indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Dienstag, 18. Oktober 2005

Nachschuss

Thorsten Schauerte & Jürgen Schwier – Die Ökonomie des Sports in den Medien

Eine Ökonomie des Mediensports

Die Beziehungen zwischen dem Sport, den Massenmedien und der Wirtschaft haben sich in den letzten Jahren nicht nur intensiviert und vervielfacht, sondern auch zu neuartigen Verflechtungen zwischen den drei Feldern geführt. Eine mittlerweile weitgehend ökonomisierte Medienlandschaft und eine zunehmend mediatisierte Sportlandschaft stimulieren dabei in gewisser Hinsicht fast zwangsläufig die Entfaltung einer Symbiose aus Wirtschaft, Sportsystem und Medien, deren empfindliches Gleichgewicht wohl auf dem Streben nach Gewinnmaximierung und positiver Wahrnehmung basiert. Den hohen finanziellen Aufwendungen der werbetreibenden Wirtschaft und der Medienunternehmen im Wettstreit um die Präsenz in attraktiven Sportarten und die Rechte der Berichterstattung über populäre Sportereignisse ist vor diesem Hintergrund ein Ziel gemein: Der Rezipient, der zugleich als potentieller Kunde in den Blick gerät. Seine Aufmerksamkeit ist die Basis für Medientreue und Kaufentscheidungen und bildet die Geschäftsgrundlage zwischen allen am Sport-Medien-Komplex beteiligten Parteien.
Mit der Frage nach den Entstehungsbedingungen und der Bedeutung medialer Sportangebote setzten sich in diesem Sammelband Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Wissenschaftsdisziplinen sowie Entscheidungsträgern aus der Praxis auseinander. Mit dieser Vorgehensweise verbinden die Herausgeber Thorsten Schauerte und Jürgen Schwier zudem die Hoffnung auf eine Belebung und Erweiterung des Diskurses um das Spannungsfeld der publizistischen und ökonomischen Bedeutung der Sportberichterstattung. Zudem bietet sich so die Möglichkeit, dieses bedeutende Feld medienökonomischer Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven – von der Betriebswirtschaftslehre über die Medien- und Kommunikationswissenschaft bis zur Sportsoziologie und dem Sportmarketing – zu betrachten und sowohl gemeinsame Schnittmengen als auch mögliche Widersprüche und Gegenpole zu identifizieren.

Dabei stehen insgesamt weniger die publizistischen Entstehungsprozesse im Vordergrund, sondern vielmehr die redaktions- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen, welche zu einem Engagement in einer Sportart, einem Sportereignis oder zur Zusammenarbeit mit sportlichen Handlungsträgern führen. Es sollen also die Entscheidungsprozesse der Medienschaffenden, der werbetreibenden Wirtschaft und der Sportorganisationen bzw. -veranstalter dargestellt und rekonstruiert werden, die letztlich zu dem medialen Sportangebot führen, welches wir gegenwärtig vorfinden. Thematisch beschäftigt sich der vorliegende Band mit dem Sport als Medienereignis, der Situation und Struktur der Sportmedienlandschaft in Deutschland, der ökonomischen Bedeutung der Sportberichterstattung für die Massenmedien und den Vermarktungsprozessen im und mit Sport. Die Reihenfolge dieser Auflistung bildet ebenfalls den Orientierungspunkt für die Anordnung der einzelnen Beiträge.
Am Beispiel von Trendsportarten zeichnet Jürgen Schwier im ersten Kapitel den Weg des Sports von der Entwicklung bis zur medialen Verwertung nach, und Thorsten Schauerte gibt im folgenden Kapitel einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Standpunkte und Sichtweisen der Beteiligten an der Sport-Medien-Wirtschafts-Allianz. Herbert Woratschek und Guido Schafmeister analysieren anschließend verschiedene Faktoren der TV-Nachfrage nach Sportübertragungen. Zur Beschreibung der Situation und der Struktur der Sport-Medienlandschaft erläutert erneut Thorsten Schauerte im vierten Kapitel die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Sport und Medien. Im Kapitel 5 diskutiert Thomas Schierl den möglichen Nutzen und die Effizienz der Marketingstrategien der einzelnen Segmente des Mediensports. In sechsten Kapitel untersucht Michael Coenen Möglichkeiten der Vertragsgestaltung bei einem zentralen Thema des Mediensports, den Sportübertragungsrechten, deren Bedeutung für die elektronischen Medien, insbesondere für das Fernsehen, wohl weiter steigen wird, wie Maria Gerhards und Walter Klingler in Kapitel 7 belegen. Den letzten Abschnitt des Sammelbandes bildet eine detaillierte und kritische Analyse der verschiedenen Vermarktungsstrategien im und mit Sport aus den jeweils unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Teilsegmente des Sport-Medien-Komplexes. Gabriele Siegert und Frank Lobigs betrachten in achten Kapitel den Sport aus der Sicht des strategischen TV-Managements, während Gerhard Trosien mögliche Konsequenzen einer sich weiter professionalisierten und ausdifferenzierten Sportvermarktung aufzeigt. In zehnten Kapitel analysiert Manfred Bruhn die Potentiale und Anwendungsbereiche des Sports als kommunikatives Marketinginstrument der werbetreibenden Wirtschaft. Raphael Sprink greift in Kapitel 10 schließlich explizit das Thema Sportsponsoring aus Unternehmensperspektive auf und diskutiert anhand von Theorien und Erkenntnissen seinen integrativen Einsatz innerhalb der Unternehmenskommunikation.

Der vorliegende Band stellt den Auftakt zur Buchreihe Sportkommunikation dar, die sich mit dem facettenreichen Thema des Mediensports beschäftigt. Aus der Vielzahl der Perspektiven, Interessengruppen, Strategien und daher nicht zuletzt aus der Anzahl der Wissenschaftsdisziplinen, die den Sport in den Medien zum Gegenstand haben, ergibt sich zwangsläufig der Umstand, daß auch in diesem Buch nicht alle Aspekte berücksichtigt werden konnten. Gleichwohl wird der Anspruch erhoben, einen fundierten Überblick über die relevanten Forschungsfelder zu geben und Implikationen für die weitere wissenschaftliche und praktische Arbeit in diesem Sektor zu liefern. In der Schriftenreihe Sportkommunikation sind zeitgleich zwei weitere Bände erschienen, die sich mit der Visualisierung (Hrsg. Thomas Schierl) und der Rezeption medialer Sportangebote (Hrsg. Holger Schramm) befassen. Untereinander sind die drei Bände so aufeinander abgestimmt, daß sie thematisch und theoretisch aufeinander Bezug nehmen und dem Leser so die Möglichkeit eröffnen, sich ein umfassendes Bild über die wissenschaftliche Theoriebildung und die empirische Forschung zu diesem bedeutenden Bereich des täglichen Lebens zu machen.

