Montag, 9. August 2004
Bundesliga
Im Selbstbeschwindeln auf Spitzenniveau
Pressestimmen zu den Spielen des 1. Spieltags: „Mit Deisler und Lucio sind die Bayern wieder die alten“ (FAZ) – „Bayer Leverkusen bedurfte viel Glück“ (SZ) – „schlechter hätte Bert van Marwijk nicht starten können“ (FAZ) / „der BVB agierte mit Herz und Elan“ (FR) u.v.m.
Hamburger SV-Bayern München 0:2
„Mit Deisler und Lucio sind die Bayern wieder die alten“, schreibt Roland Zorn (FAZ 9.8.): „Die Bayern haben eine interne Machtfrage zwei Stunden vor ihrer Saison-Ouvertüre in ihrem Hamburger Mannschaftsquartier ohne Diskussionen gelöst. Magath bestimmte nach wochenlanger Beobachtung der gesammelten Hierarchie und der individuellen Persönlichkeitsstrukturen, daß alles beim alten bleibe. Also wird weiter Oliver Kahn die Kapitänsbinde tragen und nicht sein verbindlicherer Nationalmannschaftskollege Ballack, der auf insistierende Fragen leicht genervt mit der kurz angebundenen Antwort „Fragen Sie den Trainer“ reagierte. Mag sein, daß er selbst gern mehr Verantwortung übernommen hätte. Magath aber entschied die K-Frage kraft seiner Autorität: „Dies war leider kein Wunschkonzert. Ich habe den Kapitän bestimmt. Kahn ist bei uns die Persönlichkeit. Ich brauche einen Kapitän, der auch in meinem Sinne Einfluß auf die Mannschaft nimmt.“ Dazu solle sich der Badener mehr als zuletzt „einbringen“, als private Turbulenzen Kahns beruflichen Ambitionen zumindest latent im Wege standen. In Hamburg hat sich die Nummer eins der Nationalelf, der Klinsmann jedoch keinen Alleinvertretungsanspruch mehr zubilligen will, nicht besonders anstrengen müssen. Dafür war der HSV, der zuletzt am 11. Februar 1996 ein Heimspiel gegen die Bayern gewann, zu brav. Ganz anders die Münchner: Sie konzentrierten sich aufs Wesentliche, verteidigten ihr Guthaben dank eines schon bei seiner ersten Vorstellung im goldenen Bayern-Trikot überragenden Lucio und schlugen, als die Zeit gekommen war, zweimal zu. Es paßte zum neuen Stil des Hauses an der Säbener Straße, daß von diesem vergleichsweise schmucklosen Erfolg niemand Aufhebens machen wollte.“
Bayer Leverkusen-Hannover 96 2:1
Leverkusen bedurfte viel Glück
Christoph Biermann (SZ 9.8.): „Reiner Calmund weinte nicht, so hatte er es sich vorgenommen. Aber auf den Rängen hatten die Zuschauer Tränen in den Augen, als der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen vor dem Spiel gegen Hannover 96 verabschiedet wurde. Der Klub schenkte ihm Calmund in Öl, die Mannschaft ein großes Modell der BayArena, und die Fans widmeten ihm eine Choreografie. Über ihre Kurve zogen sie eine Karikatur von Calmund als Film-Oscar und ein Banner entlang des Zauns verkündete dazu, dass dieser Oscar in der „Kategorie Lebenswerk“ vergeben wurde. Dann ging Calmund auf seinen neuen Platz in der vierten Reihe der Ehrentribüne hinauf, und als er sich dort nach Ende der neunzig Minuten erhob, schien er schon eine neue Rolle gefunden zu haben: als Talisman. Bayer Leverkusen bedurfte so viel Glück, um das Auftaktspiel der Saison zu gewinnen, dass Trainer Klaus Augenthaler hinterher mehrmals darauf hinwies, er wolle sich für den Sieg nicht entschuldigen. Der Treffer zum 2:1 fiel nicht nur in letzter Sekunde, sondern zudem „in einer Situation, wo sie eigentlich schon gar nicht mehr wollten“, wie Hannovers Coach Ewald Lienen treffend feststellte. (…) „Ein Sieg wäre vielleicht des Guten zu viel gewesen“, sagte Lienen, als er die Schlussphase mit einigen guten Gelegenheiten für Hannover noch einmal rekapitulierte. Auf jeden Fall aber war eine Niederlage des Schlechten zu viel.“
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg 1:2
Schlechter hätte van Marwijk nicht starten können
Richard Leipold (FAZ 9.8.): “Das erste Pflichtspiel (im UI-Cup gegen Genk) verloren und zwei Wochen später auch die erste Bundesligapartie, jedesmal vor eigenem Publikum: Schlechter hätte van Marwijk nicht starten können. Als er nach vielen vergebenen Chancen um Fassung rang, war nichts mehr zu spüren von der lockeren Art des Niederländers, der den Auftrag angenommen hat, die Lebensgeister einer Mannschaft zu wecken, die sich von Mißerfolg und Mißgunst hat herunterziehen lassen. Van Marwijk scheint von Beginn an als Krisenmanager gefordert. (…) Alles beim alten auf dem schlingernden Schiff namens Borussia? Im Ergebnis ja, aber die Westfalen haben in den zurückliegenden Jahren zweifelsohne schon (viel) schlechter gekickt. Lange nicht mehr haben die Dortmunder einen Gegner so beherrscht wie den VfL Wolfsburg. Aber was nützt das, solange Aufwand und Ertrag in einem derart krassen Mißverhältnis stehen? Mittelfeld und Angriff von Borussia Dortmund haben die Produktion kräftig gesteigert, ohne daß die Mehrarbeit sich günstig auf die Produktivität ausgewirkt hätte. Vorher haben sie aus wenigen Chancen wenig Tore gemacht; nun haben sie viele Chancen und machen genauso wenig daraus.“
Im Selbstbeschwindeln ist die BVB-Truppe stets auf Spitzenniveau
Freddie Röckenhaus (SZ 9.8.): „An diesem Nachmittag der Ratlosigkeit machte schnell die Parole die Runde, Dortmund habe „total unverdient“ verloren, wie Sebastian Kehl befand. BVB-Kapitän Leonardo Dede meinte gar: „Wenn wir so nächste Woche in Mönchengladbach spielen, gewinnen wir dort garantiert.“ Im Selbstbeschwindeln ist die seit zwei Jahren den eigenen Ansprüchen hinterherschauende BVB-Truppe eben stets auf Spitzenniveau. (…) Beunruhigend vor allem, dass in entscheidenden Momenten des Spieles, in denen es auf letzte Konzentration, auf Unbekümmertheit und Esprit ankommt, in Dortmunds möglicherweise überschätzter Mannschaft weiterhin alles danebengeht. Fast hatte man den Eindruck, als würden die altbekannten Verkrampfungen aus der Sammer-Ära in allen Schlüsselszenen wie die Kistenteufel wieder hervorspringen. So folgte das Lamento über vergebene Chancen: Man hat es in Dortmund schon zig-fach von Matthias Sammer gehört.“
Der BVB agierte mit Herz und Elan
Felix Meininghaus (FR 9.8.): „Mit der schmerzlichen Heimniederlage hat sich der deutsche Meister des Jahres 2002 gleich zu Saisonbeginn in eine schwierige Lage manövriert. Mit der Verpflichtung van Marwijks verbinden sich viele Hoffnungen, der neue Mann soll in Westfalen Aufbruchstimmung erzeugen. Und die ersten Eindrücke waren durchweg positiv. Der Nachfolger von Matthias Sammer lässt viel mit dem Ball trainieren und gibt den in der jüngeren Vergangenheit oft so uninspirierten Profis in Schwarz-Gelb auch durch sein positives Auftreten den Spaß am Fußball zurück. Was van Marwijk will, war in der schwül-heißen Atmosphäre des Westfalenstadions durchaus zu erkennen. Der BVB agierte mit Herz und Elan, die Zuschauer registrierten den Abschied von der spielerischen Armut mit freundlichem Wohlwollen. „Niemand kann uns vorwerfen, nicht alles versucht zu haben“, sagte Kehl. Doch was nützt das, wenn es am Ende noch nicht einmal zu einem Erfolg über Wolfsburg reicht? Wie angespannt die Atmosphäre in Dortmund schon jetzt ist, bestätigte Kehl, als er nach dem Abpfiff wütend und frustriert aus der Fankurve zurückkehrte und dabei immer noch seinen gelben Arbeitsdress trug: „Man will nicht mein Trikot“, erklärte der Nationalspieler aufgebracht, „man will mich beschimpfen.“ Später sprach BVB-Kapitän Leonardo Dede davon, das Verhältnis mit den Fans sei „zur Zeit nicht optimal“.“
SC Freiburg-Hansa Rostock 0:0
Christoph Kieslich (FAZ 9.8.): „Saisonziele werden weder in Freiburg noch in Rostock jedes Jahr neu definiert. In der Bundesliga zu bleiben ist das Maß aller Dinge, aber man kann sich auf dem Weg dorthin ja kleine Steigerungen vornehmen. „Um den ersten Schritt zu 40 Punkten zu machen“, erläuterte Juri Schlünz, „wollten wir in Freiburg eigentlich gewinnen.“ In sieben Spielen zuvor war das Hansa Rostock nie gelungen, und nach dem torlosen Unentschieden konstatierte der Hansa-Trainer hoffnungslos, daß das wohl so bleiben werde. Nur gut, daß sich noch 33 andere Gelegenheiten bieten werden, um Fortschritte zu erzielen. Was Freiburger und Rostocker überdies eint, ist ein fehlender sogenannter Top-Torjäger. Im Breisgau hatten sie in diesem Sinne noch nie einen, dem FC Hansa ist in Martin Max gerade einer abhanden gekommen. Und so verpuffte das wenige, was bei einem noch etwas zähflüssigen Einstieg in die Saison an Chancen auf beiden Seiten herausgespielt wurde.“
1. FC Kaiserslautern-1. FC Nürnberg 1:3
Wie reagieren die Sieger, Hans-Joachim Leyenberg (FAZ 9.8.)? „Nach dem erbaulichen 3:1 könnten sie ja alle plötzlich unverblümt rosarot sehen, den kommenden Saisonverlauf in schillernde Farben tauchen. Aber was sahen die Herren, die was zu sagen haben? „Das ist mir gar nicht so recht“, kommentierte „Club“-Präsident Michael A. Roth das Tabellenbild vom Samstag mit Nürnberg ganz oben ungewohnt kleinlaut. „Eine Momentaufname“, beeilte sich Trainer Wolfgang Wolf um eine Einordnung. „Das sind drei Punkte gegen den Abstieg“, sprach der Präsident, „wir müssen noch 37 Punkte holen“, rechnete Wolf vor. Dieser Mann ist ein Fuchs. Ein echter Pfälzer Bub, der sich nicht blenden läßt, Niederschläge gerade dann ankündigt, wenn die Sonne am höchsten steht. Im Fritz-Walter-Stadion animierte das Gesehene die mitgereisten Fans schon zu den schönsten Prognosen. Es waren ja nicht allein die Tore, die zu Zweitligazeiten als deplaziert empfundenes Liedgut animierten. Die junge Nürnberger Rasselbande ließ Ball und Gegner laufen. Was sie machte, hatte Hand und Fuß – und das ist keine Anspielung auf das Handspiel des überragenden Stürmers Markus Schroth. (…) Im Umkehrschluß fehlt es den Pfälzern an genau dieser als Spielkultur verstandenen Tugend. Da wird immer noch so gekickt, als gäbe es nach wie vor die individuellen Fähigkeiten einst tragender Figuren wie Klose, Lokvenc oder Hristov. Zwischen Abwehr und Angriff klafft im Mittelfeld eine so große Lücke, daß der Betzenberg umgehend zum Krisengebiet erklärt werden müßte. Es mag ja sein, daß die Chemie innerhalb der neu zusammengestellten Mannschaft stimmt, die Stimmung besser ist als in der vorigen Saison. Nur, als es galt, war nichts davon zu spüren. Bei den Stammkunden in Kaiserslautern klingen noch die Worte des forschen Stadionsprechers vor dem Anpfiff nach: „Der Berg hat uns wieder“ tönte er mit sich überschlagender Stimme. Nach den neunzig Minuten hat sie die Erde wieder.“
