimmt nur einer: der bekennende Fußball-Romantiker Klaus Toppmöller.“

1. FC Kaiserslautern – FC Schalke 0:2

Jörg Hanau (FR 15.12.) prophezeit Kaiserslautern nicht viel Gutes: „Wie geprügelte Hunde sind sie davon geschlichen. Von der eigenen Fans ausgepfiffen und verhöhnt, suchten die Berufsfußballer des 1. FC Kaiserslautern nach verrichteter Arbeit das Weite und sogleich Schutz in der Feste Betze. Dort waren sie sicher vor dem Geschrei ihrer verärgerten Getreuen von der Westtribüne, nicht aber vor den Worten des Schalker Vorturners Jupp Heynckes, der sich im Pfälzer Nieselregen nassforsch daran machte, die Gastgeber für ihren unermüdlichen Einsatz zu loben. Der Mann mag es gut gemeint haben, als er darüber philosophierte, wie couragiert und aufopferungsvoll die Lauterer gekämpft hätten und dass er keinesfalls die Meinung des Publikums teile. In den Ohren der neutralen Beobachter klangen Heynckes Worte nach der Höchststrafe: Nicht nur, dass der FCK verdient verloren hatte, nein, es gab dafür auch noch Lob von Don Jupp. Starker Tobak.“

Hansa Rostock – 1. FC Köln 1:1

BLZ-Bericht

morgen auf indirekter-freistoss: die Sonntags-Spiele in Wolfsburg und in Mönchengladbach

Europas Fußball vom Wochenende: Ergebnisse, Tabellen, Torschützen, Zuschauer NZZ

Wir bitten um eine Spende für die freistoss-Kasse, und empfehlen Sie uns. Vielen Dank!BankverbindungDeutsche Bundesbank (Filiale Gießen)BLZ: 513 000 00Nr.: 513 015 03Empfänger: indirekter-freistoss – Projekt-Nr. 6000 0208

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77 Quadratmeter große Loge im Stadion an der Stamford Brige

Wer ist Favorit in England? Christian Eichler (FAZ 16.8.). „Roman Empire, Römisches Reich, ist einer der Spottnamen, die Chelsea in Anspielung auf den Vornamen des neuen Bosses erhielt. Reiche Leute, die sich ihr zirzensisches Vergnügen viel kosten lassen, gab es schon im alten Rom. Auch im modernen Fußball ist so etwas gang und gäbe, nicht nur in Amateurligen, wo sich mancher Präsident für sein Schwarzgeld schon schöne Hobbymannschaften geleistet haben soll. In England investierte Jack Walker rund hundert Millionen Pfund in die Blackburn Rovers – die wurden 1995 Meister und stiegen, als die Quelle versiegte, 1999 ab. In Italien spendierte Sergio Cragnotti bei Lazio Rom über 400 Millionen Euro, bis er 2000 ein Meisterteam hatte, das seitdem zerbröckelte, weil der Klub in der vergangenen Saison fast pleite war. Ob es Chelsea ähnlich ergeht? Beim Spiel in Liverpool zum Auftakt der Premier League am Sonntag wird es der normale Fan eher mit dem Rekordmeister als mit der Rubeltruppe halten. Die kleinere Konkurrenz reagierte erfreut auf Chelseas Einkaufstour, weil frisches Geld den Kreislauf wiederbelebte, die größere aber verärgert, weil die Ölmillionen manche Preise verdarben – beinahe auch den des FC Bayern für Roy Makaay, für den Chelsea 21 Millionen Euro bot. Was alle eint, ist die Erleichterung, daß Chelsea die ganz großen Namen wie Raúl oder Henry nicht bekam, also doch etwas zu existieren scheint im Fußball, das nicht käuflich ist; und natürlich die hämische Erwartung der Schwierigkeiten, aus einem auf 26 Fußballstars aufgeblasenen Betrieb ein Team zu formen. Für Spötter heißt der FC Chelsea schon FC Chelski, oder auch FC Cash-flow. Der 36 Jahre alte Abramowitsch, der zugleich Gouverneur der menschenarmen Provinz Tschukotka am Ende Rußlands ist, 14 Flugstunden von London entfernt, wird allein für die Fusion seiner Firma Sibneft mit dem Ölriesen Lukoil mehr als 700 Millionen Euro kassieren. Und weil er bei Chelsea Spaß sucht und die Champions League gewinnen will, dürfte der Klub noch für Überraschungen gut sein. Popstar Robbie Williams hat sich erwartungsfroh eine 77 Quadratmeter große Loge im Stadion an der Stamford Bridge gemietet, zehn Jahre für 14 Millionen Euro. Mit erstklassigem Blick auf das Experiment, ob der sibirische Gegenentwurf zur spanischen Weltauswahl gelingt. Wer so hoch spielt, hat nur zwei Möglichkeiten: Er wird ein zweiter FC Real – oder der erste FC Rubelgrab.“

