indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Montag, 24. April 2006

Ball und Buchstabe

Mißbrauch

Kultur, Fernsehen und Werbung fingern und saugen an den Brüsten des Fußballs; Jörn Lauterbach (Welt) dreht ihnen seinen Rücken zu: „Dieser wunderbare, einfache Sport wird mißbraucht. Im günstigsten Fall sind es Ausstellungen zur Fußballgeschichte mit historischem Lederball und den Maskottchen früherer Turniere, im Steigerungsfall setzen sich Soziologen und Philosophen auf Podien und sprechen über Fußball an und für sich, im brutalsten Fall lesen Dichter Selbsterdachtes vor. Fußball ist Sonntagmorgens auf einem Schlackeplatz mit aufgeschlagenem Knie, Fußball ist die Urinlache im Stadionaufgang, die Flanke, die am Fünfmeterraum ihren dankbaren Abnehmer findet, Fußball ist die metaphernlose Beschimpfung von Schiedsrichter und Gegnermannschaft, Fußball ist das Siegtor in der Nachspielzeit und der Zigarrenrauch des Besserwisser-Opas auf der Haupttribüne. Seit einigen Wochen und mit steigendem Tempo jedoch okkupiert nicht dieser Fußball, sondern die Veranstaltungsindustrie, Fernsehsender mit ihren Trockenobst-langweiligen WM-Shows eingeschlossen, fast jeden freien Quadratmeter Deutschlands, jenes ‚eigenen Landes‘, das in den kommenden 50 Jahren Vergleichbares nicht mehr erleben soll und deswegen jetzt keine Chance unorganisiert lassen darf. Es ist unmöglich, einen Radiosender einzuschalten, ohne ein vermeintlich lustiges WM-Gewinnspiel, einen Bierbrauer-Spot mit Oliver Bierhoff oder eine Exegese über das Verhältnis des Fußballs zum Dadaismus zu hören. Dabei ist die Aufmerksamkeit schon 48 Tage vor dem Anpfiff des ersten Spiels längst erlahmt. Aber über die vielen extra für die WM gekauften Flachbildschirme der Republik flimmern die Pilawas und Kerners mit ihrem Dauergast Horst Eckel, dem muntersten der drei noch lebenden Weltmeister von 1954, bis wirklich jede Legende zerredet ist und jeder Volleystoß in der medialen Erinnerungsmaschinerie seine Wucht verliert. (…) Die Allgegenwärtigkeit des Themas ist auch ein Ausdruck der Sorge, womöglich nicht alles für diesen Befreiungsschlag getan zu haben. Das gilt für die Kulturschaffenden, die endlich mal wieder ein populäres Spielfeld entdeckt haben und so aus ihrer oft von Ironie und Zynismus geprägten Isolation der vergangenen Jahre dankbar den Weg in die Mitte der Gesellschaft suchen, aber auch für die Wirtschaft, die unter der Obhut der Fifa den Fußball in nie dagewesener Weise kommerzialisiert und dabei keine Skrupel haben muß, denn genau diese Erwartung war ja von vornherein an die WM geknüpft worden.“

FAS: ein sehr niveauvolles Interview mit Sepp Maier: „Klinsmann ist ein linker Schleimer“

Bundesliga

Typisch für dieses Jahr

Roland Zorn (FAZ) bedauert, daß sich die Spannung auf den Abstieg beschränkt – und damit auf das Verlieren und das Verlierenvermeiden: „Die Mehrklassengesellschaft Bundesliga hat den Punkt erreicht, da ihre, über die gesamte Spielzeit gesehen, fade Dramaturgie dabei ist, sich zu verdichten. Der Zuschauer schaut mit wachsender Spannung auf das Ende der Tabelle. Was in den drei letzten Akten dieser spielerisch öden, vergleichsweise spannungsarmen und eher vom Reiz der neuen Stadien denn der Attraktivität der sportlichen Aufführungen geprägten Spielzeit passiert, läuft auf die immer wieder heißbegehrten Gemeinschaftsbilder zwischen trunkener Freude und tränenreicher Traurigkeit hinaus. Fußball ist Glückssache, Fußball ist Nervensache – und deshalb wird so mancher, der am Wochenende so tat, als sei für ihn das Ärgste überstanden, noch weiche Knie bekommen. Der finale Countdown dieser 43. Saison, die wenig dazu beitrug, die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft zu steigern, läuft – gesucht wird, typisch für dieses Jahr, nicht mehr nach den großen Gewinnern, sondern nach den großen Verlierern.“