Harald Büttner (SZ 9.8.): „Die Art und Weise, wie der 1. FCN den Ausgleich beantwortete, hatte mit Fortune rein gar nichts zu tun. Die Club-Mannschaften früherer Erstligajahre wären reihenweise eingebrochen und hätten den Gegner aufgebaut, doch die Generation von Trainer Wolf zeigte Moral und konterte mit einer Attacke aus dem Lehrbuch. Michael A. Roth fühlte sich zu Beginn seiner 14. Saison im Präsidentenamt in seiner These bestätigt: „Ich glaube, wir hatten unter meiner Führung noch nie so einen starken Kader.“ Starke Trainer hingegen gab es beim Club schon in der Vergangenheit, doch keiner hat laut Roth „den Verein innerhalb kurzer Zeit so geprägt wie Wolfgang Wolf“. Dieser genoss sein Comeback in der Ersten Liga in vollen Zügen: „Bundesliga, wir sind wieder da! Meine Jungs haben bewiesen, dass sie mithalten können“.“
Wir wollten, aber wir konnten nicht
Wie reagieren die Verlierer, Ingo Durstewitz (FR 9.8.)? “So sieht also kompetente Pfälzer Ratlosigkeit aus: Kurt Jara, der zerknautschte Trainer des 1. FC Kaiserslautern, guckt diabolisch in die Runde und beißt vor Frust fast in das vor ihm stehende bunte Mikro. Jara knurrt: „So kann man kein Spiel gewinnen.“ Carsten Jancker, der glatt polierte Mittelstürmer, betastet wie in Trance die imposanten Narben auf seinem von zartem Flaum überzogenen Schädel. Jancker bellt: „Wir wollten, aber wir konnten nicht.“ Und Christian Nerlinger, der Abräumer mit dem Seitenscheitel, senkt die Stimme, um dem gesprochenen Wort noch mehr Emphase zu verleihen. Nerlinger faucht: „Die Ernüchterung ist riesengroß.“ Und: „Da ist einiges über uns hereingebrochen.“ Oder: „Diese Leistung muss uns zu denken geben.“ Wenn dem 1. FC Kaiserslautern nach der Demontage eines gelungen ist, dann die verbale Nachbereitung des 90-minütigen Trauerspiels. Die zweite Schmach, das Trauerspiel auch noch schönreden zu wollen, erlaubten sich die Spieler nicht.“
Hertha BSC Berlin-VfL Bochum 2:2
Peter Neururer hat sich noch kein abschließendes Urteil über Bochums neuen Aggregatzustand gebildet
Javier Cáceres (SZ 9.8.): „Die Bochumer sind derart wenig mit Elfmetern vertraut, dass Neururer es vorzog, die taktische Handlungsanleitungen an seine Mannschaft zu erneuern, statt der Ausführung durch Peter Madsen zu harren – nicht dass seine Elf noch erschrickt vor so viel Großzügigkeit des Schiedsrichters. So erfuhr Neururer nur von Dritten, dass sich der dänische Stürmer alle Mühe gegeben hatte, der Exekution eine persönliche Note zu verleihen: „Er soll sehr schön gewesen sein“, sagte Neururer. Das war er auch, so man das von Elfmetern behaupten darf; bedauerlich nur, dass er das so ziemlich einzige kunstvolle Moment in Bochums Vortrag darstellte. Zu offensichtlich war die Unsicherheit, im Großen wie im Kleinen. Im Kleinen, weil zu viele Akteure ihre neue Rolle noch nicht gefunden haben. Im Großen war Unsicherheit vernehmbar, auch Trainer Peter Neururer hat sich noch kein abschließendes Urteil über Bochums neuen Aggregatzustand gebildet. „Wir wollten hier auftreten wie ein Uefa-Cup-Kandidat… beziehungsweise wie ein Uefa-Cup-Teilnehmer“, sagte er – als wisse er noch nicht so recht, ob Bochum nun groß ist oder es erst noch werden will. In jedem Fall wollte er damit zu verstehen geben, dass seine Mannschaft durchaus auf Sieg spielen wollte.“
morgen auf indirekter-freistoss: die Sonntagsspiele in Stuttgart und Bielefeld
Bundesliga
Der Saisonstart scheint Bestätigungen geliefert zu haben
Kommentare zum 1. Spieltag – Reiner Calmund erhält von den Bayer-Fans den „Oscar fürs Lebenswerk“ – das Krisen-Management in Bremen u.v.m.
Schon viel passiert am ersten Spieltag – Rainer Seele (FAZ 9.8.): „Die erste Fußball-Klasse, um die es erst einmal Nacht wurde, präsentierte sich im grellen Sonnenlicht wie eine Wundertüte – sie enthielt eine Reihe Überraschungen, die natürlich nicht jedem gefielen, sondern auch manchem auf den Magen schlugen. Den Pfälzern oder den Dortmundern beispielsweise, die – trotz neuer sportlicher Führung – im alten Trott weitermachten, gemessen jedenfalls am Resultat. Noch aber scheinen sich Aufregung und Ärger über Unzulänglichkeiten in Grenzen zu halten, weil frühe Patzer sich als reparable Pannen darstellen. Die wirklichen Qualitätsfragen werden erst noch gestellt werden – wenn die Hitze ein bißchen nachgelassen hat und frischere Luft die Atmosphäre in den Stadien prägt. Immerhin scheint der Saisonstart doch gewisse Bestätigungen geliefert zu haben. Etwa jene, daß die beiden vermeintlich besten Mannschaften der Liga, Meister Werder Bremen und Rekordmeister Bayern München, über die notwendige Stabilität und die Qualität verfügen, um ein strapaziöses Jahr auf hohem Niveau meistern zu können.“
Die Bayern haben eine vielseitigere, lebendigere, stärkere Mannschaft als im Vorjahr
Ist der FC Bayern schon auf Meisterkurs, Philipp Selldorf (SZ 9.8.)? „Für die Behauptung, dass die Bayern-Profis am 21. Mai 2005 den Inhalt absurd großer Weißbierflaschen über ihren Trainer kippen und anschließend im Konfetti baden werden, finden sich genügend Argumente, obwohl die Partie beim HSV keine Offenbarung von Genie und Schönheit war. Doch sie bot die Anhaltspunkte, um zu sagen: Die Bayern haben dank Lucio, Görlitz, Frings und Hashemian eine vielseitigere, lebendigere, stärkere Mannschaft als im Vorjahr und ihr gutes Einkaufsgeld nicht verschwendet (…) Schwieriger als zu erklären, warum Bayern vermutlich Meister wird, ist es, Argumente zu sammeln, warum sie’s nicht werden sollten. Und noch schwieriger scheint es, sie bei der Konkurrenz zu finden. Da ist zuerst Werder Bremen, nach Auffassung von Trainer Schaaf besser besetzt als im Meisterjahr. Stimmt das? Vielleicht, aber die Bremer erwartet diesmal die Mühsal der Champions League, und es besteht Anlass zur Sorge, dass einige Spieler, Micoud etwa, Probleme bekommen könnten, wieder die Klasse der vergangenen Spielzeit zu erreichen. Schalke, Leverkusen, Stuttgart? Besitzen Qualität, aber zu viele Schwachpunkte. Dortmund? Nicht der Rede wert, um es höflich zu formulieren. Es sieht also nicht gut aus für die, die den FC Bayern nicht leiden können. Ihnen bleibt aber die Hoffnung, dass die Champions League ein wenig Schadenfreude bietet.“
Oscar-Verleihung fürs Lebenswerk
Eine letzte große Leverkusener Bühne für Reiner Calmund – Jörg Stratmann (FAZ 9.8.): „In Leverkusen müssen sie ihre neuen Bedingungen erst noch ordnen, unter denen der Klub die Zukunft angehen will. Insgesamt werden sie sich als Team noch finden müssen, dessen Star Lucio, der in zähen Spielen die Kollegen stets mitzureißen versuchte, nun für München verteidigt. Auch die Klubführung versucht nun, ohne volkstümlichen Kopf zu arbeiten. Dabei merkte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Stadion, daß er am Erbe seines früheren Kollegen noch schwer tragen wird. Als er Reiner Calmund vor dem Spiel verabschiedete, inszenierte das dankbare Publikum eine Oscar-Verleihung fürs Lebenswerk und pfiff gleichzeitig auf Holzhäuser. Auch daran wird nur sportlicher Erfolg etwas ändern können.“
Erik Eggers (Tsp 9.8.) wirft ein: „Seltsam nur, dass der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink die Ehrung von der Tribüne aus verfolgte. Und dass das Stadionheft erst im hinteren Teil auf Calmund einging. Calmund selbst hatte zuvor in einem Fernsehtalk gesagt, dass gezielte Indiskretionen aus dem Klub sein Image beschädigen sollten. Damit spielte er auf eine kürzlich veröffentlichte Geschichte an, in der Calmund unterstellt wurde, er habe sich bei Transfers bereichert. Ein Beweis dafür fehlt.“
Jörg Marwedel (SZ 9.8.) kommentiert das Krisen-Management im Weserstadion: „Irgendwann haben sie den roten Teppich, auf dem eigentlich Werner Hackmann, der Präsident der DFL ein paar feierliche Worte zur Eröffnung der Saison 2004/2005 sprechen sollte, diskret fortgeschafft. Den kleinen Jungen und Mädchen, die in den Trikots der 18 Klubs mit auf den Rasen laufen sollten, hatte man beigebracht, dass es nichts würde mit ihrem schönen Auftritt, weshalb bei einigen die Tränen flossen. Und als gegen Mitternacht, die Saisonpremiere war gerade eine halbe Stunde vorüber, Wilfried Straub vor die Vertreter der Medien trat, fühlte man sich unwillkürlich an Red Adair erinnert, den legendären amerikanischen Brandbekämpfer. Jedenfalls wirkte der erste Geschäftsführer der DFL nicht nur abgekämpft, sondern auch ziemlich zufrieden mit sich und dem Krisenstab – als habe man soeben eine der größten Katastrophen in der Geschichte des deutschen Fußballs abgewendet. „Wir haben“, sagte Straub mit Schweißperlen auf der Stirn, „einen guten Job gemacht da oben in der Regiezentrale.“ Dann fügte er an: „Wir waren in jeder Phase Herr unserer Entscheidungen.“ Letzteres schien dann doch ein bisschen übertrieben, denn es fehlten, wie Straub selbst kurz darauf einräumte, wegen eines Stromausfalls genau zwei Minuten, dann hätten er oder die Polizei das erste Spiel der Saison abgesagt und 42 109 Menschen nach Hause geschickt, bevor es endgültig dunkel wurde. Gerade noch rechtzeitig schien dann zumindest das Flutlicht mit dem Notstromaggregat gewährleistet zu sein. „Die Sicherheit der Zuschauer“, sagte Straub, „hatte Primat. Wir hätten das Stadion nicht bei Nacht und Nebel ohne Licht entleeren können.“ Was war passiert, dass kurz vor dem geplanten Anpfiff das Weserstadion zu einem Ort des Notstands wurde und Millionen Fernsehzuschauer verwundert vor den Bildschirmen saßen und in der ARD Filmkonserven vorgesetzt bekamen? Die exakte Antwort gab es erst am Samstag. Eine der vielen zehntausend Muffen im 6000 Kilometer langen Stromnetz der Hansestadt hatte, so eine Sprecherin des Energieversorgers swb Norvia, „den Geist aufgegeben“ und einen Kurzschluss ausgelöst. So kam es, dass die in ihren Statuten auf fast alle Wechselfälle des Fußballlebens vorbereiteten Funktionäre plötzlich vor einem ganz neuen Fall standen, der sie prompt in Konflikte trieb. Zwar wies Straub vehement die Vermutung zurück, man habe auf Intervention der zahlungskräftigen Partner ARD und Premiere den Anpfiff immer wieder hinausgeschoben, doch genau dieser Eindruck drängte sich während hektischer Beratungen mit den TV-Vertretern auf.“
Sonntag, 8. August 2004
Interview
Bei der Trainersuche haben sich DFB und DFL präsentiert wie ein Karnickelzuchtverein
Rudi Assauer teilt erneut aus in alle Richtungen aus (WamS) – Christian Ziege im FAS-Interview
Thorsten Jungholt (WamS 8.8.) spricht mit Rudi Assauer, der erneut in viele Richtungen austeilt
Wams: Leverkusens Reiner Calmund hat aufgehört, Sie sind 60, auch Münchens Uli Hoeneß denkt laut über seinen Rückzug nach. Dafür rücken junge Führungskräfte nach, für die ein Fußballverein nichts anderes als ein beliebiges Wirtschaftsunternehmen ist. Gehen der Liga die Manager mit Stallgeruch aus?
