indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Freitag, 25. August 2006

Deutsche Elf

Der netter Herr Flick, eine gute Wahl

Pressestimmen zu der Verpflichtung Hans-Dieter Flicks als Co-Trainer

Christof Kneer (SZ) spekuliert über Aufgabe und Rolle des neuen Co-Trainers in Abgrenzung zu seinem Vorgänger und Chef: „Flick genießt einen ausgezeichneten Ruf in der Branche – zumindest in jener Branche, die sich nicht nur über die großen Schlagzeilen definiert. Man kann davon ausgehen, daß Flick eine andere Rolle im DFB-Trainerstab spielen wird als sein Vorgänger. Der trockene Taktiker Löw war der Kontrapunkt zum Oberguru Klinsmann, aber zum Kontrapunkt taugt Flick bestimmt nicht. Er gilt als kluger Taktiker, und in Hoffenheim loben sie bis heute sein abwechslungsreiches Training, aber das ist nichts, was sein neuer Chef nicht auch für sich reklamieren würde. Anders als Löw darf Flick wieder als der klassische Assistent gelten, und beim DFB gehen sie davon aus, daß er sich nicht in den Vordergrund drängt. In der Branche wird derweil mit Spannung erwartet, wie sich der zurückhaltende Charakter auf der großen Bühne schlägt. Zum netten Herrn Löw, wie der Bundestrainer einst genannt wurde, ist nun der nette Herr Flick gekommen.“ Peter Penders (FAZ) staunt: „Ein unbeschriebenes Blatt ist der ehemalige Profi von Bayern München natürlich nicht, aber so ohne weiteres mußte man auch nicht auf ihn kommen.“ Mathias Klappenbach (Tsp) schreibt: „Flick ist eine gute Wahl.“

Nicht Buchwald, nicht Littbarski, nicht Hrubesch – Philipp Selldorf (SZ) befürwortet das aktuelle Prinzip des DFB: Bei der Wahl des Co-Trainers gelten nicht mehr alte Verdienste, sondern die Eignung: „Die Zeiten sind rauher geworden für verdiente Größen. Ein Name, der gute Erinnerungen birgt, genügt nicht mehr. Noch unmittelbar vor der Weltmeisterschaft hätten es mindestens 99 Prozent des Publikums für unmöglich gehalten, daß einmal ein Duo namens Joachim Löw und Hans-Dieter Flick an der Spitze der Nationalmannschaft stehen könnte. Inzwischen wundert sich so recht keiner mehr, was wohl damit zu tun hat, daß in der öffentlichen Wahrnehmung die sachlichen Inhalte der Trainerarbeit an Gewicht gewonnen haben und Länderspiel-Einsätze nicht mehr als notwendige Voraussetzung für das geeignete Charisma gelten. An die Stelle des Prominenz-Prinzips ist das Trainer-Prinzip getreten.“ Andreas Lesch (BLZ) bezeichnet Flick als Lackmus-Test für die Toleranz des deutschen Fußballstammtischs: „Ihren Reiz zieht die Personalie Flick daraus, daß nun zwei kleine Namen die Nationalelf zu großen Zielen führen wollen. An den Reaktionen aus der Bundesliga wird sich ablesen lassen, ob die Branche aus den Erfahrungen der WM gelernt hat und Neuerungen endlich vorurteilsfrei begegnet – oder ob sie in alter Machomanier schon vor dem ersten Mißerfolg zu mosern beginnt.“

Donnerstag, 24. August 2006

Vermischtes

Aktuelle Links: Totally Frank, Ashburton Grove und mehr

Ulrich Friese (FAS) befaßt sich mit dem Empfang für Michael Ballack in Chelsea: „Vereinsintern wächst der Erfolgsdruck für Ballack. Bis auf Terry und Lampard besitzt kein Spieler an der Stamford Bridge ein Recht auf einen Stammplatz. Offensichtlich ist durch den Auftritt Ballacks die Verunsicherung bei den Kollegen riesengroß. Rechtzeitig zum Saisonauftakt kündigte Rivale Lampard in seiner neuen Autobiographie ‚Totally Frank‘ (‚Total offen‘) an, daß er seinen Sonderstatus bei Chelsea und in der englischen Nationalmannschaft mit aller Macht verteidigen werde. Franks Aussage ist als Kampfansage an Michael zu verstehen.“

NZZ: Arsenal muß sich erst an sein neues Stadion Ashburton Grove gewöhnen

NZZ: Juventus will vor das Zivilgericht, „nun nehmen die neuen Juve-Bosse in Kauf, daß das ganze Rechtssystem des Fußballs in die Luft fliegt und der Ball blockiert bleibt. Eine Zerreißprobe mit Italien zeichnet sich für die Uefa und die Fifa ab, die auf die Verbandsautonomie pochen, auf Staat-im-Staate-Privilegien des Fußballs, aber in erster Linie natürlich auf ein funktionierendes System.“

NZZ: „Nach dem Exploit droht der Ausverkauf – der Copa-Libertadores-Sieger Internacional de Porto Alegre endlich im erlauchten Kreis“

NZZ: Die Primera Division vor dem Saisonstart

NZZ: „Ich würde auf mich wetten“ – Uefa-Präsident Johansson eröffnet in Monte Carlo den Wahlkampf
FAZ: „Johansson, der unverwüstliche Skandinavier, kämpft um seine Wiederwahl“

SZ: Dissonanz in Bremen zwischen Diego, dem neuen Star, und den Alteingesessenen

SZ: Harmonie in Karlsruhe nach dem 2:0 gegen Kaiserslautern
FR: KSC-Torwart peilt den Aufstieg an

FR: Jan Christian Müller fordert, „Notbremsen“ differenzierter und weniger rigoros zu ahnden

BLZ: Berlin – immer mehr Kinder spielen Fußball, doch es fehlt an Trainern und Plätzen

Champions League

Die Mentalität scheint zurück

Drei Pressestimmen zur Champions-League-Qualifikation des Hamburger SV durch das 1:1 in Pamplona

Gut gegangen – Ronald Reng (FR) prüft die Strategie der Hamburger Vereinsführung, dem Sparen und Geldeinnehmen Vorrang zu gewähren, und empfiehlt einen Kurswechsel: „Die Qualifikation für die Champions League ist Dietmar Beiersdorfers bestes Argument für das HSV-Modell, Spieler jung zu kaufen, emotionslos mit Gewinn weiterzuverkaufen und trotzdem vorwärtszukommen. Es funktioniert, weil der HSV strategisch nach Spielern scoutet und dank Thomas Doll systematischer spielt als die meisten Teams. Aber es wird nicht ewig funktionieren, das wurde in Pamplona deutlich. Die Souveränität, das sichere Kurzpaßspiel, das den HSV im Herbst 2005 besonders machte, ist verschwunden. Es ist eine gut organisierte Mannschaft, in der keiner mehr Steilpässe spielt und nur noch Rafael van der Vaart über die Flügel vorstößt – der Preis der Fluktuation. Junge Spieler wie Nigel de Jong machen noch zu viele Fehler. Deshalb muß das Geld auch dazu genutzt werden, die alten Kräfte länger zu binden.“ Sascha Zettler (FAZ) erkennt die Konturen des alten HSV wieder, preist den Kampf als entscheidendes Element im Hamburger Spiel und hebt den Kapitän hervor: „Die Mentalität scheint zurück, und ein Chef ist offenbar auch wieder da. Noch bevor de Jong die Ärmel aufgekrempelt hatte und zum Helden des Tages avanciert war, hatte van der Vaart die Zeichen gesetzt, jeden Ball gefordert, Aggressivität vorgelebt und mitgerissen.“