Thorsten Schauerte & Jürgen Schwier (Hrsg.) (2004). Die Ökonomie des Sports in den Medien. Köln: Herbert von Halem Verlag (ISBN 3-931606-75-9)

Bundesliga

Majestätsbeleidigung

Schlechte Presse für Köln, weniger wegen des Spiels, sondern wegen Lukas Podolski. Erstens hat er öffentlich seinen Trainer Uwe Rapolder kritisiert. „Gefährlicher Konflikt in der Krise – Podolski greift Rapolder an“, schreibt die FAZ in den Titel. „Der Vorfall ist nur ein Beweis dafür, daß die nach einem guten Saisonstart entstandene Begeisterung im Verein zusammengebrochen ist“ (Gregor Derichs, FAZ). Zweitens verstärkt der Spiegel die Befürchtung, Podolski leide an der hohen Erwartung Fußball-Deutschlands an ihn und am Werberummel. Diese Sorge spricht übrigens Jürgen Klinsmann immer wieder aus.

Majestätsbeleidigung

Was bedeutet es, Podolski auf die Bank zu setzen, Thomas Kilchenstein (FR)? „Damit ist im aufgedrehten Köln der Tatbestand der Majestätsbeleidigung erfüllt – und Podolski, dessen bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor so wunderbar korrespondiert mit seiner Schlichtheit, gießt, vermutlich ohne böse Absicht, neues Öl ins Feuer. Nun hat Rapolder den Schwarzen Peter. Und der ganze Klub seine erste Krise. So schlau, es nicht auf eine Machtprobe ankommen zu lassen, sollte Rapolder sein – diesen Kampf gegen einen Weltstar in spe kann er nicht gewinnen. Die Kölner sollten ihre bescheidenen Kräfte bündeln.“

Biegung

Jörg Kramer (Spiegel) sorgt sich um Podolski, von dem alle Welt, Köln und Deutschland, den Sprung zum Weltstar erwartet: „Podolski meisterte locker den Aufstieg vom Kölner Fußballprinzen zum nationalen Idol. In Krisenzeiten der DFB-Auswahl muss der Stürmer das Publikum besänftigen. Nun soll er den Sprung zum Weltstar schaffen. Wegbegleiter sind skeptisch, ob er allen Sehnsüchten standhält. (…) Die bisher so geradlinige Karriere ist an eine Biegung geraten, deren Verlauf keiner kennt. (…) Rapolder sieht Fußball als ein System einstudierter Kombinationen, bei dem alle Mitwirkenden pausenlos in Bewegung sind. Podolski, sagt er, sei ‚von der Spielweise eher individualistisch veranlagt’. Das ist kein Kompliment. Und das ist schwer zu verstehen für einen Spieler, dessen Stärken in überraschenden Einzelaktionen liegen.“

BLZ-Spielbericht

MSV Duisburg – Eintracht Frankfurt 0:1

Mit der Präzision einer Schrotflinte

Ulrich Hartmann (SZ): „Nur vier Tore in den ersten neun Saisonspielen zu schießen, das hat in der Bundesliga seit 35 Jahren keine Mannschaft mehr geschafft. 1970 war es: Eintracht Frankfurt. Warum die Hessen derzeit so selten jubeln, ist wieder deutlich geworden. Sie befeuern das gegnerische Tor mit der Präzision einer Schrotflinte.“

Weiteres

In Stuttgart müsste Giovanni Trapattoni schon zaubern können, sollte er noch die Kurve kriegen. In allen Zeitungen steht heute, dass selbst der bisher loyale Präsident Erwin Staudt Distanz zu ihm halte. Bekannt wird auch: Die Entlassung wird den Verein nicht viel kosten. Die Beobachter in Kaiserslautern verweisen wieder mal darauf, dass Vereinschef René C. Jäggi wenig Kredit bei den Fans hat, obwohl er wirtschaftlich sehr viel richtig zu machen scheint.

Altersstarrsinn

Oliver Trust (Tsp): „Die Zahl derer, die Trapattoni ernst nehmen, schwindet von Tag zu Tag. Mancher in der Klubzentrale spricht hinter vorgehaltener Hand von ‚Altersstarrsinn’. Er verunsichert seinen gesamten Kader durch unverständliche Personalentscheidungen und ständige Wechselspiele bei seinen Aufstellungen. Ein Trost für den VfB: Allzu teuer wird der Rauswurf nicht. Im Vertrag von Trapattoni ist festgelegt, dass er im Falle der Trennung nur für drei weitere Monate bezahlt wird.“

Undank

Stefan Osterhaus (NZZ) verweist auf das Verdienst René Jäggis: „Manchmal muss es eigenartig sein für Jäggi, wenn er sein Werk in Kaiserslautern beschaut. War er nicht erfolgreich? Hat er nicht getan, was man von ihm verlangte? Jäggi kam als Sanierer. Und er sanierte. (…) Jäggi brachte Solidität zurück in die Pfalz. Und hat man es ihm gedankt? Am Wochenende kamen die Zuschauer mit Verspätung zum Spiel – ein unverhohlener Prostet gegen die Darbietung des Altmeisters unter dem Coach Michael Henke.“

Deutsche Elf

Übliche Methoden

Jürgen Klinsmann, sein Wohnsitz, seine Telefonate und seine E-Mails bleiben das Hauptthema der Fußballpresse. Dass er nun den Kontakt zu einigen Bundesligatrainern gesucht und gefunden hat, schreiben ihm die Journalisten gut. In der jetzigen schwierigen Phase müssen Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw jedoch immer öfter von ihrem Malus lesen: Klinsmann, der Berufseinsteiger und unbequeme (Ex-)Profifußballer und Löw, Vereinstrainer ohne Erfolg. Es bleibt dabei, die argumentierenden Zeitungen wünschen sich, dass die Diskutanten den Ton ändern und messen dem Wohnsitz Klinsmann eine geringe Bedeutung bei; die Bild-Zeitung, so kann man das wohl sagen, wünscht sich einen anderen Bundestrainer und schlachtet das Thema mit den üblichen Methoden aus.

Mehr Gelassenheit

Roland Zorn richtet im Kommentar des FAZ-Sportbuchs seine Wünsche und Forderungen an alle: „Auch wenn manche der gegen ihn erhobenen Vorwürfe bei Licht besehen nicht über die Maßen schwer wiegen und viel Eitelkeit im Muskelspiel um Einfluß und Mitbestimmung im Spiel ist, hat es Klinsmann mit seiner Sturheit zuletzt übertrieben. (…) Solange er noch um die Anerkennung der Kollegen als Fachkraft im Trainerberuf ringen muß und alte Animositäten aus der Zeit, da er als unbequemer Spieler und Verhandlungspartner galt, eine Rolle spielen, täte ihm mehr Verbindlichkeit und persönliche Flexibilität gut. (…) Das Publikum hat einen Anspruch darauf, daß sich die WM-Matadoren und die Bundesliga-Notabeln zusammenraufen. Im Augenblick wirken die bösen oder rechthaberischen Worte, die von hüben nach drüben und zurück auf die öffentliche Umlaufbahn geschossen werden, peinlich. Erwünscht und dringend vonnöten sind professionelle Vermittler, die den Antipoden Klinsmann wie Hoeneß vor Augen führen können, daß ihre eigene Wichtigkeit der Sache zuliebe auch einmal an zweiter Stelle stehen darf. Mehr Gelassenheit in der Tonlage, ein offenes Ohr füreinander und die Fähigkeit zum Neustart in den Beziehungen sind jetzt gefragt. Dabei schadete es nicht, wenn Klinsmann auch einmal mehr als laut Vertrag vorgesehen nach Deutschland käme.“

