indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Dienstag, 14. September 2004

Internationaler Fußball

Selbstzerstörerische Rebellion

Antonio Cassano, Rudi Völlers neuer Zögling: „seine Rebellion hat etwas Selbstzerstörerisches“ (NZZ) – Luis Fernandez, fußballverrückter Trainer des FC Metz

Seine Rebellion hat etwas Selbstzerstörerisches

Antonio Cassano hat in seinem ersten Spiel unter Rudi Völler nach einer Tätlichkeit die Rote Karte erhalten. Peter Hartmann (NZZ 14.9.) porträtiert ihn: „Die Pflegefälle Kahn, Lehmann, Deisler hat Völler im deutschen Herbst zurückgelassen. Sein heisses, neues Problem in Rom trägt den Namen Antonio Cassano, die Hoffnung und das Kreuz des Calcio, ein naturblonder Süditaliener, geboren am 12. Juli 1982, am Tag nach dem letzten WM-Titelgewinn Italiens, vaterlos aufgewachsen im muffigen Mauer-Labyrinth der Altstadt von Bari, mit dem Ball am Fuss und im Kopf. In der 45. Minute des Spiels AS Roma gegen Fiorentina machte der kleine Gladiator plötzlich den Zeitsprung zurück nach Bari, auf die Strasse, wo die Bengel die Dinge unter sich regeln und sich nie ein Schiedsrichter einmischt. (…) Cassano fuhr irgendwohin, so, wie er immer abhaute, wenn etwas schief lief. Ein halbes Dutzend Mal ist er aus dem Trainingslager der U-21-Mannschaft verschwunden, bis ihn Trainer Gentile nicht mehr aufbot. Das kümmerte Cassano kaum, denn er wollte ohnehin in die richtige Squadra Azzurra. Früher, bevor er volljährig war, war er auch ohne Führerschein ins Auto gestiegen. Heute fährt er Ferrari. Seine Jugendfreunde aus Bari Vecchia sind fast alle in der Kriminalität und in den Drogen gelandet, aber er besucht sie. Sein Vater machte sich während der Schwangerschaft von Mutter Giovanna aus dem Staub; ihn weist er heute zurück. Antonio begehrt auf, seit er spürt, dass er mit dem Ball Menschen verzaubern und beherrschen kann. Seine Aussetzer („Cassanata“ genannt) haben Kultstatus erreicht. Aber seine Rebellion hat etwas Selbstzerstörerisches.“

1:0 gegen Fiorentina – Guter Einstand für Völler, findet Birgit Schönau (SZ 14.9.): „Zu seinem Debüt in der Serie A präsentiert Rudi Völler sich in Hemdsärmeln, mit Krawatte in den Vereinsfarben gelb und rot. „Steht dir gut“, bekommt er im überfüllten Pressesaal zu hören. „Aber das war wohl auch das erste Mal.“ Völler grinst. „Krawatten sind wirklich nicht mein Fall, trotzdem werde ich jetzt immer eine tragen. Aus Aberglauben. In Portugal hatte ich mir keine umgebunden, und ihr wisst ja, wie’s ausgegangen ist.“ Schnell hat er sich freigeschwommen, auch mit der Presse, die den Trainer minutiös zu Details verhört, nachdem sie ihn mit Beifall empfangen hat. Völler hat nur ein leichtes Zittern in der Stimme, doch sein Italienisch mit römischer Färbung ist perfekt. Völler weiß nicht, dass sich zwei Journalisten schon fast geprügelt haben, um einen Platz in der ersten Reihe und den freien Blick auf ihn. Und dass er sich Respekt verschafft hat, weil er seinen Kapitän Francesco Totti zehn Minuten vor Schluss zur Auswechslung rief. Totti vom Feld zu nehmen, ist in Rom ein Sakrileg. Völlers Vorgänger Fabio Capello wurde von Fans und Presse gegrillt, wenn er es sich gelegentlich erlaubte.“

Bewegtes Curriculum Vitae

Der FC Metz ist gut in die Saison gestartet. Wie kommts, Jean-Marie Lanoë (NZZ 14.9.)? „Die Messins setzten auf Kontinuität, bauten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ein oder stöberten verkannte Trouvaillen auf. Als solche kristallisierten sich bisher der Kameruner Hervé Tum und, vor allem, der Mittelfeldspieler Franck Ribéry heraus. Der erst 21-Jährige, der noch vor drei Monaten in Brest in der dritthöchsten Liga des Hexagone gedümpelt hat, gilt als die Entdeckung der jungen Saison. Der im Centre de Formation von Lille gross gewordene Passeur schlug nicht nur in der Lorraine ein, sondern erzielte auch in der U-21-Auswahl gegen die Slowakei vor zehn Tagen den einzigen Treffer. Ribérys eindrückliche Auftritte erfreuen Jean Fernandez, den Trainer des FC Metz, natürlich besonders – zumal es Fernandez war, der im entscheidenden Augenblick zum Telefonhörer gegriffen und Ribéry nach Metz geholt hatte. Der 50-jährige Luis Fernandez kann auf ein bewegtes Curriculum Vitae zurückschauen. Geboren in Mostaganem in Algerien, verdingte er sich als Mittelfeld-Wasserträger in Marseille und Bordeaux. Als Trainer kann er für sich in Anspruch nehmen, einer der Förderer Zidanes gewesen zu sein, ehe er Assistenztrainer von Raymond Goethals in Marseille wurde, wobei an letzterer Wirkungsstätte die Berufsumschreibung „Chauffeur“ der Wahrheit näherkommt . . . Fernandez gilt als einer der Fussballverrücktesten der Branche, aber auch als einer, der aufgrund seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen sehr dankbar über das Erreichte ist und über den niemand ein schlechtes Wort verliert. Wer noch als 19-Jähriger jeden Morgen um 5 Uhr zum Fischfang aufs Meer hinausgefahren ist, weiss eben besser als andere, dass ein Leben ausserhalb des Profifussball-Mikrokosmos existiert.“

Champions League

Die kurzzeitig ausgerufene Bescheidenheit ist schon wieder vorbei

Heute beginnt die Champions-League 04/05. Was lernen Europas Große aus der Vergangenheit, Wolfgang Hettfleisch (FR 14.9.)? „Es geht um viel Geld. Die konjunkturelle Delle, die den europäischen Profifußball vor ein, zwei Jahren hat von neuer Bescheidenheit fabulieren lassen, wurde ausgebeult, der Lackschaden übertüncht. Das Millionenspiel geht weiter, als wäre nichts gewesen. Und wer nicht mitzieht, dem droht der Verlust der sportlichen Konkurrenzfähigkeit. Der FC Chelsea setzt die Pace. Eigentümer und Ölmagnat Roman Abramowitsch hat 156 Millionen Euro für neun neue Spieler springen lassen und Trainer José Mourinho angeheuert, der den FC Porto in der vergangenen Saison überraschend zum Titel führte. Die Rendite-Erwartung des Big Spender ist klar: Titel in Premier League und europäischer Meisterklasse. Chelsea ist ein Ausnahmefall. Kein anderer europäischer Club kann derart ungeniert Geld ausgeben. Doch legen die Transfers des Sommers den Verdacht nahe, dass die kurzzeitig ausgerufene Zeit der Bescheidenheit schon wieder vorbei ist. (…) Der neue Kaufrausch bei den europäischen Branchenführern kommt insofern unerwartet, als Geld in der vorigen Saison der Champions League keine, besser gesagt: zu wenige Tore schoss. Im Finale standen sich der FC Porto und AS Monaco gegenüber. Zwei Clubs, deren Budgets nur einen Bruchteil der Etats von Real Madrid oder dem FC Chelsea ausmachten.“

Überraschen wie vergangene Saison Stuttgart

„Stolz und mit einer Spur Skepsis kehrt Werder Bremen in die Champions League zurück“, schreibt Hans Trens (FAZ 14.9.): „Spekulationen darüber, wie die Bremer bei diesem Euro-Abitur abschneiden könnten, wären vor einigen Tagen optimistischer ausgefallen als zur Stunde. Die zwei Niederlagen in der Bundesliga haben Spuren hinterlassen. Ob Werder in der momentan mäßigen Form ohne die Kompaktheit und Zielstrebigkeit des Meisterjahres in der Lage sein wird, den Auftrag zu erfüllen, den der Vorstandsvorsitzende Jürgen L. Born formuliert hat? „Wir wollen die Nation würdig vertreten“, hat Born mit einer für ihn untypischen Spur Pathos gefordert. Im Vergleich zu Inter, das mit Veron, Davids, Recoba, Adriano oder Vieri eine Fülle ehemaliger oder aktueller Weltstars beschäftigt, stehen im Werder-Kader viele „grüne Jungs“. Von den 17 Nationalspielern aus zwölf Nationen weisen gerade mal 7 Erfahrungen mit der Champions League auf. Bangemachen gilt dennoch nicht. „Überraschen wie vergangene Saison Stuttgart“, verspricht Nationalspieler Tim Borowski, wollten sie. Werder setzt auf die Frische und Unbekümmertheit, auf die Respektlosigkeit, also auf die Trümpfe, mit denen zuletzt die nationale Konkurrenz verblüfft und düpiert worden ist. Wiederholung erwünscht auf internationalem Sektor.“

Frank Hellmann (Tsp 14.9.) ist skeptischer: „Werder scheint prädestiniert zu sein, den guten Zeiten stets die schlechten folgen zu lassen. Nach dem Titelgewinn 1993 erlebte Werder einen Absturz, landete danach in der Liga nur auf Rang acht. Ähnliche Probleme offenbarten sich nach dem Pokalsieg 1999. Und nach zwei starken Hinrunden 2001 und 2002 rutschten die Bremer jeweils noch aus den Uefa-Cup-Rängen. Nun drohen der Meistertitel und der Pokalsieg aus der vergangenen Spielzeit bereits wie Ballast zu wirken. Sportdirektor Klaus Allofs stellte mit Erschrecken fest, dass „die Mannschaft versucht, ohne Kampf und Leidenschaft erfolgreich zu sein“. Ist der bescheidene Bundesliga-Standort Bremen nicht fähig, jene Mentalität zu fördern, die für dauerhafte Spitzenleistungen nötig ist?“

Christian Eichler (FAZ 13.9.): „Mohamed Sissoko kam vier Tage zu spät aus dem Heimaturlaub in Mali und begründete es seinem Arbeitgeber, dem FC Valencia, mit einem Länderspiel gegen Kenia (1:0). Leider gab es das Länderspiel nicht. Eine originelle Strafe wäre, den Spiel-Erfinder übernächste Woche zur Champions League per Bus nach Bremen zu schicken.“

Champions League

Boykottieren die Spieler Magath?