Reng befaßt sich mit dem Zustandekommen und der Wirkung des knappen Erfolgs – und des knappen Mißerfolgs: „Der Fußball teilte an diesem Abend willkürlich in Gewinner und Verlierer, es gab keinen Unterschied zwischen den Teams, die viel Willen und deutlich weniger Klasse zeigten. Doch danach durften die Hamburger so tun, als seien alle Probleme weggezaubert. So ist das bei Erlösungen. Auf dem langen Weg aus dem Mittelmaß wurde der HSV zuletzt von heftigen Wachstumsstörungen geplagt.“ Auf Volk ohne Raumdeckung, dem tazblog, lesen wir kichernd: „Als das knappste aller Ergebnisse gilt gemeinhin das 1:0, nicht so im Europacup. Unbesiegt scheidet man dort oft aus, ungewonnen (???) geht man als Sieger vom Platz. Die Auswärtstoreregel macht es möglich. Als Kind dachte ich immer, Albert Einstein hätte sie erfunden und deshalb den Friedensnobelpreis bekommen. Aber er hat sich mit weitaus simpleren Dingen beschäftigt, wie ich seit dem Einstein-Jahr 2005 weiß.“ Auch dort wird van der Vaart auf die Schulter geklopft: „Ein echter Käpt’n, auch bei Windstärke zehn im eigenen Strafraum immer Vorbild.“

Mittwoch, 23. August 2006

Ascheplatz

Große Rechtsunsicherheit

Das Spitzentreffen des deutschen Sports über Sportwetten – drei Pressestimmen

Christian Tretbar (Tsp) kommentiert die Bemühung des DFB und der DFL auf der einen Seite und des DOSB auf der anderen, eine gemeinsame Position in Sachen Sportwetten zu finden: „Eine endgültige Lockerung des Wettmarktes wäre für den Breitensport existenzgefährdend, weil die Haupteinnahmequelle wegfiele – und das in einer Zeit, in der der Sport als gesellschaftliche Integrationskraft immer wichtiger wird. Die ohnehin knappen Mittel würden weiter schrumpfen. Für den Profifußball bedeutet die Beibehaltung des staatlichen Wettmonopols in letzter Konsequenz nur den Verzicht auf ein paar zusätzliche Millionen. Einige Vereine müßten sich in dem Fall neue Sponsoren suchen, was für große Bundesligavereine wohl das kleinere Problem darstellen dürfte. Die Ministerpräsidenten dürfen sich also mit gutem Recht auf die Seite des Breitensports schlagen und das staatliche Wettmonopol weiter festschreiben – zum Wohle der Allgemeinheit und nicht der ohnehin reichen Fußballprofis und -klubs.“

Jörg Hahn (FAZ) prophezeit, daß der Fußball seine Macht gegenüber den anderen Sportarten durchsetzen werde: „Auch dem Letzten muß klargeworden sein, daß der Fußball hierzulande die Richtung vorgibt. Und daß es Solidarität nur in dem Maße gibt, in dem es der mächtigsten, wichtigsten Sportart gefällt. Der deutsche Fußball als Wettspiel-Anbieter und alleiniger Nutznießer – dieses Schreckensbild für viele andere Verbände ist nicht vom Tisch. Ob eine unentschiedene Haltung die richtige Ausgangsposition ist für Gespräche mit den für den Glücksspielmarkt zuständigen Ministerpräsidenten der Bundesländer?“

Jörg Winterfeldt (Welt) sagt voraus, daß private Sportwetten durch nationale Gesetze nicht zu bremsen seien: „Am Rückgang des Wettgeschäftes liegt dem Sport nichts. Im Gegenteil. Und während Oddset nicht mehr werben darf, würde private Konkurrenz aus dem Ausland einfach legal weiter operieren – über Sender wie Eurosport, die von Frankreich aus arbeiten, und das Internet. Globalisierung und Medien haben längst sichergestellt, daß ein nationaler Markt nicht mehr abzuschotten ist. Es wird weiter gewettet, der Gesetzgeber legt nur fest, in welcher Größenordnung Deutschlands Sport weiter partizipiert.“ Die FAZ fordert von der Justiz eine Klarstellung: „Fünf Monate nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts herrscht große Rechtsunsicherheit.“

FR: Minimalkonsens beim Sportwettengipfel
Tsp: „Ein Ziel, zu viele Wege – der Sport kämpft mit den finanziellen Folgen der Neuregelung des Wettmarktes – und zeigt sich dabei alles andere als einig“
FAZ: Ein weiterer Hintergrundbericht über die Wett-Sitzung von Fußball- und anderen Sportverbänden

Dienstag, 22. August 2006

Am Grünen Tisch

Selbstgerecht

Roland Zorn (FAZ) führt die Vielzahl an Feldverweisen am 2. Bundesliga-Spieltag auf die Unsicherheit zurück, die eine Saison nach der WM mit sich bringe: „Ist die Luft so viel rauher geworden nach der Weltmeisterschaft, bei der die Schiedsrichter zu Beginn auf Grund scharfer Vorgaben der Fifa über die Maßen hart durchgriffen? An diesem Beispiel wollten sich die deutschen Referees, angeführt von ihrem Vormann Volker Roth, doch gerade nicht orientieren. Tatsächlich kann von einem Trend wohl weniger die Rede sein als von einer Summierung infantiler Kraftproben, brutaler Grätschen, aber auch vermeidbarer Fehlentscheidungen.“ Zorn rügt allerdings die Rechtfertigungen der Offiziellen, die wenig Einsicht erkennen lassen: „Die Äußerungen der Schiedsrichter-Oberen nach einem Spieltag eigener Pannen klangen selbstgerecht.“ Schiedsrichter sind bekanntermaßen eine Sorte Mensch, der es schwerfällt, einen Fehler zu einzusehen; in dieser Hinsicht machen ihnen wohl nur Journalisten etwas vor.

faz.net: Fotostrecke Rotflut in der Bundesliga

Verarsche

Wolfgang Hettfleisch (FR) haut wegen der halbherzigen Rechtssprechung in Sachen Sportwetten mit der Faust und in kräftiger Prosa auf den Tisch: „Was ist das überhaupt für eine Rechtssprechung: Der Staat darf sein Wettmonopol nur behalten, wenn er damit die Wettleidenschaft konsequent eindämmt? Das ist schizophren! Darauf können nur Juristen kommen. Es herrscht eine unerträgliche Verlogenheit in der Debatte. Es geht um Geld. Nur darum. Doch der staatliche Monopolist muß jetzt auf richterliches Geheiß so tun, als ginge es um Moral, sonst ist sein Goldesel futsch – denn dann bauen ihn die Privaten in Serie nach. Also steht der Dukaten-Kacker jetzt grau lackiert inkognito im Streichelzoo. Lächerlich! Oddset verfolge ‚auch fiskalische Zwecke‘, betonten die Verfassungsrichter. Na was denn sonst? Der Bürger ist nicht dämlich. Er weiß, womit er es zu tun hat, wenn er per Handzettel im Lotto-Büdchen vor den Gefahren der Spielsucht gewarnt wird: Mit Verarsche!“

BLZ: Ringen um Millionen – DOSB und DFB suchen nach einer gemeinsamen Linie im Umgang mit dem Sportwetten-Markt
faz.net: Sportwetten-Gipfel – Fußball gegen den Rest des Sports
FR-Interview mit Theo Zwanziger über Sportwetten

BLZ: ARD und ZDF verzichten sonntags auf ihr Recht auf Kurzberichte von der Bundesliga