Frank Hellmann (FR) verweist auf die schlechten Fitness-Werte; seine Quelle bleibt leider anonym: „Längst geht es weniger um Inhalt als um Macht. Klinsmann und Löw haben beispielsweise gute Gründe, die Fitness der Nationalspieler kritisch zu hinterfragen. So weisen alle Nationalspieler mit Ausnahme der Akteure des FC Bayern extreme Defizite auf. (…) Ein Umstand, den unabhängige Sportwissenschaftler bestätigen.“

Die Schmerzgrenze ist überschritten

„Die Republik hat ein neues Opferlamm“, schreibt Klaus Bellstedt (stern.de) und verteidigt Klinsmann gegen die Angriffe Hoeneß’: „Diese Mal hat der Wurstfabrikant den Bogen überspannt. Mit seinen populistischen Äußerungen hat er die seit langem schon unsachlich geführte Debatte über die Arbeitsweise des Bundestrainers neu entfacht – die Schmerzgrenze ist überschritten. (…) Klinsmann mangelnde Kommunikation mit der Liga vorzuwerfen, ist genauso falsch wie die momentane spielerische Misere der Nationalmannschaft an der Wahl seines Wohnorts festzumachen. Im Land der ewigen Nörgler sehnen manche bereits die Nach-Klinsmann-Ära herbei.“

Die Bild-Zeitung kann sich angesprochen fühlen. Sie versucht seit gestern (und noch leise), Klinsmann eine Flug- oder Bonus-Meilen-Affäre anzuhängen. Außerdem: In ihrer täglichen Seite-1-Rubrik „Gewinner/Verlierer des Tages“, die bildblog.de als „Instrument mehr oder weniger offensichtlicher Unternehmens-PR“ bezeichnet, ist Klinsmann heute der Verlierer, weil die Wettquote auf seinen Rauswurf gefallen ist.

Umfrage: „Muss Klinsmann in Deutschland leben?“, sueddeutsche.de

Montag, 17. Oktober 2005

Ball und Buchstabe

Mätzchen und Filmchen

Jürgen Kaube (FAZ /Feuilleton) setzt die Debatte mit den Machern der ARD-Sportschau fort. Am ersten Spieltag hat er sich in einem Kommentar über zu viel Werbung und zuwenig Fußball beschwert – eine Behauptung, der die ARD widerspricht. Nun machen sich Kaube und Mitarbeiter die Mühe und stoppen die Zeit – „der Weg der empirischen Sozialforschung auf eigene Faust“. Frage der Erhebung: Wie viel Werbung, wie viel Gewinnspiel, wie viel Fußball? Das Ergebnis widerspricht den Angaben der ARD und stützt Kaubes Kritik: „In Prozent ausgedrückt, besteht die Sportschau keineswegs aus „rund achtzig Prozent” Information, wenn unter Information nicht auch Produktinformation verstanden wird. Wir sind auf eine Sendelänge von ungefähr 95 Minuten gekommen, davon entfielen auf Informationen über die Bundesliga etwas mehr als 67 Minuten, was siebzig Prozent entspricht – zählt man das Interview mit Klinsmann separat, dann waren es sogar weniger als zwei Drittel Bundesliga, wobei hierin alle Mätzchen eingerechnet sind. Das reine Spielgeschehen macht etwas mehr als die Hälfte der Sendung aus. So weit die Quantitäten. Der eine oder andere Stoppfehler mag uns unterlaufen sein, manches Sendeelement geht auch gleitend ins nächste über. Im ganzen haben wir diesmal fünfzig Sendeelemente gezählt, eine Zahl, die von den Sportschau-Machern bislang nicht kommentiert worden ist, obwohl ebendieses ständige Unterbrechen der Sportberichterstattung durch Reklame-Filmchen viele Zuschauer mindestens so entnervt wie deren Gesamtlänge. Ein eigenes Kapitel wären noch die Qualitäten einer Sendung. Aber für dieses Thema und für das andere, wieso in der Sportschau und überhaupt im öffentlich-rechtlichen Sportfernsehen jeglicher analytische Blick auf den Fußball fehlt und nur die Phrasen der Woche hergebetet werden, fehlt uns nach all der Zeitmessung die Zeit. Dazu ein andermal.“ Fortsetzung folgt also. Wir hoffen darauf, dass Kaube uns weiter aus der Seele spricht.

Bundesliga

Schalke 04 – Bayern München 1:1

Zwei Themen stehen im Zentrum: Schiedsrichter Michael Weiners Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit für Schalke und das mäßige Niveau des Spiels. „Weil der Schiedsrichter nicht mitspielt, können die Bayern ausnahmsweise das 1:0 nicht verteidigen“, schreibt die FAZ, die FR notiert gar ein „Elfmetergeschenk“. Die BamS hält das Wortspiel „Das war zum Heulen, Herr Weiner!“ für gut genug für eine Schlagzeile.

Uninspiriert

Über das Spiel, immerhin das Duell zweier deutscher Champions-League-Teilnehmer, wird auch noch geschrieben: Holger Pauler (taz) erlebt ein Déjà-vu: „‚Länderspiel war schon’, hätte man spätestens zur Halbzeit den Akteuren – vor allem dem halben Dutzend bundesdeutschen Nationalspielern – am liebsten hinterher rufen wollen. Ähnlich uninspirierte Auftritte war man zuletzt eher von der DFB-Elf gewohnt: lässiges, tempoarmes Ballgeschiebe der Bayern, Verwirrung in der Schalker Hintermannschaft. Christoph Biermann (SZ) verweist auf Schalkes Defizit: „Schalke muss sich nach dem neunten Spieltag eingestehen, dass sich die Probleme aus der Vorsaison noch nicht geändert haben: Schon damals spielte Schalke für ein Spitzenteam zu wenig Torchancen heraus und schoss zu wenig Tore.“ Andreas Morbach (FTD) wirft erleichtert ein: „Immerhin macht auf Schalke noch niemand ‚Kalifornien-Klinsmann’ für die lauen Leistungen der beiden Neuzugänge Fabian Ernst und Kevin Kuranyi verantwortlich.“ Boris Herrmann (BLZ) lenkt den Blick auf die Leistung der Bayern: „Die wenigen Konter vertölpelten sie mit einer Arroganz, als ob sie beim Wiesenkick 10:1 in Führung gelegen hätten. Eine Arroganz, die den FC Bayern die Tabellenführung kostete.“ So bleibt Paulers trübes Fazit: „Beide Seiten, Bundesliga und Nationalmannschaft, haben ein Problem: das fehlende Niveau des deutschen Fußballs. Die vermeintliche Spitzenbegegnung vom Wochenende bestätigte dies. Meisterlich ambitioniert trat keines der beiden Teams auf.“

Links:

Tsp: Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell kommentiert die Schiedsrichterleistung
Tsp-Spielbericht

Mainz 05 – Bayer Leverkusen 3:1

Michael Skibbes Einstand – das ist der Blickwinkel, aus dem das Spiel bewertet wird. Die schwache Leistung der Leverkusener sehen die Journalisten als Fortführung der letzten Jahre. Aus der Lektüre wird schnell klar: Viel Hoffnung auf Änderung verbinden die Chronisten mit dem neuen Trainer nicht; dass er seinen Spieler das Phlegma austreiben kann, bezweifeln sie. Vernehmbarer wird die Kritik an Rudi Völler, Mitverantwortlicher für die Zusammenstellung der Mannschaft.

