indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Freitag, 21. September 2007

Internationaler Fußball

Alpha-Tiere kommen in den seltensten Fällen miteinander aus

Dass das Zerwürfnis José Mourinhos mit Roman Abramowitsch zur Trennung Mourinhos von Chelsea geführt hat, schlägt auch in Deutschlands Presse Wellen / Spekulationen über Mourinhos Zukunft

Christian Eichler (FAZ) führt den Gang der Dinge auf den Konflikt zweier Ich-Menschen zurück, die keine Ich-Menschen neben sich dulden: „Arroganz muss man sich leisten können, Mourinho konnte es immer, seine Ergebnisse sprachen für ihn. In etwas mehr als drei Jahren hat der Portugiese der Premier League seinen Stempel aufgedrückt wie so schnell kein anderer Trainer zuvor. Während Alex Ferguson in Manchester fast fünf Jahre auf den ersten Titel warten musste und dabei mehrmals vor der Entlassung stand, ehe er zum erfolgreichsten Klubtrainer der Welt wurde, brachte Mourinho, gestützt von den Millionen des Klubbesitzers Abramowitsch, den Erfolg unmittelbar mit. Der Mann machte Chelsea umgehend zur großen Siegmaschine Englands. Mit seinem von Wucht, Physis und taktischer Sicherheit geprägten Spiel gewann Chelsea überlegen zwei Meistertitel und im letzten Jahr den Pokal. Und doch gewann Mourinhos Maschine nie etwas, was ManU oder Arsenal gelang: die Zuneigung der neutralen Fußballfans. Zuletzt verlor sie sogar die des wichtigsten Chelsea-Fans, die von Abramowitsch. Abramowitsch wollte mehr Flair und weniger Trainermacht. (…) So stehen in den nächsten Monaten die Trainer fast aller Spitzenklubs in Europa unter Erfolgsdruck, denn Mourinho steht vor der Tür, der Mann, dem die meisten Präsidenten gern den roten Teppich ausrollen würden. Vielleicht aber macht er den Traum, seine Karriere als Nationaltrainer Portugals zu beenden, schon jetzt wahr, denn Luis Felipe Scolari steht nach seiner Sperre von vier Spielen wegen seines Faustschlags gegen einen serbischen Spieler in der Kritik.“

Thomas Becker (sueddeutsche.de) fügt hinzu: „Der Rücktritt kam nicht ‚out of the blue‘, wie die Briten so schön sagen. Es musste so kommen. Alpha-Tiere kommen in den seltensten Fällen miteinander aus. Und dem Gesetz des Stärkeren folgend, flüchtete der Rüpel-Trainer nun endlich vor dem allmächtigen Millionär. Man muss kein Freund des nur bedingt sympathisch wirkenden Mannes aus Setubal sein, um seine Entscheidung zu verstehen. Immer wieder hatte Abramowitsch ihm in den vergangenen drei Jahren in sportliche Belange hineinregiert. (…) Und Mourinho? Der Welt-Klubtrainer der Jahre 2005 und 2006 ist dermaßen unberechenbar, dass man ihm sogar zutrauen würde, sich irgendwann einmal für den FC Bayern zu interessieren – wenn da bloß nicht diese Alpha-Tiere-Trias Beckenbauer/Hoeneß/Rummenige wäre.“

Der beste Trainer, den Chelsea wohl je gehabt haben wird

Simon Barnes (Times) deutet Mourinhos Trainerkarriere als Kompensation für fehlendes Talent zum Starspieler: „Bei Chelsea war immer nur der Trainer der Star. Die Spieler, wen interessierten die schon? Wie Alfred Hitchcocks Schauspieler waren sie nichts als auswechselbare Herdentiere. Mourinhos gesamte Karriere war eine Art Rache an den Fußballgöttern, die ihn mit zu wenig Talent ausgestattet hatten, um selbst ein erfolgreicher Spieler zu werden. Allerdings ging es ihm nie um den Fußball selbst, sondern um Macht. Das war seine Stärke und gleichzeitig sein Verhängnis. Denn im Fußball zählen Spontaneität und Momente individueller Brillanz. Aber Mourinho hasste Spontaneität. Er wollte Kontrolle. Und er wollte keine Künstler, denn er traut ihnen nicht. Er bevorzugte stets durchschnittlich talentierte Spieler, die er zu großer Form aufbauen konnte: Terry, Lampard, Makelele, Drogba. Dies sind alles Spieler, die ihm nicht die Show stahlen. Das Motto war: ‚Le club, c’est moi.‘ (…) Chelsea unter Mourinho war stets ein unheimlich effektives Team, aber das wahrhaft Außergewöhnliche lag ihnen immer fern. Vielleicht weil Mourinho das Verständnis dafür fehlt. Wie sonst lässt sich sein Versagen im Verhältnis mit Ballack und Schewtschenko erklären? Dass es mit einem der beiden Stars nicht klappt, kann noch Pech sein; aber dass es gleich mit beiden solche Probleme geht, deutet in Richtung Persönlichkeitsstörung. Beide Spieler waren Stars und passten deshalb nicht in Mourinhos Pläne. Sie stellten eine Bedrohung für ihn dar. Es war wichtig für ihn, dass sie scheiterten, und sie taten es.“

Giles Smith (Times) hält ihn für unersetzlich und wischt sich die Tränen von der Wange: „Mourinho war der beste Trainer, den Chelsea je hatte und wohl je gehabt haben wird. Er war brillant, leidenschaftlich, gefährlich, witzig und manchmal all das innerhalb von fünf Sekunden. Großartige Anzüge trug er auch. (…) Sicher, seine Magie verblasste ein wenig über die Jahre, und die letzte Saison war eine herbe Enttäuschung. Aber, auch wenn Abramowitsch Frank Rijkaard als neuen Chef und Guus Hiddink als seinen Assistenten vorstellen würde, auch wenn er ankündigen würde, dass die beiden Ronaldinho bei Chelsea willkommen heißen würden – alles das wäre keinerlei Trost für den Verlust von Mourinho. Die Fans würden ihn jeden Augenblick zurücknehmen.“

Lehrreich

Auf allesaussersport lesen wir: „Von Guus Hiddink hieß es beim Amtsantritt als Nationaltrainer Russlands, dass er eh nur von Abramowitsch dort ‚geparkt‘ werde, um dann als Mourinho-Nachfolger zu Chelsea zu kommen. Der Weggang von Mourinho zur Unzeit, dürfte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung machen: vier Spieltage vor Ende der Euro 2008-Qualifikation geht man nicht von Bord. Möglicherweise ist dies Teil der Rache von Mourinho: ein Abgang mit einigen Giftgeschenken. Ein Hiddink, der sich jetzt nicht von seinem Posten loseisen lässt. Ein Ballack der bis zum Jahresende nicht in der Champions League eingesetzt werden kann. Mourinho hatte jedenfalls Zeit genug, seinen Abgang zu planen, denn alle Gründe, die nun zu diesem Schritt geführt haben, lagen eigentlich auch schon vor einem halben Jahr vor: der immer größer werdende Dissens zwischen Abramowitsch und Mourinho sowie der stete Krach mit der Holland-Fraktion rund um Sportdirektor Frank Arnesen.“

Markus Hesselmann (Tagesspiegel) diskutiert den Fall als Heuschrecken-Phänomen: „Das Experiment Chelsea ist lehrreich für die Bundesliga. Auch hier drängen die alleinherrschenden Investoren auf den Markt. Noch schützt das Statut der DLF die Vereine vor solchen Übernahmen. Davon sollte die DFL auf keinen Fall abweichen. Der Fall Carl Zeiss Jena ist dafür ein vergleichsweise kleiner, aber wichtiger Test.“

Tagesspiegel-Interview mit dem skeptischen DFL-Geschäftsführer Christian Müller über Jenas russischen Investor