RA: Absolut. Es kommen zu viele Leute in die Branche, die das Geschäft nicht von der Pike auf gelernt haben. Man muss nicht Fußball gespielt haben. Aber man muss wissen, was auf dem Rasen, in der Kabine, in einer Mannschaft abgeht. Das ist ein anderes Know-how, als es diese jungen Burschen haben, die ein Studium abgeschlossen haben, aber zu wenig vom Kerngeschäft wissen. Natürlich sind wir Wirtschaftsunternehmen – aber nicht nur. Im Fußball hast du es mit Menschen zu tun, die dir den totalen Erfolg oder Misserfolg bringen, die einmal pro Woche, samstags um 15.30 Uhr, funktionieren müssen, vor 50 000 Zuschauern und Millionen vor dem TV, dabei aber von elf anderen gestört werden. Die bekämpfen sich, um die Frage zu klären: Wer ist der Bessere? Diesen Termin kann ich von meiner Sekretärin nicht verlegen lassen.
Wams: Es braucht also mehr Stallgeruch und weniger Nadelstreifen?
RA: Ja, die alte Generation stirbt aus, es bleiben Nadelstreifenträger, die tolle Zertifikate haben, aber nicht wissen, was einen Spieler bewegt. Am Ende wird dabei herauskommen, dass die Trainer allein das Sagen haben im sportlichen Bereich. Die jungen Trainer haben das erkannt und versuchen schon, immer mehr Einfluss in den Vereinsgremien zu gewinnen. Doch das ist gefährlich, das würde ich nie zulassen.
Wams: Warum nicht?
RA: Wenn der Erfolg nicht da ist, geht ein Trainer zum nächsten Klub. Dann kommt der nächste und hat wieder einen völlig neuen Plan, es gibt keine langfristige Strategie mehr. Der Trainer darf nicht allmächtig sein.
Wams: Auch der DFB hat seinen neuen Bundestrainer mit viel Macht ausgestattet. Warum stehen Sie der Lösung mit Klinsmann, Bierhoff und Löw so kritisch gegenüber?
RA: Klinsmann hat bis heute nix trainiert. Bierhoff hat nix trainiert und gemanagt. Und Löw hat sicher Erfahrung, ist aber nur Assistent. Diese drei sollen den deutschen Fußball nach vorne bringen? Da fehlt mir der Glaube.
Wams: Die DFL hält Ihre Kommentare für wenig hilfreich. Ligapräsident Werner Hackmann möchte, dass bei solchen Themen „nicht jeder seinen Senf dazugibt“, sondern die DFL reden lässt. Werden Sie sich daran halten?
RA: Herr Hackman soll sich an die eigene Nase packen. Er mischt sich ja auch bei uns ein, mit Anmerkungen zu unserem Anleihemodell. Nein, ich nehme nichts zurück. Es kann ja passieren, dass ein Rudi Völler zurücktritt. Aber danach hätten sich die Würdenträger von DFB und DFL hinsetzen und sagen müssen: In den nächsten vier bis sechs Wochen werden wir eine Entscheidung über den Nachfolger treffen. Dazwischen gibt es keine Wasserstandsmeldungen. Aber das konnten sie nicht, vor allem der Franz Beckenbauer hat jeden Tag einen neuen Namen ins Spiel gebracht. Und keiner hat sich getraut zu sagen: Jetzt halt doch endlich mal den Mund, du machst alle verrückt.
Wams: Immerhin konnte er seinen Wunschkandidaten Lothar Matthäus nicht durchdrücken.
RA: Der wäre natürlich das Nonplusultra gewesen. Dann hätte Schalke die Lizenzspielermannschaft aus der Bundesliga abgezogen und in Holland angemeldet. Nein, auch wenn vieles unvorhersehbar war: Bei der Trainersuche haben sich DFB und DFL präsentiert wie ein Karnickelzuchtverein.
Wams: Obwohl in Hackmann und Gerhard Mayer-Vorfelder zwei erfahrene Ex-Politiker an der Spitze stehen.
RA: Die kommen aber nur alle zehn Jahre in die Verlegenheit, einen Trainer suchen zu müssen. Es gehören keine Politiker an die Spitze, sondern Profis. Warum keine ehemaligen Bundesligamanager? Vielleicht weil die nicht so gut Strippen ziehen können. Man muss Leute installieren, die mehr von der Materie verstehen, so wie Frankreich mit Platini. Aber anstatt den Wasserkopf abzuschlagen, ist bei uns sogar noch diese unsägliche Doppelspitze installiert worden. Das ist auch so ein fauler Kompromiss.
Michael Ashelm (FAS 8.8.) spricht mit Christian Ziege über den Unterschied zwischen Deutschland und England
FAS: Was können Sie aus Ihrem reichen Erfahrungsfundus in Gladbach einbringen?
CZ: Was meine Auslandserfahrung angeht, unterscheiden sich nicht viele Dinge vom deutschen Fußball. Fußball auf dem Platz ist doch meistens sehr ähnlich. Der große Unterschied zu England ist einfach, daß der Fußball dort schneller und härter ist. Durch die offene Führung des Schiedsrichters auf dem Platz gehen härtere Aktionen öfters durch. Da muß ich mich hier in der Bundesliga noch umstellen.
FAS: Man kann auch sagen: Die englischen Profis sind nicht so wehleidig.
CZ: Wenn man in England nach einem Foul liegenbleibt und ein großes Affentheater macht, obwohl man zwei Minuten später wieder aufstehen und weiterspielen kann, dann hat man das ganze Stadion gegen sich. Das ist eine gewisse Erziehung der Fans gegenüber den Spielern. Wenn du liegenbleibst, dann muß schon das Bein gebrochen sein.
FAS: Fehlt den deutschen Spielern dieser Ehrgeiz?
CZ: Mir hat das sehr gut gefallen in England. Diese Schwalbenkönige, die sich tausendmal drehen und fallen, die gibt es auf der Insel ganz wenig. Ich würde mir von der Schiedsrichterführung eines Spiels wünschen, daß es hier auch so wäre in der Bundesliga.
Internationaler Fußball
Nichts gewonnen ausser Spott und Mitleid
Bei Inter Mailand hat sich nicht viel verändert, Peter Hartmann (NZZaS 8.8.): „Die Spiele in der Qualifikation zur Champions League haben für Inter höchste Ernstfallstufe, und, wie jedes Jahr, hat bei dem chaotischen Klub eine Palastrevolution stattgefunden. Denn seit 1995, seit der Ölhändler Moratti das Kommando übernommen und mittlerweile rund 750 Millionen Euro in seinen Traum investiert hat, um den Scudetto, das Meisterschaftsabzeichen, zu erobern – in dieser ganzen Zeit hat der Verschwender, privat ein liebenswerter Mensch, alles andere als ein Despot, sondern ein ungeduldiger Zweifler, nichts gewonnen ausser Spott und Mitleid. Die Liste der Stars, die er anheuerte und wieder feuerte, liest sich wie das Panini-Album für Sammelbildchen. Es kamen und gingen, ohne erkennbare Strategie: Roberto Carlos (von Roy Hodgson weggemobbt), Sforza (den Hodgson unbedingt wollte), Ince, Djorkaeff, Kanu, Ronaldo, Roberto Baggio, Seedorf (jetzt beim gehassten erfolgreichen Stadtrivalen Milan, wie übrigens auch Pirlo, ein nicht erkanntes Talent), die Torhüter Pagliuca, Frey und Peruzzi, Sükür, Conceiçao, Crespo (auch er jetzt bei Milan). Geblieben sind Vieri, Toldo, Materazzi, Cristiano Zanetti, Javier Zanetti, Cannavaro, van der Meyde, Cruz, Recoba – und Adriano, den Moratti allerdings leichtfertig schon zur Hälfte an Parma verkauft hatte und im letzten Januar für 21 Millionen Euro zurückholen musste. Vieri wurde trotz dem laufenden Vertrag über Agenten Klubs wie Real Madrid, Chelsea und Juventus angeboten, aber sein Jahressalär von 6 Millionen Euro für einen 31-jährigen Stürmer mit fragilen Gelenken war zu abschreckend. Der neue Trainer Roberto Mancini, der elfte in der Moratti-Galerie, steht unter dem Zugzwang, der formlosen, zerstrittenen Truppe endlich ein attraktives Spielkonzept beizubringen.“
Ball und Buchstabe
„Knall auf Fall“ nach der Vicky-Leandros-Olympia-Gala
Die Bundesliga sollte ihre Marke im Ausland stärken und etablieren (FAS) – Kritik an Sportjournalisten und ihrer Sprache, „sie reportieren nicht mehr, sie apportieren. Vor allem Zitate, mögen sie noch so dumm sein“ (SZ) u.a.
