indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Donnerstag, 17. Februar 2005

Ball und Buchstabe

Korruption, der Misswirtschaft und der Mauschelei

Christian Zaschke (SZ 17.2.) hält Sepp Blatters Seitenhieb auf den Radsport für dreist: „Dass ausgerechnet Blatter inmitten des Fußball-Skandals auf den Radsport verweist – das ist mindestens erstaunlich. Falls Sie nun, liebe Radsportler, sich munitionieren wollen für eine Entgegnung, sei Ihnen dies an die Hand gegeben: Seit dem Tag seiner Wahl, dem 8. Juni 1998, begleiten Blatter Vorwürfe der Korruption, der Misswirtschaft und der Mauschelei. In jener Wahlnacht im Pariser Hotel Meridien kursierten geldgefüllte Kuverts, die insbesondere bei den afrikanischen Fifa-Delegierten landeten. Das sei so vereinbart gewesen, meinte Blatter zunächst, weil es sich um Not leidende Verbände gehandelt habe. Später wollte er davon nichts mehr wissen. Als Blatter mal einen Zeugen brauchte, der einen anderen Zeugen als korrupt bezeichnete, tauchte ein gewisser Lucien Bouchardeau aus Niger auf. Dem hatte Blatter zuvor in einem „humanitären Akt“ 25 000 Dollar von seinem Privatkonto überwiesen, und dass Bourchadeau Schiedsrichter war, sei hier wirklich nur am Rande erwähnt.“

Matti Lieske (taz 17.2.) wiegt die Bedeutung der Rüge Franz Beckenbauers: „Selbst die New York Times schlagzeilte gestern „Beckenbauer: ,Skandal schadet Deutschland‘“. Besondere Brisanz erhalten die Tiraden des obersten Fußballbewahrers der Nation dadurch, dass er mit seiner Polemik gegen die DFB-Doppelspitze direkt in den Machtkampf eingegriffen hat, der gerade im Verband tobt. Fast alle wollen dort Gerhard Mayer-Vorfelder loswerden oder seine Tätigkeit zumindest auf repräsentative Aufgaben im Rahmen der WM reduzieren. (…) Dass er im Oktober überhaupt noch einmal gewählt wurde, hatte er den in der DFL organisierten Vertretern der Profivereine zu verdanken. Vor allem diese sind nun gefordert, dem Beispiel Beckenbauers zu folgen und dem widerspenstigen Fußball-Patriarchen klar zu machen, dass es hohe Zeit ist, die Ära Mayer-Vorfelder im deutschen Fußball endgültig zu beenden.“

Mehr Ernsthaftigkeit, mehr Strenge und mehr Nachprüfbarkeit

Roland Zorn (FAZ 17.2.) befasst sich mit Sorge und Not der deutschen Schiedsrichter: „Das Leben schreibt leider andere Geschichten als im Poesiealbum der Schiedsrichter bis vor kurzem vorgesehen. Wo die Männer in Schwarz seit ewigen Zeiten scheinbar unbeeindruckt, unantastbar und sowieso unbestechlich ihres moralisch aufgeladenen Amtes walteten, macht sich heute Unsicherheit, Verzagtheit, ja Angst vor der nächsten schrecklichen Entdeckung und peinlichen Enthüllung breit. (…) Noch ist die Gruppe der aufrichtigen Schiedsrichter in Deutschland mehrheitsfähig, und das eindeutig. Die Lage ist dennoch erschreckend genug, um die größer werdende kleine Schar der Übeltäter im zu vernachlässigenden Schuldbezirk der Randgruppensünder verorten zu können. Volker Roth und alle, die in seinem Schiedsrichterausschuß guten Willens bleiben, sind nun um so dringender aufgefordert, die Charakter- und Lebensschulung der nächsten Generation an Unparteiischen mit mehr Intensität, mehr Ernsthaftigkeit, mehr Strenge und mehr Nachprüfbarkeit in Angriff zu nehmen.“

„Steckt hinterm schwarzen Schaf ein Herdentrieb“, FAZ

Affäre in der Affäre

Thomas Kistner (SZ 17.2.) kritisiert die Aufarbeitung der Krise durch die Schiedsrichterfunktionäre: „Koop wurde öffentlich vorverurteilt, ausgerechnet von denen, die das am wenigsten tun dürften. So werden die Auftritte des Schiedsrichterausschusses zur Affäre in der Affäre. (…) Der Eindruck, dass mit dem Schiedsrichterwesen einiges im Argen liegt, bestätigt sich dramatisch, wenn man die ungeklärten Vorgänge an jenem schicksalhaften 21. Januar betrachtet, als Hoyzer erstmals beim DFB zum Rapport antrat. Warum wurde er unter einem Vorwand dorthin gelockt, warum empfing ihn anstelle des Kontrollausschussleiters Hilpert ein Tribunal des Schiedsrichter-Ausschusses? Warum wurde Hoyzer von diesem Gremium zum Austritt aus dem Zuständigkeitsbereich des DFB gedrängt – und Präsident Zwanziger erst später über die ungeheuerlichen Vorgänge informiert? Ist Hoyzers Ablaufschilderung richtig, dass ihm an jenem 21. Januar ein Pressetext als Druckmittel vorgelegt wurde, der ihn des Betrugs bezichtigte – und als Alternative eine Erklärung, nach der er sich künftig ganz einem zeitintensiven Studium widmen und deshalb aus der Schiedsrichterei zurückziehen wolle – heimlich, still und leise?“