Bayer Leverkusens Comeback, „die Zeit der Leere ist vorbei“ (FAZ) – Zweifel an der Stärke und der Strategie Real Madrids: „Briten haben im spanischen Fußball bisher wenig bewegt“ (FAZ) / „der neue Trainer Camacho will, dass Real hungriger, schneller, praktischer, dynamischer, geschlossener spielt“ (BLZ) – „Boykottieren die Spieler Magath dafür, dass der Trainer sie öffentlich lächerlich machte mit seinem Vorwurf übertriebener Haarkosmetik?“ (FTD) / Hashemian bleibt auf dem Sofa – „Maccabi Tel Aviv ist mit 15 Meistertiteln seit der Staatsgründung 1948 die erfolgreichste israelische Fußballmannschaft“ (FAZ) u.v.m.

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Die Zeit der Leere ist vorbei

Welche Bedeutung misst man in Leverkusen der Rückkehr in die Champions League zu, Gregor Derichs (FAZ 15.9.)? „Die Zeit der Leere ist vorbei. Mit dem Anstoß fühlen sich Spieler und Verantwortliche bei Bayer Leverkusen wie Rückkehrer in der Heimat. „Es war bitter, zuschauen zu müssen. Wer einmal dabei war, weiß, was das für ein tolles Gefühl ist“, sagte Carsten Ramelow (…) Für Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist das Comeback in der Topliga ein Schritt zur Konsolidierung des Vereins. 150 Millionen Euro pro Saison nahm der Klub in besten Zeiten ein. Der Absturz in der Bundesliga führte zu einer Halbierung der Einnahmen, was sich auf den Kader auswirkte. Lucio, Michael Ballack, Boris Zivkovic, Zoltan Sebescen, Oliver Neuville, Yildiray Bastürk und Thomas Brdaric haben den Verein verlassen, der sich auch auf der administrativen Ebene verschlankt hat. Reiner Calmund, Ilja Kaenzig, Jürgen Kohler kehrten dem Klub den Rücken, Rudi Völler entschied sich für den AS Rom.“

Briten haben im spanischen Fußball bisher wenig bewegt

Paul Ingendaay (FAZ 15.9.) bezweifelt die Stärke Real Madrids: „Real steht mit zwei knappen Siegen auf dem dritten Tabellenplatz, verrät aber alarmierende Schwächen, die an den desolaten Zustand des letzten Frühjahrs erinnern: wenig Laufarbeit, fehlende Dynamik, keine Verbindung zwischen Verteidigung und Angriff. Die hochmotivierte Künstlertruppe von damals, so scheint es, ist vor allem ein Jahr älter geworden. Mit solchen Schwächen ist das Team auf die Klasse seiner Stars angewiesen, doch diese prägen das Spiel – außer dem Veteranen Luis Figo – weniger als früher. (…) Angesichts dieser Probleme darf man die Einkaufspolitik von Florentino Pérez zumindest ungewöhnlich nennen. Zum erstenmal in seiner Amtszeit gab der Präsident hohe Summen für Verteidiger aus. Der aus Rom dazugestoßene Argentinier Walter Samuel, genannt „die Mauer“, dürfte sein Debüt in einem Pflichtspiel geben. Etwas länger werden die Madrilenen noch auf den Einsatz des verletzten Briten Jonathan Woodgate warten müssen, ehemals Newcastle United. Aber irgendetwas stimmt hier nicht. Jahrelang glaubte Real mit einer langsamen und oft amateurhaft agierenden Abwehr leben zu können, weil die Künstler in der Angriffsabteilung für die Tore sorgten. Dann bekam es der Präsident mit der Angst zu tun und verpflichtete zwei der renommiertesten Innenverteidiger Europas auf einen Schlag. Die Feuerprobe für dieses Konzept steht noch aus. Dasselbe gilt für die Idee, mit Beckham, Woodgate und Michael Owen drei Engländer in die Mannschaft zu stecken. Briten haben im spanischen Fußball bisher wenig bewegt, anders als Holländer, Deutsche oder Argentinier.“

Die Berühmtheiten schoben sich die Kugel nach dem alten Motto zu: Irgendeinem wird schon etwas einfallen

Was Ralf Itzel (BLZ 15.9.) über Real schreibt, klingt wie ein Bericht über Bayern München: “José Camacho gilt als starker Mann und nicht nur wegen seines Aussehens als Dickschädel. Der stets grimmig dreinblickende 49-Jährige war bereits vor einigen Jahren Übungsleiter bei Real, doch nach nur 22 Tagen stellte er wegen eines Streits mit Florentino Perez‘ Vorgänger Lorenzo Sanz sein Amt zur Verfügung. Ob er mit Perez ein krisenfestes Gleichgewicht findet, muss sich erweisen. Auf Jorge Valdano als Puffer können die beiden nicht mehr bauen. Der Argentinier, feinzüngiger Vermittler zwischen allen Parteien, hat seinen Dienst als Sportdirektor quittiert. Der zum Nachfolger beförderte Emilio Butragueno verfügt bei weitem nicht über sein Format. Der neue Trainer soll Zug in den Kader bringen. Camacho will, dass Real hungriger, schneller, praktischer, dynamischer, geschlossener spielt. Beim 1:0 gegen Numancia war vom neuen Stil allerdings nichts zu sehen. Die Berühmtheiten schoben sich die Kugel nach dem alten Motto zu: Irgendeinem von uns wird schon etwas einfallen. Am Ende dominierte sogar der bescheidene Gegner, und die Zuschauer verabschiedeten die Madrilenen mit Pfiffen.“

Boykottieren die Spieler Magath?

Auch die Bayern steigen heute in Champions League ein – nicht gerade mit dem, was man Euphorie nennt, Heinz-Wilhelm Bertram (FTD 15.9.): „Nur 65 Fans, so wenig wie noch nie, haben das Team begleitet. Kein Wunder: Das Auswärtige Amt rät Privatpersonen von einer Reise nach Israel derzeit ab. Die kleine Gruppe hat viel Sicherheitspersonal: Neben fünf Ordnern vom Verein begleiten zwei Polizeibeamte sowie drei Beamte vom Bundeskriminalamt die Fußballtouristen, die möglichst keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen sollen. Als ob das nicht reichen würde an Beschwernissen, befindet sich die Mannschaft in keiner guten Verfassung. Mit einer fast desolaten Leistung zog sie sich gegen Arminia Bielefeld den Unmut der Zuschauer zu, von denen viele noch eine Viertelstunde nach Abpfiff regelrecht aufgebracht die Mannschaft auspfiffen. Die unwillige, träge Spielweise des FC Bayern weckt geradezu den Verdacht, in den Hinterköpfen könnte sich der Vorsatz eingenistet haben, sich auf einen frühen Machtkampf mit Felix Magath eingelassen zu haben. Boykottieren die Spieler Magath dafür, dass der Trainer sie öffentlich lächerlich machte mit seinem Vorwurf übertriebener Haarkosmetik? Diese Reaktion wäre so untypisch nicht fürs Personal des FC Bayern.“

FC Langeweile

In Israel liest man auch deutsche Zeitungen (vermutlich den freistoss) – Raphael Honigstein (FTD 15.9.): „Am Sonntag war sie endlich da, die glitzernde Fußballwelt. Im leicht schäbigen Trainingszentrum im Süden der Stadt, wo kleine Werkstätten und veraltete Industriebetriebe den Blick auf den Strand verstellen, bekamen die Maccabi-Spieler ihre offiziellen Champions League-Anzüge verpasst, und das Tamtam war groß: Die feine Sakko-Hose-Kombination, das muss man wissen, ist in dem heißen Land mit den lockeren Umgangsformen ungefähr so verbreitet wie der Schottenrock in Oberbayern. Kaum einer konnte sich die Krawatte selber binden, aber Erez Mesika gefiel sich in dem dunklen Zwirn so gut, dass er verkündete, am 12. April darin heiraten zu wollen. (…) Die Stimmung bei den Außenseitern ist nicht nur wegen der schicken neuen Kleidung außerordentlich gut. Kreativspieler Bruno Reis, wie es sein brasilianischer Pass verlangt der Spaßvogel des Teams, hat nach eingehender Video-Studie ganz ernsthaft verkündet, dass man die Bayern wohl „zum richtigen Zeitpunkt“ treffen würde. Die Boulevardpresse hat die ganze Woche über genüsslich von den Problemen der „Haargel-Mannschaft“ des „FC Langeweile“ berichtet. Maccabi gilt als der größte und mächtigste Verein im Land. Rivalen klagen, dass Herzikovic und Co. hinter den Kulissen den Verband beherrschten.“