FR: Mourinhos risikoscheuen Ergebnisfußball ohne Ergebnisse konnte Abramowitsch nicht mehr goutieren

(Fast) ein Pop-Star

Champions League

Versetzung akut gefährdet

Die Enttäuschung bei den Journalisten über die teils anfängerhaften Niederlagen Schalkes, Bremens und Stuttgarts ist umso größer, da alle drei Teams nicht schlecht gespielt haben / Barcelonas Poesie

Klaus Hoeltzenbein (SZ) hält den deutschen Champions-League-Teilnehmern Grünschnabelhaftigkeit vor: „Drei Niederlagen zum Start – die Liga findet keine Haltung zu dieser an Effizienz orientierten Gruppenphase. So mussten die Schalker sich vorführen lassen, wie ein Klub wie der FC Valencia, Stammgast in diesem Wettbewerb, für ein Siegtor nicht eine einzige Chance braucht. Gelauert wird auf Fehler. Aufwand wird nicht belohnt, es zählt allein der Ertrag. Schmerzhaft wird es dann, wenn man wie der VfB Stuttgart in dem Gefühl nach Hause reist, begabtere Einzelspieler zu beschäftigen, dass nun aber schon die leidenschaftlichen Schotten aus Glasgow den Plan der Effizienz besitzen. Und die ewigen Bremer? Neues Team, gleiche Eloge: Kompliment, nur 1:2 verloren. In Madrid! Ganz nah dran, wie früher gegen Juve, Barcelona, Chelsea. Schade, gereicht hat es wieder nicht.“

Auch Roland Zorn (FAZ) verteilt missmutig bloß gute B-Noten an Schalke, Bremen und Stuttgart: „Chancen nicht genutzt, das eigene Spiel nicht durchgesetzt, naiv gescheitert: Die drei deutschen Klubs in der Champions League stehen nach dem ersten Gruppenspieltag vereint mit leeren Händen da. Statt europäischen Glanz haben sie letztlich Tristesse verbreitet. Dabei wirkten weder Werder Bremen noch der FC Schalke 04 oder der VfB Stuttgart spielerisch so schmalbrüstig, als wären sie der starken Konkurrenz nicht gewachsen. Vielmehr bestraften sich alle drei Mannschaften durch wenige schwache Momente, in denen der Wille, die Konzentration, die Entschlossenheit nachließen. Mit schlechten mentalen Haltungsnoten verspielten die drei Mannschaften leichtfertig ihr Kapital. Ein Guthaben oder Teilguthaben zu mehren oder mindestens über die Zeit zu bringen, das konnten die diesmal verhinderten Münchner Bayern auch in der Champions League oft genug meisterhaft. Die Klubs, die es diesmal richten sollen und dazu aufgerufen sind, weiteren Schaden von der in letzter Zeit sowieso schon mausgrauen deutschen Europapokalbilanz abzuwenden, müssen nun rasch aus ihren Versäumnissen lernen.“

Raphael Honigstein (SZ) warnt die Stuttgarter Schüler nach dem 1:2 in Glasgow im Halbjahreszeugnis vor dem Sitzenbleiben: „Im lauten Ibrox-Klassenzimmer vergaßen die Schwaben in der letzten halben Stunde, die relativ einfachen Examensfragen der Schotten zu beantworten. Die Versetzung ins Achtelfinale ist nach der ersten vermasselten Prüfung bereits akut gefährdet. Leichter als gegen die mit überschaubaren Mitteln werkelnde Rangers dürfte es in der tückischen Gruppe E mit dem FC Barcelona und Olympique Lyon nicht werden. Die Schwaben hätten ja das Zeug gehabt, die Rangers im eigenen Stadion zu beherrschen, doch Schlampigkeiten im Aufbauspiel – schon der vorletzte Ball wurde meist zu weit, zu steil, zu ungenau gespielt – und haarsträubende Fehler im Defensivverhalten hatten den Gastgebern letztlich ‚den Sieg geschenkt‘, wie Armin Veh klagte. Generös hatte der deutsche Meister sein technisches und taktisches Kapital verschwendet.“

Wollte Fernando Meira seinen Gegenspieler in zwei Stücke teilen?

Grandezza der radikalen Offensive

Barcelona bezwingt Lyon 3:0, und Ronald Rengs (SZ) Puls steigt: „Trotz aller Mängel – bei jeder anderen Elf wäre ein Spiel wie gegen Lyon als grandios gefeiert worden. Dekadenz wird Barça vorgeworfen, aber vielleicht sind doch eher Presse und Fans dekadent, die alltäglich das Einzigartige erwarten. Mit frischem Blick ließ sich viel Wunderbares erkennen, das aggressive Pressing funktionierte, Lyon kam zu null Torchancen, und Spielzüge wie beim 2:0 durch Messi sind Poesie in Bewegung: Iniesta vorbei an einem, Pass, Deco vorbei am nächsten, Doppelpass, Iniesta, ein Haken, Pass, Messi, Tor, und die Schönheit hatte sich ein Denkmal geschaffen. Es ist wahnsinnig schwer, jedes Spiel gegen Teams anzurennen, die nur reagieren wollen. Die nächsten Plagegeister, Stuttgart und Glasgow Rangers, warten schon. Barça verdient Respekt, dass es die Grandezza der radikalen Offensive sucht; den schwierigsten Weg. Auch wenn es dem Publikum damit nur ab und an solch stimmige Abende wie gegen Lyon schenken sollte und wahrscheinlich nicht mehr so schnell den Champions-League-Pokal.“

Tore in Gedichtform

Donnerstag, 20. September 2007

Champions League

Diego reif für Real, Schalke noch immer nicht reif für die Champions League?

Das 1:2 bei Real Madrid als Mutmacher für Werder und als „Bewerbungsspiel“ (FTD) Diegos / 0:1 gegen Valencia als weiterer Beleg der Schalker Unwirtschaftlichkeit

Peter Heß (FAZ) errechnet Plus und Minus bei den Bremern: „Nichts Zählbares hat Werder Bremen vom Ausflug ins Bernabeu-Stadion mitgebracht. Wie gewöhnlich stehen die Hanseaten nach dem ersten Spieltag der Champions League bei null Punkten. Aber die ehrenvolle Niederlage hat den Abwärtstrend der Mannschaft zumindest nicht beschleunigt. Tatsächlich birgt sie sogar einen Kern, aus dem wieder Hoffnungen auf bessere Zeiten erwachsen können. Die 90 Minuten ergaben auch noch ein anderes Bild, das weniger schmeichelhaft aussah: In klaren Farben sprang es in die Augen, wie weit Werder von seinem besten Leistungspotential vor einem Jahr entfernt ist. Was hätte der Bremer Jahrgang aus dem Herbst 2006 mit diesem Real-Team angestellt, das seinem Publikum einen Offensivwirbel präsentieren wollte und dabei die Defensivarbeit vernachlässigte? Die Mannschaft von Bernd Schuster wirkte manchmal unkonzentriert, manchmal hochmütig.“

Ralf Itzel (Financial Times Deutschland) hebt den Bremer Spielmacher hervor: „Gut sah es vor allem aus, wenn Diego an den Ball kam. Der Brasilianer schwang sich trotz der Madrider Stars zum überragenden Akteur des Abends auf. Nach der Partie, in der die Fans von Real ihm immer wieder Szenenapplaus spendierten, waren auch Gegenspieler voll des Lobes. Für die mächtige Sporttageszeitung Marca ist schon jetzt klar, dass Real den Bremer zur nächsten Saison heiß umwerben dürfte.“ Ralf Lorenzen (taz) ergänzt: „Diego wirkte wie der Dolch des Kalifen unter lauter stumpfen Kartoffelschälmessern.“