Bundesliga

Nur Hoeneß ist bereits in Bestform

Philipp Selldorf (SZ) schaut den 2:1-Sieg der Bayern in Bochum und begreift die Wertschätzung des Vereins für Owen Hargreaves: „Auf das Geld, das sie mit Hargreaves‘ Verkauf verdienen könnten, sind die Bayern nicht angewiesen, auf seine Beiträge fürs Mittelfeld schon. Auch das war eine Lehre aus Bochum. Dort hat Magaths Mittelfeldauswahl zwar brav gearbeitet – die eifrigen Ottl und Salihamidzic, der erbarmungslose Demichelis und der angestrengt seine Form suchende Schweinsteiger –, aber ein spielerisch karges Bild geboten. Für Freude am Fußball sorgte auf der anderen Seite der ehemalige Münchner Misimovic.“ Richard Leipold (Tsp) kommt zum gleichen Schluß: „Nicht zuletzt unter dem Eindruck der WM trauen Fachleute Hargreaves weit mehr zu, als vor der Abwehr die Kreise des Gegners zu stören. Darauf beschränken sich indes die Fähigkeiten von Demichelis, der Hargreaves leidlich ersetzte. Wer dem rustikalen Argentinier bei der Arbeit zuschaut, ahnt, warum der FC Bayern sich so dagegen sperrt, nach Ballack auch Hargreaves ziehen zu lassen.“ Die Stuttgarter Zeitung vergleicht das Spiel der Bayern mit der Kopfwäsche, die Uli Hoeneß Hargreaves verpaßt haben soll: „Nur Hoeneß ist bereits in Bestform“.

Welt: Heftiger Streit zwischen Hoeneß und Hargreaves

taz: Indirekte Subvention der Kommune für den VfL Bochum

Ins Team gestolpert

Stuttgart gewinnt 3:2 in Bielefeld, und die Zeitungen konzentrieren sich auf die Sieger; das wäre wohl nicht so verlaufen, wenn ein anderer Verein als Bielefeld gegen neun Spieler verloren hätte. Peter Penders (FAZ) ergötzt sich an der Geschichte des Matchwinners Cacau, der schon auf der Verkaufsliste stand: „Das Interesse der anderen Vereine erlosch häufig schlagartig, sobald klar wurde, was der VfB dem Brasilianer monatlich überweist. Am Sonntag waren alle Stuttgarter froh, daß sie ihn nicht losgeworden sind. Den 2:1-Führungstreffer hätte vermutlich auch ein talentierter Freitzeitkicker hinbekommen. Aber immerhin, er war noch im Spiel. So bekam der Brasilianer noch die Gelegenheit, das Tor des Spieltages und einen der wahrscheinlich spektakulärsten Treffer der Saison zu erzielen. Trotz Überzahl ließen ihn die Bielefelder aus mehr als dreißig Metern zum Schuß kommen – und wußten kurz darauf, daß sie das besser hätten bleiben lassen.“ Ulrich Hartmann (SZ) rekonstruiert, wie Cacau ins Team gestolpert ist: „Es war die reine Not des Trainers Armin Veh, die Cacau jetzt zu Hilfe kam. Das erste Spiel war dem VfB gegen Nürnberg mit 0:3 peinlich klar verloren gegangen. Der junge Gomez hatte enttäuscht, der Schweizer Streller ist nicht in Form und der Serbe Ljuboja wird beim VfB nicht mehr spielen, weil er in der vergangenen Saison unmittelbar nach der Verlängerung seines Vertrags unversehens das doppelte Gehalt gefordert hat.“ Sven Flohr (Welt) zieht ein Fazit aus der Sicht des Stuttgarter Trainers: „Damit die Zukunft Vehs nicht mehr diskutiert wird, bedarf es noch einiger Erfolge. Zu wenig hat der VfB bislang unter seiner Führung erreicht, zu sehr stand er in den vergangenen Monaten in der Kritik.“ Hartmann ergänzt: „Das Stuttgarter Kartenhaus schien bereits am ersten Spieltag zusammengefallen zu sein, doch in Bielefeld rehabilitierte sich die Elf nicht nur durch das 3:2, sondern vor allem durch dessen Entstehung.“

Vom Titel spricht in Hamburg niemand mehr

Stefan Osterhaus (NZZ) vertraut den Hamburgern, die derzeit scharf beäugt werden, weil sie die Säulen aus der erfolgreichen letzten Saison hergeben: „Geduld heißt womöglich die Qualität, die Dietmar Beiersdorfer am ehesten eigen ist. Er kann warten. Monate, ja sogar Jahre. Manchmal erspäht seine Scouting-Abteilung einen Spieler – und läßt dann Zeit verstreichen. Erst wenn es beim gegenwärtigen Arbeitgeber Schwierigkeiten gibt, ist Beiersdorfer zur Stelle, wedelt mit einem Vertrag und lockt mit dem Versprechen, in Hamburg erwarte den Umworbenen garantiert eine gute Zeit. So haben sie Rafael van der Vaart überzeugt.“ Osterhaus endet mit einem beiläufigen Satz: „Vom Titel spricht in Hamburg niemand mehr.“ Könnte sich diese Feststellung von der erloschenen Erwartung als Vorteil für den HSV erweisen? Nebenbei: Ist Kung-Fu-Boulahrouz ein großer Verlust? Sportlich, klar. Aber auch menschlich? Von ihm ist immerhin die Aussage überliefert: „Rot sollte man nur dann bekommen, wenn man einem Gegner das Bein bricht.“

SpOn: Eine Liste der „Transfertrickser“

Montag, 21. August 2006

Bundesliga

Der HSV verloren im Haifischbecken der europäischen Großklubs

Der 2. Spieltag der Saison 06/07 im Pressespiegel: Charakterloser Khalid Boulahrouz? / Die Hamburger Personalpolitik / Häßliches Gewinnenwollen in Cottbus? / Diego und Almeida, zwei weitere Belege für die gute Sichtung der Bremer / Sergej Barbarez belebt Leverkusen / Nürnberg gewinnt nur noch knapp / Aachen reif für die Bundesliga? / Berlin stürmt jugendlich / Mainz taktisch stärker als Dortmund

Thema aller Bundesliga-Leitartikel ist der Transfer des Hamburgers Khalid Boulahrouz nach Chelsea und damit die Personalpolitik und Zukunft des Hamburger SV. Die Kommentatoren legen den schlimmen Verdacht frei, Boulahrouz habe vor dem Champions-League-Spiel gegen Osasuna vor zwei Wochen eine Verletzung simuliert, um seinen Wechsel erst zu ermöglichen. Hintergrund: Wenn er mitgespielt hätte, dürfte er in dieser Saison für keinen anderen Verein in einem internationalen Wettbewerb mehr spielen; Chelsea hätte wohl das Interesse verloren oder zumindest weniger gezahlt.