Auf der Netzseite der DFL, dem Schaufenster in die Liga, wird nur Deutsch gesprochen
Die Bundesliga sollte ihren Marktwert auf internationalem Terrain verbessern, meint Michael Ashelm (FAS 8.8.): „“Aus unserer Sicht wird die Bundesliga im Ausland nicht richtig nachgefragt“, sagt Robert Müller von Vultejus. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Sportfive-Dependance in Hamburg, der Rechteagentur, die in den nächsten zwei Jahren die Bundesliga bei ausländischen Sendern unterbringen muß. Zwar können in dieser Saison bewegte Bilder der Bundesliga angeblich in 150 Ländern rund um den Globus gesehen werden, aber als viertwichtigste Liga hinter der englischen Premier League, der Primera Division und der Serie A hat deutscher Vereinsfußball das Nachsehen: weniger verfügbare Mittel, weniger Stars, weniger attraktive Sendeplätze – so einfach funktioniert das Geschäft. Zwar heißt es bei der DFL: „Wir sind auf allen wichtigen Märkten vertreten, die strategisches Potential für unsere Klubs haben.“ Also Europa, China, Japan und Nordamerika. Doch oft genug verschwindet die Bundesliga in irgendwelchen Pay-TV-Abspielstationen oder wird in Kleinstzusammenschnitten auf unattraktive Sendeplätze verschoben. Großes, unerreichbares Vorbild ist die Premier League – natürlich auch aus historischen Gründen der englischen Kolonialzeit herrührend. Der mit aller Kraft vermarktete Klubfußball von der Insel kann inzwischen in 160 Ländern von 570 Millionen Haushalten verfolgt werden. 146 Millionen Euro erzielen die Klubs aus dem Verkauf der Fernsehrechte außerhalb Englands – die DFL nimmt nur 15 Millionen Euro ein. Nach einer Reichweitenmessung in Europa während eines ausgewählten Monats der vergangenen Saison erreichte die Primera Division 140 Millionen Fernsehzuschauer, die Bundesliga lag mit 10 Millionen sogar noch hinter Frankreich. Das soll sich ändern. Während über viele Jahre die Rechte der Bundesliga nur der Refinanzierung des untergegangenen Kirch-Imperiums dienten, soll nun im Ausland erst einmal in den Markenaufbau investiert werden. „Die Spiele müssen gesehen werden, dafür werden wir dem Free-TV den Vorzug geben vor dem Pay-TV. Auch wenn man dabei den einen oder anderen Euro weniger verdient“, sagt Müller von Vultejus. Als Begleitprogramm sollen mehr Spiele deutscher Mannschaften zum Beispiel auf dem Boom-Markt in Fernost stattfinden, angedacht wird bei Sportfive auch eine Art Ligapokal in Asien unter Beteiligung ansässiger Teams. Der umtriebige FC Bayern, der jetzt schon seine Spiele und mehr über das Internet in englischer Sprache anbietet, wird nach dieser Saison auf China-Tour gehen. Und auch Hertha BSC knüpft dort erste engere Kontakte. Doch nicht alle Klubs zeigen sich so weltoffen. Das beweisen allein die Internetauftritte. Nur etwas mehr als die Hälfte aller Bundesligateams verfügt über ein mehrsprachiges Angebot. Und auch auf der Netzseite der DFL, dem Schaufenster in die Liga, wird nur Deutsch gesprochen.“
Licht aus in Bremen, Herr Delling, das wäre Ihre Chance gewesen – vertan! Volker Weidermann (FAS 8.8.): „Es gibt kein Spiel. Es gibt kein Bild. Und die ARD erlebt eines der größten vorstellbaren Desaster. Die ganze Woche lang hatte man sich und seine „Sportschau“ gefeiert, wie man das in der letzten Saison hinbekommen hat. Und dann: kein Strom. Und jetzt also: Sternstunde? Nein: DJ Ötzi. Zunächst ist das Bild schwarz. Dann blau. Dann gibt es die Bremer Meisterfeier in scheinbarer Endlosschleife mit mitgesungenem Schauer-Meister-Song. Dann ein abgrundtief schlechtes Charisteas-Porträt, das immer wieder von Gewitterbildern unterbrochen wird, und man fragt sich schon: Ist das ein Zeichen? Plötzliche Live-Bilder des schrecklichen Unwetters, das Bremen verwüstet? Oder die ARD-Anstalten? Dann kommt einfach so eine Schlagerveranstaltung mit DJ-Ötzi und Jürgen Marcus. Und hört immer noch nicht auf. Dann wird die Vicky-Leandros-Olympia-Gala vom Vorabend wiederholt, und endlich, nach endlosen fünfzig Minuten schaltet sich Thomas Roth aus dem „Bericht aus Berlin“-Studio ein, erklärt, es gebe keinen Strom in Bremen, das sei ärgerlich, und man zeige jetzt den Film „Knall auf Fall“ oder so ähnlich. Eine Viertelstunde läuft dann der Film, und endlich, endlich beginnt das Spiel. Reporter Gerhard Delling muß per Handy kommentieren, man versteht ihn kaum, und seine Sternstunde hat er versäumt. Ein paar schlechte Stromwortspiele, und er kommentiert geschockt und müde ein müdes Spiel zu Ende.“
Sie reportieren nicht mehr, sie apportieren. Vor allem Zitate, mögen sie noch so dumm sein
Edgar Fuchs (SZ/Medien 7.8.), ehemaliger Chefredakteur der Sport-Bild, klagt über die Sprache der Sportjournalisten: „Vor einigen Wochen im Kicker, auf Seite Eins: „Die Krise der Knipser“. Wie denn, was denn? Der Kicker ist weder das Fachblatt der Bahnschaffner, die mit einer Zange Fahrkarten lochen, noch das der Hobby-Fotografen, die auf den Auslöser einer Agfa drücken. Und er ist nicht im entferntesten verdächtig, einer sprachlichen Avantgarde anzugehören. Er ist eher so altbacken wie die Fußball-Regeln, und dennoch will er sich der Moderne nicht entziehen. Wenn alle davon reden, Stadion-Stammler wie Rolf Töpperwien oder Jörg Dahlmann, dass die für das Erzielen von Toren zuständigen Profis „Knipser“ sein müssen, warum auch immer, dann nimmt auch das Fachblatt den verbalen Flachpass schussendlich auf. Nun könnte man vor Start der Bundesliga sagen, eine Schlagzeile im Kicker sei so unbedeutend wie ein Tor von Hansa Rostock beim VfL Wolfsburg. Aber eine Analyse zeigt, dass mehr Menschen in der Zeitung den Sport vor den Lokalnachrichten, dem Feuilleton, der Wirtschaft und der Politik lesen. Hier wird Meinung gebildet, hier entstehen Sprachmuster. Als der 17-jährige Boris Becker erstmals Wimbledon gewonnen hatte, verfielen Hundertschaften von Berichterstattern in seine Pubertäts-Prosa: Die Begriffe „super-gut“, „total“, „mega-geil“ waren von da an Pflicht, Boulevard-Sportberichte wurden Jugend-Jubelarien. Auch der Berufs-Franke Günther Koch, im Nebenberuf Pädagoge, der seinen Kultstatus einem Redefluss verdankt, mochte sich dem nicht entziehen. Nachdem Bild für den Begriff „Tor“ neben dem Wort „Bude“ den ebenso unerklärlichen Begriff „Kiste“ eingeführt hat, schrie der BR-Exot: „Er macht das Kisterl.“ Koch spricht auch von „volle Hütte“, wenn ein von herausragenden Architekten entworfenes Stadion ausverkauft ist. Dabei lässt gerade das Fränkische die schönsten Formulierungen zu: Als der 1. FC Nürnberg mehrmals Spiele in letzter Minute verloren gab, juchzte ein weiblicher Fan ins Mikro: „Der Club is a Depp, aber ich mooch nen.“ Den Plauder-Profis fallen nur die von Deutsch-Dilettanten begangenen Verbal-Verbrechen auf, die sie zu Nachahmungstätern werden lassen. Warum tun Erwachsene das? Warum Sportjournalisten, die ihr Selbstbewusstsein aus der Überzeugung bezogen, dass sie körperlich zwar nicht so leistungsfähig sind wie die von ihnen Beschriebenen, diesen aber intellektuell überlegen? Es scheint, sie sind dessen nicht mehr so sicher. Und deshalb reportieren sie nicht mehr, sie apportieren. Vor allem Zitate, mögen sie noch so dumm sein. Und suchen die Anerkennung mit Insider-Begriffen. (…) Nach peinlichen Generalproben vor der Europameisterschaft hatte der Kicker unterwürfig getitelt: „Das darf besser werden“. Das gilt auch für manche im Sportjournalismus.“
Bundesliga
Den Oscar des Abends haben sich die Fans beider Mannschaften verdient
Werder Bremen-Schalke 04 1:0
Roland Zorn (FAS 8.8.): „Was im Weserstadion zunächst nicht zu sehen war, wird die Geschichtsbücher der höchsten deutschen Fußballklasse anreichern, da sich 42000 Zuschauer über eine Stunde wie auf dem Bahnhof oder dem Airport vorkamen. Warten auf den Zug, Warten auf den Abflug, Warten aufs Spiel: Blackout in Bremen. Fünf Minuten vor dem geplanten Spielbeginn um 20.30 Uhr fiel der Strom in der Arena und den umliegenden Straßen und Häusern aus – nur die Flutlichtanlage, von einem Notstromaggregat gespeist, verbreitete taghelles, trügerisches Kunstlicht. Dagegen tappten die Fernsehtechniker von ARD und Premiere im Dunkeln. Auf den Bildschirmen des „Ersten“ trällerte Vicky Leandros – Ailton aber, gestern noch ein Star in Bremen, heute die Personifizierung der großen Schalker Saisonhoffnungen, dehnte und streckte sich im endlos langen Vorprogramm zur verspäteten Premiere. Als von 21.36 Uhr an, nach intensiven Krisengesprächen aller Beteiligten und der Versicherung der Bremer Stadtwerke, die düstersten Befürchtungen seien überwunden, der Ball endlich rollte, spielte der königsblaue Brasilianer wie alle Profis nur noch eine Nebenrolle. Der Fußball war, wie so oft nur behauptet wird, zur schönsten Nebensache der Welt geworden. Den „Oscar“ des Abends hatten sich längst die Fans beider Mannschaften verdient, aber auch die Spieler, die ihre Gefolgschaft wie gelernte Animateure bei Laune hielten. (…) Nur gut, daß Werder nach einer energiefreien ersten Halbzeit nicht saft- und kraftlos wirkte und im zweiten Durchgang dann doch noch mit etwas Glück und reichlich verspätet sein erstes Etappenziel der Saison erreichte. Die Nachtschicht hatte sich für die Grün-Weißen, vor allem für den erst nach 73 Minuten eingewechselten Stürmer Valdez, gelohnt. Der Paraguayer dringt auf einen Stammplatz im Bremer Angriff de luxe, in dem er und Ivan Klasnic derzeit die Funken zum Stieben bringen. Ailton und der starke Mladen Krstajic dagegen deuteten Alt-Bremer Qualitäten an, hatten auch ihre Torgelegenheiten und blieben doch letztlich freundliche Besucher am früheren Arbeitsplatz Weserstadion. Daß die Zeiten andere geworden sind, bekam Ailton zu spüren, als er nach Spielschluß lieber im dunklen Bremen bleiben wollte, als in den erleuchteten Schalker Bus einzusteigen. Die Bitte des Brasilianers beantwortete Trainer Jupp Heynckes mit einem eindeutigen Handzeichen. Damit war klar: Nach einem Abend zwischen Licht und Schatten mußte sich Ailton von seinem geliebten Bremen fürs erste wieder verabschieden. Er fuhr mit den Schalkern davon – ins natürliche Dunkel der Nacht.“
1. FC Kaiserslautern-1. FC Nürnberg 1:3
Martin Hägele (NZZaS 8.8.): „Es hätte ein neuer Anfang werden sollen. Nach all dem Theater und den Skandalen, die es in der Legionärstruppe des 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen zwei Jahren gegeben hatte. Deutsch wurde offiziell zur Amtssprache, die Gehälter wurden reduziert, und neun Professionals, die zum Profil dieses volkstümlichen Klubs und der Region passen sollten, wurden verpflichtet. Doch um diese Vision des Vorstandsvorsitzenden René C. Jäggi ist es schon nach dem ersten Spieltag schlecht bestellt. Den „roten Teufeln“ wird es auch in dieser Saison nicht viel besser ergehen als in der vergangenen, weil es der Mannschaft an fussballerischer Klasse fehlt. Alt-Internationale wie Nerlinger oder Jancker sind nun mal keine Verstärkungen oder Führungs-Spieler; man hat diese Leute nicht ohne Grund in Glasgow und Udine aussortiert. Viele Anhänger haben den Betzenberg schon lange vorm Schlusspfiff verlassen; in der Gewissheit dass schon vom zweiten Spieltag an Abstiegskampf angesagt ist in der Pfalz. Aufsteiger Nürnberg demonstrierte dabei deutlich, woran es dem Ensemble Jaras fehlt. Diese Mannschaft ist sowohl mit den Beinen als auch in den Köpfen zu langsam.“
Thomas Klemm (FAS 8.8.): „Wenn der Auftakt der 42. Bundesligasaison ein Omen für den deutschen Fußball sein sollte – dann gute Nacht! Schwarzseher mögen sich bestätigt gefühlt haben am Freitag, als im Bremer Weserstadion erst nichts und dann wenig zu sehen war vom großen Kick. Nach dem mehr als einstündigen Stromausfall und dem folgenden neunzigminütigen Schwachstromfußball der Spitzenklubs von Bremen und Schalke scheine sich jene Tristesse fortzusetzen, die in der vorigen Saison herrschte, wenn deutsche Mannschaften in europäischen Wettbewerben antraten, könnten Pessimisten kritteln. Berufsoptimisten wie Wilfried Straub hingegen betrachteten den Blackout von Bremen scherzhaft als gutes Signal, sahen am Ende des Dunkels einen schillernden Auftakt für eine spannende Saison, wie ihn die DFL und ihr Geschäftsführer den Fußballfreunden hierzulande versprochen hatte. In der Düsternis kann man sich eben alles oder nichts vorstellen. (…) Bleibt der glorreichen Bundesliga und dem Nationalteam nur eines zu wünschen: Mehr Licht!“
Samstag, 7. August 2004
Interview
Interview mit Klaus Allofs
Interview
Henning Peitsmeier & Winand von Petersdorff (FAS/Wirtschaft 1.8.) fragen Klaus Allofs nach der Strategie des Unternehmens Werder Bremen
FAS: Wie erklären Sie das Phänomen, daß die Bundesliga in den Augen vieler attraktiver geworden ist, aber drei Viertel der Vereine hoffnungslos überschuldet sind?