Die Höhepunkte

Die Torproduktion in Gelsenkirchen stockt

Roland Zorn (FAZ) nennt das, was den Schalkern im Vergleich mit Valenica fehlt, und verordnet ihnen Torschusstraining: „Genick gebrochen, Stich ins Herz – noch sind die Schalker kein Trauerfall für den deutschen Fußball. Doch sie stießen an dem Tag, da sie sich endlich gerüstet glaubten, aus ihrem Schattendasein in der Champions League ins Licht zu treten, wie gehabt an Grenzen. Die mangelhafte Handlungsschnelligkeit, die fehlende Fähigkeit, ein Spiel selbst zu bestimmen, die im Umgang mit dem Ball bei einigen sichtbare Unterlegenheit gegenüber den Spaniern – das waren Ingredienzien zu einer Niederlage, die gleichwohl hätte verhindert werden können. Kuranyi, Westermann und Lövenkrands aber nutzten ihre verheißungsvollen Momente vor dem Tor des unsicheren Cañizares nicht; Valencia genügte ein großer Auftritt zum durchschlagenden Erfolg. Das nennt man effektiv. Valencia kann sogar einen herumgeisternden Keeper wie Cañizares verkraften. (…) Dabei hatten sie alle genau gewusst, mit welch ausgebufftem, schlangenhaftem Widersacher sie es in der Liga der Meister zu tun bekommen würden. Valencia spielt auch in der Primera División besonders gern den Part des unerschütterlichen Spielverderbers: hinten ein Block, vorn bei Gelegenheit unvermittelt zuschlagend.“

Daniel Theweleit (Stuttgarter Zeitung) befasst sich mit Schalker Befinden und den Pfiffen der Fans: „Es gab kein besseres Team, aber ein reiferes. In jedem Fall ist nun auf Schalke das vertraute Gefühl zurück, immer dann zu verlieren, wenn die großen Fußballmomente möglich sind. Vermutlich reagierte das Gelsenkirchener Publikum auch deshalb so dünnhäutig.“ Oliver Müller (Welt) schreibt: „Das unterkühlte Auftreten der Spanier war ein Lehrbeispiel für effizienten, fast minimalistischen Fußball auf taktisch hohem Niveau. Ein Niveau, von dem die Schalker trotz guter Ansätze noch weit entfernt zu sein scheinen.“

Philipp Selldorf (SZ) vermisst Schalker Fortschritte: „Die Gäste nahmen das 1:0 mit wie ein Paket, das sie von der Post abholen – als ob es selbstverständlich wäre. Und wenn man es recht betrachtet, dann war ja auch nichts passiert, was man nicht hätte ahnen können: Es wiederholte sich für die Schalker, was ihnen bei ihren Startauftritten 2001 (0:2 im Heimspiel gegen Panathinaikos) und 2005 (0:1 in Eindhoven) widerfahren war: In einer ohnehin schweren Gruppe hat man es sich gleich noch viel schwerer gemacht, weil in wesentlichen Momenten die international erforderliche Effizienz fehlte. Valencia setzte beharrlich seinen Stil durch und zerdehnte die Partie mit langen Ballstafetten von narkotischer Wirkung. Schalke schaute ehrfürchtig zu, die Zuschauer verstummten. (…) Vier handfeste Chancen gab es – in der Champions League ist das Luxus. Der AC Mailand oder eben der FC Valencia hätten daraus wahrscheinlich sechs Tore gemacht. Aber die Torproduktion in Gelsenkirchen stockt, es fehlen geeignete Fachkräfte, und der arbeitsame Kuranyi ist auch nur mangels einer besseren Alternative der ausersehene Torjäger. Ist Schalke womöglich immer noch nicht reif für die Champions League?“

Hättste den nicht reinmachen können, Kevin Küranyi?

NZZ-Bericht Barcelona–Lyon (3:0)

Mittwoch, 19. September 2007

Champions League

Schalkes Blaupause

Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) berichtet von der 0:1-Niederlage Schalkes: „Valencia, dieses kompakte Team mit seiner exzellent disponierten Defensive, dessen deutsche Blaupause Schalke 04 auf etwas geringerem Niveau spielt, entschied den Match durch einen Treffer David Villas 1:0. Es war ein überraschendes Tor, bei dem ausgerechnet der sonst vorzügliche Keeper Neuer nicht auf der Höhe war, während auf der Gegenseite hanebüchene Ausflüge von Canizares ohne Folgen blieben.“

Ohne Wettkampfglück

In der NZZ lesen wir auch über den 2:1-Erfolg Real Madrids gegen Werder Bremen: „Von attraktivem Angriffsstil, wie ihn das Haus der ‚Königlichen‘ nach dem hausbackenen Fußball Marke Capellos fordert, war nur sporadisch etwas festzustellen. Werder war nicht wie erwartet unterlegen und hätte mit etwas Wettkampfglück einen Punkt aus dem Bernabéu entführen können. Das Team des mit knapp 600 Millionen Franken umsatzstärksten Fußballklubs blieb seinem Ruf mehr schuldig, als aufgrund des offensichtlich überschätzten Saisonstarts in der nationalen Meisterschaft und der ‚Kaufwut‘ erwartet worden war.“

FAZ-Portrait Diego

Die Höhepunkte aus Real gegen Werder

Morgen mehr über die Spiele in Schalke und Madrid

Die Liga hat Priorität

Raphael Honigstein (Financial Times Deutschland) hält uns, Entwarnung signalisierend, über die Entwicklungen in Glasgow auf dem laufenden: „Die Rangers haben sich von ihren noch vor sieben, acht Jahren gehegten Großmachtfantasien in Europa längst verabschiedet. Sie sind in Europa nur noch Außenseiter. Der Eigentümer Sir David Murray, ein Stahlmagnat, glaubte, mit teuren ausländischen Stars (Brian Laudrup, Ronald und Frank De Boer) Erfolge über die Landesgrenzen hinaus feiern zu können – das Wettrüsten mit Celtic führte beide Klubs nahe an den finanziellen Ruin. Murrays Firmengruppe übernahm im September 2004 den Großteil von gut 100 Millionen Euro Schulden, seitdem können die Bluenoses, die Blaunasen, etwas unbeschwerter atmen. (…) Die Liga hat Priorität. (…) So richtig Angst einflößend ist Smiths Truppe aus Veteranen wie David Weir, 37, jungen Talenten wie dem 21-jährigen Steven Naismith und dem einen oder anderen Mittelklasse-Ausländer wie dem spanischen Stürmer Nacho Novo eigentlich nicht. Respekt verdient jedoch die Kulisse im Ibrox, einem der lautesten Stadien auf der Insel. Vor vier Jahren verlor der VfB nach gutem Spiel hier noch mit 1:2.“

Dienstag, 18. September 2007

Champions League

Millionenversuchung

Roland Zorn (FAZ) rät den deutschen Klubs, die Champions League als Sonntag zu betrachten und die Bundesliga als Werktag: „Eine Chance, die Gruppenphase zu überstehen, besitzen die deutschen Klubs bei entsprechendem Mut und Selbstvertrauen allemal. Fürs Erste aber stürzen sie sich als kleinere europäische Nummern in einen Wettstreit, den die superreichen oder hochverschuldeten Meisterklubs aus der Primera División, der Premier League oder der Serie A seit Jahren dominieren. Da die Startvoraussetzungen für die Champions League extrem ungleich sind, herrscht längst keine Wettbewerbsgleichheit mehr unter den Abgesandten der führenden europäischen Ligen. England lässt daheim Investoren mitbestimmen und bekommt die höchsten Fernsehgagen; Italiens Topklubs werden nach wie vor von den Segnungen der Fernseheinzelvermarktung plus hohen Zuwendungen ihrer Vereinsmagnaten gespeist; Ähnliches gilt für Spaniens Renommierklubs aus Madrid und Barcelona. Daran gemessen ist die auf nationaler Ebene blühende und dafür von außen neidvoll betrachtete Bundesliga arm dran. Doch sollten für die vage Chance, auch einmal in Europa groß von sich reden zu machen, alle Strukturen mit wachsendem Risikofaktor so verändert werden, dass die Gefahren wirtschaftlicher Unvernunft unverhältnismäßig wüchsen? Eher nicht, da jede noch so lukrative Champions League bei weitem nicht den Massenappeal hat wie die Brot-und-Butter-Familienserie Bundesliga. Nationale Tradition und moderne Durchschaubarkeit wiegen in diesem Geschäft schwerer als die betörende Millionenversuchung mit dem Europa-Gütesiegel. Diese Erkenntnis wird auch die jüngste Auflage der ganz anderen Erfolgsgeschichte Champions League überdauern.“

taz: Angeberblond und merkwürdig – Santiago Cañizares ist mit fast 38 Jahren immer noch die Nummer 1 beim FC Valencia, trotz Timo Hildebrand; Spanischen Fußballfans ist er wegen seiner Macken der liebste Feind