Die Verantwortlichen aus Hamburg nähren mit mancher Aussage diese Spekulation, etwa Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: „Es gibt Gründe für den Verkauf, die nicht nur wirtschaftlicher Natur sind.“ Jan Christian Müller (FR) deutet diese Worte: „Boulahrouz hat das Vertrauen der Hamburger Verantwortlichen gebrochen. Niemand aus dem Klub darf es offen aussprechen, daß er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein fürchterliches Schauspiel aufführte.“ „Früher, als es im Fußball nicht nur um Kohle ging, nannte man so etwas charakterlos“, ergänzt Rüdiger Dittrich (Gießener Anzeiger) angewidert. Auch Matthias Wolf (BLZ) wendet sich vom Holländer ab: „Es scheint ein Trend zu sein, wonach Verträge im Profifußball nicht mehr das Papier wert sind. Der Fall Boulahrouz zeigt zudem, wie schwarz manche Profi-Seele womöglich ist.“ Müller erschrickt vor der Kaltblütigkeit desjenigen, der den Transfer initiiert hat: „Der Öl-Millardär Roman Abramowitsch setzt den kümmerlichen Rest an fairem Wettbewerb, der dem Weltfußball noch geblieben ist, vollends außer Kraft. Das Geschäft wird zusehends schmutziger und gnadenloser. Aber es brummt.“

FAZ (Hintergrund)

Noch lange nicht die Klasse für den Angriff auf Bayern

Wolf ist bereit, den Meisterschaftsdritten aus dem Vorjahr sehr rasch aus der Liste der Titelanwärter zu streichen: „Der HSV ist gerade dabei, in wenigen Wochen all das zu verkaufen, was mal seine Zukunft sein sollte, und hat noch lange nicht die Klasse für den Angriff auf Bayern.“ Roland Zorn (FAZ) hat die Fans im Sinn und hält das Hamburger Primat des schnellen Gelds für moralisch und ökonomisch falsch: „Zurück bleibt ein Klub, der fieberhaft nach Ersatz fahndet und mit menschlichen Spekulationsobjekten kurz entschlossen wie an der Börse zu handeln scheint. So aber wird die Bindung an den Fan und Konsumenten nicht gerade gestärkt. Wer immer in Hamburg nach der vergangenen Saison an den kontinuierlichen Aufbau eines neuen, international starken Teams geglaubt hat, sieht sich fürs erste getäuscht. Vorausgesetzt, es spielten nicht auch andere Gründe für den Weiterverkauf des Holländers eine gewichtige Rolle, wird es dem HSV nicht leichtfallen, Kredit beim Publikum zurückzuerobern. Die Fans nämlich begreifen ihren Hamburger SV immer noch zuerst als Herzenssache – und nicht vor allem als reinen Wirtschaftsbetrieb.“

Frank Heike (FAS) stellt in Frage, daß die Hamburger schon die Statur haben, ihren Anspruch zu erfüllen, unter die zwanzig besten Mannschaften Europas zu stoßen: „Auf dem Weg in die europäische Spitze müssen sich die zuletzt so erfolgreichen Verantwortlichen des Hamburger SV in diesen Wochen vorkommen wie Vertreter eines netten, kleinen Ausbildungsvereins, der davon lebt, woanders übersehene Talente mühsam und aufwendig zu veredeln und sie dann zu vergolden – nämlich für viel Geld zu verkaufen, ohne finanziell auch nur irgendwie mit den Großen der Branche mithalten zu können. Doch was kann ein verschuldeter Klub wie der HSV machen, wenn die Konkurrenz mit den Schecks wedelt und die Profis immer mehr wollen? Der Hamburger SV: verloren im Haifischbecken der europäischen Großklubs.“

Monopoly

Ein Auge auf Werder Bremen, vertraut Jörg Marwedel (SZ) hingegen auf das Scouting der Hamburger und vermutet, die Einnahme von dreizehn Millionen Euro werde sich auszahlen: „Der Transfer mag kurzfristig für Turbulenzen sorgen – im vorübergehend geschwächten Team ebenso wie unter den HSV-Fans. Nüchtern betrachtet ist diese Art von Monopoly die einzige Chance für einen deutschen Klub, genügend Geld zu sammeln, um im Wettbewerb mit internationalem Großkapital annähernd Augenhöhe zu erlangen. Werder Bremen hat das mit seiner Sichtungsabteilung schon länger vorgeführt und mit der Verpflichtung von Diego eindrucksvoll unterstrichen. Auch der HSV verfügt in diesem Bereich inzwischen über ähnliche Qualität und ist vorbereitet auf den Abschied von Boulahrouz.“

Für Freunde des Trash-Fußballs war’s ein einziges Fest

Winning ugly in Cottbus? Javier Cáceres (SZ) beschreibt die „fisimatentenreiche Rückkehr der Lausitz auf die Bühne Bundesliga“ beim 2:2 gegen Hamburg: „So wie Malcolm X in den sechziger Jahren die Freiheit der Schwarzen in den USA by any means necessary erobern wollte, also unter Verwendung aller Mittel, so versucht dies der FC Energie in Bezug auf das Saisonziel Klassenerhalt. Das Repertoire der kleinen Häßlichkeiten wurde im Stadion der Freundschaft fast vollends ausgeschöpft. ‚Bin ich hier auf dem Dorf oder bei einem Bundesligaspiel?‘, fragte Thomas Doll, weil ‚kurz vor dem Aufwärmen nur noch auf unserer Hälfte die Rasensprenkler an und unsere Bälle nicht ordentlich aufgepumpt waren‘. Zum ersten Punktgewinn der Saison kam Energie aber mehr durch den weitgehenden Verzicht auf Ballbesitz zu Gunsten der Konzentration auf den erbarmungslosen Kampf um die Grasnabenhoheit, durch bisweilen illegale Härte beim Tackling und durch ostentative Weinerlichkeit bei Grätschen des Gegners. Alles zwecks Agitation des Publikums, Destabilisierung des Gegners und Irreführung des Referees. Ist nun das Verderben auszurufen?“ Cáceres sucht nach einem historischen Vergleich für die Cottbuser und kritisiert den Schiedsrichter: „Ist Energie der Spreewald-Wiedergänger von Estudiantes de La Plata – jener Schurken-Mannschaft um Argentiniens späteren Nationalcoach Bilardo, die ihre Gegner in den 60ern sogar mit Stecknadeln piesackte? Klar ist, daß Referee Günter Perl seinen Anteil hat an der fröhlichen Urständ der Perfidie. Gerechtigkeit übte er nur insofern, als er an den falschen Stellen weiterspielen ließ und an den falschen Stellen unterbrach. Für Freunde des Trash-Fußballs war’s ein einziges Fest.“

BLZ: Cottbus hat ein wenig in die Psychokiste gegriffen

Alles andere als brotlose Kunst

Benno Schirrmeister (taz) beglückwünscht die Bremer zu den Transfers von Diego und Almeida: „Der Sieg gegen Leverkusen ist vor allem der erneute Beweis, daß Sportdirektor Klaus Allofs mit relativ bescheidenen Mitteln seit bald einem Jahrzehnt die vielleicht beste, in jedem Fall aber glücklichste Transferpolitik der Liga betreibt.“ Heike (FAZ) fügt hinzu: „Selten ist ein Fußballprofi so schnell von den Fans adoptiert worden wie Diego. Bei Werder ist das bemerkenswert, weil Diego dem vier Jahre auf oft höchstem Niveau spielenden Johan Micoud folgt und insofern durchaus Objekt kritischer Vergleiche hätte sein können. Hätte: Durch seine zweite Gala im zweiten Spiel hat sich Diego bis auf weiteres in die Herzen der Fans gezaubert. Und da er alles andere als brotlose Kunst abliefert, mögen ihn auch die nüchternen Punktezähler im Kreise der Anhänger schon; diejenigen, die an Micoud vor allem die Effizienz schätzten. Es scheint, als könne Diego beides.“

Angestachelt

Heike applaudiert dem Neu-Leverkusener Sergej Barbarez, stichelt damit gegen die Hamburger und verrät ein pikantes Detail aus Barbarez‘ Vertrag: „Es ist ein Vergnügen zu sehen (außer, man ist HSV-Fan), wie der 34 Jahre alte Barbarez die Stürmer durch schöne Pässe zur Geltung bringt und mit dem jungen Kießling harmoniert. Beeindruckend, wie Barbarez die ihm zugedachte Führungsrolle ausfüllt. Der Bosnier ärgert sich später nicht allzusehr über die Niederlage. Vielleicht war die Vorfreude auf Heimaturlaub der Grund: Barbarez hat sich in den Vertrag schreiben lassen, den Sonntag und den Montag nach Samstagsspielen in der Villa an der Elbe bei der Familie zu verbringen.“