KA: Bei uns ist das ja nicht so. Aber ein Grund sind die fehlenden Fernsehgelder nach der Kirch-Pleite, die dazu führten, daß einige Vereine ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten.
FAS: Oder ist es einfach schlecht bestellt um das Controlling bei den Vereinen?
KA: Es gibt natürlich einige Bereiche, die man verbessern kann. Manche heute verschuldete Vereine sind in der Vergangenheit ein höheres Risiko eingegangen mit Blick auf die zu erwartenden Einnahmen.
FAS: Wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund…
KA: … es gibt ja unterschiedliche Auffassungen von Risiko. Für einen Verein wie Schalke ist eine Millionen-Anleihe vielleicht zu vertreten, weil er in der eigenen Planung mit einem über Jahre ausverkauften Stadion kalkuliert.
FAS: In so eine Planung paßt dann kein Bundesliga-Abstieg.
KA: Genau. Das ist das Risiko. Bei Werder Bremen würden wir so ein Risiko nicht eingehen.
FAS: Können Sie Werder-Trikots in Asien verkaufen, um zusätzliche Einnahmen zu erhalten?
KA: Ich bin davon überzeugt, daß man dort Werder-Trikots kaufen kann. Aber nur als Raubkopien. Wir haben eine Internetseite auf chinesisch und stellen fest, daß Chinesen dort auch ordern. Die Einnahmen daraus sind allerdings zu vernachlässigen.
FAS: Wie kommt deutscher Fußball in Asien an?
KA: Unsere Spiele werden ja schon im chinesischen Fernsehen gezeigt. Wir müssen insgesamt dafür sorgen, unser Produkt Bundesliga-Fußball international besser an den Mann zu bringen. Der asiatische Markt, aber auch andere Auslandsmärkte sind interessant für Merchandising, auch für Sponsoring.
FAS: Müssen Sie jetzt nicht als deutscher Meister ein höheres Risiko eingehen, um Schalke oder gar Bayern einzuholen?
KA: Klar ist, jedes Jahr, in dem man nicht international spielt, enteilen einem die großen Klubs. Die Bayern sind schon weit weg. Da kommen wir mit dem Umfeld in Bremen nicht ran. Klar ist auch, Arm und Reich driften in der Liga weiter auseinander. Deshalb müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, international dabeizusein. Unser Ziel ist es, dauerhaft oben mitzuspielen.
FAS: Letzte Frage: Wer wird deutscher Meister?
KA: Wir.
Internationaler Fußball
Mehr als nur ein sportlicher Wettkampf
Japan und China im Finale des Asien-Cups – Harald Maass (Tsp 7.8.) schildert die Rivalität außerhalb des Spielfelds: “Es begann mit harmlosen Pfiffen der chinesischen Fußballfans. Dann tauchten beim derzeit in China stattfindenden Asien-Cup Transparente auf, die Japans Kriegsvergangenheit kritisierten. Es kam zu Rangeleien nach den Spielen, bösen Wortgefechten. Mittlerweile beschäftigen die Animositäten rund um das Fußballturnier die Regierungen in Tokio und Peking. Der Streit zeigt die unbewältigte Geschichte zwischen den asiatischen Nachbarn. 6000 Sondereinheiten der Volksbefreiungsarmee werden am Samstag das Arbeiterstadion in Peking bewachen, wenn Japan und Chinas Fußballer im Finale aufeinander treffen. Um Ausschreitungen zu verhindern, würden die japanischen Fans in einem speziell gesicherten Abschnitt des 65 000 Zuschauer-Stadions sitzen, erklärten die Veranstalter. Die japanische Botschaft in Peking gab am Freitag dennoch eine Sicherheitswarnung heraus. Japans Anhänger sollten nicht im Nationaltrikot durch Peking gehen und Menschenansammlungen vermeiden, hieß es in einer Mitteilung der Botschaft. Ein halbes Jahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg und der japanischen Invasion 1937 hegen viele Chinesen bis heute eine tiefe Abneigung gegen das Nachbarland. Die Kriegsverbrechen der japanischen Soldaten, für die sich Tokio aus Chinas Sicht nie richtig entschuldigt hat, sind bis heute unvergessen. „Schaut euch die Geschichte an, und entschuldigt euch bei den Menschen in Asien“, hieß es auf einem der vielen Transparente, die chinesische Fans bei den Auftritten der japanischen Fußballer hochhielten. (…) In Chinas Internetforen rumort es. Für viele ist die Finale längst mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. „Das ist eine fantastische Gelegenheit der Götter! Wir haben die Chance, die Japaner zu vertreiben und unsere Schande wegzuwischen“, schrieb ein Internetnutzer auf Sina.com. „Wir müssen den Krieg gegen Japan gewinnen“, heißt es auf der Webseite der Peking Universität.“
Bundesliga
Wir wollen Fußball sehen
Die SZ (7.8.) berichtet aus Bremen: „Wer hatte den Strom gekappt? War es ARD-Reporter Waldemar Hartmann aus Frust darüber, dass er in der Sportschau weniger zum Zug kommen soll? Waren es Techniker aus Athen, die nach monatelangem Spott über die Pannen in der Olympiastadt so frustriert waren, dass sie ein anderes Großereignis sabotieren wollten? Irgendwann sickerte die Meldung durch, ein bei Bauarbeiten in der Nähe des Weserstadions durchtrenntes Stromkabel habe für den blackout gesorgt, aber eines ist klar: Über irgendwelche technischen Malheurs in der griechischen Olympiastadt sollte sich kein Deutscher lustig machen. (…) Als erste wurden die mitgereisten Fans aus Gelsenkirchen ungeduldig. „Wir wollen Fußball sehen“, skandierten die Anhänger – doch Frank Rost, Schalkes Torwart, der zehn Jahre im Werder-Kader gestanden hatte, nahm der Situation jede Dramatik, indem er sich vor die Kurve stellte und den Gesang dirigierte. Es waren kuriose, belustigende Szenen, die fast davon ablenken konnten, wie peinlich die Situation an sich war.“
Bundesliga
Ob Europas Fußball endlich auch in den deutschen Stadien ankommt?
„Ob Europas Fußball endlich auch in den deutschen Stadien ankommt?“ (taz) – Jürgen Klopp, „ein Fußballtrainer, der etwas sagt! Zum Spiel! Im Phrasenland der Bundesliga ist das sensationell“ (taz) – Felix Magaths neo-konservativer Führungsstil, „Moralismus kann pädagogisch wertvoll sein“ (SZ) / „es ist einiges anders geworden beim FC Bayern“ (FAZ) – die seltsamen und erfolgreichen Methoden des Wolfgang Wolf (SZ) – die taz beäugt die Finanzen der Liga skeptisch u.v.m.
Was ist von der Saison zu erwarten, Matti Lieske (taz 7.8.)? “Schon während des EM-Turniers zeigte sich deutlich, dass man hierzulande fest entschlossen war, den in Portugal gebotenen Fußball auch nach dem Abschied des DFB-Teams zu genießen. Die Einschaltquoten für die Spiele waren auch ohne deutsche Beteiligung prächtig. Umso fataler, dass inzwischen allenthalben die These propagiert wird, die WM 2006 könne nur dann ein gutes Turnier sein, wenn die Deutschen Weltmeister werden. Ein überaus kleingeistiger Standpunkt, den unseligerweise auch der neue Bundestrainer nach Kräften fördert. Das Abschneiden des eigenen Teams zur Grundlage einer großartigen Atmosphäre und seine Förderung als „nationale Aufgabe“ zu deklarieren, ist mehr als unglücklich. Weit sinnvoller wäre es, sich einfach als guter Gastgeber eines großen Fußballfestes zu betrachten, bei dem sich die besten Mannschaften der Welt hoffentlich attraktive Spiele liefern – egal, ob das eigene Team dazugehört oder nicht. Und dass Jürgen Klinsmann ausgerechnet damit hausieren geht, dass in Portugal überall Plakate mit dem Bild der Nationalmannschaft und der Aufschrift „Wir glauben an euch“ hingen, macht die Sache nicht besser. Dabei handelte es sich lediglich um Werbeposter einer portugiesischen Bank, die Sponsor der Seleçao ist. Der Fußball, der in Portugal gespielt wurde, hat den Fans in Deutschland offenbar gefallen. In den meisten Fällen ein System, das zwar sehr auf Sicherheit bedacht war, bei dem aber rasend schnell und direkt nach vorn gespielt wurde, sobald man den Ball erobert hatte. In Italien, England und Spanien wird seit Jahren so gespielt, nicht aber in der Bundesliga. Da geht es in der Regel so zu, wie es das deutsche Team bei der EM demonstrierte. Die Bälle werden gestoppt, erst mal zurückgespielt, und dann, wenn die gegnerische Abwehr längst formiert ist, beginnt man einen eher behäbigen Angriff. Solange sich an dieser Spielweise in der Liga nichts ändert, wird sich auch im Nationalteam nichts ändern. Da werden auch die kühn avisierten neuen Konzepte des Trainerduos Klinsmann/Löw wenig helfen. (…) Das Gute an Europameisterschaften ist, dass dort die Defizite unnachsichtig aufgedeckt werden. Das war 2000 so, als der von Matthäus geprägte Libero-Fußball seinen Untergang erlebte und danach auch zügig aus der Bundesliga verschwand. Das war jetzt in Portugal so, wo die Langsamkeit, mangelnde Flexibilität und technische Unzulänglichkeit des deutschen Spiels offen zutage trat. Die spannendste Frage der 42. Bundesligasaion wird also nicht sein, wie sich Ailton bei Schalke und Klose in Bremen macht, sondern ob Europas Fußball endlich auch in den deutschen Stadien ankommt.“
Peter Unfried (taz 6.8.) schreibt eine Vorschau und ist sehr angetan von Jürgen Klopp: „Das mit Abstand Spannendste von den unzähligen Vorberichten der letzten Wochen waren Interviews mit Klopp, dem Trainer von Aufsteiger Mainz 05. Klopp, geboren in Stuttgart, aufgewachsen im Schwarzwald, spielte zwölf Jahre als Profi in Mainz, meist gegen den Abstieg aus der Zweiten Liga. Seit er am Faschingsdienstag 2001 auf die Trainerbank wechselte, ist Mainz ein interessanter Fußballort. Manche sinnieren ja schon vom „neuen Freiburg“ und fragen Klopp demnach, ob er auch ein „Linker“ sei – wie ja Volker Finke schon auch. Um es mit dem Soziologen Klaus Theweleit zu sagen: Ach, Kinder, lasst doch den Kram mal bleiben. Den Fußballexperten Theweleit interessiert, ob ein Team einen „aufgeweckten, intelligenten, zivilisierten, modernen Fußball“ spielt. Das zu bewerkstelligen ist allen Anschein nach genau das, womit sich Klopp (wie ja auch Finke) Tag und Nacht beschäftigt. Und jetzt kommt das Spannende: Im Gegensatz den meisten redet er auch (noch) öffentlich darüber, wie, was und warum er etwas macht. Ein Fußballtrainer, der etwas SAGT! ZUM SPIEL. Im Phrasenland der Bundesliga ist das nachgerade sensationell. Zum Beispiel sagt Klopp (in der FAZ) zur monatelang wabernden Frage, was für ein Fußballer eigentlich Michael Ballack sei: „Einer, der einen defensiven Zweikampf gewinnt, loszieht, einen klaren Ball spielt, die Flanke kommt, und er nickt ihn ins Tor.“ Mehr hätte dazu inhaltlich selbst ein Beckenbauer nicht beisteuern können bzw. ganz bestimmt nicht. Klopp hat dem engagierten Fachpublikum zudem einen wunderbaren Köder hingehalten, nach dem man möglicherweise monatelang wird schnappen können. Mainz, sagt er, spiele nicht gegen bestimmte Teams, sondern stets und immer nur „gegen den Ball“. Heißt: Mainz beschäftige sich „extrem damit, was wir machen, wenn der Gegner den Ball hat“, unabhängig davon, wer grade beim Gegner am Ball ist. Im Spiel gegen den Ball will er mit Mainz das beste Team der Liga sein, sagt Klopp. Nicht als offizielles Saisonziel definiert ist der Verbleib in der Bundesliga. Das hat man auch nicht alle Tage. (…) Klinsmann ist Schwabe, und Manager Oliver Bierhoff redet wie ein neoliberaler Jungabteilungsleiter. Aber wenn man die Leistungen, die internationale Erfahrung und Reputation sowie Stil und Auftreten jenseits des Spielfeldes zusammennimmt, welcher Ex-Nationalspieler stünde besser da? Wer jetzt sagt, die Frage sei doch, wo man denn heute noch Leute auf Entscheiderpositionen stelle, die ihren Job nicht erlernt haben? Na, in Klitschen und Familienbetrieben. Und ist der DFB nicht mindestens eins von beiden? Vielleicht sind Verband und Branche noch nicht ruiniert genug für einen Konzepttrainer wie Volker Finke. Ganz bestimmt ist Finke aber auch nicht ruiniert genug, um zum DFB zu gehen. Ob Klinsmann was retten kann, weiß selbstverständlich keiner. Dass immerhin er es probieren kann, obwohl er jahrelang nicht zum Klüngel gehörte, auch das ist ein Fortschritt.“