FR: Real Madrid unter Bernd Schuster – das Ende der Galaktischen

NZZ: Die Champions League im Visier – Turbulenzen im FC Arsenal vorerst nur hinter den Kulissen

NZZ: Schmerzensmann Ronaldo – der Milan-Star als Irrläufer von Arzt zu Arzt

NZZaS: Euro-Alarm bei Österreichs Fußballern – schlechte Leistungen des Nationalteams stellen Trainer Hickersberger zur Disposition

11 Freundinnen

Arbeitsfußball

2:0 gegen Japan – Michael Horeni (FAZ) notiert Dienst nach Vorschrift: „Tatsächlich taten die Titelverteidigerinnen exakt das, was getan werden musste – aber auch kein bisschen mehr. Mit viel Kraftaufwand, aber dennoch ohne die letzte Wucht und ohne Eleganz beherrschten die Deutschen einen Gegner, der zwar gewinnen musste, sich aber trotzdem nur aufs Kontern verlegte. So war es vor allem neunzig Minuten Arbeitsfußball, den die Deutschen boten. Von den Weltmeisterinnen ging wenig Leichtes, Spielerisches oder Souveränes aus.“

Nachtrag: 11 Tore sollt Ihr schießen

Bundesliga

Neue Seriosität im Hause Hertha

Nach dem 2:1 in Duisburg – Ulrich Hartmann (SZ) lässt die Luft aus den Wortballons des euphorisierten Berliner Managers: „Der Zufall wollte, dass Dieter Hoeneß gute Nachrichten für die Bundeshauptstadt Berlin hatte. ‚Wir können einen Mentalitätswandel feststellen‘, sagte Hoeneß mit gewichtigen Worten, und man hätte ihn sich dabei auch am Rednerpult des Bundestages vorstellen können. Es geht aufwärts, Berlins Fußball darf endlich wieder zuversichtlich sein, gegen die Meinung all der Pessimisten. Es waren sogar zwei Zufälle, die bei Hoeneß und seiner Hertha einen emotionalen Schub ausgelöst hatten, denn die Gesamtleistung der Berliner war es nicht gewesen. Das musste auch der nur bedingt zufriedene Trainer Lucien Favre zugeben. Eine echte Entpuppung war nicht zu erkennen, es waren zwei einzelne Momente des Glücks, die im Anschluss dieses Spiels zu einer emotionalen Überhöhung des Erfolgs führten. Der Zufall schlug gleich zwei Mal in sehr ähnlicher Form zu, denn sowohl in der 61. als auch in der 70. Minute probierte der Berliner Stürmer Marko Pantelic einen Schuss auf das Duisburger Tor, und weil in beiden Fällen der Duisburger Abwehrspieler Michael Lamey seinen Fuß in die Flugbahn hielt und den Ball für seinen Torwart Tom Starke unhaltbar abfälschte, führte die Hertha 20 Minuten vor Schluss glücklich 2:0. Fußball ist immer eine Abfolge von Millionen von Möglichkeiten, diesmal hatten die Berliner das Glück auf ihrer Seite.“

Richard Leipold (FAZ) entgegnet, dass der Berliner Sieg nicht aus Zufall resultiere: „Der Tore wegen personifizierte Pantelic am deutlichsten den Wandel, von dem die Verantwortlichen hoffen, er werde über den Tag hinausreichen. Aber er stand keineswegs allein für die neue Seriosität des Fußballs aus dem Hause Hertha. Die jugendbewegte Hertha hat kaum große Namen zu bieten, dafür aber Charaktere, die imstande scheinen, das Image der Söldnertruppe zu bekämpfen und der Mannschaft ein neues Profil zu verleihen. Hoeneß hat schon einen Mentalitätswandel diagnostiziert, warnt aber davor, die Fortschritte zu überschätzen. Er lässt sich allerdings anmerken, wie gut es ihm gefällt, die Kritiker fürs Erste widerlegt zu haben.“

NZZ: Der Hackfleisch-Impresario – Schalkes mächtiger Mann Clemens Tönnies

youtube: Nachtrag: die Highlights aus Bayern–Schalke, aus denen auch noch mal hervorgeht, dass dem Ausgleich eine schlimme Fehlentscheidung des Schiedsrichters Fandel vorausging

Montag, 17. September 2007

Bundesliga

Kein Platz für Krieg-der-Sterne-Assoziationen

Die Bayern sind ernüchtert, die Schalker imponieren, die Frankfurter belegen die Qualität ihres Trainers, die Bremer machen einem Sorgen, die Bielefelder sind einfach gut, die Cottbusser sollten sich was schämen, über die Entlassung ihres Trainers nachzudenken – Pressestimmen zum 5. Bundesliga-Spieltag

Roland Zorn (FAZ) schildert das Gefühl der Bayern, durch ein erneutes Unentschieden aus süßer Nachtruhe gerissen worden zu sein: „In München greift nach den ersten magischen Ribéry-Shows und den anfänglichen Showdowns der Scharfschützen Klose und Toni neuer Realismus um sich. Es gibt noch Konkurrenten für die Bayern. Aus dem 1:1 in Hamburg und gegen Schalke sollte aber auch nichts Falsches abgeleitet werden: Nach wie vor ist das Künstler- und Kämpfer-Ensemble von der Säbener Straße der allererste Kandidat auf die Rückeroberung der Schale. Dass nach dem Unentschieden hier und da Pfiffe laut wurden in der Allianz-Arena, zeigte nur, wie unwirklich sich die Situation rund um die ‚Sterne des Südens‘ wieder einmal zugespitzt hatte. Weder besitzen die Bayern den Titel in Erbpacht, noch wird sich die Gegnerschaft geschlossen und freiwillig geschlagen geben, nur weil die großen Bayern ihr Team teuer wie nie aufgerüstet haben. Was die Münchner nun schnell finden müssen, ist die nüchterne Orientierung in einer Landschaft der nicht einlösbaren Traumvorstellungen. Der Fußball bietet auch seinen herausragenden Darstellern keinen Platz für Überfliegerphantasien, für weißes oder rotes Ballett, für ‚Krieg der Sterne‘-Assoziationen.“