FR-Interview mit Stefan Trautmann

Mittwoch, 16. Februar 2005

Internationaler Fußball

Imstande, mit den größten mitzuhalten

Maciej Garbolinski (Tsp 16.2.) befasst sich mit den Ursachen des Erfolgs von Schachtjor Donezk: „Orange ist die Farbe der Wende in der Ukraine. Mit ihren orangefarbenen Fahnen haben die Anhänger der Opposition den gerade gewählten Präsidenten Juschtschenko unterstützt. Auch die Fußballer von Schachtjor Donezk spielen in grell orangefarbenen Trikots. Nur wird der Klub aus dem ostukrainischen Donezk in der Industrieregion Donbass vom mächtigen Rohstoffoligarchen Rinat Achmetow gesponsort. Der gilt als verbissener Gegner Juschtschenkos und hatte im Präsidentschaftswahlkampf den unterlegenen pro-russischen Protagonisten Janukowitsch unterstützt. Dennoch ist Orange auch im ukrainischen Fußball die Farbe der Wende, denn Schachtjor Donezk macht sich gerade auf, eine der besten Mannschaften in Europa zu werden. Das liegt vor allem an Achmetow. 38 Jahre ist er alt und mit dem Gesamtvermögen von 3,5 Milliarden Dollar der reichste Ukrainer. Nach der Herkunft seines Reichtums fragt kaum jemand. Tatsache ist jedenfalls, dass er allein im vergangenen Jahr sein Vermögen verdoppelt hat und dass sich beim Verkauf staatlicher Unternehmen keiner traut, gegen ihn zu bieten. Es ist eine spezielle Art, nach der in Donbass Geschäfte gemacht werden, sie hat aber auch ihren Preis. Achmetows Hauptquartier ähnelt einer streng bewachten Militärbasis, auf Schritt und Tritt folgen ihm bewaffnete Söldner. Eine verständliche Sicherheitsmaßnahme: Sein Geschäftspartner Alexander Bragin wurde 1995 während eines Ligaspiels im Bombenanschlag ermordet. (…) Dass der Klub aus der Ukraine bereits imstande ist, mit den größten mitzuhalten, zeigt das jüngste Ringen um den brasilianischen Jungstar Robinho. Bis zur letzten Minute war nicht klar, ob er zu Real, Chelsea, Inter Mailand oder Schachtjor wechselt.“

Ball und Buchstabe

Jeder wusste, dass diese Doppelspitze nicht funktionieren würde

Armin Lehmann (Tsp 16.2.) kann den momentanen Ärger um die DFB-Doppelspitze nicht nachempfinden: „Die große Revolution endete in der Doppelspitze. Intern hieß es damals aus dem DFB, trotz des faulen Kompromisses sei Mayer-Vorfelder faktisch entmachtet und isoliert, er dürfe nur noch repräsentieren. Interessant ist nun, dass ein angeblich entmachteter Präsident so mächtig viel falsch machen kann, dass man ihn am liebsten schon wieder entmachten will. (…) Jeder im deutschen Fußball wusste, dass diese Doppelspitze nicht funktionieren würde. Aber gewählt worden ist sie doch. Dass sich jetzt Franz Beckenbauer hinstellt und darüber klagt, ist verlogen.“

Die gleichen bösen, alten Männer

Peter-Michael Diestel, Anwalt des suspendierten Torsten Koop, im Interview mit Matthias Wolf (BLZ 16.2.)
BLZ: Koop wird nicht der Manipulation beschuldigt. Warum braucht er einen Anwalt?
PMD: Weil mit ihm umgegangen wird wie mit einem Schwerverbrecher. Herr Koop ist verzweifelt, deshalb hat er sich anwaltliche Unterstützung geholt. Sonst hilft ihm ja keiner. Der DFB stellt hier einen verdienten Mann in den Regen. Seine ganze Familie wird in die Öffentlichkeit gezerrt – auf unverantwortliche Weise.
BLZ: Was werfen Sie dem Verband denn konkret vor?
PMD: Da gibt es unglaubliche Aussagen von einigen Herren beim DFB, über deren Zurechnungsfähigkeit möchte ich gar nicht mutmaßen.
BLZ: Sie beziehen sich auf Manfred Amerell der erklärte, Koop werde „nie mehr ein Spiel pfeifen“?
PMD: Herr Amerell vermittelt durch seine niederträchtigen Aussagen doch den Eindruck: Der eine Strolch heißt Hoyzer – der andere Koop. Da wird einer aus den eigenen Reihen zum Täter gemacht, totgeschlagen ohne Voruntersuchung. Die Strafe wird auch schon festgelegt, bevor die Fakten auf dem Tisch liegen. Hier stellen die Herren vom DFB einen Unschuldigen vors Loch, um von sich und ihren Fehlern abzulenken.
BLZ: Wie meinen Sie das?
PMD: Ach, in Frankfurt sitzen doch immer noch die gleichen bösen, alten Männer wie vor acht Jahren, als ich Präsident beim FC Hansa Rostock war. Die kriegen die Krise nicht verwaltet und schlagen nun in ihrer hemdsärmligen, hilflosen Art auf Leute ein, die sich um den Fußball verdient gemacht haben.(…) Wie viele Monate hat der DFB schon Kenntnis von den merkwürdigen Vorgängen rund um Herrn Hoyzer – und hat ihn doch weiter pfeifen lassen? Und meinem Mandanten werden jetzt einige Tage Schweigen angelastet. Das harte Vorgehen des DFB gegen Herrn Koop ist unverhältnismäßig.
BLZ: Warum hat Herr Koop den Anwerbeversuch erst so spät bekannt gemacht? Mitte Januar wurde er bei einem Lehrgang angesprochen, letzte Woche erst machte er seine Aussage.
PMD: Er hat das nicht ernst genommen. Er hat die aus seiner Sicht wahnwitzigen Andeutungen als Prahlerei abgetan, zumal Herr Hoyzer an dem Tag alkoholisiert war.
BLZ: Wenige Tage nach dem Anwerbeversuch kam die Skandallawine bereits ins Rollen. Da hätte er wissen müssen, worum es geht.
PMD: Mein Mandant wollte niemanden denunzieren, gegen den noch keine Beweise vorliegen.
BLZ: Robert Hoyzer hat aber bereits am 27. Januar ein Geständnis abgelegt. Da hat der DFB alle Referees aufgefordert, ihr Wissen über Hoyzer offen zu legen.
PMD: Meinem Mandanten erschien das, was er erlebt hat, zu unwirklich. Jenseits der Wahrheit.
BLZ: Er hätte doch nur aussagen müssen, was auf dem Hotelzimmer am Rande des Lehrgangs passiert ist.
PMD: Herr Koop ist Mecklenburger. Ein ruhiger, sachlicher Typ, dem Aktionismus und Wichtigtuerei fremd sind. Für andere mag Herr Hoyzer jetzt ein Aussätziger sein – aber mein Mandant hat in ihm lange noch den Kollegen gesehen.