Moralismus kann sehr anstrengend sein – oder pädagogisch wertvoll
Philipp Selldorf (SZ 7.8.) erläutert Felix Magaths Führung: „Magath möchte durch seine Arbeit mehr verändern als Tabellenstand und Spielrhythmus. Der Trainer betrachtet sich als Erzieher und sucht grundlegend Einfluss zu gewinnen auf die Berufseinstellung der Fußballer und ihr Wertesystem. Nur geht er dabei nicht vor wie sein in Hannover lehrender Kollege Ewald Lienen, der die Spieler darin unterweist, dass Weißmehl und Pommes Frites ein Werk des Teufels sind, und ihnen rigoros ihre Eigenheiten auszutreiben versucht. Moralismus kann sehr anstrengend sein – oder pädagogisch wertvoll. „Spieler, die meinen Führungsstil akzeptiert haben, haben sich auf dem Spielfeld und als Persönlichkeit weiterentwickelt“, meint Magath. „Es geht nicht darum, jemanden umzukrempeln, sondern Orientierung zu schaffen. Wie bei jemandem, der in der Wüste ist und einen Kompass braucht, nach dem er sich richten kann: Wo komme ich her, wo will ich hin?“ Das war nicht immer so. Für die zum Teil sehr schmerzhaften Entlassungen in Hamburg, Bremen und Frankfurt erklärt er niemanden für mehr verantwortlich als sich selbst: „Weil meine Arbeitsweise einfach zu unangenehm war.“ Magath kann erstaunlich ehrlich sein. Akzeptieren heißt im übrigen nicht zwangsläufig unterwerfen, obwohl Magath ein klares Hierarchieverständnis hat, was die Beziehung von Spielern und Trainer angeht. Er setzt voraus, dass alle Macht vom Chef ausgeht, von ihm selbst nämlich. Es ist ein konservatives Gesellschaftsmodell, das er da postuliert, und wie alle Konservativen beklagt er die Erschütterung der wahren Werte. „Unsere Gesellschaft hat mit Autorität ein Problem“, sagt er: „Früher ging Autorität vom Titel aus, das war überzogen. Aber heute wird gar nichts mehr akzeptiert. Das fängt in der Schule an und setzt sich überall fort, natürlich auch im Beruf.“ Als Trainer des FC Bayern hat er ausdrücklich das Mandat, Autorität auszuüben. Manager Uli Hoeneß findet, „dass die Spieler in den letzten zehn Jahren viel zu sehr verwöhnt worden sind“ und dass sie wieder lernen müssten: „Das Maximum heißt: Die Spieler müssen dem Verein dienen.“ Die neue Ära hat nun im Laufschritt begonnen, aber die alten Trägheiten hat sie längst noch nicht abgeschüttelt.“
Es ist einiges anders geworden beim FC Bayern
Elisabeth Schlammerl (FAZ 7.8.) vergleicht Magath mit Ottmar Hitzfeld: „Es ist einiges anders geworden beim FC Bayern unter Felix Magath. Natürlich vor allem das Training, das in der Vorbereitung höchsten Unterhaltungswert geboten hat. Kaum einmal wurden die Bayern-Profis von den Medien so eingehend bei ihren Übungen beobachtet wie in den vergangenen Wochen. Dabei wurde der Unterschied deutlich. Das Anstrengendste, was die Bayern unter Hitzfeld in den Sommermonaten hatten leisten müssen – so hatte der eine oder andere den Eindruck –, war das Einsammeln der Bälle am Ende eines jeden Trainings gewesen. Ganz so war es natürlich nicht, auch unter Ottmar Hitzfeld waren die Spieler ins Schwitzen gekommen, aber vor allem in der vergangenen Saison hatten sie körperliche Defizite. Trainingsmethoden nutzen sich im Laufe der Zeit eben ab, genauso wie die Autorität eines Trainers. Bei Magath spuren sie alle. Die Spieler ließen keine Gelegenheit ungenutzt, die einfallsreichen Trainingsmethoden von Magath und seinem für die Kondition zuständigen Assistenten Werner Leuthard zu loben. Für Hasan Salihamidzic und Torsten Frings war dies nichts Neues, sie kannten Magath und sein Konditionsprogramm schon aus Hamburg und Bremen. Allerdings ist Felix Magath von einst nicht mehr zu vergleichen mit dem von heute. „Er geht heute mehr auf Spieler ein, redet viel mit ihnen“, hat Salihamidzic erfreut festgestellt. Obwohl es am Ende der vergangenen Saison kaum noch jemanden gab, der von der Richtigkeit des Trainerwechsels in München nicht überzeugt gewesen ist, muß Magath dennoch erst noch vollständig aus dem Schatten von Hitzfeld treten, dem erfolgreichsten deutschen Vereinstrainer. Seine Dienstzeit beim deutschen Rekordmeister begann aber schon ähnlich gut wie die von Hitzfeld 1998: mit einer überzeugenden Vorbereitung und dem Gewinn des Ligapokals. Die Spiele haben die Hoffnung im Reich des FC Bayern auf mehr Erlebnisfußball genährt. Auch Hitzfeld war einst geholt worden, weil bei seinem Vorgänger Giovanni Trapattoni als defensiv orientiertem Verfechter von langen Bällen einiges im argen gelegen hatte.“
Wir haben gelernt, auf Ergebnis zu spielen, denn wir haben die Ungeduld besiegt
Volker Kreisl (SZ 7.8.) staunt über Wolfgang Wolfs Methoden: „Seit 16 Monaten ist er Trainer beim 1. FC Nürnberg, er hat der Mannschaft wieder in die Erste Liga verholfen, aber das galt als Minimalziel, und nun steht der eigentliche Beweis dafür an, dass der Verein endlich einen Schritt weiter kommt und langfristig erstklassig bleibt. Vor fünf Jahren versuchte das Friedel Rausch, der elegant redete und immer etwas Show machte, aber eine überteuerte Mannschaft hatte, die schließlich mit Eiern und Tomaten beworfen wurde. Vor drei Jahren war es Klaus Augenthaler, der Weltmeister, der immer lässig brummte, aber am Schluss hilflos blieb. Nun ist da also Wolf, der immer etwas Pathos, aber auch Überzeugungskraft in der Stimme hat, und die Nürnberger fragen sich, ob er endlich der Richtige ist für den Verein. Wolfs Worte könnten manchmal von einem Prediger stammen, aber seine Methoden sind auch unkonventionell. Auch in der vergangenen Saison kassierte die Club-Elf oft nach der 75. Minute entscheidende Tore, und eines Tages überraschte der Trainer die Spieler mit einer Änderung im Übungsprogramm. Beim Waldlauf stoppte er die Gruppe auf halber Strecke, ließ Kaffee und Kuchen servieren und diskutierte über Geduld. Dann ließ er bei Heimspielen die Stadionuhr ausschalten – es gab für die Nürnberger keine 75. Minute mehr und irgendwann gab es auch keine Gegentore mehr. „Wir haben gelernt, auf Ergebnis zu spielen“, sagt Wolf, „denn wir haben die Ungeduld besiegt.“ Damals stand der Club, als Aufstiegsfavorit in die Zweite Liga gestartet, auf einem Abstiegsplatz, und mancher Trainer, der in dieser Lage Kaffee und Kuchen serviert, überzeugt niemanden mehr.“
Bescheidener, bodenständiger, näher an die Fans
Was macht der VfL Bochum, Daniel Theweleit (BLZ 7.8.)? „Der Klub ist gerade dabei, das eigene Profil zwischen den Geldmaschinen aus Gelsenkirchen und Dortmund zu schärfen. Bescheidener, bodenständiger, näher an die Fans möchte man treten. Dicke Schlagzeilen will man nur lesen, wenn drei Punkte geholt wurden oder Neururer einen seiner Sprüche loslässt. Statt pompöse Saisoneröffnungspartys zu veranstalten, wurden Blumensamen in den Vereinsfarben Blau und Weiß an alle Haushalte der Stadt verschickt.“
Christian Mixa (taz 7.8.) beäugt die Finanzen der Liga kritisch: „Laut offiziellen Angaben der DFL beträgt der gesamte Schuldenstand der ersten und zweiten Bundesliga 670 Millionen Euro. Vor dem Einbruch am Fernsehmarkt hatten die Vereine auf lange Sicht mit hohen TV-Einnahmen kalkuliert, dieses Geld fehlt ihnen nach wie vor. Manche sitzen jetzt noch auf teuren Spielerverträgen aus der Zeit vor der Kirch-Krise. Darüber hinaus krankt es auch am System, erklärt Arnd Hovemann von der Unternehmensberatung Ernst & Young: „Es gibt einen Rüstungswettlauf um die ersten fünf Plätze, die sehr hohe Einnahmen versprechen. Dies verleitet manche Vereine zu Investitionen und Vorleistungen, die dann beim Nichterreichen eines internationalen Wettbewerbs nur schwer finanzierbar sind.“ Immerhin haben die Vereine den Ernst der Lage inzwischen erkannt. Drei Viertel aller Bundesliga-Manager stufen die Verschuldung inzwischen als existenzbedrohend ein, haben die Ernst-&-Young-Manager kürzlich bei einer Studie herausgefunden. Viele Vereine versuchen deshalb weiter, ihre Ausgaben herunterzufahren. Nicht alle sind dabei so erfolgreich wie der VfB Stuttgart, der eine Halbierung seiner Schulden bekannt gab, natürlich auch dank des Geldregens aus der Champions League. Die meisten Klubs verpflichten inzwischen vorzugsweise ablösefreie Spieler, die Summe der Spielertransfers für die gesamte Liga ist mit etwas mehr als 60 Millionen Euro ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres stecken geblieben. Sieht man einmal von den Topstars ab, sind jetzt auch Gehaltskürzungen und erfolgsabhängige Verträge leichter durchzusetzen als früher. Da wo die Etats gestiegen sind, etwa in Mönchengladbach und Hannover, rechnen die Manager mit Mehreinnahmen aus den modernisierten Stadien. Wirtschaftsexperten wie Hovemann sprechen schon von einer Phase der Konsolidierung, sehen die Liga aber auch an einem Scheideweg: „Die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen geht weiter auseinander.“ Der Trend zeichnet sich schon seit längerem bei den Sponsorengeldern ab. Für die reichen Vereine, die bereits erfolgreich wirtschaften, ist es zudem immer einfacher, sich neues Kapital zu besorgen – und damit mittelfristig auch sportliche Erfolge zu erzielen. Generell ist die Kreditwürdigkeit von Fußballunternehmen bei den Banken aber gesunken. Darunter leiden vor allem die ärmeren Klubs, für die es künftig noch schwieriger wird, Kredite zu bekommen, auch wegen strengerer Vergaberichtlinien in der Kreditwirtschaft. (…) Die Gefahr einer Insolvenz ist in Deutschland so schnell nicht gegeben, dafür sorgen nicht zuletzt auch die relativ strengen Lizenzauflagen in der DFL. Im internationalen Vergleich, vor allem zu Italien und Spanien, steht die Bundesliga finanziell immer noch sehr gut da. Zur neuen Saison wird das europäische Lizenzierungsverfahren eingeführt. Die Bundesliga verspricht sich hiervon bei konsequenter Durchsetzung eine deutliche Aufwertung. In Italien sind jetzt erstmals ernsthafte Bemühungen hin zu einem Sparkurs erkennbar.“
Ballschrank
Verletztenliste bei Bundesligaklubs
lange Verletztenliste bei Bundesligaklubs – VfB Stuttgart streicht Siegprämien – Schwarzgeldaffäre – Beiersdorfer neuer Sportchef beim HSV – Ronaldo u.a.