Internationales Konglomerat von Individualisten

Ulrich Hartmann (SZ) verweist auf die Machtlosigkeit des Trainers: „Der erste Auftritt des Teams unter dem 40-jährigen Trainer hat die Frage verstärkt, ob der zurückhaltende Skibbe der richtige Mann ist für dieses internationale Konglomerat von Individualisten. Auch unter Klaus Toppmöller, Thomas Hörster und Augenthaler haben sich die Spieler ihre Auszeiten immer wieder selbst genommen, und die Trainer mussten abwarten, bis die öffentliche Erregung durch eine rehabilitierende Leistung im darauffolgenden Heimspiel abklang. Dieses System von Schuld und Sühne hat Skibbe bereits begriffen.“

Im Nacken

Jörg Winterfeldt (Welt) heißt Skibbe in Leverkusen willkommen: „Gleich beim ersten Pflichtkick bekam Skibbe die blanke Bayer-Realität vorgeführt: Im Nacken hat der Ex-Bundestrainer seinen einstigen Nationalmannschafts-Teamchef Völler lauern, der auch verhindert, daß Skibbe allzu ehrlich und laut Bayers Fehler der Vergangenheit dokumentiert. Parallel muß Skibbe sich in Leverkusen, wo ihm erst Absagen von Matthias Sammer und Morten Olsen die Chance eröffnet haben, als Herr über ein Heer begabter, aber bis zur Trägheit launenhafter Individualisten beweisen.“

Jeder für sich, keiner für den anderen

Uwe Marx (FAZ) verweist auf das Vorbild Mainz: „Entscheidend war der Zerfall der Mannschaft in viele kleine, nicht mehr zusammenpassende Teile. Während die Mainzer wie gewohnt Fußball las Gemeinschaftserlebnis begriffen, demonstrierte Leverkusen den Abschied vom Kollektiv: jeder für sich, keiner für den anderen. Da wurde untereinander debattiert, abgewinkt, der Schwarze Peter gesucht und meist beim anderen gefunden. (…) Völler sagte später verärgert, Skibbe müsse den Charakter der Spieler prüfen – was man natürlich längst hätte tun können.“

Link:

Tsp-Interview mit Skibbe

Hamburger SV – VfL Wolfsburg 0:1

Im Mittelpunkt des Interesses stehen die „Rüpeleien“ (FAZ) nach dem Spiel und die vermutete Sperre für den Hamburger Spielmacher Rafael van der Vaart. Die Bild-Zeitung, der Hohepriester der Fußball-Moral, fordert gar „Massen-Sperren“ für die Spieler des Bayern-Konkurrenten und die des VfL Wolfsburg.

Disziplin-Problem

Jörg Marwedel (SZ) stellt fest: „Diese Ausraster sind längst keine Einzelfälle mehr. Zuvor waren in dieser Saison schon Demel, Boulahrouz und Sergej Barbarez in unschöne Scharmützel verstrickt gewesen, was ihnen mit Ausnahme Demels Sperren eintrug. Diesmal könnte das offenkundige Disziplin-Problem einen besonders hohen Preis haben. Van der Vaart droht eine mehrwöchige Sperre.“

Ideenarmut

Christian Görtzen (FAZ) malt den Hamburgern den Teufel an die Wand: „Wie ernüchternd die nächsten Wochen nach dem Ausfall des Spielmachers werden könnten, läßt sich ahnen. In den letzten vier Spielen der vergangenen Saison scheiterte der HSV kläglich in seinem Bemühen, direkt in den Uefa-Cup einzuziehen. Es zeigte sich damals eindrucksvoll, daß sich in der HSV-Mannschaft kein Spielgestalter findet. Jetzt, ohne van der Vaart, droht wieder Ideenarmut. Vermutlich vier Spiele wird er fehlen. Diese Zeit reicht manchmal schon aus, um große Ziele zu verspielen. Das wissen sie in Hamburg nur zu gut.“

Oke Göttlich (taz) schaut auf den Sieger : „Die Wolfsburger legen die akuten Probleme des HSV im Angriff frei und enttarnten Hamburgs mangelnde Sturmphantasie.“

Link:

FR-Spielbericht

Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 6:2

Mit Bremen, dem „Meister im Tiefstapeln“ (Welt), können sich die Beobachter freuen. Sehr viele Tore, hinten und vorne – für die Bundesliga ist das gut genug. Doch die Sorge um die Abwehr bleibt.

Überraschend

Frank Heike (FAZ) erkennt eine Neuerung im Bremer Spiel: „Fast nebenbei hat sich Ivan Klasnic auch zu einer Art vorderer Spielmacher entwickelt. Vor allem, wenn der wie zuletzt häufig in die selbstgewählte Isolation nach ganz links, ganz außen entschwindende Johan Micoud nur dabei statt mittendrin ist, übernimmt Klasnic die Rolle des Ballverteilers. Das ist der überraschendste taktische Zug der Bremer.“

Heinz Fricke (SZ) sieht ein abwechslungsreiches und fehlerhaftes Spiel: „Nürnbergs Mannschaft ist, so schön sie zeitweilig kombinierte, zu instabil und zu leicht aus der Fassung zu bringen. Doch auch der neue Tabellenführer ist nicht frei von Problemen. Zwölf Gegentore in neun Spielen belegen, dass die Viererkette mit Spielern aus drei Ländern noch Harmonie-Defizite hat. Aber in der Bundesliga macht das nichts, da wird vorne oft genug getroffen.“

Links:

Tsp-Kommentar
FR-Spielbericht
BLZ-Spielbericht

VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 1:1

Selbst die sachlichsten Journalisten ahnen, dass es mit Giovanni Trapattoni in Stuttgart kein gutes Ende nehmen wird. In der Mannschaft findet er keine Fürsprecher, und die Leistungen werden eher schwächer als stärker. Die Leistung der Gladbacher findet wenig Beachtung in der Presse.