Gute Freunde

Daniel Theweleit (FTD 16.2.) erklärt den Meinungsumschwung Joseph Blatters in Sachen Chip im Ball: „Noch im November 2002 hatte Blatter eine ganz andere Position vertreten. Fehler werde es immer geben, hatte er prophezeit, und deshalb gehörten Diskussionen, „ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht“, eben zum Spiel. Fehlentscheidungen machten den Fußball „menschlich und damit emotional“, fuhr Blatter damals fort. Elektronische Hilfen für Schiedsrichter würden dem Spiel sein „menschliches Antlitz entreißen“. Mit exakt diesen Argumenten stellt er sich heute gegen den Videobeweis. Wird die Fifa in der Frage einer Schiedsrichterunterstützung durch Fernsehbilder also auch irgendwann zustimmen? Das kann sein – wenn gute Freunde ein Interesse daran haben. Denn dies ist bei der „Chip-im-Ball-Technik“ der Karlsbader Firma Cairos der Fall. Diesem Unternehmen ist nämlich ein bemerkenswerter Schachzug gelungen: Es gewann Adidas als Partner, und der Sportartikelhersteller baute den von Cairos entwickelten Chip in einen Ball ein. Einer der wichtigsten Fifa-Sponsoren würde damit also profitieren von der Einführung dieser Technik. Blatter und das Führungspersonal von Adidas kennen sich bestens. (…) Vielleicht lässt sich von dieser Geschichte ja nun auch Philips, der Elektronikhersteller unter den Fifa-Sponsoren, inspirieren. Denn wenn der eine überzeugende Technologie zur Führung von Videobeweisen entwickelt, dann könnte irgendwann auch dieses Hilfsmittel gewisse Chancen vor dem IFAB erhalten.“

(Wie) funktioniert der Chip im Ball?, SZ

Dienstag, 15. Februar 2005

Internationaler Fußball

Sanierer der Zustände, die er zu verantworten hat

Italien ist uns in vielem voraus – Peter Hartmann (NZZ 15.2.) stellt Franco Carraro vor, prominenter Kandidat für den Ligavorsitz: „Carraro ist schon alles gewesen: Minister für Tourismus, Sport und Spektakel, Bürgermeister von Rom, Präsident der AC Milan, der Fussball-Liga, des nationalen olympischen Komitees, und in seiner Jugend war er der beste Wasserskifahrer Europas. Er sitzt breit auf allen Stühlen, so auch im IOK und weiterhin auch an der Spitze der Federcalcio, des Fussballverbandes, obschon er schon nach der Schmach gegen Südkorea an der WM 2002 und nach dem EM-Debakel 2004 seinen Rücktritt versprochen hat, um die Wogen zu glätten. Jetzt ist der 66-Jährige mit einem geradezu bulgarischen Votum von 94,6 Prozent als Verbandschef wiedergewählt worden, mit einem Trick: Er gelobte, das Amt nach zwei Jahren an seinen Vize Giancarlo Abete abzutreten – dann könnte er, wenn sein Wahlversprechen aufgeht, die EM 2012 nach Italien zu holen, viele neue Stadien mit Staatsgeldern bauen. Wie er das schon als Organisator der WM 1990 getan hat. Und vor allem hätte er wieder ein Amt mit einem Horizont bis 2012. Die Arenen von 1990 sind heute schon schrottreif, unmodern, ohne Komfort. Dieser „beste Verteidiger des italienischen Fussballs“, wie La Repubblica spottete, dieser Sesselverteidiger, verkörpert wie kein anderer die Skandale, das Chaos, die Misswirtschaft des Calcio und auch den Niedergang der Nationalmannschaft. Ausgerechnet der Verwalter des Niedergangs bietet sich als Sanierer der Zustände an, die er zu verantworten hat.“

Interesse am europäischen Lieblingssport hat der Amerikaner noch nicht entwickelt

Daniel Meuren (FTD 15.2.) schildert die Stimmung in Manchester nach dem Derby und dem erneuten Angriff Malcolm Glazers auf United: „Die Spieler von Sir Alex Ferguson nutzten die große Chance, mit einem 2:0-Sieg Opium für das Fanvolk zu verabreichen. (…) Die Fans von Manchester City, die United wegen der Ansiedlung des Stadions Old Trafford im Vorort Salford nicht zu Manchester zählen mögen, hoffen unterdessen inständig, dass Glazer den verhassten Rivalen kauft und mit seinem rein am wirtschaftlichen Gewinn orientierten Verhalten sportlich in den Abgrund führt. Folgerichtig füllten sie das City of Manchester Stadium in der für sie so bitteren Schlussviertelstunde mit minutenlangen USA-Rufen. Uniteds Fans konnten diese Schmährufe dank der Rooney-Tore ertragen, fürchten aber, die Prognose des gegnerischen Lagers könnte ziemlich genau zutreffen. Der US-Milliardär will nämlich offensichtlich nach der angestrebten feindlichen Übernahme den Umsatz durch noch ausgiebigeren Verkauf von Fanartikeln in Asien und den USA steigern. Dabei will Glazer von seinen Erfahrungen als Besitzer eines Footballteams aus der amerikanischen Profiliga NFL profitieren. Interesse am europäischen Lieblingssport hat der Amerikaner indes noch gar nicht entwickelt. Spiele seines Klubs besucht der Mann nie.“