Hamburger SV–Bayer Leverkusen 0:2

Chance um Chance

Jörg Marwedel (SZ) fragt sich, wie der HSV dieses Spiel verlieren kann: „Das Paradoxe war: Der Sieg Leverkusens im Duell der beiden erfolgreichsten Rückrunden-Teams stand im Grunde zur Pause fest – nach den besten 45 Minuten, die der HSV in diesem Jahr vorgeführt hatte. Man ahnte zu diesem Zeitpunkt schon, dass es außerirdischer Kräfte bedürfen würde, um dieses Pensum nach dem 0:1 zu steigern, denn die ohne fünf verletzte Stammspieler angetretenen Hamburger hatten schon alles in die erste Halbzeit gelegt. 17 Torschüsse hatten sie bis dato gegen die schwindelige Bayer-Defensive abgegeben und für diese Bestmarke den Beifall des Publikums eingeheimst.“ Frank Heike (FAZ) fügt hinzu: „Für den zuletzt minimalistisch ausgerichteten HSV war es ein Stilwandel ohne Erfolg, daß er in der schönsten ersten Halbzeit dieser Serie Chance um Chance erarbeitete, trotzdem aber zurücklag. Was Jörg Butt hielt, war großartig; daß die HSV-Fans ihn als ehemaligen Hamburger Profi auspfiffen, schien Butt nur noch mehr zu motivieren. (…) Aus Leverkusener Sicht ist es schade, daß die Saison bald vorbei ist.“

FR: Jens Nowotny zeigt in Hamburg nur selten, warum er der Nationalmannschaft helfen könnte

Arminia Bielefeld–VfL Wolfsburg 0:1

Fußballstadt

Achim Lierchert (FAZ) faßt die Erdung Wolfsburgs in dieser Saison zusammen: „In Wolfsburg hat man sich vom Schönspielen schon lange verabschiedet. Wieder einmal verstreicht ein Jahr, in dem es nicht gelang, den seit langem erhofften Sprung ins obere Drittel der Liga zu vollziehen. Wenn nun der Klassenverbleib gelingen sollte, wird dieser kleinstmögliche ‚Erfolg‘ womöglich dazu dienen, die großen Defizite zu kaschieren. Getreu dem Motto ‚Geschichte schreibt man nicht nur mit Jubel, sondern auch mit Tränen‘ gewinnt Klaus Fuchs der Emotionalisierung des Umfeldes in der Automobilstadt viel Positives ab. Die lautstarke Unterstützung beim Heimspiel gegen Bremen sowie die für Wolfsburger Verhältnisse stolze Zahl von 1500 eigenen Fans in Bielefeld wertet der Manager als klares Zeichen: ‚Wir sind auf dem Weg zur Fußballstadt.‘ Was es freilich weiterhin nachhaltig zu beweisen gilt.“

1. FC Kaiserslautern–Hannover 96 1:0

Kein Ort des Schreckens mehr

Oliver Trust (FAZ) protokolliert das Kaiserslauterer Fußballgericht: „Florian Fromlowitz berichtete im Zeugenstand vom ausgefahrenen Ellenbogen Michael Tarnats und bekam Rückendeckung von Schiedsrichter Perl, der sich die strittigen Bilder nicht einmal mehr anschauen wollte, bevor er sein Urteil aus der Schlußphase der weitgehend niveaulosen Begegnung bestätigte. Ohne Chance, an den Ball zu kommen, sei Tarnat in das Duell gegangen. Deshalb sei unerheblich gewesen, daß die Widersacher außerhalb des Fünfmeterraumes ihre Kräfte maßen. Die lange müde und fast teilnahmslos wirkenden Spieler aus Hannover aber wollten sich der Argumentation partout nicht anschließen. Wer am Ende nun tatsächlich irrte, mag abschließend nicht zu beurteilen sein. Fest steht allerdings, daß Peter Neururer bei seinem Versuch der Erklärung tief in der Vergangenheit kramte. Der Betzenberg mit seinem Fritz-Walter-Stadion ist entgegen Neururers Vermutung längst kein Ort des Schreckens mehr, und inzwischen strahlen auch die Zuschauer nicht länger jene Kraft und Entschlossenheit aus, die früher die Vermutung nährte, daß sich davon mancher Schiedsrichter beeinflussen lasse. Im Frühjahr 2006 hält sich die Angst der Konkurrenz vor dem Ambiente in überschaubaren Grenzen. Die Lauterer bibbern in ihrem Stadion meist mehr als ihre Gegner.“

VfB Stuttgart–Eintracht Frankfurt 0:2

Lahmender Esel

Mathias Schneider (StZ) pfeift auf den VfB: „Der VfB Stuttgart legte noch einmal ein dermaßen umfängliches Zeugnis seiner Unzulänglichkeiten ab, dass selbst den Protagonisten der Atem stockte. Er verweigerte seinem treuen Anhang wieder einmal neben allen technischen und taktischen Fertigkeiten auch jede Form von Leidenschaft und Kampf. Selbst die Cannstatter Kurve entzog nach den 90 Minuten ihren Lieblingen die Zuneigung. Unermüdlich hatte der Block zuvor versucht, bei Blitz und Donner die Elf nach vorn zu peitschen – ein aussichtsloses Unterfangen. Ein lahmender Esel bleibt chancenlos auf einer Galopprennbahn.“