Raphael Honigstein (taz 16.8.) freut sich auf den Saisonstart. „Heute ist es endlich so weit: Der Rubel, pardon, der Ball rollt wieder in der englischen Premier League. Seit Roman Abramowitsch im Juni mit über 200 Millionen Pfund an Bord seines Privatjets in Heathrow landete, sind die Karten neu gemischt, die Machtverhältnisse auf der Insel neu geordnet. Arsène Wenger, der kluge Fußballprofessor, hatte das ja schon im Sommer 2002 vorhergesagt, auch wenn er damals noch den eigenen FC Arsenal als Hegemonialmacht der kommenden Jahre identifiziert hatte. Dass im Mai doch wieder das unersättliche Manchester United den Titel holte, konnte der Franzose noch gerade verkraften, doch diese Saison wird ihm sogar die Vorherrschaft in der eigenen Stadt streitig gemacht. Ausgerechnet die Londoner Rivalen vom FC Chelsea pumpen Abramowitschs Petro- und Aluminiumdollars mit einer Vehemenz in den brachen Transfermarkt, dass es einem schwindlig werden kann. Claudio Ranieri durfte für 75 Millionen Pfund sieben neue Spieler holen. Und bis Ende des Monats sollen noch der bei Real Madrid wegen Unterbezahlung im Trainingsstreik befindliche Claude Makelele, Edgar Davids oder Samuel Etoo kommen. So viel Kaufkraft hat beim Liga-Establishment für Neid und Wut gesorgt. Dass der FC Chelski (The Independent) trotz des absurden Geldregens mit einem nüchternen Plan zu Werke geht, macht es für die Konkurrenz nur noch schlimmer. Mit Joe Cole, Glen Johnson und Wayne Bridge hat Ranieri drei englische Jungnationalspieler geholt, die von ausländischen Spitzenkräften wie Juan Sebastian Verón, Geremi und Damien Duff geführt werden sollen. Abramowitsch stellt sich sein Team als Mischung von Real und United vor. Ob der Trainer aus dem hochgezüchteten Kader schon diese Saison eine echte Mannschaft formen kann, ist die große Frage, von der der Ausgang der Saison abhängen wird.“

Schön, daß es so was noch gibt!