Synonym für Fussball mit einer gewissen Vision

Aufschwung bei De Graafschap, nun mit Leo Beenhakker – Bertram Job (NZZ 15.2.): „Als Lift-Mannschaft zwischen Eredivisie und erster Liga sind die Superboeren (Superbauern) aus Doetinchem ein typisches Grenzwert-Phänomen – zu schwach, um jemals weiter oben mitzuspielen, und doch zu stark, um nach einem weiteren Abstieg nicht bald wieder an der Oberfläche des holländischen Fussballs aufzutauchen. Zurzeit jedoch strafen die notorischen Aussenseiter ihr romantisches Image Lügen. Seit November hält in Doetinchem nämlich „Graf Leo“. Mit dem ehemaligen Star-Coach ist nicht nur der unverkennbare Geruch brasilianischer Zigarillos in der gesunden Landluft um das Klubgelände eingezogen, sondern auch eine Spur von grosser Fussballwelt. Zwischen Ajax und Real, Grasshoppers und Guadalajara hat der heute 64-jährige Rotterdamer stets in den besten oder ambitioniertesten „Häusern“ grosse holländische Fussballschule gelehrt. Das klappte teils brillant, teils bescheiden, wie etwa in Zürich (1992-93). Doch in jedem Fall wurde die Marke Beenhakker weiter als Synonym für Fussball mit einer gewissen Vision gehandelt. Nun also soll der weltläufige Routinier den Provinzlern, in deren blau-weiss gestreiftem Jersey auch einmal Guus Hiddink steckte, mit seinen vielen Kontakten aus der Klemme helfen. Seit sie sich zur eigenen Überraschung in der Aufstiegsrunde für die Ehrendivision durchgesetzt haben, sind die Superbauern zwangsläufig um bessere Spielqualität bemüht.“

Am Grünen Tisch

Einen Minister aus der UdSSR

Der SZ (15.2.) entnehmen wir die nächsten schlechten Nachrichten über Deutschlands Schiedsrichter: „Der Schiedsrichter-Skandal beim DFB erreicht dramatische Dimensionen. Der Sportartikelkonzern und langjährige DFB-Werbepartner Adidas lässt nach Angaben von Pressesprecher Oliver Brüggen „derzeit durch die Rechtsabteilung prüfen“, ob der DFB-Angestellte Stefan Trautmann in größerem Umfang Sportartikel im Internet versteigert hat, die er angeblich kostengünstig über seinen Status als Verbandsangestellter für den Eigenbedarf erwerben konnte. Der Trautmann zur Last gelegte Handel mit Ware soll gewerbsmäßige Ausmaße besitzen, dies zeigen jedenfalls Verkäufe und Bewertungslisten der Verkaufsplattform eBay – und anders wäre es kaum zu der Meldung des Ausrüsters beim Fußballverband gekommen.“

Das nächste Fass geöffnet

Thomas Kistner (SZ 15.2.) kommentiert den Fall Trautmann: „Das nächste Fass wird geöffnet. Der Bundesliga-Schiedsrichter und DFB-Angestellte hat rein gar nichts mit der Affäre Hoyzer zu tun, er steht für andere Sündenfälle. Und liefert so schon mal die Gewähr, dass man sich endgültig von der frommen Einzeltäter-These verabschieden muss, nach der im deutschen Schiedsrichterwesen (abgesehen vom schwarzen Schaf Hoyzer) nur hohe Werte gepflegt werden: Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Unbestechlichkeit. Tatsache ist ja, wie auch der Fall Koop zeigt, dass man als Manipulator in Schiedsrichterkreisen kein großes Risiko lief, Betrugsvorschläge an den Kollegen zu bringen – sogar, wenn dieser nicht mitmachen wollte. Fakt ist auch, dass es im Verband fragwürdige Besetzungen gibt. Und dass mit diesen Personalien, nicht nur im Fall Hoyzer, gern diskret umgegangen wird.“

Mayer-Vorfelder lebt in der Vergangenheit

Roland Zorn (FAZ 15.2.) befasst sich mit dem Einflussverlust des DFB-Präsidenten: „Präsidiumssitzungen des DFB waren früher harmonische Veranstaltungen, geprägt von der Autorität unbestrittener Anführer wie Hermann Neuberger oder Egidius Braun. Seitdem Gerhard Mayer-Vorfelder an der Spitze des mit 6,3 Millionen Mitgliedern größten Sportfachverbandes der Welt steht, ist das Murren über die präsidialen Alleingänge des 71 Jahre alten Stuttgarter Multifunktionärs kontinuierlich angeschwollen. (…) Nichts ist mehr, was es war. Vor allem „MV“ selbst, de jure noch im Amt, de facto aber ein Mann ohne Rückhalt, ist nicht mehr derjenige, der er mal war. Seit dem Osnabrücker DFB-Bundestag im Oktober muß sich Mayer-Vorfelder die Macht, die er längst verloren hat, der Form nach mit Theo Zwanziger teilen. Der Verwaltungsjurist aus dem Westerwald hat seitdem die Zeit genutzt, sich nach außen wie nach innen zu profilieren. Er gilt inzwischen als der erste und beste DFB-Aufklärer des großen Wettskandals. (…) Beim Düsseldorfer DFB-Empfang anläßlich des Länderspiels gegen Argentinien entschuldigte der oberste Repräsentant des deutschen Fußballs den ferngebliebenen Oberbürgermeister der Stadt damit, daß er „einen Minister aus der UdSSR“ empfangen müsse. Wie es scheint, lebt Gerhard Mayer-Vorfelder längst in der Vergangenheit. Auch deshalb soll er sich, heißt es, zu Fragen der Gegenwart des deutschen Fußballs am besten gar nicht mehr äußern.“