1. FC Köln–MSV Duisburg 3:1

Erstklassiger Jubel

Stefan Osterhaus (taz) forscht nach der Ursache der – überwundenen – Formschwäche Lukas Podolskis: „An wem lag es, dass von Podolski über Monate nicht mehr allzu viel zu sehen war? Vielleicht waren es ja die Folgen seines Machtkampfs mit Uwe Rapolder. Der Volkstribun Podolski gewann, Rapolder musste gehen. Kein Verlust für die Liga, wie überhaupt auch die Arbeit seines Nachfolgers in Bielefeld, Thomas von Heesen, die Dampfplauderei des aufgeblasenen Systemtheoretikers um diesen und jenen Schachzug auf dem Spielfeld ins rechte Licht rückt. Denn nicht erst seit Podolski weiß man: Das System und der Hochbegabte können, aber müssen sich nicht vertragen, wenn Letzterer derart korsettiert über das Spielfeld schleicht, dass er im Begriff ist zu schwinden, beraubt jeder Möglichkeit, Dynamik zu entwickeln. Und vielleicht ist es ja jene Eigendynamik, die Köln im Schlussspurt noch rettet.“ Christoph Biermann (SZ) läuft’s kalt den Buckel runter: „Unstrittig erstklassig war der Jubel der Fans nach dem 2:0. Die Dankbarkeit für so wenig ist gigantisch in Köln. Das Publikum feierte die endlich einmal sicher erscheinende Führung wie anderswo Meistertitel nicht bejubelt werden.“

Provinzialität

Christoph Biermann (SZ) rät dem Duisburger Oberhaupt, gute Mitarbeiter einzustellen und ihnen Befugnis einzuräumen: „Um direkt nach oben zurückzukehren und mittelfristig wieder ein etablierter Bundesligist zu werden, wird Walter Hellmich seine bisherige Haltung überdenken müssen. Der Segen-und-Fluch-Präsident des MSV hat während der letzten Jahre unbestritten fast im Alleingang die Renaissance des Klubs geschafft. Der Bauunternehmer hat für ein konkurrenzfähiges Stadion gesorgt und auch dadurch zur Rückkehr in die Bundesliga beigetragen, dass seine Treue zum in Duisburg immer wieder angefeindeten Trainer Meier unerschütterlich war. Dennoch überschätzte der Selfmademan seine sportliche Kompetenz und lernte kaum etwas dazu. Denn das Beharren auf dieser Idee von One-Man-Show führt im heutigen Spitzenfußball in die Provinzialität.“

Sonntag, 23. April 2006

Ball und Buchstabe

Aufwärmtraining

Für Thomas Hüetlin und Alexander Smoltczyk (Spiegel) sind die Ischia-Fotos Angela Merkels ein Vorbote der WM-Berichterstattung englischer Boulevardzeitungen: „An Hemmungslosigkeit über die Jahre gewöhnt, werteten viele Beobachter den Gossenschabernack rund um Merkel auch als Aufwärmtraining zur Fußball-WM, wo die Sun samt ihren britischen Gesinnungsgenossen erwartungsgemäß neue Höhepunkte im sogenannten Krautbashing herbeititeln dürfte. Auch über 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist jenes Deutschland, das dort herbeihalluziniert wird, nicht der Ort des Exportweltmeisters, sondern ein verschrobener Kosmos aus Pickelhauben und Hunnen, Blitzkrieg und Stechschritt, Obersturmbannführern und Gauleitern. Trotz derlei großväterlichen Geknatters rund um große Fußballereignisse schieden die englischen Nationalmannschaften in der Regel spätestens nach dem Elfmeterschießen gegen die Deutschen aus, was britischen, für ihre Härte gerühmten Spielern die Tränen in die Augen trieb. Ein zeitgemäßes Deutschlandbild? Knapp die Hälfte der jungen Briten gaben bei einer Umfrage an, keine Meinung zu haben, weil sie nicht genug wüssten. Für Deutschland muss das als Fortschritt gewertet werden: Noch Ende der neunziger Jahre hatten Heranwachsende die Bundesrepublik zum langweiligsten, unattraktivsten Land Europas erklärt, ärmer als Bosnien, welches sie im Zweifelsfall lieber bereisen würden als Deutschland. Nicht besonders erstaunlich also, dass nur sehr wenige der Heranwachsenden Deutsch lernen wollen. Das Ergebnis dieser Weltanschauung konnte in der Sun besichtigt werden. In einer aufgebauschten Titelgeschichte wetterte das Blatt gegen das ‚bekloppte‘ britische Außenministerium, welches die englischen Fans angeblich dazu aufgefordert hatte, auf deutschem Boden Deutsch zu singen. Dann übersetzten die Redakteure den Stolz ihrer Nation, die Nationalhymne, erste Strophe: ‚God save our gracious Queen‘. Ergebnis nach wahrscheinlich 120 Minuten harten Kampfes, Kühlschränken voller Bier, schwarz auf gelb: ‚Gott speichern unsere liebenswürdige Königin.‘“