Stuttgart wartet

Bernd Dörries (SZ) empfängt Signale der Trennung: „In gewisser Weise lässt sich sagen, dass Trapattoni seine beste Leistung der Saison gezeigt hat. Er gab zu, dass es ein schlechtes Spiel war, das seine Mannschaft gegen wesentlich bessere Gladbacher gemacht hatte. Man kann das als Fortschritt interpretieren. Er war bisher dadurch aufgefallen, dass er dort Licht sah, wo andere Beobachter nicht einmal einen Schatten erkennen konnten. (…) Es scheint in Stuttgart nun eine Situation eingetreten zu sein, in der die Spieler darauf warten, dass der Trainer geht oder zumindest sein System ändert und der Trainer darauf wartet, dass die Spieler sich endlich zusammenreißen. Das Präsidium des Vereins wiederum scheint darauf zu warten, ob eine der beiden Seiten freiwillig nachgibt oder alles einfach irgendwie besser wird. Vielleicht wartet man auch auf eine unauffällige Lösung in der Winterpause, mit der alle Seiten ihr Gesicht wahren können.“

Ansehen und Respekt erlahmen

Peter Heß (FAZ) leidet mit Trapattoni: „Wie der temperamentvolle Italiener die Fehlleistung seiner Mannschaft mit deren Unsicherheit kommentierte, nahm die neutralen Zuhörer für sich ein. Charmant, voller Leidenschaft fiel er vom Italienischen in sein Trap-Deutsch. Man konnte gut ahnen, worauf er hinauswollte. Aber wenn Mannschaftssitzungen in einem ähnlichen Stil abgehalten werde, könnte die ein oder andere Nuance unter den Tisch fallen. Sogar mit Dolmetscher. Die Geduld, die zum genauen Hinhören nun mal aufgewendet werden muß, scheint bei weiten Teilen der Mannschaft aufgezehrt zu sein. Stimmen aus der Umkleidekabine künden davon, daß Ansehen und Respekt gegenüber dem ehemaligen Lieblingsitaliener erlahmen.“

1. FC Kaiserslautern – Borussia Dortmund 3:3

Trotz sechs Toren und zwei Dreifach-Torschützen hat das Spiel eine schwache Presse. Interessanter ist den Autoren die Zukunft Halil Altintops, der wohl nur noch bis höchstens Juni 2006 für Kaiserslautern stürmen wird. „Jede seiner Aussagen ließ sich hübsch drehen und wenden, aber am Ende hören sich alle an wie die unerschütterliche Ankündigung eines baldigen Abschieds“, lesen wir in der FAZ.

Arminia Bielefeld – Hertha BSC Berlin 3:0

Ein Stück große Fußballwelt

Ein Spiel im Schatten der Aufmerksamkeit, und doch ein bisschen Lob für Bielefeld. „Arminia überrascht die sogenannten Experten aufs neue“, schreibt die FAZ denjenigen ins Stammbuch, die vor der Saison den Abstieg voraussagten. „Buckley? Lense? Skela? Ihre vor ein paar Wochen noch so unersetzlichen Abgänge verzeichnen die Bielfelder Fans spätestens seit dem Schlußpfiff mit dicken Fragezeichen. Der neue Star heißt Sibusiso Zuma, er schenkte ihnen mit seinem sehenswerten Slalomlauf über den halben Platz ein Stück große Fußballwelt – einen Augenblick, bei dem am Abend via Fernsehen ganz Fußball-Deutschland bewundernd nach Bielefeld schaute.“ (Peter Penders)

Links:

FAZ: Zuma, der neue Bielefelder Liebling

taz-Spielbericht

Deutsche Elf

Keine Stimmungsmache zu billig

Fußball-Deutschland gibt zurzeit ein schlechtes Bild ab, insbesondere wenn die Protagonisten den Mund aufmachen. Der Stammtisch streitet über Jürgen Klinsmanns Wohnort, offenbar gibt es nichts wichtigeres. „WM-Krieg“ in Deutschland dröhnt die Bild-Zeitung: „In Deutschland brennt der Baum und bei Klinsmann die Sonne“ und zeigt den Bundestrainer lachend, joggend am sonnigen Pazifik-Strand – allerdings auf einem drei Jahre alten Foto. Herrje, ist denen keine Stimmungsmache zu billig? „Klinsi greift Liga-Bosse an!“ steht auf Seite 1 der BamS – eine falsche Aussage, verwechselt die Redaktion Angreifer und Verteidiger. Angreifer ist keineswegs Klinsmann, sondern die „große Koalition der Unzufriedenen aus den Vereinen“ (WamS), die seit Tagen verbissen gegen Klinsmann kämpft. Allen voran Uli Hoeneß der am Samstag auf Premiere gauzt: „Der soll hierher kommen und nicht ständig in Kalifornien rumtanzen und uns hier den Scheiß machen lassen!“ – das Zitat mit der größten Resonanz in den Zeitungen von heute, Scheiß wird eben gern gedruckt. Markus Völker (taz) hakt nach: „Das wirft natürlich die Frage auf, welchen Scheiß Klinsmann für Hoeneß machen soll. Soll er unter der Woche ein verschärftes Einzeltraining mit Michael Ballack ansetzen, für das sonst der Manager zuständig wäre?“ Was wir heute nicht finden, ist eine weitere Forderung Hoeneßens: „Wichtig ist, dass wir sachlich diskutieren.“ Das gleiche wie immer also: Hoeneß stellt Spielregeln auf, an die sich alle halten sollen, bloß er nicht.

Die Bundesliga und ihre Spieler haben Mängel

Woher diese Schärfe? Wieso diese Feindseligkeit? Warum diese Respektlosigkeit gegenüber dem Bundestrainer, der allen Angriffen sachlich mit Fakten und Argumenten, ja so was gibt’s noch, entgegnet? Stefan Osterhaus (NZZ) mutmaßt: „Im Bundestrainer hat man ein neues Feindbild entdeckt, das prächtig dazu gemacht ist, die eigenen Probleme zu übertünchen.“ Vermutlich fürchten die Liga-Bosse zudem die Wahrheit, die Klinsmann zwangsläufig ans Licht bringt und die er immer deutlicher ausspricht: Die Bundesliga und ihre Spieler haben Mängel; er sagt: „Die Liga befindet sich momentan auf Platz sechs der Uefa-Wertung, und wenn das international so weiter geht, wird auch Portugal uns demnächst überholen. (…) Wir messen uns mit der Elite.“ Immer offensichtlicher wird das Ergebnis des Fitness-Tests, gegen den so viele Bedenken vorgetragen werden. „Nur die Bayern sind topfit!“, will der kicker herausgefunden haben, „alle anderen Nationalspieler weisen zum Teil extreme Defizite auf.“

Veränderungen werden im deutschen Fußball mit großem Mißtrauen bedacht

Michael Ashelm (FAS 16.10.) kommentiert den Streit, an die Erfolge Klinsmanns und die Voraussetzungen für seinen schwierigen Job erinnernd: „Klinsmann kann nicht mehr herausholen, als der heimische Talentschuppen hergibt. Über diese Ausgangsposition waren sich alle einig, als der Schwabe den Job im vergangenen Jahr übernommen hat, den damals keiner haben wollte. Mit positiver Kraft und ungewöhnlichen Reformideen hat er seit seinem Amtsantritt die hausgemachten Probleme angenommen. Er muß sich dabei mit dem Input vieler Bundesligaklubs arrangieren, die seit Jahren nicht mehr den höchsten internationalen Ansprüchen genügen, in den Europapokalwettbewerben mehr durch schwächliche Fehlversuche als durch dominante Reife auffallen und junge deutsche Kräfte jahrelang in ihrer Auswahl gar nicht bevorzugten. Es überrascht deshalb, mit welcher Selbstüberzeugung der eine oder andere Vereinsvertreter vor diesem Hintergrund gegen Klinsmann argumentiert und sich recht oberflächlich über Trainings- und Führungsmethoden, Fitnesstests oder Aufstellungsvarianten der Mannschaft mokiert. Es bleibt dabei: Veränderungen werden im deutschen Fußball nicht aktiv gefördert, sondern mit großem Mißtrauen bedacht. Dagegen anzutreten ist schwer, zumal die Opposition der Altvorderen vom wichtigsten Boulevardmedium flankiert wird.“