Bundesliga

Sechskampf

Spannung in der Liga – Martin Hägele (NZZ 15.2.) reibt sich die Hände: „Es sieht nicht mehr nach einem Solo der Magath-Truppe aus. Der Leader aus dem Süden führt ein Sechserfeld zusammen mit dem FC Schalke 04 an, doch bis zum Sechsten Bayer Leverkusen sind es gerade einmal sechs Punkte. Heimlich, still und leise hat sich dabei mit Hertha BSC Berlin ein Team im vorderen Drittel etabliert, das in den nächsten Wochen noch zum Geheimfavoriten avancieren könnte. Im Gegensatz zu Münchnern, Bremern und Leverkusenern, Schalke 04 und VfB Stuttgart ist die Mannschaft aus der Hauptstadt in keinem internationalen Wettbewerb engagiert – was sich schon häufig als Vorteil für Teams in der Aussenseiterrolle herausgestellt hat. Auf jeden Fall ergibt sich eine Konstellation, wie sie die Bundesliga seit Jahren nicht mehr erlebt hat – um diese Zeit hatte sich die Meisterschaft meistens zum Duell, allenfalls auf einen Dreikampf reduziert. Indes spricht trotz den ersten Gegentoren in der Rückrunde viel für den FC Bayern München.“

Strategische Höchstleistung

Andreas Burkert (SZ 15.2.) erklärt den Bielefelder Sieg: „Die Münchner sind nicht daran gescheitert, mit allzu wenig Leidenschaft oder Körpereinsatz den Sonntagsdienst verrichtet zu haben. Eigentlich sah man die Bayern so leidenschaftlich und körperbetont kämpfen wie selten in einem Auswärtsspiel. Es ist eher so gewesen, dass die Arminia eine strategische Höchstleistung aufgeführt hat. Nach sechs sieglosen Spielen hintereinander war ja zuletzt nicht mehr sehr häufig vom Konzeptfußball die Rede gewesen.“

Er leidet

Leverkusen besiegt Mainz, Michael Eder (FAZ 15.2.) beschreibt die Reaktionen und Launen der Trainer: „Daß sich Klaus Augenthaler auch von Siegen der eindrucksvollen Sorte die schlechte Laune nicht verderben läßt, gehört zu den Markenzeichen des Leverkusener Trainers. Auf einen knorrigen Kommentar des Bayern mußten die Zuhörer nicht verzichten, das gehört mittlerweile zum rhetorischen Bayer-Inventar. Auffälliger war Augenthalers Nebenmann auf dem Podium der Pressekonferenz. Jürgen Klopp, in der Vorrunde der Strahlemann der Liga, hat das Tagesgeschäft eingeholt, sieben Spiele in Folge hat er nun schon verloren, und waren bis zur vergangenen Woche zumindest noch Reste seines alten, mitreißenden Optimismus zu spüren, so sah man diesmal nur noch Tristesse und tiefe Niedergeschlagenheit. Klopp ist keiner, der sich in solchen Situationen verstellen kann, dafür fehlen ihm erfreulicherweise Routine und Distanz, er ist Gefühlsmensch durch und durch – und er leidet.“

Montag, 14. Februar 2005

Allgemein

Collina verkörpert Wunschträume der Italiener von Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit

Tobias Piller (FAS 13.2.) analysiert den Status Pierluigi Collinas in Italien: „Wohlhabend geworden ist er, weil sein Nimbus als Unparteiischer und sein Charakterkopf in der Fernsehwerbung ähnlich gefragt sind wie in Deutschland die Auftritte von Franz Beckenbauer. Im italienischen Fußball ist er die Lichtgestalt. Vor allem aber wollen die Millionen italienischer Fußballfans jeden Sonntag keinen anderen Schiedsrichter als Pierluigi Collina pfeifen sehen. Daß er augenblicklich derjenige ist, der zuletzt einen Elfmeter gegen Juventus Turin gegeben hat, gilt wieder einmal als Zeichen von unbestechlichem Gerechtigkeitssinn. (…) Die Fußballikone Italiens heißt inzwischen Collina – nicht zuletzt, weil Italiens Nationalmannschaft seit Jahren keinen der begehrten Meistertitel mehr errungen hat. (…) Collina verkörpert Wunschträume der Italiener von Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit. Die Leistungen und Anerkennung als Schiedsrichter schreibt Collina selbst dabei nicht etwa seinem vermeintlichen Naturtalent zu, sondern immer wieder nur der systematischen Vorbereitung: „Ich muß das gute Gewissen haben, daß ich alles getan habe, um dem Spiel gerecht werden zu können.“ Dazu gehört für ihn eine ganze Menge: die athletische Vorbereitung, allein oder mit anderen Schiedsrichtern, die psychologische Ausgeglichenheit vor dem Spiel, vor allem aber das akribische Sammeln von Informationen über Mannschaften und Spieler.“