Bundesliga

Verirrt

Richard Leipold (FAS) beschreibt Schalke als Sackgasse für Kevin Kuranyi und Fabian Ernst: „Anders als vor neun Jahren ist Uefa-Pokal-Romantik nicht mehr ausreichend, die wirtschaftlichen und emotionalen Ansprüche zu befriedigen. Als Meisterschaftszweiter des Vorjahres hat Schalke sich verstärkt wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte und die Illusion geweckt, es mit Branchenführer Bayern aufnehmen zu können. In Kevin Kuranyi und Fabian Ernst nahm der Klub zwei Profis unter Vertrag, die sich in Stuttgart und Bremen nicht mehr herausgefordert oder gut genug bezahlt fühlten. Mit Blick auf die Schalker Ambitionen, die Bayern zu jagen, schien Gelsenkirchen der folgerichtige Karriereschritt zu sein – und ein historischer dazu. ‚Soviel ich weiß, hat Schalke noch nie vor einer Saison zwei aktuelle Nationalspieler verpflichtet‘, sagt Andreas Müller. Gut, daß er diesen Vereinsrekord vor Beginn der Spielzeit melden konnte. Knapp zwei Monate vor der WM gelten Ernst und Kuranyi in der Nationalelf als Wackelkandidaten. In Schalke werden sie neuerdings wegen schwacher Leistung ausgewechselt. Ernst ist nur noch ein Mitläufer, Kuranyi auf dem Platz ein Schatten des scheinbar unwiderstehlichen Torjägers aus dem Werbefernsehen. (…) Bei Werder Bremen hatte Ernst gespielt, als gehörte er nirgendwo anders hin. In Schalke wirkt er wie ein Fremdkörper – als hätte er sich dorthin verirrt. Kaum zu glauben, daß der Mittelfeldspieler vor einem Dreivierteljahr noch als Kandidat für das Kapitänsamt gehandelt wurde. Wie viele seiner Kollegen kickt Ernst nun leise und anonym vor sich hin, ohne sich groß um seinen Nachbarn zu kümmern. Sein Auftreten ist beispielhaft für eine Mannschaft, in der jeder für sich seine Aufgabe erfüllt, ohne daß die Summe der Einzelleistungen von großem Nutzen für das Kollektiv wäre.“

WamS: Angreifer in der Defensive – sieben Wochen vor WM-Beginn steckt Kevin Kuranyi in der größten Krise seiner Karriere

WamS-Interview mit Jürgen Klopp

Ascheplatz

Überdimensioniert

Detlef Hacke (Spiegel) bezweifelt mit einigen Experten Wirkung und Effizienz des Bundesliga-Sponsorings: „Mag der hiesige Fußball auf dem Rasen auch rückständig daherkommen, bei der Verwertung von Zeit und Raum in den Stadien zeigt Deutschland weltmeisterliche Effizienz: Für die 36 Proficlubs ist das Geschäft mit der Werbung mit 416 Millionen Euro die ergiebigste Geldquelle, selbst die Topligen in Italien, Spanien und England erzielen diese Summe nicht. Die Fernsehrechte rangieren mit 302 Millionen erst an zweiter Stelle der Erlöse. Am Spielfeldrand wuchert bis in die obersten Ränge ein Dschungel aus Logos und Sprüchen. Banden heischen in Zweier- und Dreierreihen um Aufmerksamkeit, alle paar Sekunden drehen sich Biermarken, Investmentfonds, Wettanbieter oder Autofirmen ins Sichtfeld. Die Tore sind umschlossen von sogenannten Cam Carpets, verzerrt bedruckten Teppichen, die aus dem Blickwinkel der zentralen Fernsehkamera wie überdimensionierte Werbereiter aussehen. (…) Marktforschungsinstitute haben festgestellt, dass in der Sportschau rund hundert verschiedene Werbebotschaften über den Bildschirm flimmern. Dass da beim Konsumenten nicht viel hängenbleibt, erscheint nur logisch. Vorbildlich präsentiert sich hingegen die Champions League: An jedem Spieltag, in jedem Stadion finden sich die gleichen Werbebanden, gebucht von denselben sechs Firmen.“