Richard Leipold (FAZ) stellt Barbarez als einen starken, weil gekränkten Spieler vor: „Der Bosnier gilt als Charakterkopf, wie er Bayer die meiste Zeit gefehlt hat; als Mann, der mit der Mentalität eines Räuberhauptmannes ausgestattet ist; dessen Körpersprache bei Gegnern und Schiedsrichtern nicht ohne Wirkung bleibt. Barbarez hat noch Hunger – nicht zuletzt, weil der Hamburger SV nach sechs Jahren Dienstzeit das Preis-Leistungs-Verhältnis für nicht mehr stimmig hielt. Barbarez sei zu alt und zu teuer, fanden kühle Kaufleute. Dieser Verlust an Wertschätzung dürfte einen stolzen Menschen wie ihn hart getroffen und über das bloß Pekuniäre hinaus angestachelt haben, in den vermutlich letzten beiden Jahren seiner Karriere an die Leistungsgrenze zu gehen.“

Heynckes möchte am liebsten Gladbachs Meyer werden

Hans-Joachim Leyenberg (FAZ) tritt nach dem 1:0 gegen Mönchengladbach auf die Nürnberger Bremse: „Bei nüchterner Betrachtung war es ein glücklicher Arbeitssieg. Ihm haftete nichts Berauschendes an wie noch beim 3:0 über den VfB Stuttgart. Und wer allein die Eindrücke vom Freitag hochrechnet, müßte zu dem Schluß kommen, daß die Borussen am Ende der Saison in der Tabelle vor den Franken landen.“ Christof Kneer (SZ) erkennt bei beiden Teams die Prägung ihrer Trainer: „Die Nürnberger sind unter Meyers Händen so viel besser geworden, daß inzwischen sogar der Mittelfeldspieler Polak an Vitteks Statt auf Rechtsaußen herumtrickst, als habe er nie etwas anderes getan. Es scheint, als könnten nicht mal solche Umstellungen die Automatismen stören. Heynckes möchte am liebsten Gladbachs Meyer werden, und wer die Fortschritte sieht, die seine Elf schon jetzt gemacht hat, mag das nicht für ausgeschlossen halten.“

Phonetisch verausgabt

Philipp Selldorf (SZ) fällt die schwache Leistung Kevin Kuranyis beim 1:0 der Schalker in Aachen auf: „Der gefallene Nationalspieler Kuranyi schickt sich an, ein Fall zu werden, seine Angst vor dem Ball gerät zur behandlungsbedürftigen Neurose. Daß ihn Mirko Slomka nach Krstajics Feldverweis überhaupt bis in die Halbzeit mitnahm und statt seiner Rafinha auswechselte, war ein Wagnis, das sich nur durch therapeutische Erwägungen erklären ließ.“ Roland Zorn (FAZ) schildert zunächst, welchen starken Eindruck der Tivoli bei allen Gästen hinterlassen hat: „So viel Leidenschaft, so viel Lautstärke, so viel Nähe, so viel Emotion rund um einen Bundesliga-Spielplatz sind sonst vielleicht nur noch in Mainz oder beim FC St. Pauli zu spüren. Die Schalker, allen voran der sichtlich nervöse Kuranyi, zeigten sich in der ersten Hälfte schwer beeindruckt oder wie der Serbe Krstajic erkennbar gereizt.“

Auch Daniel Theweleit (taz) befaßt sich mit dem Aachener Stadion: „Eine merkwürdige Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Undefinierbarem hat sich da mit Alemannia in die Bundesliga geschlichen. Wie fast überall träumt man von einer großen Zukunft in einer neuen Arena, doch die Gegenwart präsentiert sich als Zeitreise in die Vergangenheit. Der Tivoli, das Stadion des Klubs, ist eine echte Kuriosität, ein Anachronismus, der Nostalgiker in wehmütige Melancholie zu versetzen vermag. Für den modernen Fußballkonsumenten wirkt ein Besuch des Tivoli, an dem seit fünfzig Jahren kaum etwas verändert wurde, wie der Ausflug in ein Fußballmuseum.“ Gregor Derichs (FAZ) verweist auf die Schatten der ach so sympathischen Aachener Gastlichkeit: „Diese Hingabe nimmt zuweilen grenzwertige Züge an. Überschritten wurde das Limit beim Zweitligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg im November 2003, als Club-Trainer Wolfgang Wolf von einem von den Rängen geworfenen Gegenstand am Kopf getroffen wurde.“ Zorn schreibt die Alemannia fast schon ab: „Immer wieder schimmerte durch, daß die Alemannia bei aller Begeisterung noch viel näher an der Zweiten als an der Ersten Liga ist. Selbst die bedingungslose Gefolgschaft auf den Rängen der altertümlichen Arena schien sich in den ersten 45 Minuten phonetisch verausgabt zu haben. Ob die Alemannia noch die rechte Balance findet, den Kraftakt Bundesliga erstklassig zu stemmen? Der erste Auftritt daheim hinterließ Zweifel.“

FR: Alemannia Aachen schenkt gegen Schalke das Spiel her und sich ein wenig Hoffnung ein

Erlebnis- statt Ergebnisfußball

Ronny Blaschke (FR) erlebt gegen Hannover ein vitalisiertes Berlin: „Der 4:0-Sieg bot nicht nur gute Unterhaltung, er hinterließ auch eine revolutionäre Erkenntnis: Hertha BSC besitzt nach Jahre langen Stürmer-Fahndungen wieder eine Offensive ohne Gänsefüßchen.“ Torsten Haselbauer (FAZ) stimmt ein: „Erlebnis- statt Ergebnisfußball, die Abkehr von dem oft funktionalen Allerweltsfußball der vergangenen Jahre, das sind die Glücksversprechen, die das Hertha-Management im Jahr eins nach Marcelinho für diese neue Bundesligaspielzeit ausgegeben hat. Die Hoffnungen scheinen berechtigt zu sein. (…) Das leblose Ensemble aus Hannover kam nie über die Rolle eines harmlosen Erfüllungsgehilfen hinaus.“

Was mit intelligenter Taktik alles zu erreichen ist

Das große Lob Freddie Röckenhaus‘ (SZ) für Jürgen Klopp nach dem 1:1 seiner Mainzer in Dortmund ist auch ein Seitenhieb auf den Dortmunder Trainer Bert van Marwijk: „Wie schon häufig zu beobachten, waren auch die Mainzer den Dortmundern mannschaftstaktisch überlegen. Mit den vermeintlich schwächeren Einzelspielern erzielte Klopps Elf vor allem in der zweiten Halbzeit einen relativen Gleichstand. Bedenkt man, daß Mainz seine vier wichtigsten Offensivspieler zu Saisonbeginn ersetzen mußte, konnte Dortmunds Anhang nur staunen, was mit intelligenter Taktik alles zu erreichen ist. Interessant die Vorstellung, was einer wie Klopp wohl bei einem Verein erreichen könnte, der sich teure Transfers leisten kann wie Borussia Dortmund.“ Felix Meininghaus (Tsp) weist Mainz den Weg nach oben: „Das vermeintliche Karnevalsensemble präsentierte sich als grundsolide Mannschaft, die auch im dritten Jahr ihrer Bundesligazugehörigkeit eine Bereicherung für die höchste Spielklasse ist. Mittlerweile agiert das Team mit dem Selbstverständnis, nicht mehr nur der Emporkömmling zu sein, der ab und zu mal ein paar Punkte sammeln darf. Die Mainzer fühlen sich als Etablierte, die Ansprüche formulieren.“