Interview

Vielleicht ist der liebe Uli schon ein bißchen zu lange bei den Bayern

Klaus Augenthaler mit Gerd Schneider (FAS 13.2.)
FAS: Leiden Sie noch sehr unter der 0:2-Niederlage bei den Bayern?
KA: Ich kann mich gar nicht erinnern, daß ich eine Niederlage so lange verdauen mußte. Es ist eine Aufbruchstimmung hier in Leverkusen, man träumt vom Titel, und mit einem Sieg wären wir bis auf drei Punkte an der Spitze drangewesen. Und dann fahren wir da hin und geben so die Punkte ab! Ich habe keine Überzeugung bei unseren Spielern gesehen. Es war für uns noch nie so einfach, in München zu gewinnen. Und wenn ich dann höre, daß die Bayern in der zweiten Hälfte ihr bestes Spiel in dieser Saison gemacht haben sollen, ja dann Mahlzeit! Das war doch ein Grottenkick.
FAS: Könnte es sein, daß Ihr Erregungspotential bei den Bayern, Ihrem früheren Klub, höher ist als bei anderen Gegnern?
KA: Natürlich, das spielt eine Rolle. Aber was mich geärgert hat, war die Art, wie wir verloren haben. Leider ist es bei uns so, daß unsere Spieler wie paralysiert sind, wenn sie nur das Dach vom Olympiastadion sehen. Außerdem sind dieses Mal auch Dinge abgelaufen, die nicht okay waren. Der Uli Hoeneß macht in der Pause meine Spieler an, daß sie Schauspieler wären. Ein Witz! Vielleicht ist der liebe Uli schon ein bißchen zu lange bei den Bayern.
FAS: Gibt es immer noch ein Bayern-Syndrom in der Bundesliga? Erstarren manche Teams vor Ehrfurcht vor den großen Bayern?
KA: Daran hat sich nichts geändert. Das war eine Erfahrung nach meinem Weggang von den Bayern, das haben mir auch viele andere Trainer bestätigt: Immer wenn man nach München ins Olympiastadion gefahren ist, hat man, drastisch gesagt, die Hosen voll gehabt. Das ist nicht nur Respekt, sondern da ist auch Angst dabei.
FAS: Träumen Sie davon, daß Sie als Trainer mit Ihrer Mannschaft so einen Sonderstatus erreichen?
KA: Ich denke, daß wir bei Bayer Leverkusen auf einem guten Weg sind. Bayer hat ja auch schon vor meiner Zeit hier große Spiele abgeliefert. Aber der Unterschied ist: Wenn die Bayern Zweiter sind, fühlen sie sich als große Verlierer. So ein Denken brauchten wir hier auch.

TspaS-Interview mit Per Mertesacker

Ball und Buchstabe

Die Personalie MV wird DFB-internes Krisenthema

Thomas Kistner (SZ 14.2.) befasst sich mit dem vermutlichen Machtverlust Gerhard Mayer-Vorfelders: „Eine Entmachtung bahnt sich in der DFB-Chefetage an. Am Sonntag installierte das Präsidium ein vierköpfiges Gremium, um schnelle Beschlüsse im Wettskandal treffen zu können. Pikanterweise gehört DFB-Boss Mayer-Vorfelder diesem Quartett nicht an, das von seinem geschäftsführenden Co-Präsidenten Theo Zwanziger, Liga-Chef Hackmann, Schatzmeister Schmidhuber sowie DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt gebildet wird. Damit wird die Personalie MV erstmals als DFB-internes Krisenthema erkennbar.“

Verantwortung abwälzen

Matti Lieske (taz14.2.) beklagt die Sündenbockstrategie gegen Schiedsrichter Torsten Koop: „Dem DFB habe er keine Mitteilung gemacht, weil er Hoyzers Äußerungen für „Prahlerei“ hielt. Und nach Aufdeckung der Hoyzer-Affäre, so ist zu vermuten, schwieg er weiter, eben weil er vorher nichts gesagt hatte. „Der Name Koop wird auf der Schiedsrichter-Liste nie mehr auftauchen“, sagt Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell, eine Art Sonderbeauftragter für markige Worte im DFB. Damit hat der Versuch der Verantwortungsträger, die Verantwortung abzuwälzen, eine neue Dimension erreicht, nachdem zuvor die peinlichen Attacken des Präsidenten Mayer-Vorfelder gegen den Wettanbieter Oddset nur begrenzten Erfolg zeitigten. All jene, die im DFB als Kontrollinstanzen versagt hatten, sind weiter im Amt: Mayer-Vorfelder, der Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende Volker Roth, der Kontrollausschuss-Vorsitzende Horst Hilpert. Sie alle wussten seit August von Merkwürdigkeiten in Sachen Hoyzer, oder hätten davon wissen müssen, und taten nichts. Schuld daran soll nun offensichtlich Torsten Koop sein, der ebenfalls nichts tat.“

Unverständlich

Jan Christian Müller (FR 14.2.) ergänzt: “Dass Koop sich nicht umgehend, noch als Opfer von Hoyzers Gier, geoutet hat, darf ihm auch im Nachhinein niemand derart übel nehmen, dass eine Suspendierung deshalb gerechtfertigt wäre. Unverständlich aber bleibt das Verhalten des 39-Jährigen, also erfahrenen Referees Koop, nachdem er und seine Kollegen bei einer eigens einberufenen Krisensitzung der deutschen Spitzenschiedsrichter am 27. Januar auf die damals ja schon absehbaren straf- und sportrechtlichen Folgen hingewiesen wurden. Zeitgleich legte Hoyzer an jenem Tag ein Geständnis ab. Keine Nacht länger hätte Torsten Koop damit warten dürfen, den DFB über das verhängnisvolle Gespräch mit Hoyzer im Frankfurter Hotel zu informieren.“

Kommt nach der Nicht-Leistungs-Prominenz jetzt die Kriminellen-Prominenz?