Deutsche Elf

Der CEO des deutschen Fußballs

Sehr lesenswert! Der Schriftsteller Burkhard Spinnen (FAS/Politik) anerkennt die Rationalität Jürgen Klinsmanns und empfindet den Schmerz nach, den sein Handeln einem Mitglied der deutschen Fußballfamilie zufügt: „Klinsmann hat dem deutschen Fußball die altertümliche Kicker-Folklore ausgetrieben und ihn endlich globalisierungstauglich gemacht (…) Klinsmann ist wenig vom Liga-Geschäft mitgenommen und bringt ein geradezu atemraubend jugendliches, ja jungenhaftes Erscheinungsbild mit in das Amt. Aber er ist nicht der Dorian Gray des deutschen Fußballs. Oder besser: Er ist es – aber zu dem großen netten Jungen ist ein auf den ersten Blick Unsichtbarer hinzuzudenken, der ganz genau sieht, was alle gerne übersehen oder besser: überspielen würden. Und zwar die großen Probleme des deutschen Fußballs. Deutschland ist von einer Fußballexport- zu einer Fußballimport-Nation geworden. Die Jugendarbeit der meisten Vereine besteht darin, die Jugendarbeit der ausländischen Clubs zu honorieren. Daß die Nationalelf, die zwar international agiert, aber selbst von jeder inneren Globalisierung ausgenommen bleibt, dabei schwächer und schwächer werden mußte, war allen klar. Doch es auszusprechen fiel unter ein doppeltes Schweigegebot: Einerseits verletzt man damit die mächtigen Liga-Bosse, andererseits bekommt man für solche Sätze den prekären Applaus der Stammtische. Ausgerechnet Klinsmann hat einen dritten Weg zwischen dem naiven Dauerüberspielen der Probleme und einer unschönen Revolte des Nationalismus gefunden: Sein Verfahren besteht in der gründlichen Austreibung aller Reste von Mythos, Tradition und Legende aus der Mannschaft. Das geschieht zunächst auf dem Platz. Kündigungen wie die an Wörns und zuletzt an Kahn haben die Mannschaft allmählich zu genau dem gemacht, was sie ist, wenn man Überbau und Legendengerede abzieht: ein Querschnitt durch die Aktivposten der Vereine, ein Spiegel ihrer Nachwuchsarbeit, ein Gradmesser ihrer Kreativität. Du bist, kann man dieser Mannschaft getrost zurufen, Deutschland. Und zwar das ausschließlich selbstgestrickt-hiesige, das wahrlich jetzige, das Deutschland nach Abzug des gut Gemeinten und des noch besser Erinnerten. Das Deutschland auf dem grünen Rasen der Tatsachen.

Klinsmann hat seine Arbeitgeber enttäuscht. Statt sich als Galionsfigur vor ein schwaches Schiffchen binden zu lassen, geht er als moderner Manager durch das Unternehmen und unterzieht alle Positionen einer nüchternen Bilanz. Was sind wir, fragt er, wenn man den Kredit wegstreicht, den wir uns erbetteln? Was ohne die Hypotheken auf unsere Vergangenheit? Was leisten wir, wenn man uns mit den Wettbewerbern außerhalb unseres Tellerrands vergleicht? Klinsmann weiß, daß im Zeitalter der Globalisierung die Legenden nicht börsentauglich sind. Aus den Mythen sind Quartalsberichte geworden; Kredit gibt es nur noch auf die Zukunft. (…) Klinsmann ist der CEO des deutschen Fußballs. Nach jedem Spiel tritt er vor seine Aktionäre und bittet, das Gewesene schnellstens zu vergessen, damit man um so zuversichtlicher nach vorne schauen kann. Denn wie in der Ökonomie geht es auch in unserem Bewußtseinsalltag nicht mehr ums Einkleben von Erinnerungen, sondern um Investitionen ins Morgen. Klinsmanns Aufgabe ist es, uns dies ausgerechnet da zu vermitteln, wo es am meisten weh tut, im Fußball.“

Frage der Glaubwürdigkeit

Michael Ashelm (FAS) erklärt die Forderung, Mehmet Scholl zu berufen, und rät von dieser Maßnahme ab: „Vor allem eines zeigt die Diskussion um den WM-Scholl: Die Sehnsucht des Fußballfans hierzulande nach Emotionen, Herzblut, Verspieltheit und Raffinesse auf dem Platz, eben alles, was der schmächtige Mittdreißiger seit Jahren verkörpert. Fußball kann nämlich auch Spaß machen. Die deutsche Realität sieht anders aus: dröge, trocken, langsam. Kein neues, überraschendes Phänomen, aber um so schlimmer im Jahr der WM. Spielfreude, kombiniert mit einstudierter Finesse, kann außer dem Hamburger SV mit Abstrichen nur Werder Bremen und ganz selten den dominanten Bayern keine andere Mannschaft bieten. Der erhoffte Schub hin zum Weltturnier ist ausgeblieben. Statt dessen sind wacker kämpfende, aber meist ungeschickt agierende Profis und verunsicherte Nationalspieler im Formtief sowie kriselnde Bundesligaklubs zu beobachten. Von der internationalen Wettbewerbsfähigkeit mag schon gar keiner mehr reden. (…) Ob Scholls von vielen Verletzungen ausgezehrter Körper den Belastungen des Hochleistungswettbewerbs einer WM mit den langen Wochen der Vorbereitung und des Dauerstresses standhält, darf bezweifelt werden. Würde Klinsmann wirklich eine Nominierung des Münchner Gelegenheitsarbeiters ins Kalkül ziehen, verlöre seine auf jugendlichen Sturm und Drang getrimmte Philosophie an Glaubwürdigkeit. Auch deswegen ist es kaum zu glauben, daß sich der Bundestrainer vom Hype um Scholl anstecken läßt.“