Michael Ashelm (FAZ 7.8.) fragt nach den Ursachen der zahlreichen Verletzten während der Saisonvorbereitungsphase. „Nehmen die Trainer ihre Spieler zu hart ran? Je näher der erste Spieltag rückt, desto größer die Hatz, weil natürlich auch ökonomische Gründe die Vereine dazu zwingen, ihre Mannschaften bei Turnieren und Privatspielen auflaufen zu lassen. Und die Finanzkrise verschärft die Situation. Jede Möglichkeit, Geld zu verdienen, das Geschäft anzuschieben, soll oder muss wahrgenommen werden. Oftmals kommt diese Art der Belastung auf dem Platz im Trainingsplan zu früh. Wettkampfstress zur falschen Zeit (…) Obwohl in den vergangenen Jahren im Fußball trainingswissenschaftliche Aspekte immer mehr an Bedeutung gewonnen haben, die Vereine Ärzte, Physiotherapeuten und sogar Psychologen zu Rate ziehen, gibt es Schwachstellen im System.“
Zur Kritik an der Streichung der Siegprämien beim VfB Stuttgart durch Manager Rolf Rüssmann meint Ralf Wiegand (SZ 6.8.). „Bevor jetzt allerdings jemand sein Taschentuch rausholt, um dieses Schicksal zu beweinen, sollte bemerkt werden, dass auch der VfB ein Grundgehalt bezahlt, das selbst das kleinste Spielerlicht knapp über die Armutsgrenze lupft und den Top-Mitarbeiter Balakov gar jährlich aufs Neue zum Multimillionär macht – bis an sein Lebensende, falls ihm ein Arzt seines Vertrauens die ewige Jugend attestiert. Auch dank solch sehr sozialer Verträge ist der VfB auf reichlich 17 Millionen Euro Schulden gekommen. Nun beklagen sich die VfB-Spieler bitter über die Rationalisierungsmaßnahme ihres Managements, weil ja wohl irgendwie Ross und Reiter verwechselt worden seien. Naja, stimmt schon, aber von wem soll sich’s der arme Manager Rüssmann denn holen?“
Angesichts der möglichen Schwarzgeldaffäre bemerkt Wolfgang Hettfleisch (FR 6.8.). „Die Fernseheinnahmen sinken, Sponsoren machen sich rar: WM-Boom hin oder her, es ging den Klubs der Fußball-Bundesliga schon mal besser. Was die Branche da nun braucht wie Zahnweh, ist eine Debatte um illegale Finanzpraktiken bei der Anwerbung und Bezahlung der Angestellten (…) Auch für den Beinahe-Bundestrainer hat natürlich die Unschuldsvermutung zu gelten. Was Daum beunruhigen muss, ist, dass Staranwalt Prinz, der ihn, den einstigen Mandanten, in einer entsprechenden Klageschrift in die Bredouille bringt, ebenso wenig zur unflankierten Attacke neigt wie der an den Veröffentlichungen beteiligte SZ-Wühler Hans Leyendecker.“
siehe auch if-Dossier zum Thema Schwarzgeld
Roland Zorn (FAZ 7.8.) zu diesem Thema. „Schon der Verdacht von Steuerhinterziehung schadet der Bundesliga. Dass eine unter dem wachen Blick des Weltkonzerns Bayer gebildete Fußball-GmbH die an ihre Profis und deren Berater gezahlten Gelder unter vorsätzlicher Umgehung des Fiskus überwiesen habe, gilt inzwischen ebenso als ziemlich abenteuerliche Vermutung. Ob die Bundesliga als Gesamtkörperschaft dem Finanzamt gegenüber allzeit vertrauenswürdig gehandelt hat und die Zunft der Spielervermittler auch von Fall zu Fall über jeden steuerlichen Zweifel erhaben ist, darüber wird vermutlich noch einiges zu hören sein (…) Dass in der Bundesliga auch Schwarzgeld mit im Spiel sein könnte, halten Insider zumindest für denkbar. Zumal so manches Geschäftsfeld wie etwa die Kontakte zu südamerikanischen Spielerberatern nur schwer überschaubar scheint. Ob es hier und da zu steuerlich nicht erfassten Geschäften zwischen Vereinsvertretern und Spielerberatern gekommen ist? Schwer zu sagen, vermutlich noch schwerer zu beweisen.“
Manager Reiner Calmund hat die Frage nach geleisteten Handgeldzahlungen seitens seines Klubs Bayer Leverkusen an Jens Nowotny bejaht. Erik Eggers (Tsp 7.8.) meint dazu. „Die Zahlung von Handgeldern im Rahmen derartiger Transfers ist an sich auch nicht strafbar (…) Es wird also vermutlich allein darauf ankommen, ob die betreffenden Spieler die teilweise exorbitanten Handgelder, die in den vergangenen Jahren des freien Marktes flossen, auch korrekt versteuert haben.“
Direkte Freistöße zum Thema Schwarzgeld
Reaktionen der Anwälte Tsp
Die Liga schreit auf SZ
Der ehemalige Profi Dietmar Beiersdorfer ist neuer Sportchef beim HSV. Frank Heike (FAZ 6.8.) dazu. „Erste schwierige Prüfungen für den Managernovizen gilt es schon in der Winterpause zu meistern, wenn Verhandlungen über Vertragsverlängerungen mit Ujfalusi, Hertzsch und Barbarez anstehen. Sofort wird die Hamburger Medienlandschaft seine Fähigkeiten kritisch beäugen: Hat er Verhandlungsgeschick? Macht der Neuling Fehler? Lässt er sich über den Tisch ziehen? (…) Dass Beiersdorfer ungewollt die wichtigste Nebenrolle im Hamburger Sommertheater um Aufsichtsrat Udo Bandow und Vorstand Werner Hackmann einnahm, ist keine gute Basis für ihn: Bandow, der 70 Jahre alte Banker, wollte ihn unbedingt, Hackmann fühlte sich bei dieser Personalie übergangen und wollte zurücktreten. Doch der Vorstandsvorsitzende zeigte sich wieder einmal als Ränkeschmied erster Ordnung: Hackmann bleibt zumindest bis zum Saisonende und will von einer Abneigung gegen den neuen Kollegen nichts wissen (…) Nun hat der HSV also in zehn Monaten die sportliche Leitung ausgewechselt, von Pagelsdorf zu Jara, von Hieronymus zu Beiersdorfer, und falls sich die Räte in der Winterpause nicht zu einer Verlängerung mit Hackmann über das Saisonende hinaus einigen, gibt es auch in dieser Frage einen Anlass zur Zäsur. Abfindungen, weiterlaufende Gehaltszahlungen und ein beträchtlicher Imageverlust bestimmen das Bild.“
Jens Kirschneck (SZ 6.8.) schreibt über die Saisonvorbereitung Arminia Bielefelds. „Ließen sich die Arminen im Mai nach dem sechsten Aufstieg der Klubgeschichte noch euphorisch als „Rekordaufsteiger“ feiern, so hat sich nun längst Ernüchterung breit gemacht. Wenig spektakuläre Neuzugänge, schwache Testspiele und allerlei Skandälchen haben dafür gesorgt, dass viele in Bielefeld den kommenden zwölf Monaten eher mit Sorge denn mit Vorfreude entgegen sehen. Vor allem der notorische Ansgar Brinkmann hielt die Ostwestfalen auf Trab: Im Trainingslager überzog der Angreifer anlässlich seines 33. Geburtstages den Zapfenstreich, zögerte die Begleichung einer darauf verhängten Geldstrafe von 3000 Euro über Wochen hinaus und kritisierte schließlich in einem Interview („Mannschaftssitzungen fangen mit Fußball an und enden oft im Disneyland“) indirekt seinen Übungsleiter. Da auch Kollege Dirk van der Ven („Wir wären auch ohne Trainer aufgestiegen“) Zitierfähiges von sich gab, wähnen manche schon Möhlmanns Autorität in Gefahr.“
Sven Astheimer (FR 7.8.) bemerkt zu den Transfergerüchten um Ronaldo und Real Madrid. „Macht das noch Sinn? Es macht, zumindest in den Augen der Real-Führung um Präsident Florentino Perez. Der trat einst an, um aus dem schwerfälligen Vereinskoloss einen modernen Unterhaltungsapparat zu formen. Der Baumeister ist weit gekommen: Der deutsche Küchenproduzent Teka – ein lange Zeit liebevoll gepflegter Anachronismus – flog von der wertvollen Spieler-Brust und wurde durch Global Player Siemens ersetzt. Der Klub tourt wie eine Rockband zu Gastspielen nach Asien und Amerika im ständigen Bemühen, Manchester United die globale Vorherrschaft streitig zu machen. Und schon bei der Verpflichtung Zidanes rieb sich Reals Marketing-Experte mit Blick auf die algerischen Wurzeln des Franzosen die Hände und sprach von den „neuen Absatzmärkten“, die sich dem Unternehmen nun erschlössen. Deshalb macht Ronaldo auch bei einer scheinbar aberwitzigen Ablöse noch Sinn für Madrid. Damit wäre eine Weltauswahl nahezu komplett, die weltweit jedes Stadion füllen würde und die ihren Marktwert nahezu gänzlich vom sportlichen Erfolg abgekoppelt hätte.“
Zum gewandelten Fußballstil Ronaldos schreibt Peter Hartmann (NZZ 7.8.). „Während des WM-Turniers wurde endgültig deutlich, dass Ronaldo anders spielt als in seiner Jugend. Eigennütziger, ökonomischer, nicht mehr so beweglich und generös wie etwa in der Saison 94, seiner letzten in Brasilien bei Cruzeiro, als ihm in 73 Einsätzen 67 Tore gelangen, oder noch in Eindhoven und Barcelona. Die langen Aufbautrainings nach zwei Knieoperationen haben seinen Körper verändert. Er lotet mit seinen Sprints nicht mehr die weiten Räume aus, er hat die Leichtigkeit des Fliegens endgültig verloren, aber den schnellen Antritt und die Reflexe wiedergewonnen. Cassius Clay tanzte einst wie ein Schmetterling und stach wie eine Biene, und als er nach drei Jahren Sperre als Muhammad Ali in den Ring zurück kletterte, kämpfte er zynischer, berechnender, mit mehr Bodenhaftung.“