Christian Eichler (FAZ 16.8.). „Und hier die erste Stellenanzeige dieser Ausgabe, ausnahmsweise schon auf Seite 28: Sie sind zwischen 18 und 33 Jahre alt, haben bereits internationale Erfahrungen gesammelt, beherrschen ein wenig Englisch und sind bereit, sich in umgerechneten Rubel bezahlen zu lassen. Tankkarte wird gestellt. Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung an: Gouverneur R. Abramowitsch, Anadyr, Provinz Tschukotka, Rußland. Luftpost empfohlen. Keine Angst, liebe Fußballprofis, die mögliche Arbeitsstätte liegt nicht am Ort der Postanschrift, Beringstraße, gleich gegenüber von Alaska; dort ist nur der Chef zu Hause. Sein neuestes Geschäft betreibt er woanders: Stamford Bridge, London SW 6. Wer von dieser Adresse noch keine Post hat, sollte augenblicklich aktiv werden. Dieses Wochenende geht die Arbeit los, und selbst Herr Abramowitsch kann nicht jeden Tag einkaufen gehen. Zuletzt hat er die Herren Veron (22 Millionen Euro), Cole (10 Millionen) und Mutu (23 Millionen) erworben und damit die Ausgaben seines sommerlichen Einkaufsbummels auf weit mehr als 300 Millionen Euro erhöht: 210 Millionen für die Aktienmehrheit und Schuldenübernahme beim FC Chelsea, 110 Millionen für sieben neue Spieler. Aber noch bleiben dem zweitreichsten Mann Rußlands ein paar Milliönchen übrig, allein schon aus dem Taschengeld der letztjährigen Dividende seines Öl- und Gaskonzerns Sibneft. Sie brachte ihm eine halbe Milliarde Dollar. Der Ölpreis steigt, die Preise auf dem Fußballmarkt werden wohl folgen. Denn mancher Fußballprofi, der zuletzt das Gefühl bekommen mußte, überbezahlt, ja überflüssig zu sein, hat nun wieder verbesserte Verhandlungsbedingungen – so wie Claude Makelele, der nach einem Angebot von Chelsea erst mal die Arbeit bei Real Madrid niederlegte und mehr Gehalt forderte. Insgesamt mehr als 400 Millionen Euro soll der FC Chelski über die schon abgemachten Einkäufe hinaus in den vergangenen Wochen vorerst erfolglos für weitere Luxusspieler geboten haben. Darunter sind Namen wie Nesta, Davids, Vieira, Emerson, Henry, Raúl, Vieiri, aber auch ein 19 Jahre alter Spanier namens Fernando Torres, für den bei Atletico Madrid angeblich eine 40-Millionen-Euro-Offerte eingegangen ist. Schön, daß es so was noch gibt!“

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Gruppenspiele (BRA, CHN, TUR, COS)

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Hintergrundberichte ber die Nationen Brasilien, China, Trkei und Costa Rica

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Marschieren im Gleichschritt statt schwereloser Tanzfiguren

wir dürfen den VfB Stuttgart im Achtelfinale erleben – verbesserte Lage für Bayern München nach 0:0 in Celtic – allseitiges Erstaunen über die Begeisterung Uli Hoeneß’ – Bescheidenheit bei Celtic Glasgow – „Arsenal zerreißt Inters Abwehr und die Rekordbücher“ (Guardian) u.v.m.

Celtic Glasgow – Bayern München 0:0

Marschieren im Gleichschritt statt schwereloser Tanzfiguren

Christian Eichler (FAZ 27.11.) wundert sich über die Begeisterung Uli Hoeneß’: „Begeistert war der Mann und zufrieden und sehr optimistisch. Einige seiner besten Arbeitskräfte umarmte er höchstpersönlich. Gratulation: So einen Chef kann sich ein Arbeitnehmer nur wünschen. Es ist zwar zu vermuten, daß ein Manager einer anderen Branche, sagen wir der Verantwortliche einer Vertriebsmannschaft, weniger enthusiastisch reagiert hätte auf entsprechende Vorleistungen: Hätten seine Leute nämlich soeben mit einem 0:0 den letzten Tabellenplatz übernommen und wieder einmal, wie seit zwei Jahren stets, im Ausland nicht gewonnen und damit eine Bilanz von genau einem Sieg aus den letzten zwölf Champions-League-Spielen erzielt. Aber Fußball ist anders. Und so war Uli Hoeneß strahlender Laune nach der Nullnummer. Jeder für jeden, schwärmte der nimmermüde Macher des zuletzt müden Meisters, der Geist der Mannschaft ist wieder da. Mit sicherem Instinkt weiß Hoeneß die theoretisch unbegrenzten Ansprüche der Münchner an die praktisch begrenzten Möglichkeiten anzupassen, wenn es Saison- und Gemütslage erfordern. Das Träumen vom weißen Ballett hat letztes Jahr nichts gebracht. Im Moment erschiene jede spielerische Selbstverklärung ohnehin lächerlich. Also wird ein anderer Takt angeschlagen, das älteste Lied des Fußballs: Elf Freunde sollt ihr sein. Rennen, kämpfen, verteidigen. Statt schwereloser Tanzfiguren steht derzeit Marschieren im Gleichschritt auf dem Abendprogramm der bayerischen Fußball-Oper. In einem hektischen Duell, in dem die Flugbahn der Bälle höher war als das Niveau, rackerte und grätschte selbst Michael Ballack, als wolle er dem Manager beweisen, daß der unrecht hatte mit seiner öffentlichen Bemerkung, der Star sei nicht fit.“