Aktionismus

Auch Udo Muras (WamS) empfiehlt Klinsmann, die Rufe nach Scholl zu überhören: „Ein Blick in die Historie beweist, daß Reaktivierungen verdienter Profis selten von Erfolg gekrönt waren. Vor fast jeder WM wuchsen die Zweifel an der Stärke des Teams in der Öffentlichkeit. Selbst auf die Gefahr hin, die eigene Philosophie zu verraten und die Hierarchie über den Haufen zu werfen, starteten die Bundestrainer dann Rückholaktionen. So verfiel Berti Vogts vor der WM 1994 in den USA in Panik und reaktivierte gleich drei Weltmeister von 1990: Andreas Brehme, Thomas Berthold und ganz zuletzt Rudi Völler, der bereits sein Abschiedsspiel gegeben hatte. Vogts wollte sich nie damit abfinden. Bezeichnend, daß er Völler zum Abschied ein Faxgerät mit Anrufbeantworter schenkte, um ihn stets erreichen zu können. Unumstrittener Stammspieler war keiner aus dem Trio der Nachrücker, das dafür die Hierarchie bedrohte. Der Kader von 1994 gilt als einer der chaotischsten der Geschichte. 1958 tat Sepp Herberger dagegen zwei echte Glücksgriffe, als er drei Monate vor Turnierbeginn Fritz Walter und Helmut Rahn zurückholte. Der von Selbstzweifeln geplagte Walter, Kapitän der Berner Helden (‚Chef, ich kann des net mehr‘), war 1956 wieder einmal zurückgetreten, Rahn durfte nach einer 14tägigen Gefängnisstrafe in Folge einer Alkoholfahrt nicht mehr für Deutschland spielen. Eigentlich. Aber Herberger gab nie auf. Rahn mußte zehn Kilo abnehmen, um dann bester deutscher Torschütze zu werden. Walter bekam gute Kritiken, Herberger wollte ihn 1962 noch einmal mitnehmen. Auch der erste Bundestrainer Otto Nerz sah sich bestätigt in seinem dreijährigen Kampf um den Schalker Fritz Szepan, der nach einem Streit stur alle Einladungen zerrissen hatte und erst nach einem Hausbesuch von Nerz vier Monate vor der WM 1934 zum Comeback bewegt worden war. Mit Kapitän Szepan wurde man beachtlicher Dritter. Genauso war es 1970 in Mexiko im Falle Uwe Seeler, den Helmut Schön weichkochte. Mit Helmut Haller hatte Schön weniger Glück: Nach nur 45 Minuten war dessen WM-Comeback beendet. Die drei deutschen Weltmeister-Mannschaften 1954, 1974 und 1990 hatten derlei Aktionismus nicht nötig. Sie waren gewachsen, stark besetzt und auf Rückkehrer nicht angewiesen.“

WamS: Hurra, die Brasilianer kommen! Wie sich das ruhige WM-Quartier Königstein auf die Ankunft der weltbesten Fußballer und den Ansturm zehntausender Fans vorbereitet

Samstag, 22. April 2006

Allgemein

Revitalisiert

Beim 0:0 zwischen Schalke und Sevilla empfindet Roland Zorn (FAZ) den eingewechselten Lincoln als Belebung: „Daß Mirko Slomka behauptete: ‚Wir kommen ins Endspiel, weil wir auswärts stark sind und in Sevilla ein Tor machen können‘, interessierte nur Ergebnisspekulanten. Die Akte Lincoln dagegen mit dem Einlegeblatt Kuranyi interessierte viel mehr. Zumal da der 27 Jahre alte, zuletzt wochenlang lustlos anmutende Spielmacher außer Form seit Freitag auch als möglicher Neuerwerb des FC Bayern München gehandelt wird. Der gelegentlich zickige Brasilianer glänzte in seinem fünfundvierzigminütigen Auftritt als einziger ‚Königsblauer‘, weil er das hat, was seinen Kollegen bei allem Fleiß und Eifer abgeht: Ideen, Inspiration, Kreativität, Feinfühligkeit am Ball und Torgefährlichkeit. Der Zuschauer bekam nach Lincolns und Schalkes enthaltsamen Fastenwochen wieder einmal vor Augen geführt, wie besonders wertvoll dieser Südamerikaner mit dem wehen dunklen Blick und den primadonnenhaften Allüren für die Schalker sein kann – wenn er denn will.“ Isaac Baah (zeit.de) bemängelt: „Schalke zeigte mehr als deutlich, wie weit es, trotz gegenteiliger Bekundungen der Vereinsführung, vom europäischen Spitzenfußball entfernt ist.“ Christoph Biermann (SZ) hingegen sieht das Gute: „Das torlose Remis sieht magerer aus als es ist. Außerdem spielte Schalke im Vergleich zu den letzten Wochen revitalisiert.“

Bundesliga

Nur der erste Schritt auf dem langen Marsch (1)

Frank Heike (FAZ) verfolgt den Weg des Hamburger SV: „Bernd Hoffmann hat zusammen mit Dietmar Beiersdorfer analysiert, warum der HSV während und nach der letzten Champions-League-Teilnahme 2001 in der Bundesliga auf Rang 13 stürzte. Damals fehlte es dem Kader an Qualität für die Doppelbelastung. Aus diesen Fehlern will man lernen. Auf den hinteren Rängen ist der HSV auch heute nicht gerade prominent besetzt. Hoffmann setzt auf den Nachwuchs. Es sei eine ‚veränderte Anforderung‘ für Thomas Doll, die Spieler Nummer 15 bis 17 demnächst der Bundesliga näher zu bringen. Eine Anforderung, die aus Hoffmanns Mund wie eine Forderung klingt. (…) Die inzwischen erwartete Qualifikation für die Champions League soll ja nur der erste Schritt auf dem langen Marsch zurück zu alter (europäischer) Klasse werden.“