BLZ: Dortmunds teure Spieler fügen sich nicht zum Team

FAZ: Thurk, Streit und Kyrgiakos – unglückliches Heimdebüt für Eintrachts Neuzugänge
FR: VfL Wolfsburg, „blutleer wie eh und je“

SZ: Bericht über das schwere Startprogramm für die drei Aufsteiger

Ascheplatz

Den Fans ist es egal, in welchen Töppen ihre Spieler auflaufen

Der „Schuhkrieg“ in der deutschen Presse

Der „Schuhkrieg“, ein schönes Thema für alle Redaktionen. Die SZ belustigt sich auf der einen Seite über „den Schuh des Miro“; und Javier Cáceres schreibt: „Wie ernst der Konflikt geraten war, ließ sich nicht nur an der Miene Oliver Bierhoffs ablesen, sondern auch an seinen Worten. Er klang, als stünde der DFB kurz davor, die UN vorsorglich um die Entsendung von Blauhelmen zu ersuchen: ‚Wir hoffen alle, daß wir das Problem friedlich lösen können.‘“

Auf der anderen Seite erhellt die SZ den ökonomischen Hintergrund der Story; Philipp Selldorf kommentiert die zu erwartende Entscheidung, daß die Pflicht, die Schuhe des Hauptsponsoren zu tragen zu tragen, aufgehoben wird: „Diese Lösung wird nicht nur den DFB Geld kosten, weil der bisherige Exklusiv-Vertrag neu definiert werden muß, sondern auch die meisten Spieler. Ihre Entlohnung für Einsätze im Nationalteam erfolgt über Prämien sowie über den Erlös aus einem Marketingpool, in den die DFB-Sponsoren zahlen – unter anderen der Hauptgeldgeber Adidas. Zum Jahresende gibt es außerdem Abschlagszahlungen aus Lizenzgebühren, die ebenfalls vor allem von Adidas geleistet werden. Das Sportartikelunternehmen erzielte Rekordumsätze während der WM. So ergibt sich die Situation, daß durch die Aufhebung des Schuhmonopols einzelne Spieler einen finanziellen Vorteil haben, das Gros der Mannschaft aber Einbußen erfährt. Für Harmonie im Team sorgt das nicht, zumal die Debatte um das Schuhwerk entgegen bestehender, interner Absprachen aufkam und überraschend rigoros ausgefochten wurde. Vor der WM hatte es, wie aus mehreren Quellen zu erfahren ist, eine Abmachung zwischen Spielern, ihren Agenten und den Verantwortlichen des Nationalteams gegeben, daß das Schuh-Thema erst nach dem Turnier wieder zur Sprache kommen sollte – allerdings auf dem Verhandlungsweg und nicht per Ultimatum, wie geschehen.“

Machtkämpfen in Übergangsphasen von einem Chef zum anderen

Zunehmend gerät der DFB-Manager Bierhoff ins Visier der skeptischen Presse; Selldorf blickt in dessen Verträge: „Kritisch wird auch die Verwicklung Bierhoffs gesehen, der seit zehn Jahren als Werbeträger mit Nike liiert ist und offiziell erst seit diesem Monat keine Geschäftsverbindung mit dem amerikanischen Unternehmen unterhält.“ Die Welt fügt hinzu: „Besonders fragwürdig ist Bierhoffs Rolle. Ein möglicher Boykott wurde schlagzeilenträchtig lanciert und eine Drohkulisse aufgebaut. Als Mannschaftssprecher traten Jens Lehmann, Miroslav Klose (beide bei Nike unter Vertrag) und Torsten Frings (von Nike umworben) in den Vordergrund. In dem verletzten Kapitän Michael Ballack und dem zurückgetretenen Oliver Kahn fehlten dagegen zwei Meinungsführer, die persönliche Verträge mit Adidas haben. Eine günstige Konstellation für eine konzertierte Aktion. Ein hochrangiger Adidas-Vertreter ist der Ansicht, daß dies von dem ‚Doppelagenten beim DFB‘ ausgenutzt worden sei. Gemeint ist Bierhoff, der sich bereits als Nationalspieler für freie Schuhwahl stark gemacht hatte. Und pikant wirkt, daß er bis vor kurzem selbst auf der Gehaltsliste von Nike stand.“

Die FAZ beurteilt die Aufsässigkeit der Spieler als Zeichen des vollzogenen Trainerwechsels; Jürgen Klinsmann galt immer als Befürworter des Adidas-Monopols. Michael Ashelm stört sich an der kühlen Geste der Spieler: „Wenn die alte Leitfigur weg ist, in deren starken Händen bisher die entscheidenden Strippen zusammengelaufen waren, beginnt für viele Beteiligte auch die Phase neuer Machtkonstellationen. Von Boykott war die Rede – eigentlich unvorstellbar, nachdem die Nationalspieler aus der Hand des Bundespräsidenten das Silberne Lorbeerblatt für ihre vorbildlichen Leistungen erhalten hatten.“ Roland Zorn befaßt sich mit den Folgen für den neuen Bundestrainer: „Der Aufstand illustriert wieder einmal, daß es in Übergangsphasen von einem Chef zum anderen wie in jedem Betrieb leicht zu Machtkämpfen, Kraftproben und Kompetenzstreitigkeiten kommen kann. Vor allem nach Wochen, die in ihrer himmlischen Sonn- und Feiertagsstimmung im Blick zurück unwirklich schön anmuten. Joachim Löw wird der Aufbruch zu neuen Zielen schwergemacht.“

Unternehmer in eigener Sache

Christoph Metzelder nimmt auf seiner Website Stellung zu der Chose und verabscheut die dicken Schlagzeilen: „Wenn man manchen Pressevertretern glauben will, tobt in der Nationalmannschaft das, was man auf dem Boulevard vollmundig als ‚Schuhkrieg‘ bezeichnet. Abgesehen von dem Begriff, der ziemlich daneben ist, finde ich die gesamte Art der Berichterstattung der Bild-Zeitung in dieser Sache unerträglich. Vor allem kann ich es nicht stehen lassen, daß immer so getan wird, als würde es uns Spielern nur ums Geld gehen.“ Weiter verweist er auf die angebliche Verletzungsgefahr, die darin bestehe, in ungewohnten Schuhen zu spielen: „Wir wollten es vor unserer WM nicht so weit kommen lassen, deswegen haben wir damals auf die Diskussion verzichtet. Allerdings hatten wir auch die Zusage, daß nach dem Turnier endlich über dieses Thema gesprochen werden würde. Wir reden hier nicht von der Qualität der Schuhe. Es geht darum, daß zum Beispiel Jens Lehmann von 90 Pflichtspielen 80 mit einem Paar Schuhe macht – und 10 mit einem anderen. Es kann nicht sein, daß wir nur deswegen gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen. Miroslav Klose etwa hatte während der WM Probleme mit den Fußgelenken – und die ließen sich auf das ungewohnte Schuhwerk zurückführen. Wir spielen eben Fußball, unsere Schuhe sind unser wichtigstes Arbeitsmaterial. Da kann man sich einfach keine Kompromisse erlauben. Im Übrigen sind die Zahlen, die in den letzten Tagen in der Bild kolportiert wurden, völlig falsch.“ Das einleuchtendste Argument fällt gar nicht: daß man in anderen Schuhen schlechter spiele, und sei es nur, weil man fest daran glaubt.