Peter Lückemeier (FAS 13.2.) verfasst eine Prominenz-Soziologie: „Vielleicht kennen ihn jetzt genauso viele Menschen wie einen Ministerpräsidenten, der für seinen Bekanntheitsgrad hart und jahrelang hat arbeiten müssen. Aber Ministerpräsidenten erhalten seltener Fanpost, Hoyzer dagegen „bekommt jetzt Heiratsanträge“, wie Bild weiß. (…) „Prominenz“ ist zunächst ein neutraler Begriff. Prominent ist, wer herausragt, wer von mehr Menschen gekannt wird, als er selber kennt. Wer auf der ganzen Welt erkannt wird und gleichzeitig die Phantasien der Massen erregen kann, der ist ein Star. Ganz früher wurde man prominent eigentlich nur durch Geburt und Abstammung. Es war eine emanzipatorische Hervorbringung, daß Leistungsprominenz möglich wurde: Jemand kann heute, auch wenn er weder adelige noch reiche Vorfahren hat, durch schiere Leistung prominent werden, sei es als Weitspringer, Schauspieler oder Sangeskünstler. Seit einiger Zeit aber wurde das Leistungsprinzip durchbrochen oder doch aufgeweicht. Ein neues Phänomen trat hinzu: Prominenz trotz Schlichtheit. Nicht mehr die Leistung zählte, sondern geradewegs deren Gegenteil. Die Stichflammenberühmtheiten aus den Container-Sendungen, die C-Prominenz der Dschungel-Shows, die Daniel Küblböcks. (…) Robert Hoyzer weckt über die böse Tat hinaus ein mediales Interesse. Robert Hoyzer hat nichts geleistet. Er sieht ganz nett aus, aber das reicht nicht für eine längere Karriere, Showtalent geht ihm auch weitgehend ab. Ist Hoyzer also Vorbote einer neuen Qualität? Kommt nach der Nicht-Leistungs-Prominenz jetzt die Kriminellen-Prominenz?“

Ralf Mielek (BLZ/Media 14.2.) kritisiert das ZDF für seine Hoyzer-Stories: “Das besonders Ärgerliche an dieser auf die Person fixierten Berichterstattung ist, dass das ZDF bei der aufklärenden Recherche nicht ganz vorne dabei sein will. Es tut nur ein bisschen so. Dabei bieten sich dafür durchaus erprobte Formate an. Im Sportstudio aber musste ein kaum drei Minuten langer Beitrag zu diesem Thema ausreichen. Lieber warb die Redaktion auch hier für den eigenen Hoyzer-Film am Sonntagnachmittag.“

René Martens (FTD 14.2.) fügt hinzu, auf ein blindes Auge des ZDF hinweisend: „Als unter der Woche der Kleinganove und Möchtegern-Sexgott Robbie Hoyzer durch seinen Auftritt bei Johannes B. Kerner ein paar Heiratsanträge akquirieren durfte – gerade noch rechtzeitig, um seine U-Haft-Lektüre zu erweitern –, wuchs die Empörung auf Orkanstärke an. Kaum war sie abgeklungen, kam auf demselben Kanal nun ausgerechnet Blatter zum Wettskandal zu Wort. Ungefähr eine halbe Fußballmannschaft von Publizisten hat aufgearbeitet, wie viele Leichen der Schweizer im Weinkeller hat. Jetzt tönt Blatter, „die Aufdeckung“ der Causa Hoyzer „sollte ein Warnschuss für alle Betrüger sein“. Sieht so aus, als schüttele er weniger über die Taten der Täter den Kopf als über deren Schusseligkeit. Blatter wird immerhin stichhaltig vorgeworfen, dass er weit mehr gekauft habe als ein paar Spiele, nämlich 1998 seine Wahl zum mächtigsten Fußballfunktionär der Welt. Der Tag, an dem das ZDF Saddam Hussein über Demokratiedefizit dozieren lässt, scheint nicht mehr fern zu sein.“

Man macht sich schon seine Gedanken, wenn man die Zeitungen liest

Interessant! Aus dem Tagesspiegel (14.2.) entnehmen wir Hintergründe des Haftbefehls: „Die öffentliche Meinung spielte wohl auch eine Bedeutung. „Wir sind ja auch nicht von einer anderen Welt. Man muss zwar nicht reagieren, wenn Herr Hoeneß etwas fordert, aber man macht sich schon seine Gedanken, wenn man die Zeitungen liest“, gibt Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge zu. Uli Hoeneß hatte sich darüber empört, dass Hoyzer immer noch auf freiem Fuß war.“

Unterhaus

Wie soll das klappen?

Ronny Blaschke (SZ 14.2.) widmet sich den Ambitionen Dynamo Dresdens: „2006, so träumen die Entscheidungsträger, soll Dynamo in die Bundesliga zurückkehren, elf Jahre nach dem Zwangsabstieg. Doch wie soll das klappen mit einem günstig zusammen gepuzzelten Team? In dieser Saison kamen allein zwölf Spieler, unter anderem Möchtegern-Brasilianer Ansgar Brinkmann. Nicht viele weckten Zuversicht. Das Ziel steht. 2006 soll auch die Rundumsanierung des Rudolf-Harbig-Stadions auf den Weg gebracht sein. Wenn da nicht dieser hemmende Bürokratismus wäre. In einer Stadt wie Dresden, die sich zunächst als Kultur- und Tourismusstandort begreift, hat der Fußball für die Politik einen ganz anderen Stellenwert als in Rostock oder Cottbus. Bis der erste Stein verlegt ist, werden noch einige Jahre vergehen.“

Bundesliga

Schockzustand

22. Spieltag – Michael Horeni (FAZ 14.2.) ist mit der Leistung der Schiedsrichter unzufrieden: “Das schwarze Wochenende für die Schiedsrichter endete nicht auf der juristischen Anklagebank. Auch in den Stadien wirkten die angeschlagenen Unparteiischen wie im Schockzustand, vor allem bei der Bochumer Niederlage in Dortmund. Die Fehlleistungen von Schiedsrichter Albrecht nahmen sich fast ebenso eklatant aus wie die gekauften Entscheidungen Hoyzers beim manipulierten Pokalspiel. Ein verweigerter Elfmeter und ein aberkannter Treffer entrüsteten die Bochumer, die sich wie Betrogene vorkamen. Auch in Hamburg rückte der Unparteiische in den Blickpunkt. Uwe Kemmling verweigerte Stuttgart einen Elfmeter. Die Freistoßentscheidung vor dem 2:1 des HSV allerdings, über die sich die Schwaben ebenfalls aufregten, war korrekt.“