Angesichts einer Lebertransplantation erinnert Christian Eichler (FAZ 5.8.) an die Karriere des schillernden Fußballstars George Best. „Die Berichte seiner Taten schildern Unglaubliches. Wie er den Ball mit dem Hintern stoppte; ihn auf dem Oberschenkel über den halben Platz dribbelte; ein Tor im Handstand mit der Hacke schoss; sein rotes Trikot auszog, um, den Ball am Fuß, vor dem Verteidiger zu wedeln wie der Torero vor dem Stier; wie er gern versuchte, schon im ersten Duell dem Gegenspieler den Ball durch die Beine zu spielen und, wenn das gelang, noch mal zurück. Johan Neeskens spielte er den Ball so oft hindurch, dass er dem Holländer am Ende ein Gummiband aus seinem Socken schenkte: damit er sich die Beine zusammenbinden konnte (…) Nach seiner Auszeichnung als Englands Spieler des Jahres soff er die Nacht durch. Am nächsten Morgen fand ihn ein Polizist volltrunken auf der Straße, die Trophäe im Arm. Das Genie in der Gosse, es wurde die Rolle seines Lebens. Best, der einfache Bursche aus Belfast, war nicht vorbereitet auf das, was die verrückte Welt aus ihm machte. Er wurde der erste Popstar des Spiels, vollkommen gegensätzlich zu seinem heutigen Nachfolger, dem sozialverträglichen, durchgestylten David Beckham. Beide sind perfekte Spiegelbilder ihrer Zeit: Best für die zügellosen 68er Jahre; Beckham für die Ära des globalen Kommerzes, dessen Stars politisch korrekt sind und sich das Rebellische beim Friseur holen.“
Zum Beginn der Leichtathletik-EM in München wirft Jan Mühlethaler (NZZ 6.8.) ein. „Dass sich die Leichtathletik auf dem europäischen Kontinent eher auf dem absteigenden Ast befindet, hängt selbstredend nicht nur damit zusammen, dass das Bewusstsein für traditionelle Sportarten einfach so abhanden gekommen wäre. Denn völlig neu zu erfinden ist die Leichtathletik nicht, sie ist höchstens anders zu „verpacken“. Sie muss den Zuschauern im Stadion und vor den Fernsehgeräten benutzerfreundlicher präsentiert werden. Diese Chance bietet sich den EM-Organisatoren, die auf dem Olympiagelände von 1972 eine Art Wiedergeburt (zumindest in einer Sportart) der so erfolgreichen, zugleich aber auch tragischen Sommerspiele heraufbeschwören wollen. Dort, wo vor 30 Jahren das DDR-Team erstmals hinter eigener Fahne ins Stadion eingelaufen ist, soll 2002 leistungsmäßig ein Ruck durchs längst wiedervereinte deutsche Nationalteam gehen, das in Trainerfragen weiterhin nicht ohne DDR-Wissen (nicht Methoden) auskommt.“
Gewinnspiel für Experten
Freitag, 6. August 2004
Interview
Alle haben Schiss vor dem großen Franz Beckenbauer
Markus Hesselmann & Armin Lehmann (Tsp 6.8.) fragen Rudi Assauer nach Ziel und mehr
Tsp: Wenn Jupp Heynckes mal wieder auf das Thema Meisterschaft angesprochen wird, stehen Sie daneben und verziehen mürrisch das Gesicht. Warum gehen Sie nicht offensiv mit Ihren Ansprüchen um?
RA: Wenn man angreift, muss man die Klappe halten und nicht alles rausposaunen. Ich habe keine Lust, hinterher als Depp dazustehen. Außerdem setze ich unnütz andere im Verein unter Druck. Für uns gilt als Saisonziel Platz fünf, ein Platz im Uefa-Cup.
Tsp: Sie sprachen schon von Schalke als der dritten Kraft in Deutschland. Jetzt wollen Sie nur noch fünfte Kraft sein? Reicht es Ihnen, nur für ein tolles Stadion in die Schalker Geschichte einzugehen?
RA: Ein neues Stadion kann eine Meisterschaft nicht ersetzen.
Tsp: Für dieses große Ziel haben sie das Risiko nochmals erhöht?
RA: Wir haben die Grundlagen gelegt, um angreifen zu können. Das ja. Aber das Risiko ist überschaubar. Schauen Sie sich doch hier um: Das Stadion und das ganze Umfeld gehört zu 80 Prozent uns. Das ist alles Schalke. Bei uns mussten Bund und Land nicht das Stadion finanzieren wie in Berlin. Und bei uns ist das Stadion immer voll, in der Hauptstadt schaffen die das ja noch nicht einmal zur Eröffnungsfeier.
Tsp: Herthas Manager Dieter Hoeneß sagt, die Arena auf Schalke sei künstlich laut und habe keinen Charme.
RA: Ach, der Dieter. Der war schon immer so. Als wir ihm den Victor Agali weggeschnappt hatten, rief er bei mir an und drohte. Der Dieter ist ein verquanteter Mensch, wie wir in Westfalen sagen, nicht so gerade heraus wie sein Bruder.
Tsp: Dafür haben Sie sich in die Hände eines Londoner Finanzmaklers begeben, sich über diesen eine Anleihe vermitteln lassen und Ihre Zuschauereinnahmen bis 2025 verpfändet. Sie verlagern das Schuldenproblem auf Ihre Nachfolger.
RA: Wo ist denn der Unterschied, ob ich mir über eine Bank oder eine Anleihe Geld besorge? Deutsche denken dabei zu konservativ und glauben, allein eine Bank stehe für Seriosität. Dabei leihen die mir auch kein Geld nur wegen meiner treuen Augen. Auch Banken wollen umfangreichste Sicherheiten. Im Übrigen war diese Anleihe für uns wesentlich günstiger als Bankkredite. Die konnten wir durch die Anleihe alle ablösen. Das überschüssige Geld haben wir nicht in die Mannschaft gesteckt. Ein gewisses Risiko müssen wir aber eingehen, wenn wir sportliche Ziele erreichen wollen. Das ist aber nicht weiter tragisch.
Tsp: Was wäre denn tragisch?
RA: Wenn du jetzt in den nächsten Jahren dreimal Zehnter wirst und fünfmal bist du Vierzehnter, fängt der Baum an zu brennen. Oder wenn du die Nähe zu deinen Fans verlierst, wenn du dich als Verein mit einem Zaun abschottest und die Fans drücken sich daran die Nasen platt.
Tsp: Sie reden von Borussia Dortmund.
RA: Dortmund oder auch andere.
Tsp: Die Trainersuche in der Nationalmannschaft haben Sie hart kritisiert, dabei haben Sie doch selbst unerfahrene Trainer wie Frank Neubarth geholt. Jürgen Klinsmann müsste Ihnen gefallen.
RA: Hören Sie doch auf. Wenn man es unbedingt so gewollt hätte, gut und schön. Aber die Trainersuche war doch Kasperletheater. Nur Löw hat bislang als Trainer gearbeitet. Was bitte befähigt denn die Herren Klinsmann und Bierhoff dazu, die Nationalelf zu führen? Was haben die als Trainer oder Manager vorzuweisen? Da hätte man richtig investieren und einen erfahrenen Mann holen müssen. Das kostet dann halt ein bisschen Geld. Bislang wirkt alles wie eine PR-Aktion.
Tsp: Was ist schief gelaufen?
RA: Die wissen beim DFB nicht wie das geht, einen Trainer zu verpflichten. Weil sie nicht im Tagesgeschäft des Fußballs sind, haben sie nicht das Wissen, wie man eine Mannschaft führt. Da sagt einer nach dem anderen ab, in aller Öffentlichkeit. Und alle haben Schiss vor dem großen Franz Beckenbauer, obwohl der jeden Tag einen neuen Namen genannt hat. Keiner traute sich ihm zu sagen: Jetzt halt dich mal bedeckt, Franz. Erst haben sie den Hitzfeld reingesungen, dann den, dann den. Und dann Lothar Matthäus! Das wäre das Nonplusultra gewesen. Wenn ich mir so etwas auf Schalke leisten würde, die würden mich kreuzigen.
Tsp: Sie hätten sich in die Trainersuche einmischen können.
RA: Mich hat der DFL-Präsident Hackmann angerufen und mich gebeten, Kontakt zu Morten Olsen aufzunehmen. Das habe ich getan. Aber da hatten die beim DFB schon längst einen anderen ausgeguckt.
Wir wollen uns überall beweisen und überall bestehen
Roland Zorn (FAZ 6.8.) interviewt Thomas Schaaf
FAZ: Was erwarten Sie sportlich von der Champions League?
TS: Wir sind im Topf vier, dem Topf der sogenannten kleinen Klubs, und wissen somit, daß, egal, was auf uns zukommt, es Kracher sein werden. Prinzipiell aber ist es egal, ob es der Posemuckelpokal ist oder die Champions League: Wir wollen uns überall beweisen und überall bestehen.
FAZ: Von der schweißtreibenden Vorbereitung der Bayern auf die neue Saison hat man reichlich gelesen. Dafür stand schon der Name Felix alias „Quälix“ Magath. Wie es im Bremer Trainingslager zuging, war nirgendwo ein großes Thema. Fühlen Sie sich als Meister der Normalität manchmal etwas übersehen?
TS: Wer unser Programm mitgemacht hat, weiß, was er getan hat. Wir haben gut gearbeitet, aber ich halte – ohne damit irgend jemand anderem etwas nachzusagen – nichts davon, die Spieler so kaputtzumachen, daß sie sich nicht mehr bewegen können. Wir waren im letzten Jahr nachweislich wissenschaftlicher Erkenntnisse und Analysen top in Sachen Fitness – und das über die ganze Saison. Es gab keine Mannschaft, die uns körperlich überlegen war. Ich hoffe, daß wir dieses Maß aufs neue finden. Allerdings ist es in diesem Jahr etwas schwieriger für uns, weil einige Spieler nach Europa- und Südamerikameisterschaft später als andere Profis in unser Training eingestiegen sind.
FAZ: Wie halten Sie den Gemeinschaftsgeist, der Werder in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat, auf demselben Niveau wie bisher?
TS: Man muß immer dafür sorgen, daß die Spieler hungrig bleiben und die Freude daran behalten, etwas erreichen zu können. Dazu muß jedem klar sein, daß das Team stets an erster Stelle steht. Wenn aber der einzelne sagt, ich muß zuerst mal meine roten Schuhe zeigen, dann geht’s nicht. Im letzten Jahr haben wir sehr gut aufeinander aufgepaßt.
FAZ: Was kann Werder von dem Tempofußball lernen, der bei der Europameisterschaft gespielt wurde?
TS: Wenn der schnelle Spielfluß, die zügigen Kombinationen nicht nach Wunsch zu realisieren sind, sind individuelle Qualitäten gefragt. Die Fähigkeit, daß ein Spieler allein die Entscheidung herbeiführen kann. Wir haben solche Individualisten: Micoud oder Klasnic zum Beispiel.