Im Jahr 5764

Die NZZ (15.9.) erinnert an den Streit um den Termin: „Obwohl die Maccabi-Verantwortlichen eindringlichst um Verlegung gebeten hatten und der FC Bayern einverstanden gewesen wäre, beharrten die Herren Funktionäre in Nyon auf dem ursprünglich angesetzten Termin. So gibt der nationale Meisterschaftszweite sein Début zu einem für israelische Spieler und Fans unmöglichen Zeitpunkt: am Erev Rosh Hashana, dem Abend des jüdischen Neujahrsfests. Orthodoxen Juden ist es an diesem Tag verboten, zu arbeiten, Auto zu fahren oder Licht anzumachen. Wenn am letzten Tag des jüdischen Jahres 5764 das Flutlicht angeht, wird damit ein Politikum mit gleich mehreren ins Absurde neigenden Vorgeschichten fortgesetzt. Auf die Bitte der Israeli, den Match auf Dienstag vorzuverlegen, reagierte die Uefa mit dem Vorschlag, den Anpfiff von 20.45 auf 16.45 Uhr zu verschieben. Das war keine gute Idee, denn zu dieser Zeit befinden sich viele, auch Fussballer, in der Synagoge. Maccabis Verantwortliche mussten das wenig durchdachte Angebot ausschlagen. Dann lieber doch zum vorgesehenen Zeitpunkt, lieber wenige Zuschauer auf den Tribünen als gar keine. Sogar das Oberste Gericht Israels musste sich mit dem Fall beschäftigen. Zwei Gruppen hatten das Verbot des Spiels gefordert, weil es religiöse Werte unterminiere. Am Montag erklärte das Gericht, es habe keine juristische Handhabe. (…) Kurioserweise stellt Maccabi Tel Aviv zurzeit keinen Nationalspieler.“

Michael Borgstede (FAZ 15.9.) fügt hinzu: „Das Gezerre um den Spieltermin war gerade ausgestanden, als sich ein neuer Konflikt anbahnte. Der Bayern-Stürmer Vahid Hashemian wäre seit der islamischen Revolution von 1979 der erste nach Israel reisende iranische Sportler gewesen. Ein Gespräch mit Trainer Magath mündete zunächst in Hashemians Bereitschaft, die Reise nach Tel Aviv anzutreten. Nachdem ein Sprecher der staatlichen iranischen Sportorganisation allerdings darauf hingewiesen hatte, daß Reisen nach Israel für iranische Sportler illegal seien und vor möglichen Konsequenzen warnte, hieß es bei Bayern München, Hashemian werde wegen einer unterschätzten Rückenverletzung zu Hause bleiben. Das könnte die Bayern in Bedrängnis bringen. (…) Maccabi Tel Aviv ist mit 15 Meistertiteln seit der Staatsgründung 1948 und 21 Pokalsiegen die erfolgreichste israelische Fußballmannschaft. Seit 2002 wird das Team von Nir Klinger, einem 83maligen ehemaligen Nationalspieler trainiert, dem es gelang, Maccabi aus einer mehrjährigen Krise herauszuführen. „Der Deutsche“, wie Klinger von den Fans respektvoll genannt wird, gilt als willensstark und konsequent. Seine Trainingsmethoden sind effektiv, er besteht auf Pünktlichkeit und Disziplin. So hat er ein Team geformt, dessen Stärke in seiner Homogenität liegt.“

Ball und Buchstabe

Eine Spur selbstverliebt, aber nie selbstgefällig

Roland Zorn (FAZ 14.9.) gratuliert Günter Netzer zum Sechzigsten: „Bei Nebensächlichkeiten hält er sich nicht auf, kokett wird er nur sich selbst gegenüber, er wahrt die Distanz, ist in seinem Metier der klassische Antikumpan und verströmt eine Autorität, die keinen Titel und schon gar kein Amt braucht. Günter Netzer, der große Unabhängige des deutschen Fußballs, wird sechzig Jahre alt. Wie es seine Art ist, vermeidet der Analytiker und Geschäftsmann vom Niederrhein jede Selbstfeierlichkeit und zieht sich lieber in sein Zürcher Refugium zurück. So wie als Kritiker war Netzer schon als Spieler bei Borussia Mönchengladbach oder in der Nationalmannschaft: eine Spur selbstverliebt, aber nie selbstgefällig. Der Profi mit der Rückennummer 10 blieb sein Leben lang, wozu er geboren scheint: der Spielmacher. Er bestimmte, wo der Ball hin sollte mit frappierenden Ideen und oft schneidend genauen Pässen.“

Der passende Typ Rebell für den deutschen Kleinbürgerfußball

Auch Christian Eichler (FAS/Gesellschaft 12.9.) erhebt das Glas: „Fußball brüllt. Fußball stinkt. Fußball ist prollig. Aber irgendwann wurde Fußball schick. Das war kurz nach den Beatles. Nicht nur pilzköpfige Musiker, auch krummbeinige Fummler ließen sich die Haare wachsen, lebten wild oder taten so, die Mädchen kreischten, es mußte was dran sein. In England hieß der erste Fußball-Popstar George Best. Best ist heute 58, hat die zweite Leber und sieht aus wie ein Greis. In Deutschland hieß der erste Popstar Günter Netzer besitzt noch die erste Frisur und sieht fast so aus wie damals. Damals war er „Rebell“. Rebellion war jung und schick, Che Guevara eine Stil-Ikone und Netzer der passende Typ Rebell für den deutschen Kleinbürgerfußball: die geheimnisvolle schwarzgekleidete Freundin; der Ferrari, in den er sich zwängte, Schuhgröße47 auf blankem Gaspedal; der kleine Generationskonflikt mit Trainer Weisweiler, der „den Jünter“ in dessen letztem Gladbach-Spiel nicht aufstellte, bis der sich, ganz Rebell, selber einwechselte. Dann diese Haare, die noch heute bei Außeneinsätzen der Fernsehehe Delling/Netzer teure Windschutzvorrichtungen aus GEZ-Mitteln erfordern. Noch mehr diese fliegenden Pässe, die aus der Tiefe des Raumes direkt ins deutsche Feuilleton flogen, „Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen“, früher Wegweiser aus dem Reformstau – was hätte aus Deutschland werden können mit Netzer II statt Hartz IV.“

Bundesliga

Inflationär gestiegene Leistung

Hansa Rostock-1. FC Kaiserslautern 2:3

In Kaiserslautern lebt es sich diese Woche leichter, meint Ronny Blaschke (SZ 14.9.): „Es hätte eine ungemütliche Woche werden können in der Kleinstadt Kaiserslautern. Das Volk in der Pfalz pflegt eine große Gefühlsabhängigkeit zu seinem Fußballverein. Wenn dieser regelmäßig verliert, gleicht die Stadt einem aufgescheuchten Hühnerhaufen. Zaghafte Auszeiten werden zu gefühlten Weltuntergängen hochgejazzt. René C. Jäggi, Vereinschef des 1. FC Kaiserslautern, kann davon ein Lied singen: „Bei uns wird sehr schnell geschossen. Ich bin froh, dass wir jetzt ohne Nervenflattern nach Hause fahren können.“ Jäggi wird wieder beschwingt zum Bäcker gehen können, ohne Furcht vor heißblütigen Nörglern. Es war vor allem ein Erfolg über die Plapperer, wie es Teammanager Olaf Marschall formulierte. In einer Stadt, die sich in hohem Maße über den Fußball profiliert und in der Trainer und Spieler fast den Status von Außerpolitikern genießen, äußert sich die Kritik oft intensiver als in Metropolen wie München oder Hamburg. Nicht der Boulevard hebt schimpfend den Zeigefinger, es sind laut Jäggi „viele Ehemalige, die das Team schlechter reden, als es ist“. So ist die inflationär gestiegene Leistung in Rostock nach drei Niederlagen und dem schlechtesten Start der Vereinsgeschichte wohl auch auf interne Abwehrmechanismen gegen alle Angriffe von außen zurück zu führen. (…) Kurt Jara hat durch den Sieg das wichtigste Zahlungsmittel im Trainergeschäft erworben: Zeit.“