Welchen Vorzug hat die Absenz Klinsmanns, oder wie Rudi Assauer, die Hände nach dem richtigen Wort ringend, sagt: „die nicht-vorhandene Präsenz“? Markus Völker schreibt: „Franz Beckenbauer hat von einem ‚Murren’ in der Liga gesprochen und damit die herbstliche Jagdsaison auf Klinsmann offiziell eröffnet. Das Murren schwillt mittlerweile zu einem medialen Bocksgesang an. Klinsmann ist zu weit weg, um das atonale Gesumms zu hören. Gut so.“ Die WamS hingegen zitiert Uwe Kohrs, Geschäftsführer der renommierten Beratungsagentur Impact: „In Krisensituationen, und seien sie auch nur gefühlt, muß der Leader vor Ort sein. Er muß das Gefühl vermitteln können, er werde sich persönlich kümmern. Aus kommunikativer Sicht rate ich ihm: Jürgen, geh‘ in die Bütt!“

Etliche Nationalspieler haben einen mäßigen Trainingszustand

Sehr lesenswert! Die FAS fragt die richtigen Leute, Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters verteidigt Klinsmann und seinen Fitness-Test: „Der Test war über den ganzen Tag verteilt, im Hockey machen wir ein vergleichbares Programm in etwa drei Stunden und haben am Wochenende noch zwei Länderspiele. Die Führung der Fußballnationalmannschaft hat das Ziel, die Qualität ihrer Spieler zu erhöhen und eine vernünftige Trainingssteuerung zu betreiben. Dazu gehört eben, daß man alle sechs Monate gezielte Leistungstests macht, um Entwicklung zu erkennen. Das ist normal im Spitzensport, in jeder Sportart. (…) Bei vielen Kritikern ist es eine Mischung aus Halbwissen und Machtdenken. Das stinkt im Fußball vielen offenbar, daß da jemand neue Wege einschlägt. Die Trainer und Manager wollen zu allem befragt werden und mitbestimmen. Das spielt sich auf einem sehr scheinheiligen Niveau ab.“ Den latenten Vorbehalt gegen die Herkunft der Fitness-Trainer entkräftet Peters: „Generell machen die Amerikaner in ihrem Segment eine erstklassige Arbeit bei der Schnelligkeitsschulung, Kraftschulung, Körperstabilität und Beweglichkeit. Fachlich ist das eine tolle Arbeit, aber in der Kürze der Zeit können die gar nicht die Defizite ausgleichen, die die Spieler mitbringen. Etliche Nationalspieler haben vergleichsweise nur einen mäßigen Trainingszustand.“ Zudem beklagt Peters die Theoriefeindlichkeit im Fußball, auf die Trainerausbildung hinweisend: „Der Fußball-Bund ist der einzige Verband in Deutschland, der seine Trainer in drei Monaten auf einen Topstand bringen will. Alle anderen Sportarten gliedern sich der Trainerakademie in Köln mit ihrer qualifizierten zweijähriger Ausbildung an – das ist der Unterschied.“

Samstag, 15. Oktober 2005

Internationaler Fußball

Unwirtliche Orte

Zur Lage in Polens Fußball lesen wir von Olaf Sundermeyer (SpOn 14.10.): „Der Schiedsrichter-Skandal ist nicht das Einzige, was das Image des polnischen Fußballs ramponiert. Viele Fans gelten als Halbstarke und rechte Schläger, nach den Spielen zieht diese Meute randalierend durch die Betonwüsten der öden polnischen Vorstädte. Sogar die Mannschaften werden von der rechtslastigen Anhängerschaft beeinflusst. Ein Trainer aus der ersten Liga, der ungenannt bleiben möchte, berichtet von der Angst, farbige Spieler aufzustellen: In keinem anderen europäischen Land ist die Hooligan-Szene so von Rechtsradikalen dominiert, wie in Polen: Legia Warschau, Górnik Zabrze und Cracovia Krakau, sind die Hooligan-Hochburgen. Die Stadien sind unwirtliche Orte, die von Frauen und Andersdenkenden gemieden werden. Selten kommen mehr als 3.000 Zuschauer zu den Spielen. Sportlich bewegt sich die Ekstraklasa, deren Spiele nur der Bezahlsender Canal Plus überträgt, auf dem Niveau der deutschen Regionalliga, wirtschaftlich sogar noch darunter. (…) Da kommt es gerade recht, dass wenigstens die Nationalmannschaft noch ein Stück heile Fußballwelt verkörpert. In der Qualifikation für die WM sehen viele Beobachter den Impuls für einen Imagewandel im Fußball. (…) Der ganz große fußballerische Glanz soll im Jahr 2012 nach Polen kommen, dann will das Land die Europameisterschaft ausrichten. Sieben Stadien sollen neu gebaut oder aufwändig renoviert werden. Bis dahin muss der polnische Fußball aber die Baustellen Korruption und den Hooliganismus bearbeitet haben.“

Bundesliga

Tradition schießt weniger Tore als Geld

Sind Siege gegen Bayern Pyrrhus-Siege für Schalke? Richard Leipold (FAZ 15.10.) blickt zurück: „Im Vergleich zu den Bayern kämpft Schalke mit einer Doppelbelastung besonderer Art: Der Herausforderer muß nicht nur aus Niederlagen (gegen andere) lernen, sondern vor allem aus Siegen über den Titelverteidiger. Nach dem Erfolg gegen München in der vergangenen Saison standen die Schalker an der Spitze und wähnten sich auf dem Weg zur Meisterschaft – für eine Woche. Dem großen Sieg dank Lincolns Freistoßtor folgte eine Niederlage mit Ansage. Schon vor dem Spitzenspiel hatte Ralf Rangnick auf die Gefahr hingewiesen. Die schwierigere Prüfung warte eine Woche später in Mainz. Prompt verlor Schalke sang- und klanglos gegen den Abstiegskandidaten. (…) Tradition schießt weniger Tore als Geld. Diese Regel konnte der FC Schalke bisher nur tageweise durchbrechen.“

Neu geordnet

Auch Christoph Biermann (SZ 15.10.) erinnert an die Wende in der letzten Saison: an das Spiel nach dem Sieg gegen Bayern, die Niederlage in Mainz: „Vor dieser Partie hatte sich Rudi Assauer von der Vereinsführung von Mainz 05 in eine öffentliche Debatte um den Transfer des Mittelfeldspielers Mimoun Azaouagh verwickeln lassen. Es entstand der Eindruck, als würden hier die Großen den Kleinen etwas wegnehmen wollen. So verwandelten die sonst so heiteren Karnevalisten aus Mainz ihr Stadion in einen Hexenkessel, in dem Klassenkampf ausgetragen wurde. (…) Das Ungeschick der Schalker in der Debatte um Azaouagh deutete bereits jene Führungsprobleme an, die zu Beginn dieser Saison überdeutlich wurden, als Assauer und andere Mitglieder des Vorstands den Trainer mit unglücklichen Äußerungen schwächten. Aus der internen Debatte ist Schalke neu geordnet hervorgegangen.“