Joachim Mölter (BLZ 27.11.) wundert sich über die Begeisterung Uli Hoeneß’: „Für die erste Verblüffung sorgte der Manager gleich selbst, indem er aus dem mühsam erkämpften 0:0 ableitete, dass sich die kommenden Gegner des deutschen Meisters wieder warm anziehen und wieder Angst vor uns haben müssen. Ich glaube, dieses Spiel war die Wende: Jetzt kommt die Zeit des FC Bayern. Nun gut, Hoeneß hatte das Spiel auch so interpretiert, dass Celtic keine klare Torchance hatte und wir doch einige. Da hatte er die erste Halbzeit offenbar schon verdrängt (…) Letzter und zufrieden damit – das sieht man beim FC Bayern München nicht alle Tage. Die Münchner können allerdings tatsächlich wie auf einem Trampolin noch auf den ersten Platz emporschnellen, bei einer Niederlage können die Münchner sich wie in der vorigen Saison ganz auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren. Dieser Umstand ist selbst Uli Hoeneß bewusst: Das Worst-Case-Szenario ist immer noch da, wir können immer noch ausscheiden. Aber ernsthaft scheinen sie sich damit nicht zu beschäftigen beim FC Bayern. Dass es irgendwie gut gehen wird, haben sie vergangenes Jahr auch gedacht.“

Defensive, Defensive, Defensive

Raphael Honigstein (FTD 27.11.) wundert sich über die Begeisterung Uli Hoeneß’: „Die Bank des FC Bayern ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Das Potenzial reicht aber noch locker aus, um aus einem durchwachsenen Unentschieden schnell einen wegweisenden Sieg zu machen; wenn es sein muss, auch nach dem Schlusspfiff. 0:0 war die Partie gegen Celtic ausgegangen, die bayerischen Spitzen waren im Angriffssturm der „Bhoys“ weitgehend untergegangen, hatten nur wenige Bälle bekommen und nicht getroffen. Dafür ballerte Uli Hoeneß in der nasskalten Mixed Zone richtig los. „Ich glaube, dieses Spiel ist die Wende“, sagte der Manager, „ich bin ziemlich sicher, dass jetzt die große Serie des FC Bayern beginnt. In Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal werden wir jetzt wieder volle Pulle angreifen, die anderen müssen wieder Angst vor uns haben“. Solche Töne kann spucken, wer am Samstag den 1. FC Köln daheim erwartet (…) Nervlich angeschlagenen Patienten wird normalerweise Ruhe verordnet, doch dem mit spürbarer Verunsicherung im Gepäck angereisten deutschen Meister gelang die Selbstfindung ausgerechnet in einem Stadion, das einem vor Lärm die Gedanken im Kopf durcheinander brachte. Weil nach vorne wenig bis gar nichts ging, besann sich die Elf auf die urdeutschen Werte Kampf, Einsatz, Wille. Jens Jeremies, nach der Pause energisch wie schon lange nicht mehr, brachte es später auf den Punkt: „Wenn es nicht läuft, muss man gut stehen.“ Der schöne Satz könnte bald zum Kanon der Fußballweisheiten gehören. Die Ballett-Metaphern sind also ad acta gelegt, genau wie die Champions-League-Trikots mit den blauen Hosen, die angeblich Unglück brachten; Bayern, so hofft Bixente Lizarazu, kehrt in Europa zu dem zurück, was früher stets geholfen hat: Defensive, Defensive, Defensive. „Heute war Bayern so, wie ich mir Bayern vorstelle“, strahlte der französische Baske unter seiner grünen Mütze, „alle haben gekämpft, wir waren aggressiv, haben defensiv gedacht. In der Verteidigung spürt man die Kraft des Teams. Und wenn du die Kraft spürst, ist es leichter, Fußball zu spielen.“ Man würde sich freuen, wenn Spiel und Kampf bei Ottmar Hitzfelds Männern tatsächlich so kausal zusammenhingen, wie es Lizarazu beschreibt. Im Spiel gegen Celtic Glasgow gab es dafür nur wenig Indizien.“