Jörg Hanau (FR) lässt Ottmar Hitzfelds Erklärung nicht durchgehen: „Darüber Klage zu führen, unter der Woche auf zehn Nationalspieler verzichten zu müssen, mutet angesichts der Transferpolitik arg befremdlich an. Der physische wie psychische Kräfteverschleiß war augenscheinlich, aber unvermeidbar. Der ‚Zirkus Ribery‘ geizte zu Beginn seiner Vorstellung nicht mit magischen Momenten. Eine halbe Stunde lang kickten die Bayern zum Zungenschnalzen. Das hätte reichen können, um munter aufspielende Schalker abzuschießen.“ Elisabeth Schlammerl (Stuttgarter Zeitung) hingegen verweist auf die Qualität des Spiels: „Wenn Spiele wie das gegen Schalke zu den schlechteren gehören, dann ist weiterhin für beste Unterhaltung gesorgt. Der Bundesliga-Gipfel war eine perfekte Demonstration hochklassiger Taktik, sehenswerter Fußballtechnik und zumindest eine Stunde lang auch hohen Tempos beider Mannschaften.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) empfihelt den Bayern einen Torwartwechsel: „Vielleicht haben wir am Wochenende eine ernste, nicht nur vorübergehend Schwäche des gottgleichen FC Bayern München gesehen: An dieser Stelle sei einfach einmal behauptet, dass Ivan Rakitics Treffer von einem wirklich guten Torhüter gehalten worden wäre. Oliver Kahns Sprung war zu kurz, zu spät, wie auch immer. Und es ist längst nicht das erste Gegentor in den vergangenen beiden Jahren, das ziemlich haltbar aussah. Der Titan hat seinen Zenit längst überschritten. Sein Spiel mit dem Fuß entspricht schon ein halbes Jahrzehnt nicht mehr modernsten Ansprüchen, die Strafraumbeherrschung gehörte noch nie zu Kahns Stärken, und seine Spieleröffnungen sind traditionell bestenfalls mittelmäßig. (…) Die galaktischen Virtuosen sind mit fußballerischen Mitteln antastbar. Nicht nur auswärts bei einem um sein Leben kämpfenden HSV, sondern auch in der eigenen Arena. Vielleicht wird der Kampf um den Titel ja doch nicht so langweilig wie allgemein angenommen.“

Stefan Osterhaus (NZZ) ergänzt: „Es war erschreckend, wie sich der ehemalige Welt-Torhüter Kahn in Zeitlupentempo nach dem Ball streckte. (…) Die Bayern zelebrierten mit ihren Weltklasseleuten Spielkultur, wie dies einem nicht mehr als ordentlich besetzten Team wie Schalke kaum möglich ist. Klose und Ribéry spielten im Strafraum Doppelpass und setzten Lell in Szene, doch der Außenläufer, eine der Überraschungen im Bayern-Team, scheiterte an Neuer, einem Keeper, wie ihn die Münchner seit einiger Zeit nicht mehr in ihren Reihen haben. Die Fehlspekulation von Kahn nach einer Flanke in der 89. Minute hätte fatal enden können, wären Schalkes Angreifer gedankenschneller gewesen.“

Dominanter Konterfußball

Mit Hochachtung warnt Christof Kneer (SZ) vor Schalkes Taktik: „In München hat die Liga phasenweise das Idealbild jenes FC Schalke erlebt, den sich Mirko Slomka am Reißbrett entworfen hat. Es ist ein FC Schalke, dem man leicht in die Falle geht, weil man immer versucht ist, seinen Spielstil für demütig zu halten. Die Schalker lassen den Gegner gerne spielen, und wenn sie den Gegner so weit haben, dass er sich überlegen fühlt, hauen sie plötzlich einen Konter raus, der auf die Überlegenheit des Gegners leider keine Rücksicht nehmen kann. Selbst die tatsächlich überlegenen Bayern haben sie auf diese Weise überfallen, und wer gegen Schalke erstmal hinten liegt, bekommt es mit einer athletischen Defensive zu tun, die vom stählernen Bordon befehligt wird. Am Beispiel Schalke zeigt sich, was passieren kann, wenn man ein Stilmittel vom Mief der Vergangenheit befreit. In diesen modernen Zeiten fing der gute, alte Konter gerade an, etwas streng zu riechen, aber die Schalker haben ihn kräftig durchgelüftet. Zuletzt galt der Konter nur noch als Steilpass des kleinen Mannes – als eine Art Notwehr, angewendet von unterlegenen Teams, die das Spiel nicht selbst gestalten können. Die Schalker aber spielen einen Fußball, der den Kontercharakter mit dominanten Elementen mischt.“

FAZ: Schalke auf Augenhöhe mit den Bayern

Veredelungen

Ralf Weitbrecht (FAZ) rehabilitiert Friedhelm Funkel nach dem 2:1-Sieg Frankfurts gegen Hamburg: „Zwei Kunstschüsse von Meier, dazu eine kämpferische Grundeinstellung: Das Rezept der Eintracht, es mit klassischen Tugenden gegen den scheinbar übermächtigen HSV zu versuchen, ging tatsächlich auf. Wohl auch deshalb, weil die Mannschaft von Friedhelm Funkel die seit Monaten stärkste Vorstellung in der Bundesliga zeigte und selbst spielend das Handicap überwand, mit nur einem ‚halben‘ Stürmer anzutreten. Wieder einmal nämlich war der Auftritt von Michael Thurk eine herbe Enttäuschung. Dass sich Funkel immer wieder den Vorwurf anhören muss, er könne angeblich keine Mannschaft weiterentwickeln und nach vorne bringen, hat eine andere Dimension erreicht: Er kann es augenscheinlich doch! Seine noch vor Jahresfrist wankelmütigen und in ihren Leistungen schwankenden Profis haben im vierten Jahr seiner Frankfurter Amtszeit deutlich an Format und Kontur hinzugewonnen. (…) Beide Mannschaften haben bewiesen, dass sie dank der Ruhe, Umsicht und Erfahrung ihrer Fußballlehrer Funkel und Huub Stevens einen sichtbaren Veredelungsprozess durchlaufen haben.“

Tobias Schächter (SZ) fügt hinzu: „Dieser Erfolg gegen einen vermeintlich Großen der Liga nährt die Zuversicht in Frankfurt, dass diese Funkel-Eintracht im dritten Erstligajahr nach zwei Zitterspielzeiten einen weiten Satz nach vorne machen könnte. Es war vor allem die Dramaturgie dieses Spiels, die den Hessen Hoffnung gibt. Acht Minuten vor dem Ende erzielte Rafael van der Vaart per Foulelfmeter den Ausgleich für die HSV. In der letzten Saison wäre dies das Signal zum Zittern gewesen, aber die Eintracht hielt diesmal kühl die Ordnung und nutzte die Chance zum Sieg. Das sind neue Qualitäten.“

Kein Kult, aber Zweiter in der Ersten Liga

Peter Penders (FAZ) teilt uns mit, was der Arminia im Vergleich mit anderen Klubs ähnlichen Zuschnitts fehlt – und, vor allem, was sie diesen voraushat: „Der außerhalb Bielefelds nur mit Augenzwinkern begleitete Höhenflug der Arminia hätte bei anderen Vereinen unter ähnlichen Bedingungen mediale Beben ausgelöst. Mainz als Tabellenzweiter oder Aachen oder Freiburg oder der FC St. Pauli? Diese Klubs haben vergleichbare Stadien, besitzen jedoch einen schwer erklärbaren Kultfaktor. Nicht nur diese über ihre Stadtgrenzen hinausgehende Beliebtheit unterscheidet diese Klubs von der Arminia: Sie spielen alle in der Zweiten Liga. (…) Spieler entwickeln, sie günstig holen und teuer verkaufen, trotzdem die Identität bewahren – das ist der Spagat, den die Arminia bewältigen muss. Das Stadion heißt zwar Arena, hat aber nichts mit den Palästen zu tun, die woanders mit Hilfe der WM entstanden sind, und niemand in Bielefeld würde eine Plastikkarte aufladen wollen, um sich eine Bratwurst kaufen zu können. Das klingt mehr nach Lagerfeuerromantik am Strand als ein All-inclusive-Cluburlaub, und vielleicht lässt sich deshalb kein Eventpublikum und schon gar kein Landesvater sehen wie etwa in Frankfurt, Hannover, Kaiserslautern oder einst in Mainz. Die Kultklubs aber sind alle Außenseiter – mehr Außenseiter aber als das nicht beachtete Bielefeld geht kaum.“