Marcus Theurer (FAZ/Wirtschaft) erwidert das beliebte Argument vom Gesundheitsrisiko fremder Schuh: „Daß es in dem bizarren Schuhstreit nicht um Blasen an den Füßen, sondern um Geld geht, ist offensichtlich. Auch die Frauen-Elf des DFB trägt geschlossen Adidas-Schuhe. Doch während Klose und Lehmann jammern, bereitet zarten Damenfüßen das derbe Schuhwerk aus Franken offenbar keinerlei Probleme.“ Zorn zeigt Verständnis für die „Liberalisierung“ des Schuhmarkts: „Der eigennützige Freiheitsdrang hin zu dem proklamierten Ziel, auf eigenen Füßen und Stollen zu stehen, ist verständlich. Die eben noch nach allen Regeln der Harmonielehre wie die Weltmeister gefeierten DFB-Auswahlgrößen sind wenige Wochen nach dem nationalen Erweckungserlebnis WM wieder Unternehmer in eigener Sache – auch wenn es um Deutschland geht. Schritt für Schritt sind sie dabei, ein fränkisches Monopol auszuhöhlen, das nicht zwangsläufig zur inneren Grundausstattung eines Nationalspielers gehören muß.“ Markus Hesselmann (Tsp) raunt: „Bei den nächsten Vertragsverhandlungen sollte sich der DFB nach den Wünschen seiner wichtigsten Angestellten richten und das überkommene Schuhmonopol aufgeben. Vielleicht erinnert sich der Präsident ja wieder an die WM-Stimmung. Die haben nicht DFB-Funktionäre verbreitet, sondern deutsche Fußballer. Und deutsche Fans, denen es egal ist, in welchen Töppen ihre Spieler auflaufen.“

Christian Gödecke (SpOn) hat die Schlagzeilen gesammelt, die Bild und Sport Bild im letzten Jahr für Nike und gegen Adidas und damit gegen Klinsmann gezimmert haben; letzte Woche jedoch lautet es in Bild scheinheilig: „Zurecht warnt Theo Zwanziger davor, daß solche Machtkämpfe die schöne WM-Stimmung kaputtmachen können. Das darf auf keinen Fall passieren! Es muß für jeden Fußballer immer eine Frage der Ehre sein, für Deutschland zu spielen – und nicht eine Frage der Schuhe.“ Michael Ashelm (FAZ) gibt nach dem Schweden-Spiel Entwarnung, denn die Zuschauer habe der Hickhack nicht gejuckt: „Der sogenannte Schuh-Krieg, der schließlich ohne größere Verwerfungen in ein friedliches Abkommen zwischen Nationalmannschaft und Verband mündete, belastete keinesfalls die Atmosphäre in der Schalker Arena. Wenn dafür gekämpft wird und die Tore fallen, hält das Fußballvolk ruhig – von wegen geldgierige Millionäre. Die Nationalmannschaft schwimmt weiterhin auf einer Welle der großen Sympathie.“

Nike-Sprecher Olaf Markhoff sagt im FR-Interview, warum jeder Fußballer seine Schuhe selbst wählen soll

Sonntag, 20. August 2006

Ascheplatz

Vergifteter Preis

Zwei Fundstücke in den Medien, die Oliver Kahns Entschluß im April, an der WM auch als Nummer 2 teilzunehmen, nicht als Zeichen der Bescheidenheit verstanden wissen wollen: Erstens, Joachim Mölter (SZ) erinnert sich in einem Seite-3-Portrait Dirk Nowitzkis in Anbetracht der wortlosen Selbstverständlichkeit, mit der der NBA-Star für die deutsche Basketballnationalmannschaft Dienst tut, mit Widerwillen an die große Bühne, die Kahn für sein staatstragendes Bekenntnis gewählt hat: „Kahn hat vor der WM eigens eine Pressekonferenz abgehalten, um dem Land zu verkünden, daß er sich in die Mannschaft einordnen wolle, auch wenn ihm von Jürgen Klinsmann nicht die besondere Behandlung zuteil werde, die er im Grunde für sich beanspruche, nämlich die Nummer 1 zu sein. Kahn hat sich dafür als großer Sportsmann rühmen lassen. Dirk Nowitzki ist einfach so zu seiner Mannschaft gekommen.“ Zweitens überreicht die Sport Bild Kahn ein vergiftetes Geschenk, den Sport-Bild-Award für „die beste Sportidee“. Vergiftet daran ist die Begründung: Kahn wird zwar auf der einen Seite „wegen seines sportlich-fairen Verhaltens bei der WM“ ausgezeichnet. Auf der anderen Seite kann sich die Jury nicht verkneifen, die Laudatio um den Zusatz „und für seine daraus entwickelten Werbe-Ideen“ zu erweitern. Das hätten sich die Kahn-Skeptiker nicht besser hätten ausdenken können, die ihm vorwerfen, er habe die WM nur bestritten, um seine Werbeverträge zu erfüllen.

Freitag, 18. August 2006

Deutsche Elf

Fortsetzungsgeschichte des deutschen Konjunkturaufschwungs

Eine Nachlese zum 3:0-Sieg gegen Schweden

Joachim Löw ist von den deutschen Medien einhellig vorausgesagt worden, daß er im Kontrast zur WM-Euphorie nun im „grauen Alltag“ der EM-Qualifikation die Schwierigkeit, auch die Undankbarkeit seiner Aufgabe zu spüren bekomme. Doch es sei nach dem 3:0 gegen Schweden vor 53.000 freudigen Zuschauern in Gelsenkirchen mal die Prognose gewagt, daß das Fest weitergehen wird – zumindest bei Heimspielen, zumindest wenn der Erfolg im großen und ganzen anhalten wird. Wenn selbst in der Heimstätte der Schalker, die bisher nicht den Ruf hatten, ein großes Herz für die Nationalmannschaft zu haben, an den Sommer 2006 angeknüpft wird und dem Dortmunder David Odonkor Handküsse zufliegen, dann muß Löw und seinen Spieler nicht bange sein. In gut zwei Wochen geht es nach Stuttgart, das sich seit dem 8. Juli daran macht, Dortmund als Heimstätte der deutschen Elf abzulösen. Zur Erinnerung, das Stuttgarter Publikum machte das Spiel um Platz 3 zwischen Deutschland und Portugal zu einem gefühlten WM-Finale, viele Zuschauer wollten gar nicht mehr nach Hause gehen; in Dortmund, das in der Vorrunde gegen Polen noch seine Kraft bewies, ist das Publikum beim Halbfinale gegen Italien in der Verlängerung fast eingeschlafen.

Die deutschen Zeitungen empfinden, in Berücksichtigung des schwachen Gegners, Grund zum Optimismus. Philipp Selldorf (SZ) preist die Tugenden der Mannschaft und den Langmut ihres Trainers: „Die Mannschaft hat eine Haltung entwickelt, die außer auf Emotionen und klassischen Werten – Entschlossenheit, Engagement, Gemeinschaft – auf fußballerischen Kriterien gründet. Ihr Stil beginnt zu reifen. In diesem Sinn bedeutet auch der Trainerwechsel einen folgerichtigen Schritt zur Selbständigkeit. Joachim Löw steht für das souveräne Trainerprinzip, Jürgen Klinsmann war der Mann für den besonderen Augenblick.“ Auch Roland Zorn (FAZ) traut Löw zu, die Spur, die an der WM eingeschlagen worden ist, zu halten: „Unaufdringlich, unaufgeregt, aber keineswegs unauffällig und unspektakulär hat die Ära nach Klinsmann begonnen. (…) Löws Start war verheißungsvoll und läßt Raum für positive Phantasie. Da die Spieler sich augenscheinlich wohl fühlen mit diesem Coach und dessen bekannten Methoden aus dem Reformhaus des Fußballs, hat die Nationalmannschaft in ihrem ersten Spiel nach der WM auf Anhieb frische Neugier geweckt. So macht man sich daheim neue Freunde und verschafft sich auswärts neuen Respekt. Keine schlechte Basis für eine gelungene Fortsetzungsgeschichte im Zeichen des jüngsten deutschen Fußball-Konjunkturaufschwungs.“