Hannover 96-SC Freiburg 2:2

Wundersame Auferstehung

Jörg Marwedel (SZ 14.9.) erzählt „eine jener abenteuerlichen Geschichten, wie sie angeblich nur der Fußball schreibt. Jiri Stajner heißt ihr widersprüchlicher Held, der bei seinen Toren fast zum Man of the Match geworden wäre. Zu berichten ist somit von einer wundersamen Auferstehung. Der Tscheche, teuerster Transfer der Vereinsgeschichte, hat in den vergangenen zwei Jahren seiner Karriere eine wilde Achterbahnfahrt hingelegt: Vom einsamen Unverstandenen, der Trost suchte in den Kneipen am Raschplatz in Hannover über den topfitten Partner des kurz darauf abgestürzten Wunderkindes Jan Simak zurück zum Problemfall, der an Sparta Prag ausgeliehen wurde. Zwischenzeitlich wieder Nationalspieler, um vor der EM erneut aussortiert zu werden. Zu teuer für Prag, deshalb im Sommer nur ungern wieder aufgenommen in Hannover, wo er noch immer Vertrag hat. Und jetzt: Rank und schlank wieselte Stajner über das Feld. Nicht fehlerlos, aber unermüdlich und immer auf der Suche nach der entscheidenden Szene. Dem Trainer Ewald Lienen, einem fundamentalistischen Kämpfer für gesunde Lebensart, hat Stajner damit offenbar den Glauben an das Gute im Profi zurückgegeben. (…) Der Rest war Rasenschach zwischen zwei Fußballlehrern.“

Bundesliga

Beheizte Sitzplätze für Frauen mit Gucci-Handtäschchen und wetterempfindlichen Frisuren

Alexandros Stefanidis (Zeit 9.9.) befasst sich mit dem Zuschauerboom: „Jahr für Jahr verabschieden sich die besten Bundesliga-Clubs frühzeitig aus der Champions League oder dem UEFA-Cup. Die Bundesliga, das ist nichts Neues, gehört nicht mehr zur europäischen Spitze. Aber ein Phänomen überrascht trotzdem: Die Zuschauer strömen wie nie zuvor in die Stadien. Während der vergangenen Saison lösten 10724586 Menschen eine Eintrittskarte: Bundesliga-Rekord. Im dritten Jahr in Folge steigen nun die Besucherzahlen. Nicht einmal das schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft in Portugal scheint diesen Boom aufzuhalten. Die Vereine der Ersten Bundesliga haben vor Saisonbeginn gleich einen neuen Rekord aufgestellt: Sie verkauften mit 337800 Dauerkarten knapp 6000 mehr als vor der vergangenen Spielzeit. Für diese Saison erwartet die DFL erstmals mehr als 11 Millionen zahlende Zuschauer. Woran liegt das? Woher diese Leidenschaft, ein Spiel anzuschauen, bei dem, wie Alice Schwarzer es gerne beschreibt, „22 junge Männer wie die Bekloppten einem Ball nachrennen“? Klar ist seit langem: Es werden nicht mehr nur Stehplätze an blökende Männer mit Bier und Bratwurst in der Hand verkauft, sondern auch beheizte Sitzplätze in VIP-Lounges an Frauen mit Gucci-Handtäschchen und wetterempfindlichen Frisuren. Die Stadien, die für die WM 2006 gebaut worden sind, sind attraktiver als die alten Betonschüsseln mit ihren bröckelnden Außenfassaden. Und seit Gründung der DFL im Jahr 2000 wird das Produkt Bundesliga besser vermarktet. In der Saison 2002/03 betrug der Umsatz der Vereine 1,1 Milliarden Euro. Damit gehört die Liga zu den drei finanzstärksten in Europa. Ihre Stars gehören zur Elite der Prominenten, Ballack einmal live zu sehen, ihm körperlich nahe zu sein macht einen Samstagnachmittag trotz eines hohen Eintrittspreises (durchschnittlich 15 Euro) zum Erlebnis. „Menschen haben das Bedürfnis, an den Erfolgen anderer teilzuhaben“, sagt Professor Bernd Strauß vom Institut für Sportpsychologie der Universität Münster. Fachleute nennen dieses Phänomen basking in reflected glory, sich im Ruhme anderer sonnen, kurz: BIRG.“

Klare Aufgaben in einem überschaubaren Konzept

In welcher Tradition steht Jürgen Klopp, Martin Hägele (NZZ 14.9.)? „Der FSV Mainz 05 ist nach einem Monat endgültig angekommen in der Bundesliga, und Trainer Klopp ist ein Lichtblick in einer Branche, die tief in der Krise steckt. Auch überwiegend in Deutschland geborene und aufgewachsene Professionals können auf gehobenem Niveau Fussball spielen, wenn man ihnen klare Aufgaben in einem überschaubaren Konzept vorgibt. Das ist ja das wahre Geheimnis dieses Spiels; leider gibt es nur ganz wenige Trainer, die diese Lehre so einfach vermitteln können. Volker Finke ist dies mit seiner Freiburger Multikulti-Truppe gelungen, danach Felix Magath mit den „jungen Wilden“ vom VfB Stuttgart und nun also dem 37-jährigen Selfmade-Trainer Klopp.“

Deutsche Elf

Bayer Leverkusen

Bayer Leverkusen fürchtet, dass der DFB sein Versprechen bricht und das Quartier für die WM 2006 verlegt. Christoph Biermann (SZ 14.9.): „Voll besetzt wird sie sein, die Ehrentribüne in der BayArena. Real Madrid kommt, und die Zwischenlandung der Galaktischen auf deutschem Boden möchte sich niemand entgehen lassen. Jürgen Klinsmann wird nach seiner Rückkehr aus den USA postwendend in Leverkusen eintreffen. „Der Kontakt ist rege, wenn man Ehrenkarten haben möchte“, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, „er ist es weniger, wenn es um das Einhalten von Verpflichtungen geht.“ Das klingt so beleidigt, wie es gemeint ist. (…) Die Vereinbarung mit Leverkusen hat eine lange Vorgeschichte. „Die Bayer AG war da, als nur wenig Großunternehmen auf die scheinbar chancenlose Karte einer WM-Bewerbung gesetzt haben“, erklärte schon im März 2001 Reiner Calmund, damals noch Bayer-Manager. Das Unternehmen wäre „mit dem Panzerspähwagen vorgefahren“ und hätte später die Kampagne „mit Sprit für ein paar Millionen“ betankt, angeblich waren es rund vier Millionen Mark. Am deutlichsten sichtbar wurde das 1999 in Mexiko, als die lokale Dependance der Bayer AG für den DFB die Party im Rahmen des Confederations-Cup schmiss. „Der aus Neuseeland war damals auch da“, sagte Calmund. Der aus Neuseeland heißt Jack Walker, und seine Stimme sorgte schließlich dafür, dass Deutschland die WM bekam. Außerdem stellte Bayer nach dem EM-Desaster 2000 den damaligen Sportdirektor Rudi Völler fürs Nationalteam frei und bezahlte ihn sogar eine zeitlang weiter. Bei der WM 2006 sollte Bayer belohnt werden, darauf einigten sich im April 2002 Mayer-Vorfelder, Generalsekretär Schmidt und Franz Beckenbauer mit den Bayer-Chefs.“

Montag, 13. September 2004

Internationaler Fußball

Ich habe die Lazio vom Friedhof geholt. Sie liegt immer noch im Koma

Wer hat Lazio Rom gerettet? Peter Hartmann (NZZaS 12.9.) stellt ihn uns vor: „Claudio Lotito? Nie von ihm gehört, dachten sich viele in Rom. Den Vorgänger, den kannten, bewunderten, verachteten sie: Sergio Cragnotti, den Finanzakrobaten, der monatelang in einer Zelle von Regina Coeli in Untersuchungshaft sass (…) Als Lazio-Sanierer ging der 47-jährige Lotito, der einen Hochschulabschluss als Pädagoge hat, so unsentimental wie ein Teufelsaustreiber vor. Seine Antrittsrede umfasste zwei Sätze: „Ich habe die Lazio vom Friedhof geholt. Sie liegt immer noch im Koma.“ Zunächst handelte er 70 Millionen Bares für einen Zweijahresvertrag mit Sky-TV aus, weitere 18 Millionen mit der Telecom für die Kabel-Übertragungsrechte auf dem Sender „La7“. Er warf praktisch das gesamte Kader, das zuletzt nur noch mit wertlosen Lazio-Papieren bezahlt worden war, auf den Markt und liess Verträge mit Grossverdienern wie dem Trainer Roberto Mancini, der unbedingt zu Inter Mailand wollte, auslaufen. Die Spieler Stefano Fiore und Bernardo Corradi verkaufte er nach Valencia, Claudio Lopez nach Mexiko. In den letzten Stunden vor Transferschluss ging er auf Schnäppchenjagd und sammelte, ohne einen einzige Euro aufzuwerfen, eine neue Belegschaft ein. Gespart hat sich Claudio Lotito bis jetzt auch die Gehälter für das Klubmanagement, für den Hofstaat der Einflüsterer und Aktenkofferträger: Die Transfergeschäfte erledigte er alleine, am Telefon.“

Europas Fußball vom Wochenende: Ergebnisse – Tabellen – Torschützen – Zuschauerzahlen NZZ