Erfolgreicher scheitern kann man kaum

Freddie Röckenhaus (SZ 14.2.) verweist auf die Mängel Michael Meiers: „Dem gewieften Meier ist es bisher gelungen, seinen langjährigen Weggefährten Niebaum als den einzig Schuldigen an dem größten Finanzdebakel in der Geschichte der Bundesliga dastehen zu lassen – und mit Krokodilstränen auch noch unverbrüchliche Loyalität zu Niebaum zu postulieren. Eine bemerkenswerte Wendehalsigkeit – zumal sich Meier auch noch dem neuen Präsidenten Reinhard Rauball so geschmeidig hat andienen können, dass er auch dessen Gunst genießt. (…) Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: Meier wird Ende Februar wohl erneut einen Halbjahresverlust von über 20 Millionen Euro bekannt geben müssen – den er mit Niebaum angerichtet hat. Potentielle Geldgeber sind über Meier und seinen angeblich laxen Umgang mit der Wahrheit so empört, dass sie Gespräche mit ihm verweigern. Und die Fans, die Meier aus guten Gründen stets „aus dem Verein heraushalten“ wollte, sehen in ihm eine Symbolfigur des Ausverkaufs. Erfolgreicher scheitern als Michael Meier kann man kaum.“

Mittelklasse

Über die klare Niederlage der Wolfsburger in Schalke heißt es bei Gerd Schneider (FAZ 14.2.): „Kopflos in die Krise: Das galt für Wolfsburg auf dem Platz wie auch außerhalb. Den Verantwortlichen im Volkswagenkonzern wird das nicht verborgen geblieben sein. Sie haben viel investiert, damit der erhoffte Glanz des Wolfsburger Fußballs dereinst auf die Automarke abstrahlt. Doch am stürmischen Samstag fand sich der VfL Wolfsburg dort wieder, wo auch sein Geldgeber zu Hause ist: in der Mittelklasse.“

Allerhand Lust und Liebe

Gibt’s auch Klingeltonwerbung in Schalke, Ulrich Hartmann (SZ 14.2.)? „Auf dem Videowürfel in der Schalker Arena waren allerhand Treueschwüre zu lesen. Die Fans durften per Handy Grüße übermitteln, deshalb war auf einem Laufband das ganze Spiel über von allerhand Lust und Liebe zu lesen. Schalker Anhänger machten sich dort Komplimente und Heiratsanträge, und nach 63 Minuten und 30 Sekunden im Spiel des FC Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg lief eine prägnante Würdigung über das blau-weiße Laufband der Emotionen: „Danke, Asa!“.“

Klose ist ein Beleg für die Weitsicht der Bremer Personalpolitik

Holger Gertz (SZ 14.2.) preist die Bremer Stürmerschule: „Bremen gegen Gladbach war kein besonderes Spiel, nur der Sturm fiel auf. Er bauschte die Tormaschen, als wären es Fischernetze an den ausgefahrenen Armen eines Krabbenkutters. Er blies die Abschläge der Torwarte sogleich zu ihnen zurück. Er wirbelte Rolf Töpperwien die Werbetafel an die Stirn. Neben dem Sturm fiel noch der Sturm auf, der Bremer. (…) Tatsächlich ist das das Beeindruckende am Bremer Team, damals wie heute: die Pflege ihrer Stürmer. Früher hatten sie Völler und Riedle, die im Vorgarten des FC Bayern geboren waren oder in dessen Nachbarschaft spielten, allein: Karriere machten sie in Bremen. Neubarth und Bode, herangewachsen in der eigenen Jugend, jetzt Miroslav Klose, der vor einem Jahr in Kaiserslautern noch ein erledigter Fall zu sein schien und längst, nach mehrmonatiger Behandlung durch den Seelenpfleger Thomas Schaaf, viel mehr ist als ein Stürmer. Klose ist ein Beleg für die Weitsicht der Bremer Personalpolitik, zum Beispiel verglichen mit dem Aktionismus der Gladbacher. So viele neue Spieler, und so ein altes, schwaches Spiel. Allein Craig Moore hatte ein paar große Szenen, erst hieb er auf Micoud ein und senste später Jensen um.“

Stimmen zum Spieltag, sueddeutsche.de

Samstag, 12. Februar 2005

Allgemein

Ricken lernte, dass er als Mitläufer und Lückenbüßer mitmachen durfte

Über die Ursachen von Lars Rickens Comeback heißt es von Freddie Röckenhaus (SZ 12.2.): „Vielleicht ist Ricken nun zum ersten Mal „Führungsspieler“. Ein Charaktertalent, das einem Christoph Metzelder in die Wiege gelegt scheint, und für das einer wie Ricken mit sich selbst ringen muss. Doch die Verhältnisse im einstigen Legionärslager Dortmund verändern sich, zum ersten Mal, seit Ricken mit 17 von Ottmar Hitzfeld in die Bundesliga beordert wurde. Damals „musste ich keine Verantwortung tragen, zwischen all den Cesars, Möllers und Sammers“. Und als er in das Alter kam, in dem er bei den meisten anderen Erstligisten zum Eckpfeiler geworden wäre, wurden ihm permanent neue Profis vor die Nase gesetzt. Ricken lernte, dass er als Mitläufer und Lückenbüßer mitmachen durfte in einem Ensemble voller Hierarchien und Erbhöfe. Das hat ihm zu lange gereicht. Möglich, dass die, die Dortmunds Höhenflug mit gepumpten Millionen finanzierten, Lars Ricken erst zum Dauertalent degradiert haben.“

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