An so einem Abend hätten auch Habermas und Adorno ihren Spaß gehabt

Klaus Hoeltzenbein (SZ 27.11.) wundert sich über die Begeisterung Uli Hoeneß’: „Der größte Fan des FC Bayern war als erster auf dem Rasen. Er trug einen roten FC-Bayern-Schal, sein FC-Bayern-Wappen, das auf der FC-Bayern-Jacke das FC-Bayern-Herz wärmte, schien vor Begeisterung zu pulsieren, und im Gesicht erstrahlte das schönste FC-Bayern-Lächeln, wie es nur an den allergrößten FC-Bayern-Festtagen zu sehen ist. Der größte Fan des FC Bayern wollte ganz nah bei seinen Profis sein. Es sind jene seltenen Tage, an denen Uli Hoeneß, dem Schwergewicht des Vereins, keiner entkommt. Er schüttelte Hände, tätschelte Schultern, und als Arm in Arm die Verteidiger Kuffour und Kovac ihn passierten, stand Hoeneß ganz ergriffen da und klatschte Beifall. Ein Manager halt, der weiß, was er den Profis, neben ihren sündteuren Gagen, schuldig ist. Hoeneß bildete eine Art Solo-Spalier für seine Helden (…) Man muss in so eine Partie nicht allzu viel hinein interpretieren, aber manches folgt doch den alten Ritualen. Da gab es jenes Signal an Celtic, dass es vorbei war, dass die Bayern zwar mit zitternden Beinen begonnen hatten, sich aber dem Druck nicht beugen würden. Es ging aus von Bixente Lizarazu. Hart, aber ordnungsgemäß führte er jenen Zweikampf nach gut einer Stunde, in dem er Stelian Petrov, katapultartig in eine dunkelblaue Werbebande beförderte – Playstation 2, Error, Spiel aus. „Defense is where you feel the power of a team“, erklärte später Lizarazu, der Baske, den schottischen Journalisten. In Glasgow befand er sich in einem Milieu, einem Wettkampfspiel, wie er es mag. Ebenso wie Willy Sagnol, sein Landsmann, der auf der Anreise die dürftigen Darbietungen der Bayern mit den Worten entschuldigt hatte: „Wir spielen manchmal gegen Scheiß-Mannschaften – wir haben keine Spaß.“ Wie der zu finden ist, hat Jens Jeremies verraten: „Wenn’s nicht läuft, muss man gut stehen.“ An so einem Abend, der am Ende sogar ins Philosophische lappte, hätten auch Habermas und Adorno ihren Spaß gehabt.“

Hat Hoeneß gemeinsam mit Gerhard Schröder einen Kurs in Öffentlichkeitsarbeit besucht?

Daniel Pontzen (Handelsblatt 27.11.) wundert sich über die Begeisterung Uli Hoeneß’: „Niemand wird Uli Hoeneß eine besondere Nähe zur amtierenden Bundesregierung nachsagen können, doch am Dienstag drängte sich der Eindruck kurzzeitig auf. So nachhaltig sprach der Manager von Bayern München vom nahenden Aufschwung, dass man ihm unterstellen mochte, er habe gemeinsam mit Gerhard Schröder einen Kurs in Öffentlichkeitsarbeit besucht. „Ich bin total begeistert von der Mannschaft, vor allem im kämpferischen Bereich lässt diese Leistung sehr große Hoffnungen wachsen für die Champions League, für die nächsten Spiele in der Meisterschaft“, sagte Hoeneß in Einklang mit entschlossener Mimik und Gestik. Die formvollendete Zuversichtsrhetorik war mit das Auffälligste am Auftritt der Bayern, geschlossen wurde sie nach dem unansehnlichen 0:0 von den führenden Klubangestellten bemüht. Wer anstelle des Spiels nur die Kommentare mitbekam, konnte leicht davon ausgehen, es habe eine Münchner Gala stattgefunden im Celtic Park. Und auch wenn das allenfalls im Hinblick auf das kämpferische Engagement in der zweiten Halbzeit ansatzweise zutraf, wäre es fahrlässig gewesen, die Gelegenheit auszulassen. Die Bayern nutzten bei ihrer Nachlese die Gunst der Tabellenkonstellation. Eilig jazzten Hoeneß Co. das Match zum famosen Schlüsselspiel hoch, das die Wende bedeuten solle in dieser bislang eher missglückten Saison. „Wir verstehen es eben immer, in Krisen unsere Kräfte zu bündeln. Wir wissen, was wir zu tun haben, wenn es schwierig wird“, gab Oliver Kahn mit stechendem Blick die FC-bayerische Version von Franz Müntefering: „Wir haben das in den letzten Jahren immer wieder geschafft.“ Dann fügte Kahn an: „Wenn wir jetzt ruhig bleiben und daran anknüpfen daheim gegen Anderlecht, dann ist alles möglich in dieser Saison“, und für den Fall, dass ihn jemand nicht genau verstanden habe, buchstabierte er seinen Gedanken aus: „Dann sind alle drei Titel möglich.“ Es klang ähnlich vermessen, als plante die SPD mit einer baldigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.“