Unterhaus

Neue Zeiten in Frankfurt

„Eintracht Frankfurt blüht auf unter Friedhelm Funkel“, glaubt Ingo Durstewitz (SZ 13.9.): „Funkel ist in Gedanken versunken. Neben ihm hockt Trainerkollege Christoph Franke und doziert von Hemmungen und Ängsten, die seine Dresdner Auswahl befiel, weil sie bei der „großen Eintracht“ und in „diesem tollen, großen, neuen Stadion“ vorspielen und nur 1:2 verlieren durfte. Aber Funkel lebt erst auf, als er auf seine Frankfurter Profis angesprochen wird, die er gern „die Jungs“ nennt. Seine Augen strahlen, er berichtet von „Elan, Willen, Bereitschaft, Freude, Leidenschaft, Hingabe“, Tugenden also, die er „in dieser ausgeprägten Form noch nie erlebt“ habe. Funkels Fazit: „Die Jungs machen einfach Spaß.‘ So sind die neuen Zeiten in Frankfurt, die Eintracht, gerade zum dritten Mal in Liga zwo zwangsversetzt, hat eine Mannschaft zusammengestellt, die ankommt: 27 000 Zuschauer gegen die nicht als Zugpferde in Erscheinung getretenen Karlsruher, 26 000 gegen Dresden; Fußball-Frankfurt fährt auf die neue Eintracht ab, weil das Team jung und hungrig ist, weil es dem Beruf mit Passion nachgeht und frechen, schnellen, schönen Fußball spielt. Die Tage sind gezählt, da saturierte Profis im immer gleichen Tempo trabten und ihr Spiel so viel Esprit versprühte wie das einer Altherrentruppe auf einem Aschenplatz in Frankfurt-Rödelheim; als die Mannschaft angeleitet wurde von einem mürrischen, bigotten Trainer, der kein Fettnäpfchen ausließ und überdies das hässliche System mit einer Spitze für derart revolutionär hielt, dass er krampfhaft daran festhielt – bis zum Abstieg. Ein neuer Geist weht im Spätsommer 2004 durch Frankfurt, seit die Spaßbremse gelockert ist. “

Regionalliga Nord: Fortuna Düsseldorf gewinnt 2:0 gegen Union Berlin. Ulrich Hartmann (SZ 13.9.) war nicht alleine da: „Dieses Spiel war ein besonderes: Es hat vor 38 123 Zuschauern stattgefunden. So viele Menschen hatten in der nördlichen Bundesrepublik noch nie bei einem Regionalligaspiel zugeschaut, und es waren so viele, weil Düsseldorf eine neue Multifunktionsarena hat, die zwar erst im Januar richtig fertig ist, in die aber jetzt schon einmal so viele Zuschauer hineingelassen wurden – für einen Rekord aus Gründen der Publicity. Ein Rekord ist es dann auch geworden für die Regionalliga Nord, oder besser: für die Regionalliga, seit sie vor vier Jahren zweigleisig gemacht wurde. Allerdings hat es einmal mehr Zuschauer bei einem Regionalligaspiel gegeben: Am 19. April 1997, als die Dritte Liga noch aus vier Staffeln bestand, fand im Nürnberger Frankenstadion ein Spiel der Südstaffel zwischen dem 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth statt, bei dem 45 048 Menschen zuschauten. Um diesen Ligarekord zu knacken, müssten die Düsseldorfer nun erstens warten, bis ihre Multifunktionsarena im Januar endgültig fertig ist, und zweitens müssten sie bei einer Sitzplatzkapazität von dann 51 000 noch einmal mehr als 45 000 Menschen mobilisieren, sich schon wieder ein Regionalligaspiel anzusehen.“

Bundesliga

Genügsam, langsam, handzahm

Die Spiele des 4. Bundesliga-Spieltags, Stimmen, Stimmungen, Reaktionen: FSV Mainz, „der Frischefaktor der Liga“ (FAZ) – „VfL Bochum gegen Borussia Dortmund liefert längst mehr Emotion und setzt mehr Energie frei als der Ruhrgebietsklassiker Schalke gegen Dortmund“ (FAZ) – „genügsam, langsam, handzahm“ (SZ) erobert der VfB Stuttgart die Tabelle – Niederlagen und schlechte Leistungen in Serie, „Neuland für Meister Werder Bremen“ (SZ) – „Wen es der Ästhetik wegen zum FC Bayern München zieht, der besucht zur falschen Zeit den falschen Ort“ (SZ) / „mit dem Menschen Magath müssen sich die Bayern erst noch anfreunden“ (FAZ) – „es steht nicht gut um den FC Schalke 04“ (SZ) u.v.m.

FSV Mainz-Bayer Leverkusen 2:0

Der Frischefaktor der Liga

Jürgen Klopp, ein Botschafter des deutschen Fußballs – Hans-Joachim Leyenberg (FAZ 13.9.): „Das Goethe-Institut hat einen Glücksgriff getan. Da stand sie nun, die bunte Gruppe von Sportjournalisten aus Brasilien, Venezuela, Mali, den Vereinigten Staaten, Indien, aus Benin und China – mit Jürgen Klopp im Mittelpunkt. Er erzählte, was es mit diesem kleinen, aber feinen Verein auf sich hat. Das Erfolgserlebnis war noch frisch. Klopps Wangen glühten, seine Augen strahlten, und er suchte bisweilen nach den passenden englischen Begriffen für das Phänomen Mainz, das schon in der Muttersprache schwer zu beschreiben ist – man muß es erleben. Vielleicht hat das Goethe-Institut die Herrschaften aus aller Welt neben anderen Schauplätzen wie Fernsehstudios und Zeitungsredaktionen genau deshalb hierher gelotst, um zu zeigen, was es mit der Fußballbegeisterung im Lande des Gastgebers der WM 2006 auf sich hat. „Es macht unheimlich Spaß“, sagt Klopp, und jeder nimmt ihm ab, was bei anderen wie eine Floskel klingt. Mainz, das ist der Frischefaktor der Liga, eine Fußball-Spaßgesellschaft (…) Konstant unkonstant, so präsentiert sich Leverkusen in diesen Wochen. Grandios, wenn es gegen die Liga-Prominenz wie Bayern München geht, unter Wert wie bei den Auftritten daheim gegen Hannover 96, bei Banik Ostrau und in Mainz.“

Er steht vor dir und du schreist ihn an, aber er versteht kein Wort

Ulrich Hartmann (SZ 13.9.): „Der eloquente Klopp wirkt in der Riege der oft abgebrüht und gelangweilt Auskunft gebenden Bundesligatrainer wie ein alter Schulfreund, und wenn er vom präsaisonalen Überlebenstraining der gesamten Mannschaft in der schwedischen Wildnis erzählt, könnte man meinen, bei dieser Profimannschaft handele es sich um ein integratives Sozialprojekt. Klopp freut sich über ganz andere Dinge, über emotionale Randerscheinungen wie die Stimmung im Stadion. „Du willst einem Spieler etwas zurufen“, erzählte er begeistert, „er steht vor dir und du schreist ihn an, aber er versteht kein Wort, weil es zu laut ist – das ist ein Genuss.““

Das ist so wie mit kleinen Kindern

Klaus Augenthaler hofft auf die pädagogische Wirkung der Niederlage – Thomas Kilchenstein (FR 13.9.) berichtet: „Normalerweise hätte er doch richtig doll lospoltern müssen. Klaus Augenthaler blieb ruhig, er verlor nicht die Beherrschung, das war bemerkenswert, und wie es innen drin aussieht, geht ja niemanden was an. Doch man konnte ahnen, dass es in ihm brodelte, man merkte das an so kleinen Spitzen: „Das ist so wie mit kleinen Kindern.“ Früher habe er seiner Tochter auch immer sagen müssen, dass sie die Blüten nicht abreißen soll, und als sie es weiterhin getan habe, „gab es was auf die Finger“. Aber was soll man mit Fußballern tun, noch dazu hochbezahlten? Auf die Finger, besser: auf die Füße hauen? „Diese Niederlage heute war wie auf die Finger hauen“, sagte Augenthaler.“

VfL Bochum-Borussia Dortmund 2:2

“Das Derby Bochum gegen Dortmund liefert längst mehr Emotion und setzt mehr Energie frei als der Ruhrgebietsklassiker Schalke gegen Dortmund“, stellt Richard Leipold (FAZ 13.9.) fest: „Auf dem Fußballplatz hatte eine dramatische Szene kurz vor Schluß den Stoff geliefert, aus dem die Albträume harmoniebedürftiger Menschen sind. Der Dortmunder Stürmer David Odonkor grätschte mit vollem Risiko nach dem Ball und traf dabei zwangsläufig Peter Madsen; dem Bochumer Dänen riß nach ersten Vermutungen das Syndesmoseband. Erzürnt über Odonkors rücksichtslose Attacke unweit der Bochumer Trainerbank, fuchtelte Peter Neururer wild mit den Armen, und sein Assistent Frank Heinemann versetzte dem Täter einen Schubs. Schiedsrichter Herbert Fandel ordnete das rüde Foul, gerade noch vertretbar, in die Kategorie „Gelb“ ein. In den Augen des Bochumer Trainers die falsche Farbe; er hätte sich die Rote Karte gewünscht. Van Marwijk widersprach abermals. „Es war ein Zweikampf, wie man ihn öfter sieht. Ich habe mich über die Reaktion von der Bank ein bißchen gewundert.“ Neururer geriet in Zorn und wurde schärfer im Ton. „Wenn das ein normaler Zweikampf ist, den wir öfter sehen, dann können wir aufhören, Fußball zu spielen. Wir können uns als moralischer Sieger fühlen.“ (…) Wie sein früherer Trainer sah sich Sunday Oliseh, der auf dem Rasen Ruhe bewahrte, als Sieger. „Sie haben es nicht geschafft, mich fertigzumachen“, sagte er. Für ihn ein Grund zum Feiern: Oliseh lief zu den Bochumer Fans, die ihn bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen hatten, und klatschte Beifall. Später besaß er sogar die Verve zu behaupten, er habe sich „für die gute Zeit“ mit ihnen bedanken wollen.“