Letzter Standortvorteil

Richard Leipold (FAZ) fasst sich nach dem 0:3 der Bremer in Dortmund an den Kopf und sucht nach Zeichen der Hoffnung: „Die Ruhe des Stoikers Schaaf zeichnet Werder seit langem aus. Zumindest dieser Standortvorteil scheint nicht in Gefahr. Hätte Werder nicht so eine gewachsene Struktur, so erfahrene Führungskräfte, den Bremern könnte angst und bange werden vor dem Spiel in Madrid. Quer durch die Mannschaftsteile ist ihnen nahezu alles an Leichtigkeit abhanden gekommen, was sie glaubten zurückgewonnen zu haben nach ihrem schwerfälligen Start. Lange galt Bremen im deutschen Fußball als Muster an Stabilität. Aber geschwächt durch zahlreiche Ausfälle beim Stammpersonal, wirkt der Rest der Crew unsicher und fahrig; nicht einmal routinierte Kräfte wie die beiden Innenverteidiger Per Mertesacker und Naldo oder auch Mittelfeldspieler Baumann können sich davon freisprechen oder freispielen. Als der Dortmunder Wirbelsturm Mitte der ersten Hälfte Orkanstärke erreichte, waren die Etablierten so hilflos wie der Rest der Besatzung. Was sich in der Rückrunde der vergangenen Saison vereinzelt angedeutet hat, wird bei Werder nun häufiger sichtbar. Unter Druck verliert die Mannschaft ihre Souveränität. Ihr fehlen Führungsspieler der Kategorie Torsten Frings und Tim Borowski, die einen mentalen oder spielerischen Abwärtstrend umkehren können und dazu dem Gegner allein durch ihre Präsenz Furcht einflößen.“

Blüte in Cottbus und Rostock

Thomas Kilchenstein (FR) will nicht glauben, dass Petrik Sander in Cottbus in Frage steht: „Genau das ist das Schicksal der kleinen Klubs: Sie dürfen sich auf dem Transfermarkt keine Patzer erlauben. Andere, größere und finanzkräftigere Klubs können Fehleinkäufe eben leichter verkraften. Bei Vereinen wie Energie Cottbus, Hansa Rostock, VfL Bochum oder auch Mainz 05 geht es nach einem einzigen Fehlgriff oft schon ans Eingemachte. Und der Trainer ist dann der Dumme. Wenn er sich nicht des Rückhalts des Präsidenten sicher sein kann, sind seine Tage gezählt. Mit Ulrich Lepsch, einem Sparkassendirektor, kann Sander offenbar nicht gut. Seit der gescheiterten Vertragsverlängerung gilt das Verhältnis der beiden als belastet. Sander ist sicherlich kein einfacher Mann. Das Erfolgsmodell Energie Cottbus aber trägt allein seinen Namen. (…) Der Fluch der guten Tat hat Energie voll erwischt, die Erwartungen stiegen mit jedem Erfolg ein Stückchen mehr. Schon der Aufstieg 2006 war eine Überraschung, der souveräne Klassenerhalt ein Jahr später eine Sensation.“

Josef Kelnberger (SZ) klopft den Cottbussern und Rostockern, 17. und 18. der Ersten Liga, auf die Schultern und stellt klar: „Energie ist wie Hansa ein kleiner Verein, und wer endlich blühende Landschaften im Fußball-Osten sehen will, sollte bedenken: Cottbus und Rostock erleben eine Blüte, angesichts der wirtschaftlichen Bedingungen, wie Aue und Jena in Liga Zwei. Wer klagen will, findet Anlass in Magdeburg und Dresden, wo Klubs mit großer Tradition es nicht schaffen, sich aus der Drittklassigkeit zu befreien – und Anlass zur Depression in Leipzig, an der Wiege des deutschen Fußballs. Dort funkelt das WM-Stadion des Ostens, dort erlebt die Wirtschaft einen beachtlichen Boom, aber der führende Klub, Viertligist Sachsen, hat gerade wieder Mühe, seine Rechnungen zu bezahlen. Wieder soll die Stadt helfen, wieder träumt man von einem Großsponsor, von russischen Millionen, einer Investorengruppe, wie sich gerade eine bei Carl Zeiss Jena engagiert. Zur Not will man einfach das überaus erfolgreiche Nachwuchszentrum schließen. Das ist echter Aberwitz.“

Überwunden geglaubte Mängel

Jürgen Höpfl (FAZ) legt skeptisch die Worte des Nürnberger Trainers aus: „Da mochte Hans Meyer noch so bemüht darauf verweisen, einen solchen Vergleich ‚ungern und sehr selten‘ zu ziehen: Allein, dass er ihn zog, belegt den Unterschied zwischen dem 1. FC Nürnberg der vergangenen Saison und dem 1. FC Nürnberg des aktuellen Spieljahres. ‚Das Unentschieden dürfen die Jungs wie einen Sieg feiern‘, sagte der sonst kritische Meyer: ‚Heute haben wir gewonnen!‘ Eine Punkteteilung als Gute-Laune-Indikator? Gleich dreimal hatten die Nürnberger in ihrer erfolgreichen letzten Runde gegen Hannover gesiegt, 3:1 und 3:0 in den Punktspielen sowie im Elfmeterschießen des Pokal-Viertelfinales. Doch diesmal erfreuten sie sich an einem Remis, weil ihnen dieses 2:2 nach einem 0:2-Rückstand die dritte Heimniederlage der jungen Saison ersparte. ‚Eineinhalb Jahre war der liebe Gott ein Clubberer‘, wurde Meyer pathetisch: ‚Zuletzt hatte ich das Gefühl, er wendet sich von uns ab.‘ Mangelnder himmlischer Beistand ist nicht der alleinige Makel in der Mannschaft; auch das schnöde Handwerk offenbart überwunden geglaubte Mängel. Torwart Jaromir Blazek kämpft als Schäfer-Nachfolger noch um die unbestrittene Rolle als Rückhalt einer Viererkette, die nicht mehr die solideste ihrer Zunft ist. Probleme, die sich im Mittelfeld und Angriff fortsetzen: Das Offensivspiel läuft unrund, erschöpft sich in unwirksamen Flachpässen.“

Samstag, 15. September 2007

11 Freundinnen

Weiter und beschwerlicher Weg bis zum Endspiel

Pressestimmen zum 0:0 zwischen Deutschland und England im zweiten WM-Gruppenspiel

Michael Horeni (FAZ) registriert den unerwarteten Widerstand, den die Engländerinnen leisteten: „Nun hat also auch für die Titelverteidigerinnen die harte Arbeit begonnen. Nach dem schon unwirklich anmutenden 11:0-Auftaktsieg gegen Argentinien machte die Mannschaft gegen die Engländerinnen ganz schnell die Erfahrung, wie weit und beschwerlich der Weg bis zum Endspiel noch werden wird. Denn im Frauenfußball war das Duell Deutschland gegen England lange alles andere als ein Klassiker zweier ebenbürtiger Konkurrenten. Siebzehn Spiele hat es zwischen beiden Nationen schon gegeben, doch erst in der letzten Partie Anfang des Jahres konnten die Girls aus dem Mutterland des Fußballs das erste Unentschieden feiern – die Begegnungen zuvor hatten die Deutschen allesamt gewonnen. Aber nun, ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft, konnten die Deutschen ihre Erfolgsserie gegen die Engländerin nicht weiter fortschreiben. Die Titelverteidigerinnen haben damit die vorzeitige Qualifikation für das Viertelfinale verpasst. Der Aufschwung der Engländerinnen im Frauenfußball ist unverkennbar. Die Britinnen waren von Beginn an zu leidenschaftlichem Kampf entschlossen und setzten dem Favorit mit ihrer kompromisslosen Spielweise in der Defensive sowie ihren schnellen Attacken zu.“