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Wieder vereint

Vor dem ersten Spiel als Leverkusens Trainer – Christopher Lymberopoulos (Welt 15.10.) schreibt über die Emanzipation Michael Skibbes von sich und Rudi Völler: „Das Duo ist wieder vereint nach 16 Monaten Pause, aber in neuen Rollen. Skibbe betont jedenfalls, daß er der alleinige Chef sei, und versucht sich aus dem langen Schatten von Völler zu lösen. (…) Er spürt, daß er nun die Chance hat, sein Image gewaltig aufzuwerten. Als sachlicher Assistent hinter dem Volkstribun Völler war er immer etwas blaß geblieben, und sein Trainerdebüt in Dortmund endete erfolglos.“

Vertauschte Positionen

Gregor Derichs (FAZ 15.10.) ergänzt: „Das alte Tandem arbeitet an vertauschten Positionen (…) Dennoch ist Völler für ihn die wichtigste Bezugsperson im Verein. Vor fünf Jahren, als Völler ihn zum DFB holte, begann eine Freundschaft. Skibbe, der sich Bundestrainer nennen durfte und bis zuletzt für den Junioren-Bereich des DFB hauptverantwortlich war, hatte als Trainer in Dortmund zunächst überragende Erfolge im der Nachwuchs-Abteilung errungen. (…) Mit der Nationalelf wurde Skibbe 2002 WM-Zweiter, aber richtig anerkannt als Trainer im Seniorenbereich fühlt sich Skibbe offenbar noch nicht. Seine ‚zweite Chance’ bietet sich nun bei einem Klub, der möglicherweise seine besseren Zeiten hinter sich hat.“

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Freitag, 14. Oktober 2005

Internationaler Fußball

Emotionale Landkarte

Nach dem 1:0 Serbien-Montenegros über Bosnien-Hercegovina und der Qualifikation für die WM – Michael Martens (FAZ 14.10.) berichtet politisch brisante, grenzüberschreitende Identifizierung: „Eine harmlose, doch vielsagende politische Lektion war nach dem Spiel jenseits der serbischen Grenzen zu beobachten: Während das übliche Grundrauschen der serbischen Hauptstadt in der Nacht stundenlang durch den mehr oder weniger koordinierten Lärm hupender und singender Fußballfans übertönt wurde, feierte man auch in den Städten der Serbenrepublik von Bosnien-Hercegovina, der Republika Srpska, den Belgrader Triumph. In Banja Luka und anderen Orten der von Serben dominierten Landeshälfte von Bosniens Serbenrepublik galt der Sieg über die nur formal ‚eigene’ Mannschaft von Bosnien-Hercegovina nicht weniger als in Serbien selbst. Auch aus dem serbischen Nordteil der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica im Kosovo wurden Siegesfeiern gemeldet. Die Grenzänderungen auf dem Balkan, welche die Staatengemeinschaft unbedingt verhindern will, haben in der Unterabteilung Fußball längst stattgefunden: Auf der emotionalen Landkarte der serbischen Fußballanhänger gehören die Republika Srpska von Bosnien-Hercegovina und der Norden des Kosovos selbstverständlich zu Serbien. Möglicherweise werden die Spieler von Ilija Petkovic bis zur WM sogar noch mehr Anhänger jenseits der eigenen Staatsgrenzen haben: Wenn es nach dem montenegrinischen Regierungschef Djukanovic geht, wird sich Montenegro spätestens im April 2006 durch ein Referendum für unabhängig von Serbien erklären.“

Neuer Schwerpunkt

Neue Bescheidenheit – Georg Bucher (NZZ 14.10.) beschreibt den Stilwandel Serbiens: „Das Stadion, in dem einst die jugoslawische Auswahl spielte und jene Serbien-Montenegros nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates ihre Länderspiele austrägt, heisst Marakana. Als Vorbild diente das legendäre Maracanã in Rio de Janeiro. Heissblütig und unberechenbar wie ihre tropischen Pendants sind auch die Fans vom Balkan. Technisch versiert, schlitzohrig und leichtsinnig präsentierte sich früher das Ensemble aus serbischen, kroatischen, montenegrinischen und bosnischen Spielern, zum Beispiel Dzajic, Oblak, Savicevic und Mijatovic. Diese Zeiten sind passé. Politische Umwälzungen haben das Reservoir an guten Spielern verringert, wirtschaftliche Probleme engen den Spielraum des Verbandes ein. Mit der grossen Kelle wie in Titos Zeiten, als sportliche Erfolge noch ideologische Bedeutung besassen, kann nicht mehr angerichtet werden. Ein Spiegel des strukturellen Wandels ist die Spielkultur. Statt ohne Rücksicht auf eigene Verluste anzugreifen und das Publikum zu verzaubern, liegt nun der Schwerpunkt auf Sicherheit.“

Erbe

Marc Lehmann (NZZ 14.10.) bemerkt zum zweiten Platz der Slowakei: „Die Slowaken haben kürzlich in einem Testspiel Deutschland besiegt und wünschen sich die Brudernation Tschechien als Barrage-Gegner. Es wäre für sie eine Gelegenheit, sich dem übermächtigen Nachbarn in Erinnerung zu rufen. Die Tschechen vergessen nur allzu gerne, dass der grösste Erfolg aus gemeinsamen Zeiten, der Europameistertitel 1976, vor allem ein slowakisches und kein tschechisches Erbe ist. Der weitaus grösste Teil des damaligen Kaders bestand aus Slowaken.“

Frankreich ist kein Fußballland

Frankreich ist qualifiziert, doch kapieren es die Franzosen, Ralf Itzel (SZ 14.10.)? „Die Zuschauer hatten sich bereits nach dem Seitenwechsel mit La Ola amüsiert, dabei hätten sie besser weiter anfeuern sollen – denn wäre der Schweiz noch ein Tor gelungen, hätte nur ein eigener 5:0-Erfolg Frankreich davor bewahrt, in ein Playoff zu müssen, anstatt an diesem Tag die deutsche Elf zum Test empfangen zu können. Die komplexe Situation hatte das Publikum offenbar nicht begriffen, was wieder einmal beweist, dass Frankreich kein Fußballland ist. Zur Nationalelf gehen die meisten wie in den Zirkus, und Zidane ist darin die große Nummer. Der kahle Genius von Real Madrid verfügt nicht mehr über die Energie der jungen Jahre, aber er ist nach wie vor der große Lenker, fähig, dem Lauf der Dinge in jedem Moment die entscheidende Wende zu geben.“

Keine Gewißheit

Christian Eichler (FAZ 14.10.) erörtert Perspektive und Chance Englands: „Das Torwartproblem des späten Seaman ist durch Paul Robinson gelöst; mit Rooney und Lampard sind zwei neue Weltstars erwachsen; und Beckham fügt sich mehr und mehr in die Nebenrolle, die seinen tatsächlichen Fähigkeiten entspricht. Und doch fehlt der große Durchbruch, der Urknall, der aus dieser ‚Goldenen Generation’ eine Siegergeneration macht. Es fehlt auch die Gewißheit, mit Eriksson den richtigen Mann für diese Aufgabe zu haben. Man wirft ihm taktischen Wankelmut vor und die Unfähigkeit, ein kippendes Spiel durch geschickte Wechsel zu wenden. Und dazu einen angeblichen Mangel an Leidenschaft, den man aber schon bei seiner Verpflichtung 2001 kennen konnte – und noch mindestens acht Monate aushalten muß.“