Wird man sich wieder vertragen, Christoph Biermann (SZ 13.9.)? „Das rasende Gefasel umrahmte ein Fußballspiel, über dessen Bewertung sich beide Trainer dann doch einig waren. „Brisant, toll, temporeich, ein schönes Derby“, fand es Neururer. „Ich mag diese richtige Fußballatmosphäre“, sagte van Marwijk, hatte vor der Halbzeitpause aber Nachwirkungen der Oliseh-Debatte gesehen. „Wir waren davon beeindruckt und haben nicht gefußballt“, sagte er in schönstem Holländisch-Deutsch. Bei Standard Lüttich tritt der VfL Bochum zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder im Uefa-Cup an. Zu verdanken ist das auch dem Gegner vom Samstag, der am letzten Spieltag der vergangenen Saison diesen Platz noch verspielt hatte. „Und was macht ihr am Donnerstag?“, riefen die Bochumer Fans denen in Schwarz-Gelb zu. Womit bewiesen war, dass nachbarschaftliche Animositäten auch mit ein wenig Humor ausgetragen werden können.“

Wieder schlechte Nachrichten für Dortmund – Marcus Bark (FTD 13.9.): „Die Zeiten, in denen der BVB selbst auf der Bank noch überdurchschnittliches Personal hatte, sind vorbei. Fast täglich neue Schreckensmeldungen über die Finanzlage des einzigen börsennotierten deutschen Klubs zeigen, dass der BVB künftig zwingend auf die Odonkors, Gambinos und Senesies angewiesen ist. Am Samstag schrieben die „Ruhr Nachrichten“, dass die Borussia in diesem Jahr noch 4 Mio. Euro an die Assunta GmbH zahlen muss, um die Namensrechte am Westfalenstadion wieder zurückzubekommen. Außerdem erwartet die Stadt Dortmund noch 5 Mio. Euro Gewerbesteuer. Im Oktober werden die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres bekannt gegeben. Die Verluste werden auf 50 bis 60 Mio. Euro geschätzt. Mittlerweile wünscht sich so mancher BVB-Fan in den Internetforen, dass die Geschäftsführung des Vereins ausgewechselt wird.“

VfB Stuttgart-Hamburger SV 2:0

Derzeit der mit Sicherheit beste Mittelfeldspieler der Bundesliga

„Silvio Meißner will für Klinsmann vorspielen“, erfährt Roland Zorn (FAZ 13.9.): „Was der VfB produzierte, reichte gerade so, um die braven Hamburger nicht auf freche Gedanken zu bringen. Matthias Sammer hat zu Beginn seiner zweiten Laufbahn auf dem Was‘n einen schmackhaften Mix aus besten Stuttgarter Zutaten vorgesetzt bekommen. Als da waren: spektakulärer Fußball wie beim 4:2 gegen Mainz und beim 3:2-Sieg in Kaiserslautern, taktisch kluger Fußball wie beim in Unterzahl erkämpften 1:1 in Nürnberg, defensiv wohlgeordneter Fußball wie beim schmucklosen 2:0 über den HSV und effektiver Fußball wie bei jener eingeübten Freistoßvariante, nach der Meißner sein Kopfballtreffer gelang. (…) Meißners Kumpel Horst Heldt hat den Aufstieg seines Freundes Silvio zu den Großen gefordert. „Er ist“, lautete Heldts Laudatio, „derzeit der mit Sicherheit beste Mittelfeldspieler der Bundesliga, und ich fände es schade, wenn er wegen angeblicher Perspektivlosigkeit (Meißner ist 31 Jahre alt) nicht für die Nationalmannschaft in Frage käme.“ Meißner selbst verlangte gar nichts. Er bat den Stuttgarter Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seinen Assistenten Joachim Löw lediglich indirekt darum, auch mal auf ihn zu schauen.“

Genügsam, langsam, handzahm

Jörg Marwedel (SZ 13.9.) ist enttäuscht vom Spitzenreiter: „Ausgerechnet vor ihrem Start in die internationale Saison, und insgesamt sieben Spielen in 23 Tagen, boten die Stuttgarter eine Vorstellung, als hätten sie noch nie von der Debatte um die zu behebenden Tempomängel des deutschen Fußballs gehört. So genügsam, langsam und handzahm schlichen die VfB-Profis über den Rasen, dass sie fast einen idealen Aufbaugegner für den verzweifelt auf den Aufschwung hoffenden HSV abgaben. Dabei hatten die Hamburger in der ersten Hälfte des Spiels vorgeführt, wie mühsam der Prozess ist, aus einer Ansammlung mit insgesamt fünf neuen Kräften so etwas wie eine couragierte Einheit zu formen. Mutlos waren sie da über das Feld gestapft. Beim 1:0 leistete das uneingespielte Ensemble kräftig Beihilfe. Bei einem Freistoß von Aliaksandr Hleb stahl sich Meißner in den Strafraum, ohne dass sich jemand zuständig fühlte und ihn am Kopfball hinderte. „Der Trainer schreibt es jedes mal an, aber irgendwer pennt immer“, giftete Torhüter Martin Pieckenhagen. Überraschend indes, wen HSV-Trainer Klaus Toppmöller für diesen Fall eingeteilt hatte: Mpenza, die einzige Angriffsspitze.“

Borussia Mönchengladbach-Werder Bremen 3:1

Wie es drinnen wirklich aussieht, geht niemanden etwas an

Jörg Stratmann (FAZ 13.9.) bestaunt Thomas Schaafs Gelassenheit: „Nur keine Aufregung. Da muß schon mehr kommen, um den Trainer Werder Bremens aus der Fassung zu bringen. Der Mann bewahrt sich angesichts der zunehmenden Hektik um ihn herum lieber den ironischen Zug in der bärbeißig wirkenden Miene und hat weiterhin die Ruhe weg. „Es ist nicht viel, was die Mannschaft falsch macht“, sagte Schaaf. Nur „der letzte Meter fehlt“, und „alle müssen einen Tick mehr tun“, nicht mehr. Wie es drinnen wirklich aussieht, geht niemanden etwas an. Ein Fels wie Schaaf ist wohl nötig, um in der zunehmend unruhigen See um Werder ein wenig festen Halt zu bieten. Andere im Bremer Boot werden schon unruhig angesichts der veränderten Arbeitsauffassung des aktiven Personals. Kein Biß mehr wie noch im Februar auf dem alten Gladbacher Bökelberg, wo sich Werder an einem stürmisch kalten Wintertag in der Nachspielzeit einen 2:1-Sieg über die Borussia erkämpfte und damit den Ehrgeiz unterstrich, unbedingt Meister werden zu wollen. Nun sind sie Meister und tun so, als sei es Majestätsbeleidigung, ihr feines, aber selbstgefälliges Kombinationsspiel mit Kampfkraft zu unterbinden. So nahm sich Sportdirektor Klaus Allofs die Profis zur Brust. „Wenn wir so weiterspielen, werden wir in dieser Saison nicht viele Spiele gewinnen“.“

Neuland für den Meister

Daniel Theweleit (SZ 13.9.) empfiehlt den Bremer Spielern Selbstkritik: „Richtig klar ist den Spielern nicht, was ihnen gerade widerfährt. Ivan Klasnic meinte, „im letzten Jahr hätten wir so ein Spiel mit etwas Glück gewonnen. Das ist vielleicht der Punkt“. Höhere Mächte also. Zu einer genaueren Analyse war er nicht im Stande. „Den Spielern ist vielleicht gar nicht so bewusst, dass sie weniger machen. Das muss in die Köpfe rein“, überlegte Allofs. Man habe schon vor der Saison gewusst, dass das die schwerste Aufgabe werden würde – der Kampf gegen das Gefühl der Sättigung nach Pokalsieg und Meisterschaft. Ausgerechnet vor der Premiere in der Champions League steckt der Meister nach zwei Spielen ohne Punkt in einem Formtief. Im Umgang mit dieser gesteigerten kritischen Wahrnehmung sind sie in Bremen ebenso ungeübt, wie im Verarbeiten von zwei Niederlagen hintereinander. Viel Neuland für den Meister. (…) Das Gladbacher Team hat deutlich an Stabilität gewonnen. Unkonzentriertheiten nach eigenen Toren, die gegen Dortmund beklagt wurden, bekämpfte es mit Leidenschaft, und sieht der Borussia-Park an vielen Ecken noch wie eine Baustelle aus, so funktioniert er als Stimmungsmaschine schon hervorragend. Wenigstens in dieser Hinsicht konnten die Bremer die Partie als gelungene Vorbereitung auf Mailand betrachten.“

Bayern München-Arminia Bielefeld 1:0

Brodelt’s in München, Thomas Becker (FR 13.9.)? „Als Teetrinker kennt sich Felix Magath aus mit heißem Wasser. An einem bestimmten Punkt beginnt es zu kochen, dass der Kessel nur so pfeift. Es ist ein Prozess, der sich ankündigt: mit einem Grummeln, ein paar ersten Schnaufern, bis er richtig losbricht, der Lärm. Ganz ungefährlich ist die Sache nicht: Man kann sich ordentlich die Finger verbrennen. Bislang blieb Magath in seinen ersten Monaten beim FC Bayern von Brandblasen verschont. Doch in der dritten Halbzeit nach dem Jammersieg gegen Arminia Bielefeld war zu besichtigen, was passiert, wenn ein Fußballtrainer kurz davor ist, den Aggregatzustand zu ändern. (…) Seinen 59. Jubeltag verbrachte Franz Beckenbauer neben Söhnchen Joel auf der Ehrentribüne, natürlich nicht ohne die Stimmung anzuheizen: „Wir haben zwei Jahre lang im Schongang gespielt. Da hat sich jeder zurückgelehnt und demjenigen, der unglücklicherweise den Ball haben musste, zugeschaut und viel Glück gewünscht.“ Schönen Gruß an Ottmar Hitzfeld! Magath möchte man solch üble Nachrede nicht wünschen. Mit Abwarten und Teetrinken wird er sich ganz sicher nicht begnügen.“