Die Realität rücken sich die Bayern in ihrer Fußball-Welt stets selbst zurecht

Frank Hellmann (FR 27.11.) hält die Begeisterung Uli Hoeneß’ für gespielt: „Bye, bye, Bayern? Das Szenario mag sich an der Säbener Straße niemand ausmalen. Und doch droht das abermalige Aus in einer Gruppe mit Kalibern, die nach der Auslosung allenthalben als schlagbar kategorisiert wurden. Da hat der Münchner Manager noch von Manchester und Madrid als Gradmesser gesprochen, plötzlich redet Hoeneß die Mannschaft auf der Stufe mit Lyon, Anderlecht und Glasgow stark. Das gehört zur Taktik beim Branchenführer. Die Realität rücken sich die Bayern in ihrer Fußball-Welt stets selbst zurecht. Und so tun Trainer und Team zwecks Zugewinns an Selbstbewusstsein so, als sei das 0:0 Wende und Wiederauferstehung in einem. Das war es nicht. Bezeichnend, dass allein Präsident Franz Beckenbauer in der ihm eigenen Unbedarftheit die offensichtlichen Kardinalfehler ansprach.“

Kampfkraft und Herzblut

Flurin Clalüna (NZZ 27.11.) schildert die Bescheidenheit Celtic Glasgows: „Noch fühlt man sich dieser Upper-class-Kategorie des europäischen Fussballs nicht zugehörig, aber die Schotten haben bereits einen Fuss in der Türe. O‘Neill wird seit seiner Ankunft in Glasgow vor dreieinhalb Jahren nicht müde, die Relationen zu wahren. Die Mannschaft verzeichnet laufend Fortschritte, übt sich aber dennoch weiter in sympathischer Bescheidenheit. Und weil die Entwicklungsschritte auch die mentale Kopfarbeit umfassen, hat sich der Stil Celtics um ein paar Nuancen verändert. Konzeptloses, von feuriger Leidenschaft getriebenes Anrennen dominiert nicht mehr vorbehaltlos. Die bhoys haben gelernt, dass zuweilen Geduld gefragt ist, dass sie Schach spielen müssten, wie O‘Neill sagt. Passionierte Verfechter des Spiels mit Dame und König würden sich jedoch entsetzt an den Kopf fassen, wenn sie die schottische Interpretation des Brettspiels sähen. Noch immer stehen die unbändige Kampfkraft und das Herzblut für die grün-weissen Farben im Zentrum des Spielverständnisses Celtics. Alles andere akzeptiert die aufgeheizte, in ihrer Unterstützung für das Team unvergleichliche Menge im Celtic Park auch gar nicht.“