Ascheplatz

Politikum

Die SZ spekuliert über eine Insolvenz 1860 Münchens und einen Lizenzentzug; zudem könnte der Klub sportlich absteigen. Was folgte daraus für den Stadion-Partner Bayern München, Klaus Ott? „Die Bayern müssten bei einem Abstieg des TSV in die Regionalliga oder gar in die Bayernliga bei der Finanzierung der Arena für die Sechziger einspringen. Das würde die Bayern bis zu 10 Millionen Euro pro Saison zusätzlich kosten. Auf der Arena lasten Kredite von mehr als 300 Millionen Euro. Selbst Deutschlands reichster Klub könnte es nicht so einfach verkraften, für die Kreditlinien weitgehend alleine gerade zu stehen. Der FC Bayern verfügt zwar über ein prall gefülltes Festgeldkonto mit weit über 100 Millionen Euro, er hat aber derzeit zwei große Baustellen: das Stadion und den teuren Umbau der Mannschaft für die Zeit nach Michael Ballack. Fraglich ist, inwieweit die Bayern ihre Reserven angreifen wollen. Bislang gehört die Arena GmbH den beiden Vereinen zu je 50 Prozent. Es wäre ein Politikum in der Stadt, würden die Roten Stadionanteile von den Blauen übernehmen. Das könnte die Rettung für 1860 sein, aber bisher wollten die Bayern nicht Mehrheitseigener am Stadion werden. Für die Auslastung der Arena, die für Bundesliga, Champions League und WM gebaut wurde, sind zwei hochklassig spielende Mannschaften notwendig. Nun kommt es zu der kuriosen Situation, die Fans beider Klubs niemals erwartet hätten: Das Schicksal der Blauen und der Roten ist durch die Arena untrennbar miteinander verbunden.“

Welt: Augsburg kommt in Mode – ehemaliger Textil-Unternehmer will mit dem Regionalligisten bis 2011 in die Bundesliga, Stadionbau für 60 Millionen Euro geplant

FAZ: über den Gerichtsentscheid zu WM-Tickets

Deutsche Elf

Weltmeisterlich

Jürgen Klinsmann lädt Jens Nowotny zum Fitneßtest; Andreas Lesch (BLZ) hofft auf eine Finte: „Herrje, waren die Zeiten, in denen solche Aufrufe das Land verschreckten, nicht längst vorbei? War es nicht die beste von vielen guten Ideen Klinsmanns gewesen, das Nationalteam konsequent zu verjüngen? Hatte er nicht standhaft all den Gurus widersprochen, die ihm die Kicker von vorgestern wieder in die Mannschaft singen wollten und die ständig nörgelten, mit lauter Jünglingen sei bei einer echt total hammerharten Männerveranstaltung wie der WM nichts zu gewinnen? Nowotny passt so gar nicht in das Konzept, das Klinsmann propagiert: Er ist nicht jung, er hat unter dem neuen Bundestrainer bisher kein Spiel bestritten, er hat keinen Fitnesstest mitgemacht, er hat nie zu dem Kreis gehört, aus dem Klinsmann seinen Kader wählen wollte. Er bringt auch nicht die Schnelligkeit mit, die ein moderner Verteidiger in Klinsmanns Offensivstrategie braucht. Noch ist seine Berufung ein Test. Vielleicht will Klinsmann damit nur belegen, dass er flexibel ist, nicht stur, und dass er wirklich alles probiert, um die Schwächen seines Teams zu beheben. Nach dem Fitnesstest könnte er dann mitteilen, für Nowotny habe es leider nicht gereicht. Falls der Verteidiger aber mitfährt zur WM, muss er in den Mannschaftsrat. Dann muss er die Prämien fürs Team aushandeln. Bei Bayer Leverkusen sollte Nowotny geschätzte 4,7 Millionen Euro nur dafür erhalten, dass er vorzeitig geht. Das ist: weltmeisterlich.“

FR: Die englische Fußballnationalmannschaft hat fast alles, was ein Topteam auszeichnet, vor allem aber Wayne Rooney

Freitag, 21. April 2006

Champions League

Man schafft Vorräte

Arsenal bezwingt Villareal 1:0 – Christian Eichler (FAZ) paßt seine Bilder an: „Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Und der FC Arsenal tat es seinem ungewöhnlichsten Stadion-Gast nach. Gegen den spanischen Außenseiter gelang auch nach dem Solo des Nagetiers nicht die leichtfüßige Dynamik und flüssige Paßfolge wie zuvor gegen die Favoriten von Real Madrid und Juventus Turin. Dennoch reichte es zu einem verdienten 1:0-Sieg, einem kleinen Polster für das Rückspiel. In dieser Hinsicht sind Kicker nicht anders als Eichhörnchen: Man schafft Vorräte, wer weiß, wozu sie gut sind? Auch wenn Arsenals Überlegenheit in der zweiten Halbzeit nur zu einigen verpaßten Chancen führte, gelang doch der mindestens ebenso wichtige Teil der Übung, den Spaniern kein Futter zu geben. (…) Das Wichtigste war Wenger und seinem Team, daß es zum Abschied von Highbury nach 93 Jahren, im letzten internationalen Match vor dem Abriß der alten Arena, seinem Publikum einen Sieg präsentieren konnte – 35.438 zahlenden Zweibeinern und einem Vierbeiner mit Freikarte.“