NZZ: die Schweiz nach der Gruppenphase

BLZ: Heimlich auf die Gästeliste – durch die Qualifikation für die WM hat die polnische Nationalmannschaft ihr Imageproblem vorerst beseitigt

NZZ: das Ende der WM-Qualifikation in Südamerika

Deutsche Elf

Vertrauensvorschuss fast aufgezehrt

Klaus Hoeltzenbein (SZ 14.10.) empfiehlt Jürgen Klinsmann mehr Nähe zu Deutschland und der Bundesliga: „Irritierend ist, dass er und sein Team drauf und dran sind, es sich sogar mit den Wohlmeinenden ihrer Mission zu verderben. (…) Für sein Programm steht der Cheftrainer persönlich, auch dafür gibt es das stolze Honorar. Zudem könnte Klinsmann ja im fiebernden WM-Land wie ein politischer Reformer für seine Ideen werben. Klinsmann begnügt sich weiter mit Ferndiagnosen. Doch das Thema ist nicht mehr sein Wohnsitz, das Thema ist seine Präsenz. Reicht sie aus, um den Nationalspielern, wie er selbst fordert, eine 24-Stunden-Fixierung auf die WM vorzuleben? Reicht sie, um weitere Rückschläge abzufedern? Es sieht so aus, als habe der seltene Gast mit der gewaltigen Aufgabe seinen Vertrauensvorschuss fast schon aufgezehrt. Bei einer Enttäuschung in Frankreich scheint zwar in Kalifornien weiter die Sonne. Aber im deutschen Winter heulen die Wölfe.“

Stimmungen

Andreas Lesch (BLZ 14.10.) warnt Klinsmann: „Die Bundesliga murrt weiter fleißig gegen den Bundestrainer – und der ist nicht bereit, seinen Rückflug in die USA um ein paar Tage zu verschieben. Wäre Klinsmann beim Spiel Schalke gegen Bayern aufgekreuzt und hätte ein paar Klubvertreter vorher mit einem schick inszenierten Gipfeltreffen bedacht, hätte er die Stimmungslage fürs Erste vermutlich entspannt. Doch Klinsmann scheint ab und an Sturheit mit Konsequenz zu verwechseln; das erhöht die Zahl seiner Gegner. Vielleicht ist es Zufall, dass Christoph Daum, der Türke auf Zeit, am Bosporus den Fremdenführer für die deutsche Mannschaft spielte und im Fernsehen ausdauernd ihr Spiel analysierte. Vielleicht ist es ebenso Zufall, dass Ottmar Hitzfeld, der Frührentner auf Zeit, jetzt öffentlich verkündete: ‚Ich steige wieder ein.’ Doch in den Wirren des Jahres vor der Weltmeisterschaft könnte es noch manch überraschende Wendung geben. Wer weiß, wie Franz Beckenbauer reagiert, wenn er irgendwann den Eindruck hat, dass das Tief der deutschen Elf von Dauer ist – und wenn er Angst bekommt, dass sie bei der WM chancenlos bleibt? Stimmungen können sich ändern, der Applaus und die Pfiffe der Hamburger Fans haben das gezeigt.“

Verständlich

Jan Christian Müller (FR 14.10.) stimmt ein: „Die Irritationen sind verständlich. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es hat keinen Sinn, die leidige Wohnsitz-Debatte noch einmal neu aufzurollen. Jürgen Klinsmann ist ein Mann, der seine Freiheiten braucht. Das war schon so, als er noch Nationalspieler war, es auf weit über 100 Länderspiele gebracht hat und meistens gut spielte, obwohl er sich nicht immer im Kreis der Mannschaft aufhielt. Aber seine Aufenthaltsdauer in Deutschland diesmal unplanmäßig um drei Tage zu verlängern, wäre nicht zu viel verlangt gewesen von einem Mann, der das Gehalt eines Top-Managers überwiesen bekommt und von dem man deshalb erwarten kann, dass er Termine kurzfristig umlegt.“

Bildstrecke Deutschland-China (1:0), faz.net

Donnerstag, 13. Oktober 2005

Internationaler Fußball

Bald macht der Letzte das Licht aus

Warum bleiben Italiens Stadien leer, Birgit Schönau (SZ 13.10.)? „Das traditionelle Padre-Padrone-Verhältnis zwischen Klubleitung und Fans, die Attitüde des Fußballpatrons, der für das Vergnügen seiner Fans in die eigene Tasche greift und dafür bedingungslose Hingabe erwarten darf, ist auch in Italien passé. Die Tifosi wollen endlich wie Kunden behandelt werden, müssen aber feststellen, dass ihnen für ihr Geld wenig geboten wird. (…) Dass Italiens Fußball zum Fernsehsport wird, dürfte zumindest einen zufrieden stellen: Silvio Berlusconi verdient fleißig mit, hat doch sein Fernsehunternehmen Mediaset die Übertragungsrechte für Pay-TV und Free-TV gekauft. Und weil Fußballpräsident Berlusconi ja gleichzeitig Regierungschef ist, wurde den Italienern der Kauf von Digitaldecodern mit einem kräftigen Staatszuschuss schmackhaft gemacht. Das Ergebnis: Fußballitalien sieht bei Berlusconi fern. Und in den Stadien macht bald der Letzte das Licht aus.“

BLZ: Lauterer Wahrheiten über Fußball – FCK-Prozess gibt Einblicke in die Geschäfte der Liga

Am Grünen Tisch

Pose

Joseph Blatter wirft den großen und reichen Vereinen Europas Gier vor; Thorsten Jungholt (Welt 13.10.) hält das für Heuchelei: „Viele Entwicklungen, die der Fifa-Präsident beklagt, sind in der Tat bedenklich. Die Schere zwischen vermögenden und darbenden Vereinen, Ligen sowie Nationalverbänden klafft zunehmend auseinander und gefährdet den funktionierenden Wettbewerb. Auch das maßlose Geschäftsgebaren vieler Spieleragenten und der Handel mit minderjährigen Talenten verlangen nach innovativen Lösungen. Die liefert Blatters Kampfrhetorik allerdings nicht. Hinter seiner rüden Attacke gegen die Reichen steckt die Angst vor dem Verlust der absoluten Kontrolle über den Weltfußball. Es geht um den alleinigen Machtanspruch der Fifa, der von den europäischen Topklubs zuletzt etliche Male in Frage gestellt wurde. Die Vereine wollen Abstellungsgebühren für ihre Nationalspieler von der Fifa, sie wollen Versicherungen für ihre Profis, und sie klagen vor Zivilgerichten, um ihre Ziele zu erreichen. Um diese Streitfälle zu lösen, bedarf es mehr, als sich selbst in der Pose des Superhelden zu inszenieren. Blatter muß seine Macht teilen, die Klubs einbeziehen statt sie an den Pranger zu stellen.“

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