Jan Christian Müller (FR) erweist sich als Fachmann, indem er die spektakulärste Szene des Spiels hervorhebt: Miroslav Kloses sehr athletischen Kopfball zum 3:0, nach Bastian Schweinsteigers schußähnlicher Flanke: „Schweinsteiger hat eine der besten Flanken eines Rechtsfüßers mit dem linken Fuß geschlagen, die je im deutschen Fernsehen live übertragen wurde, und Miroslav Klose ließ einen atemraubenden Kopfball folgen, den in dieser Form im Weltfußball kaum ein anderer Profi in ähnlicher Perfektion zu vollführen in der Lage ist.“ Bemerkenswert, daß Müller seine Worte erklärt: „So viel Lob muß mal sein.“ Dieser Nachsatz klingt ja so, als ob man jedes Lob rechtfertigen müsse. Gerät der Schreibende hierzulande in den Verdacht des Stichwortgebers oder des Fans, wenn man einen Fußballer würdigt, der nicht Ronaldinho oder Zidane heißt? Hieße das im Umkehrschluß, daß dem Tadel der Weg in die Berichte erleichtert wird?

BLZ-Portrait: Der Mann, der nicht mehr Jogi sein will
FR: Manuel Friedrich und Malik Fathi machen beim Länderspiel-Debüt kaum etwas falsch

Lesen Sie auch den freistoss vom 17. August: Bruchloser Übergang von Klinsmann zu Löw – die deutsche Presse ist vergnügt über das 3:0 gegen Schweden

Donnerstag, 17. August 2006

Vermischtes

Aktuelle Links

FAS: Richard Leipold portraitiert Clemens Tönnies, den Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke, sehr lesenswert: „Der mächtigste Mann des FC Schalke, der erste, der Rudi Assauer die Stirn bot“. Aus dem Text geht erneut hervor, daß in Schalke einige die Faust in der Tasche geballt zu haben schienen, wenn ihnen Assauer über den Weg lief

Tsp-Interview mit Jupp Heynckes: „In Deutschland gibt es wieder viele Talente, die es wert sind, daß man sich intensiv mit ihnen beschäftigt. Den letzten Schliff müssen sie von den Profitrainern bekommen. Dazu gehört viel kreative Arbeit, viel Führung auch in sozialer Hinsicht. Das ist eine Sisyphosarbeit, zu der nicht alle meine Kollegen bereit sind“

Zeit: „Besart Berisha ist mit seiner Familie aus dem Kosovo geflohen. In der neuen Bundesliga- Saison kämpft er für den HSV – und den Lebensunterhalt seiner Eltern“

SZ: Trotz Valérien Ismaëls Verletzung plant der FC Bayern ohne Ersatz und sagt Hargreaves’ Wechselplänen ab

taz: Der Streit um die bwin-Trikotwerbung ist nur das neueste Kapitel in einer Geschichte von Werbe-Tabubrüchen im Sport

Tsp: Großmannssucht ade – wie 1860 München vom Abstiegskandidaten zum seriös geführten Bundesliga-Anwärter wurde
SZ: 1860-Trainer Schachner fühlt sich viel wohler als in der Vorsaison

FR: Einigung noch nicht in Sicht – Klubs streiten über dritte Liga

FR: „4:0 gegen Griechenland – englische Elf überrollt schwache Griechen und berauscht sich am eigenen Spiel; überragender Hargreaves muß in München bleiben“
SZ: England nimmt den Rauswurf von David Beckham aus dem Nationalteam ohne Bedauern zur Kenntnis
BLZ: Der FC Chelsea ist auf dem besten Weg, Englands unsympathischster Fußballklub zu werden
Tsp: Das Wembley-Stadion soll eine neue Ära einläuten – doch die Eröffnung verzögert sich weiter

FAZ: Über Roberto Donadonis Debüt als Nationaltrainer Italiens – 0:2 mit einer C-Elf gegen Kroatien

american arena: Ein Video, wie ein kleiner Tornado ein Jugendspiel aufsucht

Tsp: Rassismus wird im Brandenburger Fußball immer mehr zum Problem – Verbände wollen jetzt reagieren

Deutsche Elf

Bruchloser Übergang von Klinsmann zu Löw

Die deutsche Presse über das 3:0 der DFB-Elf gegen Schweden

Die deutsche Fußballpresse ist über das 3:0 gegen Schweden insgesamt vergnügt. Roland Zorn (FAZ) fühlt sich an den Juni erinnert: „Gerade vier Tage nach dem Start in die Bundesliga-Serie Wunderdinge zu erwarten, schien vermessen. Dafür glänzte so mancher WM-Fixstern zuletzt nur matt. Das weiße Nationaltrikot jedoch verleiht offenbar auch nach der Sommerpause Flügel. Und so schauten die Schweden wie in München nach wenigen Minuten schon wieder dumm aus der Wäsche. Die Schweden blieben mittsommernachtsmüde. Die Deutschen aber spielten zur Freude des Publikums und ihres neuen Chefausbilders mit leichtfüßiger Eleganz.“ Alexander Steudel (Sport Bild) verweist auf die eigentlich mißgünstigen Umstände: „Ein Länderspiel zu einem derartig ungünstigen Termin hätte früher folgendes bedeutet: Viele fadenscheinige Absagen im Vorfeld, ein lasches Spiel, in dem die Akteure vor allem darauf achten, sich nicht zu überanstrengen, damit ihre Klubtrainer nicht böse werden. Heute ist alles anders. Gegen Schweden rannte die Mannschaft vor allem zu Beginn, als gelte es, das WM-Finale zu erreichen.“

Die SZ schnalzt mit der Zunge: „Vor allem über die rechte Seite trieben die Deutschen anfangs das Spiel immer wieder nach vorne über Lahm und den Lust-und-Laune-Fußballer Schneider, dem es egal ist, ob er im WM-Finale auf dem Platz steht oder auf dem Trainingsplatz seines Heimatklubs Carl Zeiss Jena. Schneider denkt in anderen Zielen als andere Fußballer. Löws Elf spielte schnell und launig, kurz: sie spielte so, daß der Eindruck entstand, der Übergang von Klinsmann (war mal Bundestrainer) zu Löw ginge bruchlos vonstatten.“ Matti Lieske (BLZ) besteht auf Nüchternheit: „Es war kein begeisterndes, aber ein gutes Spiel der deutschen Mannschaft.“

Die SZ findet bei Astrid Lindgren und Sven Nordqvist (und nicht im Ikea-Katalog) Vorlagen, um die schwedische Abwehr durch den Kakao zu ziehen: „Wie hoch war der Anteil der Deutschen an dieser ausgesprochen munteren Party – und wie hoch jener der Schweden, deren Viererkette auch aus Pettersson, Findus, Pippi Langstrumpf sowie dem Michel aus Lönneberga hätte bestehen können, bei etwa gleicher Qualität?“ Die Financial Times zieht ein Fazit: „Joachim Löw kann sich nach diesem Match beruhigter auf die kommenden Aufgaben stürzen. Auf Spiele, über deren Sinn niemand mehr streiten muß.“

FAZ-Einzelkritik: „Besser als Klose kann man 45 Minuten nicht spielen; Bernd Schneider mit großartiger erster Halbzeit und zweitem Länderspieltor, nutzte alle Freiheiten“
sueddeutsche.de: Wer wird Löws Co-Trainer?

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