Ralf Sotscheck (taz 27.11.) beschreibt die Seele Celtics: “Ohne ihre Fans ist die Mannschaft aus Glasgow nichts. Der Celtic Park ist das schönste Fußballstadion Großbritanniens. Wegen der engen Bauweise und dem Rundum-Dach hallt es wie in einer Kathedrale, so dass die 60.000 Zuschauer Lärm für doppelt so viele machen. Nur einmal schwiegen sie vorgestern entsetzt: als Hayley Westenra, eine Klassiksängerin aus Neuseeland, ihnen vor Spielbeginn die klassische Version von Youll never walk alone mit einer Stimme vortrug, die Glas zum Bersten hätte bringen können. Die Fans antworteten mit The Fields of Athenry, einem melodiösen Lied über die Verbannung irischer Rebellen nach Australien – ein ungewöhnlicher Schlachtgesang in einem Fußballstadion. Aber Celtics Geschichte ist ja auch ungewöhnlich. Der Verein wurde 1888 von irischen katholischen Priestern gegründet, damit ihre emigrierten Landsleute neben dem Alkoholkonsum eine Freizeitbeschäftigung hatten. Das Spiel war nicht hochklassig, aber sehr unterhaltsam, weil es schnell war. Die Schotten waren überlegen, ohne echte Torchancen herauszuspielen. Fast hätte Bayern-Torwart Oliver Kahn ihnen eine beschert, als er kurz vor der Halbzeitpause den Ball fallen ließ und ihm wie ein Käfer hinterherkrabbelte. Kahn starrte das angeblich unebene Rasenstück wütend an, versetzte ihm einen Fußtritt und machte danach keinen Fehler mehr. Sie mögen Kahn in Glasgow nicht, er wurde von Anfang an ausgebuht, sobald er in die Nähe des Balls kam. Er werde niemals einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen, lästerte der Herald, und ein Zuschauer meinte: Er sieht aus wie ein arrogantes, furchteinflößendes Arschloch. Vielleicht lag es an den orangefarbenen Streifen auf seinem Trikot. Das ist die Farbe der nordirischen Unionisten, die besser zu Celtics protestantischem Lokalrivalen Rangers passt.“

Inter Mailand – Arsenal London 1:5

bestia nera

Birgit Schönau (SZ 27.11.) erlebt die Rache Thierry Henrys: „Erinnert sich vielleicht noch jemand an Esnaider? Juan Eduardo Esnaider aus Mar del Plata, Argentinien; nach Ansicht des vormaligen Juventus-Trainers Carlo Ancelotti ungefähr drei Klassen besser als ein gewisser Thierry Henry. Der Franzose tanzte auf dem linken Flügel im Juve-Mittelfeld nur einen Sommer und machte dabei eine richtig schlechte Figur. Lahme Ente, riefen sie ihm höhnisch aus Turin hinterher, als Henry bei Arsenal London anheuerte. Der italienische Rekordmeister behielt Esnaider, für ein Weilchen. Henry aber wurde wieder Stürmer und machte für Arsenal 129 Tore – die letzten beiden am Dienstag in Mailand, gegen Inter. Thierry Henry, der Verstoßene, ist ein Jahr nach seinem Hattrick bei Arsenals 3:1 gegen den AS Rom endgültig die bestia nera, der Angstgegner des italienischen Fußballs.“

Die Rekordbücher und Inters Abwehr auf sensationelle Weise zerrissen

Die FAZ (27.11.) schreibt: „Anschließend fiel dem englischen Nationalspieler Ashley Cole nur ein Erlebnis ein, das diesem Abend nahekam. Das einzige Spiel, was er mit diesem vergleichen könne, sei der englische 5:1-Sieg in München über Deutschland gewesen, sagte der Stürmer. Aber das hier war noch besser. Dieses 5:1 von Arsenal London nämlich in der Champions League bei Inter Mailand, über das sein französischer Kollege Thierry Henry, überragender Spieler im Meazza-Stadion, schwärmte: Wir haben der ganzen Welt gezeigt, wozu wir fähig sind. Unter englischen Sportfreunden war die Erleichterung darüber groß: Eine der reifsten Leistungen brachte eines der besten Resultate der Klubgeschichte, schrieb The Guardian. Und der Daily Telegraph befand: Arsenal übernahm wieder die Kontrolle über sein Schicksal, nachdem es die Rekordbücher und Inters Abwehr auf sensationelle Weise zerrissen hat.“

NZZ-Spielbericht Ajax – Milan (0:1)

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