Robert Trist (taz) fügt an: „Nach dem Rekordsieg gegen Argentinien hatte viele wohl wieder mit einem klaren Sieg der deutschen Elf gerechnet. Doch sie sollten enttäuscht werden, beiden Seiten mangelte es an Tempo und Dynamik, sich ausreichend Torchancen zu erspielen.“ Kopie? Gar Spionage? Daniel Meuren (Berliner Zeitung) hat eine zurzeit sehr populäre Erklärung für Englands Boom parat: „Normalerweise vermeidet die Fifa innerkontinentale Vergleiche, da aber fünf Europäer auf vier Gruppen zu verteilen waren, mussten eben die Engländer und die Deutschen miteinander streiten. Die Engländerinnen haben in den vergangenen Jahren ihr Spielsystem dem deutschen angeglichen. Im für seine hohe Kopierkunst berühmten China hat das für England immerhin zum zweiten Punktgewinn im siebzehnten Vergleich mit Deutschland gereicht.“

SZ: Ein Münchner in München: Der Fall Christian Lell zeigt, dass sich auch für Eigengewächse ein Platz in der edlen Bayern-Elf finden lässt
FAZ: Bayern nach der Länderspielpause
FAZ: Schalke vor dem Spitzenspiel in München

Freitag, 14. September 2007

Internationaler Fußball

Die zuvor laut klagende Fußballnation fühlt sich wieder kerngesund

Pressestimmen zum 3:0 Englands gegen Russland sowie zum schottischen Sieg in Frankreich und dem Faustkämpfer Scolari

Nach dem 3:0 gegen Russland – Christian Eichler (FAZ) erklärt uns Englands Mathematik und die Schwierigkeit, die auf seinen Trainer zukommen wird: „Eins plus eins ergibt manchmal null. Und manchmal mehr als zwei. Zumindest im Fußball, denn er hat seine eigenen Grundrechenarten. Warum? Weil manche Spieler einfach nicht miteinander können. Sie stehen sich im Weg, sie konkurrieren um dieselben Räume, Bälle, Wege. Dann gibt es wieder solche, die füreinander geschaffen scheinen wie Sherlock Holmes und Dr. Watson, wie Derrick und Harry; oder wie Michael Owen und Emile Heskey. Die Rückkehr des bulligen Heskey in den englischen Sturm war belächelt worden. Wie sollte der hölzerne Riese den dynamischen Wayne Rooney ersetzen? Doch er erwies sich als Glücksgriff des Trainers Steve McClaren. Heskey hat erst beim 3:0 gegen Israel, nun auch beim 3:0 gegen Russland dem fast abgeschriebenen Torjäger Owen neues Leben eingehaucht. Seine Präsenz und seine Kopfballverlängerungen öffneten dem alten neuen Partner die Wege, die er braucht. Gegen Israel schoss Owen ein Traumtor, gegen Russland traf er gleich zweimal. Das macht 40 Treffer in 85 Spielen für England – und 14 in 14, wenn er mit Heskey spielt. Schon fühlt sich die zuvor laut klagende Fußballnation wieder kerngesund. Dabei ist die englische Krankheit wohl kaum vollständig ausgestanden: Es ist die gegenseitige Allergie der Stars untereinander. Auf den Positionen, auf denen England einen Weltklassespieler hat, sind es meist gleich zwei; und fast immer stehen sie einander im Weg, statt sich zu ergänzen. Gerrard kann nicht mit Lampard, Owen nicht mit Rooney, und Beckham kann schon lange mit gar keinem mehr außer mit dem ruhenden Ball. Nun haben sich diese Probleme durch Verletzungen kurzfristig glänzend gelöst. Bald aber stellt sich schon wieder die Frage, wie McClaren demnächst das seltsame Dilemma lösen wird, wieder zu viele gesunde Stars zu haben.“

Eins und eins und noch eins: das macht drei – ist doch ganz einfach

Elitäre Attitüde

Eichler stellt beim 1:0 in Frankreich fest, dass sich Schottland von seiner Vergangenheit befreit hat: „Noch vor fünf Jahren, zu Beginn der Ära Vogts, schien man zum Fußball-Entwicklungsland geschrumpft. Damals wurden die Schotten unter ihrem ersten nicht-schottischen Nationaltrainer beim 0:5 in Frankreich vorgeführt. Nun haben sie binnen elf Monaten unter beiden Vogts-Nachfolgern die Franzosen besiegt: unter Walter Smith letzten Oktober, nun unter McLeish. Dabei hat sich das spielende Personal nicht groß geändert. Kein schottischer Profi kommt im internationalen Klubfußball über eine Nebenrolle hinaus. Doch als Team sind sie zur Macht geworden.“

Josef Kelnberger (SZ) zeigt auf die französischen Problemzonen: „Vielleicht hat die Stürmer-Generation mit Thierry Henry, David Trezeguet und Nicolas Anelka ihren Zenit überschritten. Domenech ist es jedenfalls nicht gelungen, ein effizientes Offensivspiel zu organisieren, wie das der deutsche Kollege Löw vormacht. Offensiv gibt sich der Coach nur in Interviews, oft zum eigenen Schaden. Nicht nur die elitäre Attitüde von Domenech und seinen Luxuskickern nervte die Schotten, sie wollten sich auch für das 0:5 revanchieren, das sie 2002 unter Berti Vogts kassiert hatten. Diese Schmach ist nun getilgt. Schon vor dem Spiel hatten die schottischen Anhänger die Gastgeber in Grund und Boden gesungen. Sogar die Marseillaise erklang mit schwerem, schottischem Akzent.“ Rod Ackermann (NZZ) macht ähnliche Defizite geltend: „Dass den Franzosen trotz erdrückender Feldüberlegenheit der erlösende Treffer nicht gelang, liegt indes nicht allein an der extrem defensiv ausgerichteten Spielanlage des Gegners, sondern – wie da und dort vermutet wird – auch an einer gewissen Dosis Selbstüberschätzung. Genau wie bei den Kollegen vom Rugby.“

Er tat es schon wieder, James McFadden – kommentiert mit einer schottischen Kartoffel im Maul

Das schwarze Schaf leuchtet

Nach dem 1:1 gegen Serbien – Tilo Wagner (FAZ) befasst sich mit dem Schläger Luiz Felipe Scolari, Trainer Portugals: „Die Gründe für Scolaris Ausbruch liegen tiefer als der Frust über eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen verspielte Portugal kurz vor Schluss einen sicher geglaubten Heimsieg gegen einen unmittelbaren Rivalen. Scolaris nicht immer faire Kampftugenden, die seine Mannschaft zuletzt bei der ‚Schlacht von Nürnberg‘ im WM-Achtelfinale 2006 gegen Holland eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, sind ein Relikt aus einer scheinbar fernen Vergangenheit. Portugal spielt einen nervösen, unkontrollierten, zaghaften Fußball und kann auch nach vorne nur selten Akzente setzen.“

Georg Bucher (NZZ) geht in Deckung: „Portugal ist in der Uefa-Familie ein schwarzes Schaf, dessen Fell nun noch dunkler leuchtet. Portugiesische Junioren hatten an der U20-WM die Beherrschung verloren und dem Schiedsrichter, ehe er ihn hochhalten konnte, den Roten Karton aus der Hand gerissen. João Pinto hatte an der WM 2002 einen Referee in den Bauch geboxt, das unrühmliche Terzett Abel Xavier / Nuno Gomes / Paulo Bento war nach Tätlichkeiten im EM-Halbfinal 2000 monatelang gesperrt worden. Dass Serbien aus Offside-Position den Ausgleich erzielte und sein Referee-Intimfeind Markus Merk Scheuklappen vor den Augen hatte, mag Scolaris Nerven zerrissen haben, rechtfertigt den Blackout aber nicht.“