Oversea’s Twelve – und wir hielten ihn für den letzten Engländer. Raphael Honigstein (Tsp) entlarvt ihn als einen weiteren Legionär Arsenals: „Wie die interessierten Tierfreunde vielleicht wissen, hat sciurus carolinensis, das aus Amerika eingewanderte Grauhörnchen, in England seine europäischen Verwandten fast gänzlich verdrängt. Es ist einfach härter im Nehmen und kommt vor allem in Städten gut zurecht. Mitten in der ersten Halbzeit war so ein urbaner Nager, von den Zuschauern frenetisch gefeiert, in die Nähe von Arsenals Tor gelaufen. Lehmann hatte kurz überlegt, das ungebetene Kleinviech mit einem Hechtsprung einzufangen, so wie es einst Sepp Maier mit der Taube gemacht hatte, entschloss sich dann aber, es mit gutem Zureden zu belassen. Größere Sorgen als das Grauhörnchen hatte Lehmann nicht gehabt. Je weiter Arsenal kommt, desto weniger scheint er paradoxerweise zu tun bekommen.“

BLZ: Der ehemalige Stuttgarter Alexander Hleb prägt das schnelle Spiel des FC Arsenal
NZZ: Zuversichtliche britische Medien

FR: Socceroos auf dem Sprung – Australien ist dank Guus Hiddink davon beseelt, bei der zweiten WM-Teilnahme weit zu kommen

Ball und Buchstabe

Chance vertan

Kritik und Enttäuschung – Michael Kölmel (BLZ) belehrt die ostdeutschen Fußballfunktionäre über Symbolpolitik gegen Rassismus: „Vier Wochen hatte der NOFV, um auf den Vorfall [Ogungbure] zu reagieren und um mit einer entschlossenen Reaktion dem hässlichen Bild entgegenzutreten. Doch nach wie vor versteckt sich der Verband hinter seinen Paragrafen und den polizeilichen Ermittlungen. Dabei wäre so viel möglich gewesen: Eine Entschuldigung des Verbandes bei Ogungbure; stellvertretend für alle friedlichen Fußballer. Eine Erklärung gegen Rassismus auf der NOFV-Homepage sowie Links zu Solidaritätsaktionen, wie wir-sind-ade.de oder Fußball gegen Rassismus in Europa. Ein Zeichen wäre eine Aufforderung an alle Oberligisten, am Wochenende Farbe zu bekennen; eine lückenlose Aufarbeitung und Dokumentation des Falles Ogungbure und der sich zuletzt häufenden Fälle – wie zum Beispiel der ‚Juden-Jena-Rufen‘ beim Hallencup im Dezember in Riesa. Ein Aufforderung an alle NOFV-Klubs, über Rassismus Bericht zu erstatten. Dutzende mehr Ideen hätten entwickelt und auf den Weg gebracht werden können – bevor Strafen gegen Rassismus durch die Instanzen gehen können. Fußball kann Rassismus nicht verscheuchen. Aber er kann dagegen ankämpfen und sich solidarisch erklären. Diese Chance hat der NOFV kläglich vertan. Er verharmlost, er beschönigt. Wie Rassismus künftig mit Punktabzug bestraft werden soll, wenn sogar der Verband Teil der Mauer des Schweigens ist, das ist rätselhaft.“

BLZ: NOFV klärt die Übergriffe auf den Leipziger Ogungbure nicht auf

Tsp: Menschenrechtler warnen ausländische WM-Gäste vor gefährlichen Orten im Osten Berlins

Die Kirche hat ihren Beckenbauer gefunden

Der Spiegel zitiert in einem Ratzinger-Portrait den Erzbischof von Genua, Tarcisio Kardinal Bertone: „Die Kirche hat ihren Beckenbauer gefunden. Er treibt uns mit seinen Pässen nach vorn. Er versteht seine Mitspieler nach ihren Talenten einzusetzen. Ein zurückgezogener Regisseur und ein verlässlicher Mittelfeldspieler. Ratzinger hat mir übrigens oft von seinen Treffen mit Trapattoni erzählt.“

„Fußball ist nicht gerecht“ Interview mit Daniel Cohn-Bendit (Rund/zeit.de) über den Vorzug Michel Platinis, des Kandidaten auf die Uefa-Präsidentschaft, gegenüber seinem vermutlichen Kontrahenten Franz Beckenbauer und die Wirkung der schlechten Integrationspolitik auf den Fußball in Deutschland

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