Wen es der Ästhetik wegen zum FC Bayern zieht, der besucht zur falschen Zeit den falschen Ort

„Eine der ereignisärmsten Partien in der Bayern-Historie beruhigt das Betriebsklima, erregt aber das Publikum“, gähnt Klaus Hoeltzenbein (SZ 13.9.): „Erst nach dem Abpfiff gab es laute Buhs wie selten zuvor im Olympiastadion, denen Magath kühn den Nutzwert entgegen stellte. Wen es derzeit allein der Fußball-Ästhetik wegen zum FC Bayern zieht, der besucht zur falschen Zeit den falschen Ort. Wer indes mehr an Hochpreis-Psychologie interessiert ist, wer die Muße hat, einen der letzten sonnigen Samstage des Jahres für die Beobachtung eines Sozialexperimentes zu verschwenden, der war hier genau richtig. Als „Kulturschock“, hat Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef dieser Therapiegruppe, den Zustand bezeichnet, in dem sich die Münchner seit dem Trainerwechsel befinde. Die Mannschaft wurde durch Magaths Trimm-dich-Programm entwurzelt, ihrer Heimatkultur des Mir-san-mir vorläufig beraubt. Alles soll neu sein, nur das Resultat ist noch gut bekannt aus der Dämmerung der Hitzfeld-Ära: Nichts läuft rund, nichts souverän – und irgendwann taucht ein Phantom auf: Irgendwann trifft Roy Makaay. (…) Begrüßt wurde Beckenbauer vom forschen Stadionsprecher als „Der kleine Franz“, der „verzweifelt“ seine „vergangenen Lebensjahre“ sucht. In Tel Aviv wird Beckenbauer fehlen, dennoch hatte er noch einen Ratschlag für alle, die wegen des jüdischen Feiertages Rosch Haschanah am Mittwoch nicht mit dem Auto zum Stadion fahren dürfen: „Für die körperliche Fitness ist es gut, zu laufen!“ In München ist Magaths Credo zwar noch nicht angekommen, es wird aber bereits exportiert.“

Mit dem Menschen Magath müssen sich die Bayern erst noch anfreunden

Warum läuft’s nicht bei den Bayern, Elisabeth Schlammerl (FAZ 13.9.)? „Das Spiel war gerade aus, da flimmerte der Werbespot eines Sponsors über die Videowand oberhalb der Gegentribüne. Er begann mit dem Versprechen, daß der FC Bayern München vor einer „großartigen Saison“ stehe. Der Spot hätte nicht unpassender sein können. (…) Nicht nur die Umstellung vom gemächlichen Sicherheitsfußball auf temporeiche Offensive macht den Bayern zu schaffen, auch mit dem Menschen Magath müssen sich die Bayern erst noch anfreunden. Anders als sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld nimmt der neue Trainer seine Spieler nicht in Schutz. Er trägt seine Scharmützel lieber in der Öffentlichkeit aus als hinter verschlossenen Kabinentüren. Wenn man ihn in Ruhe arbeiten läßt, wird der neue Trainer den Kampf gegen das widerspenstige Starensemble aus München vermutlich gewinnen, die Frage ist nur, ob rechtzeitig genug, damit die Saison noch eine großartige werden kann.“

Heinz-Wilhelm Bertram (FTD 13.9.) fügt hinzu: „Natürlich stellt sich nach vier Spieltagen die Trainerfrage nicht. Aber sie wurde verblüffenderweise von Franz Beckenbauer gegenständlich gemacht, als der Präsident ohne Not sagte: „Der Vorstand und der Aufsichtsrat stehen hinter Felix Magath. Wir wünschen ihm, dass er die Kurve kriegt.“ Denn die Mannschaft leidet immer noch „unter den gleichen Defiziten wie in den letzten Jahren. Man sieht, wie schwer es ihnen fällt, den Schalter umzulegen“, so Beckenbauer. Es wird ein mühseliger Prozess werden, um diese von Bequemlichkeit so hartnäckig heimgesuchte Mannschaft zu revitalisieren.“

Die SZ (13.9.) notiert Franz Beckenbauers Äußerung über seinen Geburtstagswunsch und den Hang der Menschheit, Kriege zu führen: ¸Mein größter Wunsch ist Frieden auf der Welt. Wir sind immer noch am Beginn der Evolution. Wir sind den Tieren immer noch sehr ähnlich. Der einzige Unterschied ist, dass Gott uns die Stimme gab.“

VfL Wolfsburg-Schalke 04 3:0

Es steht nicht gut um den FC Schalke 04

Wie ist die Stimmung in Schalke, Javier Cáceres (SZ 13.9.)? „Es steht nicht gut um den FC Schalke 04. Die „kleinen Mosaiksteinchen“ haben sich vielmehr in den vergangenen Wochen derart „negativ zusammengefügt“ (Jupp Heynckes), dass die Nerven blank liegen. Sehr blank. Vor allem bei Torwart Frank Rost, der die Leistung der eigenen Mannschaft zwar „blamabel“ nannte, bei der Erörterung einer etwaigen Mitverantwortung für das 1:0 aber in gehobener Stimmlage erklärte, er sei des „blöden Gelabers von Journalisten“ überdrüssig: Fußballprofis würden in der Öffentlichkeit nur noch „als überbezahlte Idioten und Volldeppen“ wahrgenommen, die „wie Freiwild zum Abschuss freigegeben“ seien. So gesehen muss über den nach Einschätzung von rund 25 000 Zuschauern zur 69. Minute eingewechselten Mittelfeldspieler Lincoln unbedingt eine schützende Hand gehalten werden. Denn als der Brasilianer frisch geduscht aus der Kabine kam und um eine Meinungsäußerung gebeten wurde, setzte er sich vorsichtshalber von den Kameraden ab: „Ich habe doch gar nicht gespielt!“ Alibis bitte schicken an: Lincoln, c/O FC Schalke 04, Ernst-Kuzorra-Weg 1, D- 45891 Gelsenkirchen. Nicht zuletzt wegen solcher Äußerungen muss die Arbeit, die noch Heynckes liegt, als umfangreich und diffizil angesehen werden.“

Heynckes ist nicht derjenige, der allein schuldig ist

Achim Lierchert (FAZ 13.9.) ergänzt: „Viel Zeit, den negativen Trend umzukehren, bleibt Jupp Heynckes nun nicht mehr. Gegen Liepajas und in der Liga gegen Mönchengladbach muß der seit elf Jahren schlechteste Start korrigiert werden, ansonsten ist auch angesichts der brisanten Finanzlage des Klubs und der deshalb gereizten Nerven für nichts mehr zu garantieren. Die Stimmung im Umfeld ist angespannt: In Wolfsburg forderten die Fans lange vergeblich die Einwechslung ihres Lieblingsspielers Jörg Böhme, ehe sich der Zorn manches Schalkers in „Heynckes-raus“-Rufen Erleichterung verschaffte. Ob sich Rudi Assauer davon beeindrucken läßt, bleibt offen: „Heynckes ist nicht derjenige, der allein schuldig ist.“ Es gab kein klares Bekenntnis des Machers zu seinem sportlichen Leiter. Dicke Luft auf Schalke, Wolfsburg dagegen schwebt auf Wolke sieben. Nach dem erfolgreichsten Start in der Vereinsgeschichte träumt der VfL davon, die vom großen Geldgeber Volkswagen hochgesteckten Ziele in diesem Jahr endlich zu erreichen. In die Erleichterung, den großen Knall in der Führung der Fußball-GmbH nach der Pokalpanne und dem Rücktritt von Manager Peter Pander offenbar gut überstanden zu haben, mischt sich diesmal berechtigte Zuversicht, das graue Image endlich loszuwerden.“

1. FC Nürnberg-Hertha BSC Berlin 0:0

Schafe zählt Volker Kreisl (SZ 13.9.) nicht: „Auf einmal waren überall Luftballons und sie passten wunderbar zu diesem Spiel. Weiße und hellblaue Luftballons, achtlos weggeworfen, hatten sich auf der Laufbahn im Frankenstadion versammelt, und als das Spiel angepfiffen wurde, trieb sie der Wind aufs Feld wie eine Gänseherde. Die Ballons verweilten etwas am Hertha-Strafraum, wagten sich dann vor zum Mittelkreis, machten aber bald kehrt, vielleicht weil manche von Stollen zertreten wurden, oder auch, weil der Wind sie zurückpfiff. Jedenfalls waren die Ballons plötzlich weg, dafür liefen nun Menschen hin und her, und stießen manchmal zusammen und der kleine Hartballon, der Fußball heißt, prallte von Oberkörper zu Rist und wieder zurück und manchmal wehte auch eine Torchance in den Strafraum. Mehr passierte nicht in 90 Minuten, am Ende blieb es bei den Ergebnis, das aussieht wie zwei Luftballons.“