Tyson Scolari

Deutsche Elf

Kein anderes Team in Europa tritt im Moment derart überzeugend auf

Die Hymnen auf die Nationalmannschaft und, vor allem, ihren Trainer wollen auch nach dem 3:1 gegen Rumänien nicht enden

Michael Ashelm (FAZ) pflückt Joachim Löw einen Strauß Blumen: „Seine sportliche Bilanz und seine Sympathiewerte könnten nicht besser sein. Längst hatte sich mit den Erfolgen der vergangenen Monate sein altes Image eines netten, aber konturlosen Zuarbeiters verändert. Der Bundestrainer hat mit seiner ausgleichenden, selbstbewussten, charmanten und klugen Art ein eigenes Profil entwickelt, das mit jedem Sieg auf dem Platz deutlicher heraustritt. Ob im Stadion, bei den Leuten auf der Straße oder im Hörsaal – Löw kommt an und weckt bei den deutschen Fußballfreunden weiterhin Hoffnungen. Der größte Gewinner ist deshalb vor allem er selbst. Wer unter schwierigen Rahmenbedingungen eine Mannschaft für eine Testpartie zusammenstellt, die nicht schon mit den Gedanken beim nächsten Bundesligaspieltag ist und voller Leidenschaft ihre Unerfahrenheit zu überspielen weiß, beweist Gespür und Führungsqualität. In Löws stetigen Aufstieg in neue Sphären ist Eigendynamik gekommen, die seine Popularität in neue Höhen katapultiert. Interessant zu sehen, was sich am Ende für ihn als die größere Herausforderung darstellt: der Umgang mit den Erwartungen als Liebling der Massen oder der Prozess der planmäßigen Fortentwicklung seines Projektes bei der Nationalmannschaft. Zur Zeit stellt sich das Gesamtbild in rosaroten Tönen dar.“

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) reiht sich ein in die große Schar der Gratulanten und Optimisten: „Für die DFB-Auswahl des Jahrgangs 2007/08 scheint es keine Grenzen nach oben zu geben. Wie in Wembley gewann Deutschland mit einem besseren B-Team, die Mannschaft kämpfte sich wie gegen England (2:1) nach einem frühen Rückstand zurück ins Spiel und bezwang am Ende souverän einen Gegner, der zuvor in vierzehn Spielen unbesiegt geblieben war. Und das mit einer Elf, die bei Schlusspfiff überwiegend aus Perspektivspielern der Sorte Castro, Helmes, Rolfes, Hilbert und Trochowski bestand. Bessere Aussichten hat es selten gegeben im deutschen Fußball, wohl noch nie ist das Arsenal begabter junger Spieler größer gewesen. Kein anderes Team in Europa tritt im Moment derart überzeugend auf.“

Weg zu sich selbst

Ashelm betont die starke zweite Halbzeit der Deutschen: „Wie auf Löws Knopfdruck hin zwang die Elf nach der Pause dem zuvor technisch versiert und brillant kombinierenden Gegner ihre Kraft auf. Zwar gehörten hier und da taktische Missverständnisse weiterhin zum Spiel, doch wettgemacht wurde das Defizit von der Entschlossenheit der Mannschaft, sich eine Enttäuschung unbedingt zu ersparen. Stilsicher setzten auch die vielen Nationalmannschaftsanfänger das Konzept des offensiven Direktspiels um und drängten die träger gewordenen Rumänen um ihren spielfreudigen Mittelfeldstar Adrian Mutu in die Verteidigung. Zwar konnte hier niemand Zauberfußball erwarten, dafür aber einen schnellen, forschen und druckvollen Ball. Löws Ersatzleute lieferten im Kölner Stadion ein Ergebnis ab, das zum wiederholten Mal auf eine vertrauensvolle, gut strukturierte und organisierte Arbeit innerhalb der Nationalmannschaft hindeutet, aus der jeder Einzelne seine Kraft zieht.“

Richard Leipold (FAZ) schildert, wie Lukas Podolski im Heimaturlaub Energie getankt hat: „Seine Heimspielstätte ist inzwischen die Münchener Arena in Fröttmaning. Aber ’sein‘ Stadion? Das liegt immer noch im Rheinland, wie die Partie gezeigt hat. Die Herzen der Kölner Fans brauchte er nicht zurückzuerobern; sie fliegen ihm immer noch zu – was gerade bei Spielern, die zum FC Bayern wechseln, ungewöhnlich ist. Podolskis Tagesziel war der Weg zu sich selbst. Er kam in Köln an wie ein Reisender, der nicht nur räumlich weit weg war von seiner vertrauten Umgebung.“

SZ: Bei der WM im vergangenen Sommer war er Publikumsliebling; nach einem Jahr in Sevilla und einer schweren Verletzung meldet sich David Odonkor mit einem Tor in Deutschland zurück

Die Höhepunkte

Donnerstag, 13. September 2007

Ball und Buchstabe

Relikt aus einer vergangenen Epoche

Stuttgart, Austragungsstätte einer stimmungsvollen WM (1993) und einer stimmungsvollen EM (1986) in der Leichtathletik, wird sein Stadion wahrscheinlich in ein reines Fußballstadion umbauen; Gerd Schneider (FAZ) lässt sich von den Befürwortern überzeugen: „Bahn frei für den Fußball, das bedeutet für die olympische Kernsportart weiteren Bodenverlust in einem Verdrängungswettbewerb, den sie nicht gewinnen kann. Fußball boomt und boomt, und selbst die großen olympischen Sportarten werden nur noch bei Welt- oder Europameisterschaften wahrgenommen. Architektonischer Ausdruck dieser Übermacht sind die Fußballstadien, die heute nicht ohne Grund Arenen genannt werden: lichtgleißende Vergnügungspaläste, die dem Prinzip der Raumverknappung huldigen und Fußballspiele zu einem Spektakel verdichten. Wie sehr die distanzschaffenden Leichtathletik-Laufbahnen die Adrenalin-Ausschüttung bei den Zuschauern und womöglich auch bei den Darstellern drosseln, lässt sich in der Bundesliga nur noch in Nürnberg und Berlin erleben. Ob rot oder blau, das Oval wirkt dort schon jetzt wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche. Man mag das Verschwinden der Laufbahnen als Verlust empfinden und die Dominanz des Fußballs als erdrückend: Doch die Weltsportart Nummer eins hat momentan einfach die besseren Argumente. Die Fürsprecher der Leichtathletik sollten nicht in Klagen verfallen, sondern sich an die Verhältnisse anpassen. Der Trend geht ohnehin zu den kleineren Anlagen in der Provinz; große Stadien lassen sich nur mit Fußball oder Rolling-Stones-Konzerten füllen. Und nichts tötet die Stimmung mehr als klaffend leere Zuschauerränge – im Fußball wie in der Leichtathletik.“

Gäste empfangen und bewirten

Michael Smejkal (SZ) referiert die Sorgen und den Defätismus der Österreicher, Gastgeber der EM: „268 Tage vor Beginn der mit viel Aufwand initiierten EM – drei der vier österreichischen EM-Stadien sind neu – scheint das Feuer in Österreich zu erlöschen. Schlimmer noch: Die Auftritte der seit Jahren von Krisen geschüttelten Auswahl werden nicht mehr nur als beschämend, sondern mittlerweile als Belästigung empfunden. Selbst der dem Team in steter Treue zugetane Staatsfunk ORF brachte es auf einen Nenner: ‚Österreichs Team hat ein Problem mit dem Fußball‘, lautete die Schlagzeile auf der Online-Seite, während die Salzburger Nachrichten dem Team den freiwilligen Rückzug aus der EM nahe legten. Österreich solle lieber machen, was es am besten könne: Gäste aus aller Welt empfangen und bewirten.“

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