Armin Grasmuck (FAZ 13.9.) wischt sich den Schlaf aus den Augen: „Die Nürnberger Himmelsstürmer von gestern wirkten derart ängstlich und verkrampft, als hätte sie die unglückliche 3:4-Niederlage beim Hamburger SV essentiell zurückgeworfen. Besonders die zu Saisonbeginn hochgelobte Angriffsreihe um Spielgestalter Ivica Banovic und die schnellen Stürmer Robert Vittek und Marek Mintal, die in den ersten drei Partien kombinationsstark und zielstrebig zu Werke gegangen war, ließ gegen die Hertha jegliche Durchschlagskraft vermissen. Die Probleme von Hertha BSC sind anders gelagert: Es hakt im Abschluß. Mit einer konsequenten Chancenauswertung hätten die Berliner frühzeitig die Voraussetzungen für einen Erfolg schaffen können.“

morgen auf indirekter-freistoss: Pressestimmen über die Spiele (Sonntag) in Hannover und Rostock

Bundesliga

Tour de Trance

Tour de Trance

Christian Eichler (FAZ 13.9.) zieht die deutschen Champions-League-Teilnehmer am Ohr – und erfreut sich an Mainz: „Bielefeld ist nicht Brasilien. Mönchengladbach nicht Mailand. Und Mainz nicht Madrid. Die nebenberuflichen Reiseleiter Magath, Augenthaler und Schaaf konnten gar nicht genug auf solche erdkundlichen Details hinweisen, da die Münchner Kleingruppe nach Rückkehr vom glorreichen Berliner Länderspiel glaubte, es gehe gegen Bielefeld brasilianisch weiter; und die Geschäftsreisenden aus Leverkusen und Bremen statt in Mainz oder Mönchengladbach in Gedanken wohl schon bei klangvolleren Stationen waren. (…) Der bisherige Spitzenreiter kam desorientiert bei einem völlig neuen Reiseziel an, dem Mainzer Bruchweg. „Einen Sieg der Leidenschaft“ feierte der Mainzer Trainer Jürgen Klopp und pries Spielertugenden, „die einem die Tränen in die Augen treiben“. Ja, die Leidenschaft: eine gesuchte Fußballtugend, die sich nicht trainieren läßt. Und die man für eine lange Saison dosieren muß – das zumindest schienen die Leverkusener zu denken, die zwischen dem leidenschaftlich erspielten 4:1 gegen die Bayern und dem leidenschaftlich erwarteten Duell mit Real Madrid eine emotionale Pause einlegten. Es geht ihnen dabei wohl nicht anders als anderen Berufsreisenden, die in professioneller Routine die vielen verschiedenen Einsatzorte irgendwann nur noch als neutrale Arbeitskulisse wahrnehmen. Für einen Aufsteiger wie Mainz ist das anders. Da ist selbst ein Heimspiel in der Bundesliga noch eine Reise in die große Fußballwelt. Eine Tour de Trance, auf die sich der neutrale Fußballfreund gern mitnehmen läßt.“

Sie ist kurz, die Zeit der Unschuld

Wie weit ist der Weg zum Establishment, Christoph Biermann (SZ 13.9.)? „Wer von Mainz 05 spricht, darf vom SC Freiburg nicht schweigen. Oder vom FC St. Pauli. Und damit von der Sehnsucht nach einer besseren Fußballwelt, in der es kein Haargel gibt und Fußball noch ein Sport ist, dem erlebnishungrige junge Männer nachgehen. Wie früher den SC Freiburg und den FC St. Pauli. Irgendwie geht in Deutschland die Erneuerung halt nur von den Rändern aus, wenn es um Fußball geht. (…) Dieser Tage hat ein ehemaliger Mitarbeiter der Stadionzeitung (St. Pauli) ein Buch unter dem viel sagenden Titel „Die Untoten vom Millerntor“ veröffentlicht. Dort wird Theatermacher und Vereinspräsident Corny Littman als Despot beschrieben („Ich bin der FC St. Pauli“), der nachts die Computer seiner Untergebenen ausspioniert. Der Amateurtrainer erhielt einen Teil seines Gehalts schwarz, damit die Unterhaltszahlungen an seine Ex-Frau niedriger ausfallen konnten. Mit politischer Korrektheit hat das so wenig zu tun wie mit juristischer, von schattigen Transferdeals und sportliche Inkompetenz ganz zu schweigen. In Mainz soll das niemanden erschrecken, sondern nur warnen, dass sie kurz ist, die Zeit der Unschuld.“

Fliegerangriff

Ein brutales Foul von David Odonkor an Peter Madsen – Thomas Kistner (SZ 13.9.) verachtet die Bewertung des TV-Kommentators: „„Kein Foul, er hat zuerst den Ball gespielt!“ Da sticht des Abwehrspielers Bein wie eine Lanze in des Ballführenden Parade, touchiert irgendwie kurz das Spielgerät, um im nächsten Bruchteil derselben Sekunde mit der Wucht eines 80-Kilo-Geschosses in Gegners Restkörper zu detonieren. Ohne Rücksicht auf Verluste. Warum auch? Die marginale Ballberührung, die bei derlei Aktionen unausweichlich ist, bevor sich die Beinschere schließt, genügt vollauf, um Bruchlandungen im Bewegungsapparat des anderen als regelkonform zu rechtfertigen. „Hier sehen wir die Szene noch einmal“, pflegt der Reporter dann maschinell zu analysieren, „erst wird der Ball berührt, danach kommt der gegnerische Spieler zu Fall!“ Man darf also gratulieren. Im jüngsten Fall Dortmunds Kickboxer Odonkor, der per Fliegerangriff dem Madsen zu einer längeren Schaffenspause verhalf. Madsen war bis in die Ersatzbank gerauscht, als ihn der Kollege umtrat – natürlich dort, wo die brutalsten Versuche, den Ball zu spielen, passenderweise stets ablaufen: Irgendwo an der Auslinie. Dort zieht man nicht gleich den Notbremsverdacht auf sich und kann um so ungestörter alte Rechnungen begleichen.“

Christoph Ruf (taz 13.9.): „Das Herumwedeln mit verschwitzten Textilien zeugt nicht von Lebensfreude, sondern allenfalls von schlechten Manieren und Kamerageilheit. Eigentlich ist gelb noch zu gut für solche Kaspereien. Und nun, wo in Frankfurt a. M. ein revolutionäres Klima herrscht wie anno 1917 in Petersburg, wäre doch der ideale Zeitpunkt für eine Justizreform. Denn es gibt noch weit mehr, das einem das Fußballvergnügen gründlich verdirbt. Also drei Spiele Sperre für torjubelnde Säger, Kinderschaukler, Kanoniere und sonstiges Gehampel aus der Erlebniswelt evangelischer Kindertagesstätten. Und rot, Kerker, Weihwasser und Brot für Glaubensbekenntnisse aller Art. Lange Jahre mag man es besonders im ziemlich entchristianisierten Norden geradezu niedlich gefunden haben, wenn der brasilianische Einwechselspieler sich minutenlang bekreuzigte bevor er von Gotteshand gehalten auf den Platz schwebte. Doch das war erst der Anfang des Kreuzzuges. Immer mehr Spieler geben auf irdische Fragen übersinnliche Antworten. Zuletzt Sunday Oliseh, der nach den Misstönen im Verhältnis zum VfL Bochum gefragt wurde und erzählte, Gott habe ihn da so manches überstehen lassen. Abgesehen davon, dass man an den Fähigkeiten eines Gottes ernsthaft zweifeln muss, wenn er für Bochum verantwortlich sein soll – wen interessiert das alles?“

Deutsche Elf

Von einer entspannten Atmosphäre zwischen Bayer Leverkusen und dem DFB kann nicht mehr die Rede sein

„Jürgen Klinsmanns Affront gegen Bayer Leverkusen“ – Michael Horeni (FAZ 13.9.): “Jürgen Klinsmann lehnt die von Vorgänger Rudi Völler ausgearbeitete WM-Planung ab. Der geplante Standort BayArena, wo die Nationalelf während der WM 2006 trainieren sollte, ist ebenso wie die Unterbringung im Schloßhotel Lerbach nicht mehr nach dem Geschmack der neuen sportlichen Führung. Wolfgang Holzhäuser reagierte auf die Kehrtwendung und die Rolle des DFB in dieser Frage betont kühl, aber mit heftiger Kritik. (…) Bisher hat sich tatsächlich nicht der Verband, der in der Vergangenheit große Unterstützung von der Bayer AG sowohl in sportlichen Personalfragen (Christoph Daum, Teamchef Rudi Völler) sowie bei der finanziellen und ideellen Förderung der WM-Bewerbung erhalten hat, öffentlich zu dieser Frage geäußert – sondern nur Oliver Bierhoff: „Auf den ersten Blick ist die Lösung nicht optimal. Nicht wegen des Stadions in Leverkusen, sondern wegen der Entfernung zwischen Quartier und Stadion“. Mitten in der Stadt, wie beim Länderspiel gegen Brasilien, wolle man während der WM nicht leben. „Nach den Erfahrungen von Berlin wissen wir, ein so belebtes Stadthotel geht bei der WM auch nicht. Wir müssen eine Mischung finden. Die Spieler wollen auch einen Park, eine entspannte Atmosphäre.“ Von einer entspannten Atmosphäre in den Beziehungen zwischen Bayer Leverkusen und dem DFB kann nicht mehr die Rede sein. “

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